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Die Geschichte der Franken ist für die europäische Geschichte von zentraler Bedeutung. Ein wichtiger Grund für ihren Erfolg war ihr besonderes Verhältnis zu den Römern in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten. Trotzdem erhält diese frühe Phase am Rand des Imperium Romanum bis heute wenig Aufmerksamkeit. Oliver Schipp widmet sich daher der Geschichte der Menschen am niedergermanischen Limes beiderseits des Rheins vom 1. bis 5. Jh. n. Chr. Dabei zeichnet er die Entwicklung sozialer Gruppen, etwa der Sugambrer, Chamaven, Amsivarier und Brukterer, zum Sozialverband der Franken nach. Diesen Vorgang der Inklusion der Protofranken in die Mehrheitsgesellschaft der Gallorömer sieht er als Basis für den späteren Siegeszug der Merowinger und Karolinger.
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Seitenzahl: 529
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Cover
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Vorwort
1 Einführung und Grundlagen
Strukturelle, prozessuale und kontingente Faktoren
Die frühen Franken in der antiken Geschichtsschreibung
Ansichten eines Bischofs: Sidonius Apollinaris
Eine Archäologie der fränkischen Frühgeschichte
2 Ethnizität und Identität: Wann ist ein Franke ein Franke?
Name und Selbstverständnis
Materielle Kultur
Geschichte und Archäogenetik
3 Ethnogenese und Expansion: die politische Geschichte
Entwurf einer fränkischen Vorgeschichte vom 1.–3. Jahrhundert
Protofranken
Nachbarn und Vorgänger der Protofranken
Frankenland (
Francia
) und Protofranken
Die ersten Franken (257 – 288)
Ansiedlung auf römischem Boden (288 – 446)
Fränkische Regna am Rande des Imperiums (446 – 482)
4 Perspektiven: Franken in der Sicht der Römer
Plünderer und Piraten
Deditizier und Laeten
Föderaten und Heermeister
5 Das verwandte Fremde: Franken und andere Barbaren
Langjährige Konkurrenz: Alemannen, Burgunder, Thüringer
Kurzzeitige Konfrontation: Hunnen, Vandalen & Co.
6 Soziale Faktoren: Gens und Gesellschaft
Soziale Schichtung
Ehe und Sozialbeziehungen
7 Ökonomische Bedingungen: Klima und Wirtschaft
Klima und Kontingenzerfahrung
Viehhaltung und Vergetreidung
8 Aspekte des Religiösen: Götterkult und Gottesglaube
Germanischer Götterkult bei den Protofranken
Bekenntnis zum katholischen Glauben
9 Der Aufstieg der Franken: eine Erfolgsgeschichte
Machtpolitische Randlage im postimperialen Raum
Kein Untergang der römischen Gesellschaft
Anhang
Fränkische Könige, Heermeister und Funktionsträger
Könige (
duces, reges, reguli, subreguli
)
Heermeister (
magistri militum
)
Römische Funktionsträger fränkischer Herkunft
Zeitleiste fränkisch-römischer Beziehungen
Stammbaum der frühen Merowinger
Siglen- und Zeitschriftenverzeichnis
Quellenverzeichnis
Literaturverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Register
Personenregister
Ortsregister
Sachregister
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Cover
Inhaltsverzeichnis
Titelseite
Impressum
Inhaltsbeginn
Kohlhammer
Reiche der Alten Welt: Ethnien, Länder, Dynastien (RAW)
Herausgegeben von Henning Börm, Udo Hartmann, Sitta von Reden, Robert Rollinger, Roland Steinacher und Timo Stickler.
Eine Übersicht aller lieferbaren und im Buchhandel angekündigten Bände der Reihe finden Sie unter:
https://shop.kohlhammer.de/raw
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1. Auflage 2026
Alle Rechte vorbehalten© W. Kohlhammer GmbH, StuttgartGesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Heßbrühlstr. 69, 70565 [email protected]
Print:ISBN 978-3-17-039443-8
E-Book-Formate:pdf:ISBN 978-3-17-039444-5epub:ISBN 978-3-17-039445-2
Niemand wird bestreiten, dass die Geschichte der Franken für die europäische Geschichte von zentraler Bedeutung ist. Eine wichtige Voraussetzung für den späteren Erfolg der Merowinger und Karolinger war hierbei das besondere Verhältnis zu den Römern in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten. Dennoch wird dieser frühen Phase der fränkischen Geschichte nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei lohnt es sich, die Geschichte der frühen Franken bis zur Herrschaft Childerichs zu erzählen. Denn wer sich mit der Vor- und Frühgeschichte der Franken beschäftigt, erklärt zugleich, wie die Protofranken in die gallorömische Mehrheitsgesellschaft inkludiert wurden, wie aus den Gruppen der Sugambrer, Chamaven, Chattuarier, Amsivarier, Brukterer und Salier schließlich die frühen Franken wurden und warum den Franken gelang, was Hunnen, Goten und Vandalen verwehrt blieb: eine mehrere Generationen überdauernde Herrschaft auf römischem Boden zu errichten.
Mein Interesse an der fränkischen Geschichte wurde schon in den 1980er-Jahren von meinem Vater Karlheinz Schipp geweckt. Seine Begeisterung für das Thema war ansteckend. Seitdem haben die Franken nie an Faszination verloren. Die großartige Landesausstellung »Die Franken – Wegbereiter Europas« besuchten wir gemeinsam im Januar 1997. Im Studium waren es dann vor allem die Vorlesungen von Prof. Dr. Franz J. Felten zur fränkischen Geschichte in Mainz und die Gespräche mit Prof. Dr. Franz Irsigler in Trier, die das Interesse wachhielten.
Das Buchprojekt und der Titel Frühe Franken wurden von Prof. Dr. Udo Hartmann vorgeschlagen. Dr. Josef Fischer hat das Manuskript als Erster kritisch gelesen. Prof. Dr. Timo Stickler nahm den Band nicht nur in die Reihe »Reiche der Alten Welt – Ethnien, Länder, Dynastien« auf, sondern förderte ihn auch durch anregende Diskussionen und wichtige Hinweise. Die Lektorin Frau Dr. Johanna Blume hat den Text verbessert und half bei der Beschaffung von Abbildungen und Karten. Ihnen allen sei herzlich gedankt.
Gewidmet ist dieses Buch meiner Familie.
Mainz, im Juni 2025Oliver Schipp
Der Titel des Buches ist nicht nur eine alliterarische Spielerei, sondern hat einen tieferen Hintergrund. Die Geschichte der frühen Franken ist nämlich vor allem die Geschichte der Provinz Germaniainferior und der Francia; sie ist die Geschichte der Menschen, die am niedergermanischen Limes beidseits des Rheins im 1. bis 5. Jahrhundert lebten. Ihre Geschichte soll in diesem Buch erzählt werden.1
RaumDie frühen Franken siedelten am Niederrhein in den Rheinlanden. Dieser Raumbegriff eignet sich besonders gut zur Beschreibung des fränkischen Lebensraums, weil er die historischen Siedlungsgebiete der Franken beidseits des Rheins bezeichnet, ohne das Gebiet in eine Himmelsrichtung genau zu begrenzen. Lag der Siedlungsschwerpunkt bei den Protofranken im 1. und 2. Jahrhundert noch östlich des Flusses, verlagerte er sich bei den (Proto-)Franken seit dem 3. Jahrhundert in das Gebiet zwischen Rhein und Seine, um sich bei den Franken im 4. Jahrhundert bis in den Moselraum zu erstrecken.2
Dabei seien die Rheinlande, wie es der Luftwaffengeneral Harras in Carl Zuckmayers Des Teufels General ausdrückt, die »Völkermühle« und »Kelter Europas«. Seit jeher durchquerten Fremde diese Region, viele seien dort sesshaft geworden und hätten Familien mit den jeweils angetroffenen Bewohnern gegründet.3 In den beiden ersten Jahrhunderten entstand so eine diffuse herrschaftliche, kulturelle und sozioökonomische Kontaktzone in den Rheinlanden. Dort siedelten Kelten, Germanen, Römer und Sarmaten, weil das germanische Vordringen und die Gegenbewegung der römischen Expansion just in dieser Region, an und um den Rhein herum, zum Erliegen kamen.4
Nur aufgrund dieser Annahme können allgemeine Aussagen zur Entwicklung der dortigen Gesellschaft getroffen werden, denn antike wie auch moderne Raumgliederungen sind nicht geeignet als topographische Umschreibung für eine Untersuchung der spätrömischen Gesellschaft, überschneiden sich doch die Provinzgrenzen mit Siedlungs- und Wirtschaftsräumen. Aus den gleichen Gründen sind heutige Grenzen von Gemeinden, Regionen oder Staatsgebieten als Raumdefinition ungeeignet. Daher wird die Randzone im Nordosten des Westreiches, eben die Rheinlande mit dem Hinterland, exemplarisch in den Blick genommen.
ZeitDie Perspektive der Betrachtung ist dabei bewusst eine retrospektive. Die sozialen Prozesse werden vor dem Hintergrund eines Übergangs der römischen hin zur fränkischen Herrschaft analysiert.5 Da sich die Franken auf römischem Gebiet über Jahrhunderte in Schüben langsam ausbreiteten, gleichsam in die römischen Provinzen hinein diffundierten und manchmal auch migrierten, zeigen sich die Veränderungen der Sozialstruktur in den relevanten Räumen in einer longue durée besonders deutlich.6 Dabei vollzog sich der soziale Wandel im Rahmen von Rechtssetzungen der politischen Akteure langsamer als die wirtschaftlichen und politischen Veränderungen.7 Es handelt sich um lang andauernde Gesellschaftsprozesse, die, wenn man einen weiten Zeitraum für die Darstellung abstecken will, mit der Bürgerrechtsverleihung durch Kaiser Caracalla (212) begannen und von den (salischen) Franken sowie den sogenannten Rheinfranken fortgesetzt wurden, indem sie bestimmte Gebiete in Besitz nahmen oder als Besitz erhielten.8 Den vorläufigen Höhepunkt und Abschluss erreichte der Prozess mit Childerich († 482) und der Normierung einer neuen Gesellschaftsordnung durch die schriftliche Fixierung des salfränkischen Rechts.9
TheorieBei der Darstellung der formativen Phase des fränkischen Sozialverbandes haben sich die theoretischen Modelle der Romanisierung sowie ihre Spielarten Romanisation, Akkulturation, Globalisierung usw. als zu ungenau erwiesen und sind für die Spätantike überdies unbrauchbar, denn sowohl die römischen Provinzbewohner als auch die grenznah lebenden Barbaren bildeten in sich höchst indifferente Sozialverbände. Ihre Mitglieder entwickelten Multikollektivitäten und entziehen sich der einfachen dichotomischen Beschreibung.10 Ich greife daher bei der Analyse sozialer Prozesse am Niederrhein auf den systemtheoretischen Ansatz von Luhmann zurück, der Inklusion als Teilhabe von Personen an bestimmter Kommunikation definiert.11 Das Konzept Luhmanns wurde von Stichweh weiterentwickelt, da die funktionale Differenzierung immer wieder unterlaufen wurde und keine strikte Exklusion der Funktionsbereiche zu konstatieren ist; so erfolgten an der Peripherie (bspw. Nordgallien) häufig deviante Inklusionen.12 Der primär nach Ständen (Sklaventum, Kolonat, Dekurionat, Korporationen, Militär etc.) strukturierten spätrömischen Provinzialgesellschaft traten spezifische Typen des Fremden (Peregrine, Vagabunden, Fremde, auswärtige Fremde) gegenüber.13 Diese wurden auf vielfältige Art und Weise inkludiert. Vor allem die Funktionssysteme Familie und Intimbeziehung werden ständig beobachtet, da dem Ehe- und Bürgerrecht eine Schlüsselrolle bei der Inklusion Fremder zukamen.14 Personen, welche den Inklusionsprozess durchlaufen hatten, sind dann als romanisiert zu bezeichnen, wobei »romanisierte Bevölkerung« immer ein gegenüber der »römischen Bevölkerung« weiterentwickeltes Konzept beschreibt.
Praktisch wie theoretisch war also die Aufnahme der Reichsfremden ins Imperium Romanum und die Überwindung der beiderseitigen Fremdheit entscheidend. Die Fremden sind in unseren Quellen als soziale Gruppen (Sozialgemeinschaften) greifbar, womit kleinere, kulturelle Einheiten gemeint sind, die nur wenige Sippen (Clans) umfassen konnten, oder aber Sozialverbände, die einen größeren Zusammenschluss von sich kulturell einander angleichender Gruppen in ihrer Gesamtheit darstellen wie Franken und Alemannen.15 Dem Begriff »soziale Gruppe« lege ich dabei die weitgefasste Definition von Henri Tajfel und John C. Turner zugrunde, wonach man eine Gruppe als eine Ansammlung von Individuen begreifen könne, die sich selbst als Mitglieder derselben sozialen Kategorie wahrnähmen, eine gewisse emotionale Beteiligung an dieser gemeinsamen Definition von sich selbst teilten und einen gewissen Grad an sozialem Konsens über die Bewertung und Zugehörigkeit zu ihrer Gruppe erreichten.16 Häufig sind wir bei den frühen Franken aber auch auf die Sicht von außen angewiesen, da uns kaum eine originäre bzw. unmittelbare Selbstaussage der Mitglieder dieser Gruppe überliefert wurde.
Die Beobachtung der fränkischen Inklusion in die provinzialrömischen Sozialsysteme setzt voraus, dass wir die strukturellen und prozessualen Faktoren kennen. Entwickelten sich die Gesellschaften in den Rheinlanden doch aufgrund der von Menschen getroffenen Entscheidungen und der durch das Aufeinandertreffen von Römern und Franken verursachten Veränderungen. So hatte auch das Auftreten eines Großverbands der Franken am Niederrhein im 4. Jahrhundert bereits eine lange Vorgeschichte.
Es stellt sich die grundsätzliche Frage: Welche natürlichen und anthropogenen Voraussetzungen ermöglichten und begünstigten die Bildung eines fränkischen Sozialverbandes und schließlich die Gründung eigener Herrschaftsbereiche in Gallien? Denn eine Reihe von klimatischen und historischen Ereignissen sowie prozesshaften Entwicklungen, beruhend auf den natürlichen Gegebenheiten und den Maßnahmen der römischen Regierungsmacht, sind als ursächlich für die Veränderung der Sozialstrukturen beidseits des Niederrheins anzusehen: etwa das Pessimum der Völkerwanderungszeit (Kaltzeit vom 3.–5. Jahrhundert), der Rückzug der römischen Regierungsmacht, die Rekrutierung fränkischer Soldaten und die Ansiedlung von föderierten Franken. So waren es die sich aufgrund von reziproken Prozessen bei tendenziell ungünstigerem Klima permanent verändernden strukturellen Bedingungen der römischen Herrschaftsorganisation, welche entscheidend zur Entstehung germanischer Großverbände und der Inklusion ihrer Mitglieder in die gallorömische Mehrheitsgesellschaft beitrugen.
RekrutierungspraxisBis ins 1. Jahrhundert wurde der größte Teil der am Niederrhein stationierten Legionäre in den Städten Italiens sowie den romanisierten Gebieten Südgalliens und Hispaniens rekrutiert.17 Oftmals stammten die Rekruten aus angesehenen Familien.18 Auch hielten sie Kontakt in ihre Herkunftsregion und blieben während ihrer Dienstzeit mit ihrer Heimatgemeinde verbunden.19
Dies sollte sich aber zu Beginn des 2. Jahrhunderts grundlegend ändern. Die Legionäre wurden zunehmend in den Grenzprovinzen ausgehoben, wo sie auch stationiert waren.20 Die Veteranen siedelte die Militärverwaltung ebenfalls dort an.21 Lokale Rekrutierungen wurden vor allem durchgeführt, weil die Soldaten dadurch motiviert waren, ihre Familien und ihren Grund und Boden zu verteidigen. Die Veteranenansiedlung steigerte überdies die Akzeptanz in der lokalen Bevölkerung, gewährte die Anwesenheit aktiver und angesiedelter Soldaten (Veteranen) doch die Sicherheit in der Region. Oftmals wurden die Söhne der Legionäre ebenfalls Legionäre. Gleichwohl rekrutierten die Kaiser bis in die Spätantike hinein Legionäre in Italien. So entwickelte sich vorwiegend in den Städten und in der Nähe der Militärlager eine römische bzw. romanisierte Bevölkerung. Die römischen Legionäre dienten in dem Prozess der Akkulturation als Kulturträger.22 Zugleich übernahmen die Römer dabei auch Kulturpraktiken der indigenen und zugezogenen Bevölkerung.
Diese wechselseitige kulturelle Kommunikation wurde durch die Auxiliartruppen noch verstärkt. Ursprünglich wurden Soldaten in den jeweiligen Siedlungsgebieten einer sozialen Gruppe in die Hilfstruppen gepresst und diese Einheit nach der jeweiligen Region oder der sozialen Gruppe benannt.23 Als Teil einer ausgeklügelten Strategie versetzten die Kaiser die Auxiliaren in der frühen Kaiserzeit oft auch in weit entfernte Provinzen.24 Das Risiko eines Aufstandes sollte dadurch vermindert werden. In großer Entfernung zu ihrer sozialen Gruppe zeigten sich die erst noch zu inkludierenden, künftigen römischen Bürgern deutlich friedlicher. Aber nur die erstrekrutierten Soldaten entstammten in der Regel derselben ethnischen Gruppe. Wenn die Truppen aufgestockt oder ergänzt wurden, bedienten sich die Römer im Umfeld der Stationierungsorte.25
Sobald die Auxiliareinheiten im 2. Jahrhundert in einem festen Standlager untergebracht waren und nur noch selten versetzt wurden, können wir die gleiche Entwicklung wie bei den Legionen beobachten. Die Soldaten der Hilfstruppen wurden dann zumeist aus der unmittelbaren oder benachbarten Region ihrer Kastelle rekrutiert. Laut Ammian war den Hilfstruppen in der Spätantike sogar zugesichert worden, dass sie niemals in die Länder jenseits der Alpen geführt würden.26 Diese Aussage kann auch auf Rekruten mit römischem Bürgerrecht bezogen werden. Da die scharfe Unterscheidung der Kaiserzeit in römische Legionäre und nichtrömische Hilfstruppen in der Spätantike kaum noch aufrechterhalten werden konnte, hatten oder erhielten die Soldaten das römische Bürgerrecht bereits während ihrer aktiven Laufbahn.27
Constitutio AntoninianaIn Verbindung mit der allgemeinen Bürgerrechtsverleihung an fast alle Provinzbewohner musste die beschriebene Rekrutierungs- und Ansiedlungspraxis schließlich dazu führen, dass sich eine eigene regionale Identität herausbildete.28 Nur die Deditizier, hauptsächlich die kürzlich unterworfenen auswärtigen Fremden, waren als einzige Gruppierung in der Constitutio Antoniniana vom 11. Juli 212 ausgenommen worden.29 Dennoch wurden auch diese nach einer gewissen Zeit eingegliedert, wenn die Römer deren Arbeitskraft oder deren militärische Stärke bedurften. Beispielsweise wurden die Markomannen nach drei langjährigen Kriegen gegen Mark Aurel und Commodus schließlich zum Teil auf römischem Gebiet als Deditizier angesiedelt.30 In ein oder zwei Generationen dürften sie sich das römische Bürgerrecht verdient haben, ebenso wie die Bastarnen, die Kaiser Probus Ende des 3. Jahrhunderts ebenfalls als Gewaltunterworfene ansiedelte.31 Denn Ende des 5./Anfang des 6. Jahrhunderts, waren die Bastarnen, wie der Zeitzeuge und Geschichtsschreiber Zosimos berichtet, schon längst zu Römern geworden.32
Akzeptanzsystem römischer HerrschaftslegitimationAber nicht nur die Zusammensetzung der Mannschaftsdienstgrade veränderte sich vom Beginn des 3. Jahrhunderts an, sondern auch die Spitzenposition des Heermeisters wurde immer öfter mit Kommandeuren barbarischer Herkunft besetzt. Dies hatte keine Auswirkungen, solange sich diese loyal verhielten. Im Gegenteil waren die fränkischen, burgundischen, awarischen und vandalischen Heermeister eine Idealbesetzung aus der Sicht des jeweiligen Kaisers, da jene aufgrund ihrer Herkunft keine direkte Bedrohung für den Thron des Amtsinhabers darstellten. Jedenfalls solange der Kaiser den Heermeister in sein Amt berief. Sobald aber der Heermeister sich durch die Zustimmung seiner Soldaten legitimiert sah, änderte sich das Kräfteverhältnis.
Die Nachfolge römischer Kaiser wurde nämlich nie institutionalisiert.33 Weder gab es eine Verfassung, gemäß der in einem Legitimationsprozess die Nachfolge geregelt worden wäre, noch gab es die charismatische Herrschaftslegitimation einer bestimmten dynastischen Linie oder ein Gremium, das den Nachfolger bestimmt hätte. Die Nachfolge wurde also nicht aufgrund eines institutionalisierten Entscheidungsvorgangs geregelt, sondern mittels der Akzeptanz relevanter Gruppen zur Herrschaftsbefugnis. Die Senatoren, das stadtrömische Volk und das Militär inthronisierten den Kaiser »in einem differenzierten Ensemble von Ritualen«.34 So konnte es auch Ende des 4. Jahrhunderts zur Machtverlagerung vom römischen Kaiser auf die Heermeister kommen. Nachdem Konstantin der Große mit den Prätoriumspräfekten eine hohe zivile Staatsebene eingerichtet hatte, musste der Heermeister in die Position eines Regenten rücken, sobald der nunmehr wichtigste Akteur, das Militär, dessen Regentschaft stützte.35
Militärische Entmachtung der PrätoriumspräfektenDie machtvolle Position der Heermeister war also das Ergebnis der tetrarchischen Reformen. Konstantin führte die einst von Diokletian begonnene Verwaltungsreform fort. Er richtete vier nicht praesentale Prätoriumspräfekten bis Mitte der 320er-Jahre ein, wobei den Präfekten eine räumlich beschränkte Zuständigkeit zugewiesen wurde, ohne dass diese schon den späteren Sprengeln entsprochen hätte.36 Konstantin, der das Mehrkaisertum nach und nach beseitigte,37 versuchte dieses mithilfe der Dezentralisierung der Präfekturen auszugleichen.38
Die Regionalisierung der Prätoriumspräfekturen war, wie sich an der zunächst noch nicht fixierten räumlichen Zuständigkeit zeigt, tatsächlich eine Dezentralisierung der Regierungsmacht auf der zweithöchsten Staatsebene. Zudem standen den Präfekturen künftig Senatoren vor. Die Funktionsträger standen auf der Rangstufe der viri illustres bzw. viri clarissimi und hatten während ihrer Amtszeit oftmals den Konsulat inne.39 Dabei mussten sie ausschließlich administrative und jurisdiktionelle Aufgaben übernehmen, wohingegen ihnen militärische Befugnisse entzogen wurden. Aufgrund immer neuer Gesetzesanfragen an den Kaiser professionalisierte sich ferner die Verwaltung. Durch ein Gesetz an alle Provinzialen wurde schließlich festgelegt, dass die Prätoriumspräfekten letztinstanzliche Richtersprüche verkünden konnten.40 Sie verwalteten von nun an nicht mehr nur, sondern sie regierten förmlich in dem ihnen zugewiesenen Amtsbereich. Sie wurden zu einem wichtigen Bindeglied zwischen der zentralen Regierungsmacht (Kaiser und Kronrat), den Statthaltern in den Diözesen und Provinzen sowie letztlich den Provinzbewohnern.41
Die Heermeister nahmen hingegen im militärischen Bereich die Führungsrolle ein. Die Trennung von ziviler Provinzverwaltung und militärischer Organisation hatte zur Folge, dass die militärischen Kommandanturen zunehmend mit Personen nichtrömischer Herkunft besetzt wurden, während die zivilen Aufgaben überwiegend von Römern wahrgenommen wurden.42
Dabei galt die Loyalität der Truppen in erster Linie ihrem jeweiligen Kommandeur. Das war nicht grundsätzlich neu, denn schon in der hohen Kaiserzeit gewährleisteten die Heerführer Sold und Versorgung. Es verschärfte aber in der Spätantike die diversen Strukturprobleme Westroms, da die römischen Offiziere barbarischer Herkunft aufgrund ihrer von römischen Kommandeuren differenten Identität in Loyalitätskonflikte geraten oder doch zumindest anderen Pragmatismen folgen konnten. Hinzu kam die nicht selten offene Konkurrenz unter den hohen (barbarischen) Militärs um Ämter und Einfluss. Bald schon sollten nicht nur die Heermeister am Kaiserhof, sondern auch regionale Militärkommandeure offen eigene Interessen verfolgen. Die weströmische Zentralgewalt verlor dadurch ihren Einfluss und ihre Gestaltungskraft in den Provinzen und das Grenzgebiet am Rhein und im Norden Galliens wurde dem Zugriff der zentralen Regierungsmacht entzogen.
Neben deren Schwinden wirkte sich die gänzliche Abwesenheit des Kaisers negativ aus. Der kaiserliche Hofstaat war von 293 bis 402 nur sporadisch in der Kaiserresidenz in Trier anwesend. Danach wurde die Residenzstadt aufgegeben und die kaiserliche Verwaltung nach Arles verlegt. Der Rückzug der zentralen Regierungsmacht im Westen des Imperiums hinterließ ein machtpolitisches Vakuum oder in der Sprache der Imperialismusforschung einen ›postimperialen Raum‹.43
Ansiedlung von Sozialverbänden in den RheinlandenDen postimperialen Raum besetzen auf der Führungsebene die Heermeister, aber auch die Migration und Formierung germanischer Großverbände seit dem 3. Jahrhundert wirkten sich auf die Veränderung der Sozialstrukturen in der Peripherie aus: So siedelten östlich des Oberrheins die Alemannen, am Mittelrhein zeitweise die Burgunder und am Niederrhein Franken sowie andere, noch nicht unter dem Frankenamen subsumierte Kleingruppen (etwa Chamaven, Chattuarier), neben vorbeiziehenden Sozialverbänden wie etwa Vandalen und Alanen.
Die Franken am Niederrhein wurden bald nicht mehr nur bekämpft und zurückgeschlagen, sondern die römischen Kaiser gingen dazu über, die unterworfenen Gruppen im Sozialverband anzusiedeln. Auf römischem Boden lebten zunehmend die ehemaligen auswärtigen Fremden und besiedelten, bebauten und bewachten die Rheingrenze.
Daneben darf man die individuelle Migration oder Flucht ins Römische Reich nicht aus dem Blick verlieren. Seit dem 1. Jahrhundert sind Germanen in den römischen Grenzprovinzen belegt. Vor allem im römischen Heer dienten germanische Krieger (Expertenmigration bzw. Zwangsmigration).44 Viele von ihnen kehrten nach ihrer Dienstzeit wieder in ihre ursprünglichen Siedlungsgebiete zurück.45 Andere wiederum verblieben im Imperium Romanum.46 Die individuelle und kollektive fränkische Ansiedlung in Gallien und die Inklusion der Franken in die gallorömische Mehrheitsgesellschaft veränderte die dortige Sozialstruktur grundlegend.
Prozess der spätantiken MilitarisierungEs entwickelte sich eine zunehmende gesellschaftliche Militarisierung an den Limites. Diesen Prozess beschleunigte Kaiser Valens durch ein Gesetz, mittels dessen das Steuer- und das Rekrutierungssystem verknüpft wurden. In einigen Provinzen rekrutierte man fortan Soldaten, in anderen wurde stattdessen ein Ausgleich gezahlt.47 Der neoklassischen Theorie zufolge seien zudem die meisten Arbeitskräfte rechtlich frei und verfügbar und die Arbeitsmärkte von geringerer Bedeutung gewesen. Durch die Intensivierung der agrarischen Produktion und aufgrund des Bevölkerungswachstums sei die Produktivität gestiegen. Die Bauern hätten auch den Überschuss bzw. das Steueraufkommen erwirtschaftet, welches als Güter von den produktiven Binnenprovinzen in die unproduktiven Grenzprovinzen (militärischer Nachfragemarkt) umverteilt worden sei.48 Wenngleich diese Theorie inzwischen kritisch diskutiert wird, zeigen archäologische Befunde, dass die Exportgüter gewerblicher Manufakturen und der Landwirtschaft vorwiegend in den Binnenprovinzen am Mittelmeer produziert wurden, sodass dort eine ökonomische Spezialisierung im Gegensatz zur Militarisierung der Gesellschaften in den Grenzprovinzen festzustellen ist.49 Ein Transfer von Gütern in die Konsumentenregionen an der Peripherie des Imperiums ist nicht zu bestreiten und letztlich auch eine logische Konsequenz der permanenten Bedrohungslage an Rhein und Donau sowie des klimatischen Wandels.50
Klimaschwankungen und struktureller WandelDie grundlegendste Veränderung für die Menschen in der Spätantike war sicherlich der Klimawandel. Die klimatische Gunstphase der Römerzeit war vorbei. Infolge von zunehmenden Klimaanomalien vom Ende des 3. Jahrhunderts an änderten sich auch die Lebensbedingungen der Menschen in den Rheinlanden. In diesem komplexen Möglichkeitsraum konnten die bisherigen Anbaumethoden nicht mehr einträglich gewesen sein. Es erfolgte an einigen Orten eine Umstellung auf Vieh- und Weidewirtschaft, anderenorts wurden kälteresistente Getreidearten wie etwa Roggen angebaut. An der Mosel wurde der Weinbau intensiviert. Und die Menschen, die in der nemoral (waldreich) kühlgemäßigten Zone siedelten, orientierten sich nach Süden und Westen. Damit bewältigten sie ihre Kontingenzerfahrungen aufgrund von Missernten.
Ein struktureller Wandel vollzog sich. Die negativen Folgen der Klimaveränderungen für die im Vorfeld von Rhein und Donau siedelnden Barbaren wurden dadurch verstärkt, dass eine streng bewachte Reichsgrenze quer über den eurasischen Kontinent von der Nordsee bis zum Schwarzen Meer verlief. Klimainduzierte Migration wurde zunächst unterbunden, da die Migrationswege von Nordosten nach Südwesten in die mediterrane, warmgemäßigte Klimazone versperrt waren. Die geschlossenen Migrationsrouten wirkten sich im 2. Jahrhundert zunächst nicht aus, denn die Landwirtschaft war aufgrund des Klimaoptimums auch in der nemoralen, kühlgemäßigten Klimazone einträglich. Der Migrationsdruck auf die römischen Nordgrenzen wurde erst größer, als sich das globale Klima im 3. Jahrhundert abkühlte.51
Was erfahren wir über die frühen Franken aus zeitgenössischen bzw. antiken Schriften? Die Spurensuche beginnt im Spannungsfeld zwischen Caesar und Gregor von Tours. Die literarischen Quellen zur Geschichte der Menschen am Niederrhein sind dabei leider äußerst dürftig. Schon der Mangel an Texten zur Reichsgeschichte im 1. und 2. Jahrhundert ist ein Problem. Ohne Tacitus und Sueton hätten wir so gut wie keine zeitgenössische Historiographie – einmal abgesehen von der Kriegsberichtserstattung des Tiberiusverehrers Velleius Paterculus. Die Angaben der frühkaiserzeitlichen Autoren sind allgemein, aber immerhin aus aktuellen Quellen geschöpft.52
Über die Vorgeschichte der Franken, die Geschichte der Protofranken am Niederrhein, sind wir noch vergleichsweise gut informiert. Die Angaben von Caesar und Tacitus sowie der Geographen Strabon und Pomponius Mela ergeben ein Bild von den wechselnden Machtverhältnissen und Siedlungsräumen mittelgroßer bis großer Sozialgemeinschaften. Die Bezeichnung einzelner Gruppen erfolgte aufgrund eigener Anschauung bei Caesar und unter Berücksichtigung von Berichten aus der Region bei den anderen Autoren. Gleichwohl erhalten wir keine widerspruchsfreie Schilderung der Lebensverhältnisse aus dem Gebiet östlich des Niederrheins bis an die Elbe, den Siedlungsräumen der protofränkischen Gruppen. Sicherlich können wir die Werke der kaiserzeitlichen Autoren bis Mitte des 3. Jahrhunderts aber als skizzenhafte Beschreibungen der fränkischen Vorgeschichte werten.
Neben den genannten Autoren sind noch Cassius Dio und Eutropius zu nennen, die Detailangaben zu kriegerischen Unternehmungen und sozialen Gruppen am Niederrhein beisteuern, wodurch die Angaben anderer Autoren überprüft werden können. Für die Zeit bis zur Jahrhundertwende vom 3. zum 4. Jahrhundert bietet die nur unter starken Vorbehalten heranzuziehende Historia Augusta wichtige Details zu den Vorgängen in Germanien. In den Kaiserbiographien wird von einem unbekannten Autor Reichsgeschichte geschrieben. Die Aktivitäten von Barbaren werden zumeist in Nebenbemerkungen behandelt, müssen aber immer mit anderen Quellen kontrolliert werden. Auch Aurelius Victor nennt die Franken an einer Stelle und bestätigt damit unter anderem die zeitgenössische Panegyrik (antike Lobreden). Dieser verdanken wir authentische, aber – dem Genre geschuldet – stark gefärbte Angaben zur Geschichte der frühen Franken. Vor allem die frühen Ansiedlungen von fränkischen Gruppen auf römischem Boden werden im Rahmen des Kaiserlobs oft beiläufig erwähnt.53
Mit Ammianus Marcellinus besserte sich zudem die historiographische Situation und wir erhalten eine geschichtliche Darstellung zu bestimmten Ereignissen am Niederrhein. Er war neben Prokop der letzte bedeutende Historiograph der (west)römischen Geschichte.54 Seine Muttersprache war griechisch. Dass er sein Werk dennoch in lateinischer Sprache schrieb, lag wohl an seinem Zielpublikum im lateinischen Westen und der intensiven Nutzung lateinischer Quellen. So knüpfte er mit den Res gestae auch an das Werk des Tacitus an, ohne stringent dessen Kaisergeschichte weiterzuführen. In seinem 15. Buch deutet er an, dass im Gebiet der Rheinmündung und am linken Ufer des Niederrheins einst Trojaner gesiedelt hätten.55 Diese Ausführungen haben nur einen geringen historischen Wert, waren aber für das Selbstverständnis und die Legitimation der Franken existentiell, da diese Legende die beiden Gruppen als Nachfahren der Trojaner ebenbürtig erscheinen lässt.
Ammians Schilderung des Feldzuges, den Julian Apostata gegen die salischen Franken und die protofränkischen Chamaven in den Rheinlanden führte, ist hingegen ein historisches Zeugnis.56 Von Julian selbst erhalten wir zusätzliche Informationen aus erster Hand. Ein authentisches und auch einflussreiches Zeugnis für die fränkische Frühgeschichte ist dabei dessen Brief an die Athener.57 In diesem rechtfertigt er den Aufstand gegen Kaiser Constantius II. und die Schilderhebung durch seine gallischen Truppen. Eunapios von Sardes erwähnt ebenfalls die Vorkommnisse um die salischen Franken in seinen historischen Aufzeichnungen (historika hypomnemata), die eine Geschichte in chronologischer Form darstellen.58 Auf dessen Werke greift schließlich Zosimos zurück und bestätigt den Feldzug am Niederrhein und bezeichnet als erster Autor die Salier als Franken.59
Wenn auch der Wahrheitsgehalt mancher Details gering sein mag und die späteren Autoren von Julian weitestgehend abgeschrieben haben – vor allem die Julianverehrer Eunapios und Zosimos stehen unter diesem Verdacht –, werden sehr frühe Ereignisse in der Phase der Formierung des späteren Sozialverbandes der Franken am Niederrhein wie unter einem Brennglas geschildert. Zu beobachten ist der spannende Moment, wenn die legendenhafte Schilderung einer Herkunftsgeschichte in Darstellungen übergehen, die von einer gewissen Historizität zeugen.60
Eine fränkische Frühgeschichte wird jedoch in keiner der genannten Quellen auch nur halbwegs zusammenhängend geschildert. Das Werk, das dies hätte leisten können, die siebenbändige Historia Romana des Q. Aurelius Memmius Symmachus († 525/26), ist bis auf eine kurze Notiz in der Getica des Jordanes gänzlich verloren.61 Die Gotengeschichte des Jordanes († nach 552) selbst wird dann vor allem für die Frühgeschichte der Merowinger bedeutsam sein. Hierbei benutzt er die Schriften des Zeitzeugen Priskos von Panion (ca. 410/20 – 474), der als hoher Amtsträger mit Verwaltungsaufgaben betraut war, aber auch an einer Gesandtschaft an den Hof Attilas teilnahm. Ferner hat Jordanes das Werk Cassiodors († um 580) für seine Schriften verwandt.
So stammt die erste Geschichte der frühen Franken von einem gewissen Sulpicius Alexander. Er lebte Ende des 4. Jahrhunderts und könnte einer der beiden Namensträger sein, die in den Briefen des Q. Aurelius Symmachus († um 402/03) genannt werden.62 Dann wäre er entweder der Statthalter (praeses) einer westlichen Provinz im Jahr 380 oder ein Tribun und Notar (tribunus et notarius) um 387 gewesen. Als Sekretär hätte er dann unter Kaiser Valentinian II. und unter dem Usurpator Magnus Maximus gedient. Sulpicius Alexander wäre in beiden Fällen ein gut informierter Geschichtsschreiber gewesen, da er Zugang zu den Staatsarchiven gehabt hätte. Vielleicht setzte er Ammianus Marcellinus fort, dessen Werk Res gestae im Jahre 378 endet.63 Sein Geschichtswerk umfasste mindestens vier Bücher, von denen aber nur wenige Auszüge in Gregors von Tours (538 – 594) Historien auf uns gekommen sind.64
Renatus Profuturus Frigeridus ist Gregors zweiter Gewährsmann für die Frühgeschichte der Franken. Der Bischof von Tours zitiert ihn wie schon Sulpicius Alexander in seinem zweiten Buch, wo er seine chronologische Geschichtsschreibung mit einem Verfassungsexkurs unterbricht. Über den Historiographen selbst wissen wir nur, dass er im 5. Jahrhundert sein Geschichtswerk verfasste. Vielleicht umfassten seine Historien zwölf Bände, und sie endeten wahrscheinlich mit Aëtius. Die Zuordnung zu zwei Namensträgern aus dem späten 4. Jahrhundert ist unsicher. Vielleicht sind die Trianomina des Geschichtsschreibers Nachbenennungen nach berühmten Männern.65 Gregor nennt ihn einmal Renatus Frigeridus und einmal Renatus Profuturus Frigeridus.66 Der Hauptname muss also Frigeridus lauten. Gregor zitiert beide Autoren, die in einem zeitlichen Abstand von etwa zwei Generationen die Verhältnisse am Niederrhein beschreiben, wörtlich, wobei er die Texte sicher überarbeitet hat.
Gregor von Tours ist über die beiden Zitate der Zeitgenossen hinaus unsere wichtigste literarische Quelle für die formative Phase der Franken. Wenngleich sein Werk bis in die Zeit Chlodwigs Lücken aufweist, verdanken wir ihm die Kenntnis zahlreicher Ereignisse. So schildert er auf der Grundlage zeitgenössischer Quellen, etwa der Annalen von Anger, die Auseinandersetzungen zwischen römischen und fränkischen Warlords im postimperialen Gallien und spart auch kulturelle und vor allem religiöse Diskurse nicht aus, von denen wir ohne seine Vermittlung nichts wüssten. Trotz dieser Detailfreude wird Gregors Werk immer wieder in der Forschung kritisch gesehen, weil er den Erzählstoff bewusst angeordnet habe. Ihm wird sogar vorgeworfen, er habe Ereignisse unterschlagen oder bewusst verschwiegen.67 Dass Gregor kein neutraler Berichterstatter war und nach heutigen Maßstäben auch kein Historiker, ist sicher zu bedauern, aber kaum zu kritisieren. Im Mittelalter wurde Gregors Werk jedenfalls viel gelesen und von einem gewissen Fredegar rudimentär fortgesetzt.
Die Chronik des Fredegarius Scholasticus oder kurz Fredegar-Chronik entstand wohl um das Jahr 660 und umfasst die fränkische Geschichte bis Mitte des 7. Jahrhunderts. Die Ereignisgeschichte im Westen endet abrupt im Jahre 642. Einige Ergänzungen zur östlichen Reichsgeschichte reichen jedoch bis in das Jahr 659. Der Verfasser ist unbekannt, und die heute gängige Benennung als Fredegar stammt aus dem 16. Jahrhundert. Vielleicht hatte die Chronik auch mehrere Autoren. Der Text ist in vier Bücher eingeteilt, wobei zum Teil ältere Werke kompiliert und zum Teil Passagen eigenständig verfasst wurden. Zur fränkischen Frühgeschichte erhalten wir widersprüchliche oder schwer zu interpretierende Aussagen. Die zuverlässigen Passagen seiner Frühgeschichte sind dem Werk Gregors von Tours entnommen.68 Auch die Herkunftssage entstammt den Vorlagen des Chronisten. Fredegar schöpft bei seiner Version des Trojamythos vermutlich aus verlorenen Abschnitten des Gregor von Tours und aus Schriften des Kirchenvaters Hieronymus.
Der Liber historiae Francorum, verfasst von einem neustrischen Franken um 726, bietet ebenfalls eine Gründungsgeschichte, die unabhängig von der Fredegar-Chronik entstanden ist.69 Wie auch Fredegar griff er aber auf die Historien des Gregors von Tours zurück. An mehreren Stellen zeigt sich, dass die Etymologien des Isidor von Sevilla benutzt wurden.70 Der Verfasser des Liber lebte wahrscheinlich in Soissons, dem Sitz des fränkischen Königs.71 Er schlägt in seiner Version einer origo gentis einen weiten Bogen, bis er schließlich die Trojaner Priamus und Antenor zu den Urvätern der fränkischen Könige erklärt.
In den Quellen wird also ein plausibel erachteter Übergang von einer mythologischen Gründungsgeschichte zu halbwegs gesicherten geschichtlichen Fakten beschrieben, bei denen historische Gestalten wie Vespasian neben fiktiven Königen wie dem ersten Frankenkönig Faramund stehen. Wir verfügen über keine weitere Historiographie, welche die fränkische Frühgeschichte zum Gegenstand hätte. Gregor von Tours, Fredegar und der Verfasser des Liber müssen erkannt haben, dass sich nach der Mitte des 4. Jahrhunderts am Niederrhein unzählige Sozialgemeinschaften über gemeinsame Interessen und Unternehmungen, zumeist Beutezüge oder Landsuche, zusammengefunden hatten. Den Mangel an einer ruhmreichen Wandergeschichte kompensierten sie mit der Fiktion einer Abstammung aus Troja. Dabei griffen sie auf römische und gallische Trojamythen zurück.72 Einen Gründungsakt gab es offensichtlich nicht. Von einem Beschluss zur Vereinigung protofränkischer Gruppen und der Errichtung eines gruppenübergreifenden Königtums wird zumindest nichts berichtet.
Die Geschichte der frühen Franken wird dann auch im Schatten von Gregor von Tours geschrieben.73 Da Gregors Bericht über die fränkische Frühzeit aber oft nur kursorisch oder falsch ist, zudem von der Suche nach den ersten Königen der Franken geleitet wurde, ist die Geschichte der frühen Franken im 4. und 5. Jahrhundert lückenhaft.74 Lediglich die Chroniken des 5. Jahrhunderts verbessern unsere Kenntnis der Ereignisgeschichte. Einige Angaben des Geschichtsschreibers können überprüft, einige Lücken bestenfalls verkleinert werden. Für die fränkische Frühgeschichte sind dies insbesondere die Chroniken des Hydatius von Aquae Flaviae und des Prosper Tiro von Aquitanien sowie die Gallische Chronik von 452, da diese von Zeitgenossen geschrieben wurden, die einen guten Zugang zu Informationen hatten.
Die Gallische Chronik von 452, die die Chronik des Hieronymus fortsetzt, der die Chronik des Eusebius übersetzte, überarbeitete und bis 378 weiterführte, beginnt mit dem Jahr 379.75 Sie wurde im Jahre 452 fertiggestellt, als Attila Italien bedrohte. Der pessimistische Tonfall einiger Einträge scheint dann auch unter dem Eindruck des Vordringens der Hunnen entstanden zu sein. Obwohl der Verfasser in der Diözese Vienennsis lebte, vielleicht in den Städten Valentia (Valance) oder Massilia (Marseille), interessierte er sich nicht nur für die Ereignisse im Westen des Imperiums.76 Seine Berichte umfassen Nachrichten aus erster Hand zu religiösen, politischen und militärischen Veränderungen. Der Autor war der Einzige im Westen, der vom Hunneneinfall in Thrakien berichtet und die fehlende Unterstützung des Westens monierte. Aber auch der merkwürdige Vermerk, Attila habe eine ihm zustehende Gemahlin verlangt, weist auf Informanten aus dem Osten hin, wo die angebliche Honoria-Affäre, auf die hier angespielt wird, von den Schriftstellern genüsslich ausgeweidet wurde.77 Ob es sich um einen in Südgallien lebenden Oströmer handelt, sei dahingestellt, denn in jedem Fall wurde die Chronik von einem gut unterrichteten Verfasser geschrieben, der nahe am Geschehen war und über die Zustände in Gallien berichtet. Die Chronik wurde von mittelalterlichen Kompilatoren fälschlicherweise dem Prosper zugeschrieben, sie ist aber das eigenständige Werk eines anonymen Autors.78
Etwas mehr wissen wir über den christlichen Schriftsteller Prosper Tiro.79 Er wurde um 390 in Aquitanien geboren und hielt sich in den 420er-Jahren in Massilia (Marseille) auf. Dorthin gelangte er vermutlich auf der Flucht vor den vandalisch-alanischen Invasoren. Prosper beobachtete die Geschehnisse in Gallien in einer sonst düsteren Zeit. Seine Position in den innerkirchlichen Debatten, in denen er eine prominente Rolle einnimmt, kann man bei der Betrachtung der Chronik vernachlässigen.80 Zwar hat Prosper ein christliches Geschichtsbild, sieht die Stabilität der Kirche im Papsttum begründet und verteidigt Augustinus gegen pelagianische Angriffe, doch deutet er historische Ereignisse in seiner Chronik nicht in einer paränetischen Absicht. Da er die einwandernden gentes auch nicht für die Misere im Westreich verantwortlich macht, hat er ein neutrales Barbarenbild.81 Ferner zeichne sich das Werk durch chronologische Sorgfalt aus und knüpft an Hieronymus an, dessen Chronik er aufnahm, kürzte und weiterführte.82 Die Chronik des Prosper wurde im 7. Jahrhundert fortgesetzt (Auctarium Prosperi Havniense) und ergänzt (Additamenta ad Prosperum Havniensia). Bereits in der Spätantike wurde sein Werk von Cassiodor abgeschrieben und in der Absicht, die römische Geschichte mit der Realität der Barbarenherrschaft seiner Zeit in Einklang zu bringen, verschlimmbessert.
Auch Hydatius verfasste seine Chronik im Anschluss an Hieronymus, den er um 406 in jungen Jahren in Palästina auf einer Pilgerfahrt sogar persönlich kennengelernt hatte. Er entstammte einer wohlhabenden Familie der hispano-römischen Oberschicht aus der civitas Limicorum (Nocelo da Pena) in der Provinz Gallaecia. Im Jahre 427 wurde er Bischof und verbrachte die meiste Zeit seines Lebens in Aquae Flaviae (Chaves).83 Im Bischofsamt musste er sich mit den Sueben arrangieren, die sich 411 in der Gallaecia niedergelassen hatten. Wegen der ständigen Reibereien zwischen den Sueben und den lokalen hispano-römischen Provinzialen nahm Hydatius an einer Gesandtschaft im Jahre 431 teil, welche den Heermeister Flavius Aëtius um Hilfe ersuchte.84 Die Nachrichten aus dieser Zeit, in der Hydatius nicht nur Zeitgenosse, sondern auch Zeitzeuge war, sind besonders wertvoll, da der Heermeister im Begriff war, die römische Herrschaft über die Belgica und die Rheinlande gegen Burgunder und Franken wiederherzustellen. Der streitbare Hydatius geriet schließlich auch mit seinen römischen Mitbürgern (delatores) in Konflikt. In deren Auftrag entführten ihn Sueben im Jahr 460 und hielten ihn eine Zeit lang gefangen.85 Seine Handlungen beschworen in der Provinz Gallaecia offensichtlich den Widerstand verschiedener Akteure herauf.
Neben diesen regionalpolitischen Anliegen widmete sich Hydatius auch der Ausrottung der Ketzerei, nicht nur in seiner eigenen Diözese, sondern auch im übrigen Hispanien, und stand in regem Kontakt mit einigen wichtigen Bischöfen seiner Zeit, darunter Thoribius von Astorga und Antoninus von Mérida. Gemeinsam mit Thoribius beriet er sich in dieser Sache mit Leo I. (dem Großen), welcher die westliche Christenheit vor Irrlehren und den Hunnen gerettet haben will. Obwohl Hydatius die hispanischen Häretiker durchweg als Manichäer bezeichnet, wird allgemein angenommen, dass er damit die Priscillianisten meint, die Anhänger des asketischen Bischofs Priscillian, der von mehreren Konzilien als Ketzer verurteilt wurde und den der Usurpator Magnus Maximus um 385 hinrichten ließ.86
Seine Bemühungen, sowohl in theologischen als auch in politischen Fragen über die eigene Provinz hinauszuwirken, ermöglichte Kontakte zu Personen, die außerhalb Hispaniens lebten. Trotz einer gewissen regionalen Gebundenheit erhalten wir somit manche Information über reichspolitische Ereignisse.87 Einige Fakten und zahlreiche Details werden nur von Hydatius vermittelt. Da er auch methodisch vorging und ein gutes Urteilsvermögen besaß, steht seine Darstellung als einzige anspruchsvollere lateinische Geschichtsschreibung zwischen Ammianus Marcellinus und Gregor von Tours.88 Das Barbarenbild des Hydatius ist dabei unter anderem wegen des Ungemachs mit der suebischen Nachbarschaft durchweg negativ geprägt. Auch war die biblische Prophezeiung für Hydatius das unmittelbare Vorspiel des Weltenendes, wobei ihm die Barbaren als Vorboten des Antichristen galten: Das Weltenende datierte er auf den 27. Mai 482.89 Dies sollte er nicht mehr erleben, denn er verstarb kurz nach 468.
Um die Geschichte des dunklen 5. Jahrhunderts in Gallien weiter zu erhellen, lohnt es sich, die Schriften des Sidonius Apollinaris auszuwerten.90 Bereits dessen Großvater und Vater hatten das höchste Zivilamt eines Prätoriumspräfekten von Gallien inne.91 Sein Schwiegervater Avitus avancierte mit Unterstützung der Westgoten zum Kaiser. Sidonius Apollinaris selbst wurde am 5. November um 430 in eine dem gallischen Senatsadel angehörigen Familie geboren und starb kurz nach 480.92 Damit ist er Zeitzeuge so bedeutungsvoller Ereignisse wie der Ansiedlung von Westgoten und Burgundern, der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern, dem in der Bedeutungslosigkeit versinkenden Kaisertum im Westen und der Etablierung der fränkischen Herrschaft in Nordgallien. Er war näher am Geschehen als ihm lieb sein konnte. Sidonius korrespondierte dabei mit den Machthabern seiner Zeit und war sich der zeitgenössischen Diskrepanzen zwischen ethnischer Rhetorik und Realität durchaus bewusst, wenn er beispielsweise in einem Briefwechsel mit dem fränkischstämmigen Arbogast in Trier schreibt, dieser spreche an der Mosel das wahre Latein des Tibers.93 Der Bischof von Clermont-Ferrand agierte in solchen Fällen wie ein hoher römischer Zivilbeamter und versuchte die römische Ordnung in seiner Bischofsgemeinde, aber auch in ganz Gallien aufrechtzuerhalten.
In seinen Briefen und Gesängen werden Barbaren gelegentlich erwähnt.94 Da er aber kein historiographisches Werk hinterlassen hat, sondern seine Schriften poetische und rhetorische Kunstformen sind, müssen mehrere Ebenen seiner Texte beachtet werden.95 In einer einfachen Betrachtung gibt er etwa lebenspraktische Hinweise, Hilfestellung bei Verwaltungsfragen und erstellt Gutachten in juristischen Fällen. Im Subtext stehen Diskurse der gallischen Aristokraten bezüglich der Barbaren. Hierbei sind Anbiederung an die neuen Herren, ein gewisser Gewöhnungseffekt, Resignation und schwindende Hoffnung zu erkennen, aber es setzte sich auch die Erkenntnis durch, dass es noch schlimmer hätte kommen können. Besonders wichtig erscheint mir die Differenzierung der Barbaren, die Sidonius vornimmt, in Fremde (Burgunder, Westgoten, Franken) und auswärtige Fremde (Vandalen, Hunnen, Thüringer). Während er sich mit ersteren arrangierte oder gezwungen war sich zu arrangieren, sah er letztere als Gegner der römischen Sache und Feinde an. Einige Fränkischstämmige wurden von ihm auch schon als Römer angesehen. Seine Wahrnehmung der Barbaren sei dabei immer geleitet von seiner nahezu »symbiotischen« Beziehung zur Romanitas.96 So geben seine Ansichten zugleich immer eine Ansicht seiner selbst.
Die wissenschaftliche Literatur zu Sidonius Apollinaris übertrifft dessen umfangreiches Œuvre inzwischen um ein Vielfaches. Jährlich kommen hunderte Titel in den modernen Wissenschaftssprachen hinzu. Selbst von Spezialisten ist die Forschung nicht mehr zu überblicken. Daher sei – ausnahmsweise – auf das Internet verwiesen.97 In jüngster Zeit wurden die Briefsammlungen von Sidonius Apollinaris, Symmachus, Ruricius, Ennodius und einiger anderer intensiv mit Kommunikationstheorien, Kontingenzforschung und weiteren soziologischen Methoden erforscht.98 Ferner wird das Barbarenbild des spätantiken Bischofs aufgrund archäologischer Forschung inzwischen neu bewertet.99
Wir verdanken dem Bischof aus Clermont-Ferrand, der den Aufstieg der Franken literarisch reflektierte, wichtige Ergänzungen, um den Prozess der fränkischen Inklusion in die gallorömische Gesellschaft zu verstehen.100 Vor allem in den Panegyrici, die Sidonius 459 in Lyon auf Majorian sowie jeweils in Rom 456 auf Avitus und 468 auf Anthemius zu deren Konsulatsantritten vortrug, nennt er fränkische Gruppen.101 Aufgrund seiner Angaben kann aber kaum bestimmt werden, welche Gruppe konkret gemeint war. Zudem zählt er neben den besiegten Gegnern und Feinden auch rein poetische Namen auf. Sogar die im 5. Jahrhundert längst verschwundenen Sugambrer werden erwähnt.102 Dennoch sind die Listen der barbarischen Gruppen, welche der jeweilige Kaiser besiegt haben will, nicht völlig aus der Luft gegriffen. Die Zuhörer des Vortrags wussten vermutlich das Loblied auf den Kaiser zu schätzen und einzuschätzen. Sie bewunderten die Bildung und Rhetorik des Panegyrikers, der Namen von mythischen und längst untergegangenen Kulturen kannte, legten aber auch Wert darauf, dass er die besiegten Gegner Roms beim Namen nennt. Auch wenn Sidonius sich vorwiegend an Burgundern und Westgoten in seinem unmittelbaren Umfeld abarbeitete, können wir dennoch einige Erkenntnisse über die Franken aus seinen Schriften gewinnen.
In den literarischen Quellen kann man die Prozesse zur politischen Vereinigung protofränkischer Sozial- und Kriegergemeinschaften zum fränkischen Großverband nur schemenhaft erkennen. Umso mehr ist die historische Forschung auf die Ergebnisse der Archäologie angewiesen. Bei der Interpretation ihrer Befunde ordnet diese ihre Ergebnisse in den historischen Kontext ein oder sie interpretiert bereits die Befunde vor dem historischen Hintergrund. In einer historischen Darstellung wie der vorliegenden werden die archäologischen Ergebnisse sodann in eine geschichtliche Erzählung übertragen. Dabei besteht jedoch immer die Gefahr, Zirkelschlüsse zu ziehen oder den Topoi römischer Autoren aufzusitzen. Ferner stimmen die Begrifflichkeiten oft nicht überein: Für Historiker sind Germanen die Nordbarbaren der römischen Kaiserzeit, für Archäologen hingegen der Gegenstand von Praktiken und Kulturen von der vorrömischen Eisenzeit bis zur Spätantike.103 Hier gilt es daher vorab, den Stand der archäologischen Forschung zur Siedlungsgeschichte und zur archäologischen Materialität in den Rheinlanden sowie der relevanten Siedlungsräumen der protofränkischen und der fränkischen Kulturen herauszuarbeiten.
Die frühen Franken werden in der archäologischen Forschung nicht explizit untersucht. Auch ein Handbuch für die Archäologie der frühen Franken ist ein Desiderat der Forschung. Franken und besonders protofränkische Gruppen werden jedoch im Rahmen archäologischer Projekte zu den Germanen oder Barbaren mitbehandelt. Das wegweisende Germanen-Handbuch, das unter Leitung von Krüger in den 1970er-Jahren entstand, ist aber leider ohne Nachfolger geblieben.104 Weitestgehend auf das Staatsgebiet der DDR beschränkt, bietet es den damaligen Forschungsstand der archäologischen Forschung in Ostdeutschland. Der Herausgeber hat im Jahre 2003 noch eine Aktualisierung publiziert, ohne ein räumlich erweitertes Handbuch vorzulegen.105
In der BRD wurde bisher kein vergleichbares Überblickswerk geschrieben. Dafür wurde seit 1973 das von der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen betreute Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA) erstellt und schließlich im Jahre 2008 mit einem Registerband abgeschlossen. Das RGA knüpft dabei an eine erste Auflage aus den 1910er-Jahren des 20. Jahrhunderts an, die von Hoops herausgegeben wurde. Dies erklärt auch den inhaltlich überholten und daher veralteten Titel. Seit 2010 steht auch eine Germanische Altertumskunde in digitaler Form zur Verfügung. Die Online-Version umfasst nicht nur die RGA-Artikel, sondern es werden auch neue Lemmata eingepflegt und bestehende Artikel aktualisiert. Dies ersetzt zwar kein Handbuch, doch aufgrund von Querverweisen vermag man einschlägige Artikel zu den frühen Franken in der Datenbank zu finden.106
Das Werk mit dem Titel »Germanen« aus Sicht der Archäologie von Steuer, dem letzten Herausgeber der RGA, verspricht dem Mangel an einem Handbuch weiter abzuhelfen. Die Anführungszeichen im Titel des 2021 veröffentlichten Bandes zeigen das Problembewusstsein hinsichtlich der begrifflichen Unzulänglichkeit.107 Von einer »germanischen Altertumskunde« würde inzwischen wohl niemand mehr sprechen. Gleichwohl umreißt der Germanenbegriff trotz aller Problematik den Forschungsbereich nach wie vor ganz gut, wenn man berücksichtigt, dass die Germanen eine schematische Kategorisierung griechisch-römischer Autoren sind und man nicht von einem clash of cultures ausgehen darf.108
Auch die in unregelmäßigen zeitlichen Abständen erscheinenden Ausstellungskataloge zu den Germanen bzw. Barbaren geben einen Überblick über die jeweils aktuellen Forschungsergebnisse zur germanischen Archäologie und damit auch zur Befundsituation am Niederrhein in der entscheidenden Phase der Herausbildung eines fränkischen Großverbandes. Ob dies aber 2008 die Ausstellung »Rom und die Barbaren« in Bonn oder 2020 die Ausstellung »Germanen. Eine archäologische Bestandsaufnahme« in Berlin war, die Hinterlassenschaften der frühen Franken werden dargelegt, ohne dass die fränkische Kultur explizit Gegenstand der Ausstellung gewesen wäre.109 So bleibt die Ausstellung »Die Franken – Wegbereiter Europas« im Jahre 1996 die letzte große Bestandsaufnahme, die auf die fränkische Frühgeschichte ausgerichtet war.110 Sie öffnete zugleich den Blickwinkel um eine europäische Perspektive, war doch die französische und deutsche Forschung gleichermaßen an Ausstellung und Katalog beteilig. Der Katalog dokumentiert aber zugleich die unterschiedlichen Meinungen zur ethnischen Interpretation der nordgallischen Reihengräber und den darin gefundenen Grabbeigaben. Einzelne Beiträge stünden trotz konträrer Ansicht kommentarlos nebeneinander und seien symptomatisch für den Stillstand der Diskussion.111 So gehen einige Forscher von einem fränkisch-römischen Antagonismus aus und sprechen von einer fränkischen Invasion, während andere den gegenseitigen Austausch und Transfer der Kulturen hervorheben und einen allmählichen gesellschaftlichen Wandel sehen.112 Dennoch bietet der Katalog eine gute Bestandsaufnahme der archäologischen Ergebnisse. Die Befunde zu den frühen Franken werden etwa im Beitrag von Reichmann dezidiert dargelegt.113
Vom selben Autor stammt auch der instruktive Band Römer und Franken am Niederrhein, in dem die archäologischen Ergebnisse zu den frühen Franken allgemeinverständlich vorgestellt werden.114 Während es hierbei zumeist um die Wohnkultur und Lebensweise der Menschen am Niederrhein geht, befasst sich ein Teil der Archäologie mit den Bestattungsbräuchen der Menschen im Übergang von Spätantike zum Frühmittelalter. Insbesondere über die Bedeutung der Reihengräberfelder wurde und wird weiterhin äußerst kontrovers diskutiert.
Die in der Mitte der 1990er-Jahre festgefahrene Debatte kam dann unter anderem mit den Thesen von Halshall wieder in Bewegung.115 So wurde Böhmes Annahme, der Brauch der Körperbestattung und die typischen germanischen Fibelgräber in Nordgallien seien für germanische Militärs und ihre Angehörigen angelegt worden (sogenannte Föderatengräber), von Halshall ins Gegenteil verkehrt. Die Sitte, einen Leichnam in einer prestigeträchtigen Tracht beizusetzen, sei vielmehr in der Region entstanden und in die Germaniamagna exportiert worden. Die Prunkgräber zwischen Seine und Elbe seien Ausdruck einer neuen regionalen Elite und erlaubten keine ethnische Deutung. Ausgleichende Positionen in der Debatte nehmen Roymans, Heeren und Theuws ein. Die neuen Grabbräuche zeigten eine im Entstehen begriffene Tradition, wodurch sich eine neue gesellschaftliche Gruppe führender Familien von ihrem Umfeld abhebe.116 Immer wieder wurden auch weitere Gegenargument vorgebracht, wie etwa die Verbreitung bestimmter dreieckiger Kämme mit durchlochter Randborte und Futteral.117 Gleichwohl ist auch diese zum Teil polemisch geführte Forschungskontroverse gegen Mitte der 2020er-Jahre an einem toten Punkt angekommen.
Neben den vorgestellten Werken, die eine Synthese des zeitweiligen Forschungsstandes bieten, werden zum Teil die unzähligen Regionalstudien herangezogen. Vor allem die Forschung zum Befund in Krefeld-Gellep sind für das vorliegende Werk sehr aufschlussreich.118
Von den ebenfalls zahllosen Einzelstudien zu den Themenfeldern Identität und Ethnizität seien die Forschungsergebnisse herausgestellt, die von Rummel und Fehr zu den theoretischen und methodischen Voraussetzungen formulierten.119 Von Rummels Verdienst liegt sicher in der erfrischend anderen Sichtweise auf den Habitus militärischer Eliten in der Spätantike, den er auf der Grundlage der Theorie von Bourdieu untersuchte, wohingegen Fehr die ethnische Zuordnung sowie der Abgrenzung germanischer und romanischer Identitäten vor dem Hintergrund einer überzeugenden forschungstheoretischen Analyse diskutiert.
In der jüngeren Forschung setzt sich somit immer mehr die Ansicht durch, dass in Gallien im Allgemeinen und beidseits des Limes am Niederrhein im Besonderen die Bevölkerung in gewisser Weise zwar inkludiert war, aber zugleich auch eine eisenzeitliche Lebensweise nie völlig verdrängt wurde.120 Eine Vorstellung von der Gleichzeitigkeit der germanischen und römischen Kultur setzt sich mehr und mehr durch. Das Fränkische entstand demnach in einem Prozess der Akkulturation von römisch-griechischer Mittelmeerkultur und nordisch-germanischer Kultur. Dabei beschreibt die Akkulturation lediglich diesen Prozess, ohne ihn zu erklären. Die beidseitige Aneignung oder Verwerfung von kulturellen Praktiken ist im Moment, in dem sie beschrieben werden, aber schon wieder vergangen und die Referenzgröße hat sich bereits grundlegend verschoben. Deshalb soll im Folgenden, wie bereits ausgeführt, von systemtheoretischen Inklusions- und Exklusionsmodi gesprochen werden und der Zeitpunkt der Veränderung möglichst präzise in seinem kulturellen und identitätsstiftenden Wert erfasst werden. Wir dürfen nämlich nicht abermals in die Falle laufen, nur die Neuformierung oder Transformation zu beschreiben. Entscheidend sind die Gründe für eine Veränderung. Es sind diejenigen archäologischen Parameter hervorzuheben, welche eine identitäre Veränderung einer sozialen Gruppe hinsichtlich ihrer Handlungsweisen anzeigen. Die feststellbaren Veränderungen der Handlungsweisen, etwa im Siedlungsverhalten, beim Hausbau und bei den Bestattungsbräuchen, deuten auf einen Strukturwandel hin.121 Die in der historischen Überlieferung festgestellten Prozesse werden daher durch eine archäologisch-historische Betrachtung der sich verändernden Strukturen ergänzt.
1Wenn von den frühen Franken die Rede ist, sind damit die sozialen und kriegerischen Gruppen gemeint, die von den antiken Autoren ›Franken‹ genannt wurden. Als Protofranken werden von der heutigen Forschung die Sozialgemeinschaften bezeichnet, von denen wir im Nachhinein wissen, dass sie in einem kulturellen und räumlichen Kontext die Vorgänger der Franken waren. In einer Übergangszeit von ca. 257 – 288 spreche ich von (Proto-)Franken, also von Menschen, die bereits fränkisch waren oder der fränkischen Kultur nahestanden.
2Alle Zeitangaben nach Christus, sofern nicht anders angegeben.
3Zuckmayer 2008, 64 f.
4Vgl. zu den Ursachen Whittaker 1997, 70 – 78. Kultur wird dabei nicht als holistischer Kulturbegriff aufgefasst. Die vielfältigen regionalen Identitäten sind vielmehr prägend für die kulturelle Entwicklung in den Rheinlanden; vgl. Stichweh 2010, 198 – 200.
5Zum sozialen Prozess als Auswahl von Anschlussmöglichkeiten vgl. Luhmann 1984, 191 – 241.
6Zur longue durée vgl. Braudel 1958, 725 – 753; Braudel 1977, 47 – 85; Iggers 1996, 54.
7Daher sind literarisch bezeugte Ereignisse nur selten mit archäologischen Befunden in Einklang zu bringen; vgl. Böhme 1996; van Ossel 1996; Theuws/Hiddink 1996.
8Sozialer Wandel wird hier verstanden als eine Strukturveränderung, die sich nicht ereignete, sondern einstellte; vgl. Luhmann 1984, 481, Anm. 198.
9Zur Datierung der Lex Salica scripta vgl. Ubl 2017, 53 – 66, der auf die sehr dünne Quellenlage hinweist und eine Datierung zwischen 475 und 486/87 für sehr plausibel hält; vgl. ebd., 96.
10Zu »römisch« und »germanisch« als Gegensatzpaar vgl. die Bemerkungen von Fehr 2010, 1 – 16. Zum Germanen- und Barbarenbegriff, die hier nur aus Gründen der wissenschaftlichen Konvention und in Ermangelung eines adäquaten Ersatzbegriffes benutzt werden, vgl. Dopsch 1923, 194 – 199 und Schipp 2009, 271, Anm. 1 mit Literaturhinweisen.
11Vgl. Luhmann 1997, 618 – 634.
12Vgl. Stichweh 2010, 148 – 161; Stichweh 2016, 179 – 188.
13Zur Semantik des Fremden vgl. Stichweh 2010, 75 – 83.
14Vgl. Luhmann 1984, bes. 481 f. Zum hypothetischen Charakter einer Vollinklusion vgl. Stichweh 2016, 73 – 86.
15Zum Begriff Sippe (Clan) vgl. Murdock 1949, 65 – 78, bes. 68. Siehe auch Kap. 6.
16Tajfel/Turner 1986, 15: »We can conceptualize a group [...] as a collection of individuals who perceive themselves to be members of the same social category, share some emotional involvement in this common definition of themselves, and achieve some degree of social consensus about the evaluation of their group and of their membership in it.«
17Vgl. Le Bohec 1996, 88 und Campbell 1994, 9.
18Aristeid. 74 – 78.
19Vgl. Speidel 2009, 529 f. mit der Literatur.
20Vgl. Forni 1953; Mann 1983; Le Bohec 1996, 90; Southern 2007, 131 f.; Kakoschke 2002, 479 – 630.
21Siehe die Quellen bei Campbell 1994, 10 – 45.
22Vgl. Speidel 2009.
23Vgl. Kraft 1951, 21 – 24.
24Vgl. ebd., 51 – 58.
25Vgl. ebd. 1951, 43 – 51.
26Amm. 20, 4, 4.
27So etwa Sarti 2016, 46 f.
28Vgl. zur Inklusion und Exklusion von Gesellschaftssystemen Stichweh 2010; 2016 und zur Kommunikation Assmann 2018.
29Siehe Buraselis 2007; Kuhlmann 1994, 2012.
30Cass. Dio 71, 11, 4 f.; SHA Aurel. 22, 2.
31Beim Begriff Generation folge ich Dilthey 1990, 37, wonach eine Generation ein Kreis von Individuen sei, welche durch Abhängigkeit von denselben großen Tatsachen und Veränderungen, wie sie im Zeitalter der Empfänglichkeit aufträten, trotz der Verschiedenheit hinzutretender anderer Faktoren zu einem homogenen Ganzen verbunden seien. Eine Abfolge der Generationen dauert modellimmanent 30 Jahre lang und deckt sich in der Antike mit einer durchschnittlichen Lebensarbeitszeit des Mannes.
32Zos. hist. 1, 71.
33Zum Akzeptanzsystem grundlegend Flaig 2019.
34Flaig 2005, 3. Vgl. zusammenfassend Jussen 2014a, 35 f.
35Zur Agonie des Kaisertums vgl. die Beispiele von Börm 2013, 94 – 114.
36Vgl. Migl 1994, 39 – 54; Porena 2003, 572; Coşkun 2004, 279 – 286.
37Eus. laud. Const. 3, 6.
38Eus. laud. Const. 3, 4.
39Vgl. Coşkun 2004, 280.
40Cod. Theod. 11, 30, 16 (331). Siehe auch Cod. Iust. 7, 62, 19 (331). Vgl. Jones 1986, 105; Migl 1994, 50. Eine knappe Zusammenfassung der Forschung bietet Brandt 2006b, 35 f.
41Vgl. Jones 1986, 100 – 103; Demandt 2007, 97 f., 293 f. Vgl. zur Abgrenzung der Kompetenzen vom magisterium officiorum Clauss 1981, 116.
42Vgl. Heinen 1985, 324 f.
43Vgl. Münkler 2005.
44Siehe den knappen Überblick über die verschiedenen Arten der Migration von Jussen 2014a, 17 – 19.
45Zu den Funden bronzebeschlagener Militärgürteln östlich des Rheins vgl. Böhme 1996, 98.
46Vgl. die Belege und zu den Problemen der ethnischen Identifizierung Noy 2000 und Kakoschke 2004.
47Cod. Theod. 7, 13, 7 (375). Nach Ammian (15, 12, 3) sind die Gallier besonders für den Kriegsdienst geeignet. Vgl. Wickham 2005, 175 – 177; Sarti 2016, 48 sowie Meier 2019, 599 f. und die Literaturangaben 1254, Anm. 71.
48Der wichtigste Vertreter dieser Theorie ist Hopkins 1978.
49Vgl. Schipp 2023b, 282 f.
50Trotz der Bemühungen um eine regionale Produktion überwiegen bei Weitem die Importe an den Rhein. Vgl. dazu das Resümee von Ehmig 2012, 199 – 213.
51Zum Klima siehe Kap. 7 mit den Literaturhinweisen.
52Siehe die Werke der Autoren im Anhang, Quellenverzeichnis.
53Paneg. 8 (5), 9, 1 – 4; Paneg. 8 (5), 21, 1.
54Vgl. zu Ammian die Kommentare von de Jonge u. a. 1935 – 2018 und die Bibliographie von Jenkins 2017.
55Amm. 15, 9, 5.
56Amm. 17, 8, 3 – 5.
57Iul. epist. 280 A–C.
58Eun. frg. 18, 6 (Blockley).
59Zos. hist. 3, 5 – 7.
60Zu Eunapios vgl. Becker 2013, 353 – 389.
61Jord. Get. 15.
62Symm. epist. 1, 107 und 5, 39. Siehe auch Symm. epist. 7, 57 und 9, 27.
63Vgl. Seeck 1894, 1446.
64Vollständiger Name von Gregors Werk lautet: Zehn Bücher Geschichten (libri historiarum decem). Zu Sulpicius Alexander siehe: Greg. Tur. Franc. 2, 9.
65Vgl. Castritius 2003, 508.
66Greg. Tur. Franc. 2, 8 f.
67Siehe etwa Wood 1994, 31 f.
68Fredeg. 3, 2 – 9 entspricht inhaltlich Greg. Tur. Franc. 2, 9. Vgl. Barlow 1995, 86 – 95.
69Lib. hist. Franc. 1 – 4.
70Zum Beispiel Lib. hist. Franc. 1; Isid. etym. 14, 5, 21.
71Vgl. Hartmann 2004, 213 – 218.
72Neben der Aeneis des Vergil siehe etwa Amm. 15, 9, 5.
73Vgl. Schneider 2001, 10.
74Zum Gesellschaftskonzept Gregors vgl. Heinzelmann 1994.
75Muhlberger 1990, 136 – 192; Burgess 2001, 52 f.; Kötter/Scardino 2017, 1 – 40.
76Vgl. Burgess 2001, 52.
77Vgl. Maenchen-Helfen 1997, 315 f.
78Vgl. Burgess 2001, 52.
79Vgl. Muhlberger 1990, 48 – 55.
80Vgl. Becker/Kötter 2016, 3 f.; Muhlberger 1990, 2.
81Vgl. ebd., 19 f.
82Vgl. ebd., 19; Muhlberger 1990, 273 f.
83Vgl. Burgess 1993, 3 – 6; Cardelle de Hartmann 1994, 1 – 5; Kötter/Scardino 2019, 3 – 7.
84Hydat. 96 (Chron. min. II 22).
85Hydat. 201 (Chron. min. II 31 f.); vgl. Börm 2014, 197 f.
86Vgl. Burgess 1993, 5.
87Vgl. Börm 2014, 201 – 208.
88Cardelle de Hartmann 1994, 63 f. nimmt an, eine erste Fassung der Chronik sei um 420 geschrieben und dann fortgesetzt worden.
89Die Ergänzung des Datums von Burgess 1996 ist allerdings umstritten; vgl. Börm 2014, 200.
90Eigentlich: C. Sollius Modestus Apollinaris Sidonius; zu seiner Person siehe die Selbstaussage: Sidon. epist. 1, 3, 1 und Gregor von Tours: Greg. Tur. Franc. 2, 21. Vgl. zu seiner Person und Karriere noch immer Stroheker 1948, 217, Nr. 358.
91Zum Großvater siehe Stroheker 1948, 145, Nr. 20. Der Vater wird erwähnt in: Sidon. epist. 5, 9, 2 und 8, 6, 5.
92Sidon. epist. 8, 6, 5.
93Sidon. epist. 4, 17, 1. Vgl. Amory 1994, 446, Anm. 70; Eigler 2013, 402 f.; Meurer 2019, 199 f.
94Zum Barbarendiskurs vgl. Egetenmeyr 2022, 30 – 48. Siehe auch Epist. austr. 23, 135 – 137.
95Vgl. Amory 1994, 453.
96Egetenmeyr 2022, 140. Siehe auch Egetenmeyr 2021, 133 f.
97Ständig aktualisierte Sammlung der Literatur: https://sidonapol.org [08. 07. 2025]. Das Projekt beruht auf der Vorarbeit von Gavin Kelly (Edinburgh) und Joop van Waarden (Nijmegen).
98Meurer 2019; Hess 2019 und Egetenmeyr 2022, um nur die jüngsten deutschsprachigen Monographien zu nennen; siehe aber auch Fascione 2019.
99Den Anstoß gab von Rummel 2007.
100Zur Obskuritas in den Briefen des Sidonius siehe Schwitter 2015.
101Sidon. carm. 5, 212 und 7, 42; 114; 236; 246; 372 f.; Sidon. epist. 4, 1, 4.
102Sidon. carm. 7, 319 – 328.
103Vgl. Brather 2020, 412.
104Krüger 1986.
105Krüger 2003.
106Vgl. auch Fehr 2010, 660 f.
107Vgl. Steuer 2021, 28 – 63.
108Vgl. Brather 2020, 413 f.
109Frings/Willinghöfer 2008; Wemhoff u. a. 2020.
110Wieczorek u. a. 1996.
111Vgl. Fehr 2010, 664.
112Vgl. ebd., 664 – 669.
113Reichmann 1996.
114Reichmann 2014 mit Literaturhinweisen.
115Halsall 1992, 1995, 2000, 2007, 2009, 2013, 2014.
116Vgl. Steuer 2021, 1167 f.
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