Gargantua und Pantagruel - Francois Rabelais - E-Book

Gargantua und Pantagruel E-Book

François Rabelais

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Beschreibung

Gargantua und Pantagruel ist ein Romanzyklus von François Rabelais, dessen 5 Bände nacheinander 1532, 1534, 1545, 1552 und 1564 erschienen. Das Erfolgsrezept von Rabelais beruht auf seiner unnachahmlichen Kunst der Mischung: Auf der Stilebene mengt er Ernst und Scherz, spielerische Ironie und bissigen Sarkasmus, derben Witz und hypergelehrte Pedanterie, lustige Wortspielereien und komisch verwendete echte und fiktive Zitate; auf der Strukturebene kombiniert er geschickt meist knappe, immer wieder die Grenzen zum Phantastischen und Grotesken überschreitende Handlungssequenzen und meist längere Erzähler- und Figurenreden, deren letztlich satirische Intentionen kaum zu übersehen sind, auch wenn sie sich oft verstecken, z. B. hinter einer scheinbaren Naivität. Rabelais wurde denn auch jeweils nach dem Erscheinen der Bände von den konservativen Theologen der Sorbonne attackiert, die hinter dem Humoristen und Fabulisten sehr wohl den kritisch-selbständigen Geist und den Anhänger eines unorthodoxen, überkonfessionellen Ökumenismus erkannten.

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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais

Inhalt:

François Rabelais – Biografie und Bibliografie

Gargantua und Pantagruel

Erstes Buch.

Den Lesern.

Des Authors Prologus.

Erstes Kapitel.

Zweites Kapitel.

Drittes Kapitel.

Viertes Kapitel.

Fünftes Kapitel.

Sechstes Kapitel.

Siebentes Kapitel.

Achtes Kapitel.

Neuntes Kapitel.

Zehntes Kapitel.

Eilftes Kapitel.

Zwölftes Kapitel.

Dreyzehntes Kapitel.

Vierzehntes Kapitel.

Funfzehntes Kapitel.

Sechzehntes Kapitel.

Siebzehntes Kapitel.

Achtzehntes Kapitel.

Neunzehntes Kapitel.

Zwanzigstes Kapitel.

Ein und Zwanzigstes Kapitel.

Zwey und Zwanzigstes Kapitel.

Drey und Zwanzigstes Kapitel.

Vier und Zwanzigstes Kapitel.

Fünf und Zwanzigstes Kapitel.

Sechs und Zwanzigstes Kapitel.

Sieben und Zwanzigstes Kapitel.

Acht und Zwanzigstes Kapitel.

Neun und Zwanzigstes Kapitel.

Dreyssigstes Kapitel.

Ein und Dreyssigstes Kapitel.

Zwey und Dreyssigstes Kapitel.

Drey und Dreyssigstes Kapitel.

Vier und Dreyssigstes Kapitel.

Fünf und Dreyssigstes Kapitel.

Sechs und Dreyssigstes Kapitel.

Sieben und Dreyssigstes Kapitel.

Acht und Dreyssigstes Kapitel.

Neun und Dreyssigstes Kapitel.

Vierzigstes Kapitel.

Ein und Vierzigstes Kapitel.

Zwey und Vierzigstes Kapitel.

Drey und Vierzigstes Kapitel.

Vier und Vierzigstes Kapitel.

Fünf und Vierzigstes Kapitel.

Sechs und Vierzigstes Kapitel.

Sieben und Vierzigstes Kapitel.

Acht und Vierzigstes Kapitel.

Neun und Vierzigstes Kapitel.

Funfzigstes Kapitel.

Ein und Funfzigstes Kapitel.

Zwey und Funfzigstes Kapitel.

Drey und Funfzigstes Kapitel.

Vier und Funfzigstes Kapitel.

Fünf und Funfzigstes Kapitel.

Sechs und Funfzigstes Kapitel.

Sieben und Funfzigstes Kapitel.

Acht und Funfzigstes Kapitel.

Zweytes Buch. Pantagruel der Dipsoden König

Zehn-Reim

Des Authors Prologus.

Zehn-Reim

Erstes Kapitel.

Zweytes Kapitel.

Drittes Kapitel.

Viertes Kapitel.

Fünftes Kapitel.

Sechstes Kapitel.

Siebentes Kapitel.

Achtes Kapitel.

Neuntes Kapitel.

Zehntes Kapitel.

Eilftes Kapitel.

Zwölftes Kapitel.

Dreyzehntes Kapitel.

Vierzehntes Kapitel.

Funfzehntes Kapitel.

Sechzehntes Kapitel.

Siebzehntes Kapitel.

Achtzehntes Kapitel.

Neunzehntes Kapitel.

Zwanzigstes Kapitel.

Ein und zwanzigstes Kapitel.

Zwey und Zwanzigstes Kapitel.

Drey und Zwanzigstes Kapitel.

Vier und Zwanzigstes Kapitel.

Fünf und Zwanzigstes Kapitel.

Sechs und Zwanzigstes Kapitel.

Sieben und Zwanzigstes Kapitel.

Acht und Zwanzigstes Kapitel.

Neun und Zwanzigstes Kapitel.

Dreyssigstes Kapitel.

Ein und Dreyssigstes Kapitel.

Zwey und Dreyssigstes Kapitel.

Drey und Dreyssigstes Kapitel.

Vier und Dreyssigstes Kapitel.

Drittes Buch.

Zehn-Reim.

Des Authors Prologus.

Erstes Kapitel.

Zweytes Kapitel.

Drittes Kapitel.

Viertes Kapitel.

Fünftes Kapitel.

Sechstes Kapitel.

Siebentes Kapitel.

Achtes Kapitel.

Neuntes Kapitel.

Zehntes Kapitel.

Eilftes Kapitel.

Zwölftes Kapitel.

Dreyzehntes Kapitel.

Vierzehntes Kapitel.

Funfzehntes Kapitel.

Sechzehntes Kapitel.

Siebzehntes Kapitel.

Achtzehntes Kapitel.

Neunzehntes Kapitel.

Zwanzigstes Kapitel.

Ein und Zwanzigstes Kapitel.

Zwey und Zwanzigstes Kapitel.

Drey und Zwanzigstes Kapitel.

Vier und Zwanzigstes Kapitel.

Fünf und Zwanzigstes Kapitel.

Sechs und Zwanzigstes Kapitel.

Sieben und Zwanzigstes Kapitel.

Acht und Zwanzigstes Kapitel.

Neun und Zwanzigstes Kapitel.

Dreyssigstes Kapitel.

Ein und Dreyssigstes Kapitel.

Zwey und Dreyssigstes Kapitel.

Drey und Dreyssigstes Kapitel.

Vier und Dreyssigstes Kapitel.

Fünf und Dreyssigstes Kapitel.

Sechs und Dreyssigstes Kapitel.

Sieben und Dreyssigstes Kapitel.

Acht und Dreyssigstes Kapitel.

Neun und Dreyssigstes Kapitel.

Vierzigstes Kapitel.

Ein und Vierzigstes Kapitel.

Zwey und Vierzigstes Kapitel.

Drey und Vierzigstes Kapitel.

Vier und Vierzigstes Kapitel.

Fünf und Vierzigstes Kapitel.

Sechs und Vierzigstes Kapitel.

Sieben und Vierzigstes Kapitel.

Acht und Vierzigstes Kapitel.

Neun und Vierzigstes Kapitel.

Funfzigstes Kapitel.

Ein und Funfzigstes Kapitel.

Viertes Buch.

Seiner fürstlichen Durchlaucht

Meinem Hochwürdigsten Gnädigen Herren Odet Cardinal von Chastillon.

Des vierten Buchs alter Prologus.

Des Authors neuer Prologus.

Erstes Kapitel.

Zweytes Kapitel.

Drittes Kapitel.

Viertes Kapitel.

Fünftes Kapitel.

Sechstes Kapitel.

Siebentes Kapitel.

Achtes Kapitel.

Neuntes Kapitel.

Zehntes Kapitel.

Eilftes Kapitel.

Zwölftes Kapitel.

Dreyzehntes Kapitel.

Vierzehntes Kapitel.

Fünfzehntes Kapitel.

Sechzehntes Kapitel.

Siebzehntes Kapitel.

Achtzehntes Kapitel.

Neunzehntes Kapitel.

Zwanzigstes Kapitel.

Ein und Zwanzigstes Kapitel.

Zwey und Zwanzigstes Kapitel.

Drey und Zwanzigstes Kapitel.

Vier und Zwanzigstes Kapitel.

Fünf und Zwanzigstes Kapitel.

Sechs und Zwanzigstes Kapitel.

Sieben und Zwanzigstes Kapitel.

Acht und Zwanzigstes Kapitel.

Neun und Zwanzigstes Kapitel.

Dreyssigstes Kapitel.

Ein und Dreyssigstes Kapitel.

Zwey und Dreyssigstes Kapitel.

Drey und Dreyssigstes Kapitel.

Vier und Dreyssigstes Kapitel.

Fünf und Dreyssigstes Kapitel.

Sechs und Dreyssigstes Kapitel.

Sieben und Dreyssigstes Kapitel.

Acht und Dreyssigstes Kapitel.

Neun und Dreyssigstes Kapitel.

Vierzigstes Kapitel.

Ein und Vierzigstes Kapitel.

Zwey und Vierzigstes Kapitel.

Drey und Vierzigstes Kapitel.

Vier und Vierzigstes Kapitel.

Fünf und Vierzigstes Kapitel.

Sechs und Vierzigstes Kapitel.

Sieben und Vierzigstes Kapitel.

Acht und Vierzigstes Kapitel.

Neun und Vierzigstes Kapitel.

Funfzigstes Kapitel.

Ein und Funfzigstes Kapitel.

Zwey und Funfzigstes Kapitel.

Drey und Funfzigstes Kapitel.

Vier und Funfzigstes Kapitel.

Fünf und Funfzigstes Kapitel.

Sechs und Funfzigstes Kapitel.

Sieben und Funfzigstes Kapitel.

Acht und Funfzigstes Kapitel.

Neun und Fünfzigstes Kapitel.

Sechzigstes Kapitel.

Ein und Sechzigstes Kapitel.

Zwey und Sechzigstes Kapitel.

Drey und Sechzigstes Kapitel.

Vier und Sechzigstes Kapitel.

Fünf und Sechzigstes Kapitel.

Sechs und Sechzigstes Kapitel.

Sieben und Sechzigstes Kapitel.

Fünftes Buch.

Aufschrift.

Des Authors Prologus.

Erstes Kapitel.

Zweytes Kapitel.

Drittes Kapitel.

Viertes Kapitel.

Fünftes Kapitel.

Sechstes Kapitel.

Siebentes Kapitel.

Achtes Kapitel.

Neuntes Kapitel.

Zehntes Kapitel.

Eilftes Kapitel.

Zwölftes Kapitel.

Dreyzehntes Kapitel.

Vierzehntes Kapitel.

Funfzehntes Kapitel.

Sechzehntes Kapitel.

Siebzehntes Kapitel.

Achtzehntes Kapitel.

Neunzehntes Kapitel.

Zwanzigstes Kapitel.

Ein und Zwanzigstes Kapitel.

Zwey und Zwanzigstes Kapitel.

Drey und Zwanzigstes Kapitel.

Vier und Zwanzigstes Kapitel.

Fünf und Zwanzigstes Kapitel.

Sechs und Zwanzigstes Kapitel.

Sieben und Zwanzigstes Kapitel.

Acht und Zwanzigstes Kapitel.

Neun und Zwanzigstes Kapitel.

Dreyssigstes Kapitel.

Ein und Dreyssigstes Kapitel.

Zwey und Dreyssigstes Kapitel.

Drey und Dreyssigstes Kapitel.

Vier und Dreyssigstes Kapitel.

Fünf und Dreyssigstes Kapitel.

Sechs und Dreyssigstes Kapitel.

Sieben und Dreyssigstes Kapitel.

Acht und Dreyssigstes Kapitel.

Neun und Dreyssigstes Kapitel.

Vierzigstes Kapitel.

Ein und Vierzigstes Kapitel.

Zwey und Vierzigstes Kapitel.

Drey und Vierzigstes Kapitel.

Vier und Vierzigstes Kapitel.

Fünf und Vierzigstes Kapitel.

Sechs und Vierzigstes Kapitel.

Sieben und Vierzigstes Kapitel.

Prognostiken-Büchlein

Dem günstigen Leser Gruß und Frieden in Jesu Christo.

Erstes Kapitel.

Zweytes Kapitel.

Drittes Kapitel.

Viertes Kapitel.

Fünftes Kapitel.

Sechstes Kapitel.

Siebentes Kapitel.

Achtes Kapitel.

Neuntes Kapitel.

Zehntes Kapitel.

Epistel des Limousiners im Pantagruel,

Zehn-Reim

Gargantua und Pantagruel, F. Rabelais

Jazzybee Verlag Jürgen Beck

86450 Altenmünster, Loschberg 9

Germany

ISBN:9783849633523

www.jazzybee-verlag.de

www.facebook.com/jazzybeeverlag

[email protected]

François Rabelais – Biografie und Bibliografie

Der größte Satiriker der Franzosen, geb. um 1490 wahrscheinlich in dem Landhaus Devinière bei Chinon, wo sein Vater Advokat war, gest. (nach einer Angabe von 1710) 9. April 1553 (wahrscheinlich 1554) in Paris, besuchte die Schule in Angers und trat dann in das Franziskanerkloster zu Fontenay-le-Comte ein, wo er mit Vorliebe Sprachstudien trieb und sich insbes. eine ungewöhnliche Kenntnis des Griechischen erwarb. Aber seine Gelehrsamkeit und sein Sarkasmus machten ihn den Klostergenossen verhasst; man nahm ihm die griechischen Bücher weg und warf ihn wegen ungeziemenden Betragens ins Gefängnis; nur der Vermittlung einflussreicher Freunde verdankte er die Freiheit und später (1524) die Erlaubnis, den Orden des heil. Franz mit dem der Benediktiner zu vertauschen. Infolgedessen trat er in die Abtei Maillezais ein, hielt es aber auch hier nicht lange aus, legte die Kutte ab, um Weltgeistlicher zu werden, genoss eine Zeitlang die Gastfreundschaft des Bischofs Geoffroy d'Estissac, auf dessen Schlosse sich viele Freigeister und Feinde der römischen Kirche zusammenfanden, und ging 1530 nach Montpellier, um Medizin zu studieren, brachte es auch bald so weit, dass er einige Schriften des Hippokrates und Galen herausgeben konnte (1538). Trotzdem er erst 1537 den Doktorgrad erwarb, finden wir ihn schon 1532 in Lyon als Hospitalarzt; zugleich aber setzte er eifrigst seine gelehrten Studien fort, besonders in der italienischen und altfranzösischen Literatur, und war ein tätiger Mitarbeiter seines Freundes Etienne Dolet, des gelehrten und freisinnigen Buchdruckers, der 1546 als Ketzer verbrannt wurde. Er gab 1532 in Lyon eine Art Volksbuch: »Les grandes et inestimables chroniques du grand et énorme géant Gargantua«, heraus und 1533 eine Fortsetzung dazu, »Pantagruel« (zwei Faksimileausgaben des einzigen Exemplars der königlichen Bibliothek in Dresden, Par. 1904). Im J. 1535 hat er selbst jenen ersten Teil umgeformt u. d. T.: »Gargantua«. Den »Pantagruel« von 1533 zeichnete R. mit seinem Anagramm »Alcofrybas Nasier«, um die Angriffe der arg mitgenommenen Mönche und Pfaffen irre zu leiten. Eine Reise nach Rom als ärztlicher Begleiter des Kardinals Jean du Bellay benutzte er, um vom Papst Paul III. sich eine Bulle zu verschaffen, die ihm Ablass für seine »apostasie« (das Entweichen aus dem Kloster) bewilligte. Er erhielt auch gleich nach seiner Rückkehr vom Kardinal eine Präbende im Stift von St.-Maur des Fossés, wo er sich jedoch nur vorübergehend aufzuhalten pflegte. Das dritte Buch seines Romans, das neue und schärfere Angriffe gegen die Geistlichkeit enthielt, wurde mit königlichem Privilegium unter R.' Namen 1546 gedruckt; jedoch war die Macht seiner Gegner so groß, dass R. sich außerhalb Frankreichs, nach Metz, begab, wo ihn die Gemeinde als Stadtarzt besoldete (1547–48), und nach dem Tode Franz' I., seines mächtigen Beschützers, sich nach Rom zu du Bellay flüchtete und von dort aus sich bemühte, die Gunst Heinrichs II. zu gewinnen. Dies gelang ihm durch einige Schmeicheleien, die er an die Geliebte Heinrichs, Diana von Poitiers, richtete. Er wurde 1551 zum Pfarrer von Meudon ernannt und gab 1548 ein Stück des vierten Buches, 1552 das ganze Buch heraus, gegen das zwar wiederum Sorbonne und Parlament ihr Anathem schleuderten, ohne jedoch gegen die mächtigen Beschützer R.' etwas ausrichten zu können. Erst 1564 erschien, von fremder Hand redigiert, das fünfte und letzte Buch, von dem eine andre 1549 gedruckte Fassung sich als plumpe Fälschung erweist. Vielfach werden Daten und Ereignisse aus seinem Leben auch anders angegeben, denn schon bald nach seinem Tode bemächtigte sich seiner die Legende. R. gehört in die Reihe der Geister ersten Ranges. Die Bildung seiner Zeit in sich fassend, stand er an geistiger Freiheit und in Hinsicht auf seine ganze Weltanschauung weit über dieser. Nie hat ein Satiriker die Geißel des Spottes kühner und furchtloser geschwungen als R. Die Scheinheiligkeit, die Dummpfiffigkeit des Pfaffentums, die Wortklaubereien der Juristen, der marktschreierische Scharlatanismus der Ärzte, die Ausschreitungen der weltlichen Macht, der Übermut und die Unbildung der großen Herren hatten in ihm einen unversöhnlichen und mit vernichtenden Waffen ausgerüsteten Gegner. Den Kampf gegen die Feinde führte er in seinem Roman mit der überlegenen Heiterkeit unerschöpflichen geistigen Reichtums. Aber auch an wahrhaft tiefsinnigen Gedanken, an echter Weisheit ist dies wunderbare Buch reich, wenn schon diese Elemente überwuchert werden von den oft kolossal grotesken Einfällen des Übermuts, des Zynismus, der humoristischen Laune und ganz besonders der Allegorien, die das Verständnis bedeutend erschweren. Wie man in Grangousier, Gargantua, Pantagruel Ludwig XII., Franz I. und Heinrich II. zu erkennen glaubt, so sieht man in Panurg bald den Kardinal von Amboise, bald R. selbst, bald den Typus des Durchschnittsmenschen. Von der größten Bedeutung ist R. auch für die Entwickelung der französischen Sprache gewesen, die er zur Darstellungsfähigkeit seiner Gedanken umgebildet und mit einer Masse von Ausdrücken und Wendungen bereichert hat, die bleibendes Gemeingut geworden sind. Außer dem Roman haben wir von R. noch: »Pantagruéline pronostication«, die »Almanachs«, die »Sciomachie«, einige Episteln in französischen Versen, einige lateinische Verse und eine kleine Anzahl von Briefen. Die besten neuern Ausgaben des »Gargantua und Pantagruel« sind: von Esmangart und Johanneau (Par. 1823–26, 9 Bde.), von P. Lacroix (1825–27, 5 Bde.; 1840 u. ö.), von Burgaud des Marets u. Rathery (1857, 2 Bde.; 1882, sehr zu empfehlen), von Montaiglon und Lacour (1868, 3 Bde.), mit Illustrationen von Doré (1872, 2 Bde., mit Einleitung und Glossar), von Marty-Laveaux (1872–1903, 6 Bde.), von Favre (Niort 1875–80, 5 Bde.), von Lemerre (1903, 6 Bde.). Eine geistvolle deutsche Umarbeitung des »Gargantua« verfaßte J. Fischart. Übersetzungen lieferten G. Regis (Leipz. 1832–41, 3 Bde.; neue Ausg. von Weigand, mit Bibliographie von Pfeffer, Münch. 1906), F. A. Gelbcke (Leipz. 1880), Hegaur u. Owlglaß (Münch. 1905). Denkmäler sind ihm in Chinon und Tours gesetzt.Vgl. Brunet, Recherches bibliographiques sur R. (Par. 1852); Lacroix, R., sa vie et ses ouvrages (das. 1859); Gebhart, R., la Renaissance et la Réforme (Nancy 1877) und R. in der Sammlung »Classiques populaires« (1895); Arnstädt, F. R. und sein Traité d'éducation (Leipz. 1871); Ligier, La politique de R. (Par. 1880); Paul Stapfer, R., sa personne, son génie, son œuvre (das. 1889); Heulhard, R., ses voyagesen Italie, son exil à Metz (2. Aufl., das. 1893); Millet, Rabelais (das. 1892); A. Bertrand, R. à Lyon (das. 1894); Le Double, R. anatomiste et physiologiste (das. 1899); Thuasne, Études sur R. (das. 1904); P. P. Plan, Bibliographie Rabelaisienne. Les éditions de R. de 1532 à 1711 (das. 1904); M. Benoit, R. accoucheur (Montpellier 1904); Mollet, R. clinicien (Par. 1904); A. Lefranc, Les navigations de Pantagruel (das. 1905); »Revue des études rabelaisiennes« (das. 1903 f.).

Gargantua und Pantagruel

Erstes Buch.

Das unschätzbare

Leben des grossen Gargantua,

Vaters Pantagruelis, weiland verfaßt durch

Meister Alcofribas Nasier den Abstractor der Quintessenz.

Ein Büchlein voller Pantagruelismus.

Den Lesern.

  Ihr Leser dieses Buches lobesan

  Thut ab von euch Affect und Leidenschaft,

  Und wann ihrs leset, ärgert euch nicht dran:

  Denn es kein Unheil noch Verderben schafft.

  Die Wahrheit zwar zu sagen, musterhaft

  Ist wenig drinn, wenn wir nicht Lachen meinen.

  Den Text erwählt mein Herz, und weiter keinen.

  Seh ich den Kummer, der euch nagt und frißt,

  Handl ich von Lachen lieber denn von Weinen,

  Dieweil des Menschen Fürrecht Lachen ist.

Des Authors Prologus.

Sehr treffliche Zecher, und ihr meine kostbaren Venusseuchling, (denn euch und sonst niemandem sind meine Bücher zugeschrieben) Alcibiades, in dem Gespräch des Platon die Zech betitelt, sagt unter anderen Reden zum Lob seines Meisters Sokrates, welcher ohnstreitig der Weltweisen Kaiser und König war, daß er sey gleich den Silenen gewesen. Silenen waren vor diesem kleine Büchslein, wie wir sie heut in den Läden der Apotheker sehen, von außen bemalet mit allerlei lustigen, schnakischen Bildern, als sind Harpyen, Satyrn, gezäumte Gänslein, gehörnte Hasen, gesattelte Enten, fliegende Böck, Hirschen die an der Deichsel ziehen, und andre derley Schildereyen mehr, zur Kurzweil konterfeyet um einen Menschen zu lachen zu machen: wie denn des guten Bacchus Lehrmeister Silenus auch beschaffen war. Hingegen im Innersten derselben verwahrt' man die feinen Spezereyen, als Balsam, Bisam, grauen Ambra, Zibeth, Amomum, Edelstein und andre auserlesne Ding. So, sagt er, wär auch Sokrates; weil ihr denselben von aussen betrachtend und äusserm Ansehn nach schätzende, nicht einen Zwiebelschelff für ihn gegeben hättet: so häßlich war er von Leibesgestalt, so linkisch in seinem Bezeigen, von Spitznas, Augen wie eines Stieres Augen, Narren-Antlitz, einfältiger Sitten, bäurisch in Kleidung, arm an Vermögen, bey Weibern übel angesehen, untauglich zu allen Aemtern im Staat, immer lachend, immer Jedem zutrinkend, immer Leute foppend, immer und immer Versteckens gespielt mit seiner göttlichen Wissenschaft. Aber, so ihr die Büchs nun eröffnet, würdet ihr inwendig funden haben himmlisch unschätzbare Spezereyen: einen mehr denn menschlichen Verstand, wunderwürdige Tugend, unüberwindlichen Standmuth, Nüchternheit sonder gleichen, feste Genügung, vollkommenen Trost, unglaubliche Verachtung alles dessen darum die sterblichen Menschen so viel rennen, wachen, schnauffen, schiffen und rauffen.

Wohin (denkt ihr in euern Gedanken) zielt doch dieß Vorspiel, dieser Probschuß? Dahin, daß ihr meine guten lieben Jüngerlein und etlich eurer Mitmaulaffen, wann ihr die lustigen Titel etlicher Bücher von unsrer Erfindung leset, als: Gargantua, Pantagruel, Stürzbecher, die Würdigkeit der Hosenlätz, von Speckerbsen cum commento etc., allzuleichtfertig urtheilt es werd darinnen nichts abgehandelt als eitel Spottwerk, Rarreteiden und lustige Lügenmährlein, hinsichts ihr äusserlich Sinnschild (das ist der Titel) ohn weitre Untersuchung gemeinlich für Possen und Schimpff geachtet wird. Aber also leichtfertiglich ziemt sich nicht Menschenwerk abzuschätzen; denn ihr pfleget doch selbst zu sagen, daß das Kleid nicht den Mönch mach, und ist mancher verkappt in eine Mönchskutt, der innerlich wenig vom Mönchthum weiß; geht auch wohl mancher im spanischen Mantel, dem sein Sinn nimmer nach Spanien stehet. Derhalb soll man das Buch recht aufthun und was drinn ausgeführt sorglich erwägen. Dann werd ihr merken daß die Spezerey drinn wohl von einem andern und höheren Werth ist, als euch die Büchs verhieß: will sagen, daß die hie beregten Materien nicht allerdings so thörigt sind, als es die Ueberschrift vorgeschützt.

Und auf den Fall gesetzt daß ihr auch im buchstäblichen Sinn genugsam lustige Ding anträfet und die sich wohl zum Namen schickten, sollt ihr doch gleichwohl hieran nicht hafften bleiben wie am Sirenen-Sang, sondern vielmehr im höheren Sinn auslegen was ihr vielleicht nur Scherzes halber gesagt zu seyn vermeinet hattet. Zogt ihr auch je einer Flaschen den Pfropf aus? Ei potz Zäpel! so denket zurück wie ihr euch dazu angestellet. Oder sahet ihr je einen Hund, wann er ein Markbein am Wege fand? Dieß ist, wie Plato Lib. 2 de Rep. schreibt, das philosophischste Thier der Welt. Wenn ihrs gesehen habt, habt ihr wohl merken können wie andächtig er es verschildwachtet, wie eifrig ers wahrt, wie hitzig ers packt, wie schlau ers anbricht, wie brünstig zerschrotet, wie emsig aussaugt. Wer treibt ihn an also zu thun? Was ist die Hoffnung seiner Hundsmüh? Was vermeinet er hieraus guts zu erlangen? Nichts weiter als ein wenig Mark: wenn schon in Wahrheit dieses Wenig weit köstlicher denn alles Viel der anderen Ding ist, in Obacht das Mark eine Nahrung, so zur Vollkommenheit der Natur ist erwirket worden, wie Galenus spricht III. facult. nat. et XI. de usu partium.

Nach dessen Fürbild nun ziemet euch Klugheit, daß ihr fein riechen, wittern und schätzen mögt diese edeln Schrifften vom dicken Schmeer, die man zwar leichtlich pürschen mag, schwer aber treffen: dann mittelst fleißigen Lesens und steter Betrachtung das Bein erbrecht und den substantialischen Mark draus sauget, dieß nämlich was ich unter diesen Pythagorischen Symbolis verstanden hab, in gewisser Hoffnung daß euch solch Lesen witzigen und erleuchten wird. Denn ihr sollt wohl einen anderen Schmack und tiefverborgenere Lehr drinn finden, die euch höchstüberschwengliche Sacrament und schaudervolle Mysterien offenbaren wird, beydes was unsre Religion, als Welt-und Regentenstand, wie auch die Hauszucht angeht.

Glaubt ihr auch wohl, auf euern Eyd, daß Homerus, als er die Ilias und Odyssee schrieb, jemals an die Allegorien gedacht hab die aus ihm auskalfatert Plutarchus, Eustathius, Phurnuthus, Heraklides Ponticus und was aus ihnen Politian gestohlen hat? Wo ihr es glaubt, kommt ihr weder mit Händen noch Beinen zu meiner Meinung die besagt, daß dem Homero dergleichen so wenig im Traum erschienen als dem Ovid in seinem Metamorphosen die evangelischen Sacrament, wie sie ein Bruder Hans Laff und wahrer Speckschnäppel sich drinn zu erweisen gemartert hat, ob er vielleicht mehr Narren wie Er, und wie man spricht, Deckel auf seinen Topf fänd.

So ihr es aber nicht glaubt, ey was wehret euch mit dieser muntern und neuen Chronik nicht eben auch also zu thun? Wiewohl Ich, derweil ichs dictirt, so wenig drauf gedacht hab als ihr, die ihr wohl trinkt so gut als ich. Denn ich mit Stellung dieses sehr herrlichen Buches kein ander noch mehr Zeit verthan noch verdorben hab als die ich mir zu Einnahm meiner Leibesnahrung fürbestimmt hätt, nämlich während Essens und Trinkens. Auch ist dieß just die rechte Stund, da man von so erhabenen Dingen und tiefen Scienzien schreiben soll.

Wie sich gar wohl darauf verstanden Homerus, der Spiegel aller Schrifftgelahrten und Ennius, der lateinischen Poeten Ziehvater; wie Horaz bezeuget: wenn schon ein Mollkopf behaupten will daß seine Vers mehr nach Wein denn nach Oel röchen.

Dergleichen sagt nun ein Thier-Lupin auch von meinen Büchern. Aber ich ach ihn einen Quark. Weingeruch, o wie weit nützlicher, schützlicher, kützlicher, himmlisch holdseliger ist er doch als des Oeles! Und werd mirs zu keinem geringern Ruhm anrechnen, daß man von mir sag ich hab in Wein mehr aufgehn lassen denn in Oel, als Demosthenes thät, da man ihm nachsagt' er hätt in Oel mehr verthan denn in Weine. Ich für mein Theil kann nur Ehr und Ruhm davon haben, so man mich für einen guten Schlucker und Kunden mit gelten und laufen läßt. Bin unter dem Namen gern gesehen bei allen guten Pantagruelsbrüdern. Dem Demosthenes hats ohnhin ein Sauertopf längst vorgeruckt daß seine Reden wie eines alten garstigen Oelhökers Kram-Plan röchen. Derhalb legt meine Wort und Werk zum allervollkommensten aus, habt Ehrfurcht vor dem käsförmigen Cerebro das euch mit diesen schönen Schaumbläslein ätzet und, so viel an euch, bleibt mir fein allzeit guter Ding.

Nun so erlabt Euch dran, lieben Schätzlein: lests fröhlig all zu Leibestrost und Nierenfrommen. – Buescht! Hundsfisli! daß euch der Wolf ins G'säß schlag! Wollt ihr mir gleich mein Gottslohn trinken? Ich werd euch auch plötzli Bschaid thun.

Erstes Kapitel.

Von des Gartantuä Antiquität und Stammbaum.

Ich verweis euch auf die grosse Pantagruelinen-Chronik, so ihr die Antiquität und Stammbaum daraus Gargantua uns entsprossen, wollt kennen lernen. Aus selbiger werd ihr mit mehrem ersehen wie die Riesen in diese Welt sind kommen, und wie von ihnen in grader Lini abgesprungen Gargantua der Vater des Pantagruel. Werd euchs auch nicht verdriessen lassen wenn ichs für dießmal übergeh; obschon die Sach von der Art ist daß sie, je mehr man ihrer erwähnt, Euern Gestrengen desto besser gefallen müßt: wie ihr dafür das Ansehen Platos in Philebo et Gorgia habt, deßgleichen Flacci welcher sagt daß etliche Ding (wie denn ohn Zweifel dieß hie eins), immer ergötzlicher würden je öfter man sie erzählt und wiederhohlt.

Wollt Gott, ein jeder wüßt seinen Stammbaum so eigens vom Kasten Noä bis diese Stund! Ich halt dafür es sind ihrer Mehre heut zu Tag Kaiser, Könige, Herzöge, Fürsten und Päpst auf Erden, welche von einigen Bettelbriefträgern und Ballenbindern das Leben haben. Und wiederum Mehre sind Spittel-Pracher, elende Lumpen und Hungerleider die vom Geschlecht und Blute grosser König und Kaiser entsprossen sind, hinsichtlich der erstaunlichen Versetzung der Staaten und Königreich;

Assyriens in Medien,

Mediens in Persien,

Persiens in Mazedonien,

Mazedoniens in Rom,

Roms in Griechenland,

Griechenlandes in Frankreich.

Und daß ich mich, der ichs euch sag, allein zu einem Exempel aufwerf, so glaub ich gänzlich daß ich etwann von einem reichen König oder Fürsten der Vorzeit herkomm: denn ihr habt euer Lebelang keinen Menschen gesehen der einen stärkern Trieb König und reich zu seyn in ihm verspürt hätt, als mich: auf daß ich auch im Saus könnt leben, nix schaffen noch sorgen dürft, und meine Freund und alle fromme geschickte Leut daneben auch stattlich reich machen möcht. Aber ich tröst mich wiederum damit: ist es nit hie, so ist es dort; ja wohl weit mehr als ich mir itzo zu wünschen erkühnt. Tröstet auch ihr euch in euerm Unglück mit diesem, oder besseren Gedanken, und ist es thunlich, habt allzeit frisches Getränk bei euch.

Itzt wieder auf unsre Hammel zu kommen, sag ich: daß uns durch höchste Schenkung des Himmels die Antiquität und Stammbaum Gargantuä vollständiger ist erhalten worden als eine, ohn des Messias Stammbaum, von welchem ich nicht sprechen mag, denn es geziemt mir nicht: auch sind die Teufel (das ist die Kuttner und Blaustrümpf) dawider. Und ward gefunden durch Hans Audeau auf einer Wiesen, so er hätt unweit der Gualeauer Schleussen unter Olive auf der Seit gen Narsoy. Wie der die Gräben dort stechen ließ, da stiessen die Gräber mit ihren Karsten auf ein grosses Grab von Erz; lang ohne maasen, denn sie konnten nimmer ein End davon finden, weil es bis weit in die Vienner Gemarkung strich. Als sie solches an einem Ort erbrochen hatten, worüber ein Becher sculpiret war und mit hetrurischen Lettern rings umhergeschrieben HIC BIBITVR, fanden sie da neun Flaschen in der Ordnung stehen wie man die Kegel in Gasconien zu setzen pflegt, und unter deren mittelster lag ein klein graugrün, artig, schartig, ziemlich schimmelig Büchlein, das stärker den Rosen, aber nicht besser roch.

In selbigem hat man ermeldten Stammbaum der Läng nach mit Canzellarschrift geschrieben funden, nicht auf Papier, noch Pergamen, auch nicht auf Wachs, sondern geschrieben auf Ulmenrinden, wenn schon für Alter so abgenützt, daß man davon mit Müh drey Ziffern in gleicher Reih gewahren mocht.

Ich nun (wiewohl der Ehr unwürdig) ward dazu hin erfordert: da ich sodann mit guter Brillenhülf die Kunst des Aristoteles wie man unscheinbare Lettern lieset, ausgeübt unds so wie ihr hie sehen könnt, verdollmetscht hab zum Frommen aller Pantagrueleser, das ist frisch netzender froher Leser der schauderhaften Pantagruelsthaten. Am End des Buchs stund ein Traktätlein, der antidotirete Firlfanz betitelt. Die Ratten und Matten, oder (daß ich nicht lüg) andere mißgünstige Thier hatten den Anfang davon vernaget. Das andre hab ich hie untergestellt dem alten Schwärtel zu Lieb und Ehren.

Zweites Kapitel.

Der antidotirete Firlfanz,

in einem alten Begräbniß funden.

O, i?.. am der grosse Bändiger der Cimbern

: : ; . ugs durch die Luft, weil ihn der Thau verdroß.

 er erschien, thät man die Trög beklümpern

: ! . frischer Butter, die mit Mulden goß:

Davon die grosse Mutter überfloß

Und schriee laut und bat ihn aufzufangen,

Da der Morast ihm schier zu Bärten schoß;

Ihm mindestens zu reichen eine Stangen.

Die einen schrien, ihm den Pantoffel lecken

Wär besser denn um Ablaß sich bemühn:

Allein da kam der listigste der Gecken

Zum Loch herfür, wo man fischt Kresselin,

Der sprach: Um Gott, Herrn! laßt ihn nicht entfliehn!

Hie ist der Aal, und steckt in dieser Pfütze:

Dort unter seinem Krägel, merkt auf ihn!

Da findet ihr die grosse Tiras-Mütze.

Wie er itzt sein Kapitel wollt beginnen

Fand sich nichts drunter als ein Kalbsgeweih.

Mir ist, sprach er, in meiner Miter drinnen

So kalt, sie druckt auf mein Gehirn wie Bley.

Man wärmt ihn drauf mit Rüben-Spezerey,

Da ließ er sichs am Feuerheerd gefallen,

Wofern ein frischer Gaul vorspännig sey

Den vielen Leuten die die Fäuste ballen.

Ihr Handel war um Patricks heilig Loch,

Gibraltar, und viel tausend andre Hölen,

Ob sie sich wohl vernarben liessen noch

Durch ein Rezept dieß Husten abzustellen:

Weil ihr Bejähnen aller Wind und Wellen

Doch einen jeden baß verdriessen sollt;

Und könnte man sie wohl als Geissel stellen,

Wenn man dereinst hinlänglich sie versohlt.

Auf solchen Schluß rupft Herkules den Raben,

Herkul, aus Lybien kam er eben an.

Was! sagte Minos, will man mich nicht haben?

Die ganze Welt, nur mich nicht bittet man:

Und soll mich dann noch erlustiren dran

Mit Austern und mit Fröschen sie zu speissen?

Ich sey verdammt, wird, weil ich athmen kann,

Ihr Kunkel-Markt je von mir gut geheissen.

Q. B. kam sie zu bläun, der lahme Peter,

Im Freygeleit staarköpfger Mystenbrut.

Der Worfelnde, des Groß-Cyklopen Vetter

Zerdrasch sie: jeder schneuze seine Schnut.

Nur wenig Buker zeugt dieß Hufengut,

Die in der Lohmühl nicht gewippet wären.

Lauft alle her, schlagt Lärm, seyd auf der Huth!

Man wirds euch besser denn vorm Jahre lehren.

Nach kurzer Frist gedachte Jovis Aar

Sich mit dem Part der Schlechten zu gepaaren;

Doch als er sah wie schwer ergrimmt man war,

Sorgt' er das Reich möcht in die Pilze fahren,

Und riß vom Schrein der Pökelheringswaaren

Des Empyräums Feuer lieber fort,

Eh er die heitre Luft die man verfahren,

Ließ beugen unter Masoreten-Wort.

Auf Schwertes Spitze kam der Pact zu stehen

Trotz Até, die sich reigerbeinig dünn

Dort niedersetzt, da sie Penthesileen

In ihrem Alter als Kreßhökerinn

Geehrt sah. Schlechte Kohlenbrennerinn!

Rief männiglich, ziemt dir umherzuhetzen?

Das Römer-Banner raubtest du dahin,

Das man gemacht nach Pergamentes Sätzen.

War Juno nicht, die unterm Himmelsbogen

Mit ihrem Herzog Lockepfeiflein blies,

Man hätt ihr einen bittern Hieb gezogen,

Der ihr am Leib kein ganzes Glied verhieß.

Die Abkunft war, daß sie aus dem Gemüß

Zwo Eyer der Proserpina empfinge,

Und, wo sie wieder sich betreten ließ,

Am Hagedorngebirg in Banden hinge.

Nach sieben Monden, zweiundzwanzig ab,

Geschahs das Der Karthago einst zerstöret,

Manierlich sich in ihren Kreis begab,

Sein Erbtheil fordernd so ihm angehöret;

Zum mindest Theilung unverkürzt begehret

Nach dem Gesetz das Niet und Nagel hält,

Auch von der Brüh ein weniges verehret

Den Kleppern die das Breve ausgestellt.

Doch kommt das Jahr mit einem Türken-Bogen,

Fünf Spindeln, drey Topfböden auch signirt,

Da einem König der zu ungezogen,

Im Klausner-Rock das Kreuz gepfeffert wird.

O Schmach! Um einen Esauspelz verführt

Wollt ihr so viele Morgen sehn verschlingen?

Laßt ab, laßt ab! den Mummschanz detestirt.

Zum Schlangen-Bruder müsset ihr entspringen.

Nach diesem Jahr herrscht friedsam Der da ist,

Mit seinen guten Freunden immerdar;

Da wird kein Trutz mehr seyn noch böser Zwist,

Ein jedes fromme Wünschen macht sich wahr.

Die Hülfe so vordem verheissen war

Dem Volk des Herrn, wird nahn mit Sturmesläuten:

Dann wird die jüngst gescheuchte Mären-Schaar

Wie Königszelter im Triumphe schreiten.

Und diese Zeit der Hokuspokus währt

Bis Mars in Angeln wird gebunden schleichen:

Dann kommt ein Mann der über Alle fährt,

Anmutig, schön, holdselig sonder gleichen.

Nun Herz gefaßt! Ringt nach so süssen Feigen,

Ihr meine Treuen! Mancher ist dahin

Der sich um Gold nicht wieder würde zeigen:

So wird alsdann die alte Zeit beschrien.

Zu guter Letz wird man am Haspenband

Den Wächsernen zum Glocken-Fritz quartieren:

Nicht mehr hinfüro wird Herr! Herr! genannt

Hans Bumbaum der den Bottich pflegt zu führen.

Hui! Wer nur seinen Fochtel dürfte rühren!

Mit allem Hirn-Geschelle wär es aus,

Und könnte man mit Packdraht gar verschnüren

Der Narreteiden ganzes Vorrathshaus.

Drittes Kapitel.

Wie Gargantua eilf Monden im Mutterleibe getragen ward.

Grandgoschier war zu seiner Zeit ein guter Schäker, liebte sowohl als irgend einer damals auf Erden, rein auszutrinken, und aß gern Gesalzenes. Zu dem End führt' er für gewöhnlich einen ganzen Schub Mainzer und Bayonner Schunken, Rauch-Zungen die schwere Meng, Würst im Ueberfluß wann die Zeit war, und gepökelt Rindfleisch mit Mustrig: Lasten vvn Botargen, Salsuzen-Vorrath, nicht Bologneser (denn er scheut' sich vor den Lombardischen Mundbißlein) sondern von La Brene, Bigorre, von Longaulnay und von Rouargue. Als er zu seinen Tagen kommen, nahm er zum Weibe Gurgelmilten, die Tochter des Königs der Millermahler, ein schönes Trüserle, hübschen Visiers, und machten die Beyden öfters zusammen das Thier mit zween Rücken, rieben sich den Speck an einander lustiglich, bis sie von einem schönen Sohne schwanger ward, und denselben trug bis in den eilften Monat.

Denn so lang und länger können die Weiber Leibesfrucht tragen, insonderheit wenn es ein Wunderwerk der Natur ist, und eine Person die ihrer Zeit mannhafte Thaten verüben soll. Wie Homer sagt daß das Kind womit Neptunus die Nymph beschwängert, zur Welt kam, nachdem ein Jahr herum war: dieses war aber der zwölfte Monat. Denn (wie Aulus Gellius Lib. 3. spricht) war diese lange Zeit der Majestät Neptuni schicklich, damit in selbiger das Kind zur Vollkommenheit kam und gebildet wurde. Aus gleichem Grund ließ Jupiter die Nacht da er Alkmenen beywohnt', an achtundvierzig Stunden dauern, weil er in einer kürzern Zeit den Herkules, der unsre Welt von Tyrannen und Bestien säuberte, nicht hätte fabriziren mögen.

Die alten Herren Pantagruelisten haben bestätigt was ich sag, und haben das Kind das eine Frau im eilften Monat nach ihres Mannes Tod gebieret, nicht nur für möglich, sondern für rechtmäßig erkannt:

Hippokrates Lib. de Alimento.

Plinius Lib.VII, Cap. 5.

Plautus in Cistellaria.

Marcus Varro in der Spottschrift das Testament betitelt, wo er des Aristoteles Autorität über diesen Punkt citiret.

Censorinus Lib. de die natali.

Aristot. Lib. VII. Cap. 3. et 4. de natura Animalium.

Gellius Lib. III. Cap. 16. Servius in Ecl. IV. wo er den Vers des Virgilius auslegt:

Matri longa decem, etc.

und andre tausend Fantastenköpf mehr, deren Anzahl noch durch die Legisten verstärkt wird ff. de suis, et legit. l. intestato.§ fin. Et in authent. de restitut. et ea quae parit in undecimo mense.

Ja haben noch expreß darüber ihre speckhäkliche Lex geschmieret: Gallus ff. de lib. et posthum. et l. septimo ff. de stat. homin. nebst andern die ich für itzt nicht nennen mag.

Mittelst welcher Gesetz die Wittwen nach ihrer Männer Hinschied ganzer zween Monat lang des Bürzelspiels auf Hieb und Stoß und alle Trümpf los kecklich pflegen und brauchen dürfen. Ich bitt euch doch gar schön, ihr lieben Haverlinger, wo ihr deren etwann trefft die sich des Aufnestelns verlohnen, sitzt auf und reitet mir sie vor! denn wenns im dritten Monat fängt, wird ihre Frucht des Verblichenen Erbe. Und ist die Schwangerschaft erkannt, stecht frisch drauf zu, so geht das Schifflein, dieweil das Ränzel die rechte Last hat.

Wie sich auch Julia, des Kaisers Octaviani Tochter, niemals ihren Paukern ergab, ausser wann sie sich schwanger spürt'; nach gutem Schiffs-Brauch, welches seinen Steuermann nicht einnimmt, wenn es nicht wohl zuvor kalfatert und geladen ist.

Und wo sie jemand drum schelten wollt daß sie sich also pomeißeln liessen in ihre Schwangerschaft hinein, hinsichtlich doch die Thier selbst niemals ihre trächtigen Leiber dem Männlein zu bemänneln erlauben: so antworten sie daß dieß Thiere sind, sie aber Weiber, wohlbekannt mit denen schönen angenehmen Rechten der Superfötation; wie weiland Populia nach dem Bericht Macrobii im zweyten Buch der Saturnalien zur Antwort gab. Wills aber der Teufel nicht haben daß sie schwanger werden, dann heißts, Spund zu und wisch das Maul.

Viertes Kapitel.

Wie Gurgelmilte in ihrer Schwangerschaft mit dem Gargantua, eine grosse Meng Kutteln aß.

Die Art und Weis wie Gurgelmilte ins Kindbett kam, war folgende: und wo ihrs nicht glaubt, entgehet euch das Fundament. Das Fundament entging ihr eines Nachmittags am dritten Hornung, als sie zu viele Bauntzen gessen. Bauntzen sind feiste Magendärm von Barrenrindern. Barrenrinder sind an der Kripp' und auf Zwirentwiesen gemäste Ochsen. Zwirentwiesen sind zweimal im Jahr Gras tragen. Von selbigen feisten Ochsen nun hätten sie dreyhundert siebenundsechzigtausend und vierzehn geschlagen zum Einsalzen auf Fastnacht, daß sie im Frühjahr fein zeitigs Pöckelfleisch die Füll erzielten; denn sie wollten gern zur Mahlzeit Anfang auch ihr Wörtlein von Gesalznem mit reden, weil der Wein drauf noch einmal so gut schmeckt. Der Kutteln waren viel, wie ihr von selbst einseht, und waren so köstlich daß jeder darnach die Finger leckt'. Aber der große Vier-Teufel war nur, daß mans ohnmöglich lang verwahren noch sparen konnt, denn sie wären verfaulet; welches sich nicht gebühren wollt. Ward also beschlossen mit Stumpf und Stiel sie aufzuessen. Hiezu luden sie alle Leut von Sainnais, Suillé, Laroche-Clermaud, Vaugaudry, vergassen auch nicht die von Couldray, Montpensier, von Gué de Vede und andere Nachbarn alles gute Kunden, gute Zecher, schöne Kegelschieber. Der gute Mann Grandgoschier hätte daran sein herzlich Lust und Freud und ließ es ihnen mit Scheffeln messen, warnet' aber dabei sein Weib, daß sie davon das wenigst ässe, weil sie nah auf ihrem Ziel ging und dieß G'schling just keine sehr rathsame Speiß wär. Denn, sprach er, der muß große Lust zum Dreckkäun tragen, der diese Säck ißt. Dieser Ermahnungen ungeachtet aß sie deren doch sechzehn Wispel, zween Scheffel und sechs Metzen auf. O schöne fecalische Materi, die ihr im Leibe bluttern sollt!

Nach dem Mittagsimbiß zogen sie all kopfüber unter das Weidicht hinaus, und tanzen da auf dem dichten Gras nach hellen Pfeiflein und süssen Schalmeyen so fröhlig daß eine himmlische Lust war sie dergestalt sich tummeln zu sehen.

Fünftes Kapitel.

Die Trinker-Gespräch.

Drauf kamen sie ins Halbabendbrod-Gespräch mit einander am schicklichen Ort. Da ging es an ein Flaschen-Laufen, Schunken-Traben, Becher-Fliegen, Stamper-Klirren. Lauf und schaff! Trill dich und troll dich! Stell mir her, ohn Wasser, so Freund. Stürz mir dieß Glas brav, schenk mir Claret ein daß das Glas heult. Durst-Frieden! O du arges Fieber! Wirst du nicht weichen? Mein Six, Gevatterin, ich kann die Zech nicht mitthun. Habt ihr euch etwann verkältet, Bäslein? Freylich. Potz Velten! lasst uns von Trinken reden: ich trink nicht denn zu meinen Stunden, wie des Papsts Maulthier. Ich trink nicht, denn aus meinem Brevier, wie ein guter Gardian-Vater. Was war eher, Durst oder Trinken? Durst: denn wer hätt im Stand der Unschuld ohn Durst getrunken? Trinken den privatio praesupponit habitum. Ich bin ein Gelahrter: Foecundi calices quem non fecere disertum? Wir unschuldigen Kindlein trinken nur allzuviel ohn Durst. Ich Sünder aber nie ohn Durst: hab ich ihn jetzt nicht, so hab ich ihn künftig, muß also fürbaun, seht ihr ein. Ich trink für den Durst der kommen soll. Ich trink ewig. Dieß ist mein Ewigkeitstrinken und meine Trinkewigkeit. Gesungen, getrunken, stimmt an einen Kanon! Wo ist mein Kanon? mein Trichter? ich trink nicht anders denn per procuram. Netzet ihr daß es trocknet, oder trocknet ihr daß es naß wird? Ich versteh mich nicht auf die Theorik, aber mit der Praktik da behelf ich mich ein wenig. Basta. Ich netz, ich feucht, ich trink, und alls aus leidiger Todesfurcht. Trinkt allzeit, so sterbt ihr nimmer. Wenn ich nicht trink, so bin ich im Treuchen: so bin ich todt; mein Seel wird in einen Froschpfuhl fahren; im Treuchen wohnet nimmer kein Seel. Küper! o ihr Schöpfer neuer Formen, macht mich aus einem der nicht trinkt, zum Trinkenden! Unvergängliche Sprengwedlung über diese Nerven und dürren Därm! Der trinkt um nix der nix von spürt. Dieser schlägt einem in die Adern, das Brunzerl kriegt da nix von ab. Ich möcht hie diesem Kalb das ich heut fruh geputzt hab, die Kutteln spühlen. Ich hab meinen Magen wohl ballastirt. Wenn das Papier meiner Schuldregister so wacker trinken könnt als ich, meine Gläubiger kriegten ihr Weinl wohl, wenns an ein Liquidiren ging. Diese Hand verstellt dir nur die Nas. O wie viel andre werden da noch eingehn ehe dieser ausfährt! So im Seichten zu trinken: hui, da muß einem schier der Gurtriem platzen. Dieß heiß ich mal ein Vogelstellen mit Flaschen getrieben. Was Unterscheids ist zwischen Boutelgen und Flaschen? Grosser: den Boutelgen stopft mans Loch mit Pfropfen zu, den Flaschen mit Schrauben. Ehrbar! Unsre Alten tranken derbe, liessen nichts im Topf. Scheiß auf dein Singen, getrunken! getrunken! Habt ihr was an den Fluß zu b'stellen? der geht itzt hin die Kutteln zu spühlen. Ich trink nicht tiefer denn ein Schwamm. Ich trink wie ein Templer. Ich tamquam sponsus. Und ich sicut terra sine aqua. Ein Schunken-Synonymum! wer weiß! Ist ein Zech-Compulsorium, ist ein Schrotleiter: durch die Leiter bringt man den Wein in Keller, durch den Schunken in Bauch. Hei da, zu trinken! zu trinken he! Es hat kein Ladung. Respice personam! Pone pro duos-bos ziehts noch nicht. Wenn ich so tapfer aufsteig als ich zu Thal laß, ich wär längst hoch in Lüften. So kam Jack Coeur zu guten Tagen, so gedeihet das Holz in der Brachen. So unterwarf ihm Bacchus Indien, so philosophiren sie in Melindien. Ein kleiner Regen mag grossen Wind legen. Lang Trinken bricht Donner. Wenn aber mein Schwanitz solchen Harn pißt', möchtet ihr in auch saugen? Ich halts noch an, ein Weil. Schenk her, Bub! sieh, ich stell dir mein Vollmacht auf meinen Kopf. Stichs aus mein Seppel, hie ist noch ein Scheppel. Ich verwahr mich widern Durst apellando als vor Chikan: Bub, relevir du mein Beschwer solenniter, dieß Jücken! Sonst pflegt ich zwar stets rein auszutrinken, itzunder lass' ich auch nichts drinn. Wir wollen uns nicht übereilen, auf daß nichts umkomm. Eingesackt!

Seh eins die Sonntagskutteln, seht die Bratenbaunzen von dem Falben mit dem schwarzen Strich!

Ey laßt uns ihn doch striegeln, um Gott! als gute Hauswirth, blank und rein! Trinkt, oder ich will euch ... Nicht doch! trinkt, ich bitt euch schön. Die Spatzen fressen nicht, man streicht ihnen denn die Schwäntz! ich trink nicht, man schmeichel mirs den ein.

Lagona edatera! Es ist in meinem ganzen Leib kein Ratz-Loch da mir dieser Wein nicht den Durst erfrettelt. Der pürscht mir ihn gut. Der wird mir ihn ganz und gar Landes verweisen. Blast's bei Boutelgen- und Flaschenschall aus, daß wer seinen Durst verloren hat, ihn nicht allhie zu suchen hab: lange Sauf-Klystir haben ihn aus unsern Häuslein längst verjagt. Gott macht' den Himmel und Sonnen drein, wir Lümmel machen die Tonnen rein. Ich führ das Wort Gottes im Mund: Mich dürstet. Der Stein Asbestos ist nicht unauslöschlicher als der Durst meiner Würden. Der Hunger, sagt Angeston kommt wenn man ißet, aber der Durst vergeht wenn man trinkt. Ein Mitel wider den Durst? Es ist das Widerspiel der Arzeney wider den Hundsbiß: lauf allezeit dem Hunde nach, so beißt er dich nimmer: und trink allzeit dem Durste vor, so erwischt er dich nimmer. Itzt hab ich euch gefangen, itzt bring ich euch diesen Wecker zu. Küper, o du ewiger Wecker, schütz und behüth uns du vorm Schlaf! Hundert Augen hätt Argus zum sehen, hundert Händ muß ein Küper haben, zum unermüdlichen Weinauszapfen wie Briareus. Heisa! frisch genetzt, es ist gut Trocknen. Weissen! schenks gar aus, schenk ins Teufels Namen, schenk hier, bis 'rauf! mir schwält die Zung. Trinke Si' lans! Prost Kamrad! Munter! la la la, das heiß ich schlampampt, das. O Lacryma Christi! Dieser ist von der Devinie's, ist Zirbelwein. O des edeln Weissen! Auf meine Seel, ein tafftens Weinl! he he he, es ist einöhriges Gewächs, echtes Gespinst und tüchelt wohl. Courag mein G'sell, auf diesen Gang gehn wir noch mit, denn ich hab ein Zwickmühl ex hoc in hoc gemacht; es ist kein Hexerey dabey, es habens all mit angesehen. Darinn such ich meins Gleichen hie auf dem Platz. Ey lyrum larum, ich bin Pfaff Matz. O o der Schlucker! der Durstigen! Bursch, Bursch, mein Freund! fülls hie und krön den Wein, ich bitt dich. Auf Cardinalisch: Nam natura abhorret vacuum: meint ihr ein Muck hätt hie getrunken? Holla! auf gut Bretanisch, rein aus mit der Neigen! niedergeschluckt! ist Kraut, es sticht nicht.

Sechstes Kapitel.

Auf was seltsame Art Gargantua geboren ward.

Während sie diese Trinkwörtlein noch wechselten fing Gurgelmilte sich über Leibsschmerz zu klagen an; daß Grandgoschier vom Gras aufstund, ihr liebreich zusprach in Meinung es wären die Kindeswehen und zu ihr sagt', es wär ihr dort gewesen zu frisch in dem Weidengebüsch und würd gewiß nicht lang mehr währen, so würd sie junge Bein gebären; müßt also sich auch ein frisch Herze fassen zur frischen Ankunft ihres Püppleins, und wenn ihr der Schmerz auch ein wenig streng däucht', so würd er doch bald ein Ende nehmen, und die drauf folgende Freud ihr all dieß Leid vertreiben, also daß sie gar nicht mehr dran denken würd. Denn, sprach er, ich beweis euchs: unser Heiland im Evangelium Johannis Sechzehn, sagt er nicht: Ein Weib, wenn sie gebiert, so hat sie Traurigkeit; wenn aber sie das Kindlein erst zur Welt geboren, gedenkt sie nicht mehr an die Angst? – Ey, spricht sie, daran sagt ihr recht, und diese evangelische Reden hör ich weit lieber und thun mir besser als wenn mir einer ein langes und breits das Leben der heiligen Magret vorsagt und mehr dergleichen Pfaffengewäsch. – Nur Lamms-Courag! sprach er, schafft dieß fort, so machen wir bald ein anders. – Ha! spricht sie, was doch ihr Mannsleut für gut reden habt. Nu mit Gottes Hülf will ich mich zwingen weils euch lieb ist. Aber ich wollt zu Gott daß er euch abgehauen wär. – Wer? was? spricht Grandgoschier. – Ha, antwort sie, wie blöd ihr thut! ihr verstehets ja wohl. – Mein G'sell? sprich er: Potz-Zickel-Blut! wenn euch dieß ansteht, schafft doch gleich ein Messer her! – Ach, sprach sie, ach bei Leib nit! Gott verzeih mirs, ich meints nit von Herzen. An meine Reden dürft ihr euch nicht kehren, weder wenig noch viel. Aber heut werd ich wohl mächtig zu schwitzen kriegen, so Gott mir nicht beisteht, und das alls um eures G'sellen willen, damits euch wohl wär.

Nur Herz gefaßt, nur Herz, sprach er, bekümmer dich des weitern nicht, und laß die vier Ochsen da vorn nur ziehen. Ich geh itzt und trink noch ein paar Schlückel, werd aber gar nicht weit seyn: wo dich indeß ein Weh austieß, bin ich auf einen Pfiff in die Hand flugs wieder bei dir.

Ueber ein kleines fing sie zu ächzen, zu lamentiren, zu schreyen an. Alsbald erschienen Hebammen haufenweis von allen Enden; die befühlten sie zu unterst und fanden ein Geschling von ziemlich argem Geschmacke, dachten es wär das Kind: allein es war das Fundament das ihr entging durch die Erweichung des graden Darmes (welchen ihr den Mastdarm nennt), weil sie zu viele Kutteln gessen, wie wir zuvor berichtet haben.

Da macht' ihr eine alte Vettel aus der Gevatterschaft, die für eine große Aerztin geachtet, und vor etlichen sechzig Jahren von Brisepaille bei Sainct Genou dorthin gezogen war, die macht' ihr ein so entsetzlich Restrinctif, welches ihr alle Carunkeln im Leib dermasen zusammenschnürt' und räutelt', daß ihr sie mit genauer Noth mit den Zähnen hättet erlockern mögen: was schauderhaft zu denken ist: zumal der Teufel doch in der Meß des heiligen Martin als er das Geträtsch der beyden Sybillen aufschrieb, sein Pergament mit schönen Zähnen gar wohl zu prolongiren wußt.

Durch diesen Unfall öffneten sich die Cotyledones der Gebärmutter oberwärts, durch welche das Kind kopfüber hupft' in die hohle Ader, dann durch das Zwergfell weiter kroch bis über die Achseln, (wo sich gedachte Ader in zwey teilt,) und seine Straß zur linken nehmend, endlich durchs linke Ohr zu Tage kam. Sobald es geboren war schrie es nicht, wie die andern Kinder, mi mi mi! sondern mit lauter Stimm: zu trinken! zu trinken! zu trinken! gleich als ob es die ganze Welt zu trinken ermahnt', so hell auf, daß es die ganze Gegend von Beusse und Bibaroys vernahm. Ich bild mir ein, ihr werd an diese verwundersame Nativität nicht steif und fest zu glauben wagen. So ihrs nicht glaubt, fichts mich nix an: aber ein Biedermann, ein Mann von Verstande glaubet allzeit das was man ihm sagt und was er in Schriften findet. Sagt nicht Salomo Sprichwörter am Vierzehnten: der Unschuldige glaubt jedes Wort u.s.w.? und der heilige Paulus Ersten Korinther 13: die Liebe glaubet alles? Warum wollet ihrs also nicht glauben? Weil man es nimmer ersehn hat, sagt ihr. Ich aber sag euch daß ihr eben um dieser einigen Ursach willen ihm vollen Glauben schenken müßt. Denn die Sorbonnisten nennen den Glauben ein Argumentum derer Ding, die man niemals mit Augen siehet.

Laufts etwann wider unser Gesetz, Glauben, Vernunft, oder heilige Schrift? Ich meines Orts kann in der Bibel nichts finden was dawider wär. Und wenn es Gott so gefallen hätt, meint ihr er hätts nicht thuen können? Ey ich bitt euch doch um alles, umnebelkäppelt euch nicht die Köpf mit solchen eiteln Gedanken: ich sag euch daß bey Gott kein Ding unmöglich ist. Und wenn er wollt so brächten von Stund an die Weiber ihre Kinder also durchs Ohr zur Welt! Bacchus, kam er nicht aus dem Schenkel des Jupiter? Spaltenfels nicht aus der Fersen seiner Mutter? Fliegenschnäpper aus seiner Ammen Pantoffeln zur Welt? Minerva, entsprang sie nicht durchs Ohr aus Jupiters Hirn? Adonis durch eines Myrrhenbaums Rinden? Kastor und Pollux aus einem Ey das Leda gelegt und ausgebrütet? Wie aber sollt ihr erst erstarren und staunen wenn ich euch itzund gleich das ganze Kapitel des Plinius auslegen wollt, in welchem er von seltsam unnatürlichen Geburten handelt? Gleichwohl bin ich noch lang kein so dreister Lügner als er. Lest nur in seiner Naturgeschichte das dritte Kapitel des siebenten Buchs und quält mir nicht länger die Ohren damit.

Siebentes Kapitel.

Wie Gargantua benamset ward, und wie er sich zur Tränk hielt.

Während der gute Mann Grandgoschier noch zecht' und mit den Andern schwärmet', hört er das mörderliche Geschrey welches sein Sohn bey seinem Eintritt in dieses Licht der Welt erhub, als er zu Trinken! zu Trinken! brüllte: und sprach: I gar! kannt du aa schon fein dursten! Welches als die Gäst vernahmen, sagten sie daß er um dieserwillen durchaus Gargantua heissen müßt, weil dieß das erste Wort seines Vaters bey seiner Geburth gewesen wär; nach Fürgang und in Nachahmung der alten Hebräer. Hierin war derselbe ihnen auch gern zu Willen, gefiel auch seiner Mutter wohl. Und um ihn zufrieden zu stellen brachten sie ihm zu trinken was oben ein wollt: und ward nach frommer Christen Sitt zur Tauf getragen und getauft.

Und wurden siebzehntausend neunhundert und dreyzehn Küh von Pautillé und Brehemond verschrieben, für gewöhnlich ihn zu säugen; denn eine bastante Amm zu finden war im ganzen Land unmöglich, in Betracht der grossen Mengen Milch die zu seiner Nahrung erforderlich war. Zwar wollen ein Paar Skotistische Doctoren behaupten daß seine Mutter ihn gestillt hab und daß sie vierzehnhundert zwey Pipen neun Maas Milch auf jeden Ruck aus ihren Brüsten hab melken können. Aber es ist der Wahrheit nicht ähnlich, und dieser Satz mammaliter pro scandaloso, wehmüthigen Ohren ärgerlich, und schon von weitem nach Ketzerey ausdrücklich stinkend erkläret worden.

In solcher Weis bracht er ein Jahr und sechs Monden hin, um welche Zeit man nach dem Rath der Aerzt ihn anfing auszutragen, und ward nach Angab des Jahn Denyau ein schönes Ochsen-Kärchel gebauet, in selbem kutschirt' man ihn fröhlig umher: und war eine Lust ihn anzusehen, denn er hätt ein hübsch Göschlein, wohl zehn Kinn am Hals, schrie auch fast wenig; dafür aber bekackt' er sich zu allen Stunden, denn er war eines ungebührlich durchschlägichen Gesässes, theils aus natürlicher Complexion teils durch zufälligen Habitum, den ihm das viele Saugen des September-Traubenmüsleins zuzog. Doch sog er davon keinen Tropfen ohn Ursach; denn wenn sichs traf daß er verdrüßlich, dickschnutig, bös, oder mogrich war, wann er schrie, strampelt', heult', und man bracht ihm zu trinken, gleich kam er euch wieder zu sich und war ganz still und guter Ding. Seiner Wärterinnen eine hat mirs auf ihre Tru geschworen er hätt dieß also in der Art daß er beim blosen Schall der Kannen und Flaschen schon in Verzückung käm als ob er die Freuden des Paradieses im Voraus schmeckt'; derhalb sie in Betrachtung dieser göttlichen Eigenschaft, um ihn am frühen Morgen aufzuheitern, mit einem Messer an die Gläser klinkten, oder mit Flaschen-Spunden, oder mit Kannen-Deckeln klirrten: auf diesen Schall würd er gleich lustig, hüpft' auf und wiegt' sich selber ein mit dem Kopfe lottend, monochordirt' mit den Fingern und barytonirt' mit dem Arß.

Achtes Kapitel.

Wie man Gargantua kleiden thät.

Als er zu diesem Alter kommen, befahl sein Vater ihm Kleider zu machen nach seinen Farben, weiß und blau. Da ward sogleich Hand angelegt, und wurden gemacht, genäht, geschneidert nach damal cursirender Landes-Mod. Aus den alten Archiven der Rechnungskammer zu Montsoreau erseh ich daß er in folgender Art bekleidet war:

Zu seinem Hemd wurden ausgehoben neunhundert Elen Leinwand von Chastelleraud, und zweyhundert zu den Zwickel-Kißlein unter die Achseln. Und ward nicht gefältelt; denn das Fälteln der Hemden ist erst aufkommen seit die Nähterinnen die Spitzen ihrer Nadeln zerbrochen haben und mit dem Oehr zu handieren begonnen.

Zu seinem Wams wurden ausgehoben achthundert dreyzehn Elen weißer Atlaß, und zu den Nestelschnüren fünfzehnhundert neun und ein halb Hundshäut, denn damals fing die Welt an die Hosen an das Wams zu henken, nicht das Wams an die Hosen, denn es lauft dieß der Natur zuwider, wie ausführlich darthut Ockam über die Exponibilien des Meisters Beinkleiderios.

Zu seinen Hosen wurden erhoben eilfhundert fünf und ein Drittel Elen weissen Sammets, und waren gemützert in Form geriefter crenelirter Säulen hinten, damit sie ihm nicht die Nieren erhitzten; die Mützen aber mit blauem Dammast innwendig geflitzert so viel als nöthig: und ist zu merken daß er sehr schön beschienbeint war und in der rechten Proportion zu seiner übrigen Leibesstatur.

Zu seinem Hosenlatz wurden erhoben sechzehn und ein Viertel Elen des nämlichen Zeuges, und war gestalt wie ein Strebebogen gar lustig zwischen zwey schöne güldene Rinken gespannet, in die zween Hefftel von Glockenspeiß eingriffen, und in jedem derselben war ein dicker Smaragd von der Größ eines Pomeranzapfels eingefaßt. Denn es hat dieser Stein, (wie Orpheus Libro de Lapidibus, und Plinius Libroultimo lehren) erectivische und stärkende Kraft des natürlichen Gliedes. Des Latzes Schlitz war einen Stab lang, gemützert wie die Hosen und mit blauem Dammast gepufft wie oben. Hättet ihr aber erst die schöne Verbrämung von Cantille gesehen, und das artige güldene Stickwerk dran, besetzt mit feinen Demanten, feinen Rubinen, feinen Türkisen, feinen Smaragden und Persischen Perlen: so würdet ihr ihn einem schönen Horn des Ueberflusses verglichen haben, wie ihr auf den Antiken seht und wie sie Rhea den beyden Nymphen Adrastea und Ida, denen Ammen Jupiters verehrt'. Stets prächtig, trächtig, übersäftig, immer grünend, immer blühend, früchtesprühend, voller Blüthen, voll aller Frucht und Herrlichkeit. Gott sey mein Zeug ob nicht der Latz ein stattlichs Aussehn hätt', doch werd ich euch davon noch ganz andre Ding berichten in dem Buch das ich von Würdigkeit der Lätz verfaßt hab. Eins aber sollt ihr dennoch wissen: daß er, obschon so lang und breit, doch innerlich sehr wohl verproviantiret und beschlagen war, in keinem Stück den heuchlerischen Schein-Lätzen einer ganzen Schaar von Schleckern ähnlich, als in welchen zu großem Präjudiz der Weibsleut, gar nichts enthalten ist denn Wind.

Zu seinen Schuhen wurden erhoben vierhundert sechs Elen karmesinblauen Sammets und wurden zierlich gemützert in parallelischen Linien, durch gleichförmige Cylinder verbunden. Zu Besohlung derselben nahm man eilfhundert braune Kühhäut, geschnitten nach der Stockfischschwänzenart.

Zu seinem Leibrock wurden erhoben achtzehnhundert Elen blauen, wohl im Grän gefärbten Sammets, rings mit schönem Laubwerk bordirt, und in der Mitten mit silbernen Bechern von Cantille, umgestülpt unter güldenen Sparren mit dichten Perlen, anzuzeigen daß er ein guter Stürzbecher zu seiner Zeit würd werden.

Sein Gürtel war aus dreyhundert und einer halben Elen Seiden-Sarsch, halb weiß, halb blau, wofern ich nicht sehr irr.

Sein Degen war nicht von Valenz, noch auch sein Dolch von Saragossen; denn sein Vater hasset' dieß ganze vermauschelte Indalgos- und Bourratschenvolk wie Teufel: sondern er hätt einen schönen Degen von Holz, und einen Dolch von gummiertem Leder, so fein verguldet und gemalt wie sichs nur einer wünschen mocht.

Sein Seckel war aus dem Hodensack eines Oriflanten gefertigt, der ihm Myn Heer Prakontal Statthalter in Lybien verehret.

Zu seinem Mantel wurden erhoben neuntausend sechshundert weniger zwey Drittel Elen blauen Sammets, wie oben, ganz mit Gold durchfadmet in diagonalischer Figur: welches nach richtiger Perspektiv eine unbekannte Farb gab wie ihr an Turteltaubenhälsen sehet, allen denen die ihn sahen ein unvergleichlicher Augentrost.

Zu seinem Barretlein wurden erhoben dreyhundert zwey und ein Viertel Elen weissen Sammets und war die Form desselben weit und rund nach Umfang des Hauptes; denn sein Vater sagt' daß diese heutigen Barretlein auf Marrabesisch, wie ein Pastetensatz gestaltet, noch eines Tages ihren Verstutzten schlimme Händel zuziehn würden. Statt Federbusches trug er eine schöne grosse blaue Feder von einem Onokrotalus aus dem wilden Hyrkanien, die ihm gar zierlich übers rechte Ohr hing. Zu seiner Medaille führt' er in einer güldenen, achtundsechzig Mark schweren Platten eine Figur von gleichem Schmelzwerk, worinn ein menschlicher Leib bossirt war mit zween Köpfen, den einen gegen den andern gedreht, vier Armen, vier Beinen, und zween Aerßen, wie Plato in Symposio sagt daß die menschliche Natur in ihrem mystischen Ursprung beschaffen gewesen, und stund darum mit ionischen Lettern geschrieben: AGAIIH OY ZHTEI TA EAYTHS.

Sein gülden Kettlein das er am Hals trug, wog fünfundzwanzigtausend sechzig drey Mark Goldes in Form grosser Beeren, mit grünen rauh geschliffenen Jaspissteinen durchzogen, die wie Drachen graviret und geschnitten waren, sämmtlich mit Strahlen und Funken umzirkelt, wie einst der König Necepsos trug: und hing ihm bis zum obern Buckel des Bauchs herunter; davon er dann sein Lebelang den Nutzen spürt', welcher den griechischen Aerzten bewußt ist.

Zu seinen Handschuhen wurden verschnitten sechzehn Koboldsfell, und zum Vorstoß dran drey Währwolfshäut; und wurden ihm also zugericht nach dem Rath der Cabalisten zu Sainlouand. Von Ringen (deren ihn sein Vater zu Erneuerung des Zeichens alter Ritterschaft tragen ließ) hätt er am Zeigefinger der Linken einen Karfunkel von der Größ eines Strauseneyes, in feines Seraphsgold zierlich gefaßt. Am Arztfinger eben dieser Hand hätt er einen Ring aus den vier Metallen allzumal, auf die wunderbarste Art verfertigt, die man noch je mit Augen gesehen: denn weder verschlang der Stahl das Gold, noch bracht das Silber das Kupfer unter. Alles gemacht durch Hauptmann Chappuys, und seinen guten Factor Alcofribas. Am Arztfinger der Rechten hätt er einen Ring in spiralischer Form, darein ein vollkommner Balas-Rubin, ein ausgespitzter Demant, und ein Smaragd vom Physon unschätzbaren Werthes gefaßt waren. Denn Hans Carvel, Gross-Juwelier des Königs von Melindien schätzt' sie zusammen auf neunundsechzig Millionen, achthundert vierundneunzigtausend und achtzehn lange Wollenhammel. So hoch habens auch die Fuckart von Augspurg geschätzet.

Neuntes Kapitel.

Von des Gargantuä Farben und Leibtracht.

Die Farben des Gargantuä waren Weiß und Blau, wie ihr zuvor habt lesen können: und damit wollt sein Vater sagen daß er eine himmlische Freud wär. Denn das Weiß bedeutet' ihm Freud, Vergnügen, Lust und Fröhligkeit, und das Blaue himmlische Ding. Ich merk zwar wohl, daß ihr bey Lesung dieser Wort des alten Zechers spotten und die Auslegung der Farben allzu ungewaschen und ausser Ordnung finden werdet: denn, sagt ihr, Weiß bedeutet Treu und Glauben, Blau Beständigkeit. Aber erhitzt, erbost, ereifert, eräschert euch nur nicht erst lang (denn es ist eine gefährliche Zeit) sondern gebt Antwort auf meine Frag: ein andre Streng werd ich nicht brauchen gegen euch noch wer es sey. Nur ein Paar kurze Tischwörtlein werd ich euch zu Gemüthe führen.

Wer sticht, wer stößt euch? Wer behauptet, daß Weiß Treu, Blau Beständigkeit bedeutet? Ein lotterichs Büchel, sprecht ihr, so die Bisarten und Ballenträger feil tragen, der Farben Wappen-Saal betitelt. Wer hat's g'macht? Wer er auch immer sey, daran hat er gescheit gethan, daß er nicht seinen Namen dazu geschrieben hat. Im übrigen aber weiß ich nicht was mich an ihm mehr wundern soll, sein Fürwitz, oder seine Dummheit. Sein Fürwitz, daß er ohn all Ursach, ohn Grund noch Schein, ans eignem Ansehn sich vorzuschreiben erkecket was für Ding die Farben bedeuten sollen: welches der Tyrannen Art ist, die ihren Muthwillen statt der Vernunft aufwerfen, nicht aber der weisen verständigen Leut, die ihre Leser mit deutlichen Gründen zufrieden stellen.

Seine Dummheit, daß er vermeint die Welt werd ohn weitern Beweis noch bündige Argument ihre Wappen-Divisen nach seinem läppischen Schrollen einrichten. Und ist auch nicht ohn, denn er hat (wie das Sprichwort sagt: dem durchlaufigen Arß hangt allzeit der Dreck an) ein überley Häuflein Gecken aus der alten Zeit der hohen Mützen vorgefunden, die seinen Schriften Glauben geschenkt und ihre Denkreim und Wahlsprüch darnach geschustert, ihre Mäuler darnach bekappzaumt, ihre Buben gekleidet, ihre Hosen gemustert, ihre Handschuh verbrämt, ihre Betten befranzt, ihre Fähnlein gemalt, Lieder gefertigt und (was das ärgst ist) unter den züchtigen Matronen heimlich allerlei schlechte Ränk und Gaunereyen geschmiedet haben. In gleicher Finsterniß stecken auch diese prunkischen Höfling und Namen-Verrucker, die in ihren Divisen, um Hoffnung auszudrücken, eine runde Offnung, oder Hopfenstang malen lassen, ein Bein für Pein, das Kraut Ancholi für Melancholi, den zweigehörnten Mond für ein zunehmend Glück, eine zerbrochene Bank für einen Bankerottirer, Nicht und ein Panzerhemd für ein nicht hartes Kleid noch Wesen, Litzelsalat für Lizentiat: welches so alberne, fade, bäurisch barbarische Homonymien sind, daß man einem Jeden sollt einen Fuchsschwanz an das Koller henken und eine Larv von Kühdreck fürthun, der sich hinfüro noch in Frankreich nach Wiedereinsetzung der guten Künst und Wissenschaften, ihrer gebrauchen oder bedienen möcht.

Mit gleichem Fug (man sollt aber lieber Unfug und Narrheit sagen) könnt ich einen Schmachtriemen malen lassen zum Zeichen daß man mich schmachten ließ: und einen Senffstopf für mein Herz, das man nicht eben sänftlich stopf, und einen Pißpott als Kämmerling. Mein Hosenboden wär ein Furzfaß, mein Hosenlatz eine Stiftscanzley, und ein März-Schwein wär ein Herzensschrein, darinn mein Liebsten Gunst belegen.

Gar anders hieltens im Alterthum die weisen Aegyptier wenn sie mit Lettern schrieben welche sie hieroglyphische nannten, die niemand verstund der nicht die Tugend, die Natur und Eigenschaft der unter denselben versteckten Ding wußt, und jeder verstund, der diese wußt: von denen Orus Apollon auf Griechisch zween Bücher verfaßt und Polyphilus im Liebestraum mit mehreren handelt. In Frankreich habt ihr davon ein Pröblein in der Divis des Herren Admirals, die vordem Octavianus Augustus trug. Doch länger soll mein Schiff in diesen unlustigen Strudeln und Seichten nicht treiben; ich lenk um, und geh im Hafen vor Anker, von da ich ausfuhr: hoff aber wohl noch eines Tags ausführlicher davon zu schreiben und theils durch philosophische Gründ, theils durch von allen Zeiten her beglaubigte und rezipirte Authoritäten darzuthun welche und wievielerley Farben in der Natur sind, und was eine jede bedeuten kann: wenn mir anders unser Herr Gott den Hutleist spart, das ist den Weinpott, wie mein Großmutter selige zu sagen pflegt'.

Zehntes Kapitel.

Was die Farben Weiß und Blau bedeuten.

Weiß also bedeutet Freud, Behagen, Wonn, und bedeutets nicht mit Unrecht, sondern mit vollem Recht und Würden; was ihr auch werdet billigen wenn ihr mit Hintansetzung eurer Affecten hören wollt was ich euch itzt erörtern werde.

Aristoteles spricht, wenn man ein Paar in ihrer Art entgegengesetzte Dinge annähm, als gut und bös, Tugend und Laster, kalt und warm, weiß und schwarz, Lust und Schmerz, Freud und Leid, und andre dergleichen mehr, und sie also zusammenstellt' daß ein Gegentheil Einer Art vernünftigerweis mit einem Gegentheil einer andern übereinkäm, so folgt' nothwendig daß auch das andre Gegentheil dem andern überbleibenden entsprechen müß. Zum Beyspiel Tugend und Laster sind in einer Art Gegentheil; deßgleichen auch gut und bös: wenn nun das eine Gegentheil der ersten Art mit dem einen der zweyten übereinkommt, als Tugend und gut (denn es ist sicher daß Tugend gut ist) so werden es auch die beyden überbleibenden, bös und Laster; denn Laster ist bös.