Frühgeschichte des Geschlechts Altermatt - Rolf Wirz - E-Book

Frühgeschichte des Geschlechts Altermatt E-Book

Rolf Wirz

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Beschreibung

Der vorliegende Bericht zeichnet aktengestützt die frühe Spur des Geschlechts Altermatt nach. Seine Wurzeln lassen sich auf um 1500 in die Schweiz eingewanderte Bauleute und Steinmetze aus dem fast südlichsten italienisch-piemontesischen Walsergebiet Prismell zurückführen. Nach altem Wissen war das Geschlecht in Solothurn plötzlich aufgetaucht, von wo aus es eine beispiellos reiche Bautradition verbreitet hatte. Auch war es zahlreich vor allem in Frankreich in den höheren militärischen Solddienst-Offiziersrängen vertreten, bis in die Generalränge. Es gab dort mehrere Feldmarschälle. Die Frühgeschichte war bisher in vieler Hinsicht unbekannt. Doch der Autor hat nun die Prismeller Oltermatt wieder entdeckt. Man wusste vorher nur von den vielen Baumeistern oder Steinmetzen und den höheren Offizieren, vor allem vor Napoleon. Jetzt sind viele alte Details wieder sichtbar geworden...

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Seitenzahl: 161

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Zu Edition 1:

Mit Dank an Liliane Müller-Hänggi und Rolf Hallauer (GHGRB) für ihre Unterstützung mit Material und Hinweisen – sowie an meine Familie für die auf - gebrachte Geduld und die Durchsicht des Manuskripts.

Zu Edition 2:

Ebenso geht ein großer Dank an Alfons Lurz (Historiker) für seine Begleitung beim körperlich anspruchsvollen Aufstieg ab Alagna zur „Oltermatta“ und seine wertvollen fachlichen Hinweise beim Erkunden des „alten Prismells“. Auch geht wiederum ein großer Dank an meine Gattin Danielle für die akribische Durchsicht des Manuskripts.

Gewidmet den geneigten Lesern. Und auch allen Abwesenden, von diesem Stoffe Betroffenen. Mögen sie dazu einen Zugang finden!

Inhaltsverzeichnis auf Seite →

Besitzrechtserklärung zum vom Autor behandelten Stoff: Dieses Buch ist 2023 (Ed. 1) und 2024 (Ed. 2) auf der Grundlage von Datenmaterial aus dem Besitze des Staatsarchivs Solothurn (CH), der Zentralbibliothek Solothurn (CH), von Mitgliedern der Genealogisch-Heraldischen Gesellschaft der Regio Basel (Z:GHG) sowie von öffentlich rechtlichen Körperschaften wie z.B. Gemeinden der Schweiz entstanden (siehe Literaturverzeichnis), welche ihre Daten-Besitzrechte wahren und diese als Besitzer von Arbeitsversionen des behandelten Stoffs infolge Mitarbeit zwecks Kontrolle der Behandlung der Daten ihres öffentlichen Charakters wegen nicht an den Autor abgetreten haben, da solches dem gel - tenden Recht betreffend diese Daten widerspricht. Was in den Besitz des Autors fällt ist die explizite Form der Darstellung der Daten mit ihrer Interpretation, jedoch nicht der Inhalt. Der Autor hat nur Daten behandelt, welche nach bei der Bearbeitung des Stoffes geltendem Schweizer Recht im Besitz des Staates oder öffentlich rechtlichen Körperschaften sind.

Abstract

Nach der Entdeckung der Oltermatt wird in diesem Bericht zuerst die Frage untersucht, was Prismell einmal gewesen war. Dabei handelt es sich um eine alte Walser-Pfarrei, welche heute quasi identisch ist mit der politischen Gemeinde Alagna ganz oben im Valsesia in Piemont, früher dem Herzogtum Mailand eingegliedert. Dort hatte man bereits zur Römerzeit Bergbau betrieben, gefolgt von der späteren Gewinnung von Steinen für den Bau von Kathedralen. Talabwärts stößt man auf Weltkulturerbe, welches schon früh die Basis für die Heranbildung auserlesener Bauleute war, die in großer Zahl ab ca. 1480 auch in die Schweiz eingewandert waren. Ihre Steinmetzzeichen oder Wappen weisen oft auf Prismell. So auch beim Geschlecht der Altermatt von Solothurn in der Schweiz, vormals eine freie Reichsstadt. Weiter wird hier gezeigt, wer die Ahnen dieses Geschlechts waren, welche damals Bürger dieser Stadt geworden sind. Ebenso: Wie sich ihr Name Altermatt in Solothurn gebildet hatte, wie die Nachkommen sich von dort aus mittels des Bauwesens u.a. ins Falkensteiner-Gebiet und weiter verbreiteten und was sie an kulturell bedeutenden Bauwerken hinterlassen haben. Neben seiner Jahrhunderte langen Bautradition hatte dieses Geschlecht mit seinen vielen Klerikern auch durch seine stattliche Anzahl höherer Offiziere, vorab in französischen Solddiensten, Aufmerksamkeit angezogen, womit man sich im Ancien Régime auch in den Adelsstand ausgedehnt hatte. Bekannt sind ein Kommandant der päpstlichen Schweizergarde in Rom, drei Feldmarschälle und andere militärische Größen. Noch vor Napoleon hatte ein Oberst Altermatt das damalige Gebiet des Standes Solothurn trianguliert und erstaunlich exakt kartographiert, eine Pionierleistung vor 1798. So entstand eine ziemlich landschaftstreue und eigenständige, schöne Karte (1:40 000) [SAS]. Auch ist es in diesem Bericht gelungen, die Verhältnisse bei den Altermatts vor der Taufbuchzeit soweit überliefert zu klären, ihre verwandtschaftlichen Beziehungen zu erhellen und bisherige Lücken zu schließen, wobei es in der 4. nachgewiesenen Einwanderergeneration infolge des vorhandenen Zeitrahmens nicht möglich war, alle Personen exakt einzelnen Mitgliedern der 3. Generation zu zuordnen. Jedoch sind die Zuweisungen der Mitglieder der 4. Generation zu jenen der 2. Generation weitgehend geklärt, so dass prinzipiell bis auf eingegrenzte Möglichkeiten eine Struktur erscheint. Dabei konnten auch einige Überraschungen der Vergangenheit entlockt und zu kleinen Geschichten verfestigt werden. Dank dem Vorhandensein von Kirchenbüchern ist nun der Anschluss bereit für die Erforschung der einzelnen brach liegenden Zweige von jenen ersten Ahnen bis heute, sofern dafür Interesse besteht. Resultate solcher Initiativen liegen schon vor, z.B. im Falle der Rodersdorfer-Linie bei Protasius oder mit dem Stammbaum mit der Linie der Mühlen-Altermatt im Zentrum aufgrund einer Investition der Gemeinde Nunningen (erhältlich dort im Dorfmuseum). Sehr interessant sind vor allem die detaillierten Einblicke ins damalige Leben. Zudem trifft man beim Thema dieses Berichts auf eine sehr komplexe Situation, welche sich nicht kurz und gleichzeitig auch noch seriös abhandeln lässt, weil sie in jedem Falle einen den durch die Sache induzierten Bedürfnissen angemessenen Raum erfordert.

Edition 1: 1. Mai 2023

Edition 2 umfasst neu einige Ergänzungen und Präzisierungen zu Edition 1. Ein zweiter Augenschein vor Ort in Varallo, Alagna, Riva und neu auf dem Olter hat Früchte getragen. Dadurch wurde es möglich, erweiterte Erkenntnisse und einschlägiges Bildmaterial zu gewinnen, letzteres um dem Leser einen vertieften anschaulichen Einblick zu vermitteln. Das hat den Stoff des Kapitels 4. und des Anhangs (exklusive neue Auslagerungen) um etwa 26 Buchseiten verlängert.

Edition 2: 10. Juli 2024

Zum Autor

Der Autor hatte sich schon seit seiner Jugend, angeregt durch seine Umgebung, mit Problemen der Genealogie beschäftigt. Dieses Unterfangen intensivierte sich dann durch eine von ihm initiierte Sippenanalyse des Geschlechts der Basler Wirz oder (bis 1832) Wirtz. Seine Berufstätigkeit hingegen war eine ganz andere: Bis zur Pensionierung war er als Prof. für mathematische Fächer mit der Ausbildung von Ingenieuren aller Art an einer Schweizer Fachhochschule beschäftigt, wo er zudem in großem Umfang Lehrmaterial veröffentlichte. Dieser Tätigkeit vorausgegangen waren Jahre der Forschung (Universität und Pharmaindustrie), der Entwicklung (Informatik und Maschinenbau) sowie der Lehrtätigkeit (gymn. Oberstufe und Hochschulstufe). Daneben hat er sich sein Leben lang mit speziellen Gebieten der Philosophie, Geschichte, Kultur, bildenden Kunst und Literatur auseinander gesetzt.

Inhaltsverzeichnis

Abstract

Zum Autor

Teil 1: Prismell-Frage und kulturelle Highlights

1.1. Interesse-Erweckung an den Ur-Altermatts

1.2. Was man schon lange etwa „gewusst hatte“

1.3. Augenschein in Varallo, Alagna und Riva

1.4. Konfrontation mit Steinmetzzeichen und Wappen

1.5. Gründe für den Auszug der Walser aus Prismell

1.6. Ein „Architekturhighlight“ in Solothurn

Teil 2: Von den Prismeller Murern zu den Altermatt

2.1. Probleme, Methode und Datengewinnung

2.2. Gibelin-Zeit, Melchior und die Oltermatt

2.3. Altermatt-Zeit: Johann und Ulrich

2.3.1. Ulrich, Uli oder Ulli und der Name Altermatt

2.3.2. Alternative Deutungen

2.3.3. Johann oder Hans

2.3.4. Konsequenzen für Hans 1 und 2, „Murer von Balsthal“

2.3.5 Lizebrüder und Murer

2.4. Stammbäume von Ulrich und Hans mit Lücken und Abbrüchen

2.5. Taufbücher und endgültige Fixierung der Geschlechtsnamen

2.6. Zum Vergleich: Kunst in Prismell zu dieser Zeit

Teil 3: Schließung von Vortaufbuchzeit-Lücken

3.1. Die Nachkommen des Hans und ihr Verhältnis zu Ulrichs Söhnen

3.1.1. Ehebuch in Solothurn

3.1.2. Schuldbriefe und Beilbriefe in Falkenstein

3.1.3. Leben um 1600 bis zu den Kirchenbüchern in Balsthal

Teil 4: Taufbuchzeit und Ausklang

4.1. Zu Beginn des dreißigjährigen Krieges

4.2. Einige denkwürdige Begebenheiten

4.3. Rückblende, Trost und Makroskop

4.4. Zum Problem der Verlässlichkeit von Quellen

4.4.1. Verlässlichkeit von Sekundärliteratur – Quellenverlust

4.4.2. Steigerung der Verlässlichkeit von Quellen durch Kombination

4.5. Erweiterungen des in Ed.1 behandelten Rahmens

4.5.1. Varallo und die Erkundung der „Olter matta“ 2023

4.5.2. Erkenntnisse von der Oltermatt – und die „olti Zyt“

4.5.3. Besitzverhältnisse und Besiedlung im Mittelalter

4.5.4. Vergleich ähnlicher Prismeller Wappen oder Zeichen

4.5.5. Wappenvergleich und Kirchgemeinde Prismell

4.5.6. Grundlagen des Wappenrechts

4.5.7. Gespaltener Fuß für Zwillingssteine – oder Bergkreuz?

4.5.8. Mögliche alternative Deutung des Spreizfußes

4.5.9. Zum Wappen von Hans Gibelin (1616)

4.5.10. Zum Namen „Gibelin“

4.5.11. Zum Wappen von Jacob Altermatt (1610 oder 1616)

4.5.12. Zum Wappen der Bodmer im Museum von Alagna

4.5.13. Zum Problem der „Matter von Engelberg“

4.5.14. Zum Wappen von Melchior Ruffiner und weiteren

4.5.15. Ausblick

Anhang 1: Quellen, Abkürzungen, Bildrechte

Anh. 1.1. Quellenverzeichnis und Abkürzungen

Anh. 1.2. Bilder, Bildrechte und Freigabe

Anh. 1.3. Anmerkung zu einer umstrittenen Textstelle

Anh. 1.4. Link zu neusten Entdeckungen, die den Stoff des Buches „Frühgeschichte des Geschlechts Altermatt“ betreffen

Anhang 2: Stammbaum in Tabellenform

Teil 1: Prismell-Frage und kulturelle Highlights

1.1. Interesse-Erweckung an den Ur-Altermatts

Mein Großvater Johann Altermatt hatte mir in meiner frühen Jugend einmal erzählt, das Geschlecht Altermatt sei aus Österreich eingewandert. Das wäre in der Familie bekannt. Mehr wusste er dazu nicht. Doch weckte er damit mein Interesse. Im Rahmen späterer Nachforschungen stieß ich dann auf einen Artikel von Urs Altermatt im historischen Lexikon der Schweiz. In diesem Artikel steht, dass dieses „Solothurnische Altbürgergeschlecht mit einzelnen Zweigen von patrizischem Range“ wahrscheinlich aus den Walser-Siedlungen Alagna und Riva, Prismell genannt, ein Ort im nordpiemontesischen Valsesia (walserdeutsch Tseschrutol), stammt. Von dort seien sie in die Schweiz eingewandert und als Baumeister, Steinmetze, Bildhauer tätig gewesen. In Solothurn stellten sie mehrere Stadt-Werkmeister. Stammvater sei ein „Hans Murer von Balsthal“. Von dessen Nachkommen haben sich die Brüder Hans und Ulrich 1560 in Solothurn eingebürgert. Wegen der berufsbedingten Mobilität sei die weit verzweigte Gruppe mit ihren Werken noch wenig erforscht. Als Werke aufgeführt werden: ab 1594 das Konvent-Haus des Klosters Beinwil, Arbeiten am Kapuziner Kloster Solothurn und am Kornhaus Dornach-Brugg, das Portal und die Wendeltreppe am Rathaus Solothurn (heute ein Architekturhighlight, abgebildet im neuen Schweizer Pass), die Kreuzen-Kapelle bei Solothurn, die Klosterkirche Mariastein sowie ein Brunnen im Münster von Freiburg im Breisgau. Nach dem 30-jährigen Krieg soll dann angeblich die Bautradition abgebrochen sein (auf den Krieg folgte bekanntlich eine Wirtschaftskrise mit „Bauernkriegen“). Dafür stiegen bald einige Zweige in die Solddienstaristokratie auf. Genannt werden stehende Truppen in Frankreich, mehrere höhere Offiziere, Generäle, darunter drei Feld-Marschälle (einer davon nach einer ETH-Publikation sogar Maréchal de France). Typisch sei für die Solothurner Altermatt gewesen, dass sie mehrheitlich nicht in der Stadt lebten und daher an der Politik wenig Anteil hatten. Ein anderer Zweig erwarb eine ganze Kette von Mühlen in der Nordwestschweiz sowie Gast- und Gutshöfe [Z:WMN]. So bildete man dort die ländliche Oberschicht. Weiter werden Kleriker und Amtspersonen genannt. Dazu Links zu speziellen Artikeln über fünf ausgewählte Altermatts. Nach der Lektüre fand ich mich dann aber ziemlich alleine gelassen mit einem ganzen Bündel von offenen Fragen, welche mich sehr interessierten. So begann ich Antworten in Originalquellen zu suchen, da ich solche in der Sekundär-Literatur nicht finden konnte. Fragen:

A) Wo findet man größere Mengen Datenmaterial zur Geschichte der Altermatts?

B) Was ist genau Prismell, wo liegt Alagna und was sind die Randbedingungen dort, welche Nahrung für eine so unvergleichlich ausstrahlungskräftige Baukultur geboten hatten?

C) Was waren die Bedingungen und wer waren die Steigbügelhalter für solche beispiellose einzelne Karrieren? Waren es Seilschaften? Und wie wandelt man sich von Walsern, von Hochalpenbewohner in Werkmeister von freien Reichsstädten? Wie passt das alles logisch zusammen?

D) Wie verlief die bis anhin noch nicht aufgearbeitete und daher weitgehend unbekannte Vorgeschichte der Altermatts bis zum je nach Ort zeitlich unterschiedlichen Auftauchen der Kirchenbücher kurz vor oder nach 1600?

E) Was ist für uns davon, die Zeit überdauernd, übrig geblieben?

1.2. Was man schon lange etwa „gewusst hatte“

Betreffend Vorkommen der Altermatts, statistisch erfasst aufgrund von aktuell registrierten Telefonanschlüssen (2023), kennt man die folgende Reihenfolge:

1. Die meisten Personen mit diesem Namen wohnen im Kanton Solothurn in der Schweiz.

2. Die zweithöchste Anzahl findet man im Elsass, heute in Frankreich.

3. Und die dritthöchste Anzahl stellen wir in Michigan, USA, fest.

4. Weitere Altermatts lassen sich an vielen andern Orten auf dem Planeten entdecken, total ca. 560 in mindestens 14 Ländern (lokalisierbar im Internet). Im Valsesia (Provinz Vercelli, Region Piemont) findet man jedoch keine! Auf größere Datenmengen zu diesem Geschlecht stieß ich in folgenden Werken (interessant auch für Familienforscher):

Solothurnische Geschichte Bde. 2 - 4 (herausgegeben vom Regierungsrat des Kantons Solothurn) [SGE]. Dieses Werk bietet vor allem Information über die militärische Seite der Altermatts, vor allem zu ihren Erfolgen.

Allgemeines Künstlerlexikon (online, Internet-DB, de Gruyter / Sauer) [AKL]. Hier findet man 18 Artikel zu „Künstlern“ mit dem Namen Altermatt, dazu zwei weitere Artikel zu Bezugspersonen dieses Geschlechts. Die meisten lebten vor 1800. Auch fand ich dort Fehler.

Die Kunstdenkmäler der Schweiz, Bde. 1 - 5 zum Kanton Solothurn, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (auch online / das umfassendste kultur- und kunstgeschichtliche Werk der Schweiz) [GSK]. Der Name Altermatt wird in diesen 5 Bänden über 160 mal genannt! Meiner - seits war das die allergrößte Überraschung.

6 Artikel zum Thema Altermatt im Historischen Lexikon der Schweiz (Internet) [HLS].

Werke von Protasius, Cap. (F. J. Wirz), Werkteil zu den Altermatt von Solothurn, Staatsarchiv Solothurn, siehe auch [PWA]:………………………

https://www.e-periodica.ch/cntmng?pid=fsj-002:1963:30::219

.

Stammbäume der Altermatt im Hist. Familien-Lexikon der Schweiz (Internet, HFLS [HFL]), dort suche man unter Information, Solothurn, Altermatt. – Die Einträge sind vermutlich weitgehend korrekturlos (inklusive Fehler) dem Werk von Protasius entnommen [PWA]).

Stammbaum der Altermatt, Dorfmuseum Nunningen, beginnend mit Wolfgang Altermatt, Eheschließung am 15.11.1615. Ein Sohn erwirbt 1659 die Engi-Mühle in Nunningen [SAN] (Beginn der „Müller-Dynastie“).

1.3. Augenschein in Varallo, Alagna und Riva

Mit den letzten Einwanderern aus Prismell und deren Kontakten dorthin erlosch in der Schweiz nach dem dreißigjährigen Krieg wohl die Erinnerung an den Begriff „Prismell“. Selten jemand fragte noch danach. Und wenn dennoch, so verwechselte man Prismell mit Domodossola oder anderen bekannten Orten – oder man behielt sein Wissen bedeckt. Bis in die zweite Hälfte des letzten Jahrhunderts, als die Frage bei einer Kirchenrenovation wieder laut gestellt wurde. Doch über die Herkunft des Namens „Prismell“ war öffentlich immer noch wenig bekannt.

Um bei meinen Fragen weiter zu kommen sowie Informationen sammeln zu können, beschloss ich 2022, eine Entdeckungsreise mit Familie nach Alagna (walserisch „A Land“, „Im Land“ oder „Lannja“) und Riva („Rifu“) zu planen. Mit Halt in Varallo (walserisch Varal oder Varall, ein Städtchen mit altem Markt), dem kulturellen und religiösen Hauptort des oberen Valsesias. Von diesem Ort erhoffte ich Aufschluss über die Frage, wo und wieso damals oben in diesem Tal erstklassige Bauleute ausgebildet worden waren, Walser, welche nach ca. 1500 in Scharen in die Schweiz eingewandert waren. Denn ich hatte gelesen, dass der in Varallo existierende Sacro Monte, ein Höhenheiligtum mit Kathedrale, als das überragende Musterbeispiel für weitere danach errichtete Sacri Monti in Norditalien, zusammen 9 solche, 2003 ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen worden war. Damals musste in Varallo also überaus ausgiebig gebaut worden sein, was es vielen, bei der damaligen real vorhandenen Zukunftslosigkeit der Jungend, ermöglicht haben musste, den Franziskanern sei Dank, dort eine Baulehre zu machen. Was war da geschehen?

Auf päpstlichen Erlass und die Initiative des Franziskaners Bernard Caimi aus Mailand (vormals Botschafter oder Wächter des heiligen Grabes in Jerusalem) entstand dort ab 1486-1493 die Kirche mit Franziskanerkloster (Bettelmönche) Santa Maria delle Grazie, heute ein Ort der Kunst. Und ab 1486/91/97 wurde der Sacro Monte errichtet, ein außerordentliches, weit ausstrahlendes Kunstimpulszentrum. Denn man baute da nach dem Fall von Konstantinopel (1454) wegen der dadurch bedingten quasi-Unerreichbarkeit der heiligen Städte in der Levante, ein neues Jerusalem (inkl. Bethlehem, Nazaret und Kalvarienberg), mit über 800 überlebensgroßen bemalten 3D-Figuren aus Holz oder Terrakotta und ca. 4000 Kunstwerken, 45 Sakralbauten (Kapellen / Kathedrale), das Wesentliche innerhalb von etwa 180 Jahren! Die erste dort fertiggestellte Kapelle (1486) war jene mit dem heiligen Grab. Danach muss daneben die mit der Kreuzigung (Kalvarienberg) gebaut worden sein. Wie schon beim Dombau zu Mailand und der Certosa di Pavia (Grablege der Herzöge von Mailand) holte man wohl wieder Baumaterial in Alagna, dem Ort welcher seit dem alten Rom Bergbauplatz mit Gold-, Silber-, Kupfer- und Manganminen sowie Mineralabbau und Steinbrüchen gewesen war. Dort hatte man seit Jahrhunderten gelernt die Steine technisch geschickt, effizient und exakt zu bearbeiten, um nicht zu viel überflüssiges Gewicht transportieren zu müssen. Sonst hätte der Export nicht funktioniert. In der Folge gab es viele herausragende bekannte Künstler, welche aus Alagna stammen. Beispiele aus nach-gotischer Zeit für Baumeister, Architekten, Bildhauer: Ulrich Ruffiner, Daniel Heintz der Ältere, Anton Isemann und viele andere. Dann Maler: Giovanni und Melchiorre d’Enrico (Hainrichs, Name er - wähnt im 1. Taufbuch von Prismell schon in den ersten Jahren), Tanzio da Varallo (Antonio di Giovanni D’Henricis (d'Enrico), wiederum Hainrichs), usw. Und man weiß auch, dass man damals einige herausragende Bauleute oder Künstler auch aus der Mailänder Dombauhütte nach Varallo geholt hatte. So etwa Gaudenzio Ferrari (gilt als Leonardo-Schüler). Dank Google kann heute fast jede Person diese Dinge bequem von zuhause aus finden und genießen. Doch gibt es immer noch wesentlichste Dinge, welche man nur erfahren kann, wenn man in den Ort selbst hin reist.

So erstaunte es mich, dass in Varallo – wie später auch in Alagna – noch niemand je den Namen „Altermatt“ gehört hatte. Auch der Name Prismell war in Varallo durchwegs unbekannt. Mit einer Ausnahme: Eine Buchhändlerin erinnerte sich, dass sie ein Buch im Regal hinten habe, auf welchem sie diesen Namen im Titel gesehen hatte. Sie holte es: Ein Werk über ca. 100 Baumeister aus „Prismell“, wel - che zwischen 1490 und 1699 (entspricht etwa der Bauzeit des Sacro Monte in Varallo) in die Schweiz ausgewandert waren – und allergrößte Leistungen vollbracht hatten. (Inzwischen hat, vielleicht wegen gemachtem Lärm, die Anzahl der deutschsprachigen Internetseiten zum Begriff „Prismell“ zugenommen.) So kam ich dort unerwartet in den Besitz wichtigster Basisliteratur [IMP, DCD, DIA].

Das Problem: „Prismell“ ist kein italienischer, sondern ein walserischer, also ein höchst- resp. ober-hochalemannischer Begriff. Er hat mit der uralten Ortsgeschichte der heutigen Gemeinde Alagna zu tun, in einem Gebiet, in welchem das vormals dominante Walserische nun am Aussterben ist, wie heute auch das Deutsch im Elsass. Prismell geht auf „Pietre Gemelle“ zurück, die ital. Bezeichnung der ersten, alten Kirchgemeinde im oberen Sesia-Tal (erstmals dokumentiertn 1217 [Z:ASO]), gebildet aus ca. 52 Weilern, mit den Weilern Riva und gleich weiter oben Alagna als Zentrum, welche Kirchen besitzen. Die andern haben bloß Kapellen, manchmal eine für mehrere Weiler. Pietre Gemelle (ital.) bedeutet übersetzt Zwillingssteine, ursprünglich angeblich wegen Siedlungen bei zwei Felsblöcken. Dann vielleicht auch wegen den beiden Kirchen in Alagna und Riva – oder den beiden Besitzer-Klöstern – oder den dort gesprochenen Sprachen Walserisch und Italienisch oder den weltlichen und kirchlichen Landesherren usw. Im Walserischen wurde dies dann zu "Pietriszumellis" (Mellis ist die schon vorher existierende alte Nachbargemeinde Mollia unterhalb von Riva), woraus als Abkürzung Prismell (Pietriszumellis) geworden ist. Ein Wort, das schon früher in Italien praktisch keiner kannte, von den hier in der Schweiz eingewanderten Walsern aber immer wieder als ihren Herkunftsort genannt worden war, auch verbrieft. Denn die kleinen Weiler oder Weilergruppen waren keine politischen noch waren sie je kirchliche Gemeinden gewesen, sondern sie waren Sippenzentren.

Obwohl es in der Gegend seit der Römerzeit Minen oder Bergbau gab und noch gibt, wurde zwecks landwirtschaftlicher Nutzung erst der Weiler Alagna seit dem 12. Jahrhundert von Walsern besiedelt. Die Landesherren waren damals auch an der Besiedelung höherer Lagen interessiert, denn mehr Menschen bedeutet mehr Produktion und daher mehr Einkünfte und Soldaten. Um dazu erfahrene Walser in die zwar im Sommer vorteilhafteren, im Winter aber ungemütlichen Hochlagen anzulocken, versprach man diesen vererbbare Lehnverträge resp. Freiheitsbriefe. So waren sie dann freie Menschen, hatten Freizügigkeitsrechte, waren nicht Leibeigene, schollengebunden, welche sich erst loskaufen mussten oder welchen man dies verwehren konnte. Sie konnten daher frei in die heutige Schweiz auswandern und taten dies dann auch in Scharen. Die Prismeller hatten so auch schon im 15. Jahrhundert das Recht der freien Pfarrwahl zugesprochen bekommen (vielleicht auch im Zusammenhang mit dem Schwur der Treue der Valsesianer zu Filippo Maria Visconti, Herzog von Mailand, 1415). Prismell besaß auch – seit man es abschätzen