Fürsten-Roman 2632 - Anna Zweig - E-Book

Fürsten-Roman 2632 E-Book

Anna Zweig

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Beschreibung

Alexander Prinz von Löwenstein sehnt sich seit Langem nach der wahren Liebe. Nur ist der Platz im Herzen des charmanten Prinzen bisher leer geblieben - und das hat einen Grund. Emanzipation hin oder her: Frauen wollen einen Mann, zu dem sie aufblicken können, und da fällt Alexander mit seinen 1,65 Meter schlichtweg durch das Raster.
Genau das ist auch Sonja van Bergensees erster Gedanke, als sie den gut aussehenden Prinzen das erste Mal trifft. Die sensible Innenarchitektin hat nach einer gescheiterten Beziehung sehr genaue Vorstellungen von Mr. Right, von denen sie unter keinen Umständen abweichen will: dunkelhaarig, charmant, attraktiv und groß soll er sein - größer als Sonja mit ihren 1,80 Meter. Aber was, wenn der Mann zwar einen ganzen Kopf kleiner ist, aber seine Küsse zum Dahinschmelzen sind?

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Seitenzahl: 128

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Inhalt

Cover

Meine große Liebe

Vorschau

Impressum

Meine große Liebe

Prinz Alexander findet endlich sein wahres Glück

Von Anna Zweig

Alexander Prinz von Löwenstein sehnt sich seit Langem nach der wahren Liebe. Nur ist der Platz im Herzen des charmanten Prinzen bisher leer geblieben – und das hat einen Grund. Emanzipation hin oder her: Frauen wollen einen Mann, zu dem sie aufblicken können, und da fällt Alexander mit seinen 1,65 Meter schlichtweg durch das Raster.

Genau das ist auch Sonja van Bergensees Gedanke, als sie den gut aussehenden Prinzen das erste Mal trifft. Die sensible Innenarchitektin hat nach einer gescheiterten Beziehung sehr genaue Vorstellungen von Mr. Right, von denen sie unter keinen Umständen abweichen will: dunkelhaarig, charmant, attraktiv und vor allem sehr groß soll er sein. Aber was, wenn der Mann zwar einen ganzen Kopf kleiner ist, aber seine Küsse zum Dahinschmelzen sind?

Sonja van Bergersee öffnete die Projektdatei mit dem Namen »Groote«. Ihr aktueller Kunde war ein neureicher Schnösel, der sich einiges auf seine exzentrische Ader einbildete, aber was die Inneneinrichtung seiner Schweizer Villa anging, waren seine Ansprüche ... nun ja, ziemlich langweilig.

Sonja van Bergersee unterdrückte ein herzhaftes Gähnen. Es war später Abend, schon nach neun Uhr, und ihre Geschäftspartnerin und beste Freundin Anni van Friedhain war heute aus der Schweiz zurückgeflogen, nachdem sie Herrn Groote dort in seiner Villa aufgesucht und seinen Segen für die Materialien und Einrichtungsgegenstände abgeholt hatte. Zum Glück hatte er dieses Mal nicht versucht, sich in ihre Arbeit einzumischen, sondern ihren Plänen freudig zugestimmt. Anni hatte Sonja bereits geschrieben, dass sie den Entwurf fertigstellen konnte.

Sonja wollte einen letzten Blick auf die Dateien werfen, ehe sie diese an Herrn Groote sendete. Sie überprüfte die Details, schrieb dem Klienten dann eine E-Mail und hängte einen Link zu dem Entwurf an.

Schade um die schöne Villa, dachte Sonja. Hätten sie freie Hand gehabt ... ach, lieber nicht daran denken! Jedenfalls war das Annis Rat gewesen, denn sie war ein optimistischer Mensch und hielt sich lieber an die Dinge, die sie ändern konnte. Anders als Sonja, die jedes Detail bedauerte, das ihr ehrgeiziger Klient mit seinen langweiligen Vorstellungen verhunzte.

Die Villa lag traumhaft, an einem See mitten im Grünen. Sonja hätte am liebsten die Natur im Design der Inneneinrichtung mit einbezogen, und Anni wollte eine wohnliche Atmosphäre schaffen, die die vier Elemente harmonisch verband. Luft musste hinein, zum Beispiel dadurch, dass die klotzigen Accessoires durch transparente und spiegelnde Elemente ausgetauscht wurden, Erde sollte in Form eines schönen Englischen Gartens dargestellt werden, Wasser, indem sie den Pool zu einer natürlich erscheinenden Badelandschaft umgestalteten und Feuer wurde durch den wunderschönen Kamin integriert, um den man einen behagliche Wohlfühlbereich zaubern könnte. Aber nein – Herr Groote bevorzugte Raumschiffe!

Sonja schmunzelte bei dem Gedanken, dass ein Mann von Ende fünfzig in einem Schlafzimmer liegen wollte, das aussah wie eine Astronautenkabine. Das Design entsprach dem einer berühmten Raumfahrtserie, und die Wände sollten im Zuge der Renovierung von einem Künstler in einen dunklen, sternenverhangenen Kosmos verwandelt werden. Anni hatte sich geschüttelt, als sie einen letzten Blick auf die Entwürfe gewagt hatte, bevor sie gestern in die Schweiz geflogen war.

»Männer werden eben nie erwachsen«, murmelte Sonja und schloss die Projektdatei.

Zur Ablenkung öffnete sie ihr Lieblingsprojekt, und ein Lächeln breitete sich auf ihren vollen Lippen aus.

Sonja vertiefte sich in den Entwurf, mit dem sie und ihre Partnerin sich für die Restaurierung eines Schlosses beworben hatten. Nach dessen Zerstörung hatte man es hundert Jahre später wieder aufgebaut. Nun waren wieder hundert Jahre vergangen und die märchenhaften Türmchen und Zinnen brauchten dringend Zuwendung.

Während Anni Architektur studiert hatte, hatte Sonja neben ihrem klassischen Designstudium auch eine Ausbildung zur Restauratorin absolviert. Es reizte sie, diesen Teil ihres Könnens öfter anzuwenden, als es ihr bisher möglich war. Der Auftrag war weder lukrativ noch kreativ, doch Sonja und Anni hofften auf eine gute Referenz durch die Schlossherren und auf neue Kontakte aus Adelskreisen.

»Oh je, Anni!« Sonja sprang von ihrem Stuhl und griff zum Handy.

Sie war doch für acht Uhr mit ihr verabredet gewesen, und jetzt war es schon nach neun! Es war ein Wunder, dass ihre impulsive Freundin nicht längst die Tür zu ihrer Wohnung eingetreten hatte, in der Sonja auch ihr gemeinsames Büro eingerichtet hatte.

»Hallo, Sonja«, meldete sich Anni van Friedhain gut gelaunt.

»Es tut mir so leid, Anni«, stammelte Sonja hektisch. Sie war mit dem Handy am Ohr bereits auf dem Weg zur Garderobe. »Ich habe unsere Verabredung über die Arbeit völlig vergessen ...«, Sonja schlüpfte in die Pumps und schnappte sich Handtasche und Schlüsselbund, »... und als ich auf die Uhr sah, war es bereits neun. Wie war dein Flug? Bist du noch im Restaurant? Ich kann dir gar nicht sagen, wie leid es mir tut.«

»Das wäre jetzt das zweite Mal in diesem Monat, dass du unsere Verabredung vergisst. Ich bin seit heute Nachmittag zurück und habe es geschafft, nicht sofort ins Büro zu laufen. Nein, ich gönne mir stattdessen eine kleine Pause. Nach einem Besuch bei Groote hat die wirklich jeder nötig.« Anni seufzte theatralisch.

»War es sehr schlimm? Deine Nachricht gab nicht viele Details preis.«

»Die wollte ich dir für unsere Verabredung aufsparen, aber du hast den Kopf ja nur voller Arbeit. Groote hätte ruhig einen Tag länger auf seinen blöden Entwurf warten können, Sonja. Hast du überhaupt eine Mittagspause gemacht? Nein, sag nichts, ich kenne die Antwort bereits. Schätzchen, du brauchst dringend ein Liebesleben.«

»Zu unserer Verabredung: Ich weiß – und es tut mir wirklich leid. Zum Liebesleben: Ich könnte ja mit Groote ausgehen, er hat mir bei unserem letzten Besuch in der Schweiz Avancen gemacht.«

»Untersteh dich!« Anni lachte, denn sie wusste, dass Sonja sich niemals auf einen Mann einlassen würde, der die Frauen öfter wechselte als seine Krawatte.

»Keine Sorge«, schmunzelte Sonja van Bergersee. »Aber wenn ich Groote nicht haben darf, dann will ich keinen«, fügte sie schmollend hinzu.

Sie ging in den Flur und zog die Wohnungstür hinter sich zu.

»Du verrücktes Huhn«, lachte ihre beste Freundin. »Im Übrigen sind wir für morgen verabredet, nicht heute.«

»Was?« Sonja blieb wie angewurzelt stehen. Ihre Stimme hallte im Hausflur nach. »Aber ... du kleine blondgelockte Kröte!«

»Quak.« Anni van Friedhain kicherte und legte dann einfach auf.

Sonja ging kopfschüttelnd zurück in ihre Wohnung. Anni sah mit ihren blonden Ringellocken, den großen blauen Augen und Sommersprossen auf der Stubsnase aus wie die Unschuld in Person, aber sie konnte ziemlich frech sein.

Sonja legte ihre Sachen ab, schlüpfte aus den Pumps und verfiel dann in ein lautes Lachen. Ihre beste Freundin war ein Scherzkeks, aber Sonja wusste, dass sie ihr damit auch einen Denkzettel verpassen wollte. Ihr war durchaus bewusst, dass sie zu viel arbeitete und ihr Privatleben zu kurz kam. Aber nach ihrer gescheiterten Beziehung vor einem Jahr tat sie sich schwer mit den Männern. Nie war ihr ein Kandidat perfekt genug, Sonja fand immer einen Makel – was Anni ihr als Kleinlichkeit und bequeme Ausrede ankreidete.

Sonja kochte sich einen Tee und schlüpfte in ihre Wohlfühlkleidung, eine Leggins aus Baumwolle und ein dünnes Strickoberteil. Sie öffnete die Balkontür und sog die herrliche Abendluft ein. Der Duft von Sommerblumen wehte ihr ins Gesicht, und sie band ihr kastanienbraunes Haar mit einem Band zusammen, das sie gerne am Handgelenk trug.

Sonja hob vorsichtig ihre Teetasse an die Lippen und beobachtete das rege Geschehen im Café Luigi gegenüber. Dort würde sie sich morgen mit Anni treffen, denn bei Luigi gab es den besten Kaffee in der Stadt, und der Mittagstisch bot eine bunte Auswahl frischer Gerichte. Gesprächsfetzen drangen zu ihr hoch in den dritten Stock, und das Geräusch von Besteck auf Porzellan klang wie eine sommerliche Melodie. Ein Paar an einem der Tische erregte die Aufmerksamkeit der Dreißigjährigen. Sie hielten das ganze Gespräch über Händchen, sogar wenn sie die Kaffeetassen an die Münder führten.

»Pah«, machte Sonja. »Wartet nur ab. Irgendwann wacht ihr auf und habt euch nichts mehr zu sagen.«

So war es zumindest bei ihr und Claas gewesen. Sie hatte die Warnzeichen so lange ignoriert, bis es zu spät gewesen war. Als Claas ihr eröffnet hatte, dass er sie betrogen hatte, lösten sich von einer Minute auf die andere drei Jahre Beziehung und eine mögliche Verlobung in Luft auf. Seitdem waren Sonjas Ansprüche an Männer sehr hoch – in Annis Worten: utopisch. Sonjas Traummann musste zwischen 1,85 m und 1,95 m groß sein. Außerdem sollte er intelligent, charmant und selbstbewusst sein, dunkles Haar und dunkle Augen haben, und natürlich musste er treu sein.

Anni hatte sie für verrückt erklärt, aber Sonja war nicht bereit, einem Mann ihre Beachtung zu schenken, der auch nur eine dieser Bedingungen nicht erfüllte. War es Kontrolle? War es die Angst, dass ihr Vertrauen wieder enttäuscht wurde? Die Innenarchitektin wusste es nicht genau, und sie wollte sich auch nicht damit befassen.

Das Paar im Café küsste sich über den Tisch hinweg. Gerade wollte Sonja eine bissige Bemerkung machen, als ihr bewusst wurde, wie verbittert ihre Gedanken waren. Erschrocken über sich selbst schloss sie die Balkontür und verschüttete prompt heißen Tee über ihre Finger.

»Au!« Genervt stellte sie die Tasse ab und ließ sich in ihrer offenen Küche kaltes Wasser über die Hand laufen. »Blöde Liebe«, murmelte sie und schmollte, weil sie sich plötzlich sehr einsam fühlte.

In Wirklichkeit, und das wusste Sonja auch, wollte sie genau das, was sie eben in ihrem Lieblingscafé beobachtet hatte. Anregende Gespräche, verliebte Blicke, Händchenhalten. Tränen liefen ihr über die Wangen, und sie schob es auf ihre verbrühte Haut. Aber im Herzen wusste Sonja van Bergersee, dass es ihr Herz war, das ihr wehtat.

Alexander Prinz von Löwenstein traute seinen Ohren nicht. Es musste an der gewölbeartigen Decke der Kasematte liegen, durch die er gerade mit seinen Eltern ging, um die Schlossbibliothek auf der Ostseite zu erreichen.

»Hast du gehört, Alexander?«, fragte Constanza Fürstin von Löwenstein ungehalten.

Niemand ignorierte eine Löwenstein – schon gar nicht der eigene und einzige Spross. Alexander versteifte sich ein wenig. Seine Mutter redete mit ihm, als wäre er noch immer fünf, dabei hatten sie letzte Woche erst seinen fünfunddreißigsten Geburtstag in großer Runde gefeiert. Und genau daher wehte sein Problem. Denn wenn er gerade richtig gehört hatte, wollten seine Eltern allen Ernstes die Zügel seines Privatlebens in die Hand nehmen.

»Ich sagte, dein Vater und ich verlangen, dass du endlich sesshaft wirst«, wiederholte Constanza von Löwenstein ihre Forderung. »Jeder Prinz in deinem Alter ist längst unter der Haube. Jetzt hat sogar Margarethes Sohn geheiratet, und der Himmel weiß, dass der Mann ein Gesicht hat, das nur eine Mutter lieben kann!«

»Ob und wen ich heirate, entscheide immer noch ich selbst«, versetzte Alexander von Löwenstein.

Der junge Erbe öffnete die große Holztür schwungvoll und betrat die Schlossbibliothek mit festen Schritten. Er liebte den alten Teil des Schlosses mit seinem kostbaren Bücherarchiv, das tiefer im Gemäuer gesichert und von Historikern regelmäßig aufgesucht wurde. Die Wandteppiche mit den verschiedenen Geschichten aus seiner Familie gehörten zu den seltenen, gut erhaltenen Exemplaren und wurden teilweise in Museen ausgestellt.

Alexander liebte das Schloss und verwaltete es mit Herz und Verstand. Sein Familienlinie war bis ins 14. Jahrhundert zurückzuverfolgen, und der Prinz kannte jede Sage, jeden gefochtenen Kampf und jede Hochzeit und die vollständigen Namen der Paare, deren Kinder, Kindeskinder, ihrer Rolle in der Familiendynastie, ihr Leben und Sterben. Stolz führte er Vorträge, wenn es seine Arbeit als Rechtsanwalt und die Verwaltung des Schlosses erlaubte.

»Und was wird aus uns, wenn du dein Leben lieber allein verbringst?«, schnappte Constanza.

»Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht, Mutter«, gestand der Prinz frei heraus.

»Das ist die Höhe. Hast du das gehört, Eduard?«, empörte sich die Fürstin pikiert.

»Nun in dem Fall, mein Sohn«, erscholl Eduard von Löwensteins Baritonstimme, »nehmen wir die Sache selbst in die Hand. Ich habe deiner Mutter lange genug zugeredet, dir mehr Freiraum zu lassen, aber die Zeit der Diplomatie ist nun vorbei. Die Erbschaft der Löwensteins steht auf dem Spiel!«

Alexander hob beschwichtigend eine Hand.

»Mal langsam, Vater. Übertreibst du es nicht ein wenig?«

»Ich übertreibe?! Ich höre wohl nicht richtig! Du bist keine fünfundzwanzig mehr, Alexander, sondern fünfunddreißig, und weit und breit ist keine Frau an deiner Seite. Wenn du dich nicht um das Erbe deiner Familie scherst, dann müssen wir es eben tun.«

»Und wie wollt ihr das anstellen? Mir eine potenzielle Braut vor die Nase setzen?«

»Keine schlechte Idee! Du hörst von uns. Komm, Constanza.« Der Fürst führte seine Frau aus der Bibliothek.

Alexander sah seinen Eltern überrascht nach. So wütend hatte er seinen sonst so diplomatischen Vater noch nie erlebt.

»Da scheinen Sie ja alle Möglichkeiten ausgereizt zu haben«, bemerkte jemand aus der hinteren Regalreihe.

Prinz Alexander ging um das Regal herum und lächelte den ältlichen Mitarbeiter an, der ihm über seine runde Nickelbrille hinweg betrachtete. Alfred Kausen war seit dreißig Jahren der Archivar des Schlosses und der Einzige, der neben den Schlossherren über ein lückenloses Wissen über die Dynastie der Löwensteins verfügte.

»Ach, die beruhigen sich schon wieder«, tat der Prinz den Streit ab.

»Da wäre ich mir nicht so sicher. Sie wissen hoffentlich, dass es gewisse Kataloge in Adelskreisen gibt?«

»Sie meinen Verzeichnisse der verschiedenen Adelshäuser und deren Familienmitgliedern? Natürlich weiß ich davon.«

»Nun, diese lassen sich mit dem Ziel der Brautwerbung durchaus verwenden, meinen Sie nicht?«, gab Kausen zurück. »Und Sie haben Ihren Eltern gerade freie Hand gegeben, wenn mich nicht alles täuscht.«

Alexander wollte lieber nicht darüber nachdenken. Sein selbstsicheres Auftreten verriet nichts von seinen Befürchtungen. Seine Mutter schien in letzter Zeit verzweifelt bemüht, ihn unter die Haube zu bringen, und sein Vater hatte sich offensichtlich auf ihre Seite geschlagen. Aber auf Druck reagierte ein Löwenstein mit Härte. Er würde sich einfach weigern, ihren Wünschen entgegen zu kommen, und seine Eltern würden ihm wohl kaum eine Verlobte vor die Nase setzen. Zwar kam dies in Adelskreisen hier und da noch vor, aber ganz bestimmt nicht auf Schloss Löwenstein.

»Lassen Sie uns nicht länger darüber diskutieren, Alfred«, lenkte Alexander ein, um das leidige Thema zu beenden. »Ich habe Sie aus einem bestimmten Grund gesucht. Hier, eine Überraschung für Sie.«

Er reichte dem Archivar feierlich das Buch, das er aus einer Haushaltsauflösung gerettet hatte. Alfred Kausen begutachtete den zerschlissenen Buchdeckel und machte große Augen.

»Unmöglich. Wo haben Sie das nur gefunden?«

»Beziehungen, Alfred. Sie wissen ja, dass ich Remmert von Adelshof rechtlich in dieser Unternehmensfusion beraten habe. Beiläufig erwähnte er, dass seine alleinstehende Großtante kürzlich verstorben ist und sie den Haushalt auflösen müssen. Sie war eine zu Winkelshaas ...« Der Prinz lächelte den Archivar an.

»Die im dritten Grad mit den Löwensteins verwandt sind«, beendete Alfred Kausen den Satz feierlich.

»So ist es. Ich bat Remmert, mir die Bibliothek seiner Großtante ansehen zu dürfen, die jedoch zu meinem Bedauern klein und unbedeutend war. Bis auf dieses Buch fand sich nichts, das von irgendeiner Bedeutung war.« Alfred nickte verständnisvoll. Er konnte sich die Enttäuschung vorstellen, die sein junger Herr gespürt hatte – und die große Freude, als er unter dem ganzen Haufen diese Kostbarkeit fand! »Remmert war einverstanden, dass ich es an mich nehme, wenn ich dafür mein Honorar halbiere. Ich habe natürlich keine Sekunde gezögert.« Alfred gluckste.

»Der alte Remmert hat noch nie viel auf Bücher gegeben. Wäre es ein Oldtimer, hätte er ihn niemals einfach so weggegeben.«

»Es gibt Menschen, die den Wert einer Sache nur an der Größe bemessen, Alfred. Hier«, er zeigte auf den Buchdeckel, »ist mehr Kraft drin als in irgendeinem Automotor. Über einhundert Jahre Familiengeschichte.«

»Wunderbar. Einfach wunderbar, Prinz Alexander!«