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Sport hat eine wichtige Bedeutung im Leben vieler Jugendlicher. Eltern unterstützen dies, da sie dem Sport viele Attribute zuschreiben, die den Kindern im späteren Leben wichtig sein können. Insbesondere in Ausdauersportarten wie Rudern, Laufen oder Skilanglauf gehen Jugendliche durch Höhen und Tiefen. Was, wenn die Motivation plötzlich weg ist? Das Buch beschreibt das Leben eines 14-jährigen Sportlers aus seiner Sicht. Dabei werden systematisch trainingswissenschaftliche Themenblöcke aufgegriffen und für den Laien verständlich erklärt. Eine spannende Reise im Leben eines jungen Sportlers. Ein Buch für Eltern und Jugendliche.
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Seitenzahl: 107
Veröffentlichungsjahr: 2015
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EINLEITUNG
PROLOG
LEIDEN SCHAFFT FREUNDE
SIEGER WERDEN IM WINTER GEMACHT
DIE GRUNDREGELN DES TRAININGS
SAUER MACHT NICHT IMMER LUSTIG
MIT DEN MUSKELN SPIELEN
LANGE UND RUHIG
MAL „SCHNELL“ WAS TRAINIEREN
DEN MUSKEL VOLL NUTZEN
SPIELRÄUME
DEN MOTOR STARTEN
WENN ALLES LÄUFT
MEHR ALS EIN TRAINER
DU BIST WAS DU ISST
KEINE LEICHTE ENTSCHEIDUNG
WENN DU ES WIRKLICH WILLST
AUF DIE LANGE SICHT
HIER UND JETZT
LITERATUR
ÜBERSETZUNGEN
Das Heranführen von Kindern und Jugendlichen an den Hochleistungssport steht oft in der Kritik unter dem Gesichtspunkt einer kindsgerechten Entwicklung und im Konflikt mit einer breitensportausgerichteten Zielstellung. Dabei sollen möglichst viele Kinder über lange Zeit an den Sport gebunden werden, um ihnen eine gesundheitlich optimale Entwicklung des Bewegungsapparates zu ermöglichen. Der vergleichsweise kleinen Anzahl an Hochleistungssport treibenden Kindern steht eine große Masse an inaktiven Kindern entgegen, die diverse Folgen eines Bewegungsmangels aufweisen. In einem sportmedizinisch kontrollierten Hochleistungstraining von gesunden Kindern kann man erwarten, dass dies ohne Schädigungen einhergeht. Das Training für Kinder und Jugendliche ist jedoch keine reduzierte Form des Erwachsenentrainings. Es sind besondere altersgemäße Gegebenheiten zu berücksichtigen.
Dieses Buch ist dafür gedacht, Eltern und Kindern / Jugendlichen Sportlern die trainingswissenschaftlichen Zusammenhänge einfach und verständlich zu erklären. Es hat jedoch keinen Anspruch darauf, wissenschaftlich komplett zu sein. Die Dialoge zwischen dem Sportler und dem Trainer sollen helfen, sich selbst in der einen oder anderen Weise darin wiederzufinden.
Im speziellen zielt das Buch auf die Altersgruppe der 12 – 16 jährigen Jugendlichen. In der 1. und 2. puberalen Phase (Pubeszenz und Adoleszenz) sind diese besonders anfällig sich der sportlichen Laufbahn abzuwenden und Orientierung anderswo zu suchen.
Junge Sportler sind auch sehr motiviert und trainieren zum Teil ohne das Wissen ihrer Trainer, weil sie der Meinung sind, dass sie ihre Leistung dadurch weiter steigern. Das kann durchaus der Fall sein, wenn sie das Richtige machen. Vielfach ist es jedoch so, dass sie ins Übertraining fallen und ihre Leistung sich auf lange Sicht verschlechtert. Zum anderen unterliegt die Motivation großen Schwankungen und der Übereifer schlägt schnell in Lustlosigkeit um. Es ist gut, wenn Eltern die selbst nicht aus dem Sport kommen aber junge Sportler verstehen, auf welchen Grundlagen ein gutes Training aufgebaut ist. Dieses Verständnis hilft die Arbeit des Trainers zu unterstützen. Dies kann darin bestehen, wichtige Signale des Körpers oder der Psyche wahrzunehmen, oder einfach auch nur Beistand zu leisten, wenn sich ihr Kind in einem motivationalen Tief befindet. Der Weg zur Spitzenleistung ist lang und beschwerlich und er hört oft in der Jugend auf, wenn die Aufbauarbeit nicht auf Langfristigkeit und Kontinuität basiert.
Die Jugend ist eine einmalige Chance, sich auf die Phase einer körperlichen Höchstleistung vorzubereiten. Für viele kann sich dadurch der Traum einer sportlichen Karriere verwirklichen oder junge Sportler machen wertvolle gemeinschaftliche Erfahrungen, wenn man in den körperlichen Grenzbereich geht. Sicher spielen auch viele Faktoren aus dem sozialen Umfeld dafür eine Rolle und beeinflussen den Weg der sportlichen Laufbahn maßgeblich. Es soll jedoch auch nicht ausschließlich auf den Hochleistungssport hinausgearbeitet werden. Wenn Jugendliche lebenslange Freude am Sport haben können, ist ein wichtiges Ziel erreicht.
Das Buch orientiert sich am Rudern, ist aber als allgemeiner Ratgeber zu verstehen, da sich viele der Trainingsphilosophien auf andere Sportarten übertragen lassen. Rudern ist diesbezüglich sehr vielseitig, da vielfältige Komponenten wie Ausdauer, Kraft und Psyche eine Rolle spielen. Es können sich aber sicherlich auch Leichtathleten, Radfahrer, Skilangläufer und generell alle Ausdauersportler mit hohem Trainingsumfang hier wiederfinden.
Soziale Komponenten spielen eine sehr große Rolle in der Motivation zum Training. Dies ist die Anerkennung der Leistung im Kreis der Familie und Freunde oder der Zusammenhalt im Team und der Trainingsgruppe. Frühe Selektierung, permanenter Leistungsdruck oder einfach auch die Nichtberücksichtigung des Trainers aufgrund einer späteren Entwicklung des Jugendlichen / Kindes wirken oft negativ auf die Psyche und Motivation zum Sport. Dieser Bereich hat einen großen Einfluss auf den frühzeitigen „drop out“ der Kinder. Die Geschichte illustriert die Gefahren des drop outs und die Möglichkeiten als Eltern, Trainer oder Jugendlicher dem entgegenzusteuern um eine erfolgreiche sportliche Laufbahn zu ermöglichen.
Jeder junge Sportler reagiert mit seinem Körper und Geist unterschiedlich auf die körperlichen Belastungen. Es gilt diese in einem generellen Umfeld wahrzunehmen und zu verstehen. Das ist auch als Trainer nicht immer leicht. Ein Grundverständnis vom Training hilft, das Training gemeinsam zu steuern um die Freude an der Leistung bis ins hohe Athletenalter oder bis zur ultimativen Spitzenleistung zu erhalten. Das folgende Zitat des Leichtathletik Trainers der Oregon University und Co-Gründer von Nike passt hervorragend, dies zu beschreiben:
“A teacher is never too smart to learn from his pupils. But while runners differ, basic principles never change. So it's a matter of fitting your current practices to fit the event and the individual. See, what's good for you might not be worth a darn for the next guy.”(1)
Bill Bowerman
Vorne läuft Spanisch und ich habe ziemliche Schwierigkeiten mich zu konzentrieren. Bin noch platt vom gestrigen Training und es ist einfach nur langweilig. Aber was soll‘s, wenn ich nach Hause komme, erledige ich noch schnell Mathe. Wenn die Noten stimmen, lassen meine Eltern mich in Ruhe und ich kann trainieren gehen. Ansonsten kommt das Trainingsverbot und das macht garantiert keinen Spaß.
Wenn ich müde werde, hänge ich oft meinen Tagträumen nach. Ich sehe immer wieder diesen Film vor mir. Jedes Mal laufen die gleichen Bilder vor mir ab, wie ich als erster durchs Ziel gehe, Deutscher Meister werde und in die Nationalmannschaft komme. Es wirkt so real, dass ich manchmal sogar eine Gänsehaut bekomme. Neulich habe ich gelesen, dass es eine sich selbst erfüllende Prophezeiung gibt, wenn man sich das, was man erreichen will, nur oft und intensiv genug vorstellt. Das Unterbewusstsein macht dann alles automatisch, um an das Ziel zu kommen. Deshalb ist es wichtig, dass man gescheite Träume hat und in diesen vor allem immer gewinnt. Man muss schon vorsichtig sein mit dem was man sich erträumt. Gut dass ich zweimal in der Woche Spanisch habe. Damit habe ich zumindest eine gute Kontinuität, wenn ich mir mein Ziel vorstelle.
Ich bin erst 14 und habe noch ein paar Jahre Training vor mir bis es soweit ist, dass ich das Ziel erreichen kann. Es gibt auch kaum jemanden, der es dorthin schafft ohne sich jahrelang vorbereitet zu haben. Man muss jedoch nicht unbedingt als Kind früh damit anfangen um gut in unserem Sport zu sein. Ich versuche trotzdem jetzt schon so viel wie möglich zu trainieren, aber mein Trainer ist nicht ganz so glücklich darüber. Hoffentlich hat er Recht und bremst mich nicht einfach nur. Ich denke aber, er ist gut. Immerhin war er selber mal als Olympionike in der Nationalmannschaft und versteht was von dem Sport.
Vor dem Rudern habe ich schon einige andere Sportarten gemacht. Angefangen hat es mit Fußball. Ich war nicht schlecht darin und ein ganz ordentlicher Verteidiger. Ich musste nicht unbedingt ein Tor schießen, um ein gutes Spiel gehabt zu haben. Wenn ich hinten keinen reingelassen habe, war ich auch mit mir zufrieden. Das Gute war, dass die meisten meiner Freunde mit dabei waren. Irgendwie war Fußball aber nicht meins.
Danach kam die Leichtathletik. Das Training hat eigentlich immer Spaß gemacht. Wir hatten so viele unterschiedliche Disziplinen und es war immer Abwechslung. Wenn es dann auf Wettkämpfe ging, war es dann weniger lustig. Die meisten Disziplinen im Jugendalter haben mit Schnelligkeit zu tun und weniger mit Ausdauer, die mir mehr liegt. Man strampelt sich ab, weiß aber genau, dass man im Sprint wie im Weitsprung eigentlich keine Chance hat. Ich habe immer mein Bestes gegeben, hatte aber keine Chance an die anderen auch nur annähernd ranzukommen.
Nach der Leichtathletik kam dann das Segeln. Das ist ein wirklich merkwürdiger Sport. Man bewegt sich kaum und schwitzt nicht so richtig, muss aber sehr viel Zeit auf dem Wasser verbringen um schnell zu sein. Man fährt jedes Wochenende mit seinem Vater von Regatta zu Regatta, verbringt seine 6 bis 8 Stunden auf dem Wasser und lässt sich zwischen den Läufen seine Stulle aus dem Motorboot reichen, die dann patschnass aufweicht bevor man sie auch nur in den Mund stopfen kann. Es ist ja lustig, wenn viel Wind und Action ist. Wenn man bei wenig Wind auf einer Regatta im Boot sitzt und kleine Zwerge an einem vorbeifahren weil sie so leicht sind, ist das aber eher frustrierend. Was mich am meisten gestört hat, sind eigentlich drei Dinge: Man kann nicht wirklich einen Endspurt machen, denn wenn alle Segler keinen Fehler machen, sind sie theoretisch alle gleich schnell. Das zweite ist, dass man darauf warten muss, dass jemand anderes einen Fehler macht und man dann seinen eigenen Vorteil daraus zieht. Am anstrengendsten fand ich es aber, meine Zeit am Wochenende allein im Boot zu verbringen. Man hat niemanden mit dem man sein Erlebtes teilen kann, den Frust oder auch die Freude, wie es in einem Team ist.
Nicht dass man mich falsch versteht: Ich bewundere die Leute, die es machen und ich wäre sicher auch gerne in diesen Sportarten erfolgreich gewesen. Es war aber nicht das Passende für mich und dafür habe ich mich dazu entschieden aufzuhören und etwas Neues zu suchen.
Es hat mir also gereicht und ich habe meine Eltern so lange malträtiert, bis sie mich endlich mal zu einem Rudertraining anmelden. Jetzt bin ich auch dort gelandet, wie der Rest meiner Familie vorher schon.
Bei uns in der Familie haben fast alle den gleichen Sport gemacht. Selbst meine Onkels und Tanten waren früher mit bei den erfolgreichen Ruderern. Meine Eltern haben sich sogar beim Rudern kennengelernt und dann geheiratet. Den Sport aufgezwungen haben sie mir nicht. Ganz im Gegenteil, ich war es, der immer wieder nachfragen musste, ob ich nicht auch mit Rudern anfangen könnte. Der Verein ist jedoch 20km weit entfernt und ich glaube, die wollten einfach nur nicht so weit fahren. Ansonsten ist der Sport aber wahrscheinlich vererbt worden.
Ich weiß nicht warum wir alle diesen Sport machen, denn Geld verdienen tun wir damit nicht. Wir hätten auch einen Sport auswählen können, in dem man es vielleicht auch finanziell zu etwas bringt. Das ist es im Rudern garantiert nicht, selbst wenn man Olympiasieger wird. Mir geht es auch absolut nicht um Geld bei dem Sport. Es ist etwas anderes das mich antreibt, vor allem ist es die Kameradschaft, gemeinsam im Training zu leiden und sich gegenseitig zur Bestleistung anzuspornen.
Ich checke in der Pause mit dem Smartphone auf Kik wer heute alles zum Training kommt. Axel die Lusche hat abgesagt. Das ist das zweite Mal in dieser Woche. Bin mal gespannt wie lange er noch mit dabei bleibt. Das letzte Mal haben wir ihn während eines langen Laufs beim „Goldenen M“ gesehen, als wir daran vorbeigelaufen sind. Hoffentlich war es ihm wenigstens peinlich.
Das hier ist mein Team, mit dem ich trainiere und auf Wettkämpfe gehe:
David ist mein Partner, mit dem ich zusammen Zweier fahre. Er ist grösser und stärker als ich, aber wir passen im Boot trotzdem gut zusammen. Er trainiert so viel wie ich, ist aber nicht immer am Klub.
Henrik ist ein „Tier“ und auch einer von denen, die den ganzen Winter durch hart trainieren. Er ist der größte und stärkste von uns allen. Zusammen fahren wir im Vierer.
Erik ist auch groß und war zumindest bisher ganz schnell im Einer. Dieses Jahr habe ich ihn aber abgehängt. Wintertraining ist nicht so seins und ich glaube, er hat noch nicht ganz verstanden, dass man trainieren muss, um seine Position zu verteidigen. Nächstes Jahr ist er auf jeden Fall ganz sicher hinter mir. Unsere gemeinsame Leidenschaft ist Minecraft. Davon sollte er sich zumindest mal am Wochenende zu den Trainingszeiten lösen.
Anna, sie ist mit Abstand das stärkste Mädchen und auch stärker als ich. Ich weiß nicht woher sie die Power nimmt - oder vielleicht doch - sie trainiert am meisten von uns allen und ist absolut bewegungsbegabt. Sie rudert mit Vera. Auch stark, aber lange nicht so wie sie.
Und dann haben wir Fabian und Axel. Beiden würde der Figur nach etwas mehr Bewegung nicht schaden, aber zum regelmäßigen Training hat es wohl noch etwas zu viel Ablenkung von rechts und links. Wie auch immer, beide sind echt lustig und wir haben gemeinsam jede Menge Spaß auf den Wettkämpfen.
