Freizeitpark für die Psyche - Burke Hops - E-Book

Freizeitpark für die Psyche E-Book

Burke Hops

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Beschreibung

Sechs Wochen in einem Freizeitpark der ganz besonderen Art. Sechs Wochen? Ist das noch ein Vergnügen oder eher eine Belastung? Finden Sie das selbst heraus wenn Sie sich mit Menschen aus den unterschiedlichsten Schichten beschäftigen. Menschen die sich teilweise aus dem hektischen Alltagsleben zurückgezogen haben, die nun völlig vereinsamt sind, die sich nicht mehr trauen den Mund aufzumachen, weil es für sie peinlich ist das Falsche zu sagen. Auf der anderen Seite gibt es Menschen die den ganzen Tag unaufhörlich plappern, wie ein tosender Wasserfall. Eine Quelle kann sehr erfrischend und belebend sein, wenn aber tausende von Tonnen plötzlich auf Sie hernieder prasseln dann hat das eher eine störende oder sogar vernichtende Wirkung. Ja, die unterschiedlichsten Arten von Menschen haben sich hier eingefunden. Jung und Alt sind im Freizeitpark für die Psyche gelandet. Neue Freundschaften werden geknüpft aber auch zerrissen. In einem Freizeitpark muss das miteinander erst erlernt werden. Die einen igeln sich freiwillig auf ihren Zimmern ein, die anderen fühlen sich weggesperrt. Lesen Sie von jungen Menschen die noch am Anfang ihres Lebens stehen, es aber bereits als ihr Ende betrachten. Umlernen, umdenken, ist das Motto dieses besonderen Freizeitparks. Von den Veranstaltern wird empfohlen: Nehmen Sie sich das Leben! Was es damit auf sich hat lesen Sie in einem Tagebuch der besonderen Art: Freizeitpark für die Psyche.

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Seitenzahl: 244

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Wer eine Familie hat wird von dieser geprägt:

Sie verleiht einem die notwendige Kraft

schwere Zeiten zu überstehen.

Daher widme ich dieses Werk meiner Frau

und meinen beiden Kindern.

Ein besonderer Dank an meine Schwiegertochter

für ihre hilfreichen Tipps.

Inhaltsverzeichnis

Reise in die Zukunft

Tag 1:

Angekommen

Die erste Nacht

Tag 2:

Der Anfang

Tischnachbarn

Tag 3:

Zwei lustige Therapien

Café

Tag 4:

Stille Beobachtungen

Chefsache

Tag 5:

Erste Tonarbeiten

Spaghetti

Tag 6:

Es wächst und wächst und wächst

Mut für neues

Tag 7:

Eine offene Frage

Meine Gedanken zur Freiheit

Tag 8:

Der erste Frust

Ein Abend mit Hiob

Eine unruhige Nacht

Tag 9:

Das Glück des Bären

Nachmittag: Stille Gedanken

Tag 10:

Gymnastik und Bäder

Geduld

Tag 11:

Ein langes Wochenende

Allein

Tag 12:

Die Fähigkeit zu lernen

Kontakte

Tag 13:

Ein verregneter Sonntag

Abendspaziergang

Tag 14:

Die Kugel bewegt sich

Mit der Wahrheit leben

Tag 15

Heiß, wie ein Vulkan

Kalte Füße

Tag 16

Die erste Runde

Das Telefonat

Tag 17

Noch ein Gespräch, Gymnastik und Musik

Gedanken zur Familie

Tag 18

Familienbesuch

Wer ist Jimmy? Teil 1

Erkenntnisse

Tag 19

Große Geheimnisse

Wer ist Jimmy? Teil 2

Erkenntnisse

Tag 20

Noch keine Verbesserungen

Wer ist Jimmy? Teil 3

Erkenntnisse

Tag 21

Neue Diskussionsrunde

Erinnerungen

Tag 22

Jede Menge Sport

In Bewegung bleiben

Tag 23

Eine Überraschung

Kalte Füße

Tag 24

Ein ereignisreicher Tag

Angst vor dem Tod

Tag 25

Sonntagsbesuch

Pro und Contra

Tag 26

Ein ausführlicher Brief

Nachträgliche Gedanken

Tag 27

Tablettenpoker

Noch ein merkwürdiger Traum

Tag 28

Lange Gespräche

The Show Must Go On

Tag 29

Hochzeitstag

Tag 30

Eine neue Ärztin

Notfallpläne für den Sturm

Tag 31

Elefant und junges Mädchen

Tag 32

Hass und Liebe

Tag 33:

Briefterror und Kinderquatsch (Gruppengespräch)

Tag 34

Einzelgespräch mit neuer Ärztin

Gedanken

Tag 35

Väter und Söhne (Gruppengespräch)

Tag 36

Neue Beobachtungen im Freizeitpark

Tag 37

Eine kleine Auseinandersetzung

Tag 38

Lange Gespräche

Tag 39

Der letzte Sonntag

Tag 40

…in die letzte Runde

Die Jahre danach

Warum es mir dennoch heute gut geht

Perspektiven

Reise in die Zukunft

Mit meiner Familie, Frau und zwei Kindern, mache ich mich auf den Weg vom Bodensee in den Schwarzwald. Am Steuer sitzt mein Schwiegervater der sich bereit erklärt hat, diese kurvenreiche Strecke zu fahren. Auf der schmalen Straße, die sich durch einen sommergrünen Laubwald schlängelt, spiegelt sich die Sonne wieder. In der grellen Mittagssonne des Spätsommers, flimmert der heiße Asphalt auf, als sei es das unwirkliche Bild einer Fata Morgana. Der Übergang vom Sommer in den Herbst ist bereits deutlich erkennbar. Langsam verdrängen die Blätter ihr Grün und bringen neue, viel hellere Töne hervor. Das leuchtende Gelb und die klare sonnendurchflutete Luft verheißen einen goldenen Herbst.

Im Kreise meiner Familie, die hinter mir im Wagen die schöne Aussicht genießt, denke ich noch einmal über den Sinn dieser Reise nach. Während meine Kinder das Gefühl haben, sich auf einem Familienausflug zu befinden, kommen mir selbst ganz andere Gedanken. Noch einmal kommt mir der Ärger mit dem Juniorchef in den Sinn. Auch der Unfall vor wenigen Wochen spukt noch in meinem Gedächtnis herum und vor allem die schwere Krankheit meiner Frau. Immer wieder kommen in mir Fragen auf: „Ist diese Reise überhaupt notwendig? Wird sie von Erfolg gekrönt sein?“ Je näher ich meinem Ziel komme, desto größer wird die Unsicherheit. „Wozu das Ganze?“

Meine Gedanken werden unterbrochen als der Schwiegervater auf einem Parkplatz vor einem großen Gebäude hält. Wir steigen aus, holen mein Gepäck aus dem Kofferraum und betreten als Familie eine große Empfangshalle. Vor uns befindet sich eine Rezeption, vor der bereits einige Menschen warten. Andere haben auf den bequemen Sesseln in einem angrenzenden Nebenraum Platz genommen und warten darauf hier aufgenommen zu werden. Nach einer kurzen Anmeldung werde auch ich dorthin verwiesen.

Der Familienausflug findet hier abrupt sein Ende. Da unser Fahrer noch vor dem dunkel werden wieder zu Hause sein möchte, ist es Zeit, Abschied zu nehmen. Es ist das erste Mal, dass ich von Frau und Kindern für einige Wochen getrennt werde. Während sie die Rückfahrt antreten werde ich selbst in diesem „Freizeitpark für die Psyche“ willkommen geheißen. Hier gibt es Vergnügungen anscheinend nur für „Singles“, für Frauen und Männer, Mütter, Väter und auch Jugendliche. Oftmals werden sie, so wie ich selbst, von Familienangehörigen gebracht, dann aber gleich wieder allein gelassen. Die Tore dieses „Freizeitparks“ schließen sich.

Die Familien der Neuankömmlinge sind fort. Die Besucher der schon länger verweilenden Feriengäste haben ebenfalls dieses, mir noch unbekannte Gebäude verlassen. Wie ich erfahren konnte, sind einige Gäste bereits schon das zweite oder sogar dritte Mal hier. Offensichtlich haben sie sich hier wohl gefühlt. Somit haben diese Frauen und Männer einen großen Vorteil: Sie kennen bereits diese Einrichtung und auch andere Einrichtungen dieser Art, von denen es sehr viele zu geben scheint.

Sie schießen wie Pilze aus dem Boden und jeder, so habe ich den Eindruck, befindet sich auf den Weg dorthin. Dort, wo etwas los ist, wo das Vergnügen daheim ist. Solange es Menschen gibt, wird es auch die Beschäftigung geben, harte Arbeit, die Sorge um das tägliche Brot.

Denker, Erfinder, Gelehrte, Genies, Zauberkünstler und Scharlatane fanden vor Jahrtausenden andere Wege in die Beschäftigung: Das bunte Treiben auf den Marktplätzen, die Spiele der Reichen, in den Tempeln der Pharaonen, oder in den Gossen der Großstadt, wo sich Jungen und Mädchen ihrem Spiel hingaben. Während sich damals einzelne mit dieser neuen Materie beschäftigten und immer wieder Neues ersannen, so gibt es heute tausende und abertausende, die sich ihr Brot damit verdienen, dass sich Millionen auf die eine oder andere Art vergnügen können.

Eine Industrie ist entstanden, eine regelrechte Schlacht um das Imperium tobt. Die Massen bewegen sich dorthin, wo sie entstehen. Kein Weg scheint zu weit in die Vergnügungsparks dieser Welt, keine Mühe zu groß. Seit vielen Jahren mache ich einen weiten Bogen um diese begehrenswerten Plätze. Dort, wo die Massen sind, ist nicht meine Welt und dennoch scheine auch ich auf der Reise zu sein. Es ist ein weiter Weg, ein Weg, der viele Jahre dauert.

Ich frage mich, wie ist das möglich? Die Zeit eines Marco Polo ist längst vorbei, angesichts der technischen Errungenschaften unseres Jahrhunderts. Auf meiner Reise sind einige Hindernisse zu bewältigen, Baustellen, Unfälle und immer wieder kilometerlange Staus, die Alles zum Erliegen bringen. Und nun bin ich doch hier, in einem „Freizeitpark“ ganz anderer Art.

Tag 1:

Angekommen

Etwas schüchtern betrete ich ein mir unbekanntes und völlig neues Gebiet. Herzlich werde ich aufgenommen und ein Zimmer mit zwei Betten wird mir zugeteilt. In der Mitte des Raumes befindet sich ein kleiner runder Tisch mit zwei Stühlen. In der linken Ecke, neben dem Fenster, ist ein Kleiderschrank, der schon zur Hälfte belegt ist. Hier ist schon jemand vor mir eingezogen. Mein Wunsch, ein Einzelzimmer zu beziehen, wird offensichtlich bewusst ignoriert.

Wahrscheinlicher noch ist es, dass es gar keine Einzelzimmer mehr gibt. Dieses Haus ist zur Zeit völlig belegt. Damit wird dieses karg eingerichtete Zimmer für mindestens sechs Wochen mein zu Hause. Ein langes Vergnügen. Ist es überhaupt ein Vergnügen? Es wird sich zeigen.

Wie in jedem „Freizeitpark“ wird man auch hier herumgeführt und kann alles genau betrachten. Küche, Speisesaal, Aufenthaltsräume, Werkstatt, Hobbyraum, Turnhalle und Schwimmbad werden uns gezeigt. Viele weitere Gänge und Räume werden entdeckt. Es wird gerätselt, was wohl noch alles im Verborgenen liegt.

Nach dem Rundgang wird mir ein Stuhl in einem kleinen Seitengang zugewiesen. Wieder warten und sitzen bis sich die Tür für mein erstes Gespräch öffnet. Von fern erklingt Musik. Musik aus den 70ern, wenn ich mich recht erinnere: Mendocino. Plötzlich geht irgendwo eine Tür auf und die Musik wird lauter. Junge und alte Menschen kommen tänzelnd an mir vorbei und singen immer wieder: Mendocino. Das war der Hit von Michael Holm: „Nimm mich bitte mit nach Mendocino“.

Die Musik und die vorbeigehenden Menschen verwirren mich etwas. Obwohl ich auf einen Arzttermin warte, habe ich nun wiederholt den Eindruck, ich sei in einem „Freizeitpark“. Doch warum warte ich hier auf einen Arzt? Ich hatte doch keinen Unfall, oder? Das heißt, so weit weg ist der Gedanke überhaupt nicht. Vielleicht hatte ich doch einen Unfall! Wieso verwirren mich diese Fragen so? Eigentlich müsste ich das doch wissen. Bin ich wegen eines Unfalls hier oder ist es eher eine Krankheit? Nun, es könnte sein, dass es mein Arzt herausfinden wird.

Wer jetzt immer noch rätselt, in welchen der vielen Vergnügungsparks ich wohl untergekommen bin, dem sei gesagt, dass nicht jeder hier reinkommt. Die Tür zum Arztzimmer geht auf, die Arbeit kann beginnen. Ich befinde mich in einer Fachklinik für psychogene Erkrankungen. Spätestens jetzt mag der Einwand kommen, wie es denn möglich ist, dass ich eine Fachklinik für psychogene Erkrankungen mit einem gewöhnlichen „Freizeitpark“ verwechseln konnte.

Ich muss gestehen, das hatte ich bisher auch nicht für möglich gehalten. Doch jetzt sehe ich Menschen, die Tränen in den Augen haben, weil sie nach Hause dürfen. Nicht etwa aus Freude, nein, aus Trauer. Offensichtlich hat es ihnen hier sehr gut gefallen. Es ist paradox, aber es muss was dran sein, dass ich nun an einen „Freizeitpark für die Psyche“ denke.

Seit einigen Jahren befinde ich mich in einem Dschungel. Das Leben erscheint mir manchmal wie ein undurchdringbarer Wald aus dem es keinen Ausweg mehr gibt. Tagsüber faszinieren mich die schillernden Farben und die unterschiedlichen Geräusche dieses Dickichts. Die Nacht ist erdrückend und flößt Angst ein.

Die Reise meines Lebens, mit ihren Höhen und Tiefen, führt mich in eine tiefe Wildnis. Hier kenne ich mich nicht mehr aus. Hinweisschilder, die einen Ausweg zeigen, habe ich offenbar übersehen. Dennoch gibt es eine begründete Hoffnung: „Reisebegleiter“. Sie haben meinen Hilferuf gehört und mich in ein „Freizeitcamp“ gebracht. An einem Lagerfeuer setze ich mich nieder. Meine Psyche ruht sich nun von den Strapazen der Safaritour aus:

Während des Gesprächs mit meiner Ärztin halte ich eine Behandlungskarte in meinen Händen, die 39 verschiedene Verordnungen enthalten, die hier im Haus angewendet werden. Bis morgen werde ich mir Gedanken darüber machen müssen, welche dieser Vorschläge für mich in Frage kommen könnten.

Gleich fällt mir der Therapiepunkt 15 ins Auge, - Bewegungsspiele. Hier wird also gespielt. Schwimmen, Musik hören, Tanztherapie, Folklore, Werken und Gestalten, um nur einige zu nennen. Da sage mir noch mal einer, das hier sei kein „Freizeitpark“.

Das Vorstellungsgespräch wird kurzgehalten. Nur einige wenige Daten zu meiner Person wurden in das Krankenblatt aufgenommen. Der Tag ist fast vorbei. Ein ausführliches Gespräch steht noch aus.

Wieder sind mehrere Gäste dieser Anlage unterwegs. Obwohl ich mich noch nicht für ein bestimmtes Projekt entschieden habe, schließe ich mich dieser Gruppe an. Gemeinsame Ziele erhalten wir oft durch gemeinsame Gefühle. Nach einem langen Tag habe ich tatsächlich mit diesen mir unbekannten Menschen das gleiche Gefühl, ein Hunger-Gefühl. Damit begebe ich mich zum ersten Mal in den großen Speisesaal. Die Überlegung, welchen der vielen Plätze ich mir aussuche, wurde mir abgenommen. Für alles gibt es einen Plan und wenn es nur ein Plan zum Sitzen ist.

Vor einer großen Glastheke bildet sich eine Schlange. Eine Herde weiß immer wo es Futter gibt und so stelle ich mich mit an. Die Auswahl an Speisen ist groß. Jeder kann sich hier frei bedienen, es sei denn ihm wird eine Diät auferlegt, was bei mir nicht der Fall ist. Die Vorgehensweise meiner Behandlung ist noch nicht abgeklärt. Teilnahmslos sitze ich anschließend an einem Tisch mit zwei anderen Patienten. Wort- und lustlos wird das Abendessen verzehrt.

Danach wird es Zeit für einen kleinen Spaziergang. Einmal um das Gebäude herum. Die Gegend inspizieren. Nachschauen, wo man denn nun letztendlich gelandet ist. Der naheliegende Wald ermuntert mich zu einem größeren Gang, doch nicht mehr heute Abend, denn hier gibt es Schließzeiten.

Der Tag ist vorbei. Ab 22.00 Uhr halten sich die Gäste dieses „Freizeitparks“ nur noch in ihren zugeteilten Zimmern auf. Nun treffe ich auf meinen Zimmerkollegen der tagsüber genauso beschäftigt war wie ich selbst. Der Mann aus Bayern macht einen sympathischen Eindruck. Hoffentlich bleibt das auch so, wenn er mich erst einmal schnarchen hört.

Dies ist übrigens der Grund, warum ich unbedingt ein Einzelzimmer haben wollte. Meine Befürchtungen der Lärmbelästigung zerschlagen sich, zumindest was die erste Nacht betrifft. Von meiner Seite her gibt es keine nächtlichen Störungen, denn vieles, was ich heute sah und hörte, spukt noch lange in meinem Kopf herum, so dass ich keinen Schlaf finden kann. Wenn ich wach im Bett liege, störe ich niemanden - nur mich selbst, mit Gedanken die quälen.

Die erste Nacht

Was macht man in einem „Freizeitpark“ wenn die Lichter ausgehen? Hier ist nichts mehr los. Im Zimmer gibt es kein Radio und keinen Fernseher. Mein Zimmerkollege befindet sich bereits im Land der Träume. Aus seiner Ecke dringen laute Geräusche an mein Ohr. Der Bayer zersägt gerade den Schwarzwald. Nach einem langen Tag möchte auch ich gern schlafen. Ich lege mich ins Bett und lösche das Licht.

Nun spüre ich den Stress der letzten Tage. Rasende Kopfschmerzen. Mein Körper ist völlig erledigt. Er schmerzt. In den Füßen ein furchtbares kribbeln als seien sie von Ameisen befallen. Die Arme liegen schlaff an meinem Körper. Auf dem Rücken liegend glotze ich an die Decke. Meine Augen haben sich der Dunkelheit angepasst und nun erkenne ich Konturen. Die Bäume vor unserem Fenster übertragen ein Schattenspiel auf die weiße Zimmerdecke. Dabei komme ich ins Grübeln.

Mein Geist ist grell wach und erinnert sich an die Kindheit. An die Zeit in der ich nachts Albträume hatte. Diese traten in regelmäßigen Abständen auf. Meine Nase, die Atemwege, waren verstopft. Nur sehr schwer bekam ich Luft. So holte ich mir die notwendige Luft durch einen weit geöffneten Mund. Das Problem waren Nasenpolypen. Kommt nun noch eine Erkältung hinzu steigt der Druck im Kopf. Leichte Erkrankungen, wie Schnupfen und Husten, wurden bei mir zur Qual. Bei jeder Erkältung das gleiche Spiel: Albträume. Merkwürdigerweise waren es immer die gleichen Träume: Ich wurde lebendig begraben. Über mir wurde eine Autobahn gebaut. Sie wurde asphaltiert und mit Dampfwalzen begradigt. Anschließend bretterten tausende von Autos über diese Straße. Bei diesem immer wiederkehrenden Traum gab es eine kleine Variante. Anstelle von Autos galoppierten auch schnelle Wildpferde über meinem Kopf, der tief unter dem Asphalt lag.

Wenn ich am nächsten Morgen verschnupft am Frühstückstisch saß, sah mich meine Mutter an und fragte: „Na Junge, wieder diesen Traum gehabt?“ Irgendwann gab es dann mal einen Termin beim Hals - Nasen Ohrenarzt. Der Mann mit seinem Spiegel an der Stirn war für mich ein Folterknecht.

Natürlich wollte der Arzt nur helfen. Doch die Methoden der Sechziger unterscheiden sich sehr von den heutigen. Zur Therapie von Nasenpolypen werden zunächst erst einmal Medikamente verschrieben, wie zum Beispiel ein Nasenspray. Kommt es zu keiner Besserung müssen die Polypen operativ entfernt werden. Das geschieht unter Vollnarkose und ist somit noch recht human, wenn man bedenkt wie Polypen früher entfernt wurden.

Noch bevor ich in die Schule kam spürte ich die erste lange Nadel in meiner Nase. Sie wurde durch die Nebenhöhlen bis in die Stirnhöhle geschoben. Ich hatte immer das Gefühl das jemand in meinem Kopf spazieren geht. Die verstopften Nasennebenhöhlen wurden einfach durchstochen. Eine schmerzhafte Tortur. Eiter oder Schleim kann dann abfließen. Danach sind die Atemwege wieder frei.

Es ist nur eine Frage der Zeit wann dieses Problem wieder auftritt. Inzwischen war ich in der dritten Klasse. Während meine Schulkollegen nach dem Läuten nach Hause gingen machte ich mich wieder einmal auf den Weg zum HNO.

In dieser ersten Nacht im „Freizeitpark“ denke ich an eine verstopfte Nase, die mir großen Verdruss und einen immer wiederkehrenden Albtraum bescherte. Diese Geschichte ist für mich schon sprichwörtlich geworden: „Ich habe die Nase voll!“

Nun kämpfe ich darum schlafen zu können. Die letzten Wochen vor dem Klinikaufenthalt bereiteten mir einige schlaflose Nächte. Zehn Wochen, nur ein oder zwei Stunden Schlaf pro Nacht, macht einen fertig. Doch der Geist ist unermüdlich. Er kämpft sich durch die Geschichte, meine Geschichte.

Inzwischen ist es weit nach Mitternacht und ich bin immer noch hell wach. Dann schlafe ich doch endlich ein, bin aber nach einer Stunde schon wieder munter. Die Stunden im Bett vergehen nur sehr langsam. Meine Gedanken kreisen noch immer. So wird es 4.00 Uhr, 5.00 Uhr, 6.00 Uhr, dann das Wecken um 7.00 Uhr, oder besser gesagt, die Befreiung aus dem Bett, in dem ich nicht mehr liegen mag. Wenige Minuten später, noch vor dem Frühstück, der erste Termin: wiegen, messen und Blutdruck prüfen.

Tag 2:

Der Anfang

D as erste Frühstück wird für mich zur Qual. Mein Körper verlangt nach Schlaf, mein Geist ist hell wach. Übermüdet nage ich an einem Brötchen, nippe an dem heißen Kaffee, während mein Blick gesenkt ist. Jeden Blickkontakt vermeide ich peinlichst. Obwohl ich vieles zu berichten weiß, vermeide ich ein Gespräch mit meinen Tischnachbarn. Mein Geist rotiert, doch meine Zunge ist träge.

Gleich nach dem Frühstück gehe ich auf mein Zimmer zurück und unternehme den Versuch zu Schlafen. Je mehr ich an Schlaf denke, desto weniger gelingt es mir zur Ruhe zu kommen. Wieder kein Gelingen… Später reißt mich ein lauter Schnarcher aus dem leichten Schlaf. Erschrocken schaue ich auf die Uhr. Jetzt endlich könnte ich schlafen, doch in fünf Minuten ist der nächste Termin. Gerade noch einmal Glück gehabt.

Erneut sitze ich vor dem Arztzimmer. Gestern war es nur ein allgemeines Vorstellungsgespräch. Doch jetzt beginnen die ernsten Verhandlungen: Einzelpsychotherapie. Erneut sitze ich im Gang zum kleinen Arztzimmer und warte. Ich sitze und grüble und es kommen mir die merkwürdigsten Gedanken: In mir erwacht ein neues Gefühl, das Gefühl, ich sei eine Roulette-Kugel.

Der Croupier hat das Rad des Lebens angeworfen und damit die weiße kleine Kugel in die entgegengesetzte Richtung ins Spiel gebracht. Die Kugel dreht sich um ihre eigene Achse. Sie stößt gegen Hindernisse und wird allmählich langsamer, bis sie anfängt zu trudeln. Endlich fällt sie in eines der 36 kleinen Fächer, die das Spiel zu bieten hat, (beziehungsweise 37 kleine Nischen, zählt man die Null mit). Besteht das Leben aus diesen Zufällen? Fallen kann jeder, das ist keine Schande. Ein Hindernis, ein kleiner Stein, schon stolpert der Mensch. Doch wer fällt, muss auch wieder aufstehen. Wer aber bringt die Kugel wieder in das Spiel? Fällt die Kugel in ein Fach, das nicht vom Spieler vorgesehen war, dann ist der ganze Einsatz weg. Alles verloren! So beschreibt es der russische Schriftsteller Dostojewski, in seinem Roman: „Der Spieler“. Mir kommt es so vor, als habe der Croupier des Spiels schon lange gerufen: „Rien ne vas plus“ (Nichts geht mehr)! Wer bringt die Kugel wieder in das Spiel? Diese Frage muss ich erneut unbeantwortet lassen. Die Doppeltüren des Arztzimmers öffnen sich:

„Sie haben schlecht geschlafen, habe ich gehört. Muss ich mir Sorgen machen?“ - „Nein, ich schlafe in der ersten Nacht immer schlecht. Im Krankenhaus oder auf Schulung hatte ich die ersten Nächte immer Probleme. Das ist ein altes Übel. Ich hoffe, es geht heute Nacht besser.“ Eigentlich bin ich für eine angeregte Unterhaltung noch viel zu müde, doch nun soll ich erzählen, wie es dazu kam, dass die Roulette-Kugel zwischen den vielen Zahlen liegen geblieben ist und nun klemmt. Sie beteiligt sich nicht mehr am großen Spiel.

Ich weiß nicht, wie oft ich diese Geschichte schon erzählt habe. Psychologen, Therapeuten, Neurologen und Allgemeinmedizinern, heute zum x-mal. Hoffentlich hat das bald ein Ende. Diese Art der Wiederholung hasse ich.

In einigen Fernsehsendungen könnte ich mich mit einem Diplom-Psychologen unterhalten und meine Probleme ausplaudern. Oft denke ich: „Ruf doch mal an“, und dann wieder, „wen geht das etwas an?“ Und nun schreibe ich diese Zeilen in ein Buch. Vielleicht lesen es einmal meine Kinder. Schreiben ist gut, es befreit, lässt die Gedanken raus:

Inzwischen bin ich mit meinen Gedanken weit gewandert, habe vieles wieder auf einmal durchdenken wollen, dabei sollte ich doch erzählen. Ich erwache aus meinen Erinnerungen und beginne: „Schon als Kind hatte ich keine Ausdauer, keine Kraft, obwohl ich immer kräftig aussah. Die Schule hat mir Schwierigkeiten gemacht, nicht etwa das Lernen, nein, es waren die Menschen.

Schüchtern und gehemmt, wage ich es nicht jemanden anzusprechen oder auch nur einkaufen zu gehen. Nichts brachte ich zu Ende. Nicht die Schule, nicht die Lehre. Vor Prüfungen hatte ich Angst, obwohl ich vieles wusste und an vielem Interesse hatte. Aber wozu sollte ich es anderen erzählen. Konnte ich es nicht für mich behalten? Die Schule und die Kindheit gingen vorbei und nie legte ich eine Prüfung ab. Damals verstand ich es noch nicht: Das ganze Leben ist eine Prüfung.“

Mir fällt auf, das die Psychologin mich nicht unterbricht. Sie stellt keine Fragen, auch wenn längere Pausen entstehen und so rede ich einfach drauf los, alles was mir einfällt, obwohl ich diese Frau noch gar nicht kenne. Irgendwo spüre ich tief im Innern eine Sympathie und so plätschern die Worte und Sätze einfach so heraus, wie ein Wasserfall: „Mein Ziel war es Missionar zu werden. Ich lernte Serbokroatisch und Englisch, predigte den Gastarbeitern aus Gottes Wort. Dabei legte ich nie eine Prüfung ab. Aber ich wurde frei, frei im Sprechen, in der Argumentation und Diskussion, im Vorträge halten, all das war für mich kein Problem mehr. Es war eine Zeit der Freude.

Doch wie in einer Achterbahn geht es nicht nur bergauf. Es kamen Höhen und Tiefen. Die kindliche Schwäche kam wieder durch und mein altes Nierenleiden. So ging ich dann zurück in das normale Berufsleben; als Anlagenführer in einer Galvanik, Molkereiarbeiter, Schleifer in einer Fabrik für optische Linsen, Außendienstmitarbeiter bei einer Versicherung, Büroangestellter und einiges mehr...

Die letzte Arbeit übte ich mehr als acht Jahre aus. Dies war die längste Strecke auf meiner Reise, die ich zurücklegte. Zwischendurch war ich immer mal wieder arbeitslos. Seit meiner letzten Anstellung bin ich nun fast zwei Jahre krankgeschrieben. Demnächst erfolgt die Aussteuerung aus der Krankenkasse und dann falle ich noch mehr ab in dem sozialen Gefälle“.

„Was haben Sie während dieser zweijährigen Krankheit gemacht?“ Diese Frage der Ärztin belebt mich, denn ich hatte meinen ersten Roman geschrieben: „Das Geschäft mit der Seele“. Ich bin stolz etwas zu Ende gebracht zu haben, wenn ich auch noch nicht weiß, wann und von welchem Verlag dieser Roman veröffentlicht wird oder ob er überhaupt jemals veröffentlicht wird. Aber zum ersten Mal habe ich etwas zu Ende gebracht. Diesen Roman! Ein weiterer ist geplant, etwas Historisches. Doch ich werde ihn noch etwas verschieben müssen, bis dieses Tagebuch vollendet ist.

Eine Stunde ist bald vorbei und so geht das Gespräch seinem vorläufigen Ende entgegen. Mit auf dem Weg bekomme ich die ersten Verordnungen, die morgen früh um 8.30 Uhr beginnen. Aber zuerst gilt es, diesen Tag irgendwie rumzukriegen. Müde und übernächtigt, zu nichts Lust. Kein Schach, nichts lesen, nur noch ins Bett, Mittagsschlaf halten.

Mein lebhafter Geist beginnt wieder zu arbeiten. Ich liege im Bett und denke an diese Zeilen, an das vergangene Gespräch. Ich wälze mich hin und her und finde immer noch keinen Schlaf. Der Tag neigt sich dem Ende zu. Es regnet seit Stunden und dennoch beschließe ich zu laufen, spazieren gehen, damit die Nacht leichter wird. Durchnässt komme ich heim. Nicht etwa, weil es regnet, sondern weil ich immer wieder, wie so oft, klitschnass geschwitzt bin. Der kalte Schweiß verrät die Schwäche meines Körpers. Zum zweiten Mal an diesem Tag gehe ich unter die Dusche und hoffe auf eine bessere Nacht.

Tischnachbarn

Am Abendbrottisch sitzen mir zwei Frauen gegenüber. Die ältere (ca. 60 Jahre) von beiden ist im Pflegeberuf tätig. Vor dem Essen betet sie. Ein Bild das in der Öffentlichkeit sehr selten geworden ist. Danach isst sie schweigend ihr Käsebrot. Obwohl sie kein Wort redet geht von ihre eine gütige und freundliche Wärme aus. Die jüngere Tischnachbarin (etwa 40 Jahre alt) spricht sie an:

„Sind Sie auch heute angereist?“ „Ja.“ „Woher kommen Sie?“ „Aus dem Rheinland.“ „Sind Sie noch berufstätig?“ „Oh ja!“ „…und was machen Sie?“

Das Frage und Antwortspiel hätte noch lange so eintönig weitergehen können, wenn die Frage nach dem Beruf nicht gekommen wäre: „Ich weiß gar nicht was ich hier soll? Seit mehr als 40 Jahren pflege ich selbst alte und kranke Menschen. Jetzt soll ich selbst krank sein? Heute haben mich meine Kinder hierhergebracht. Mir geht es doch gut!“

„Sie sind etwas blass“, entgegnet die Sitznachbarin. Dann fügt sie noch hinzu: „…und sehr dünn.“ Die ältere stöhnt: „Ich weiß. Ein paar Kilo habe ich schon verloren. Das ist doch aber kein Grund mich in eine Psychiatrie zu stecken. Wie viele Menschen würden gern abnehmen? Sehen Sie die Dicke am Nachbartisch? Die hat doch ein größeres Problem als ich. Ihr muss man helfen, ich komme schon sehr gut allein klar.“

Während des Gesprächs meiner Tischnachbarn denke ich mir: „Ich bin weder zu dünn noch zu dick. Warum bin ich eigentlich hier? Mein Problem ist äußerlich nicht zu erkennen. Bei mir ist im Inneren etwas in Unordnung geraten.“ Dann schaue ich mich im Speisesaal um und stelle fest das diese Gedanken wohl auf die meisten meiner Mitpatienten zutreffen. „Warum sind die alle hier? Die meisten sehen nicht gerade krank aus. Sie lachen und diskutieren miteinander. Doch für jeden einzelnen gibt es einen Grund hier zu sein.“

Meine Gedanken werden von der Frau gegenüber bestätigt: „Ich verstehe Sie. Als mein Arzt das erste Mal von dieser Klinik sprach dachte ich auch, das ist etwas für andere. Mir geht es gut.“ Sie lachte: „Weder zu dick noch zu dünn. Eigentlich ganz normal gebaut, oder?“ Die ältere nickte zustimmend: „Warum sind Sie nun hier, wenn ich fragen darf?“

Die 40jährige die anfangs eine Frage nach der anderen stellte wird nun bei der ersten Gegenfrage etwas nervös. Verlegen räuspert sie sich: „Eigentlich weiß ich das gar nicht so genau. Ich wollte von zu Hause weg, einfach mal weg. Wissen Sie, mein Mann…“ Die Frau stockt, bringt den Satz nicht zu Ende.

In dieser Situation wird die Krankenpflegerin hellhörig. In ihr erwacht der Helferinstinkt: „Hat er sie geschlagen?“ „Wer?“ Die junge Frau ist in Gedanken versunken. Dann kommt die Frage bei ihr an: „Oh nein, ich habe einen ganz lieben Mann. Er macht alles für mich. Er liebt mich! Wissen Sie, wir haben einen Sohn…“ Die Erzählerin stockt von neuem, sie überlegt kurz, „…eigentlich sind es zwei.“ Dann bricht sie ab und schluchzt.

„Sie haben zwei Söhne“, harkt die älter Dame nach. „Zwei? Was zwei?“ Die junge Frau grübelt über etwas nach und seufzt vor sich hin: „Ach ja, es sind zwei.“

Als stiller Beobachter habe ich das Gefühl, die Mutter von zwei Kindern, ist völlig abwesend. Im Moment ist sie nicht hier am Tisch. Sie ist zu Hause, bei ihrem Mann und ihren Söhnen. Dann fällt am Nachbartisch ein Messer auf den Boden. Erschrocken wacht die Frau auf. Etwas irritiert sagt sie: „Ja, wir haben zwei Söhne“, dann folgt eine Korrektur, „ich habe zwei Söhne. Der ältere ist aus erster Ehe. Ich liebe meine beiden Söhne. Doch der ältere macht manchmal Probleme und dann gibt es Streit. Streit zwischen mir und meinem Mann. Er versteht nicht… Das ist eigentlich das einzige was er nicht versteht: Ich liebe den Jungen auch wenn er Probleme macht.“ Dann wiederholt sie sich: „Ich musste einfach mal raus.“

Beide Frauen machen eine kurze Pause. Dann schauen sie mich an. Jetzt erst wird ihnen bewusst das da noch ein stiller Zuhörer ist. Die anderen beiden Stühle sind noch frei. Die Tischälteste lächelt mich freundlich an und schaut dann auf ihre neugewonnene Freundin: „Ich denke, der junge sympathische Herr wird mit Deinem Problem nicht hausieren gehen, oder?“ Wieder lächelte sie mich an.

Ich bestätigte sie: „Natürlich nicht, das geht keinem in der Klinik etwas an, außer vielleicht Ihrem behandelnden Arzt. Ihm sollten Sie davon erzählen, weil es Sie belastet. Einfach weil es raus muss. Sie werden sich danach besser fühlen.“

„Das tut es bereits. Ich habe über ein Problem gesprochen das ich bisher nicht sah, vielleicht nicht wahrhaben wollte. Doch es gibt ein Problem! Darüber kann ich noch nicht in allen Einzelheiten sprechen.“ Die Frau mir gegenüber machte eine kurze Pause und ergänzte dann ihre Aussage: „Ich bin ja erst angekommen.“

Die ältere Dame legte ihren linken Arm um ihre Schulter und flüsterte uns zu: „Lassen wir das dumme Sie weg. Ich bin die Ruth und wie heißt ihr?“

Tag 3:

Zwei lustige Therapien

Es ist noch stockdunkel. Ich bin wieder hell wach und ich habe keine Ahnung wie spät es ist. Meine Uhr kann ich nicht ablesen. Dann mache ich doch noch das Licht an, ganz kurz nur, um meinen Zimmerkollegen nicht zu wecken. Ich erschrecke, als ich einen Blick auf den Wecker richte. Es ist erst 3.00 Uhr. Viele lange Stunden liegen noch vor mir.