1,99 €
Partyprinz Philipp von Guldenburg soll endlich Verantwortung übernehmen. Um sein schlechtes Image loszuwerden, soll er mehr öffentliche Termine wahrnehmen und sich engagieren. Ein erstes Praktikum führt ihn zu der Stiftung Wasser für die Welt, in der sein Vater Vorstandsmitglied ist. Dort trifft er auf Paula Gräfin von Hohensee, die ebenfalls dem Vorstand angehört. Der Prinz ist fasziniert von der reiferen, selbstbewussten Frau und verliebt sich auf den ersten Blick in sie. Die geschiedene Paula hingegen geht auf Philipps Flirtversuche zunächst nicht ein, denn sie kennt seinen Ruf - und außerdem ist er zwölf Jahre jünger als sie!
Doch Philipp bleibt hartnäckig. Schließlich lässt sich Paula zu einem Abendessen überreden. Sie muss sich eingestehen, dass der Prinz ihr Herz höherschlagen lässt. Je mehr Zeit Paula mit Philipp verbringt, desto mehr erkennt sie, dass sein Ruf ihm nicht gerecht wird. Auch er ist auf der Suche nach der wahren Liebe. Paula will Philipp eine Chance geben, doch immer wieder überkommen sie starke Zweifel. Was ist, wenn er sie für eine jüngere Frau verlässt, so, wie es ihr Exmann getan hat? Daher entschließt sich Paula, die Affäre geheim zu halten. Zu viel steht auf dem Spiel. Ihr Herz, ihre Gefühle, ihr Ruf. Philipp ist verletzt, er möchte keine Heimlichtuerei. Er stellt ihr ein Ultimatum: Entweder eine offizielle Beziehung oder gar keine ...
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 143
Veröffentlichungsjahr: 2021
Cover
Unsere starke Liebe
Vorschau
Impressum
Unsere starke Liebe
Wie Paula lernt, dem zwölf Jahre jüngeren Prinzen zu vertrauen
Von Anna Zweig
Partyprinz Philipp von Guldenberg soll endlich Verantwortung übernehmen. Um sein schlechtes Image loszuwerden, soll er mehr öffentliche Termine wahrnehmen und sich engagieren. Ein erstes Praktikum führt ihn zu der Stiftung Wasser für die Welt, in der sein Vater Vorstandsmitglied ist. Dort trifft er auf Paula Gräfin von Hohensee, die ebenfalls dem Vorstand angehört. Der Prinz ist fasziniert von der reiferen, selbstbewussten Frau und verliebt sich auf den ersten Blick in sie. Die geschiedene Paula hingegen geht auf Philipps Flirtversuche zunächst nicht ein, denn sie kennt seinen Ruf – und außerdem ist er zwölf Jahre jünger als sie!
Doch Philipp bleibt hartnäckig. Schließlich lässt sich Paula zu einem Abendessen überreden. Sie muss sich eingestehen, dass der Prinz ihr Herz höherschlagen lässt. Je mehr Zeit Paula mit Philipp verbringt, desto mehr erkennt sie, dass sein Ruf ihm nicht gerecht wird. Auch er ist auf der Suche nach der wahren Liebe. Paula will Philipp eine Chance geben, doch immer wieder überkommen sie starke Zweifel. Was ist, wenn er sie für eine jüngere Frau verlässt, so, wie es ihr Exmann getan hat? Daher entschließt sich Paula, die Affäre geheim zu halten. Zu viel steht auf dem Spiel. Ihr Herz, ihre Gefühle, ihr Ruf. Philipp ist verletzt, er möchte keine Heimlichtuerei. Er stellt ihr ein Ultimatum: Entweder eine offizielle Beziehung oder gar keine ...
»Einen Moment, bitte!«, keuchte Paulas Freundin Simone zu Reetshain in den Hörer.
Paula Gräfin von Hohensee hörte im Hintergrund Simones Sohn Max herzzerreißend schreien. Unwillkürlich bildete sich zwischen Paulas feinen Brauen eine Sorgenfalte, obwohl dies gänzlich unbegründet war – Simone kümmerte sich in bewundernswerter Weise um ihre Kinder, den zweijährigen Max und die ein Jahr ältere Annika. Nur manchmal drohte der Alltag der alleinerziehenden Mutter in Chaos unterzugehen. Scheinbar war heute so ein Tag.
Paula wartete geduldig und nutzte die Zeit, um auf ihrem Computer noch eine E-Mail zu beantworten. Sie war Vorstandsmitglied der Stiftung Wasser für die Welt und würde kommende Woche in den USA einen Vortrag darüber halten, warum sauberes Trinkwasser ein Menschenrecht ist. Leider sahen das noch lange nicht alle so – manche Unternehmen versuchten sogar auf Umwegen, Kapital aus der Ressource zu schlagen. Wasser für die Welt setzte sich neben einigen anderen Organisationen dafür ein, dass Trinkwasser ein freies Gut blieb. Dafür brauchte es weltweit klare Regeln, an die sich alle hielten.
Als studierte Juristin gehörte Paula Gräfin von Hohensee zu dem internationalen Team, das diese Regeln festlegen sollte. Sie mussten Unternehmen und Experten für das Thema sensibilisieren und bei der Erarbeitung von Trinkwasserquellen in entlegenen Gebieten ins Boot holen. Ihren Vortrag hatte Paula bereits geschrieben und mehrfach vor Simone und Berta geübt. Beide Freundinnen waren Fachfrauen in der Öffentlichkeitsarbeit und hatten ihr eifrig Tipps gegeben, damit sie nicht zu forsch auftrat und die Zuhörer trotzdem mitten ins Herz traf.
Die 38-jährige Paula war selbstbewusst genug, um sich zu behaupten, aber dank ihrer beiden besten Freundinnen sollte ihr Vortrag lange in der Erinnerung der wichtigen Experten verbleiben – und dem ein oder anderen hoffentlich die Dringlichkeit dieser Aufgabe begreiflich machen.
Das Kindergeschrei am anderen Ende der Telefonleitung verwandelte sich in ein zufriedenes Glucksen. Im Hörer rauschte es, als Simone einen tiefen Atemzug hineintat.
»Verzeihung, der Kleine hatte seine Schüssel mit dem Frühstücksbrei fallen lassen. Gott sei Dank sind die Dinger aus robustem Kunststoff, nur der Küchenboden reinigt sich leider nicht von selbst. Wer ist da eigentlich?«
»Hallo Moni, hier ist Paula, falls du mich noch nicht vergessen hast«, erwiderte Paula von Hohensee schmunzelnd.
»Wie schön von dir zu hören, meine Liebe! Ich dachte, du wärst noch in Indien?«
»Ich bin erst heute Morgen zurückgekommen.«
Paula spürte den langen Flug noch in den Knochen, aber sie war es gewohnt, hart zu arbeiten und war direkt ins Büro gefahren, anstatt sich auszuruhen. Paula sah auf, als ihr Sekretär Dominik Stein mit dem ersehnten Becher Kaffee hereinkam. Sie formte lautlos das Wort ›Danke‹, was Dominik mit einem breiten Lächeln beantwortete. Der Sekretär stellte den Becher auf Paulas Schreibtisch, winkte noch mal zum Abschied und schloss dann leise die Tür hinter sich.
Paula nippte an dem heißen Getränk. Sie vertrug nur den Filterkaffee, den sie sich normalerweise selbst in einem Kiosk in der Nähe holte. Da sie aber direkt vom Flughafen zum Büro gefahren war, um dringende Dokumente zu unterschreiben, hatte sie es nicht mehr geschafft. Umso dankbarer war sie dem Vorstandssekretär für seine freundliche Geste.
Dominik einzustellen war Paulas Idee gewesen, denn die anderen Mitglieder hatten sich auf eine weibliche Kraft eingeschossen. Dass ein Mann genauso verbindlich und zuverlässig als Sekretär fungieren konnte, hatte Dominik sehr schnell bewiesen. Er liebte seinen Beruf und identifizierte sich mit den Zielen der Stiftung. Paula hatte seine Einstellung keine Sekunde bereut.
»Willst du auf ein Glas Wein vorbeikommen, oder ist es dir nach dem langen Flug zu viel?«, fragte Simone.
Paula seufzte. »Ich würde gerne, Moni, aber es geht nicht. Herbert von Guldenburg verreist bald für zwei Monate, um die Auslandsprojekte vor Ort zu überprüfen. Er hat mich gebeten, einige seiner Aufgaben zu übernehmen. Diese Woche mache ich die Übergabe, bevor ich Samstag in die USA fliege. Auf meinem Schreibtisch stapelt sich nach meiner einwöchigen Abwesenheit die Arbeit. Eigentlich wäre es die perfekte Entschuldigung für ein Glas Wein.«
»Oder eine ganze Flasche«, entgegnete Simone trocken. »Also müssen Berta und ich wohl wieder auf dich verzichten. Du bist eine schreckliche beste Freundin.«
Das Necken unter ihnen war Balsam für Paulas Seele, und auf ihren vollen Lippen erschien ein Lächeln.
»Wenn ich aus Washington zurück bin, komme ich vorbei. Treffen im Libri?«
Das Lieblingscafé der Freundinnen war ein Geheimtipp, und meistens hatten sie eine ruhige Sitzecke hinten im Café für sich allein. Paula liebte die Verbindung von Büchern, die man dort aus den bereitstehenden Regalen fischen konnte und der ruhigen Atmosphäre mit den gemütlichen Sesseln. Bevor ihre Freundin etwas erwidern konnte, meldete sich Max mit einem fordernden Schrei.
»Mein kleiner Prinz verlangt Aufmerksamkeit«, entschuldigte sich Simone.
»Mach du nur, Moni. Ich habe hier auch noch einiges zu tun.«
»Melde dich nach deiner Rückkehr, dann machen wir einen gemeinsamen Termin mit Berta fest. Und gute Reise!«
Philipp Prinz von Guldenburg überlegte einen Moment unschlüssig, in welche Richtung er gehen musste. Sein Kopf war nach dem langen Tag und dem Alkohol wie leer gefegt. Lag das Schloss nun rechts oder links vom Osteingang des Schlossparks? Er grummelte einen Fluch vor sich hin und versuchte, in der Dunkelheit Orientierung zu finden. Wieso musste er sich auch in angetrunkenem Zustand auf dem Musikfest bestehlen lassen?
Seine Geldbörse hatte er zwar im Gras wiedergefunden, aber der Dieb hatte sämtliches Bargeld und alle Kreditkarten entwendet. Zum Glück legte er keinen großen Wert auf Markenartikel, sonst wäre auch die Geldbörse nicht mehr aufgetaucht. Zumindest hatte Philipp seine Papiere wieder. Aber der Autoschlüssel und der dazugehörige Wagen waren verschwunden. Natürlich hatte der Prinz sogleich den Diebstahl gemeldet. Seine Eltern Herbert und Luise waren äußerst sauer auf den jungen Prinzen, der sich nun nach links wandte und nach wenigen Minuten hinter den akkurat geschnittenen Ziertannen Schloss Guldenburg vorfand. Sein innerer Kompass hatte ihn also nicht getäuscht.
Hinter dem großen Eingangsportal, das Philipp über eine breite Freitreppe erreichte, warteten vermutlich seine Eltern auf ihn. Das hatten sie ihm zumindest so angedroht – und noch einiges mehr, aber Philipp hatte nicht mehr zugehört. Er wollte nur noch in sein weiches Bett fallen. Immerhin war es schon fast drei Uhr in der Frühe.
»Prinz Philipp«, rief ein Mann hinter ihm.
»Ja?« Philipp drehte sich um und blinzelte, als eine plötzliche Flut von Blitzlichtern ihn blendete. »Verschwinden Sie!«, erboste er sich und ging drohend auf den Reporter zu.
Dieser hatte anscheinend genug Fotos gemacht und verschwand sogleich. Das hatte dem Prinzen gerade noch gefehlt! Er ärgerte sich sowieso schon den ganzen Abend über sich selbst. Irgendwie wollte ihm das Ausgehen nicht mehr so viel Freude bereiten wie sonst. Lag es daran, dass er schon sechsundzwanzig Jahre alt war? Wurde er der Feiern und Vergnügungen überdrüssig?
Der Prinz konnte es sich nicht erklären, aber in letzter Zeit nervten ihn die Leute, die er auf solchen Festivitäten traf. Er fuhr stattdessen immer öfter in die einsame Hütte, die seine Eltern ihm überlassen hatten. Sie lag einsam in der Natur und ein breiter Bach floss in der Nähe, der im Sommer genau richtig für eine Abkühlung war. Philipp wäre am liebsten sofort dorthin gefahren, anstatt seinen wütenden Eltern entgegenzutreten. Seit er den Bachelor in Wirtschaftsinformatik und Marketing mit Auszeichnung bestanden hat, stellten sie ständig Forderungen an ihn. Sie verstanden nicht, dass er nicht irgendwas arbeiten wollte. Er suchte einen Beruf, für den er brennen konnte. Es musste schon mehr sein als eine normale Arbeit, um ihn dauerhaft zu begeistern. Bisher hatte der junge Prinz diese Lebensaufgabe nicht gefunden – genauso wenig wie die Frau fürs Leben. Aber er wäre nicht Philipp von Guldenburg, wenn er gleich den Kopf in den Sand stecken und aufgeben würde. Demzufolge würde er nun auch die Zähne zusammenbeißen und sich die Leviten von seinen Eltern lesen lassen.
»Da bist du ja«, begrüßte ihn sein Vater mit schneidender Stimme, sobald Philipp den Salon betrat. »Setz dich.«
Der Prinz bemühte sich im beschwipsten Zustand, einen Fuß gerade vor den anderen zu setzen, als er auf den Tisch zuging, an dem seine Eltern in Pyjama und Morgenmantel saßen. Seine Mutter sah ihn mit einer Mischung aus Sorge und Enttäuschung an, während bei seinem Vater die Wut überwiegte.
»Eins sage ich dir, von nun an ist Schluss mit dem Lotterleben«, zischte Herbert von Guldenburg. »Deine Mutter und ich verreisen kommenden Montag für zwei Monate, wie du ja weißt. Wir besuchen mehrere Projekte der Stiftung Wasser für die Welt. Ich hoffe, du hast nicht vergessen, dass ich Vorstandsmitglied bin, aber das kümmert dich vermutlich überhaupt nicht.«
»Herbert, reg dich bitte nicht auf«, bat Luise von Guldenburg. Sie legte beschwichtigend die Hand auf die ihres Mannes.
»Ich mache diesen ... diesen Lebenswandel unseres Sohnes nicht mehr mit, Luise. Er ist immerhin schon sechsundzwanzig«, erklärte er und drohte Philipp mit erhobenem Zeigefinger. »Lese ich noch einen einzigen negativen Artikel über dich in einer dieser Klatschzeitschriften, entziehe ich dir alle Kreditkarten und Barmittel. Dann kannst du zusehen, dass du für deinen Ruf als Party-Prinz arbeitest!«
Philipp presste die Lippen zusammen. Er wusste, dass er ohne Geld nicht so weitermachen konnte. Aber was ihn mehr zum Schweigen brachte, war die Tatsache, dass ihm dieser Gedanke gar nicht so leidtat wie beim letzten Mal, als seine Eltern ihm dies angedroht hatten. Er wollte gerne etwas Neues ausprobieren. Ja, er sehnte sich nach einem erfüllten Leben. Aber der Prinz wusste einfach nicht, wie und wo er das bekommen sollte.
»Du hast zwei Monate Zeit, um deinen Ruf reinzuwaschen und dem Familiennamen Ehre zu machen. Sollte sich nach unserer Rückkehr keine Änderung gezeigt haben, wird es Konsequenzen geben.«
»Du kannst nicht so weiterleben, Junge«, flehte seine Mutter. »Wir haben keine andere Wahl, als dich zu bestrafen. Unsere Geduld ist nun am Ende.«
»Und was soll ich tun?«, fragte der Prinz hilflos mit den Schultern zuckend.
»Das kann ich dir sagen, mein Sohn«, erwiderte Herbert in gebieterischem Ton. »Du wirst dich in meiner Abwesenheit in die Arbeit der Stiftung einarbeiten und dein erfolgreich abgeschlossenes Studium sinnvoll einbringen.«
»Soll ich etwa den Praktikanten spielen?«, fragte Philipp pikiert.
»Schluss jetzt, du hast hier keine Beschwerden vorzubringen!«, schrie sein Vater.
So wütend hatte Philipp ihn noch nie erlebt, weshalb er sich stillschweigend die weiteren Forderungen anhörte. Der entschlossene Gesichtsausdruck seiner Mutter verriet, dass sie der gleichen Meinung war. Dieses Mal würde er sich nicht herauswinden können. Seine Eltern meinten es bitterernst.
»Mist.« Paula versuchte noch einmal, die Empfangsbestätigung zu unterschreiben, aber ihr Kugelschreiber war endgültig leer.
Sie suchte nach einem anderen Stift, fand aber keinen in ihren Schubladen. Schließlich drückte sie die Kurzwahltaste für das Vorzimmer. Nachdem sie ihre USA-Reise erfolgreich beendet hatte, waren die Stapel auf ihrem Schreibtisch wie erwartet weiter angewachsen. Zudem musste sie nun für Herbert mitarbeiten, der in Asien und Afrika Projekte der Organisation überprüfte. Diese Aufgabe hatten früher Paulas Eltern innegehabt, ehe sie auf schreckliche Weise umgekommen waren. Herbert hatte keine Sekunde gezögert und sich angeboten, während Luise von Guldenburg der Gräfin seelisch und menschlich zur Seite gestanden hatte. Diese freundliche Geste würde Paula den beiden niemals vergessen.
Dominik meldete sich auch nach dem fünften Klingeln nicht, und so beendete Paula den Anrufversuch. Sie musste sich beeilen, wenn sie ihre heutige Mittagspause ausnahmsweise nicht am Schreibtisch verbringen wollte. Da klingelte ihr Telefon und riss sie aus ihren Überlegungen.
»Von Hohensee«, meldete sie sich.
»Hallo Paula. Hier ist Herbert.« Paula lehnte sich zurück und lächelte, als sie Herbert von Guldenburgs Stimme trotz der schlechten Verbindung erkannte.
»Seid ihr gut angekommen?«, erkundigte sie sich. Es knackte und rauschte schrecklich in der Leitung. »Ich kann dich nicht verstehen, Herbert«, rief sie.
« ... mein Sohn ... Büro?«
Nun begriff sie aus den Gesprächsfetzen, dass er sich nach seinem Sohn erkundigte. Vor Paulas Reise nach Washington hatte Herbert den Vorstand gebeten, seinen Sohn für zwei Monate als Praktikanten einzustellen. Prinz Philipp sollte sich einen Überblick verschaffen und dem Projektteam Vorschläge zur Verbesserung der Kommunikationswege und bei der Ausführung der Projekte unterbreiten. Offenbar war der Sprössling der Guldenburgs dafür qualifiziert. Paula hatte die Zeugnisse gesehen und war sichtlich beeindruckt gewesen. Aber für sein Alter musste er dennoch sehr unreif sein – wenn man den Bildern in der Klatschpresse glauben durfte, die am Kiosk auf den Titelseiten prangen. Der Prinz sollte seinen Ruf bessern und erwachsen werden, vermutete sie. Nun, das war nicht Paulas Problem, sie hatte schließlich genug andere Aufgaben vor der Nase.
»Nein, er ist noch nicht da«, sagte sie laut und deutlich in den Hörer.
« ... mal wieder typisch. Könntest du ein Auge auf ihn ...« Der Rest ging unter – und dann brach die Leitung zusammen.
Kopfschüttelnd legte Paula auf. O nein, sie würde sich ganz sicher nicht um dem allseits bekannten Party-Prinzen kümmern, während auf ihrem Schreibtisch wichtige Papiere auf Sichtung und Partner auf Antworten warteten. Apropos, sie brauchte einen neuen Kugelschreiber.
»Dominik?«, rief sie durch die offene Bürotür.
Dann erst fiel ihr Blick auf die Uhr. Es war bereits Mittagszeit – genaugenommen war die Pausenzeit sogar fast vorbei. Paula ließ ein Seufzen vernehmen und stand auf, um sich im Vorzimmer, das zugleich der Eingangsbereich war, eine neue Miene für ihren Stift zu besorgen.
Wo bewahrte Dominik die Büroartikel auf? Sie öffnete mehrere Schubladen und fand endlich den richtigen Schrank. Büroklammern, Kopierpapier und andere Artikel waren fein säuberlich gestapelt und sortiert. Paula fand schnell die Ersatzmienen und nahm kurzerhand an Dominiks Schreibtisch Platz, um sie einzusetzen.
Sie zuckte zusammen, als ein Klingeln ertönte. Das Display des Türöffners flackerte auf, aber der winzige Bildschirm zeigte nur flimmernde weiße und schwarze Linien. Das Ding war offenbar defekt. Paula drückte den Knopf, um den Besucher hereinzulassen und suchte dann Dominiks Schreibtisch nach seiner Aufgabenliste für den heutigen Tag ab. Sie fand sie auf der rechten Seite und zog sie heran. Die emsige Gräfin wollte schon darauf notieren, dass der Türöffner repariert werden musste, als sie sah, dass Dominik dies bereits getan und mit dem Hinweis »Reparaturtermin Mittwochnachmittag« versehen hatte. Lächelnd schob Paula die Liste zurück. Auf den Sekretär konnte sich der gesamte Vorstand wirklich verlassen.
»Guten Tag«, hörte sie in diesem Moment eine markante männliche Stimme.
Als sie aufblickte, erkannte sie eine jüngere und noch attraktivere Version von Herbert von Guldenburg. Paulas Herz machte einen unsteten Hüpfer bei der beeindruckenden Erscheinung. Das musste wohl Prinz Philipp sein. Er war wirklich gutaussehend. Groß, sportlich-schlank und mit einem markanten Kinn. Sie hatte sich sein Auftreten viel jugendlicher vorgestellt, aber Philipp von Guldenburg trug einen dunklen Anzug, der sich perfekt an seine großgewachsene Statur schmiegte. Sein dunkles Haar war leicht gewellt und ordentlich zurückgekämmt. Die dunkelblaue Krawatte ließ seine grau-blauen Augen vorteilhaft zur Geltung kommen. In seinem Blick lag etwas Herausforderndes, während seine Lippen zu einem leichten Lächeln gebogen waren und ihm einen etwas spöttischen Ausdruck verliehen.
Er trat näher an den Schreibtisch.
»Ich bin Philipp«, erklärte er.
Paula brachte vor Staunen kein Wort heraus. Einfach nur Philipp, kein Prinz oder Herr von und zu? Das war wirklich eine angenehme Überraschung.
»Tut mir leid, bin ich zu spät?« Dominik tauchte gehetzt hinter Philipp von Guldenburg auf. Nach einem Blick auf seine Armbanduhr entspannten sich die Schultern des Sekretärs wieder, und er wandte sich freundlich dem Besucher zu. »Guten Tag. Kann ich Ihnen weiterhelfen?«
»Ich bin mir nicht sicher«, erwiderte Philipp und sah von Dominik zu Paula. Wieder erschien auf seinem ebenmäßigen Gesicht ein kleines freches Lächeln, das das Herz der Gräfin unvermittelt schneller klopfen ließ. »Wie ich Ihrer Sekretärin schon sagte, bin ich Philipp.« Ihrer Sekretärin? Paula von Hohensee hob fragend eine Augenbraue. »Mein Vater Herbert sagte mir, dass ich mich hier im Vorzimmer anmelden soll.«
»Oh, aber ...« Dominik wurde vor Schreck erst blass und dann rot im Gesicht.
»Schon gut«, versicherte die Gräfin schnell und nickte ihrem Sekretär kurz zu, ehe sie aufstand. Sie drehte den Kugelschreiber mit der neuen Miene zu und lächelte Philipp von Guldenburg dabei an. »Bitte folgen Sie mir, Herr von Guldenburg.«
