Free days for Future - Delf Krohm - E-Book

Free days for Future E-Book

Delf Krohm

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Beschreibung

Es ist noch nicht zu spät - obwohl Atomwaffen und ökologische Katastrophen das Leben auf unserem Planeten bedrohen. Menschliche Grundhaltungen führen zu diesen großen Gefahren. Als seelisch-geistige Wesen sind wir aber frei, uns neu zu besinnen und umzukehren. Dann ist uns Zeit-Wohlstand wichtiger als materieller Wohlstand, Zusammenarbeit sichert die Zukunft besser als Konkurrenz, ethischer Fortschritt hat Vorrang vor technologischem, und Gerechtigkeit bringt Frieden. Dieser Wandel beginnt in jeder und jedem Einzelnen mit ganz persönlichen Entscheidungen, aber niemand muss damit allein bleiben. Dieses Buch regt an, einen solchen Bewusstseinswandel in einem Kurs von neun Sessions einzuüben. Nimm dir Free days for Future! Im Internet: www.freedaysforfuture.de

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 178

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhaltsverzeichnis

-EINKEHREN-

Einstimmung: „Keine Zeit!“

1. Session: Bewusst atmen – zur Mitte kommen – Innewerden

2. Session: Präsent im Körper mit allen Sinnen

3. Session: Geistesgegenwärtig im Hier und Jetzt

4. Session: Liebe!

5. Session: Selbsterkenntnis

Anleitung zum Üben

-UMKEHREN-

Einstimmung: Unvergessliche 20 Minuten Busfahrt

6. Session: Wo um Himmels willen ist die Notbremse?

-AUFBRECHEN-

7. Session: Auswandern in die Zukunft

8. Session: Wie der Menschenmensch

9. Session: „...und der Geist wirkt doch!“

Bilderverzeichnis

Diese vier als Emoticons1 dargestellten Personen nehmen an den neun Sessions eines Kurses teil, der so oder so ähnlich stattfinden kann:

( :-o) Bervant, der Initiator des Projekts

( :-/) Nögg, der Skeptiker ,

~:-o) Eva (das ~ ist ihre Stirnlocke),

(8-0> Onkel Mo (die 8 ist seine Brille, und das > ist sein Bart)

---und

+*+*+ Eine Stimme aus dem Off, die aus den geistigen Schätzen zitiert.

1 Emoticons: Drehe sie um 90 Grad. Beispiel Lächeln : )

- Einkehren -

Einstimmung: „Keine Zeit!“

( :-o) Gestresst und abgehetzt kam der Mann vom Service bei mir an. Ich half meiner alten Mutter beim Auszug aus dem Plattenbau, einem Hochhaus am Stadtrand von Berlin. Als er die drei Koffer sah, die er im Auftrag des Lieferservice der Deutschen Bahn abholen sollte, fing er an, vor sich hin zu schimpfen: „Der Parkplatz ist so weit weg und es sind drei Koffer, die kriege ich gar nicht auf einmal weg, wie soll ich da heute mein Pensum schaffen?!“

Ich spürte den Druck auf diesem Fahrer: „Okay, ich komme mit und nehme einen Koffer“. Kaum mit dem Fahrstuhl unten angekommen, rollte dieser drahtige Mann die zwei großen Koffer eilig zu seinem Fahrzeug, mit vorgeschobenem Kinn und kräftigen Schritten. Erst, als der Fahrer seine zwei schon verstaut hatte, kam ich mit dem dritten Koffer beim Lieferwagen an.

„Danke“, sagte er kurz und schnell atmend, mit gehetztem Blick. Da schlug ich ihm vor: „Atmen Sie zwei, drei mal tief durch und kommen Sie zu sich selbst. Machen Sie das ab und zu, dann geht es Ihnen besser.

„Keine Zeit!“, versetzte der andere, hastete um das Auto herum und schlug die Tür hinter sich zu.

( :-/) Das war wohl nett von dir, aber den schlauen Spruch hättest du dir auch sparen können. Wir wissen doch, unter welchem Druck die Fahrer solcher Firmen stehen und wie schlecht sie bezahlt werden.

~:-o) Immerhin hat der gestresste Mann an dem Tag einen freundlichen Mitmenschen erlebt. Vielleicht fällt es ihm bei Gelegenheit wieder ein, dass er mit ein paar mal tief durchatmen zu seiner Mitte finden kann. Ich bin sicher, dass er die Zeit, die er dazu braucht, wieder einholt.

Er hat dann mehr innere Ruhe, kann sich besser konzentrieren und fühlt sich nicht so abgehetzt. So schlage ich allen, die sich von irgend etwas angestrengt fühlen, folgende kleine Übung vor:

ami - Der kleine Freund

a - wie Atem: Atme tief durch, wann immer es dir im Alltag einfällt, ob du gerade körperlichen oder seelischen Stress hast oder nicht. Nimm dazu eine lockere, aber gerade Haltung ein, sitzend oder stehend. Atme zuerst aus, ganz tief bis nach unten. Dann atme tief ein und fülle und weite deinen Brustkorb mit der Atemluft. Atme tief aus. Dann lasse deinen Atem zwei Atemzüge lang frei fließen.

m - wie Mitte: Gehe mit ruhiger Aufmerksamkeit zu inneren Mitte im Körper, dorthin, wo du dich spürst, wenn du ganz bei dir bist. Das ist individuell verschieden. Manche erleben sich so in der Herzgegend, manche beim Bauchnabel und manche kurz über dem Schambein, dem „Hara“ der chinesischen Tradition. Stelle das für dich fest. Atme zwei tiefe Atemzüge lang dorthin und bleibe dort gesammelt.

i - wie Innehalten: Nimm zwei Atemzüge lang Abstand von dem, was du gerade tust, von den Menschen oder den Sachen, die dich gerade beschäftigen. Bleibe bei dir selber, in deiner Mitte. Sei dir selbst ein ami, dein Freund.

Diese Übung dauert weniger als eine Minute. „Keine Zeit?“

( :-/) Soll der Liefer-Fahrer diese Übung machen, damit er noch besser funktioniert?! Dass er sich über seine Ausbeutung auch noch beruhigt?! Wichtiger, er und seine Kollegen würden bei den Firmen eine längere Zeit-Taktung bei besserer Bezahlung durchsetzen!

( :-o) Vielleicht braucht er ja gerade jetzt diesen Arbeitsplatz und kommt fürs erste noch über die Runden? Und vielleicht merkt er ja beim Innehalten, dass er so nicht mehr lange weiter machen will? Das wäre der Anfang von etwas Neuem.

( :-/) Du machst mich neugierig. Mir und vielen anderen in unserer Industriegesellschaft geht es ähnlich wie diesem Liefer-Fahrer in deinem Beispiel. Was könnte das denn sein, dieses Neue? ( :-o) Um das zu erfahren, lade ich dich zu einem Ortswechsel ein.

„Mal was anderes!“2

( :-o) Mein Freund Mo lebt am Rande unserer Zivilisation allein in einem alten Naturstein-Häuschen im toskanischen Bergland. Meistens findest du ihn im Freien; entweder sitzt er auf seiner Terrasse und meditiert und liest oder er arbeitet im Garten. Oft hat er etwas zu reparieren, denn Wasser bekommt er aus Zisternen und – o Wunder – Strom für Licht und Kühlschrank von einer Solaranlage. Für ihn komme ich aus der „Zuvielisation“3, weil wir schon zu viel haben und noch mehr wollen.

Um Häuschen und Terrasse herum fängt schon der Wald der immergrünen Eichen an. Er liebt alles, was blüht, Blumen, Obstbäume, Mimosen – und besonders schön: Mandelbäumchen. Von dem Platz hat er er eine herrlich weite Aussicht zum Meer, auf die Ketten der Berge und auf das Dorf Rocca, das auf einem Felsen liegt. Zum Garten, den er seinem Acker abgerungen hat, muss er ein gutes Stück hinunter laufen. Es gibt weder Internet noch Fernsehen, Handyempfang nur, wenn du die richtige Stelle findest.

Geld hat er fast keines, ist aber meistens mit seinem Leben zufrieden.

Der ganze Platz strahlt Ruhe und Frieden aus.

Insekten summen, Vögel zwitschern, Schmetterlinge flattern, der Wald rauscht leise, und es riecht nach Blütenduft und Kräutern.

Onkel Mo ist ein Seelen-Heilkundiger, ein weiser Mann mit viel Herz und Einfühlungsvermögen. Seine Psychologische Praxis hat er aufgegeben. Wer sich die Mühe macht, zu ihm hin zu reisen und sich ein Quartier im Dorf zu suchen, kann bei ihm bei inneren Nöten Hilfe finden. Aber das tun Wenige.

Stell dir nun vor, wir würden mit ihm und untereinander Gespräche führen und würden damit anfangen, vom Stress und seinen Gründen zu sprechen.

Allmählich würden wir herausfinden, woran unsere „Zuvielisation“ krankt und wie wir uns eine geheilte, das Leben fördernde Zivilisation vorstellen.

Keiner von uns kann die ganze Welt verbessern.

Jede und jeder von uns kann anfangen, sich selbst zu ändern.

( :-/) Du meinst, ich könnte mit dir nach Rocca zum Onkel Mo und mit einer anderen Einstellung zum Leben zurückkommen?

( :-o) Es scheint hoch gegriffen zu sein, aber für viele von uns ist die Zeit dafür reif.

( :-/) Wenn ich aber nicht so lange fort reisen kann und nicht so weit, was könnte ich statt dessen machen?

( :-o) Es kommt nur darauf an, dass du freie Zeit und einen Ort findest, von wo du dich und deine Lebensweise mit Abstand betrachten kannst. Nimm dir genug Zeit, um zu erkennen, was dir für deinen Inneren Menschen hilfreich erscheint und was nicht.

( :-/) Okay, und wie wollt ihr euer Vorhaben anfangen?

( :-o) Wir wollen die geistig-seelischen Fähigkeiten und die Kraftquellen in uns selbst aufsuchen und diejenigen üben, die sich für einen Bewusstseins-Wandel eignen. Dieser muss kommen, weil höher entwickeltes Leben auf unserem Planeten in höchster Gefahr ist. Diese Gefahr geht eindeutig von uns Menschen aus. Generationen vor uns haben unsere Zivilisation gestaltet. Jede Generation kann sie umgestalten. Wir sind geistig-seelische menschliche Wesen. Als solche sind wir befähigt, die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Systeme zu durchschauen. Jedes Individuum kann sich selbst und das eigene Wirken darin erkennen. Jede und jeder von uns kann dann über die eigene Lebensweise selbst entscheiden, ob sie unsere eigene Zukunft und der Generationen nach uns besser macht.

Wir sind frei, uns zu ändern, vor allem und zuerst von innen her.

Eine solche „Ich-Revolution“ beginnt zwar in jedem aus festem und ernsten Entschluss. Menschen können sich aber gegenseitig dabei fördern.

Wenn du mitmachst, treffen wir uns zu viert bei Mo in der Toskana.

( :-/) Okay, ich komme.

In Onkel Mo's Garten

2 Mal was anderes – So lautet eine Kurzgeschichte von Kurt Kusenberg

3 Der Ausdruck „Zuvielisation“ stammt aus dem Buch von Moses G. Steinvorth: „Otto und ich“

1. Session: Bewusst atmen – zur Mitte kommen – Innewerden

Wir sind also bei Onkel Mo angekommen und sitzen auf der Terrasse. Rundherum ist üppiges Leben. Das Mandelbäumchen blüht. Die Blüten leuchten klar im schönen Zartrosa, eindringlich transparent im Gegenlicht. Die Frühlingsluft ist kühl und frisch. Der Waldboden riecht herb, eine Spur von Süße der Blumen mischt sich duftend dazu.

Ideal, um das Wunder des Atmens zu erleben.

Vom ersten Atemzug an

( :-o) Dein Atem ist dein direktester Zugang zu dir selbst. Der Rhythmus des Aus- und Einatmens geschieht von selbst, die Luft ist gratis. Der Atem ist ein wunderbares Geschenk des Lebens an dich, an uns und an alles was lebt. Die Luft, die du atmest, gibt dir unmittelbar Lebenskraft. Ruhig und tief atmen gibt viel davon, hektisch und flach gibt wenig, so einfach ist das. Dazu bietet der Lebensvorgang deines Atmens dir eine Besonderheit: Er ist eine Brücke zwischen deinen willens-gesteuerten und unwillkürlichen Lebensäußerungen. Du kannst deinen Atem bewusst beeinflussen. Schon allein dadurch, dass du in Ruhe und bewusst auf ihn achtest, veränderst du ihn! Ohne deine Einflussnahme atmet „es“ dich von selbst, so wie dein Herz schlägt und die Verdauung arbeitet. Doch wenn du deinen Atem beeinflusst, kannst du gleichzeitig wahrnehmen, was sich dadurch in dir ändert, geistig, körperlich und seelisch.

Du spürst, dass du durch bewusstes Atmen Wirkungen erreichen kannst. Eine kurze Pause, ein paar Male tief durchatmen, und Kräfte kommen wieder. Jemand oder etwas fordert dich stark, stört dich oder ärgert dich, doch du nimmst zwei, drei tiefe Atemzüge lang Abstand und gewinnst die Geistesgegenwart, zu entscheiden was du sagst oder tust oder besser bleiben lässt. Du verschaffst dir LUFT! Du stellst dich in einen weiten Raum. Du erzeugst in dir einen Moment der inneren Souveränität. Der ermöglicht dir, dich anders zu verhalten, als es sonst reflexartig aus dir herausgekommen wäre. In einer Alltagssituation konnte ich diese „Luftveränderung“ beobachten:

Dicke Luft an Tisch 9

Beim Frühstück im Hotel saßen wir Übernachtungsgäste zufällig zusammengewürfelt an unseren Tischen. Ein aufgeregter Herr rief das Mädchen herbei, das ihn bediente und schimpfte: „Das Ei ist zu hart, ich habe ein weich gekochtes Ei bestellt!“ Nach wenigen Minuten brachte die Bedienung ein neues gekochtes Ei. Der Mann öffnete es, bekam einen ganz roten Kopf und wurde laut: „Das ist ja noch fast flüssig, eine Unverschämtheit, mir so ein Ei zu bringen!“

Inzwischen war unsere ganze Frühstücks- Gesellschaft aufmerksam geworden. Eine gespannte Atmosphäre baute sich auf. Das Mädchen wusste sich nicht anders zu helfen, als den Empfangs-Chef zu holen. Der trat an den Tisch, hörte sich die Beschwerde geduldig an und sagte lächelnd: „Wir kochen für Sie so lange Eier, bis sie für Sie richtig sind.“

Der verärgerte Gast beruhigte sich und murmelte, nun etwas verlegen: „Schon gut“. Die freundliche Geistesgegenwart des Rezeptionisten machte aus der „dicken Luft“ wieder eine lockere Stimmung.

(:-/) Dieser Mann ist ein echter Profi. Er wurde bestimmt lange geschult, um so eingreifen zu können.

( :-o) Sehr wahrscheinlich ist es so. Und doch können auch wir daraus lernen, eine Situation zu entspannen: Dem Verärgerten zuhören, ihn bedingungslos mit seinem Gefühl annehmen, ohne uns selbst davon anstecken zu lassen. Dann stellen wir eine Lösung seines Problems in Aussicht. So können wir viele Alltagssituationen entspannen.

Du atmest so, wie du dich fühlst

Das Telefon läutet. Eine Ärztin aus einem Krankenhaus meldet sich:

“Ihre Frau ist bei uns. Sie hat einen Verkehrsunfall erlitten.“ Du bekommst einen Schreck. Dir stockt der Atem! - „Sie hat sich den Arm gebrochen“ - Das Atmen wird ruhiger…

Du bist traurig, musst weinen. Dein Atem wird zu einem Schluchzen, das die Luft in deiner Brust zusammenpresst. Der Atem geht stoßweise. Vielleicht ist jemand bei dir und reicht dir ein Taschentuch, schaut dich teilnahmsvoll an. Du seufzt nochmal tief auf und atmest dann tiefer. Dir ist wieder leichter. -

Als du morgens an deinen Arbeitsplatz kommst, hörst du von Kollegen, dass sie von der Firma die Kündigung erhalten haben. Dir wird angst und bange, dass es dich als nächsten treffen könnte. Du atmest schneller und flacher, nur bis in den Brustkorb hinein, nicht bis hin zum Zwerchfell. Brustkorb und Kehle fühlen sich eng an.

Jemand greift dich auf eine Art an, die du unangemessen oder gar ungerecht empfindest. Das macht dich wütend. Du schnappst nach Luft; sie füllt deinen Bauch und steigt schnell in den Brustkorb. Du fühlst dich getroffen in deinem Selbstwert-Gefühl. Der Atem-Drang in deiner Brust erzeugt eine Spannung, eine heftige Ladung Energie. Die drängt zur Kehle, zum Hals, um sich zu entladen.

Ist es so weit gekommen, entscheidest du, ob du kurz innehalten und tief durchatmen kannst. Du vergegenwärtigst dir dein Wutgefühl und erkennst es als berechtigt an. Nichts zwingt dich, dein Gefühl zu unterdrücken. Du musst auch nicht reflexhaft zurück wüten. Du gewinnst eine Lücke, um geistesgegenwärtig und klar auf den Anwurf deines Gegenübers eingehen zu können.

Und jetzt anders herum: Du fühlst dich so, wie du atmest

( :-/) Schön wäre es ja, wenn es so einfach umgekehrt zu machen wäre. Meinst du wirklich, ich könnte durch Atemübungen solche tief sitzenden Gefühle wie Angst, Traurigkeit und Wut ändern?

( :-o) Zuerst einmal ist es wichtig, deine Gefühle wahr zu nehmen und zu bejahen, wie sie sind.

Sie sind wichtige Mitteilungen an dich, an deine Seele. Wie dein körperlicher Schmerz das Signal gibt: Finger weg von der heißen Herdplatte, so hilfreich sind auch deine Gefühle. Angst als Warnung vor wirklicher Gefahr, Trauer nach einem schweren Verlust, Wut nach einer starken Kränkung brauchen deine Aufmerksamkeit, entweder für spontanes Handeln oder für geduldigen Einsatz, um daran zu arbeiten.

Bewusstes Atmen ist ein wichtiges Eingangstor zur Bewusstheit für deine Gefühle. Schwierige Gefühle, denen du ausgeliefert bist, treiben dich zu reflexhaften Reaktionen, die du nicht wirklich willst. Durch bewusstes Atmen, zur Mitte finden und Innewerden öffnest du eine Lücke. Das gibt dir freien Raum, um dein Gefühl wahr zu nehmen und anzunehmen. Damit nimmst du dich selbst an. Dann kannst du freier entscheiden, wie du eine schwierige Situation klären kannst.

( :-/) Woran kann ich denn erkennen, ob mir das gelungen ist?

( :-o) Daran, dass dein Eingreifen in einer kritischen Lage eine Wendung zum Besseren ermöglicht.

Wenn du es für dich sinnvoll findest, häufiger dafür präsent zu sein, kannst du es durch regelmäßiges Meditieren deutlich fördern.

Doch zunächst ein paar Anmerkungen zu den Übungen

für dich als Leserin oder Leser dieses Buches. Sie sind dazu gedacht, für eine gute Geistesgegenwart Freiheit zu schaffen. Zu jeder Übung gibt es eine kurze Einleitung, die erklärt, wozu sie dir dienen kann. Wenn du sie ausführen möchtest, findest du die Anleitung nach der fünften Session.

Zum Einstieg schlage ich die Übung „AMI – der große Freund“ vor.

Am Anfang bleibst du eine Weile bei deinem Atem.

Dann senkst du das Zentrum deiner Aufmerksamkeit hinunter zu deiner inneren Mitte.

Zum Innewerden kehrst du in Stille ganz bei dir selbst ein.

Zum Wachstum deines Inneren Menschen ist regelmäßiges Meditieren förderlich.

Du bestimmst selbst, wie lange die Übung dauert, jedoch wirst du wohl eine Viertelstunde brauchen. Wie viel Zeit verwendest du für Körperpflege und Kosmetik? Hiermit übst du täglich eine innere Schönheit, die ausstrahlt.

Geist, Luft und Atem

( :-o) Wir haben heute vom Atem als Zugang gesprochen, der dein Bewusstsein verändert. Bewusst durchzuatmen ermöglicht dir, inmitten der Alltagstrance innezuhalten.

Mit Alltagstrance ist ein Geisteszustand gemeint, in dem deine Aufmerksamkeit fast völlig auf äußere Notwendigkeiten gerichtet ist, die dich in Anspruch nehmen und häufig Stress verursachen. Durch Atmen und Innehalten verschaffst du dir LUFT – im Sinne von Freiheit – und stoppst dieses Hamsterrad. Du wirst wach für etwas Neues. Doch nicht alles, was neu ist, fördert dein Leben wirklich. Prüfe dich:

Ist es ein guter Geist, der dich bewegt?

Im Alt-Griechischen steht dasselbe Wort „pneuma“ für Luft und für Geist. Ähnlich das wunderbar lautmalerische, hebräische Wort „ruach“: Es bedeutet gleichzeitig Geist und Wind.

Der Geist hat im Vergleich zu äußeren Gegenständen und Fakten gar nichts Materielles an sich. Er ist zunächst einmal:

– – NICHTS – –

Mit dem inneren Auge kannst du es dir als materielosen, freien Raum vorstellen, mit großer Weite und viel geistigem Licht, in dem Sinne, dass dir „ein Licht aufgeht“.

Der Atem des Geistes bewegt sich in offener Weite. Er bekommt Luft nicht im physischen Sinne, sondern als einen belebenden Hauch geistiger Frische. Dann weht ein neuer Wind. Auch das ist geistig zu verstehen; dann bedeutet es eine Änderung der Richtung, in die der Geist dich bewegt und du dich mit ihm. Im inneren Ohr erlebst du diese Weite als Stille. Du nimmst die Stille wahr, die hinter allen Geräuschen ist und dann die Stille hinter der Stille. Im „Stillen Hauch“ und im „Inneren Licht“ ist der Geist, den wir in der Geistesgegenwart aufsuchen.

( :-/) Woran kann denn ein Mensch erkennen, ob Geistesgegenwart ihn in eine gute Richtung führt; ob es ein guter Geist ist, der ihn leitet? Kann nicht auch ein Banker geistesgegenwärtig sein, der bei seinem Kunden durchschaut, wie er ihm Geld durch ein riskantes Finanzprodukt abziehen kann? Und kann er das nicht trotzdem gut finden, weil er damit seiner Bank und ihren Aktionären dient?

( :-o) Du stellst tatsächlich die Kernfrage, um die es hier geht: Wie können wir einen guten Geist von einem vergifteten Ungeist unterscheiden? Um sie zu beantworten, versuche als erstes das innere MOTIV zu ergründen. Geld zu verdienen durch Tricks, die jemandem schaden, ist kein gutes Motiv. Dem Arbeitgeber zu dienen ist nur eine Rechtfertigung eines schlechten Motivs. Als zweites bedenke die WIRKUNG, die dieses angeblich „geistesgegenwärtige“ Handeln auf Dauer hat. Wohin führt es? Es zerstört Vertrauen. Und Vertrauen ist eine der grundlegenden Voraussetzungen für das Menschsein und die menschliche Gesellschaft.

+*+*+ „Was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen“. Damit ist alles geregelt, sagt Jesus von Nazareth.

Nach dieser Session stoßen wir mit einem Glas von Onkel Mo's Rotwein an – auf uns und auf ein gutes Leben für alle.

Zur Weiterarbeit:

Joachim Ernst Berendt: „Kraft aus der Stille – Vom Wachsen des Bewusstseins“.

Chögyam Trungpa: „Das Buch vom meditativen Leben“.

Tuschezeichnung, Symbol ohne Titel

2 Mal was anderes – So lautet eine Kurzgeschichte von Kurt Kusenberg

3 Der Ausdruck „Zuvielisation“ stammt aus dem Buch von Moses G. Steinvorth: „Otto und ich“

2. Session: Präsent im Körper mit allen Sinnen

Onkel Mo's Natursteinhäuschen war früher eine „Fornace“, ein Kalk-Brennofen mit einem Vorraum, in dem er jetzt wohnt. Die ganze Breite der Rückwand ist bereits der ehemalige Schornstein, der ist hoch und rechteckig. Wir sind einen steilen Weg den Hang hinauf geklettert und stehen jetzt zusammen oben auf dem zugemauerten Schornstein, aus dem Onkel Mo eine zweite Terrasse gemacht hat. Von dort sehen wir auf das Feld herab, das zu seinem Stück Land gehört und auf weitere Felder, die bis zum Dorfrand reichen. Wir haben einen wunderschönen Ausblick zum Dorf auf dem Felsen und in die Weite der toskanischen Landschaft. Onkel Mo erzählt uns eine Begebenheit aus Rocca.

(8-0> „Die Erde ist unten...“

Hier im Dorf sprach ich mit Roberto, dem einzigen Bauern, der noch seinen ganzen Lebensunterhalt mit Landwirtschaft erwirbt. Er erzählte mir davon, wie er dabei war, als junge Leute bei seinem Enkel zu Besuch waren. Sie sprachen miteinander darüber, warum die Landwirtschaft in den toskanischen Dörfern so zurückgeht und führten verschiedene Gründe an. Da sagte sein Großvater, der Nonno zu ihnen: „Jungs, das ist ganz einfach: die Erde ist unten ...“

~:-o) Meinte er damit, dass die Erde die Basis von allem ist, weil wir uns von ihr ernähren?

(8-0> Das stimmt natürlich, das dachte ich auch. Doch er meinte damit: Man muss sich häufig bücken. Und das will heute keiner mehr. Die Arbeit auf dem Lande ist hart.

Wir setzen uns um einen Tisch, der dort oben auf der Schornstein-Terrasse steht.

( :-o) Im Körper hat unsere Lebendigkeit ihr Zuhause. Er ist unsere Last und unsere Lust. Wir brauchen für ihn Essen und Trinken, Kleidung und eine Wohnung. Auch für einen einfachen Lebensunterhalt müssen wir etwas leisten. Das konfrontiert uns jeden Tag mit der Härte des Lebens. Dafür ist fast jeder erwachsene und gesunde Mensch begabt, seinen Bedarf zu erarbeiten. Wer Glück hat, macht es gerne. Das ist die eine Seite. Andererseits lässt uns unser Körper Lebenslust und Sinnenfreude erleben.

( :-/) Ja, und manchmal macht er schlapp oder irgendetwas tut weh.

( :-o) Das auch … in der jüdischen Tradition wird er mit einem Esel verglichen. Er ist geduldig und genügsam, kann schwere Lasten lange tragen.