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Gedanken: Meditationen, Reflexionen, Glossen, Kritisches Geschichten: Anekdoten, Erlebnisse, Kurzgeschichten, Märchen Die Gedanken und Geschichten von Dr. med. Walter R. Maus sind von seinem Sohn Heribert Steger, geb. Maus, posthum aus seinen Tagebüchern ausgewählt und neu zusammengestellt. Sie enthalten tiefsinnige Meditationen, z.B. über das "Vater unser", interessante Reflexionen, z.B. über die Kriterien für Leben, skurrile Glossen (Prozess über einen Papagei, über eine Handwerker-Rechnung, eigenen Salatanbau etc.) und nachdenklich stimmende sozialkritische Beiträge zu den Sachgebieten: Philosophie, Psychologie, Medizin, Politik, Religion, Kirche und Gesellschaft. Die Anekdoten, Reise-Erlebnisse, Kurzgeschichten und ein Märchen, für seine Enkel geschrieben, sind kurzweilige, unterhaltsame Geschichten mit Spannung und Aha-Erlebnissen. Ein umfangreicher Anhang von Fotos, Urkunden und Ausweisen schließt das Erinnerungsbuch an die Gedanken und Geschichten von Dr. med. Walter Richard Maus (1919-2002) ab.
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Seitenzahl: 86
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Posthum aus Tagebüchern
und Notizen gesammelt
und herausgegeben
von seinem Sohn
Diakon Heribert Steger,
geb. Maus,
Diplomtheologe und
Religionslehrer i.R.
Nürnberg/Norderstedt, 2018
Meinem am 19. Mai 2002 im Alter
von fast 83 Jahren verstorbenen
Vater Dr. med. Walter Richard Maus
in Liebe und Dankbarkeit
gewidmet von seinem Sohn
Heribert Steger, geb. Maus
Widmung
Ausgedient
Beinahe fast
Briefe an den lieben Gott
Die grünen Busse auf Gran Canaria
Christentum auf dem Prüfstand
Der Papagei
Die verschwundenen Koffer
Ein Dachziegel für 100 Mark
Ein Genesungsprozess
Eine Fliege
Freiburger Impressionen
Gerechtigkeit
Gläubig oder ungläubig?
Gran Canaria für Kenner
Ich wär' so gern auf einer Insel
Krankenhausaufenthalt
Leben im Angesicht des Todes
Lichttherapie
Medizin heute
Perestroika in der Kirche?
Pläne
Politik
Schöne Welt
Stufen des Glücks
Teurer Salat
Über alle vor 1920 Geborenen
Üb immer Treu und Redlichkeit
"Vater unser"
Wäg- und messbar
Wohnungswechsel
Wolken
Zauberworte
Lebensdaten
Anhang mit Fotos und Urkunden
Dr. Walter Maus im Schlaraffenreych
Erlaubnis zur Veröffentlichung
Feedback
Ich habe den alten Herrn Woogen gekannt. Er war Drogist und hatte eine große Drogerie. Ein Sohn wurde katholischer Priester, der andere hochrangiger Jurist. Ab und zu besuchte ich ihn, und wir sprachen über Gott und die Welt.
Eines Tages zeigte er mir ein Bild, das er gerade gekauft hatte. Es zeigte einen alten Mann auf einer Bank, der sich versonnen auf seinen Stock stützte. Dann sagte er: „Das bin ich.“ Er war noch rüstig. Seine Frau war bereits gestorben, die Kinder lebten schon lange ihr eigenes Leben in einer anderen Stadt. Einige Wochen später starb er ohne eigentlichen Grund, denn er war noch sehr rüstig.
An ihn muss ich jetzt oft denken, wenn meine Beine versagen, dass ich mich auf eine Bank setzen muss und mich auf meinen Stock stütze, so wie dieser alte Herr Woogen mit seinem Bild.
Ich schaue mir Blumen und Wolken an und bin nicht unzufrieden. Wenn ich aber die kleinen Flugzeuge sehe, denke ich mit Wehmut an meine Pilotenzeit. Es ist vorbei. Vieles ist vorbei. Meine Zeit als Pilot, bevor ich den ersten Herzinfarkt bekam, die Zeit, in der mich meine Kinder brauchten, meine Berufszeit, die Zeit, in der ich noch ohne Beschwerden laufen konnte und vieles andere mehr ist vorbei. Meine Kräfte zerfallen langsam. Meine Augen sehen weniger. Mein Gehör lässt nach. Meine Lebenskräfte neigen sich dem Ende zu. Sie haben ausgedient.
Als Überschrift wirkt es komisch. Aber es handelt sich um Fußball. Blau spielt gegen Rot. Rot war besser; nein, eigentlich war Blau besser. Aber Rot hatte mehr Glück. Doch Blau hatte noch mehr Glück und schoss ein Tor. Die Zuschauer tobten und brüllten.
Ein armes mit Luft gefülltes Leder kann eine Lawinenreaktion auslösen. Man kennt es und fürchtet es. Polizei ist notwendig! Einsichtige schütteln nur den Kopf. Aber das Spiel geht weiter. Rot ist am Ball und schießt. Der Ball landet auf einem blauen Fuß. Rot rennt. Zwei liegen am Boden. Der Schiedsrichter pfeift. Sanitäter starten und geben wieder auf. Knochenbrüche soll es bei diesem Spiel sogar unter Freunden gegeben haben. Früher gab es noch nicht so viele verletzte Spieler am Boden wie heute. Es ist fast wie im Krieg, wo ein Soldat seinen besten Freund umbringt, nur weil der eine andere Uniform hat.
Doch solche Gedanken muss man sich verkneifen, denn es ist ja ein Spiel, das von den Zuschauern mit mehr tierischem Ernst durchlitten wird als von den Spielern. Die tauschen am Ende ihre durchgeschwitzten Trikots aus und trinken ein Bier zusammen. Aber ärgerlich ist dieses Beinahe-fast-Spiel trotzdem. Der Trainer ist sowieso an allem schuld. Vom Schiedsrichter gar nicht zu reden – aber der hat ja Polizeischutz.
Die Haupttätigkeit bei diesem weltbewegenden Spiel ist rennen und treten. Vorwiegend gegen den armen unschuldigen Ball. Aber auch gegen Schienbeine und andere Körperteile. Der Schiedsrichter sieht alles. Fast alles. Das Tor war fällig, der Schuss gut. Nur das Tor stand 15 cm zu weit links, und der Torwart hatte schon wieder seine Hände dazwischen. Es ist wirklich bewundernswert, wie diese Torhüter den Ball aus einem verworrenen Menschenknäuel heraus angeln. Dann folgt ein Schuss – man hat das Wort der Kriegsmaschinerie entlehnt – bis fast an das gegnerische Tor. Mit noch etwas mehr Kraft könnten die beiden Tormänner das Spiel ohne die Mannschaften bestreiten. Die machen sowieso laufend Mist. Schießen z.B. aus kurzer Entfernung hoch über das leer stehende feindliche Tor. Oder an die Latten, den Pfosten oder leicht daneben. Und dann geht es doch auch für die Roten noch einmal gut aus und man erzielt den Ausgleich 1 : 1. Mit „beinahe“ und „fast“ hat man neunzig Minuten lang seinen Puls beschleunigt und seinen Blutdruck erhöht.
"Hallo, Mister Gott, hier spricht Anne." Diese Worte eines kleinen Mädchens haben mich vor Jahren tief bewegt. Auch ich möchte mit Gott sprechen, weil ich so viele Fragen klären möchte. Den Satz von Immanuel Kant: „Gott, wenn Du bist, hilf meiner armen Seele, wenn ich eine habe“ schwelt seit meiner Jugend in meinem Unterbewusstsein. Dass Gott existiert ist keine Frage. Das Universum ist nicht aus dem Nichts entstanden. Aber wie lerne ich die Sprache Gottes?
Wenn Gott allmächtig ist, müsste er meine Sprache und die Sprache aller Lebewesen verstehen. Doch an der Allmacht zweifeln die, die an den Teufel glauben. Wer hat den nur erfunden? Aus der Welt des Übersinnlichen, also nicht sinnesmäßig Wahrnehmbaren, werden uns von Berufenen und noch mehr von Unberufenen verflixt viele Märchen erzählt, aber wir möchten die Wahrheit wissen. Die volle Wahrheit aber, - so meine ich – ist so groß, dass wir sie nicht fassen können.
Ein Kind ruft: „Hallo, Mister Gott!“
Ich möchte gerne mit Gott telefonieren. Aber er spricht nicht mit einem Mund, hört nicht mit Ohren, wie den unsrigen – so vermute ich. Ich habe daher etwas gegen die Diener Gottes, die so tun, als ob sie soeben mit Ihm telefoniert hätten. Sie reden mit einer solchen Gewissheit über Dinge, die sie nicht wissen können.
Meine erste Frage an Gott wäre: "Vater, wer bist Du?" Damit habe ich Ihn Vater genannt, was wohl nicht verkehrt ist. Und ich habe „Du“ zu Ihm gesagt. Vertrautheit oder Vermessenheit? Aber wenn mein Herz liebend sich an Gott wendet, kann ich nicht „Sie“ zu Ihm sagen. Gottes mögliche Antwort steht auch schon in der Bibel geschrieben: „Ich bin, der ich bin!“ (Ex 3,14) Das erklärt das Unbegreifliche als primäre Existenz.
Ich fahre gerne mit den grünen Bussen auf Gran Canaria. Sie ersetzen glatt eine Fahrt mit der Achterbahn und sind viel billiger.
Die Busse sind fast so schnell wie ein Taxi. Jedenfalls kommt kein Taxi so leicht an einem Bus vorbei.
Außerdem sitzt man viel höher und kann sein Gemüt auf Höhenangst prüfen, wenn man mit 5 cm Abstand am Abgrund vorbeisaust.
Da wäre man besser angeschnallt wie im Flugzeug. Aber ohne Gurte kann man sich besser in die Kurve legen und der kontaktfreudigen Nachbarin entgegenkommen.
An drei Punkten muss man in jedem Fall Halt finden: An beiden Händen und mindestens auf einem Fuß. Das gilt für Sitzplätze. Bei Stehplätzen wäre man besser ein langarmiger Affe.
Aber es macht wirklich Spaß. Die Fahrer sind tolle Fahrer. Sie fahren ja auch schließlich einen Mercedes-Bus.
Der Rabbi Jesus muss ein sehr interessanter Mann gewesen sein. Wahrscheinlich wäre ich im Kreise seiner Jünger mit getrabt. Er sprach von sich selbst als vom Menschensohn. Er sprach von seinem Vater, der im Himmel ist. Formulierungen, die auf jeden Menschen zutreffen. Wer ihn im Laufe der Religionsentwicklung zum Gottessohn gemacht hat, können die Theologen erforschen.
Jesus war ein Freiheitsbringer. Er befreite von Vorurteilen und alten Zöpfen – wie die meisten Revolutionäre. Das passte weder den Römern noch den Pharisäern. Darum musste er beseitigt werden. Justizmord war damals schon eine simple Methode. Doch vorher war einiges geschehen. Von seinem 12. bis 30. Lebensjahr weiß man nichts von ihm. Er war vermutlich in Indien. Meines Erachtens ist es unwahrscheinlich, dass er bei seinem Intelligenzgrad des Schreibens nicht kundig gewesen sein soll. Schriftliche Dokumente können im Laufe der Zeit verlorengehen.
Der Stifter des Christentums ist meiner Meinung nach der heilige Paulus: Ein Fanatiker, ein Frauenverächter, ein Epileptiker. Wehe, wer nicht seinen Glauben hatte!
Die ersten Christen waren sicherlich Heilige, die sich zu idealen Lebensgemeinschaften zusammenschlossen. Sie dienten und halfen einander. Sklaven waren für sie auch Menschen wie sie selbst. Natürlich passte das den Herrschenden nicht ins Konzept. Also gab es Märtyrer. Das brachte kluge Köpfe und Wohlmeinende zum Nachdenken. So bekehrten sie sich, bis die Christen eine Mehrheit wurden. Mit den armen Heiden hatte man zunächst Mitleid. Als die christlichen Machthaber aber die Mehrheit bildeten, wurden sie den sogenannten Heiden und Ungläubigen gegenüber intolerant und erhoben das Christentum zur einzig erlaubten Staatsreligion.
Die 10 Gebote aus dem Alten Testament waren zur Regelung des menschlichen Miteinanders brauchbar. Auch ohne Psychologie wusste man damals, dass die Triebe des Menschen durch Sex, Machtgelüste und Besitzdenken geprägt waren, die durch die 10 Gebote in ihre Schranken gestellt wurden. Vor allem durch das Gebot der Keuschheit bekam die Kirche Macht über die Seelen der Menschen. So wuchs die Macht der Kirche.
Der Amtsgerichtsrat war schon 40 Jahre im Dienst und hatte viel Erfahrung. Er kannte die menschlichen Gefühle und wusste aus seiner Zeit als Familienrichter, dass sie wenig zu den Buchstaben des Gesetzes passten.
Heute ging es um den Tod eines exotischen Vogels. Er sollte durch Zigarettenrauch umgekommen sein. War dies fahrlässige Tötung oder absichtlich begangener „Mord“ aus selbstsüchtigen Motiven? Der Amtsgerichtsrat war Nichtraucher. Wie schädlich das Passivrauchen war, wusste er nur aus der Zeitung.
Obwohl er oft unter Rauchern am Stammtisch saß, war er sich der schädlichen Wirkung des Passivrauchens nie bewusst gewesen.
Er wusste auch, dass Tiere Nichtraucher sind. Eine Ausnahme hatte er einmal bei einem Affen beobachtet. Der war regelrecht nikotinsüchtig. Ob aber Papageien das Rauchen von Menschen lernen können, wusste er nicht.
Ein Veterinär von seinem Stammtisch wusste es auch nicht. Daher wich er der Fragestellung des Amtsgerichtsrats geschickt aus, indem er meinte, Rauchen könnte unter Umständen auch für Tiere tödliche Folgen haben.
