Gangsterjagd - Günter Dönges - E-Book

Gangsterjagd E-Book

Günter Dönges

0,0

Beschreibung

Exzellent – das ist er im wahrsten Sinne des Wortes: einzigartig, schlagfertig und natürlich auch unangenehm schlagfähig. Wer ihn unterschätzt, hat schon verloren. Sein Regenschirm ist nicht nur sein Markenzeichen, sondern auch die beste Waffe der Welt. Seinem Charisma, Witz und Charme kann keiner widerstehen. Der exzellente Butler Parker ist seinen Gegnern, den übelsten Ganoven, auch geistig meilenweit überlegen. In seiner auffallend unscheinbaren Tarnung löst er jeden Fall. Bravourös, brillant, effektiv – spannendere und zugleich humorvollere Krimis gibt es nicht! »Die Lage erinnert mich verteufelt an einen James-Bond-Film«, sagte Stew Criswood. »Ich dachte, so etwas könnten nur Drehbuchautoren ausbrüten.« Criswood, ein beleibter, gutmütig und durchschnittlich aussehender Mann von etwa fünfzig Jahren wanderte nachdenklich durch das große Hotelzimmer und blieb dann vor dem breiten, niedrigen Fenster stehen. Für einen kurzen Moment sah er hinunter auf den Strand von Miami, auf dem der nachmittägliche Korso der Badegäste bereits begonnen hatte. »Calderhan wird die Drehbuchautoren noch in den Schatten stellen«, warf Anwalt Mike Rander ein. Er saß in einem tiefen, bequemen Sessel und rauchte eine Zigarette. »Er hat schließlich das ideale Druckmittel in der Hand. Er kann verlangen, was er will!« »Was er bereits getan hat.« Stew Criswood tippte auf ein Schreiben, das er in der rechten Hand hielt. »Er verlangt vorerst nicht mehr und nicht weniger als eine Million Dollar in großen Scheinen! Was sagen Sie dazu, Rander?« »Was sagen Sie dazu, Parker?« gab Mike Rander die Frage weiter und wandte sich an seinen Butler, der stocksteif seitlich hinter dem Sessel stand, in dem sein junger Herr saß. »Eine äußerst bescheidene Forderung«, stellte Josuah Parker in seiner sattsam bekannten, zurückhaltenden Art fest. »Ich hätte, um ehrlich zu sein, erheblich mehr erwartet.« »Aber das ist doch erst der Anfang«

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 131

Veröffentlichungsjahr: 2023

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Der exzellente Butler Parker – 71 –Gangsterjagd

Günter Dönges

»Die Lage erinnert mich verteufelt an einen James-Bond-Film«, sagte Stew Criswood. »Ich dachte, so etwas könnten nur Drehbuchautoren ausbrüten.«

Criswood, ein beleibter, gutmütig und durchschnittlich aussehender Mann von etwa fünfzig Jahren wanderte nachdenklich durch das große Hotelzimmer und blieb dann vor dem breiten, niedrigen Fenster stehen. Für einen kurzen Moment sah er hinunter auf den Strand von Miami, auf dem der nachmittägliche Korso der Badegäste bereits begonnen hatte.

»Calderhan wird die Drehbuchautoren noch in den Schatten stellen«, warf Anwalt Mike Rander ein. Er saß in einem tiefen, bequemen Sessel und rauchte eine Zigarette. »Er hat schließlich das ideale Druckmittel in der Hand. Er kann verlangen, was er will!«

»Was er bereits getan hat.« Stew Criswood tippte auf ein Schreiben, das er in der rechten Hand hielt. »Er verlangt vorerst nicht mehr und nicht weniger als eine Million Dollar in großen Scheinen! Was sagen Sie dazu, Rander?«

»Was sagen Sie dazu, Parker?« gab Mike Rander die Frage weiter und wandte sich an seinen Butler, der stocksteif seitlich hinter dem Sessel stand, in dem sein junger Herr saß.

»Eine äußerst bescheidene Forderung«, stellte Josuah Parker in seiner sattsam bekannten, zurückhaltenden Art fest. »Ich hätte, um ehrlich zu sein, erheblich mehr erwartet.«

»Aber das ist doch erst der Anfang«, brauste Stew Criswood auf. »Calderhan will testen, wie wir uns verhalten. Er will Erfahrungen sammeln. Und dann zieht er mit Sicherheit die Schraube an.«

»Das steht allerdings zu erwarten, Sir«, sagte Josuah Parker. »Mister Calderhan dürfte genau wissen, wo der schwache Punkt seines Plans liegt.«

»Und der wäre...?« Mike Rander wandte sich erwartungsvoll zu seinem Butler um.

Josuah Parker hatte sich seit seiner Abenteuer auf der »Insel der Haie« nicht verändert. Nach wie vor schwarz gekleidet, schien er noch würdevoller und zurückhaltender zu wirken. Trotz des vollklimatisierten Hotelzimmers verströmte er eine gewisse Kühle, die zwar nicht wie der sprichwörtliche Eiseshauch wirkte, aber doch eine fühlbare Distanz schuf.

»Mister Calderhan muß die verlangte Summe früher oder später in Empfang nehmen«, führte der Butler weiter aus. »Er muß sich irgendeinen Weg ausdenken, der für ihn gefahrlos ist. Schließlich muß er damit rechnen, daß man ihm eine Falle stellt.«

»Worauf Sie sich verlassen können«, schnaubte Criswood. »Wobei noch nicht einmal feststeht, ob er das Geld bekommt.«

»Ich fürchte, Sir, Sie werden zahlen müssen«, redete der Butler gemessen und würdevoll weiter. »Sie wissen, daß er immerhin über ein Artilleriegeschoß verfügt, dessen Ladung aus einem Atomsprengsatz besteht.«

»Wissen wir das wirklich mit letzter Sicherheit?« meinte Stew Criswood.

»Wir wissen immerhin, daß er eines der vier Geschosse von der Insel runtergeschafft hat«, erklärte Mike Rander und stand auf. »Drei der vier gestohlenen A-Geschosse wurden sichergestellt, das vierte ist zusammen mit Calderhan verschwunden.«

»Es konnte sich immerhin um einen groß angelegten Bluff handeln«, warf Criswood ein.

»Ob Bluff oder nicht, Criswood, wollen Sie das Risiko eingehen, daß Calderhan das Geschoß zündet. Es kann sich überall hier in den Staaten befinden. Es ist mit Leichtigkeit in einem großen Schrankkoffer unterzubringen. Es kann völlig unauffällig transportiert werden.«

»Ich weiß, ich weiß...« CIA-Agent Criswood nickte langsam. »Wir haben uns im Hauptquartier ausgiebig darüber unterhalten. Wir gehen von der Annahme aus, daß Calderhan das A-Geschoß besitzt.«

»Dann werden Sie auch zahlen müssen«, meinte Anwalt Rander. »Ob Ihnen das paßt oder nicht, Criswood, Sie werden zahlen müssen! Und Sie können noch froh sein, wenn Calderhan seine Erpressung nicht an die große Glocke hängt.«

»Wie soll ich das verstehen?« Criswood sah den Anwalt abwartend und prüfend zugleich an.

»Angenommen, diese Erpressung macht Schlagzeilen, angenommen, sie geht über Funk und Fernsehen. Können Sie sich vorstellen, was dann in den Staaten los sein wird?«

»Und ob ich mir das vorstellen kann«, gab Criswood mit leiser Stimme zurück. »Die Menschen werden verrückt spielen. Wir müssen dann mit einer Massenpanik rechnen...!«

»Sie drücken sich noch verdammt vorsichtig aus«, erwiderte Mike Rander. Dann fügte er leise und bedrückt hinzu: »Ich möchte nicht in der Haut der Regierung stecken!«

»Da wir gerade von der Regierung sprechen«, sagte Criswood, diesen Hinweis aufnehmend. »Sie wissen, weshalb ich Sie besucht habe, nicht wahr?«

»Parker und ich können es uns ungefähr vorstellen, Criswood.«

»Wir möchten Sie noch einmal einschalten«, redete Criswood weiter. Und plötzlich war er mehr als nur ein gemütlich aussehender, beleibter Mann von fünfzig Jahren. »Sie haben damals auf der ›Insel der Haie‹ drei der vier A-Geschosse sichergestellt. Vielleicht gelingt es Ihnen, auch das vierte Geschoß zu finden. Von Calderhan einmal zu schweigen.«

»Was meinen Sie, Parker?« fragte Rander, sich an seinen Butler wendend.

»Eine reizvolle Aufgabe.« Josuah Parker nickte würdevoll wie ein amtierender Lordrichter.

»Sie bekommen von uns selbstverständlich jede gewünschte Hilfestellung«, redete Criswood hastig weiter. »Sie können anfordern, was Sie wollen.«

»Haben wir besondere Wunsche?« frage Rander seinen Butler.

»Wohl kaum, Sir«, gab Josuah Parker zurück. »Mich interessiert allerdings ein Gespräch mit jenen beiden Gangstern, die mit Calderhan eng zusammenarbeiteten und die ich auf der »Insel der Haie‹ aus dem Verkehr ziehen konnte.«

»Ich verstehe, Sie meinen Andy und Clem, nicht wahr?«

»Mich interessiert nur dieser Andy«, gab der Butler zurück. »Bei ihm handelt es sich um die Primitivausgabe eines Menschen, bei dem noch einiges zu erreichen sein dürfte.«

»Sie können sofort über ihn verfügen«, erklärte Criswood, »aber machen Sie sich nicht zu große Hoffnungen, Parker, Andy und Clem schweigen wie die Austern. Sie haben bisher nichts ausgesagt.«

»Ich werde versuchen, ausgesprochen menschlich mit Andy zu reden«, gab der Butler zurück.

»Ich werde ihn nach... nun ja, wo wollen Sie ihn sprechen? Zur Zeit sitzt er in Washington.«

»Ich würde ihn gern hier in Miami sprechen, Sir.«

»Leite ich sofort in die Wege.« Criswood sah den Butler einen Augenblick nachdenklich an. Dann fügte er hinzu: »Glauben Sie, daß Calderhan sich hier in der Gegend befindet?«

»Möglicherweise bekomme ich von Andy einen kleinen Hinweis«, sagte Parker. »Möglicherweise läßt aber auch Mister Larry Calderhan die Katze aus dem sprichwörtlichen Sack...!«

Tony Sherman, vierschrötig, fleischig und mit dem Aussehen einer stets gereizten Bulldogge, residierte In einem geräumigen Bungalow nördlich von Miami.

Er konnte es sich leisten, in dieser teuren Gegend zu wohnen. Er verfügte über ein sehr gut gefülltes Bankkonto und wußte, daß es sich Woche um Woche vergrößerte.

Tony Sherman war der Besitzer einiger hervorragend florierender Nachtklubs entlang der Küste. Doch damit nicht genug. In diesen Nachtklubs handelten seine Angestellten mit Narkotika aller Art. Mit anderen Worten, Sherman arbeitet im Grund in der Rauchgiftbranche und hatte es verstanden, der Polizei aus dem Weg zu gehen.

Auch sonst war er nicht besonders zartfühlend. Er nahm an dunklen und illegalen Geschäften mit, was sich ihm anbot. Er entwickelte dabei die erforderliche Brutalität und Geschicklichkeit. Er selbst machte sich natürlich längst nicht mehr die Hände schmutzig. Dazu hatte er seine Leute. Gute Leute, die sich beeilten, seine Wünsche und Befehle sofort in die Tat umzusetzen. Sie wußten aus Erfahrung, daß Sherman nicht lange fackelte, wenn man ihm widersprach.

Sherman kam an diesem frühen Nachmittag von seiner starken Motorjacht und schlenderte auf seinen kurzen stämmigen und leicht gebogenen Beinen über den Bootssteg auf den großen Garten zu.

In seinem Gefolge befanden sich einige attraktive weibliche Gäste, einige stämmige Männer, die zu seiner Leibwache gehörten und ein kleiner, vertrocknet aussehender, magerer Mann von etwa vierzig Jahren.

Dieser Mann hieß Ernie Claddon. Er war mehr als nur der Privatsekretär von Sherman. Er war dessen Finanzberater und Ideenlieferant. Claddon war seinem Chef hündisch ergeben. Glaubte wenigstens Tony Sherman. Und bisher hatte er keinen Grund gehabt, daran zu zweifeln.

Sherman und Claddon, die inzwischen den Bootssteg hinter sich gebracht hatten, blieben stehen, als ihnen ein junger gutgekleideter Mann fast entgegenrannte. Keuchend und nach Luft schnappend, blieb er vor seinem Chef stehen.

»Was ist, Benson?« fragte Sherman. Er witterte irgendeine unangenehme Überraschung. Und da er solche Überraschungen keineswegs liebte, war er bereits wieder gereizt.

»Calderhan ist in der Stadt«, meldete Benson. »Ich habe ihn vor einer halben Stunde im City-Hotel gesehen.«

»Calderhan?« Sherman drehte sich halb zu Claddon um, der bereits die Ohren spitzte.

»Irrtum ausgeschlossen, Chef«, berichtete Benson weiter. »Er läuft ungeniert herum. Er hat sich sogar mit seinem richten Namen eingetragen!«

»Calderhan also... Was will er?« fragte Sherman, sich an seinen Ideenlieferanten wendend.

»Wenn er auftaucht, gibt es bestimmt Stunk, Chef«, antwortete Claddon. »Denken Sie an die Geschichte in New York...!«

»Aber wieso taucht er hier unter seinem Namen auf? Verdammt, er wird doch schließlich von der Polizei gesucht? Ob er verrückt geworden ist?«

»Calderhan bestimmt nicht, Chef«, sagte Claddon. »Er muß seine Gründe haben.«

»Finden Sie die heraus, Claddon«, knurrte Sherman. »Wenn er mir in Florida die Tour vermasseln will, kann er sich auf was gefaßt machen.«

»Vielleicht spitzelt er für die Polizei«, deutete Claddon an.

»Das könnte allerdings sein. Er soll mich provozieren. Ich soll zuschlagen. Und die Polizei braucht dann nur noch zuzuschnappen. Das könnte es sein!«

»Man dürfte ihm keine Zeit dazu lassen, Chef«, sagte Claddon. »Es gibt genug Mittel, einen Mann wie Calderhan unauffällig abzuservieren.«

»Vielleicht wartet das FBI nur darauf, daß wir so etwas versuchen«, überlegte Sherman laut. Er konnte sich das leisten, da seine weiblichen Gäste bereits hinüber zum Bungalow gingen. »Nein, Claddon, vorerst unternehmen wir mal nichts. Erst mal abwarten. Calderhan soll den ersten Zug tun!«

»Aber man könnte doch der Polizei einen Hinweis geben, daß Calderhan im Lande ist!«

»Gut, kann nicht schaden, Claddon. An der Reaktion können wir dann ablesen, wie es um ihn steht. War da nicht irgendeine dicke Geschichte mit ihm?«

»Man munkelt, daß er Ärger mit der Polizei gehabt haben soll. Einzelheiten weiß ich nicht, aber um die werde ich mich jetzt kümmern, Chef.«

»Noch einmal, Claddon, vorsichtig und nur unter der Hand! Ärger mit dem FBI kann und will ich mir nicht leisten. Und Sie, Benson, werden sich ab sofort um Calderhan kümmern. Er muß ununterbrochen überwacht werden. Nehmen Sie das in die Hand! Ich verlange eingehende Berichte, klar?«

»Klar, Chef, habe ich bereits eingefädelt. Calderhan steht bereits unter Beobachtung.«

»Bestens, Benson!« Sherman grinste anerkennend. »Wollen doch mal sehen, was dieser verdammte Gauner in der Pfanne hat!«

*

Parker, der sein Hotelzimmer verlassen hatte, bestieg den Lift und fuhr hinunter in die Halle des City-Hotels. Mike Rander und er waren dort abgestiegen. In Randers Hotelzimmer hatten sie vor etwa einer halben Stunde mit Stew Criswood vom CIA konferiert.

Parker wollte seinen jungen Herrn aus der Hotelbar abholen. Als er die Bar betrat und sich suchend umschaute, erstarrte sein Gesicht. Er wußte sofort, daß er sich nicht getäuscht hatte. Dort an der Bar saß Larry Calderhan, jener Gangster also, der das vierte A-Geschoß von der »Insel der Haie« weggeschafft hatte.

Calderhan schien sich in seiner Haut ausgesprochen wohl zu fühlen. Er verschenkte sein strahlendes Lächeln an eine junge Blondine, die neben ihm auf einem Barhocker saß. Calderhan wirkte, wie damals auf der Insel, elegant und sympathisch. Er war der nette, wohlerzogene, große Junge aus bestem Haus.

Parker ging steif und würdevoll auf Calderhan zu, blieb hinter dessen Barhocker stehen und räusperte sich unüberhörbar.

Calderhan drehte sich langsam um.

Dann lächelte und nickte er Parker freundlich zu.

»Ich freue mich, Sie zu sehen«, sagte er dann. »Wie geht es Ihnen, Parker? Alles in Ordnung?«

Parker war versucht, für einen kurzen Moment seine gute Erziehung und seine Selbstbeherrschung über Bord zu werfen. Calderhan war schließlich ein Mörder!

»Hat’s Ihnen endlich mal die Sprache verschlagen?« fragte Calderhan lächelnd weiter.

»Ich denke gerade darüber nach, mit welchen Ausdrücken negativer Art man Sie belegen könnte und müßte«, erwiderte der Butler in seiner unnachahmlichen Art. »Aber wahrscheinlich wären Sie damit noch nicht einmal zu beleidigen, nicht wahr?«

»Kaum«, gab Calderhan zurück. »Ich habe hier übrigens auf Sie gewartet.«

»Sie wollen doch nicht etwa mit mir sprechen, oder?«

»Genau das, Parker. Weshalb bin ich wohl nach Miami gekommen?«

»Ich schlage vor, wir setzen uns dort in jene Nische«, meinte Parker und wandte sich sofort ab. Er war sicher, daß Calderhan ihm sofort folgte.

Parker fragte sich, was diese Frechheit des Gangsters wohl bedeuten konnte. Woher nahm Calderhan den Mut, sich hier in aller Öffentlichkeit zu zeigen? War er allein gekommen? Hatte er hier in der Bar seine Männer verteilt?

Calderhan nahm lächelnd in der Nische Platz und zündete sich eine Zigarette an.

»Sie wundern sich natürlich, was ich hier in Miami will, nicht wahr?« begann er.

»Sie werden immerhin vom FBI und von der CIA gesucht«, gab der Butler zurück.

»Die Herrschaften können mich ohne weiteres suchen und auch finden«, meinte Calderhan gelassen und selbstsicher. »Und wenn sie es nicht schnell genug schaffen, werde ich mich sogar freiwillig bei diesen Leuten melden und in Erinnerung bringen.«

»Welches Spiel spielen Sie, Mister Calderhan?« erkundigte sich Josuah Parker. »Ich darf doch nicht annehmen, daß Sie die Million Dollar abholen wollen?«

»Aha, das hat sich also bereits bis zu Ihnen herumgesprochen, wie? »Calderhan schmunzelte. »Stehen Sie noch immer mit der CIA in Verbindung?«

»Würde Ihnen das helfen?«

»Vielleicht, Parker. Ahnen Sie nicht, weshalb ich aufgetaucht bin?«

»Inzwischen ja«, gab der Butler würdevoll zurück. »Ich, darf wohl unterstellen, daß Sie sich im Schutz des A-Geschosses äußerst sicher fühlen, nicht wahr?«

»Jetzt treffen Sie endlich den Nagel auf den Kopf«, erwiderte Calderhan. »Mir kann nämlich nichts, aber auch gar nichts passieren, Parker! Hoffentlich spricht sich das schnell genug herum.«

»Würden Sie sich unter Umständen etwas deutlicher ausdrücken?«

»Na schön... Ich bin ja an der richtigen Adresse, Parker. Also, ich besitze dieses A-Geschoß nach wie vor. Sie wissen genau, welcher verdammte Sprengstoff in diesem Ding steckt. Schön... Das Ding ist gut verwahrt, aber die Bombe tickt, wenn ich mich so ausdrücken soll! Mit anderen Worten, sie wird hochgehen, wenn man meine Bedingungen nicht erfüllt!«

»Was hätten Sie dann davon?« fragte Parker. »Sie können das A-Geschoß nur ein einziges Mal hochgehenlassen.«

»Richtig, Parker, aber darauf wird man es nicht ankommen lassen, verstehen Sie? Man kann sich das nicht leisten! Man weiß doch genau, was dann passiert. Stellen Sie sich vor, ich hätte das Geschoß irgendwo in New York versteckt. Oder in Chikago von mir aus auch in Frisco oder in Los Angeles. Eine Katastrophe, wenn die Ladung zünden würde, oder?«

Parker antwortete nicht sofort.

Er hatte schließlich sehr schnell begriffen. Im Gegensatz zu seinen Behauptungen gab es keinen schwachen Punkt in den Berechnungen Calderhans. Er brauchte sich überhaupt nichts einfallen zu lassen, um an das verlangte Geld zu kommen. Er konnte es ganz frei und ungeschoren abkassieren.

»Ich sehe Ihnen an, daß Sie begriffen haben«, ließ Calderhan sich vernehmen und lächelte wieder in seiner so gefährlich-sympathischen Art. »Ich allein weiß, wo das A-Geschoß steckt. Und ich allein kann dafür sorgen, daß der Zeitzünder nicht losgeht. Man wird sich nach meinen Wünschen richten müssen!«

»Mir scheint, Sie bluffen...«

»Selbst wenn ich bluffe, Parker, restlos sicher werden Sie niemals sein. Ich wiederhole es noch einmal, der Zeitzünder tickt ununterbrochen. Wenn ich ihn nicht anhalte, oder verstelle, wird das Ding hochgehen. Wann und wo? Naja, das ist schließlich mein Trumpf, den ich niemals aus der Hand geben werde.«

»Sie spielen ein verflixt gefährliches Spiel, Mister Calderhan!«

»Das beste Spiel, das ich jemals spielte«, meinte Calderhan und strahlte den Butler siegessicher an. »Aber da wir bereits miteinander reden, Parker. Sie haben ja einen Direktdraht zum CIA: Hören Sie sich sofort an, welche Forderungen ich noch anmelde!«

»Ich höre...«

»Ich verlange selbstverständlich nicht nur eine Million Dollar, Parker. Verzehnfachen Sie diese Summe, dann hört’s sich schon besser an! Mehr will ich dann nicht! Zusätzlich verlange ich vom höchsten Bundesgericht eine Strafaussetzung auf Lebenszeit! Ich möchte das Geld nämlich in aller Ruhe genießen. Hinzu kommt Steuerfreiheit und die Garantie, daß man mich nicht durch die Presse zerrt. Das alles muß ganz sicher und ruhig über die Bühne gehen!«

»Angenommen, man geht auf Ihre Forderungen ein, Mister Calderhan. Was wird dann mit dem A-Geschoß geschehen? Werden Sie es dann ausliefern?«