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Wieso macht das WG-Leben so wahnsinnig viel Spaß, obwohl es so chaotisch ist? Wie finde ich die richtigen WG-Mitbewohner? Welche Putzpläne funktionieren wirklich? Wie werde ich den nervigen Mitbewohner wieder los? Was muss ich bei Mietverträgen beachten? Und wer hat, verdammt noch mal, meinen Joghurt gegessen? Bei diesen Fragen helfen dir die Experten von "Frag Mutti": Die besten Top-Tipps für alle, die das erste Mal in eine WG ziehen – vom WG-Casting, über Putz- und Aufräumtricks bis zu den abgefahrensten Partys und den einfachsten Renovierungskniffs. Mit Geschichten aus dem turbulenten Leben einer Lieblings-WG, den besten Partyrezepten, Psychotests und dem ersten WG-Adventskalender zum Selbermachen.
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Seitenzahl: 180
Veröffentlichungsjahr: 2017
Bernhard Finkbeiner | Hans-Jörg Brekle | Tabea Mußgnug
Wer hat von meinem Joghurt gegessen?
Die Experten von »Frag Mutti« können helfen: Für alle, die das erste Mal in eine WG ziehen, gibt es hier die ultimativen Tipps: vom WG-Casting, über Putz-Tricks und einfachen Renovierungskniffen bis hin zu den abgefahrensten WG-Partys.
Mit Geschichten aus dem turbulenten Leben einer Lieblings-WG, den besten Partyrezepten, Psychotests und dem ersten WG-Adventskalender zum Selbermachen.
Weitere Informationen finden Sie auf www.fischerverlage.de
Bernhard Finkbeiner wurde 1983 in Ludwigsburg geboren und studierte in Deutschland und in Kanada. Er betreibt das Haushaltsportal www.frag-mutti.de sowie seit 2011 das Onlineberatungsportal www.yourxpert.de. Mit seiner Familie lebt er in Ludwigsburg.
Hans-Jörg Brekle, 1976 in Stuttgart geboren, lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Benningen am Neckar. Der gelernte Zimmermann, Sozialpädagoge und Master der Organisationsentwicklung arbeitet in einem Wohnheim für Menschen mit psychischer Erkrankung und einer Suchtmittelerkrankung auf der Karlshöhe Ludwigsburg.
Tabea Mußgnug, Jahrgang 1987, studierte in Heidelberg Kunstgeschichte, Religionswissenschaft und Byzantinische Archäologie und promoviert in Kunstgeschichte. Sie arbeitet in einem Archiv und hofft auf das große geniale Jobangebot.
Weitere Informationen finden Sie auf www.fischerverlage.de
Erschienen bei FISCHER E-Books
Frankfurt am Main, Oktober 2017
Für die deutschsprachige Ausgabe:
© 2017 S. Fischer Verlag GmbH, Hedderichstr. 114, D-60596 Frankfurt am Main
Covergestaltung und -abbildung: bürosüd, München
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Dieses E-Book ist urheberrechtlich geschützt.
ISBN 978-3-10-490548-8
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Vorwort
Bist du überhaupt WG-tauglich? – Der Frag-Mutti-WG-Test
Auswertung
Wie findest du die richtigen Mitbewohner?
Suche – Biete
Was muss in meiner Anzeige stehen?
Augen auf bei der Wohnviertel-Wahl
Wo inseriere ich eine Suche- oder Biete-Anzeige?
Wie reagiere ich auf eine Anzeige?
Das Casting
Vor- und Nachteile von Einzelbesichtigungen
Vor- und Nachteile von Massenbesichtigungen
WG-Konstellationen
Der Mietvertrag
1. Möglichkeit: Du bist Hauptmieter, alle anderen WG-Bewohner sind Untermieter
2. Möglichkeit: Du bist Untermieter
3. Möglichkeit: Alle WG-Bewohner sind Hauptmieter
4. Möglichkeit: Jeder WG-Bewohner ist ein eigenständiger Mieter
Wer zahlt den Makler?
Wohnungsübergabe, Übergabeprotokoll
Wie organisierst du deinen Umzug in die WG?
Der Umzugs-Plan
Unsere wertvollsten Umzugstipps
Anmelden & Ummelden
Das WG-Zimmer aufhübschen
Werkzeugkasten-Grundausstattung
Streichen
Leuchte anschließen
WG-Pflanzen
Wie haltet ihr eure WG am besten sauber?
Die fünf besten Putzmittel, die schon Oma kannte
1. Wiener Kalk
2. Waschsoda
3. Kernseife
4. Gallseife
5. Waschbenzin
Saubere Fenster
Grundkurs: WC-Putzen
Abflussfrei für Ängstliche
Grundkurs: Wäschewaschen
Welches Waschmittel ist das Richtige?
Waschsymbole und deren Bedeutung
Für Bügel-Muffel
Eine Perle für die WG
Wie organisiert ihr euer WG-Essen?
Das Starter-Paket für die WG-Küche
Obst lagern, aber richtig
Einfrieren mit System
Kann man alles einfrieren?
Die Vorbereitung
Der Gefrierbeutel, dein Freund und Helfer
Alles hat ein Ende
Das Wichtigste im Tiefkühlfach: Der Überblick
WG-Küchen-Grundausstattung
Die Frag-Mutti-Küche Unsere fünf Lieblingsgerichte
Platz 5: Pasta mit Mangold
Platz 4: Gefüllte Rösti
Platz 3: Enchilada-Auflauf
Platz 2: Putengeschnetzeltes mit Kokosmilch
Platz 1: Chili sin Carne
Noch was Süßes oben drauf
Die WG fliegt aus
Feuer machen – Safety first!
Stockbrot und rustikale Pizza Calzone
Jetzt wird’s spießig
Der Lagerfeuer-Kochtopf: Aluminiumfolie
Nachtisch mal anders
Wie feiert ihr die weltbeste WG-Party?
Die Frag-Mutti-Bar Unsere Lieblingsgetränke
Bier mal anders
Altbierbowle
Joghurt-Bier
Ritterbier
2017er Wein-Genuss
Muttis Party-Lieblinge
Mutti Olé: Hot-Taco-Salat
Partysuppe à la mama
Muttis Schnecken
Muttis Party-Spiele
Signature Move
Finde die Sau
Bürger von Palermo
Muttis After-Hour
Katerfrühstück
Welche WG-Typen gibt es und wie lässt es sich miteinander aushalten?
WG-Mitbewohner-Typologie
Der Eremit
Der Nackte
Der Unhygienische
Der Über-Öko
Die Mutti/Der Vati
Der Partylöwe
WG-Stress
Deswegen knallt es am häufigsten im WG-Leben
Konfliktmanagement
Ihr seid wirklich richtig gute Mitbewohner, wenn …
Welches WG-Haustier passt zu uns?
Auswertung
Semesterferien
WG-Adventskalender zum Selbermachen
Register
Keine Frage, die Zeit, in der man in WGs wohnt, irgendetwas studiert und wild und jung und frei ist, ist toll. Aber wir, die Autoren dieses Buches, haben im Laufe der Jahre, der Fettnäpfchen und der leicht peinlichen Missgeschicke auch festgestellt, dass nicht alles Gold ist, was glänzt: Die Waschmaschine macht manchmal, was sie will, die Kochkünste enden eventuell schon bei Nudeln mit Pesto und irgendetwas ist immer kaputt. Wir kapitulierten meistens und riefen unsere Mütter an, die uns geduldig erklärte, wie man Kartoffeln kocht oder vermeidet, dass nach dem Waschen alle Socken rosa sind. Das waren Schlüsselerlebnisse. Seither wissen wir: Der Anruf bei Mutti bleibt überlebenswichtig, egal ob man acht oder achtzehn (oder auch achtundzwanzig) ist!
Für alle, die Muttis und Vatis Nerven nicht überstrapazieren wollen – oder die einfach nicht möchten, dass auf den nächsten hundert Familiengeburtstagen die Eltern lustige Geschichten erzählen, die beginnen mit: »Und drei Wochen nachdem sie/er ausgezogen war, klingelt das Telefon und ihr glaubt nicht, was die Frage war! …« – haben wir nun dieses Buch geschrieben. Endlich können wir unseren reichen, freud- und leidvollen Erfahrungsschatz loswerden! ☺ Alle Tipps in diesem Buch sind garantiert alltagstauglich. Viele davon wurden nicht nur von uns, sondern auch von einer großen Jury aus Schicksalsgenossinnen und -genossen auf unserer Website www.frag-mutti.de erprobt. Nach der Lektüre wirst du der perfekte Mitbewohner sein, der sich die Wohnung ausschließlich mit den coolsten Leuten teilt, die legendärsten WG-Partys schmeißt und einfach rundherum unfehlbar ist.
Ja, okay, vielleicht nicht ganz. Aber auf jeden Fall wirst du damit elegant diverse Fehler und Fettnäpfchen umschiffen können und hast einen praktischen Ratgeber für alle WG-Lebenslagen. Gute Ideen für WG-Partys und Mitbewohneraktionen, von denen ihr noch euren Enkeln erzählen könnt, sind auch im Gepäck.
Und jetzt los, rein ins WG-Leben, es ist eines der schönsten – wir wünschen dir viel Spaß!
Dein/e
Bernhard, Hans-Jörg und Tabea
Was isst du am liebsten?
Pasta! ❍
Über Mamas Rinderbraten geht mir nichts. ❍
Räuchertofu-Gemüsepfanne mit karamellisierten Pinienkernen und im Anschluss vegane Crème brûlée. Und ich lasse mir gern Zeit. ❍
Paella mit Scampi; davon lassen sich auch große Mengen machen. Ich bekoche ja total gern andere – je mehr, desto besser. ❍
Wie stellst du dir deine perfekte Wohnung vor?
Günstig, zentral und nicht im obersten Stock. ❍
Balkon, Dielen, Kassettentüren, hohe Decken. ❍
Geräumig und ruhig. ❍
Bunt, individuell und immer was los. ❍
Wie lange brauchst du morgens im Bad?
Fünf Minuten – Zähneputzen, Kämmen, Eincremen, Deo. ❍
Schon ziemlich lang. Das nervt meine Eltern auch immer. ❍
Zwanzig Minuten – Duschen, Zähneputzen, Haare stylen, Schminken. ❍
Ach, ich kann mich anpassen – und mich stört es auch nicht, wenn jemand aufs Klo geht, während ich dusche. ❍
Welche Haushaltsfähigkeiten hast du?
Badputzen, Saugen und Wäschewaschen krieg ich hin. ❍
Ich musste manchmal helfen, die Geschirrspülmaschine auszuräumen. ❍
Alles, was mit Desinfizieren zu tun hat. ❍
Waschen, Putzen, Kochen, Bügeln, Mangeln, Einwecken, Polsterpflege. Normal halt. ❍
Warum möchtest du in eine WG ziehen?
Weil ich es mir lustig vorstelle, und ich gleich Leute kennenlerne. ❍
Weiß nicht, das macht man eben so als Student, oder? Und meine Eltern sagen auch, es würde mir gut tun. ❍
Ich hätte ja lieber etwas Eigenes, aber das ist schwer zu finden und sauteuer. ❍
Ach, ich bin so ungern allein. Ich find’s schön, dass dann immer jemand da ist, wenn ich nach Hause komme oder Lust auf einen Spieleabend habe. ❍
Du willst duschen und entdeckst auf dem Boden der Dusche viele Haare. Was tust du?
Ich nehme den Duschkopf, spüle die Haare weg und dusche dann. Was sonst? ❍
Warum soll mich das stören? Sind doch eh meine Haare. ❍
Ich gebe ein ersticktes Würgen von mir, verlange vom Urheber, die Haare zu entfernen und kann wochenlang beim Duschen an nichts anderes denken. ❍
Ich ziehe Gummihandschuhe an, entferne die Haare per Hand, um nicht durch etwaiges Herunterspülen den Abfluss zu verstopfen, und reinige die Dusche kurz mit Essigreiniger, wenn ich sowieso schon dabei bin. Alles gar kein Problem, voll okay. ❍
Du kommst in der Nacht nach Hause, deine Mitbewohner schlafen schon. Du hast großen Hunger auf einen Teller Nudeln. Was tust du?
Ich weiche auf eine dieser China-Instant-Nudelsuppen aus – dazu braucht man wenigstens nur den Wasserkocher, das ist nicht ganz so laut. ❍
Ich kann nicht kochen. Aber ich frage kurz bei meinen Mitbewohnern herum, ob sie mir helfen. ❍
Na, ich koche mir richtig schön Pasta all’arrabbiata. ❍
Ich verzichte. Jetzt noch zu kochen wäre wirklich zu laut, und ich stecke gern zurück für die anderen. Vielleicht könnte ich morgen Abend für alle Pasta kochen und noch die neuen Nachbarn einladen?! ❍
Überwiegend a: Der Normalo
Zieh in eine WG. Punkt. Du bist okay. Normal, nicht zu faul, nicht überengagiert, nicht zu pingelig, kein Dreckspatz. Wenn du jetzt noch eine Waschmaschine hast, kein Anhänger obskurer Kulte oder abseitiger Körpermodifikationen bist und Deo benutzt, wird dich jede WG-Casting-Jury mit Handkuss nehmen.
Überwiegend b: Das Nesthäkchen
Bist du das jüngste Kind deiner Eltern? Oder Einzelkind? Zumindest entsprichst du einigen Klischees, die dies mit sich bringen würden. Wahrscheinlich sind deine Eltern nicht von der Sorte, die viel Wert auf Mithilfe-Pläne für jedes Familienmitglied über drei Jahren legt, oder? Deine Eltern rufen dich, wenn das Essen fertig ist und stören dich manchmal ziemlich, wenn sie unverhofft in dein Zimmer kommen und deine frisch gewaschene, gebügelte und zusammengelegte Wäsche in akkuraten Stapeln anliefern wollen. Schon anstrengend, wenn man dann aufstehen und irgendwo einen Platz dafür freiräumen muss. Du kannst natürlich in eine WG ziehen, aber lerne vorher wenigstens, wie man ein Bad putzt, wie eine Waschmaschine funktioniert und wie man in der Küche mehr macht, als Wasser heiß. Nicht nur, weil du das als jemand, der alt genug zum Ausziehen ist, können solltest, sondern auch, weil du dir sonst keine Freunde machen wirst. Wir meinen es wirklich nur gut, aber: Hopp!
Überwiegend c: Der Alleinwohner
Dich möchten wir schon an dieser Stelle bitten, dass du das Buch in deinen Händen zuklappst und jemandem schenkst, der tatsächlich für WGs geeignet ist. Denn du bist es nicht. Du willst Ruhe und Sauberkeit, Freiheit und nur dann Sozialkontakt, wenn du auch tatsächlich Lust darauf hast. Das ist in Ordnung, wirklich. Es gibt günstige kleine Wohnungen, man muss nur gut genug suchen. Und selbst wenn nicht, dann miete dich in einem dieser altmodischeren Wohnheime an der Uni ein, die noch Einzelzimmer vermieten anstatt dieser Zweck-Wohnheim-WGs, die in den letzten Jahren um sich gegriffen haben. Du wirst damit zufriedener sein, und deine theoretischen Mitbewohner auch. Zusammen wärt ihr nicht glücklich geworden.
Überwiegend d: Der Über-Mitbewohner
Du kannst einfach alles. Sternekoch, Putzprofi, kostenloser Therapeut, ewiges Verständnis. Du genießt nichts mehr, als für zwanzig Leute ein Drei-Gänge-Menü zu zaubern, deine Tür steht immer offen, es können dir gar nicht genug Besucher sein. Du fühlst dich wahrscheinlich auch in Gemeinschaftsduschen wohl, sortierst die Wäsche aller deiner Mitbewohner freiwillig nach fünfzehn verschiedenen Kriterien und bist in einer Kommune aufgewachsen. Du bist so perfekt, so sozial, so pragmatisch und vor allem so entspannt, dass es einem schon wieder auf den Keks geht. Such dir gern eine WG mit mindestens sieben anderen, die deinem Kaliber entsprechen – sonst wirst du dich ewig fragen, warum dich die anderen nicht so richtig leiden können, obwohl du ihnen und all ihren Freunden doch jeden Morgen Pausenbrote mit lustigem Gemüsebelag aushändigst.
Es ist sieben nach drei. Auf 15 Uhr habe ich die erste Fünfergruppe bestellt, und ich finde es unfassbar, dass kein einziger bisher da ist. Wenn ich ein WG-Zimmer unbedingt haben wollte, würde ich fünf Minuten vorher da sein und nicht zehn zu spät. Ich bin nervös, das muss ich zugeben. In den letzten Wochen hat es irgendwie zu viele erste Male gegeben: die erste Vorlesung, das erste Mal Wohnung suchen, das erste Mal in der Mensa essen, das erste Mal Studi-Ticket kaufen, das erste Mal einen Mietvertrag unterschreiben. Und zwar für eine Wohnung, die für mich alleine sowohl zu groß als auch zu teuer wäre. Darum jetzt also: zum ersten Mal Mitbewohner suchen. Genauer gesagt: drei Mitbewohner. Ich habe ein WG-Casting ausgeschrieben, im Internet wie alle, und es haben sich viel mehr gemeldet, als ich naiverweise erwartet hatte. Ich musste also aussortieren, und heute habe ich die Vielversprechendsten eingeladen. Insgesamt zwanzig, in vier Fünfergruppen eingeteilt – Ordnung muss sein. Ordnung herrscht auch bei meiner Castingvorbereitung: Ich habe mehrere Blätter vor mir liegen. Eine Liste mit Fragen, die ich mir überlegt habe. Und auf dem Rest stehen die Namen der WG-Bewerber und sonst nichts, damit ich mir was zu ihnen aufschreiben kann. Irgendwie muss ich mich ja heute Abend noch an alle erinnern, um mich zu entscheiden. Oh, es klingelt. Ich atme noch einmal tief durch und drücke auf den Türöffner.
Die erste, die in die Wohnung kommt, ist klein, blond und laut. Sie redet laut, sie lacht laut, sie läuft laut. Es gibt ja diese Menschen, bei denen jeder Schritt ein bisschen klingt wie ein Stampfen und bei ihr ist es erstaunlich, wie laut so ein kleiner Fuß auf einem ganz normalen Laminatboden klingen kann. Sie heißt Chrissi, studiert irgendwas mit Medien und hatte bisher ein Wohnheimzimmer. In den ersten fünf Minuten hat sie mir alles über ihre Zimmernachbarn, ihre Haustiere bei ihren Eltern daheim und ihre letzte Klausurphase sowie ihren Exfreund erzählt, ist dabei einmal versehentlich gegen die Badezimmertür gelaufen und hat in der Küche das leider offene Salz umgeworfen. Als ich die fünf Bewerber in der Wohnung herumgeführt habe und sie dann bitte, sich an den Küchentisch zu setzen, um noch ein bisschen zu reden, redet vor allem Chrissi. Ich komme kaum dazu, meine vorbereiteten Fragen zu stellen, dafür höre ich zwei Witze, die ich noch nicht gekannt habe. Während Chrissi einen Fischmund nachmacht, um zu zeigen, wie ihr Goldfisch Lisa guckt, wenn er sich erschreckt, weiß ich, dass sie in der engeren Auswahl ist. In der sehr engen Auswahl sogar. Ich schreibe auf ihren Zettel, was ich über sie schon weiß – »lustig, laut, zweiundzwanzig, liebt Flohmärkte, hasst Tomaten« – und überschreibe das ganze spaßeshalber mit Chrissi Chaos, ihr Nachname ist sowieso zu kompliziert.
In der zweiten Fünfergruppe ist keiner dabei, bei dem der Funke überspringt. Irgendwie bleiben alle farblos, und meine Fragen beantworten sie so, wie sie denken, dass man es von ihnen erwartet. »Ja, klar, Sauberkeit ist mir sehr wichtig.« »Ich gehe am Wochenende schon mal gerne abends weg, aber ich übertreibe es auch nicht.« »Natürlich bringe ich meine Küchenausstattung in die WG mit ein«. Blabla, fehlt nur noch, dass jemand den Bewerbungsklassiker bringt: »Meine Schwäche ist vor allem meine übertriebene Pünktlichkeit«. Ich weiß gar nicht, was ich überhaupt auf die jeweiligen Zettel schreiben soll. Einer kann sich nicht einmal meinen Namen merken und nennt mich trotz Korrektur dauernd Patrick. Ich verabschiede mich einigermaßen höflich, aber ich glaube, wir wissen alle sechs, dass keiner von uns den anderen noch einmal wiedersehen wird.
Die dritte Gruppe entschädigt mich: Ich treffe nämlich Freddy. Er ist so alt wie ich, studiert seit einer Woche Sport auf Lehramt, sieht auch so aus und wirkt nett. Ich gebe zu, was vor allem für ihn spricht, ist, dass er eine Waschmaschine besitzt und sie mitbringen würde. Ich habe mir nämlich schon den Kopf darüber zerbrochen, wo ich eine möglichst billig herkriegen könnte, und Freddy ist jetzt mein Waschmaschinen-Engel. Ansonsten macht er den Eindruck, als würde er seine Wochenenden nicht unbedingt lernend im Zimmer verbringen, eher im Gegenteil, aber Waschmaschine sticht Feierwut locker aus und immerhin spielen wir beide Volleyball, das ist doch schon mal ein Anfang. Weil ich nun schon mit Chrissi Chaos angefangen habe, nenne ich Freddy auf seinem Zettel Freddy Feier und vermerke »nett, offen, Party, Volleyball, WASCHMASCHINE«. Passt.
Die vierte und letzte Gruppe hält dann noch eine positive Überraschung bereit, denn mit ihr kommt Larissa. Sie ist das absolute Gegenteil von Chrissi: still, schüchtern, vorsichtig. Ihren Mantel legt sie auf dem Stuhl neben sich akkurat gefaltet und mit Bedacht ab, bevor sie meine Fragen beantwortet. Und ihre Antwort reißt es heraus: Sie studiert nämlich Mathe, genau wie ich. Und zwar sechs Semester über mir, und das heißt: Mit ihr hätte ich jemanden, der sich auskennt. Der weiß, wie welcher Dozent ist, und der vielleicht auch, dieser Hoffnung wage ich gleich mal Ausdruck zu verleihen, in der höchsten Not über meine Übungsblätter drübergucken könnte. Larissa lächelt und sagt leise »klar«. Es ist perfekt. Ab jetzt heißt sie Larissa Leise. Mit ihr in meiner Wohnung ist es ein bisschen, als wäre eine sehr souveräne persönliche Studienberaterin eingezogen.
Eine große Matheschwester, ein feierfreudiger Waschmaschinenbesitzer und eine schusselige Witzeerzählerin, ich bin zufrieden. Scheinbar war mein Bewerbungsmanagement gar nicht so blöd. Chrissi Chaos, Freddy Feier, Larissa Leise und ich werden bestimmt eine gute WG. Eigentlich bräuchte ich der Vollständigkeit halber auch noch einen Alliterationsnamen, sonst weinen Inka Bause und Vera Int Veen.
Hm, Paul Penibel vielleicht.
Das Durchforsten von Wohnungsmarkt-Anzeigen in Zeitungen oder auf diversen Internetportalen im Netz ist der übliche Weg, sich auf die WG-Zimmer-Suche zu begeben. Allerdings bleibt der Suchende hier recht passiv, da er nur auf bestehende Angebote reagieren kann. Wenn du die Zügel lieber gerne selbst in die Hand nimmst, kannst du auch den aktiveren Weg wählen und selbst eine Suchanzeige aufgeben. Grundsätzlich gilt: Zweigleisig fährt man am besten, d.h. Anzeigen studieren und gleichzeitig eine eigene Anzeige schalten, erhöht die Chancen, schnell fündig zu werden. Ein paar Tipps, die dir die Suche nach deiner Lieblings-WG oder einem neuen WG-Mitglied erleichtern können, erhältst du auf den nächsten Seiten. So lesen sich Wohnungs- oder Zimmerangebote teilweise äußerst kryptisch. Wohl dem, der in der Abkürzung TLB sofort das Tageslichtbad erkennt, oder weiß, dass RMH ein Reihenmittelhaus ist. Selbst das Kürzel WG kann für Verwirrung sorgen, da es nicht nur für eine Wohngemeinschaft, sondern auch für einen Wintergarten steht.
ABKÜRZUNGEN
UND IHRE BEDEUTUNG
Zi
Zimmer
Wfl
Wohnfläche
NKM
Nettokaltmiete
NK
Nebenkosten
BK
Betriebskosten
HK
Heizkosten
WG
(meistens) Wohngemeinschaft
B
Bad
D
Dusche
WB
Wannenbad
K
Küche
EBK
Einbauküche
BLK
Balkon
EG
Erdgeschoss
OG
Obergeschoss
AB
Altbau
AAP
Auto-Abstell-Platz
Ehrlichkeit ist oberstes Gebot. Man muss keinen Seelen-Striptease in einer Anzeige betreiben, aber aus einem Punker einen Banker zu machen, ist ebenso wenig sinnvoll, wie ein Klavierstudium mit zwei Stunden Übungszeit am Tag zu verschweigen. Ansonsten gilt: In der Kürze liegt die Würze, niemand will in einer Anzeige Romane lesen. Hier die relevanten Eckdaten …
… für die Zimmer-Suche:
Eine aussagekräftige Überschrift, z.B. »Student sucht möbliertes Zimmer in netter WG«
Kurze Selbstbeschreibung, z.B. »Germanistik-Student, 23, Nichtraucher, tolerant und WG-erfahren, kein Couchpotato, sucht Zimmer ab sofort in geselliger, gerne gemischter WG«
Lage-Wunsch, z.B. »Uni-Nähe, Altstadt o.Ä.«
Zimmergröße, z.B. »min. 14 m²«
Mietobergrenze, z.B. »max. 350 € kalt«
Kontakt-Daten, Telefonnummer und E-Mail-Adresse
… für das Zimmer-Angebot:
Eine aussagekräftige Überschrift, z.B. »Zimmer in gemischter 4er-WG zu vermieten«
Kurze WG-Beschreibung, z.B. »2 Männer und 1 Frau, 21–25, keine Zweck-WG, suchen nette(n) Mitbewohner(in) für helles Zimmer in Altbau, 3. OG«
Angabe zu Lage, Straße, Bezirk
Zimmerbeschreibung und Ausstattung, z.B. »unmöbliertes 18 m² Zimmer, hell, Dielenboden, WLAN, Telefon & WM vorhanden«
Mietpreis, Nebenkosten und Kaution, z.B. »280 € kalt, 30 € NK, 2 Monatsmieten Kaution«
Verfügbarkeit, z.B. »frei ab Oktober 2017«
Kontaktdaten, Telefonnummer und/oder E-Mail-Adresse
PRO
CONTRA
Gentrifizierungsviertel, auch: Neues In-Viertel
Wohnungen mit Fünf-Meter-Stuck-Decken und Birnholzdielen
Hohe Mieten
Hoher Neidfaktor
Dress to impress
An jeder Ecke Biosupermärkte und Cafés mit Kokos-Möhren-Ingwersuppen zu Süßkartoffelkräcker
An jeder Ecke Biosupermärkte und Cafés mit Kokos-Möhren-Ingwersuppen zu Süßkartoffelkräcker
Örtliche Bronx
Billige Mieten
Nächtlicher Heimweg riskant
Niedrige Heizkosten aufgrund von schlechtisolierten Plattenbauten mit Rentnern in den umliegenden Wohnungen, die im Winter auf 35 Grad heizen
Niedriger Neidfaktor
Für den Spätkauf geht auch Mantel über dem Schlafanzug
Döner kann man auch nicht jeden Tag essen
Stadtrandlage
