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Möchten Sie Ihren Garten so gestalten, dass er im tiefsten Winter attraktiv und farbenfroh ist? Über die einfache Wirkung von Raureif und Schnee hinaus wird Ihnen in diesem Buch gezeigt, wie Bäume mit auffälliger Rinde, Sträucher mit lebhaft gefärbten Trieben, immergrüne sowie winterblühende Pflanzen mit großer Sorgfalt gestalterisch eingesetzt werden können. Cédric Pollet führt Sie in 20 außergewöhnliche Gärten in Frankreich und England und zeigt Hunderte von Gestaltungen und mehr als 300 Arten und Sorten, die den Garten im Winter verschönern können. Ideen, die Sie dazu verführen, den Winter-Garten „bunt zu malen“ und die so oft vernachlässigte Saison neu zu erfinden.
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Seitenzahl: 100
Veröffentlichungsjahr: 2019
GÄRTEN IM WINTER
CÉDRIC POLLET
Von der Wiederentdeckung einer Jahreszeit
Aus dem Französischen von
SABINE HESEMANN
Meinem Vater und meiner Mutter gewidmet, zum Dank für alles, was sie mir gaben und mich lehrten …
Die weißen Triebe von Rubus cockburnianus ‘Goldenvale’ winden sich um den Fuß des straff emporwachsenden Hartriegels Cornus alba ‘Sibirica’. Im Hintergrund verwandelt Cornus sanguinea ‘Midwinter Fire’ den Garten in ein Flammenmeer.
WISLEY, ENGLAND.
Wenn man das Thema eines Buches auswählt und dieses zum Leben erweckt, dann möchte man die Leser damit in erster Linie an einer echten Leidenschaft teilhaben lassen, die mit schönen Geschichten und unvergesslichen Begegnungen verknüpft ist. Den Anstoß zu den ersten beiden Büchern Rinde und Écorces, galerie d’art à ciel ouvert (erschienen bei Éditions Ulmer) gab eine Jahrhunderte alte Eiche in England.
Den Anstoß zu diesem dritten Buch Gärten im Winter. Von der Wiederentdeckung einer Jahreszeit gab nicht ein Baum, sondern Christian Peyron und meine Entdeckung seines außergewöhnlichen Gartens Jardin du Bois Marquis im Jahr 2007. Bei meinem ersten Besuch fühlte ich mich wie ein Kind, das seine Geschenke unter dem Weihnachtsbaum entdeckt. Meine Augen glänzten und mein Blick blieb an dem reichen Bestand unwiderstehlicher Baumrinden und Details hängen. Als die Aufregung sich etwas gelegt hatte, konnte ich den Garten mit etwas Abstand und genauer betrachten. Ich geriet in einen Begeisterungssturm über die Pflanzung von schlangenhäutigen Ahornbäumen, die zwischen den flammenden Trieben des roten Hartriegels badeten. Der Anblick schien unwirklich.
Oft ist ein Bild wirkungsvoller als lange Gespräche. So begab ich mich auf die Suche nach weiteren winterlichen Szenerien, die ebenso farbenprächtig und spektakulär waren, um mit diesem Buch meine Trilogie über schöne Baumrinden zum Abschluss zu bringen. Christian meinte, dass ich unbedingt nach England reisen müsste. Dort entdeckte ich von 2009 an jene Gärten, die mir als Referenz dienen, darunter auch die Gärten von Sir Harold Hillier. Christian machte mich mit Liebhabern schöner Rinden bekannt, darunter seinem Freund Jean-Louis Dantec und der Baumschule Jean-Pierre Hennebelle, die mir ihrerseits bei weiteren Recherchen halfen.
Im Winter ist die Versuchung groß, hinter dem Ofen sitzen zu bleiben. Regen, Feuchtigkeit, Kälte, Nebel und das fehlende Sonnenlicht laden uns nicht dazu ein, die Stiefel anzuziehen und uns nach draußen zu begeben. Doch Raureif und Schnee sind nicht die einzigen Zauberwerkzeuge, auf die man während dieser Jahreszeit zur Verschönerung des Gartens zählen kann. Und als Gärtner muss man nicht resignierend auf die ersten Frühjahrsblüher warten, die das Erwachen von Mutter Natur einläuten. Die Palette winterlicher Pflanzen ist derartig reich, dass der Garten sich nach sorgfältiger und wohl überlegter Auswahl der Arten in eine Zauberwelt von Farben und feinen Düften verwandeln kann.
Neben dem Überraschungseffekt durch die einzigartige Bildwirkung bewegt mich der Winter-Garten aufgrund seiner Beschränkung auf das Wesentliche und seine Effizienz. Es ist nicht nötig, die Anzahl der Arten zu erhöhen. Einige Gruppenpflanzungen mit maximal drei bis vier verschiedenen Arten, die man in der Komposition wiederholt, wirken am schönsten. Besser ist es noch, wenn diese aufgrund der schönen Rinde und bunten Geäste ausgewählten Arten ihre Merkmale bereits als Jungpflanzen zur Schau stellen und durch bemerkenswertes Herbstlaub glänzen. So muss man die Gestaltung nur noch um frühlingshafte und sommerliche Blüten erweitern, um eine Komposition das ganze Jahr hindurch attraktiv zu halten.
Die Vorliebe für bunte und duftende winterliche Gärten wird vor allem in England gehegt. Man sieht häufig Hunderte Gartenbesucher, die der Kälte die Stirn bieten und bei winter walks (Winterspaziergängen in englischer Manier) durch Gärten und Parks streifen. Hoffen wir, dass dieser Enthusiasmus eines Tages über den Ärmelkanal herübergetragen wird!
Ich bin ein großer Englandfan, seit ich dort studiert habe. Zusammen mit Frankreich vertritt das Land die stärkste Avantgarde bei den winterlichen Gärten. Daher ist es selbstverständlich, diese beiden Länder als Modell zu betrachten, um das Phänomen eingehender zu untersuchen. Gärten dieses Typs sind auf das nordatlantische, semi-kontinentale Klima beschränkt. Aus diesem Grund spare ich die mediterrane Flora bis auf wenige Ausnahmen wie Eukalyptus und Erdbeerbaum in diesem Buch aus.
Mit sorgfältig ausgewählten Arten bietet der Winter-Garten auch im Herbst spektakuläre Anblicke.
MARKS HALL GARDENS & ARBORETUM, ENGLAND.
Im Jahr 2007 wurde für mich die Begegnung mit diesen schlangenhäutigen, bunten Ahornbäumen und den flammend roten Hartriegeln zur Offenbarung.
JARDIN DU BOIS MARQUIS, FRANKREICH.
Die beiden ersten Buchabschnitte stellen die schönsten Ansichten aus winterlichen Gärten vor, die man in den beiden Ländern diesseits und jenseits des Ärmelkanals finden kann. Die Ideen sind so verlockend, dass auch Sie beginnen werden, den Garten bunt zu zeichnen und die verkannte Winterzeit neu zu erfinden. Vier außergewöhnliche Gärten heben sich bei der Gesamtauswahl hervor. Vier Begeisterungsstürme als Hommage an vier leidenschaftliche Gärtner, die ihr Leben den Pflanzen gewidmet haben und damit maßgeblich zu der Entwicklung des Gartenbaus in ihren Ländern beitrugen.
Der dritte Abschnitt stellt die Arten vor, die in einer gelungenen winterlichen Gartengestaltung nicht fehlen dürfen. Zwar ist die Auswahl nicht vollständig, aber sie vermittelt ausreichende Grundlagen, um den eigenen Garten im Winter mit zauberhafter Farbgestaltung zu füllen. Mein Ziel ist es, bunte Triebe und Rinden hervorzuheben, die in der Gartenliteratur gewöhnlich zu kurz kommen. Tatsächlich werden in Büchern über winterliche Gartengestaltung die duftenden Blüten, bunten Fruchtstände oder eigentümlichen Blätter der immergrünen Arten in den Vordergrund gestellt. Ich möchte diese Tendenz umkehren und der Rinde bei der Gestaltung von spektakulären Winterkompositionen die Hauptrolle geben.
Dieses Buch ist kein praktischer Ratgeber zu den im Winter anfallenden Handgriffen wie Schneiden oder Umgraben. Ich erweise damit allen visionären Gärtnern die Ehre, die mir während der letzten Jahre begegneten. Es richtet sich an alle Pflanzenliebhaber, leidenschaftlichen Gärtner und alle von Berufs wegen mit der Landschaftsgestaltung Befassten. Im Wettbewerb mit dem üppigen Frühling und dem flammenden Herbst wird der Winter zu einer attraktiven, bunten und hellen Jahreszeit, die man von nun an gerne haben wird.
Das Werk möchte Ihrer poetischen Seele zugleich einen Raum des Wohlklangs und der natürlichen Schönheit bieten, in dem Sie fernab von winterlicher Kälte ein Refugium finden.
Der Begriff Winter-Garten tauchte erstmals zu Beginn des 19. Jahrhunderts in England auf, meinte jedoch etwas grundlegend anderes als heute. Während der viktorianischen Zeit entstanden in vielen Städten unglaublich große Glasgewächshäuser, worin man sich vergnügte. Diese populären Vergnügungsstätten verwandelten sich später in exotische Gewächshäuser. Mitten in der Stadt wurden sie zu Gärten, die man im Winter aufsuchte. Das galt vor allem für die Kurorte und Thermalbäder Bath oder auch Harrogate. Damit war das erste Konzept des Winter-Gartens aus der Taufe gehoben. Nach dem ersten Weltkrieg verschwanden diese botanischen Paradiese sehr schnell, weil ihr Unterhalt zu kostspielig wurde.
Die Idee, Baumrinden als Schmuck im Garten während der winterlichen Monotonie einzusetzen, entwickelte sich in der Gartengeschichte nur langsam zur eigenen Stilrichtung. Ihre Vorreiter waren jedoch alle von derselben Motivation getrieben: der Gestaltung eines ganzjährig – und vor allem im Winter – attraktiven Gartenraums. Den großen Landschaftsgestaltern und berühmten Gärtnern stand seinerzeit nur wenige dekorative Rinden zur Verfügung, um einen Winter-Garten zu gestalten, der diesen Namen auch verdiente. Die drei wichtigsten Gattungen – Betula (Birke), Acer (Ahorn) und Prunus (Kirsche) – verbreiteten sich nur langsam in Europa. Manche Arten, vor allem die amerikanischen wie Streifen-Ahorn und Papier-Birke, kamen ab 1750 dazu. Aber erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts erweiterte sich die Auswahl merklich. Diese Artenvielfalt stammte überwiegend aus China. Die Entdeckungen des französischen Botanikers Pater David und die Expeditionen der englischen Botaniker und Pflanzenjäger Hooker und Wilson waren hierbei bedeutend.
In den 1860er-Jahren zeigt der englische Baumschul-Fachmann William Paul in einigen Veröffentlichungen bereits Interesse an dekorativen Baumrinden. 1908 veröffentlichte Gertrude Jekyll, eine der einflussreichsten Landschaftsgärtnerinnen, ein Buch über die Farbe im Garten (Colour schemes for the flower garden). Im Kapitel „Pflanzung für winterliche Farbigkeit“ umreißt sie die Bedeutung von Rinden und Ästen einiger Arten, um dem Garten im Winter Farbe zu geben. Dabei gebührt ihrer Inspirationsquelle Lord Somers alle Ehre, der als Pionier etwa 50 Jahre eher die Waldlandschaft seines Anwesens Eastnor Castle nördlich von Bristol mit strahlend farbigen Weiden- und Hartriegelarten bunt gezeichnet hatte.
Danach erwachte das Interesse an Baumrinden. Doch erst nach Ende des zweiten Weltkrieges fanden die Menschen wieder Spaß am Gärtnern. Seither interessieren sich manche Fachleute im Sektor Gartenbau für winterliche Farbigkeit und für das Potenzial, das die Rinden für eine pittoreske Gartengestaltung bereithalten. Stanley Whitehead (The Winter Garden, 1948) und später Graham Stuart Thomas (Colour in the Winter Garden, 1957) gehörten zu den ersten Autoren, die dem Thema ein ganzes Buch widmeten.
Die Ehre als Gestalter des ersten, für den winterlichen Anblick konzipierten Gartenraums gebührt John Gilmore im Jahre 1951. Er legte den Botanischen Garten der Universität Cambridge an. In sehr formalem Stil besteht seine erste experimentelle Pflanzung aus einigen quadratischen und rechteckigen Beeten. Sie waren ausschließlich mit Arten bestellt, die im Winter einen ornamentalen Anblick bieten. Es ging dabei um die Präsentation der einzelnen Arten zu Studienzwecken, nicht um ihre Einbindung in eine Gartengestaltung.
Erst in den frühen 1960er-Jahren sah man in England die ersten wirklichen Gestaltungen in diesem neuen Gartenstil aufkeimen. Der Züchter Alan Bloom und seine Baumschule waren seinerzeit für ihre Staudenkollektion berühmt. Doch sein Sohn Adrian züchtete ein einzigartiges Sortiment von Nadelbäumen unterschiedlichster Statur mit variationsreichem Nadelkleid und bunter Färbung heran. Im Jahr 1962 schuf er als Antwort auf die Tristesse der winterlichen Staudenbeete seines Vaters einen der ersten echten Winter-Gärten in der Gartengeschichte. Seine Gestaltung nutzte Zwergformen und langsam wachsende Koniferen, die er mit einer Birke und einigen Winterblumen kombinierte. 1967 entschied er sich, diesen Ansatz weiter zu verfolgen. Er schuf einen weiteren Garten um sein Haus – Foggy Bottom. Dabei pflanzte er zuerst eine dominante Gruppe aus Koniferen und Heidekraut. Dazwischen verteilte er einige Hamamelis-Sträucher und einen weiß-goldenen Hartriegel sowie eine verwachsene Birke mit dreigeteiltem Stamm. Durch diese Erfahrung bestärkt, schrieb er 1972 seine erste Monografie über Koniferen mit dem Titel Conifers for your garden. Mitte der 1970er-Jahre entwickelte er seinen Garten weiter, indem er zahlreiche, das ganze Jahr über dekorative Bäume und Sträucher hinzufügte. Erst 1980 gelang ihm die winterliche Gestaltung mithilfe von einfachen und grafisch-linearen Gewächsen wie Gräsern. 1993 stellte er seine Geheimnisse des winterlichen Gartens in einem Bestseller Winter Garden Glory zusammen.
Foggy Bottom im März 1989, mehr als 20 Jahre nach der Neuanlage: der erste elegante winterliche Landschaftsgarten mit seinem Heideteppich, bunten Zwergkoniferen und Birken.
BRESSINGHAM GARDENS, ENGLAND.
Zeitgleich präsentierten andere spezialisierte Baumschulen originelle und variationsreiche Züchtungen von Baumrinden. Daraus entwickelte sich eine Vorliebe für Wintergestaltungen.
In England experimentierte das botanische Institut der Universität Cambridge als erste Institution mit dem neuen Konzept. 1978 entschloss sich Peter Orriss, der damalige Direktor des botanischen Gartens, die 1951 angelegte Versuchspflanzung zu verbessern. Inspiriert durch Adrian Blooms Erfahrungen, vorherige Fehlschläge sowie Erfolge, verwirklichte er in einem freieren und landschaftlichen Stil eine neue Fläche, die dem Winter gewidmet war und rasch Vorbildfunktion entwickelte. Die größten englischen Gärten stürzten sich in der Folge in dieses Abenteuer. Bis heute erhalten haben sich die frühen Anlagen unter anderem von Wakehurst Palace (1986), Rosemoor (1989), Teile der Sir Harold Hillier Gardens und von Anglesey Abbey (1996), Marks Hall Gardens und Arboretum (2000), Wisley (2002), in Harlow Carr (2006), Savill Garden (2008) und auch Dunham Massey (2009).
