Frei atmen - Delia Schreiber - E-Book

Frei atmen E-Book

Delia Schreiber

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Beschreibung

Der Atem ist unser selbstverständlicher Lebensbegleiter. Doch er ist auch Quelle von Kraft, Freude und Glück und er verbindet Körper und Seele. Dieser Ratgeber zeigt, was der Atem alles bewirken kann, und zwar sowohl auf der physiologischen wie auch auf der emotionalen Ebene. Ob Stress, Schmerz, Haltung, Stimme, Sport, Sex oder Gebären: Immer spielt das Atmen eine entscheidende Rolle. Das Buch bietet denn auch eine Einführung in die Geschichte der Atemtherapie aus westlichem Blickwinkel genauso wie einen Hinweis auf den Stellenwert des Atems in fernöstlichen Kulturen. Viele Gespräche mit Fachleuten wie Lungenarzt, Anästhesistin, Schmerztherapeut und Hebamme ermöglichen einen vertieften und plastischen Einblick ins Thema.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 253

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Dank

Mein erster Dank geht an meine ehemaligen Kommilitoninnen und Kommilitonen der Atem- und Körperpsychotherapie-Ausbildung Pina Augustin, Patricia Candinas, Sieglinde Czycz, Verena-Barbara Gohl, Denise Lischer, Thomas Monn und Roger Stutz für das initiale Brainstorming in Sedrun, als die Idee für das Atembuch gerade erst geboren war. Danke vielmals, Roger, dass ich die Textauszüge aus unserer Arbeit (siehe Anhang) verwenden durfte. Ein weiterer grosser Dank geht an Dr. med. Thomas Walser, auf dessen Website www.dr-walser.ch ich mir Informationen zum Thema Rauchen holen durfte. Dr. med. Thomas Rothe danke ich dafür, dass er den wissenschaftlichen Teil gegengelesen hat. Ein inniger Dank geht an meinen Lehrer und Ausbildner Stefan Bischof sowie an die Thalwiler Atemtherapeutin und Ausbildnerin Anita Rieder, bei der ich in der Ausbildung und Lehrtherapie so viel lernen durfte. Meiner Lektorin Christine Klingler Lüthi danke ich herzlich für das wiederum so liebevolle und professionelle Begleiten, Mitatmen und Lektorieren der Texte.

Nicht zuletzt bin ich so dankbar für euch, meine Liebsten, Fabio, Lara, Diana, Noah und Nele Sophie, und für eure Geduld mit mir, wenn es mal wieder hiess: «Seid ruhig – Mama schreibt!»

Dieser Ratgeber stellt keinen Ersatz für psychotherapeutische oder ärztliche Beratung dar. Der Verlag und Autorin lehnen jede Haftung ab für allfällige nachteilige Auswirkungen, die mit dem Ausführen der Übungen in diesem Buch in Zusammenhang stehen könnten.

2. Auflage, 2024

© 2019 Beobachter-Edition, Zürich

Alle Rechte vorbehalten

www.beobachter.ch

Herausgeber: Der Schweizerische Beobachter, Zürich

Lektorat: Christine Klingler Lüthi

Reihenkonzept: buchundgrafik.ch

Umschlagillustration: Doro Spiro

Umschlaggestaltung: fraufederer.ch

Infografiken Seiten 16, 24, 31, 115: Andrea Klaiber;

Seite 175: Bruno Bolliger

Satz: Rebecca De Bautista; Bruno Bolliger

Herstellung: Bruno Bächtold

Druck: Grafisches Centrum Cuno GmbH & Co. KG, Calbe

ISBN 978-3-03875-541-8

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Inhalt

Vorwort

1 Wie aus Luft Atem wird, und was dieser im Körper bewirkt

Die Reise der Atemluft

Mit dem Einatmen beginnt die Reise

Die Stimmbänder

Bronchien und Co.

Wie die Alveolen das Gewebe in Bewegung bringen

Reinigender Schleim

Sauerstoff und Kohlendioxid im Zusammenspiel

Die Herausforderung bei Asthma

Was hält den Atem in Gang?

Das Zwerchfell, der grosse Atemmuskel

Einatmen, ausatmen

Zwerchfell und Haltung

Zwerchfellaktivität und Blutfluss

Das Zwerchfell kann brechen

Mit Übungen das Zwerchfell unterstützen

Im Fokus der Wissenschaft: Faszien

Faszienpflege in Eigenregie

Die Wirkung tiefer Atmung

Mal wieder kräftig durchatmen

Was ist paradoxe Atmung?

Richtig atmen – gibts das?

Der richtige Atem – und es gibt ihn doch

Wichtige Voraussetzungen für die Atemarbeit

Eine eindrückliche Geschichte aus der Praxis

2 Der Atem im Fokus der Forschung

Alles verbindender Atem

Kurioses aus der chinesischen Sicht

Die westliche Perspektive

Die Möglichkeiten des Unbewussten

Die Klugheit des Leibes

Drei notwendige Anti-Stress-Gewissheiten

Die gefährliche Form von Stress

Tschüss Stress: die Polyvagaltheorie

Die Heilkraft des Atems in der Forschung

Wirkung von Atemarbeit auf den Körper ...

... und auf die Psyche

Effektive Atemachtsamkeit

Atemreduktion – eine alte Atemheilmethode

Stickstoffmonoxid – lebensnotwendiges Gift

3 Praktische Atemarbeit

Atemübungen für den Alltag

Der Atem bewegt uns bis in die Zehenspitzen

Die Atemräume

Praktische Atemübungen zum Ausprobieren

Emotionalem Kontrollverlust begegnen

Themenbezogene Atemübungen

Atem und Imagination – eine magische Mischung

Atem und Haltung

Atem, Stimme und Präsenz

Atmen beim Sport

Atem und Schmerz

Atem und Gebären

Atem, Vertrauen und Trauma

Atem und Verbundenheit in der Partnerschaft

Atem und Sex

Atem, Düfte und Begegnung

Atem und Rauchen

Schlecht riechender Atem

Atem und Gefühle im Zusammenspiel

Der Atem begleitet die Gefühlsentstehung

Das maskierte Gefühl

Gefühle, Körper und Atem stehen in ständiger Wechselwirkung

Ich-Stärke fördern

Trauer und Traurigkeit begegnen

Unserem Organismus Freude antrainieren

4 Atemarbeit – wer hats erfunden?

Atemtherapie gestern und heute

Ein innovativer Südtiroler: Leo Kofler

Der Einfluss C. G. Jungs

Die Körperkultur der Jugendbewegung

Atemarbeit während der Nazizeit

Die Entwicklung in den letzten fünfzig Jahren

Atem, Körper und Spiritualität

Was kann Atemtherapie?

Woran erkenne ich einen guten Atemtherapeuten?

Wer zahlt?

Methoden der Atemtherapie

Atemtherapie nach Ilse Middendorf

Integrale Atemschulung nach Klara Wolf

Atemtherapie nach Volkmar Glaser

Ganzheitliche Integrative Atemtherapie nach Yvonne Maurer

Atmungsorthopädie System Schroth

Atemtherapie nach Herta Richter

Personale Initiatische Therapie nach Dürckheim und Graubner

Buteyko-Atemtechnik

Papworth-Atemtherapiemethode

Atem- und Entspannungstherapie nach van Dixhoorn

Atemtherapie nach Kozo Nishino

Qigong

Anhang

Links

Literatur

Quellen

Vorwort

Ich muss Sie gar nicht fragen, ob Sie gerade atmen. Natürlich atmen Sie. Das tun Sie, seit Sie ein Fötus sind. Geborgen in der Wärme und im Halbdunkel der Gebärmutter, umgeben vom Rauschen des Blutes Ihrer Mutter und ihres Herzschlages haben Sie Fruchtwasser eingeatmet und ausgeatmet und dabei die Kraft für diese lebensnotwendige Funktion trainiert.

Wenn wir mit anderen Menschen in Kontakt treten, uns unterhalten, schnuppernd an einem klaren Frühlingsmorgen die frischen Düfte erkunden, wenn wir gebären, weinen, Liebe machen, schlafen, uns sportlich betätigen, stehen, gehen, mit Schmerzen zurechtkommen müssen – immer ist er da, unser Atem. Mal fliessend, mal stockend, mal kraftvoll, mal kaum wahrnehmbar, flach oder tief, hörbar oder unhörbar, schnarchend, stossend, prustend, hustend, pfeifend, immer ist er da und begleitet und unterstützt uns bei unseren täglichen Herausforderungen. Ständig gibt er uns wertvolle Hinweise – die wir nicht selten übersehen.

Oft werden wir unserer Atmung erst dann gewahr, wenn sie in irgendeiner Weise ins Stocken gerät. Dann begegnen wir dem Atem bewusst. Normalerweise aber läuft er einfach wie ein braver Hund mit, ohne dass wir auf ihn achten.

Stellen Sie sich vor, Sie würden sich auf das Experiment einlassen, Ihren Atem nach und nach immer klarer wahrzunehmen, zu lernen, ihn gezielt in Ihren Alltag miteinzubeziehen, ihn bewusst einzusetzen in all den vielfältigen Herausforderungen, die das Leben jeden Tag an die Ufer Ihres Daseins schwemmt.

Zu diesem Experiment lädt dieses Buch Sie ein: Werden Sie sich der magischen Kraft Ihres eigenen Atmens bewusst und lernen Sie, damit zu zaubern – für mehr Energie, tiefere Freude, erholsameren Schlaf, mehr Ruhe, erfüllteren Sex, um nur ein paar Geschenke zu nennen, die der bewusste Atem für Sie bereithält.

Delia Schreiber

im Januar 2024

Das Zwerchfell, der grosse Atemmuskel

Was genau führt nun eigentlich zur Atembewegung – einer Bewegung, die wir im Prinzip nicht mal wahrzunehmen brauchen, damit sie reibungslos funktioniert? Es gibt einen grossen Atemmuskel – das Zwerchfell. Es treibt nicht nur den Atem an, sondern übernimmt auch andere wichtige Funktionen im Körper. Das Zwerchfell ist zudem verbunden mit den Faszien im Leib, die von einer entspannten Atmung profitieren und das Wohlbefinden fördern.

Das Zwerchfell zieht sich zusammen und entspannt sich ungefähr 16-mal pro Minute, was den Atemrhythmus bewirkt. Die Atmung ist eine lebenswichtige (vitale) Funktion wie der Herzschlag und der Kreislauf; sie ist aber die einzige Vitalfunktion, die willentlich gesteuert werden kann. Dies liegt daran, dass wir das Zwerchfell bewegen können, indem wir den Atem über eine gewisse Zeit anhalten.

Einatmen, ausatmen

Das Zwerchfell ist nicht nur massgeblich an der Luft-, sondern auch an der Blutzirkulation beteiligt. Es handelt sich dabei um eine drei bis fünf Millimeter dicke segelförmige Struktur aus Muskelfasern und Sehnen, die die Brust- und die Bauchhöhle voneinander trennt. Wie eine Kuppel ist sie ungefähr auf der Höhe des Brustbeinspitzes horizontal zwischen diesem, der Lendenwirbelsäule und den Rippen aufgespannt.

Das Zwerchfell erhält aus der Medulla oblongata (einem Areal im Hirnstamm) den Impuls, sich zusammenzuziehen. Nun wölbt es sich nach unten, wobei auch die Körperwände nach unten gezogen werden und sich das Innenvolumen des Körpers vergrössert. Auf diese Weise wird ein Unterdruck im Körper erzeugt, sodass Luft in die Lunge eingesaugt wird wie bei einer Handorgel oder einem Blasebalg. Die Lunge lässt sich blähen, sie bleibt dabei ganz passiv. Die Alveolen, die kleinen Lungenbläschen (siehe Grafik Seite 16), werden von der aufgenommenen Luft gedehnt. Die Luft strömt umso einfacher und freier ein, je mehr die Stimmritze in der Kehle geöffnet ist. Beim Einatemprozess sollte sich die Bauchmuskulatur entspannen. Auf diese Weise haben die Eingeweide, die ja nun etwas nach unten gedrückt werden, mehr Platz.

Mit dem Ausatmen streben die Lungenbläschen in den ungedehnten Zustand zurück, die Lunge zieht sich zusammen, und das Zwerchfell spannt sich wieder als Kuppel auf.

Bauch und Brust sind gefragt

Normalerweise wird gleichzeitig in den Bauch und in die Brust geatmet, wobei diese Anteile sich je nach Situation verändern können. Als Faustregel gilt: Je ruhiger Sie sind, desto tiefer ist wahrscheinlich die Bauchatmung; je aufgeregter Sie sind, desto weiter rutscht der Atem nach oben und desto flacher und schneller wird er. Mit zunehmendem Alter können die Strukturen des Brustkorbs an Elastizität verlieren. Da es nun anstrengender wird, den Brustraum zu dehnen, rutscht der Atem eher nach unten in den Bauch, was bewirkt, dass der Oberkörper etwas zusammensinken kann. Sich mittels Atem- und Leibesübungen die Elastizität zu erhalten, lohnt sich also!

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