Frei Fahren - Stefan Giercke - E-Book

Frei Fahren E-Book

Stefan Giercke

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Beschreibung

In meinem Buch "Frei Fahren - Eine Motorradreise ans Ende der Welt" geht es um eine persönliche Geschichte, die ich selber erleben durfte. Meine Abenteuerlust und meine Leidenschaft zum Motorradfahren führten mich nach Südamerika. Im Dezember 2016 trat ich eine dreimonatige Reise mit meinem Motorrad an. Gestartet in Valparaiso fuhr ich entlang der Panamericana bis zur Atacama Wüste. Eine atemberaubende Landschaft verzauberte mich und zog mich in ihren Bann. Die Reise führte mich jenseits der 4000-Höhenmeter bis hin zum Salar de Uyuni, dem größten Salzsee der Erde. Während ich mir den Weg entlang der Anden immer weiter Richtung Süden bahnte, erlebte ich einmalige Momente. Der Weg war das Ziel und das lag im weit entfernten Patagonien und Feuerland. Einzigartige Menschen begegneten mir und die Gastfreundschaft, die mir zuteil wurde, war ein großes Geschenk, was ich dankend annahm. In meinem Buch versuche ich meinen Alltag zu schildern und den Leser mit auf Reisen zu nehmen. Mit einer lockeren und unkomplizierten Art versuche ich meine Gefühle zwischen den Zeilen wiederzugeben die mich begleiteten. "... Die Natur ist prächtig und lädt zum Verweilen ein, zum Nachdenken und zum Abschalten. Diese Reise ist ein wahrer Schatz, den ich entdeckt habe.... es ist so vielseitig, dass ich aus dem Staunen gar nicht mehr rauskomme, mir widerfahren so unterschiedliche Geschichten. Ich liebe es. Aus diesem Grund bin ich auch losgefahren. Trotz allem übertrifft die Gegenwart jede Vorstellung zu Beginn dieser Reise. Das Schöne ist, sie ist noch nicht vorbei..."

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 230

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Frei Fahren

eine Motorradreise ans Ende der Welt

Stefan Giercke

zum Autor

Stefan Giercke wurde im November 1979 in Köthen/Anhalt geboren. Schon immer neugierig hinter den Horizont zu blicken, zog es ihn immer weiter in die Welt hinaus. Die Sehnsucht nach Abenteuern, gepaart mit der Liebe zum Motorradfahren, ließen dieses Buch entstehen.

Impressum

Frei Fahren – Eine Motorradreise ans Ende der Welt

© Oktober 2017, Stefan Giercke

Verlag tredition GmbH, Hamburg

978-3-7439-5150-1

Paperback

978-3-7439-5151-8

Hardcover

978-3-7439-5152-5

e-Boo

„Der Sinn des Reisens besteht darin, die Vorstellungen mit der Wirklichkeit auszugleichen, und anstatt zu denken, wie die Dinge sein könnten, sie so zu sehen wie sie sind.“

Samuel Johnson (1709 - 1784)

Es ist morgens in Puerto Natales. Die Stimmung im Hostel ist etwas angespannt. Zu eng und zu wenig Rückzugsmöglichkeiten für alle Reisenden. Die Türen quietschen, die Wasserleitungen laufen, überall Geräusche, die mich davon abhalten, endlich zu Wort zu kommen, um den Anfang meiner Geschichte niederzuschreiben. Dennoch sitze ich jetzt im Aufenthaltsraum der zweiten Etage und versuche die richtigen Zeilen zu finden, um den Einstieg zu schaffen. Nach einem spärlichen Frühstück, es bestand aus einer Tasse Nesquik Kaffee und einem Brötchen mit Erdbeermarmelade, begann dieser Tag. Alles unter genauster Beobachtung der Inhaberin. Hier hat alles seine Ordnung. Eine falsche Bewegung und die Gute ist zur Stelle. Ein Ort, an dem man eine Nacht verbringen kann, ich jedoch werde hier länger bleiben.

Frühjahr 2016

Alles begann im März diesen Jahres. Ich merkte schnell, dass es mich wieder in die Welt hinauszieht. Das Abenteuer im vergangenen Jahr, die USA mit dem Zug zu durchfahren, hat mich hungrig gemacht nach mehr dieser wundervollen Perspektive die Welt anzuschauen. Dadurch, dass ich in den Wintermonaten mit festen Auszeiten rechnen kann, bieten sich für mich nahezu fast unbegrenzte Möglichkeiten, immer wieder auszubrechen, das System zu verlassen, oder wie ich auch gern sage, das Marionettentheater. Der Zeitpunkt war gut, um freie Gedanken walten zu lassen und ein weiteres Abenteuer zu planen. Ideen gab es viele, alles war möglich und die Welt stand mir offen. Ich hatte mal von einer Art rollendem Hotel gehört, was weltweit zuwege ist. Es war eine Möglichkeit mit diesem Fahrzeug eine Tour entlang der Anden bis nach Feuerland zu unternehmen. Auch Indien hatte seinen Reiz, sogar bis nach China gingen meine Gedanken, ich war grenzenlos mit meinen Ideen. Es gibt viel zu entdecken auf dieser Welt.

Da ich leidenschaftlich gern Motorrad fahre und mich auch sonst recht gern outdoor beschäftige, hatte ich natürlich auch Träume bezüglich dieser Art des Reisens. Vorlagen für solche Abenteuer gibt es mittlerweile genug. Es braucht viel Zeit und leider auch viel Geld, was mich bislang abgehalten hat, solch ein Projekt in Angriff zu nehmen. Dennoch hatte ich schon Vorsorge getroffen und mir vor einigen Jahren ein Motorrad zugelegt, mit dem solch eine Reise möglich ist. Ich habe nie aufgehört daran zu glauben, dass der Tag kommen wird, wo ich aufsteige und meinen Traum leben kann. Auch eine kleine Testfahrt hatte mal stattgefunden. 4000 Kilometer haben mich damals nach Griechenland geführt und durch Italien zurück. Das Besondere an dieser Reise war die Jahreszeit, es war Ende Februar, Anfang März. Über die Jahre konnte ich Vertrauen zu meinem Motorrad aufbauen und es fahren lernen. Es handelt sich um eine Yamaha XT 660 Z Tenere, 2008er Modell. Sie ist fantastisch, ich nenne sie manchmal im Stillen „The Black Beauty". Nach diversen kleinen Verbesserungen habe ich sie zu einem extrem reisefähigen Fahrzeug konzipiert. Sie verfügt über einen 23-Liter-Tank, dazu hab ich noch fünf Liter extra Treibstoff an Bord, der mir Reichweiten von nahezu 600 km ermöglicht. Hinzukommt, dass ich jederzeit ca. 6,5 Liter Wasser mit mir führe, was von großem Vorteil ist, falls man mal längere Zeit abseits der Zivilisation fährt. Alles was man sich wünscht, hat sie an Bord. Navigation, Griffheizung und jede Menge nützliche Verbesserungen, die auf der Straße Sinn machen.

Nachdem ich nun solch ein Motorrad mein Eigen nennen konnte, wollte es natürlich auch das Gleiche wie ich, fahren soweit wie möglich. Momentan gibt es sehr viele Möglichkeiten, eine solche Reise zu unternehmen.

Ich hatte mir nun also auch diese Variante ermöglicht auf Reisen zu gehen. Nach einigen Recherchen stellte sich schnell heraus, dass es kein wirklich großes Problem ist, das Motorrad mit einem Schiff auf einen anderen Kontinent zu transportieren. Irgendwann im März, ich befand mich gerade an einen sonnigen Platz in meiner Hängematte im Meraner Land, war dann der Schlüsselmoment. Ich erreichte die Spedition von Klaus Demel, jemanden vom Fach, und konnte alle wichtigen Informationen in einem netten Telefonat für mich gewinnen. Von diesem Moment an war klar, dass ich jetzt alles dafür Notwendige tun werde, um nach Südamerika zu reisen. Es hat nicht lang gedauert und ich stand im Baumarkt und besorgte mir Spanplatten und alles Nötige, um mir die Planungswand zu bauen, die ich brauchte, um so ein Projekt vernünftig zu organisieren. Riesengroß, nahezu vier Quadratmeter, konnte ich sie sehr schön in meine Wohnung integrieren. Der Plan stand, es gab kein Zurück mehr, ich war Feuer und Flamme und konnte kaum verstehen, dass ich jetzt ein Teil bin von diesem Projekt. Manchmal kam ich mir vor wie ein Statist in meinem eigenen Film. Woche für Woche ging es voran, kaum ein Tag verging ohne eine Kleinigkeit abhaken zu können. Es war viel zu tun.

Anfang Dezember 2016

Soweit war alles vorbereitet, mittlerweile in Aken im Elternhaus, befand ich mich nun mehr oder weniger nervös vor dem großen Abenteuer. Südamerika war zum Greifen nah. Die XT hatte Valparaiso zirka vier Tage vor mir erreicht. Es war schön, die Reise des Motorrads anhand von marinetraffic.com mitverfolgen zu können. Nun war alles angerichtet für ein dreimonatiges Leben auf zwei Rädern, nichts ahnend, was vor mir liegt, wartete ich ungeduldig auf meinen Abflugtag. Bei der Lufthansa war dieser Tage wieder mal ein heftiger Streik im Gange, was mich sehr verunsicherte. Da ich alles online gebucht hatte, war es schwer, einen ernstzunehmenden Ansprechpartner zu finden. Einer meiner Flüge führte mit der besagten Airline von Berlin nach Frankfurt. Es gab zwar laut meiner eigenen Auffassung die Möglichkeit direkt in Frankfurt zuzusteigen, aber das ist in solch einem Fall nicht möglich. Man muss bei so einem Flug am Abflughafen einchecken. Nach langem Abwarten und vielen Versuchen einen Alternativplan zu erstellen, stellte sich 1,5 Tage vor Abflug heraus, dass der Streik endet und mein Flugzeug wie geplant abhebt. Diese erste Hürde wäre geschafft. Gepäcktechnisch war ich so aufgestellt, dass ich mein komplettes Equipment selbst mitnehmen musste, sprich, es waren insgesamt ca. 55 Kilogramm verteilt auf einen Packsack, eine Reisetasche und einen 30-Liter wasserfesten Daypack von Hein Gericke. Es war transportabel, aber mühsam. Die Fahrt zum Flughafen war nicht sonderlich spektakulär, meine Eltern und ich im Golf... 120 Kilometer Autobahn und etwas Einrollen in Berlin. Ein Parkplatz war schnell gefunden und schon standen wir im Abflugterminal Berlin Tegel. Ich hatte soweit alles im Griff, ein paar Dinge wurden erledigt, wie zum Beispiel Geldwechsel, Gepäck verpacken und aufgeben. Danach folgte der Abschied von meinen Eltern. Dieser war allerdings nicht sonderlich außergewöhnlich. Mittlerweile wissen sie, dass der Junge weiß was er tut. Außerdem hatten sie noch Pläne in der Stadt und die Zeit bleibt ja bekanntlich nicht stehen. Soweit so gut, Eltern weg, Gepäck weg, Stefan auch weg. Die erste Etappe führte mich lediglich nur bis nach Frankfurt. Dort musste ich umsteigen. Ein wenig Zeit, um sich kurz umzuschauen und noch mal innezuhalten, was gerade stattfindet. Ich liebe diese Momente des Aufbrechens ins Unbekannte. Es fühlt sich großartig an, solche Vorhaben in die Tat umzusetzen. Dennoch merkt man schnell, dass man ganz klein und zerbrechlich ist, alleine da draußen in der weiten Welt. Drei Monate können eine lange Zeit sein. Mittlerweile hab ich Platz genommen im großen Flieger. Es sollte jetzt weiter nach Sao Paolo gehen. Ein langer Flug durch die Nacht folgte nun in dieser Richtung. Ich hatte mir einen Platz am Gang reserviert, nicht wie üblich am Fenster. Es war gut, um den Beinen etwas Freiraum zu gönnen auf dieser langen Strecke. Die erste Überraschung erlebte ich bereits kurz nachdem ich mich setzte. Während meiner Planung bin ich im Internet auf ein Video gestoßen, wo ein Pärchen aus Deutschland mit einem Motorrad zu den Tatio Geysiren gefahren ist. Gespannt habe ich mir dieses Video angeschaut und wollte selber dorthin. Diese befanden sich in der Atacama Wüste auf zirka 4800 m Höhe. Es war sehr eindrucksvoll was sie schilderten. Nun gut, ich sitze im Flieger, der noch am Boden ist. Nach und nach füllte sich dieser. Plötzlich kamen zwei Motorradfahrer in fast voller Montur den Gang entlang, ein Mann und eine Frau. Sie nahmen vier bis fünf Sitzreihen hinter mir Platz. Einen Moment später ist mir aufgefallen, dass ich diesen Akzent irgendwoher kenne. Es hat nicht lange gedauert bis ich an dieses Video gedacht habe. Ich wollte schon fast aufstehen und nachfragen, aber das hab ich erstmal nicht getan. Ich widmete mich meinem Aufbruch. Wieder innehalten und die Situation bewusst erleben. Diese einmaligen Eindrücke soweit es geht festhalten.

Der Flug verging wie sie alle vergehen, irgendwann landet man und ist froh wieder am Boden zu sein, obwohl ich sagen muss, dass sich der erste Kontakt besonders angefühlt hat. Südamerika ist ein neuer Kontinent, der mir unbekannt war. Ich hatte Großes vor. Nach dem Verlassen des Flugzeugs stand ich nun vor der Passkontrolle und wartete auf ein Voranschreiten der Einreisenden. Hinter mir reihten sich die zwei deutschen Motorradfahrer ein, und ich nutze die Gelegenheit und fragte sie ganz spontan, ob sie zufällig schon mal mit dem Motorrad in Südamerika waren. Schnell stellte sich heraus, dass es sich um die beiden aus dem Video handelt. Unglaublich für mich, gerade erst einen neuen Kontinent betreten und direkt so eine Bekanntschaft gemacht. Nachdem ich meine Formalitäten soweit erledigt hatte und den Flughafen erkundete, unterhielt ich mich natürlich mit ihnen. Zwei solche Veteranen waren für mich in diesem Moment viel wert. Sie konnten mir hilfreiche Tipps geben, es war sehr schön sie kennen zu lernen, soweit das in diesem Zeitraum möglich war. Unser gemeinsamer Weiterflug führte uns nach Santiago de Chile. Dort angekommen, ging dann alles sehr schnell. Vor allem, als ich mein Gepäck vollständig in Empfang nahm, war ich sehr erleichtert, schließlich hängt davon viel ab. Ich verabschiedete meine neue Reisebekanntschaft und machte mich auf den Weg zu einem Bus, der mich ins Stadtzentrum bringen sollte. Ich hatte mich natürlich vorher informiert, und somit war es leicht von A nach B zu kommen. Ich glaube, nach Ankunft in Santiago war ich zwei Stunden später in Valparaiso eingetroffen, im Hotel Ibis wohlgemerkt. Also Fazit, von Aken nach Valparaiso in einem Atemzug ohne mit der Wimper zu zucken.

Ein, zwei Tage sind nun vergangen und ich hatte mir einen ersten Eindruck verschaffen können. Valparaiso ist bunt, die Farbenpracht ist enorm. Am Anfang musste ich mich daran gewöhnen, dass ich jetzt längere Zeit aus Europa weg bin. Die Stadt, das Land, ja der ganze Kontinent schmeckt anders. Nach meinen ersten Ausflügen mit der Kamera hab ich Kontakt aufgenommen und fand mich binnen kurzer Zeit relativ gut zurecht. Valparaiso ist nicht so groß, gerade richtig um anzukommen. Auch das Hotel hatte seinen Teil dazu beigetragen. Ich hatte ein Zimmer mit Seeblick, wie ich es mir vorgestellt hatte. Das war insofern für mich wichtig, da es zum besseren Einstimmen diente. Den Containerhafen direkt zu Füßen. Ich konnte schnell den Liegeplatz der „Jack London“ ausfindig machen, dem Schiff, mit dem mein Motorrad hier ankam. Die Ausrüstung wurde natürlich erstmal säuberlich im Hotelzimmer ausgebreitet und bis ins kleinste Detail kontrolliert. Letztendlich hatte ich das Wochenende für mich, bevor es dann montags in das Office zu Mr. Estaban ging. Ich war aufgeregt und ungeduldig zugleich. In Europa hatte ich noch sehr spät festgestellt, dass irgendwas mit der Luft im vorderen Reifen meiner Maschine nicht ganz in Ordnung war. Ich hatte schon damit gerechnet, direkt zu Beginn der Reise irgendeine Reparatur durchführen zu müssen.

Bewaffnet mit meinem Werkzeug und einer kleinen Luftpumpe machte ich mich dann am Montagmorgen auf den Weg. Alles ging sehr einfach vonstatten. Das Büro war nur zwei Blocks von meinem Hotel entfernt. Das habe ich schon am Wochenende ausgespäht und somit war ich schnell vor Ort. Nach dem Betreten ging alles recht zügig. Während wir anfingen, die Dokumente durchzugehen, kamen zwei weitere Motorradfahrer dazu. Es waren ebenfalls Deutsche, die ein Abenteuer suchten. Einer von ihnen hieß Steffen, von dem anderen weiß ich nicht viel. Gemeinsam haben wir die Formalitäten hinter uns gebracht und sind mit Mr. Esteban zum Zoll gegangen. Dort verging eine halbe Stunde und wir hatten grünes Licht. Ein Taxi brachte uns alle drei in das Depot zu einem Industriegebiet am Ortsrand. Die Anspannung stieg, zwar im positiven Sinne, aber spürbar. Auch hier gab noch einige Hürden zu meistern bevor wir geschlossen zur Lagerhalle durften. Doch dann war es soweit. Vorbei an riesigen Lagerregalen war jetzt nur noch ein Rechtsschwenk nötig und ein Eldorado an Abenteuermotorrädern offenbarte sich. Ein gewaltiger Anblick. Es waren sicher um die sechzig super aufgerüstete Maschinen.

Natürlich ist es mir nicht schwer gefallen, mein Baby unter ihnen ausfindig zu machen. Mein Herz lachte vor Freude, vor allem als ich feststellte, dass der Luftdruck unverändert war. Auch die Kollegen fanden ihre Bikes unversehrt wieder. Nun war ein kleiner Check notwendig. Batterie anklemmen, Alarm installieren und eine vorläufige Navigation anschließen, die mich danach zum Hotel zurückführte. Auch die Koffer erreichten ihren Bestimmungsort. Nachdem soweit alles angeschlossen war, kam der große Moment, dem Baby ein paar Ampere durch die Leitung zu schicken. Ich startete die XT und sie hatte sich ohne ein Murren betriebsbereit erklärt. Es ging nun nochmal zum letzten Check ins Büro, aber das verlief alles ohne große Schwierigkeiten. Die Fahrt konnte beginnen, alle gemeinsam verließen wir ganz cool im Stehen das Gelände und fuhren bis zur nächsten Tankstelle, ein Bier musste her.

Nein, Spaß beiseite. Die Maschinen wollten "Super" sehen und der Reifen brauchte Luft. Nachdem das nun auch endlich erledigt war, verabschiedeten wir uns voneinander und wünschten uns gegenseitig alles Gute für das vor uns liegende Abenteuer. Für mich ging es an dieser Stelle alleine weiter.

6. Dezember 2016 Das Abenteuer beginnt.

Die Nacht war relativ ruhig. Ich hatte keine Probleme Schlaf zu finden. Der erste Blick aus dem Fenster offenbarte mir blauen Himmel und Sonnenschein, was mich natürlich freute. Ich machte mich bereit und eilte als erstes schnell in die Garage. Ich wollte nur sichergehen, dass auch die XT ihre Nacht dort gut überstanden hat. Nachdem ich alles zu meiner Zufriedenheit herausgefunden hatte, frühstückte ich und beglich meine Rechnungen. Ich hatte nicht lange gebraucht, um mein Motorrad soweit aufzurüsten, dass ich auf Strecke gehen konnte. Ich war bereit für das kommende Abenteuer, die lange Zeit der Vorbereitung und das Herbeifiebern hatten nun ein Ende. Noch schnell das Motorrad in den finalen Modus setzen und dann stand der Abfahrt nichts mehr im Weg. Ich war "Ready for Take off". Die Abfahrt ging problemlos vonstatten. Der Tank war voll und die Vorräte sollten für die nächsten Tage genügen. Zuerst ging es aus Valparaiso raus und weiter nach Vina del Mar entlang der Küste.

Ein riesiger Ozean eröffnete sich zu meiner Linken, es war der Pazifik. Bei schönstem Wetter ließ ich es laufen, die XT brummte dahin und ich fühlte mich gut. Nach einer kleinen Eingewöhnung an den Verkehr auf den unbekannten Straßen hatte ich bald ein gutes Gefühl. Ich verließ allerdings, nach dem einen oder anderen Boxenstopp, relativ schnell die Küste. Noch ein kleiner Check an der Kupplung, dort war noch etwas nachzujustieren, ging es schließlich auf die ...Trommelwirbel... PANAMERICANA. Ein weiterer Traum erfüllte sich. Ich hab es genossen. Eine legendäre Straße durfte von jetzt an Teil meiner Geschichte werden. Mit einem Lächeln und einem lachenden Herzen fuhr ich nun auf der „5“ dem Norden entgegen. Zwar war die Kulisse noch relativ viel von Zivilisation geprägt, aber ich spürte ihre Dimension schnell. Diese Straße ist die wohl Bekannteste des amerikanischen Kontinents, wenn nicht sogar der Welt. Ich wurde Teil von ihr. Entspannt im fünften Gang ließ ich mich nun dahingleiten und wollte einfach nur fahren. Da die Umgebung noch ziemlich bevölkert war, suchte ich nach Abenteuer, dies führte mich dann auch sehr schnell ins Landesinnere. Nach zirka 100 Kilometern auf der Panamericana ging es vorerst bis nach Los Vilos, von dort aus suchte ich mir eine geeignete Strecke durch die Natur. Auf meinerLandkarte machte ich den Nationalpark Las Chinchillas aus. Dieser sollte für den ersten Tag mein Ziel sein. Ich habe im Voraus gelesen, dass es dort Möglichkeiten zum Wildcampen gibt, genau nach meinem Geschmack. Ich erreichte Illapel und folgte der Navigation weiter nach Norden. Nach weiteren 30 Kilometern endete der Asphalt. An einer Kreuzung angekommen, machte ich noch einen kurzen Stopp bei einem Geschäft, wo es alles gab, was man brauchte. Ich versorgte mich mit Wasser und noch dem einen oder anderen Lebensmittel für den Abend. Ich stand da und musste jetzt entscheiden, ob ich nun bereit bin für eine Fahrt auf Schotter. So früh zu Beginn der Reise hab ich nicht damit gerechnet, die befestigten Straßen zu verlassen. Ich setzte meine Tour fort, es war wunderschön. Es war bereits Nachmittag und das Licht der Sonne zauberte einen extrem schönen Kontrast. Am Wegesrand zeigten sich immer größer werdende Kakteen und viel trockenes Land. Schnell hatte ich das Gefühl, dass ich hier nach einem Platz Ausschau halten könnte, um die Nacht zu verbringen. Ich suchte nach einer geschützten, wenig sichtbaren Stelle. Relativ schnell fand ich einige Möglichkeiten. Zu Fuß lief ich den Weg ab, den ich wählen könnte, um sicher die Stelle des Lagers zu erreichen. Es war nicht gerade leicht dorthin zu gelangen, aber ich fühlte mich dort am sichersten. Es ging durch tiefen Sand und über karge Steine. Schließlich hatte ich für meine erste Nacht einen traumhaften Spot ausfindig gemacht, der besser hätte nicht sein können. Nun ging es darum, alles aufzubauen und mir den Abend so angenehm wie möglich zu gestalten. Ich genoss es in jeder Form. Ich kochte mir etwas, machte Fotos und staunte darüber, wie das Sonnenlicht mit der Natur spielte. Der Abend ging schnell vorüber. Ich machte mir später im Zelt noch Gedanken darüber, wie es nun am nächsten Tag für mich weitergehen sollte. Die Karte war riesengroß, ich befand mich gerade am Anfang meiner Reise, es gab also viel zu entdecken. Desto später es wurde, glaubte ich immer mehr Chinchillas zu hören. Dennoch fand ich einen guten Schlaf.

Las Chinchillas National Reserve

Für meine erste Nacht auf meiner Tour suchte ich nach abgelegenem Land.

Am nächsten Morgen aufgewacht, fühlte ich mich gut, die erste kleine Prüfung war gemeistert. Zelten auf einem anderen Kontinent und abseits des Mainstreams. Zufrieden kochte ich mir einen Kaffee und machte meinen Rundgang. Alles schien in Ordnung. Nachdem ich all meine Sachen zusammengepackt hatte und das Motorrad beladen war, ging es für mich wieder weiter. Im Prinzip lagen nur 30 Kilometer unbefestigte Straße vor mir, die eigentlich einen guten Eindruck machten. Nicht außergewöhnlich schwer, eher leicht zu fahren. Was auch immer mich bewegt hat, der Christopherus, der mit mir auf dem Weg war, hatte an diesem Tag was ganz Besonderes mit mir vor. Ich folgte also der Straße nach meinem Bauchgefühl, zudem unterstütze mich mein Navi. Die Schönheit der Piste war ein weiterer Grund ihr zu folgen. Ich fuhr und fuhr, es folgten ein, zwei kleine Baustellen und verlassene Hütten. Auch die Höhenmeter nahmen immer mehr zu. Angekommen in einem kleinen Dorf, fühlte ich mich jetzt doch schon relativ abseits meiner Route, es kam eine alte Frau auf mich zu, die versuchte sich mitzuteilen. Ich verstand natürlich nicht wirklich viel, doch als ich ihr sagte, ich will nach Combarbala, nickte sie mir lächelnd zu und wir verabschiedeten uns.

Ich fuhr also weiter, noch höher, noch spektakulärer. Nach ein paar Fotospots und ersten Versuchen mit der Actioncam ging die Fahrt langsam voran. Doch irgendwann kam ich zu einer Stelle, die ich niemals vergessen werde. Diese Straße endete für mich an einem Gleistunnel auf der höchsten Stelle dieses Passes. Na Mahlzeit, ich staunte nicht schlecht. Was soll das jetzt, dachte ich mir. Ich überprüfte anhand meiner GPS-Geräte den Verlauf der Stecke und stellte fest, dass es sich um einen Tunnel handeln muss. Zwar war das Gleisbett mit Schotter aufgeschüttet, aber ein ewig schwarzes Loch. Was also tun in dieser misslichen Lage. Zurückfahren kam erstmal nicht in Frage. Weiterfahren bedeutete Risiko. Ich hatte die Wahl. Groß oder Klein, Taff oder Schlaff. Ich musste niemandem etwas beweisen, noch nicht einmal mir selbst. Ich vertraute mir und machte mich bereit. Nach einigen checkups legte ich den Gang ein, ließ mich nur noch von meinem Gefühl leiten. Stück für Stück arbeitete ich mich vorwärts. Schwarz wie die Nacht um mich herum, ging es Meter für Meter vorwärts. Der Untergrund, auf dem ich fuhr, wurde zunehmend schlechter, bis ich nur noch

Halt auf den Gleisen fand, um mich abzustützen. Zwischendurch kam stellenweise auch Wasser von der Decke. Zudem ging es sehr langsam vorwärts. Einmal hab ich es geschafft, dass mir die Karre verreckt ist, und ich stand im Dunkeln. Extrem. Schnell wieder das Motorrad zum Laufen bringen und weiter. Irgendwann erreichte mich ein Licht, was mich arg beunruhigte... Ich also alles mir zur Verfügung Stehende angeschaltet. Mit Lichthupe und Warnblinker fuhr ich nun in Chile im Nichts durch diesen stillgelegten Bahntunnel. Nach wenigen Minuten stellte sich heraus, dass es das Ende des Tunnels war, was ich zuvor sah. Es kam jetzt ein besseres Gefühl auf. Nach ungefähr acht Minuten hatte ich es geschafft. Freiheit, Tageslicht, nichts ist passiert. Ich jubelte und brachte mein Motorrad erstmal in Sicherheit. Ich war fix und fertig. Weiche Knie und ein erhöhter Herzschlag machten sich bemerkbar. Diese Pause hatte ich dringend nötig. Bis zum nächsten Ort waren es nur noch knapp 20 Kilometer. Nachdem ich nun diesen hässlichen Tunnel passiert hatte, dachte ich natürlich, dass es nicht schlimmer kommen konnte. Ich fuhr vorsichtig von Kurve zu Kurve. Die Beschaffenheit des Untergrundes wechselte leider verdammt oft, was außerordentlich viel Konzentration erforderte. Irgendwann ist es dann passiert. Sand, ein Moment der Unachtsamkeit, volle Breitseite. Ich fiel hin. Am Straßenrand lag ich nun und hatte mein Bein eingeklemmt. Im ersten Moment stehst du erstmal unter Schock und willst dich sofort befreien, was mir zum Glück auch gelang. Dabei habe ich aber arg meinen Knöchel verstaucht, was mir im weiteren Tagesverlauf das Leben sehr schwer machte. Ich zögerte nicht lange. Klamotten runter, etwas fluchen, das Motorrad wieder aufrichten. Alles ging sehr schnell. Nach einer Besichtigung der wichtigsten Teile am Motorrad stellte ich fest, dass nichts weiter passiert war. Ich trank ein Schluck Wasser und fuhr weiter. Jetzt wollte ích runter von diesem Hügel. Mittlerweile war ich auch schon knapp drei Stunden damit beschäftigt 50 Kilometer zu fahren. Da hört dann der Spaß auf. Obwohl ich merkte, dass am Fußgelenk etwas nicht ganz in Ordnung war, fuhr ich nun weiter und wollte ankommen. Irgendwo, nur runter von dieser Piste. Es dauerte auch nicht mehr allzu lang und ich erreichte Combarbala. Ein kleiner Ort, der nicht viel hermachte. Alles sehr überschaubar, eine Kirche an einem kleinen Park war das Schönste, was dieser Ort zu bieten hatte. Nach einem erfrischenden Getränk aus einem Kiosk entdeckte ich ein einfaches Restaurant. Ich zögerte nicht lange und entschied mich, dort etwas zu essen. Da ich sogut wie kein Spanisch spreche, nahm ich das Tagesmenü. Es waren nette Gastgeber und das Essen wurde frisch zubereitet. Während ich wartete, lernte ich einen Deutschen kennen. Er würde die meiste Zeit seines Lebens in Südamerika verbringen, erzählte er mir. Zusammen mit seiner Nichte waren sie auf dem Weg von La Serena nach Santiago. Wir unterhielten uns, während ich auf mein Essen wartete, und tauschten uns aus. Ich erzählte ihm die Geschichte mit dem Tunnel, doch in einer solchen Situationen war er noch nicht. Das Essen war dann sehr lecker, nichts Besonderes, aber einfach und gut. Es gab einen Salat vorweg und etwas Brot. Der Hauptgang bestand aus Kartoffelpüree und Fleisch, ganz simple Kost. Auch ein Dessert habe ich bekommen.

Laut der Karte gab es die Möglichkeit, die nächste Nacht wieder in einem Nationalpark zu verbringen. Ich hatte ja gute Erfahrungen gemacht, also dachte ich, es wäre eine gute Idee so wieder ein geeignetes Camp zu finden. Zudem las ich, dass dort auch öffentliche Plätze sein würden. Monumento Natural Pichasca stand auf dem Plan. Es war nicht mehr sonderlich weit bis dahin und ich machte mich auf den Weg. Meinem Fuß allerdings ging es immer schlechter. Die Schmerzen wurden immer größer. Während eines kleinen Stopps habe ich es nochmal geschafft, die XT erneut zu Boden zu bringen. So langsam ging mir der Tag auf die Nerven. Ein vorbeifahrendes Auto kehrte um, und der Fahrer half mir beim Aufrichten meines Motorrads. Ich schleppte mich unter Schmerzen bis zu dem besagten Campingplatz und war froh und dankbar, diesen erreicht zu haben. Allzu lange hätte ich kaum noch weiterfahren können. Ich richtete mich ein, spannte die Hängematte und machte nichts mehr. Ich war erledigt. Total fertig für diesen Tag.

Es hat natürlich nicht lange gedauert und schlechtes Gedankengut kam auf. Nachdem ich nun so einen heftigen Tag erlebt hatte, war ich platt. Ich verstand nicht so recht, was da passiert ist, von der Dummheit, solch einen Tunnel zu durchfahren, ganz zu schweigen. Laufen ging nun gar nicht mehr. Ich versuchte aus den Umständen das Beste zu machen, doch das war sehr schwer. Ich hatte es übertrieben, am zweiten Tag meiner Reise. Ich konnte von Glück reden, dass mir nicht noch mehr passiert ist. Ich fing an mein Tagebuch zu schreiben. Die Ereignisse haben mich nachdenklich gemacht. Ich hatte echt etwas Angst bekommen, womit ich es hier zu tun habe, auch der Zeltplatz hat noch dazu beigetragen. Ein wirklich heruntergekommenes Plätzchen, was nicht gerade einladend war. Ich entschied mich, wenigstens zwei Nächte zu bleiben, um meinem Fuß eine Pause zu geben. Das war das Mindeste, was ich tun konnte. Kaum denkbar, was passiert wäre, wenn es sich um einen Bruch gehandelt hätte. Mir bleib nichts weiter übrig, als mich damit abzufinden und auf Besserung zu warten. Ich kochte mir was und schaltete ab. Vorhang zu und schauen was morgen passiert.

Ich fühlte mich etwas besser, nicht O.K., aber besser. Nun hatte ich wieder den ganzen Tag Zeit, mich mit mir selbst zu beschäftigen und mich zu regenerieren. Ich schrieb, ich dachte nach, zweifelte und hatte dennoch die Augen auf eine baldige Weiterfahrt gerichtet. Schließlich ist das Bein ja noch dran. Am Mittag sind noch ein paar Locals auf dem Platz eingetroffen. Sie spielten Fußball und grillten bis in die späten Abendstunden. Ich plante die Weiterfahrt für den nächsten Tag.

Zurück auf befestigte Straßen, zurück auf die Panamericana. Es war eine Fahrt mit Nordkurs. Wunderschöne Strecke und die Umgebung änderte sich zunehmend. Es wurde immer trockener und die Vegetation nahm stark ab, bis ich schließlich den ersten Kontakt mit der Atacama hatte. Atemberaubend, wenn man dort das erste Mal ankommt. Zirka 60 Kilometer vor Copiapo nahm ich eine Abzweigung und folgte einem Weg ins Innere dieses Naturschauspiels, es war noch nicht spät, aber es war der Reiz ins Menschenleere vorzudringen. Ich hatte einen Platz ausfindig gemacht, der mich dazu bewegte, nicht mehr weiterzufahren.

Mir war klar, hier möchte ich heute eine Nacht verbringen. Endlos viel Steppe in einem warmen Licht. Ich suchte die passende Stelle für mich und die XT. Nach einer Weile fand ich eine Senke, die mir etwas Schutz gab. Dort konnte man mich aus der Ferne nicht so schnell ausmachen. Ich war ein leichtes Ziel in diesem freien Gelände.