Free Lilly - Lilly Lynn - E-Book

Free Lilly E-Book

Lilly Lynn

0,0
3,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Was macht man, wenn die Wunschliste fürs Leben mit vierzig schon abgearbeitet ist? Von vorne anfangen? Glücklich sein? Zusammenbrechen? Oder wie wär's mit: unzufrieden in einen Burnout schlittern? Zwei Hörstürze reichten nicht aus ... Erst durch das Burnout fühlte sich die Autorin genötigt, intensiv nach innen zu horchen, um den Ursachen für ihre Depressionen auf die Schliche zu kommen. Ein komplettes Umdenken und Loslassen alter Strukturen erschien ihr lebensrettend. Und so wurde aus dem Traumhaus ein Wohnmobil, aus der Beamtin eine Aussteigerin, aus der Ehefrau ein Single, aus der materiellen Komfortzone ein "back to basics" und aus der ausgebrannten Lehrerin und Mutter eine abenteuerlustige Lilly. In ihrem Buch "Free Lilly" beschreibt die Autorin in Form von Reiseberichten, welche bahnbrechenden Erfahrungen sie machen darf, nachdem sie den Schritt in die Freiheit gewagt hat. Mitreißend und humorvoll schildert sie ihre abwechslungsreichen Reiseabenteuer mit interessanten Menschen und bissigen Tieren, sowohl in Europa als auch in Asien. Mal lebt sie in der freien Natur, mal in Hütten, mal in ihrem Wohnmobil oder auf einem Segelschiff. Wem das Buch von Hape Kerkeling "Ich bin dann mal weg" gefällt, dem wird dieser individuelle Mix aus Reiseabenteuer, Humor, Biografie und Lebensweisheit einer mutigen Frau ebenfalls eine besondere und herzerfrischende Leseerfahrung sein.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 444

Veröffentlichungsjahr: 2020

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Free Lilly

Happiness statt Hamsterrad- Reiseberichte einer Aussteigerin -

Lilly Lynn

Hinweis

für Leute, die bei der letzten Rechtschreibreformkein Trauma erlitten haben:

Liebe Leserin, lieber Leser!

Beim Versuch, ein Duden-konformes Buch zu schreiben,ging ich in einen Buchladen und erhielt an Stelle einesentsprechenden Nachschlagewerkes den Rat:„Schreiben Sie doch, wie Ihnen der Schnabel gewachsen ist.

Es gibt keine einheitliche Rechtschreibung mehr!“

In diesem Sinne wünsche ich dir intergalaktisch viel Freude beim Lesen meiner „Schnabel-konformen“ Reiseberichte.

P.S. Das Buch entstand aus einer Zusammenstellung von Reiseberichten, die mir als Anti-Burnout-Therapie und

meinem sozialen Umfeld als Information dienten.

Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte habe ich die Namen der darin vorkommenden Personen verändert.

„Free Lilly“

Ursprünglicher Untertitel:

Wie ich alles fand, wonach ich eigentlich gar nicht suchteund wie aus einer Auszeit eine Traumzeit wurde.

Vorspann

Es war einmal eine Frau, die emsig eine Liste abarbeitete, auf der sie ihre Lebensziele notiert hatte: Abitur, Studium, Heirat, Referendariat, Kinder, Haus und Garten. Sie hatte zwar hin und wieder das Gefühl, dass sich dieses Leben nicht wirklich passend anfühlte, aber als ehrgeiziger Sicherheitsdenker setzte sie in schwierigen Zeiten verstärkt die Stierhörner ein, um sich die Ziele zu erkämpfen. Und so waren die ersten 43 Jahre ihres Lebens zu einem großen Teil einfach anstrengend … so anstrengend, dass ihr Körper mit Anfang vierzig in den Dauerstreik trat. Mit Hilfe zweier Hörstürze und einem chronischen Erschöpfungssyndrom (Burnout) erfolgte ein ausführlicher Analyseprozess. Sie hatte alles erreicht, was sie wollte und doch war sie unglücklicher denn je. Denn sie hatte auf ihrer Liste die Lebensfreude vergessen. Ein radikales Umdenken und Loslassen alter Strukturen erschien ihr lebensrettend. Sie kam mit ihrem Mann überein, dass es wohl an der Zeit war, das Haus zu verkaufen und künftig getrennte Wege zu gehen. Und auch wenn sie sich in den 25 Jahren Beziehung ihrem Mann nur selten wirklich nah fühlte, so durfte sie doch am Schluss dieses gemeinsamen Lebensweges erkennen: Es war vermutlich ein Akt der Liebe … der Liebe eines Mannes, der seine Frau losließ, damit diese gesunden und glücklich werden konnte. Ja, sie hatte einen tollen Mann, und doch schienen sie nicht wirklich zusammenzupassen. Und es kam noch besser. Er bot ihr sogar an, den gemeinsamen Sohn zu betreuen, damit sie mal ganz aus dem Verpflichtungsgefühl rauskommt und für ein paar Monate ausschließlich das machen konnte, was ihrer Gesundheit zuträglich ist. Der Sohn war einverstanden, mit seinem Papa zusammenzuziehen. Denn in den ersten Jahren seines Lebens hatte er ihn eher selten zu Gesicht bekommen, da dieser workaholische Tendenzen hatte. Allen Befürchtungen und Unkenrufen zum Trotze schafften sie es, sich freundschaftlich zu trennen und auch nach der Scheidung liebevoll miteinander zu agieren. Das wirkte sich auf alle drei Familienmitglieder so entspannend aus, dass es allen nach der Trennung besser ging als vorher.

Ups. Die Frau, die das erlebt hat … bin ja ich selbst. Doch irgendwie fühlt sich diese/meine Story inzwischen an wie die Geschichte einer anderen Frau. Fast vergessen sind all die Jahre, in denen ich mehr oder weniger still in meinem Hamsterrad vor mich hin gelitten habe. Fast vergessen die letzten sechs Jahre, in denen ich spürte, dass es so nicht weitergehen konnte, weil ich sonst „vor die Hunde“ gehen würde. Fast vergessen ist das viele „Hirngewichse“, bei dem ich Pro und Kontra abwägte und in einer Gedanken- und auch Angstflut so manches Mal zu versinken drohte. Unvergessen die vielen Gespräche, die ich mit meinem Mann führte und die doch oft einen Hoffnungsschimmer für unsere Ehe enthielten. Absolut unvergessen der Moment, als wir unserem Kind die Trennung mitteilten und uns dann alle drei weinend umarmten und uns so nah fühlten wie noch nie zuvor in unserem gemeinsamen Familienleben. Unvergessen die Reaktionen meines sozialen Umfeldes, die Bewertungsflut und das Orakel meiner Mitmenschen, die geschockt reagierten. Wie kann man nur so ein schönes Haus verkaufen, so eine scheinbar gut zu funktionierende Ehe canceln, seinen Sohn dem Vater anvertrauen und dann auch noch den Beamtenjob an den Nagel hängen? Und zu guter Letzt das Traumhaus gegen ein Leben in einem Wohnmobil eintauschen? Kurioserweise waren genau die beiden Menschen, die das am meisten betraf, auch gleichzeitig diejenigen, die mich am meisten bei der Umsetzung meiner Pläne unterstützten. Mein Sohn fand es „cool“, was seine Mutter vor hatte und mein Mann akzeptierte meine Entscheidungen scheinbar ohne Widerstände und ermöglichte mir dadurch einen Ausstieg ohne großartige Dramen, Rosenkrieg or what ever. Und dafür möchte ich beiden noch einmal von Herzen danken!

1. Reisebericht: Ausstieg geschafft, Asien, ich komme …

Das Haus ist verkauft. Ich habe noch die ganze Nacht vor meiner Abreise Kartons gepackt und geputzt. Nach drei Stunden Schlaf erschreckte mich der Blick nach draußen: Schnee! Schnell bestellte ich mir ein Taxi, und als es da war, kam der besondere Moment: Ich schloss zum letzten Mal mein Haus ab. Ich tat es mit viel Bedacht. Und die Tränen, die da meine Wimperntusche auf Wasserfestigkeit testen wollten, fühlten sich wundervoll an. Denn sie verkündeten keine Traurigkeit, sondern Erleichterung. Mir fiel ein Stein vom Herzen. So sehr ich dieses Haus auch mochte, es war mir sechs Jahre lang eine große Belastung gewesen. Ich hatte das Gefühl, nun freier atmen zu können. Ach schön … das fühlte sich gut an.

Am Berliner Flughafen angekommen … fühlte ich mich nicht mehr so gut. Denn die Dame am Schalter bemängelte mein „Übergewicht“. Mein lieblos in Eile gepackter Koffer sprengte die Toleranzgrenze. Sie meinte, ich soll mal eben schnell 4 kg aus dem Koffer verschwinden lassen. Ich packte alles, was mir sehr "gewichtig" erschien, in meinen Rucksack. Blöderweise wurde ich wenig später beim Durchleuchten aufgefordert, auch das gesamte Handgepäck offenzulegen. Ich hatte versehentlich die Sonnencreme umgebettet und ein Schluck in meiner Wasserflasche erweckte ebenfalls das Misstrauen des Flughafen-personals. Als ich dann auch noch gebeten wurde, mich teilweise auszuziehen, reagierte ich mit entsprechender Nervosität. Ich hatte das Gefühl, dass mein Deo versagt. Wie unangenehm. Und diese lange Schlange hinter mir und die vielen Augenzeugen … oje, ich will da gar nicht mehr dran denken. Als ich dann endlich durchgewinkt wurde, war ich so durch den Wind, dass ich mich sehr tollpatschig verhielt. Mir fiel laufend etwas herunter, oder ich rempelte Mitreisende an. Auf dem Inlandsflug nach Frankfurt konnte ich mich dann aber beruhigen. Naja, und dieser große Jumbojet von Singapur-Airline, der mich anschließend nach Asien fliegen sollte, sah einfach sehr verheißungsvoll aus. So etwas stylisch Buntes und luxuriös Ausgestattetes hatte ich noch nie gesehen. Das Ganze kam mir etwas irreal vor und verzauberte mich wie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht. Total fasziniert verflüchtigte sich die Aufregung der letzten Stunden in Minutenschnelle. Und ich hatte das Gefühl: Das wird der beste Flug meines Lebens! Ich war zwar kurz mal ein bisschen enttäuscht, als ich feststellte, dass ich einen Mittelplatz hatte, obwohl ich Fenster gebucht hatte. Aber ich dachte mir: Na, irgendeinen Sinn wird das schon haben. Und es war einfach goldrichtig. Rechts neben mir saß Jürgen, ein supernetter und angenehmer Handwerker aus dem Süden Deutschlands. Links neben mir nahm Totti Platz. Ich habe ihn sehr groß, fast ein bisschen schlaksig und supersympathisch in Erinnerung. So konnte ich mich mal links und mal rechts ein bisschen anlehnen. Und von links wurde ich zu vorgerückter Stunde nicht nur mit diversem Knabberzeug und Getränken, sondern auch mit ein paar Liebesbekundungen versorgt. Wir waren ein super Trio. Die 10 Stunden vergingen sprichwörtlich wie im Fluge. Zum Schlafen bin ich gar nicht gekommen, fühlte mich aber nach insgesamt 22 Stunden Anreise topfit.

Endlich in Vietnam gelandet, lief mir sogleich der Schweiß in Strömen am Körper runter. Dieses Mal aber nicht vor Aufregung. Nein, ich hatte vergessen, rechtzeitig die warmen Socken und die lange Unterhose auszuziehen. Schwitz, stöhn … bei gefühlten 40 Grad im Schatten. Gott sei Dank hat der Abholservice von meinem Kumpel Ralf super funktioniert. Ralf ist ein guter Freund von mir, der für zwei Jahre im Ausland arbeitet und mich eingeladen hat. Ich wurde von ihm mit einem klimatisierten Taxi abgeholt und inklusive Dolmetscher ins südliche Umland von Saigon gebracht.

Einen Jetlag hatte ich übrigens nicht. Wer meinen Trick ausprobieren will … hier ist er: Ich habe bei der Ankunft am Zielflughafen zu meinem Körper gesagt: „So mein Lieber … es ist jetzt 8: 34 Uhr Ortszeit. Und ich möchte, dass du dich so verhältst, als wenn du die ganze Nacht prima geschlafen hättest. Eine Zuwiderhandlung lasse ich nicht gelten. Punkt!“

In der Provinz angekommen, wurde erst mal die traditionelle Suppenküche ausprobiert. Wow, lecker! Ich könnte mich reinlegen in das Zeug. Auch das andere Essen … einfach alles köstlich. Mittlerweile bestellen wir nur noch frei nach Schnauze. Also, wir zeigen auf irgendetwas auf der Karte und dann sind wir gespannt, was es wohl dieses Mal ist (hoffentlich kein Schlangenherz oder Eier mit Embryonen als Dotter). Bislang hatten wir nur eine Überraschung dabei: gebratene Hühnerfüße mit Krallen. Vom ersten Schreck erholten wir uns recht schnell und kosteten mit langen Zähnen und spitzen Fingern. Unser Urteil: Es sah furchtbar aus, schmeckte aber vorzüglich.

Ja, mit der Verständigung ist es hier echt total schwer. (Ralf hat zwar schon ein paar Stunden Vietnamesisch-Unterricht hinter sich, aber die Umsetzung ist doch gar nicht so einfach.)

Die erste Nacht war ich in einem Hotel untergebracht. Da war es einigermaßen ruhig. Denn am Tag meiner Ankunft war hier abends Halligalli. Die Asiaten feiern ihr Neujahr "tet" erst im Februar und dann eine Woche lang. Und so habe ich also dieses Jahr zweimal reingefeiert. Dank "tet" sind hier auch die Geschäfte, Restaurants usw. tagelang geschlossen. An etwas Essbares zu gelangen, ist mitunter gar nicht so einfach.

Einen Tag später hatten wir vor, Ralfs neues Haus zu beziehen. Blöderweise wollte mich der Taxifahrer mit dem ganzen Gepäck am falschen Ende des Wohngebietes absetzen. Und der liebe Ralf war mit seinem Moped plötzlich verschwunden. Oje, interessante Situation. Der Taxifahrer war jedoch ziemlich pfiffig, und nach einem Telefonat und ein bisschen Angstschweiß meinerseits fand er das Haus: drei Etagen, riesige Dachterrasse, zwei Küchen, zwei Bäder und für hiesige Verhältnisse recht nobel ausgestattet. Wenn ich in der untersten Etage im Bett liege, habe ich das Gefühl, dass die Mopeds durch mein Bett fahren … eines nach dem anderen und das die ganze Nacht. Aber das schärfste Geräusch macht Nachbars Eunuchen-Hahn. Also nee, das ist ein Vogel! Ich habe heute schon ein ernstes Wort mit ihm geredet. Er kann echt froh sein, dass ich so entspannt bin, sonst hätte ich ihm schon eine Geschlechtsumwandlung verpasst … oder ihm den Weg in den Suppentopf gewiesen.

Ja, ruhige Ecken sucht man hier vergeblich. Wenn ich Süd-Vietnam mit nur einem Wort umschreiben sollte, würde mir wahrscheinlich als Erstes: "Laut!" einfallen.

Gestern haben wir mit dem Moped einen Trip ans Meer gemacht. Wir waren 9 Stunden unterwegs, inklusive zweier Reifenpannen. Und obwohl niemand Englisch verstand … uns wurde immer sofort geholfen. Da die Leute in dieser Gegend vermutlich noch nie eine ´Langnase´ gesehen haben, fühlt man sich bei Auftritten in der Öffentlichkeit wie ein Star. Besonders die Kombination von blauen Augen mit blondgelocktem Haar ruft hier eine unglaubliche Entzückung hervor. Bei unserem Ausflug gestern sind wir in ein Volksfest geraten. Da musste ich echt flüchten. Das war zu viel Aufmerksamkeit auf einmal. Mir kam der Gedanke, dass es für europäische Menschen mit Minderwertigkeitskomplexen eine interessante, vielleicht sogar sehr heilsame Erfahrung sein könnte: So ein Bad in der Menge, die einen unglaublich liebevoll, interessiert und fasziniert beäugt und teilweise auch anspricht.

Also, wie gesagt, die Leute sind absolut rührend, sehr natürlich und superfreundlich.

Morgen wollten wir eigentlich mit dem Flieger zu einer tollen Insel fliegen. Leider befindet sich auch die Fluggesellschaft in tet-holiday, und so mussten wir unseren Plan ändern. Jetzt wird es wieder eine mehrstündige Fahrt mit dem Motorroller zu einem Sandstrand und einer warmen Quelle. Aua. Mein Popo tut noch von gestern weh. Aber das Moped fahren macht auch echt viel Spaß. Dieser Straßenverkehr ist ein gutes Beispiel dafür, dass Chaos hervorragend funktionieren kann, wenn alle wachsam und vorsichtig sind. Ich bin jedenfalls von diesem Gewusel auf der Straße total fasziniert und sehr glücklich, dass mein Freund Ralf das Prinzip schon so sicher beherrscht.

Bei dem Versuch, einen Traumstrand zu finden, waren wir drei Tage und gefühlte 500 km unterwegs. Aber das Objekt unserer Begierde blieb uns verwehrt. Dafür haben wir wieder getreu unserem Motto, "der Weg ist das Ziel", jede Menge Spaß, Popo- und Kreuzschmerzen gehabt. Das Knattern der Motorroller hörte sich irgendwann wie eine Sinfonie an. Gegen die pralle Sonne half Schutzfaktor 30 und entsprechend viel Stoff auf dem Körper. Den Straßenstaub habe ich tapfer eingeatmet und bei der Hotelsuche waren viel Ausdauer und Toleranz von Nöten. Die Strände, die wir eroberten, waren bei Tageslicht wenig sehenswert. Und diese unglaublichen Müllberge überall konnte ich zwar ganz gut akzeptieren, jedoch einfach nicht liebgewinnen. Aber bei Mondschein im Liegestuhl unter der Milchstraße ein Bierchen zu süffeln … das hatte was und entschädigte uns für fehlende Bademöglichkeiten. D.h., Ralf hatte sich ja einmal ins Wasser des Südchinesischen Meeres gewagt. Als er raus kam, hatte er etliche Erdölkleckse am Körper. Und die waren so klebrig, dass wir sie nur mit parfümierten Erfrischungstüchern abbekommen haben. Ohne Kommentar!

Als Plan B hatten wir uns einen Besuch der heißen Quellen vorgenommen. Und das war dann auch ein superschönes Erlebnis. Von dem warmen Thermalwasser fing ich (fast) an zu schielen … Es war irre heiß, doch die anschließende Ganzkörpermoorpackung und dann noch eine Fußmassage, entschädigten uns für so einiges. Und diese 90 Minuten waren echt der Knaller. Einen kurzen Moment lang sah es sogar so aus, als wenn wir unseren Vorsatz, platonische Freunde zu bleiben, nun über den Haufen werfen würden. Aber wir blieben artig.

Nach dieser Tour (wir hatten übrigens nur eine Reifenpanne) war ich ganz schön knülle, und so legte ich mich bei Ralf zu Hause noch zwei Tage auf die faule Haut.

Am Montag hieß es dann Abschied nehmen. Und dieser fiel ziemlich emotional aus. Ich wusste nicht genau warum, aber ich heulte am Flughafen, als ich mich noch einmal zu Ralf umdrehte.

Dann stieg ich in den Flieger nach Thailand …

2. Aus dem Süden Vietnams in den Norden Thailands

Eigentlich war ja geplant, dass ich am Gate in Bangkok auf mein `Blind Date` treffe. Ich hatte mich mit einem Kumpel eines Freundes verabredet: Matthias aus Berlin. Wir hatten vorab einmal miteinander telefoniert und uns ein Erkennungsfoto gemailt. Blöderweise konnte ich ihn am Gate nicht entdecken. Und sämtliche Männer, die auch nur im Entferntesten in Frage kamen, mussten sich von mir mehrmals durchscannen lassen. Und einen habe ich sogar angequatscht. Ich konnte es einfach nicht fassen: kein Matthias weit und bereit. Und so saß ich allein und mit erhöhtem Adrenalinspiegel im Flieger. Mein Gott, war ich aufgeregt. Als ich landete, kam aber eine SMS. Er war schon vorgeflogen, aber noch am Flughafen in Chiang Mai, da sein Gepäck erst mit meiner Maschine anreiste. Viele, viele SMS ´n waren nötig, bis wir endlich einander gegenüberstanden. Wir hatten etliche gemeinsame Gesprächsthemen und beschlossen, im selben Hotel einzuchecken, um in den Folgetagen Chiang Mai gemeinsam „unsicher“ zu machen. Für den nächsten Tag planten wir einen Ausflug zu einem Kloster, in welches er sich 10 Tage zum Meditieren begeben wollte.

Die gemeinsamen Stunden empfand ich als sehr bereichernd. Der Gedankenaustausch fand auf sehr hohem Niveau statt, und der Ausflug hat echt Spaß gemacht. Denn wir hatten beschlossen, uns dafür Fahrräder zu mieten. Und so ging es also auf zwei Rädern und per Muskelkraft Richtung Kloster. Wir drehten viele Ehrenrunden, und der Schweiß lief uns in Bächen am Körper runter. Auf den ersten Kilometern war da auch noch ein bisschen Angstschweiß dabei. Das lag wohl an dem Linksverkehr, der besonders bei Abzweigungen Stress bei mir verursachte. Die Karte war ungenau, die Straßenschilder fehlten oft, und die Hilfsbereitschaft der Thais war nur manchmal von Erfolg gekrönt. Wir stellten bald fest, dass man diese freundlichen Menschen in zwei Kategorien einteilen konnte: die In-die-Wüste-Schicker und in die wahren Helfer. Viele Thais können wohl keine Karten lesen, würden es aber niemals zugeben, also schicken sie einen irgendwo hin. Den entscheidenden Hinweis erhielten wir letztendlich von einem Russen, der uns mit seinem GPS-App grandios weiterhelfen konnte. Ohne ihn wären wir wohl noch ein paar Stunden rumgeirrt. Also kamen wir nach ca. 2,5 Stunden und ca. 10 km Fahrweg endlich an. Diese Klosteranlage wirkte auf mich wie eine Beruhigungspille. Ich bin beim Warten am Office in einen ganz merkwürdigen Zustand abgesunken. Ich saß - wie ein Honigkuchenpferd grinsend - total entspannt auf einer unbequemen Bank und freute mich meines Lebens. Endlich floss das Adrenalin ab und ich kam nach 10 Tagen endlich mal wieder zum Meditieren. Wenn mein Englisch besser wäre, hätte ich mich auch gleich für ein 10-tägiges Retreat angemeldet. Mein Gott, war das schön dort. Eigentlich wollte mein Begleiter ja nur die Gegebenheiten erkunden, um ein paar Tage später dort einzuchecken. Aber es folgte eine ziemliche Überraschung: Das Retreat begann an diesem Nachmittag. Der Mönch schlug vor, gleich da zu bleiben. Er rief ein großes Taxi und eh ich mich versah, wurden die zwei Fahrräder und ich ins Taxi verfrachtet.

Ups! Und plötzlich war ich allein in Chiang Mai. Naja, wirklich allein ist man hier nicht. Denn die Innenstadt ist ziemlich übersichtlich, und man trifft hier viele Leute mehrmals am Tag. Mittlerweile kriegte ich auch recht schnell raus, wer deutsch spricht und wer nicht. Aber auf oberflächliches Geplänkel hatte ich keine Lust, und so verbrachte ich die folgenden Stunden mit mir selbst. Nach der Fahrradtour hatte ich eine tolle Nacht: Ich habe elf Stunden (fast) durchgeschlafen und fühlte mich heute Morgen einfach großartig. Als ich dann beim Frühstück einen unglaublichen Appetit verspürte, futterte ich mich die Karte hoch und runter. Ein Glück, dass hier alles so preiswert ist, sonst hätte ich ganz schön löhnen müssen. Total gestärkt, mietete ich mir noch einmal ein Fahrrad. Ich wollte heute zu einer Schlangenfarm radeln, um meine Phobie gegen diese Reptilienart zu therapieren. Warum ich da erst nach 2,5 Std. ankam, hatte mal wieder mit dem ungenauen Kartenmaterial zu tun. Von den Einheimischen belächelt und von vorbeiratternden Touristen für verrückt erklärt, kämpfte ich mich Kilometer für Kilometer vorwärts. Meine Stimmung korrelierte mit den Straßenbedingungen. Je schwieriger die Umstände, umso mehr Glückshormone konnte ich lockermachen. Ich fuhr als einzige Fahrradfahrerin auf dem Highway. Ein Leopardentuch, das ich mir als Schutz vor Sonnenbrand um die Arme gewickelt hatte, flatterte bald ziemlich wild umher. Ich dachte immer mal: Ich sehe bestimmt aus wie ein Schmetterling. Und ich glaube, dass dieses Tuch mir eine gewisse Narrenfreiheit und genügend Platz auf der Straße bescherte. Danke, Tuch!

Aber: Hätte ich geahnt, dass mein kleiner Ausflug zu einem Ganztagsritt werden würde, … ich hätte ein Taxi genommen. Echt!

Als ich schweißgebadet und ziemlich abgekämpft bei der Schlangenfarm ankam, lief gerade eine Show. Die war zwar durchaus sehenswert, hinterließ bei mir aber einen sehr bitteren Beigeschmack. Und das Bittere wurde immer bitterer, als ich sah, wie unwürdig die Tiere dort gehalten wurden. Mich überkam so ein Mitgefühl, das ich das Bedürfnis hatte, nahezu jeder Schlange Kraft zuzusprechen. Aber irgendwie kam ich mir wie jemand vor, der Sterbebegleitung macht. Die Tiere waren in einem erbärmlichen Zustand!!! Und mich hatte diese Aktion so mitgenommen, dass ich für den Heimweg jetzt aber ganz bestimmt ein Taxi haben wollte, da ich mich plötzlich auch erbärmlich fühlte. Aber nach vier Versuchen gab ich auf. Mich hätten die Taxis ja sofort transportiert, aber nicht meinen Drahtesel. Und selbst die Gütertaxis winkten nur müde ab. Also rauf auf den Esel und ab auf den Highway. Ich war leicht angesäuert, gab ziemlich Gas und machte keine Pause. So konnte ich nach 1,5 Stunden die Ziellinie überqueren. Mein Gott, was für ein Tag! Nach ca. 30 km mit dem Fahrrad fühlte ich mich abends aber echt toll.

Die drei- bis vierstündige Fahrt ins thailändische Glücks-Camp begann früh am Morgen. Ich hatte einen Minivan bestellt und wurde mit dem Pick-up abgeholt. Oje! Aber nach einer halben Stunde wurden wir noch einmal umgeschichtet. Ich bekam den Notsitz im Bus ganz hinten neben dem Gepäck. Erst fand ich das total doof. Im Nachhinein war ich sehr dankbar dafür. Nach ca. einer Stunde Fahrt begann ein feucht-fröhliches Gruppenkotzen. Von zwölf Leuten riefen fünf ständig nach "Ulf". Ich war froh, dass das Gepäck neben mir dieser Dynamik nicht folgte. Aber ich muss gestehen, dass es einen Moment gab, wo ich beinahe mitgemacht hätte. Ich war nicht angeschnallt, der Fahrer fuhr wie eine besengte Sau, die Serpentinen waren die kurvenreichsten, die ich je erlebt habe, und die extremen Schlaglöcher ließen mich mehrmals sehr viel Bodenfreiheit zum Sitz verspüren. Wobei ich den freien Flug immer noch genießen konnte … nur die Landungen waren sehr unsanft. Autsch. Nach drei Stunden Fahrt und unzählig vielen vollgekotzten Tüten kamen wir in Pai an. Ein attraktiver Australier, dem ich in der Pause ein bisschen von meinem schlechten Englisch aufs Ohr drückte, meinte nur: "That was really a special trip!" Ja, das fand ich auch!

Der erste Eindruck von der Stadt war überwältigend. Ich war schlichtweg begeistert und fühlte mich sofort sauwohl. Das deutschsprachige Camp, welches ich von zu Hause aus gebucht hatte, ist auch total hübsch gestaltet mit vielen neckischen Details. Ich wohne nun in einem Lehmbungalow und habe eine große Sonnen-Terrasse. Neben mir fließt ein Bächlein, die Vögel zwitschern, und es ist hier einfach total gemütlich. (Außer das Bett. Es ist steinhart und erinnert eher an ein Brett). Die Befürchtungen hinsichtlich der Gruppendynamik warf ich gleich nach zehn Minuten über Bord. Hier macht jeder, wozu er gerade Lust hat. Und wenn sich mehrere zusammenfinden, beginnt etwas, was ich ziemlich doof finde. Da werden mitten im Gespräch auf dem Handy Kurznachrichten geschrieben und Mails beantwortet. Also hier scheinen echt viele telekommunikationssüchtig zu sein. Aber meistens läuft es so, dass man in einem Moment noch schnurrend auf der Terrasse abhängt und wenig später jemand vorbei kommt und fragt, ob man Lust hat, ins Restaurant, ins Spa, zur Erdbeerfarm, ins Moonvillage oder zu einem Wasserfall mitzukommen. Und wenn man einmal ja sagt, dann heißt das mitunter, dass man den ganzen Tag unterwegs ist, weil dann ein Vorschlag dem anderen folgt. Inzwischen habe ich gelernt: Wenn ich morgens "ja" zu einem Frühstück in der Stadt sage, dann bin ich frühestens nachmittags wieder im Camp. Heute habe ich mich mal ausgeklinkt. Viele mieten sich ein Moped. Ich hatte bislang noch nicht das Bedürfnis. Meistens fahre ich bei Ulrich mit, mit dem mich seit dem ersten Augen-Blick (und das meine ich wörtlich) eine sehr, sehr innige Freundschaft verbindet. Manch einer behauptet, wir haben die totale Paar-Energie. Ja, wenn sich unsere vier blauen Augen anschauen, dann fließt da etwas, wofür es keine Worte gibt. Also doch ein Liebespaar? Nein! Da sind wir beide im Widerstand. Aber wir genießen die gemeinsame Zeit und machen sehr gerne Ausflüge mit dem Moped zusammen. Manchmal sitzen wir aber auch zu dritt auf diesen knatternden Viehekeln. Das fand ich bis jetzt immer ziemlich witzig, aber nur bis in die Stadt. Gestern sind wir mal in die Wildnis abgebogen. Das war dann schon etwas grenzwertig, und als wir nach fünf Flussüberquerungen einen Deutschen trafen, der gerade vor einer großen Würge-Schlange geflüchtet war … Also danke, da hatte ich echt Schiss und wollte schnell wieder in die Zivilisation zurück. Und während ich das hier schreibe, formiert sich eine Gruppe, die den Schlangenpfad wandern will und ich weiß noch nicht, ob ich diese Erfahrung gerade brauche. Nee, heute mit Sicherheit nicht. Ich möchte heute faul sein, und ich habe immer noch große Angst vor Schlangen.

Nun hatte ich mir ja beim Universum viele spannende Erlebnisse bestellt, und ein "Paket“ lief mir eines Morgens nach dem Frühstück direkt in die Arme. (Zuvor wurde es bereits durch meinen Freund Uli angekündigt, der mehrmals sagte: „Der Dennis, der ist ein Jäger!“ Ach so? Was jagt er denn? Also die Hirsche scheinen vor ihm sicher zu sein, so ein spezieller Frauentyp wie ich … eher nicht. Soso.) Die Begrüßung ließ sofort vermuten, dass wir früher oder später im Bett landen werden. Wahrscheinlich eher früher als später. Denn eine Art animalische Anziehungskraft ließ nicht nur meinen Blutdruck in Wallung geraten. Oh Gott, so etwas hatte ich noch nie erlebt. Irgendeine innere Stimme versuchte zwar, mich noch schnell zu warnen, aber irgendwie hatte ich Lust, auch mal etwas Unvernünftiges zu machen. Und so könnte man die folgenden fünf Nächte (und Tage) mit nur einem Wort zusammenfassen: „Turbulent!“ Denn der Dennis verstand es mit Bravour, mich in heftige körperliche und verbale Turbulenzen zu verwickeln. Als jemand, der die Schattenseiten seines Gegenübers in Sekundenschnelle erspürt und ihn dann damit auf provokative Weise konfrontiert, macht er sich natürlich nicht nur Freunde. Und ich habe noch nie so oft hintereinander zu jemandem gesagt: „Du Arsch!“ Mit ein wenig Abstand betrachtet, waren seine Provokationen jedoch sehr hilfreich für mich, da sie mir meine Schattenthemen offenbarten und meinen sonst so niedrigen Blutdruck prima erhöhten. Irgendwann kam ich zu dem Resümee, dass er eigentlich ein Engel ist. Oder vielleicht noch passender formuliert: ein Arschengel. Er brachte mich in kürzester Zeit an meine Grenzen, und manchmal gab er mir dann noch einen Schubs und etwas sehr Verblüffendes passierte: Ich fühlte mich unglaublich leicht und frei danach … Danke Dennis für diese wundervolle Erfahrung! Als er abreiste, reagierte mein Körper mit heftigen Krämpfen. Ich deutete sie als Ausdruck meiner inneren Widerstände gegen ihn. Ich fühlte mich zwar nach wie vor körperlich stark angezogen (oder eher ausgezogen?), aber alles andere in mir protestierte weiterhin laut!

Nach 14 Tagen im Camp freue ich mich jetzt auf Strand, Meer und vor allen Dingen aufs Alleinsein. Ich habe das Gefühl, jetzt richtig urlaubsreif zu sein. Ich will mich nicht mehr unterhalten und im Moment auch nichts mehr lernen. Ich will jetzt einfach meine Ruhe haben und die vielen Eindrücke der letzten Wochen verarbeiten.

Am liebsten würde ich für eine Woche in einem Kloster verschwinden. Diese buddhistischen Tempel haben hier wirklich eine angenehme Schwingung. Ich glaube, da könnte ich mich wohlfühlen. Aber dafür reicht mein Englisch noch nicht aus. Also ab an die Küste mit einem Button auf der Stirn: „Bitte nicht ansprechen, ich möchte meditieren!!!!!!“

3. Meine Anreise nach Krabi

Auf der Busfahrt von Pai nach Chiang Mai kotzten dieses Mal nicht die Insassen, sondern dem Fahrer war übel. Er hielt mehrmals an und goss sich Wasser über den Kopf. Wir guckten besorgt, aber er hielt durch bis zum Ziel und organisierte mir sogar noch ein Taxi zum Flughafen. Man muss echt nicht alles selber machen. Manchmal ist es praktisch, sich einfach … doof zu stellen.

Meinen mehrmaligen Impulsen, noch in Pai Geld umzutauschen, bin ich blöderweise nicht nachgekommen. Dadurch wurde die Ankunft in Krabi recht adrenalinhaltig. Als die Dame am Taxischalter irre viel Geld für schlappe 17 km Fahrt haben wollte, fragte ich: "Are you sure?" Ja, sie blieb standhaft! Und so kratzte ich schwitzend ein paar Euros, Dollars und Bahts zusammen. Oje, der Start war ja nicht gerade der Knaller!

Aber der Taxifahrer war echt süß. Er führte mich zu einer wahrhaft luxuriösen Limousine. Wow! In sowas hatte ich schon lange nicht mehr gesessen. Dazu gab's tolle Musik und eine Flasche Wasser. Ich lehnte mich zurück und ich schwöre, ich wollte es genießen. Aber ich muss ehrlich gestehen, dass eine unbequeme Fahrt in einem Pick-up oder Tuk-Tuk bei mir wesentlich mehr Glücksgefühle verursacht. Dann ist mir schon zum wiederholten Mal aufgefallen, dass die Taxifahrer heutzutage nur noch einarmig fahren. Mit der zweiten Hand telefonieren sie fast ununterbrochen. Am schärfsten war der Driver nach Chiang Mai. Der tippte nämlich noch ganz nebenbei eine SMS nach der anderen. Da das bei einer so extrem kurvenreichen Strecke (762 Kurven) ein Kunststück ist, bin ich irgendwann zu der Überzeugung gelangt, dass der liebe Gott persönlich in dieser Zeit das Fahrzeug geführt und uns sicher an den Zielort chauffiert hatte. Aber kein Wunder, dass dem Fahrer schlecht wurde.

Gut, also ich stellte fest, dass es die einfachen Sachen sind, die mich glücklich machen. Und kaum, dass ich das so feststellte, kam dann auch gleich die Probe aufs Exempel: mein übers Internet gebuchter Bungalow!

Ich kann echt nicht so genau sagen, ob ich geschockt oder amüsiert war oder beides abwechselnd. Inzwischen bin ich fasziniert und ab und an kommt der Gedanke: „Oh Mann, ist das schräg!“

Ich finde diese Behausung zwar irgendwie unbeschreiblich, aber ich versuche es mal. Also man stelle sich ein paar Bambusrohre vor, die hausähnlich ineinander verkeilt sind. Die Bodenfläche beträgt max. 4 qm. Die Wände bestehen aus einer Bambusmatte mit Löchern und Spalten, das Dach aus Palmenwedeln. Mir fällt es schwer, den Eingang (das Einstiegsloch) als Tür zu bezeichnen, deshalb übergehe ich das jetzt Mal und bin überrascht, als ich einen Lichtschalter und eine Steckdose entdecke. Ehrlich, damit hatte ich schon gar nicht mehr gerechnet. Hey, und der Luxus ging weiter. Es gibt noch einen halbkaputten Ventilator und ein total ramponiertes Moskitonetz, welches das komplette Zimmerchen ausfüllt. Und ich freue mich darüber wie eine Schneekönigin!!! Auf dem Fußboden liegt eine dünne Matte, und ich stelle mit großer Begeisterung fest, dass sie wesentlich weicher ist als das Bett im Camp, welches ja eher die Bezeichnung Brett verdient hätte.

Als Mitbewohner habe ich bislang nur Moskitos ausgemacht, die mir unaufhörlich auf die Pelle rücken, aber nur selten als Vampir in Aktion treten.

Gut, also ich habe eine Unterlage, auf der man liegen kann, einen Ventilator, der ein bisschen die warme, stickige Luft umwälzt, etwas Gesellschaft, Strom und absolute Ruhe. Was will ich mehr? Ach ja, eine Toilette wäre fein. Ich konnte mich dunkel erinnern, ein Bad gebucht zu haben. Mein Gott, kann man denn so viel Freude auf einmal verkraften? In diesem Hüttchen befindet sich eine zweite "Türe". Diese bekommt man aber nur auf, wenn man erst das Moskitonetz abbaut und dann die Matratze hochklappt. Dahinter sieht es etwas schaurig aus. Aber da steht tatsächlich (einen halben Meter tiefer), auf einer Art Beton-Balkon, so etwas wie ein WC. Dieses hat zwar keine Spülung, aber eine -landesübliche- "Muschidusche" nebst einem Eimer zum Wasserselber-Schöpfen (für größere Geschäfte). Okay, Toilettengang gesichert! Ich freue mich schon wieder.

In der anderen Ecke befindet sich eine Möchtegern-Dusche. Ich habe sie ausprobiert. Sie funktioniert! Kalt Open-Air-Duschen und dabei den Sternenhimmel betrachten … also das hat schon fast etwas Romantisches. Und ich werde das jetzt immer so machen: Schön nach oben gucken beim Duschen. Denn den Fußboden schaue ich mir lieber nicht an. Das sprengt dann doch meine Ekelgrenze. Ja und mehr gibt's da auch nicht zu entdecken. Ein Waschbecken oder einen Spiegel sucht man vergeblich! Also habe ich beim Zähneputzen die freie Auswahl: entweder mit der Muschi-Dusche oder gleich unter der kalten Ganzkörperdusche. Na, das ist doch mal eine echt spannende Sache! Ach ja, und dabei immer schön nach oben gucken und fein die Badelatschen anziehen. Fazit: Ich fühle mich wieder frei und in Abenteuerlaune.

Die Nacht war super. Ich habe verhältnismäßig gut geschlafen. Die Morgentoilette ging schnell. Ich hatte ja keinen Spiegel, der mich aufhielt und außerdem den Hintergedanken, sowieso niemanden gefallen zu wollen, sondern einfach nur mit mir einen schönen Tag zu verbringen. Das Frühstück war zwar für hiesige Verhältnisse billig, hat aber auch nicht sonderlich geschmeckt und unglaublich lange gedauert. Auf das Free-Taxi zum Strand durfte ich weitere 30 min warten. Geduld, Geduld! Nach ca. 20 Minuten Fahrt wurden die eingesammelten Touristen einfach irgendwo abgesetzt. Der Fahrer sprach kein Englisch, und mir drängte sich die Frage auf: Scheiße, und wie komme ich zurück? Aber ich konnte den Gedanken beiseiteschieben. Zu gegebener Zeit würde mir schon was einfallen. Ich hatte ja die Adresse meines "Hotels" in der Tasche. Ich hatte wirklich keine Ahnung, wo ich war. Aber ich bin einfach der Nase nach die Straße entlang geschlendert und siehe da: Vor mir öffnete sich irgendwann der Indische Ozean. Und ich bekam Pipi in die Augen. Jetzt war ich also am Wasser. Die Suche nach einem halbwegs ruhigen Strand führte mich über diverse Treppen (die der deutsche TÜV wegen erhöhter Unfallgefahr sofort sperren würde) um einen Felsen herum zu einer Bucht mit einem edlen Hotel-Resort. Wow! Gar nicht schlecht so für den ersten Tag! Ich ging baden, sonnte mich und genoss die relative Ruhe. Dabei fiel mir auf, dass ich nach drei Wochen Asien noch weiß wie eine Kalkwand war. Na, das wird sich hoffentlich in den nächsten Tagen ändern.

Nach dem Sonnenbad ging ich auf Entdeckungsreise. Das Publikum ist hier echt ein ganz anderes als im Norden. Zwischenzeitlich hatte ich den Eindruck, die Altersgrenze nach unten zu korrigieren. Hier laufen viele rüstige Rentner und viele Paare rum. Der Look ist touristisch-schlampig. Oh Gott, das ist hier ein richtiges Touristennest. Die Preise sind auch utopisch hoch. Aber ich liebe mein Hüttchen. Deshalb bleibe ich noch. Morgen also noch mal Strand. Mal schauen, was sich danach so ergibt. Die Rücktour zum Bungalow brachte mich ja mal wieder an meine Grenzen, denn ich hatte mir in den Kopf gesetzt, dafür erneut den kostenfreien Shuttle-Service zu nutzen. Welcher Shuttle-Service? Ich fragte mich durch und blieb ausgesprochen hartnäckig. Nach ca. 30 Minuten Recherche an unzähligen fahrbaren Untersätzen zückte dann mal ein Fahrer sein Handy und rief bei meinem Bungalow-Chef an. Ein Dank an den unbekannten Helfer. Wenig später wurde ich von einem Tuk-Tuk fast angefahren. Ich guckte die beiden jungen Männer leicht gestresst an und wunderte mich etwas, als sie mir zu verstehen gaben, dass ich bitte einsteigen solle. „Oh lieber Gott … schenke mir bitte ganz, ganz viel Vertrauen. Aber ganz, ganz schnell bitte.“ Ich stieg zögernd ein und musste mich gut festhalten, denn der junge Fahrer fuhr äußerst rasant. Als ich merkte, dass er eine andere Strecke wählte als die, die ich mir morgens eingeprägt hatte, wurde mir etwas mulmig. Scheiße, die werden mich doch wohl jetzt nicht entführen? Aber wie sagte meine Familie früher immer mal wieder zu mir: „Wer dich klaut, bringt dich spätestens am nächsten Morgen wieder!“ Okay, eine Nacht woanders schlafen halte ich aus … also bleib locker Baby! Und als ich mir gerade Mut zusprach, sah ich ein Hinweisschild, welches mir bekannt vorkam. Wenig später saß ich wieder auf der Terrasse meines Hüttchens und … genoss die Ruhe und das Privileg, der einzige Gast zu sein. Ich darf sogar den PC an der Rezeption benutzen. Zwischenzeitlich bekam ich noch etwas Leckeres zu essen serviert. Ach, ich finde es schön hier.

4. Meine geistigen Ergüsse am Meer

Es sind die Details, die das Leben für mich lebenswert machen. Wer den ganzen Tag damit beschäftigt ist, das materielle Gerüst des Lebens (zusammen- bzw.) aufrechtzuerhalten, hat keine Zeit und/oder keine Kraft mehr für die wundervollen kleinen Momente im Leben, für ein Leben im JETZT. Es ist nicht das Perfekte, was mich in meinem Innersten berührt (sondern lediglich mein Ego befriedigt), sondern das NICHT-Perfekte. Und wenn ich einigermaßen bei mir bin (also allein und weitestgehend von diversen Außenreizen abgeschirmt), sehe und erkenne ich im Nichtperfekten das eigentlich Perfekte (im Sinne von: Alles ist gut so, wie es ist.) Die Natur (Mutter Erde) bzw. der liebe Gott hat alles perfekt gestaltet. Es ist der menschliche Verstand, der meint, es müsse alles umgestaltet/verändert werden. Und dabei geht so vieles kaputt, was vorher in perfekter Harmonie existierte. Im Verstand steckt ja das Wort "verstehen", aber meines Erachtens versteht der Verstand überhaupt nichts von den eigentlichen Zusammenhängen bei Mutter Natur. Und mit verstehen meine ich nicht … alles erklären wollen, z.B. die Geburt eines Kindes. Die Wissenschaft wird es niemals schaffen, alle Abläufe erklären zu können. Kann man es nicht einfach als Geschenk der Natur betrachten und sich dem Vertrauen hingeben, dass sich alles fügt, und zwar in einem Maße, wie es dem höchsten und besten Wohl eines jeden entspricht? Das Leben fließen lassen und sich dem Fluss hingeben … dann hat man auch Zeit für ein herzliches Lächeln und für Dankbarkeit gegenüber allem, was ist…

Heute Vormittag kam ich an den Monkey-Hills (Affenberge) vorbei. Ich hätte - wie am Tag zuvor - einfach vorbeilaufen können mit dem Ziel, schnell an den Strand zu gelangen. Kaum, dass ich anhielt, offenbarten sich mir diverse spannende Details eines Affenlebens, die mich sehr berührten. Z.B. die berühmt berüchtigte Fellpflege, die liebevolle Fürsorge einer Affenmutter ihrem Kind gegenüber, das Machtgehabe vom Oberaffen und der Versuch eines Affen, mir erst mein Frühstück und dann den Fotoapparat zu klauen. Ein wundervolles Spektakel. Ich war schon drauf und dran, mir mein Frühstück abjagen zu lassen, besann mich aber eines Besseren. Das wäre wieder gegen die Natur. Es wächst hier genug Obst auf den Bäumen ringsum, das darauf wartet, gepflückt zu werden. Und kaum, dass ich diesen Gedanken zu Ende gedacht hatte, ließ der Affe mich in Ruhe ziehen. Ergo: Klarheit in der Birne schafft klare Verhältnisse im Außen. Apropos Obst auf den Bäumen.

Als ich gestern durch ein Palmenwäldchen lief, fielen links und rechts von mir riesige Kokosnüsse von den Bäumen. Es krachte jedes Mal gewaltig und ich sah vor meinem geistigen Auge die Überschrift in einer Tageszeitung: "Wieder eine Individualtouristin von Kokosnuss erschlagen." Und das Fazit daraus: Touristen ist es fortan nur noch gestattet, die Strandpromenade zu begehen oder zukünftig müssen alle halbreifen Kokosnüsse vorzeitig abgeschlagen werden, damit Thailand weiterhin als sicheres Reiseland vermarktet werden kann. HALLO? Wenn die Seele meint, dass der Körper mal einen Schlag auf den Hinterkopf braucht, um aufzuwachen oder mal `ne Zeit im Koma zu liegen, dann wird das Universum "Kokosnüsse" in allen Formen und Farben zur Verfügung stellen. Also, liebe Thailänder, lasset die Kokosnüsse vom Baum fallen, wann immer sie meinen, dass die Zeit reif dafür ist. Dankeschön!

PS: Wahrscheinlich entspricht das eher der deutschen bzw. noch mehr der amerikanischen Mentalität. Die Thais sehen das Thema Sicherheit echt locker. Gott sei Dank! Da kommt mir doch gleich der nächste Gedanke zum Thema Sicherheit.

Nee, jetzt mache ich erst mal Schluss. Ich muss mich mal wieder ein bisschen um meinen neuen Freund kümmern: rot, knatterig, pflegeleicht, zuverlässig und freudespendend. (Ein Schelm, wer Arges dabei denkt … Nein ich war nicht bei Beate Uhse einkaufen … hihi.) Ich kam gestern auf die Idee, mir mein eigenes erstes Moped zu gönnen. Denn diese Taxifahrerei ging mir gehörig auf die Nerven. Ich konnte nun meine Uhr ablegen und mich wieder herrlich frei fühlen. Danke, lieber kleiner knattriger Freund.

Seit knapp vier Wochen versuche ich, die Verkehrsregeln hier in Asien zu verstehen. Aber da ist es wieder: das Verstehen. Über den Verstand kommt man da nämlich nicht weiter. Ich hatte bestimmt 5-6 Leute befragt, keiner konnte es erklären. Dann habe ich die Sache mal eine Weile beobachtet, um eine Gesetzmäßigkeit herauszufiltern. Aber es scheint einfach keine zu geben. Man ordnet sich einfach ein, egal, ob da gerade ein Stoppschild steht oder die Ampel rot zeigt. Und siehe da … es funktioniert ganz wunderprächtig. Ähnlich wie bei uns der Kreisverkehr. Obwohl, da gibt's ja klare Regeln. Naja, die Devise lautet jedenfalls: Immer schön in Fluss bleiben. Nicht auf Recht oder Unrecht, sondern respektvoll auf seine Mitmenschen achten. Die Achtsamkeit scheint auch ein tolles Rezept zu sein, wenn man unfallfrei diese halsbrecherische Treppe zu meinem favorisierten Strand begeht. Zwar beschert mir diese Treppe 2x täglich Herzrasen, diverse Schweißausbrüche, weiche Knie und am nächsten Tag Muskelkater … aber: Ich liebe sie!

5. Krabi-Beach

Also insgesamt kann ich diesen Beach hier in der Nähe von Krabi nicht weiter empfehlen … es sei denn, man mag Massentourismus, Gewusel und Konsum.

Ich bin heil froh, dass ich an so ein Spezialhüttchen ca. 7 km ab vom Schuss geraten bin und einen Privatstrand nutzen darf. Ansonsten wäre ich echt aufgeschmissen gewesen und hätte weiter ziehen müssen. Eine naturbelassene, vielleicht sogar einsame Insel wäre - glaube ich - genau das Passende für mich.

Auch wenn ich bemüht bin, nicht in einem immer gleichen Rhythmus zu leben, habe ich mir doch ein paar Basics angewöhnt. Zum Beispiel mag ich es, morgens meinen Kaffee im Starbucks zu mir zu nehmen. Den kann ich intensiv genießen, und danach ist mir eine "Morgenandacht" ziemlich sicher möglich. Auch esse ich mindestens einmal täglich mein Bananentäschchen am Straßenstand (Bananenscheiben in einem hauchdünnen Teig knusprig eingebraten). Hmmm … lecker. Manchmal esse ich auch zwei davon (gleich als Frühstück). Danach kaufe ich Obst und Wasser und wandere zu meinem bewachten Strand. Mittlerweile brauche ich mich nicht mehr in die Besucherliste einzutragen. Der Wachmann kennt meinen Namen und freut sich immer, wenn ich komme. Da es in der Sonne einfach irre heiß ist, verdrücke ich mich umgehend in den Schatten. Da halte ich es auch gut und gerne bis zu fünf Stunden aus. Der Sand ist ziemlich hell und weich. Und das Wasser war bestimmt mal richtig klar. Aber ein halber Meter Sichttiefe ist möglich. Die Temperatur erinnert mich an ein Bad in der Badewanne. Am öffentlichen Touristenstrand ist es wahrscheinlich noch wärmer, denn da pinkelt mindestens jeder Zweite noch ins Wasser.

Vorgestern meinte ich, mal einen Ausflug machen zu müssen. Die Fahrt mit dem Pick-up fand ich ganz unterhaltsam. Denn neben mir saß ein Medizinstudent aus dem Rheinland. Wir verstanden uns ganz gut und wären beinahe zusammen in einem Kajak gelandet. Aber meine innere Stimme sagte: „Nimm ein Singlekajak.“ Und das war auch gut so. Ich war froh zu wissen, wie man ein Boot lenkt und kam zielgerichtet vorwärts. Alle anderen schossen ganz schöne Kapriolen, und so manches Paar probierte den unfreiwilligen Ausstieg. Bei ca. 80 Kajaks in einem Mangrovensumpfgebiet waren Massenkarambolagen an der Tagesordnung. Wenn man mal von diesen vielen Menschen absieht, war die Natur sehr schön. Irritiert haben mich ein paar Chinesen. Die haben nämlich die ganze Zeit Musik abgedudelt. Womit ich wieder beim Thema Handysucht wäre.

Also vor dem Urlaub wollte ich mir ja auch schon so ein internetfähiges Handy (Smartphone) zulegen. Aber wenn ich registriere, was dieses Handy so aus den Menschen macht, kriege ich Angst. Es ist überall zu beobachten: Es werden kaum noch Gespräche mit dem Gegenüber am Tisch geführt, sondern der ferne "Brieffreund" scheint oberste Priorität zu haben. Oder unterhalten sich die Paare schriftlich miteinander?

Die Kajaktour dauerte ca. 2 Stunden. Es hat Spaß gemacht und war immerhin so anstrengend, dass danach ein Plätzchen in der Hängematte das Sahnehäubchen gewesen wäre. Aber ich hatte noch Elefanten-Trekking im Paket gebucht und Marco (der Student) eine Schnorchel-Tour.

Also rauf auf den Elefanten und rein in den Dschungel. Nach 2 Minuten war ich schon pappe-satt. Ich hatte extra vorher gefragt, ob die Tiere gut behandelt werden. Aber das "gut" ist wohl eine Auslegungssache. Ich saß ziemlich verzweifelt auf diesem geschundenen Tier. Und jetzt, wo ich die Erinnerungen aufrufe, habe ich Tränen in den Augen. Ich habe mehrmals versucht, meinen Guide davon abzubringen, den Elefanten zu schlagen. Die beiden Ungarinnen vor mir riefen auch laufend: "No … No!" Es war eine Tortur … für den Elefanten und auch für jeden Tierliebhaber.

Also die Erinnerung ist nicht so schön. Und ich kann jetzt jeden Greenpeace-Fanatiker besser verstehen.

Gestern bin ich dann wieder an meinen Strand getrottet und war ziemlich überrascht. Das Wasser war weg, es hatte sich extrem zurückgezogen. Mir kam der Gedanke an einen Tsunami. Ich beobachtete aufmerksam die Einheimischen und dann die Tiere. Aber keiner schien beunruhigt. Ich fragte ein paar Urlauber. Die hatten es nicht mal bemerkt.

Als ich dann nachmittags zu meinem Moped kam, hätte ich den nächsten Schock kriegen können. Aber nach einer Schrecksekunde musste ich lachen. Ich hatte meinem Moped einen Extra-Sicherheitsgürtel umgebunden, aber den Schlüssel anschließend im Schloss stecken lassen. Oje. Da hatte ich echt Glück. In Pai war mein geborgtes Moped nämlich mal verschwunden. Nicht, weil ich den Schlüssel stecken ließ, sondern weil ich ungünstig geparkt hatte. Ich fand es dann 50 m weiter auf einem "Ersatzparkplatz".

Heute Nacht hatte ich von ganz vielen Tieren Besuch. An die Mücken, die vielen verschiedenen Ameisensorten und die ca. acht Geckos in meinem Hüttchen hatte ich mich ja schon gewöhnt. Aber irgendetwas nagte an den Stelzen meines Bungalows (ich hoffte, dieses Wesen ist reiner Vegetarier). Und früh um vier kam eine Katze laut mauzend. Anschließend eine große Echse, und als Miezchen weg war, fing es ganz furchtbar an zu müffeln. Ich stand auf und war etwas angeekelt. Sie hatte auf meinem Terrassen-Sitzkissen einen stinkenden Fisch zerfleischt. Ich bin mir nicht sicher, ob sie mir ein Geschenk machen wollte und jetzt vielleicht eingeschnappt ist … denn ich war alles andere als begeistert.

Rein wettertechnisch ist es hier wesentlich heißer als im Norden. Tagsüber sind es 38 Grad im Schatten, nachts „kühlt“ es auf 28 Grad ab. Gestern und heute war mal etwas Wind, ansonsten weht hier selten ein Lüftchen. Dafür regnet es immer mal wieder zwischendurch. Gestern kam ein richtiger Monsunguss runter, und danach standen die Straßen prima unter Wasser. Ich bin barfuß durch die Pfützen gepatscht. Herrlich.

Die Shopping-Meile versuche ich mittlerweile zu umgehen. Ich habe das Gefühl, nichts dergleichen zu brauchen. Außerdem hängt in jedem Laden dasselbe, und nahezu jedes Restaurant hat dieselben Gerichte auf der Karte. Wie langweilig. Da muss ich doch wieder wehmütig an Pai denken. Da gab es sehr originelle Speisen. Von gegrillten Insekten bis hin zu einem Green-Shot (ein Chlorophylldrink aus Katzengras) … nicht lecker, aber bestimmt gesund.

6. Meine ganz spezielle Rückreise nach Deutschland

Als ich meinem thailändischen Bungalow-Chef den Zeitpunkt meiner Abreise mitteilte, fragte er mich, wie ich denn zum Flughafen käme. Ich sagte: Ich packe meinen Koffer aufs Moped, setze mir den Rucksack auf und fahre dann in die Stadt zum Shuttle-Bus. Seinen Gesichtsausdruck möchte ich lieber nicht beschreiben. Etwas verunsichert, schnappte ich mir einen Abend vorher meinen Koffer (allerdings im halbleeren Zustand) und machte die Probe aufs Exempel. Es passte!!! Hey und außerdem hatten wir das in Pai immer so gemacht. Hat alles prima funktioniert.

Am Nachmittag meiner Abreise wunderte ich mich ein bisschen über die vielen Menschen, die plötzlich um mich rum wuselten. Blond, blauäugig und voller Hoffnung bugsierte ich den Koffer zwischen Lenker und Sitzbank und musste mir eingestehen, dass mein sonst so gutes Augenmaß irgendwie nicht ganz up to date war. Das Nichtpassen zog dann gleich noch einen weiteren Störgedanken an: Scheiße, das sieht ja wieder nach Übergepäck aus. Das hatte ich ja schon auf dem Hinflug, und an den damit verbundenen Stress erinnere ich mich nur äußerst ungern. Also wollte ich den Koffer umpacken und ein paar Sachen einfach aussortieren. Aber mein Chefchen sagte: Nix da, er besorgt ein Tuk-Tuk für mich bzw. für mein Gepäck. Na meinetwegen. Und so fuhr ich - ohne Gepäck - zum Bus und hinter mir ein Tuk-Tuk mit meinem ganzen Zeug. Na Mensch, das hat ja wieder prima geklappt. Danke Chefchen!

Der Gedanke mit dem Übergepäck verfolgte mich aber weiterhin, da ich es nicht aus eigener Kraft schaffte, meinen Koffer in den Bus zu hieven (weil er soooo schwer war). Als ich anfing, über mein Unvermögen zu lachen, bekam ich auch hier Hilfe. Ein attraktiver Engländer sprang von seinem Sitz auf und war ebenfalls (leicht stöhnend) beeindruckt von der Schwere meines Koffers. Also Baby, immer schön entspannt bleiben!

Aber ich war etwas angespannt. In Gedanken sortierte ich meine Sachen durch und überlegte, was ich ungeniert da lassen könnte, wenn es hart auf hart kommt. Als die Dame am Schalter meinen Koffer abnickte, entspannte ich mich etwas. Glück gehabt!

Aber Pustekuchen. An der Passkontrolle wurde ich auf Englisch so vollgequatscht, dass ich einfach überfordert war. Nur langsam begriff ich, was die für ein Problem mit mir hatten. Angeblich sei meine kostenfreie 30-tägige Aufenthaltsgenehmigung abgelaufen und ich solle jetzt sofort 700 Baht bezahlen (ca. 20 Euro), oder man lässt mich aus Thailand nicht ausreisen. Ich hatte keine Baht mehr und ich hatte auch keine 20 Euro in Papierform bei mir … Und außerdem war ich mir sicher, dass es sich um einen Irrtum handelte, konnte mich aber diesbezüglich nicht überzeugend genug ausdrücken. Und so stellte ich mich erst mal doof. Man knöpfte mir mein Langstreckenticket von Bangkok nach Frankfurt wieder ab und schickte mich zum Gate für Inlandsflüge. Na toll! Galgenfrist bis Bangkok. Den Flug bis zur Hauptstadt habe ich genutzt, um meine Argumente zu sortieren und ein paar englische Wörter nachzuschlagen. Außerdem war ich mir absolut sicher, dass mein Reisebüro bei der Flugbuchung haarscharf darauf geachtet hatte, dass es 30 Tage sind. Und der Februar hat übrigens dieses Jahr nur 28 Tage. In Krabi scheint Letzteres nicht bekannt gewesen zu sein. In Bangkok angekommen, fragte ich an zwei verschiedenen Informationsschaltern nach … und bekam jeweils unterschiedliche Informationen. Irgendwann hatte ich aber den Impuls, einen Geldautomaten zu plündern. Ich hob das Geld - inklusive 11 Euro Gebühr – ab und steckte es zähneknirschend ein. Dann musste ich mir noch ein neues Ticket (Boarding Pass) nach Deutschland besorgen. Das hat relativ zügig geklappt, da ich es gewagt hatte, an der langen Schlange vorbeizumarschieren und mich an einen Sonderschalter zu begeben.

Nun hatte ich das Geld und ein neues Ticket. An der Passkontrolle war die Hölle los. Mein Gott, wo kamen diese vielen Menschen bloß alle her? Als ich dran war, wurde ich ziemlich schnell durchgewinkt. Na, hatte ich es doch geahnt. So viel Welle … und an der entscheidenden Stelle: Ebbe. Na, meinetwegen. Nun hatte ich 1000 Baht in der Tasche und das Bedürfnis sie noch schnell auszugeben. Bei dem Versuch, das Geld einigermaßen sinnvoll anzulegen, kam ich nochmal ganz schön ins Schwitzen. Letzten Endes kaufte ich eine sündhaft teure Wimperntusche und rannte danach zum Gate: letzter Aufruf.

Oje! Das war nochmal gut gegangen. Im Flieger erwischte ich wieder einen Mittelsitz. Voller Hoffnung wartete ich auf meine Sitzgefährten. Es gesellten sich Frank aus Norddeutschland und ein Franzose aus Straßburg zu mir. Naja, es hätte schlimmer kommen können. Und meine Hinreise-Crew war eh nicht zu toppen. Frank erzählte anfangs sehr viel und ich fing schon langsam an, Angst zu kriegen. Und als er meinte, am Flughafen Frankfurt streikt die Lufthansa, kam mir der Gedanke, dass meine Reise noch ein spannendes Ende haben würde. Ich konnte nicht schlafen und war unruhig. Lag es vielleicht an dem hübschen Franzosen neben mir? Rein äußerlich war er absolut mein Typ. Schade oder vielleicht auch ein Glück, dass wir uns nicht verständigen konnten. Wer weiß, wer weiß, was sonst noch so passiert wäre. Also irgendwie war ich hibbelig. Am liebsten hätte ich mal laut gepupst, traute mich aber nicht. Nach 12,5 Stunden Flug kam ich ziemlich k.o. in Frankfurt an. Es war 6: 20 Uhr Ortszeit, und außer der Information an der Anzeigentafel, dass mein Weiterflug gecancelt sei, gab es keine Hinweise. Also weder eine Information, dass gestreikt wurde, noch was jetzt zu tun sei. Es herrschte allgemeine Ratlosigkeit, und eine hilflose, resignierte Stimmung erfasste die Betroffenen.

Mein Spürnäschen manövrierte mich an einen Automaten. Ich überwand meine Abscheu gegen diese Dinger und wurde dafür mit einem Ersatzticket der Deutschen Bahn belohnt. Okay, fahre ich eben mit der Bahn nach Berlin. Müsste ich bloß noch irgendwie an meinen Koffer kommen. Den hatte ich ja bis Berlin durchgecheckt. Und es kostete mich eine weitere Stunde, meinen Koffer auszulösen. Gott sei Dank hatte ich warme Sachen dabei. Ich zog mich um, kaufte mir etwas zu essen und fragte mich bis zum Hauptbahnhof durch. Dort angekommen, bekam ich erst mal eine Art Kulturschock oder so was Ähnliches. Diese Wesen, alle in grau oder schwarz gekleidet, manche mit einem Kaffeebecher in der Hand, aber alle mit ebenso düsterer Miene und im Stechschritt an mir vorbeischreitend … waren dies Menschen oder Maschinen? Ich bekam einen tüchtigen Schreck und erinnerte mich an meine leblosen Zeiten.

Inzwischen war ich gute 24 Stunden unterwegs, und ich hatte das dringende Bedürfnis, im Zug einen Sitzplatz zu erwischen. Um 9: 13 Uhr sollte der Zug nach Berlin vom Gleis 9 abfahren. Kurz nach neun fuhr ein Zug ein. Ich und noch eine Frau rissen die Türen auf und stürzten rein. Wir kamen gleich ins Gespräch und freuten uns gemeinsam über die vielen freien Plätze. Als uns vom Bahnsteig aus heftig zugewinkt wurde, reagierten wir mit ziemlicher Zeitverzögerung. Und als wir den Verdacht hegten, es stimmt irgendetwas nicht, war es auch schon zu spät zum Aussteigen. Die Türen waren verschlossen, und wir waren die einzigen Passagiere. Ich weiß nicht mehr genau, welches mein erster Gedanke war. Aber als Zweiten hatte ich das Bedürfnis, den Lokführer zu besuchen. Und so rannten wir beide - mit jeweils zwei Gepäckstücken beladen - durch den