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Walter ist 17 und in der Lehre als er - zunächst zum Reichsarbeitsdienst - dann zur Wehrmacht eingezogen wird. Er schreibt an seine Eltern in Kassel. Seine wenigen erhaltenen Briefe geben vor dem Hintergrund des Kriegsgeschehens des Jahres 1944 einen Einblick in die Erlebnisse von Walter.
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Seitenzahl: 29
Veröffentlichungsjahr: 2024
Vorwort
Januar
Februar
März
April
Mai
Juni
Juli
August
September
Oktober
November
Dezember
Nachwort
Die Familie
Quellen
Anhang
Der 2. Weltkrieg hat Narben hinterlassen, in vielen Familien, über die Generationen hinweg. Wie viele Menschen in der Zeit des Nationalsozialistischen Regimes verfolgt und getötet wurden ist unfassbar und diese Schuld wird immer bleiben.
Die Kriegstoten in allen Ländern, ob Zivilisten oder Soldaten machen den 2. Weltkrieg zu einer - von Deutschland verschuldeten - globalen Katastrophe. Auch die deutsche Bevölkerung hat gelitten, aber nicht alle Zivilisten waren nur Opfer, so wie nicht alle Soldaten nur Täter waren.
Mit dem Abstand von fast achtzig Jahren sehe ich in Walter einen Jungen, der Sohn und Bruder war und nie die Chance hatte erwachsen zu werden. Der Jahrgang 1926 wurde ab Dezember 1943 voll einberufen, Walter war da 17, er starb mit 18. Wenig aus seinem kurzen Leben hat die Zeit überdauert, er schreibt an seine Eltern Johann und Elise nach Kassel. Die Briefe unterlagen der Zensur und sollten „heroisch“ sein. Er schrieb aber auch wissend, dass seine beiden älteren Brüder Ludwig und Werner auch im Kriegseinsatz waren. Kassel war seit 1943 bereits stark zerstört und wurde aufgrund der ansässigen Rüstungsindustrie weiterhin angegriffen.
Die Briefe sind Zeitdokumente, die Schreibweise wurde übernommen, heute ungebräuchliche oder unklare Begriffe werden im Anhang erläutert. Jeder Monat des Jahres 1944 beginnt mit einigen Kriegsereignissen in Stichworten (Quellen 3 und 4), ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Jedem Brief wird die Schlagzeile einer Tageszeitung vorangestellt (Quellen 1 und 2).
Ein sich Erinnern ist zugleich auch die Mahnung, wohin rechtsextremes Gedankengut führen kann und Deutschland bereits geführt hat.
Für Elke und Uwe Walter Ludwig
Anja Staab
Walters Eltern Johann und Elise Damm bei der Hochzeit 1907
2.: schwerhtml er Luftangriff der britischen Luftwaffe auf Berlin
14.: Beginn des erfolgreichen sowjetischen Angriffs auf den deutschen Belagerungsring um Leningrad
20., Kassel: In Kassels einziger noch erscheinender Tageszeitung, der „Kurhessischen Landeszeitung“, ist zu lesen, dass der Reichspostminister „zur schnellen und richtigen Beförderung“ die Postleitzahl eingeführt hat. Kassel gehört zum Postleitgebiet 16
21./22.: Beginn des Unternehmens Steinbock der Luftwaffe, das bis zum 29. Mai wieder eine Verschärfung der Luftangriffe auf London und andere englische Städte zur Folge hat
22.: Alliierte Verbände landen in Italien südlich von Rom überraschend im Rücken der deutschen Frontlinie und bilden dort einen Brückenkopf
Elise und Walter
7. - 27.: eine Serie sowjetischer Luftangriffe auf Helsinki mit über 2000 Bombern
8.: Die alliierten Planungen zur Operation Overlord, der Landung in Nordfrankreich, sind abgeschlossen
Ludwig und Walter
Dienstag, 15. Februar 1944
„Anhaltende harte Kämpfe im Osten - Eindrucksvoller Abwehrerfolg“ (Quelle 1)
Liebe Eltern!
Amsterdam, den 15.2.1944
Wir müssen heute unsere Koffer fertigmachen und werden sie wohl bald hier abschicken. Ich will deshalb diesen Brief in den Koffer legen. – Ich schicke alles, was ich nicht unbedingt hier benötige wieder nach Hause, damit ich mich nicht mit unnötigem Zeug abschleppen muß.
