33,99 €
Der Atem ist unser selbstverständlicher Lebensbegleiter. Doch er ist auch Quelle von Kraft, Freude und Glück und er verbindet Körper und Seele. Dieser Ratgeber zeigt, was der Atem alles bewirken kann, und zwar sowohl auf der physiologischen wie auch auf der emotionalen Ebene. Ob Stress, Schmerz, Haltung, Stimme, Sport, Sex oder Gebären: Immer spielt das Atmen eine entscheidende Rolle. Das Buch bietet denn auch eine Einführung in die Geschichte der Atemtherapie aus westlichem Blickwinkel genauso wie einen Hinweis auf den Stellenwert des Atems in fernöstlichen Kulturen. Viele Gespräche mit Fachleuten wie Lungenarzt, Anästhesistin, Schmerztherapeut und Hebamme ermöglichen einen vertieften und plastischen Einblick ins Thema.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 253
Veröffentlichungsjahr: 2024
Dank
Mein erster Dank geht an meine ehemaligen Kommilitoninnen und Kommilitonen der Atem- und Körperpsychotherapie-Ausbildung Pina Augustin, Patricia Candinas, Sieglinde Czycz, Verena-Barbara Gohl, Denise Lischer, Thomas Monn und Roger Stutz für das initiale Brainstorming in Sedrun, als die Idee für das Atembuch gerade erst geboren war. Danke vielmals, Roger, dass ich die Textauszüge aus unserer Arbeit (siehe Anhang) verwenden durfte. Ein weiterer grosser Dank geht an Dr. med. Thomas Walser, auf dessen Website www.dr-walser.ch ich mir Informationen zum Thema Rauchen holen durfte. Dr. med. Thomas Rothe danke ich dafür, dass er den wissenschaftlichen Teil gegengelesen hat. Ein inniger Dank geht an meinen Lehrer und Ausbildner Stefan Bischof sowie an die Thalwiler Atemtherapeutin und Ausbildnerin Anita Rieder, bei der ich in der Ausbildung und Lehrtherapie so viel lernen durfte. Meiner Lektorin Christine Klingler Lüthi danke ich herzlich für das wiederum so liebevolle und professionelle Begleiten, Mitatmen und Lektorieren der Texte.
Nicht zuletzt bin ich so dankbar für euch, meine Liebsten, Fabio, Lara, Diana, Noah und Nele Sophie, und für eure Geduld mit mir, wenn es mal wieder hiess: «Seid ruhig – Mama schreibt!»
Dieser Ratgeber stellt keinen Ersatz für psychotherapeutische oder ärztliche Beratung dar. Der Verlag und Autorin lehnen jede Haftung ab für allfällige nachteilige Auswirkungen, die mit dem Ausführen der Übungen in diesem Buch in Zusammenhang stehen könnten.
2. Auflage, 2024
© 2019 Beobachter-Edition, Zürich
Alle Rechte vorbehalten
www.beobachter.ch
Herausgeber: Der Schweizerische Beobachter, Zürich
Lektorat: Christine Klingler Lüthi
Reihenkonzept: buchundgrafik.ch
Umschlagillustration: Doro Spiro
Umschlaggestaltung: fraufederer.ch
Infografiken Seiten 16, 24, 31, 115: Andrea Klaiber;
Seite 175: Bruno Bolliger
Satz: Rebecca De Bautista; Bruno Bolliger
Herstellung: Bruno Bächtold
Druck: Grafisches Centrum Cuno GmbH & Co. KG, Calbe
ISBN 978-3-03875-541-8
Zufrieden mit den Beobachter-Ratgebern? Bewerten Sie unsere Ratgeber-Bücher im Shop:
www.beobachter.ch/buchshop
Mit dem Beobachter online in Kontakt:
www.facebook.com/beobachtermagazin
www.x.com/BeobachterRat
www.instagram.com/beobachteredition
Inhalt
Vorwort
1 Wie aus Luft Atem wird, und was dieser im Körper bewirkt
Die Reise der Atemluft
Mit dem Einatmen beginnt die Reise
Die Stimmbänder
Bronchien und Co.
Wie die Alveolen das Gewebe in Bewegung bringen
Reinigender Schleim
Sauerstoff und Kohlendioxid im Zusammenspiel
Die Herausforderung bei Asthma
Was hält den Atem in Gang?
Das Zwerchfell, der grosse Atemmuskel
Einatmen, ausatmen
Zwerchfell und Haltung
Zwerchfellaktivität und Blutfluss
Das Zwerchfell kann brechen
Mit Übungen das Zwerchfell unterstützen
Im Fokus der Wissenschaft: Faszien
Faszienpflege in Eigenregie
Die Wirkung tiefer Atmung
Mal wieder kräftig durchatmen
Was ist paradoxe Atmung?
Richtig atmen – gibts das?
Der richtige Atem – und es gibt ihn doch
Wichtige Voraussetzungen für die Atemarbeit
Eine eindrückliche Geschichte aus der Praxis
2 Der Atem im Fokus der Forschung
Alles verbindender Atem
Kurioses aus der chinesischen Sicht
Die westliche Perspektive
Die Möglichkeiten des Unbewussten
Die Klugheit des Leibes
Drei notwendige Anti-Stress-Gewissheiten
Die gefährliche Form von Stress
Tschüss Stress: die Polyvagaltheorie
Die Heilkraft des Atems in der Forschung
Wirkung von Atemarbeit auf den Körper ...
... und auf die Psyche
Effektive Atemachtsamkeit
Atemreduktion – eine alte Atemheilmethode
Stickstoffmonoxid – lebensnotwendiges Gift
3 Praktische Atemarbeit
Atemübungen für den Alltag
Der Atem bewegt uns bis in die Zehenspitzen
Die Atemräume
Praktische Atemübungen zum Ausprobieren
Emotionalem Kontrollverlust begegnen
Themenbezogene Atemübungen
Atem und Imagination – eine magische Mischung
Atem und Haltung
Atem, Stimme und Präsenz
Atmen beim Sport
Atem und Schmerz
Atem und Gebären
Atem, Vertrauen und Trauma
Atem und Verbundenheit in der Partnerschaft
Atem und Sex
Atem, Düfte und Begegnung
Atem und Rauchen
Schlecht riechender Atem
Atem und Gefühle im Zusammenspiel
Der Atem begleitet die Gefühlsentstehung
Das maskierte Gefühl
Gefühle, Körper und Atem stehen in ständiger Wechselwirkung
Ich-Stärke fördern
Trauer und Traurigkeit begegnen
Unserem Organismus Freude antrainieren
4 Atemarbeit – wer hats erfunden?
Atemtherapie gestern und heute
Ein innovativer Südtiroler: Leo Kofler
Der Einfluss C. G. Jungs
Die Körperkultur der Jugendbewegung
Atemarbeit während der Nazizeit
Die Entwicklung in den letzten fünfzig Jahren
Atem, Körper und Spiritualität
Was kann Atemtherapie?
Woran erkenne ich einen guten Atemtherapeuten?
Wer zahlt?
Methoden der Atemtherapie
Atemtherapie nach Ilse Middendorf
Integrale Atemschulung nach Klara Wolf
Atemtherapie nach Volkmar Glaser
Ganzheitliche Integrative Atemtherapie nach Yvonne Maurer
Atmungsorthopädie System Schroth
Atemtherapie nach Herta Richter
Personale Initiatische Therapie nach Dürckheim und Graubner
Buteyko-Atemtechnik
Papworth-Atemtherapiemethode
Atem- und Entspannungstherapie nach van Dixhoorn
Atemtherapie nach Kozo Nishino
Qigong
Anhang
Links
Literatur
Quellen
Vorwort
Ich muss Sie gar nicht fragen, ob Sie gerade atmen. Natürlich atmen Sie. Das tun Sie, seit Sie ein Fötus sind. Geborgen in der Wärme und im Halbdunkel der Gebärmutter, umgeben vom Rauschen des Blutes Ihrer Mutter und ihres Herzschlages haben Sie Fruchtwasser eingeatmet und ausgeatmet und dabei die Kraft für diese lebensnotwendige Funktion trainiert.
Wenn wir mit anderen Menschen in Kontakt treten, uns unterhalten, schnuppernd an einem klaren Frühlingsmorgen die frischen Düfte erkunden, wenn wir gebären, weinen, Liebe machen, schlafen, uns sportlich betätigen, stehen, gehen, mit Schmerzen zurechtkommen müssen – immer ist er da, unser Atem. Mal fliessend, mal stockend, mal kraftvoll, mal kaum wahrnehmbar, flach oder tief, hörbar oder unhörbar, schnarchend, stossend, prustend, hustend, pfeifend, immer ist er da und begleitet und unterstützt uns bei unseren täglichen Herausforderungen. Ständig gibt er uns wertvolle Hinweise – die wir nicht selten übersehen.
Oft werden wir unserer Atmung erst dann gewahr, wenn sie in irgendeiner Weise ins Stocken gerät. Dann begegnen wir dem Atem bewusst. Normalerweise aber läuft er einfach wie ein braver Hund mit, ohne dass wir auf ihn achten.
Stellen Sie sich vor, Sie würden sich auf das Experiment einlassen, Ihren Atem nach und nach immer klarer wahrzunehmen, zu lernen, ihn gezielt in Ihren Alltag miteinzubeziehen, ihn bewusst einzusetzen in all den vielfältigen Herausforderungen, die das Leben jeden Tag an die Ufer Ihres Daseins schwemmt.
Zu diesem Experiment lädt dieses Buch Sie ein: Werden Sie sich der magischen Kraft Ihres eigenen Atmens bewusst und lernen Sie, damit zu zaubern – für mehr Energie, tiefere Freude, erholsameren Schlaf, mehr Ruhe, erfüllteren Sex, um nur ein paar Geschenke zu nennen, die der bewusste Atem für Sie bereithält.
Delia Schreiber
im Januar 2024
Das Zwerchfell, der grosse Atemmuskel
Was genau führt nun eigentlich zur Atembewegung – einer Bewegung, die wir im Prinzip nicht mal wahrzunehmen brauchen, damit sie reibungslos funktioniert? Es gibt einen grossen Atemmuskel – das Zwerchfell. Es treibt nicht nur den Atem an, sondern übernimmt auch andere wichtige Funktionen im Körper. Das Zwerchfell ist zudem verbunden mit den Faszien im Leib, die von einer entspannten Atmung profitieren und das Wohlbefinden fördern.
Das Zwerchfell zieht sich zusammen und entspannt sich ungefähr 16-mal pro Minute, was den Atemrhythmus bewirkt. Die Atmung ist eine lebenswichtige (vitale) Funktion wie der Herzschlag und der Kreislauf; sie ist aber die einzige Vitalfunktion, die willentlich gesteuert werden kann. Dies liegt daran, dass wir das Zwerchfell bewegen können, indem wir den Atem über eine gewisse Zeit anhalten.
Einatmen, ausatmen
Das Zwerchfell ist nicht nur massgeblich an der Luft-, sondern auch an der Blutzirkulation beteiligt. Es handelt sich dabei um eine drei bis fünf Millimeter dicke segelförmige Struktur aus Muskelfasern und Sehnen, die die Brust- und die Bauchhöhle voneinander trennt. Wie eine Kuppel ist sie ungefähr auf der Höhe des Brustbeinspitzes horizontal zwischen diesem, der Lendenwirbelsäule und den Rippen aufgespannt.
Das Zwerchfell erhält aus der Medulla oblongata (einem Areal im Hirnstamm) den Impuls, sich zusammenzuziehen. Nun wölbt es sich nach unten, wobei auch die Körperwände nach unten gezogen werden und sich das Innenvolumen des Körpers vergrössert. Auf diese Weise wird ein Unterdruck im Körper erzeugt, sodass Luft in die Lunge eingesaugt wird wie bei einer Handorgel oder einem Blasebalg. Die Lunge lässt sich blähen, sie bleibt dabei ganz passiv. Die Alveolen, die kleinen Lungenbläschen (siehe Grafik Seite 16), werden von der aufgenommenen Luft gedehnt. Die Luft strömt umso einfacher und freier ein, je mehr die Stimmritze in der Kehle geöffnet ist. Beim Einatemprozess sollte sich die Bauchmuskulatur entspannen. Auf diese Weise haben die Eingeweide, die ja nun etwas nach unten gedrückt werden, mehr Platz.
Mit dem Ausatmen streben die Lungenbläschen in den ungedehnten Zustand zurück, die Lunge zieht sich zusammen, und das Zwerchfell spannt sich wieder als Kuppel auf.
Bauch und Brust sind gefragt
Normalerweise wird gleichzeitig in den Bauch und in die Brust geatmet, wobei diese Anteile sich je nach Situation verändern können. Als Faustregel gilt: Je ruhiger Sie sind, desto tiefer ist wahrscheinlich die Bauchatmung; je aufgeregter Sie sind, desto weiter rutscht der Atem nach oben und desto flacher und schneller wird er. Mit zunehmendem Alter können die Strukturen des Brustkorbs an Elastizität verlieren. Da es nun anstrengender wird, den Brustraum zu dehnen, rutscht der Atem eher nach unten in den Bauch, was bewirkt, dass der Oberkörper etwas zusammensinken kann. Sich mittels Atem- und Leibesübungen die Elastizität zu erhalten, lohnt sich also!
Info
