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Wahre Geschichten, die das Leben schrieb - ehrlich, schräg und urkomisch. André Aron Weise erzählt von windgepeitschten Tagen auf Sylt und von skurrilsten Kundenbeschwerden. Du erfährst unter anderem von kleinen Heldentaten im Alltag, abrollbaren Gummistiefeln, nudistische Hilfestellung, Frauenfußball, dem Leben am Meer oder von roten Rosen, die sich überraschend in Wiener Würstchen verwandeln. Dieses Buch ist kein Ratgeber und kein Roman, sondern eine Sammlung authentischer Geschichten, die zeigen, wie absurd, warmherzig und wunderbar unperfekt das Leben sein kann. Zum Schmunzeln, Lachen und Wiedererkennen. Was bleibt, ist die Erkenntnis: Das Leben schreibt die besten Geschichten - man muss sie nur erzählen.
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Seitenzahl: 197
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Vorwort
Beschreibung meiner Person
Geschichte 1Autor Rainer Neumann: Passiert. Notiert. Bedacht. Gelacht.
Geschichte 2Kopf zwischen den Gitterstäben
Geschichte 3„Vogelkacke bringt Glück“, sagt man. Na dann: Jackpot!
Geschichte 4Der offene Schraubverschluss
Geschichte 5Ein Geruch der hier nicht hingehört…
Geschichte 6Zwei Wochen später
Geschichte 7Unerwarteter "Besuch", der fast die Entbindung auslöste!
Geschichte 8U1 - Ritterstraße - die Welt mit Kinderaugen sehen
Geschichte 9Merengue in der Dominikanischen Republik
Geschichte 10Unterschiede im Humorverständnis
Geschichte 11Training kann so schön sein
Geschichte 12Wenn Telefonbücher verreisen…
Geschichte 13Missverständnis im Krankenbett
Geschichte 14Der ungläubige Blick
Geschichte 15Kasse 4 öffnet - Ein ganz normaler Wahnsinn à la Loriot
Geschichte 16Halteverbot!
Geschichte 17Buchsignierung im Hotel “Atlantic” auf Sylt
Geschichte 18Back to Life - Begegnung mit einem Künstlerherz
Geschichte 19Heidi Kabel - Ein schöner Augenblick
Geschichte 20Blaue “Gummistiefel” zum Abrollen
Geschichte 21Ausflug zum Aldi-Parkplatz
Geschichte 22Tritt gegen das Schienbein
Geschichte 23Ersatztastatur
Geschichte 24Fällt vom Tablett dir mal die Speise…
Geschichte 25Wiener Würstchen, die vorher mal rote Rosen waren
Geschichte 26Allein auf dem Balkon
Geschichte 27RSH auf Sylt- ein Stückchen Sonnenschein für die Ohren
Geschichte 28Komm rein, Kollege…
Geschichte 29DJ Neelix im Kiosk 87
Geschichte 30Fettes Brot auf Sylt
Geschichte 31Red Hot Chili Peppers-backstage in Hamburg
Geschichte 32DIN A4
Geschichte 33Auch Möwen müssen mal…
Geschichte 34Ach was- Sie sind gar nicht das Vermietungsbüro XYZ?
Geschichte 35Der farbenfrohste Abbruchunternehmer Deutschlands
Geschichte 36Flinke Zunge
Geschichte 37Geile Tante
Geschichte 38Olaf Jessen - ein wirklich außergewöhnlicher Box-Coach
Geschichte 39Dante - blind und stark
Geschichte 40Mauritius - Sonnenbrille und Delfine
Geschichte 41Moma und Pupa
Geschichte 42Gehäkelte Freundschaft
Geschichte 43“So, ich bin da - wir können losfahren.”
Geschichte 44Beweisfotos
Geschichte 45Unser Urlaub ist ruiniert
Geschichte 46Marinierte Rippchen
Geschichte 47Wenn Synapsen einen Kurzschluss haben
Geschichte 48Hot People from Ibiza
Geschichte 49Klaus Borrmann - harter Hund mit weichem Herz
Geschichte 50Ein Teller voll Empathie
Geschichte 51Sie wissen wohl nicht…
Geschichte 52Besondere Füllung
Geschichte 53Aller guten Dinge sind drei…
Geschichte 54Treibholzjagd
Geschichte 55Auf die za(h)rte Tour
Geschichte 56Südafrika
Geschichte 57“Wenn der Hunger Kunst schafft.”
Geschichte 58Unangenehme Verwechselung
Geschichte 59Freudige Hochzeitsüberraschung
Geschichte 60Nackte Hilfe
Geschichte 61Stürmischer Tag
Geschichte 62“Zweiter Akt des Sturmtages"
Geschichte 63Tali Photography - Momente für die Ewigkeit
Geschichte 64Flo - Das Gesicht hinter InSylt Media
Geschichte 65Wenn man registriert, dass man mitten im Meeting steckt…
Geschichte 66Süße Leckereien im Casa di Roma
Geschichte 67Über fünfzig Euro für zwei Stück Torte
Geschichte 68Ausflug in den Hirschpark
Geschichte 69Kurtaxe? Nein danke, das brauche ich nicht.
Geschichte 70"Hup Holland Hup” - Oranje verbindet
Geschichte 71Und es kommt doch auf die Größe an…
Geschichte 72Frisch frisierte Haare…
Geschichte 73Huyam & Doc Michi - Lachen auf Rezept
Geschichte 74Claus Eisenmann - Mitbegründer der Söhne Mannheims
Geschichte 75Von wegen ”Frauenfußball ist doch eh nur Pillepalle!”
Geschichte 76Retro-Zauber - Männertrip nach Bad Bederkesa
Geschichte 77Leben am Meer
Geschichte 78Was ist das Geheimnis unserer Liebe?
Geschichte 79Wenn ich ein Gedicht über unsere Liebe schreiben müsste…
Geschichte 80Ein großes Dankeschön…
Wenn du dieses Buch in den Händen hältst, hast du vermutlich gerade eine freie Minute und Lust auf gute Geschichten - oder du wurdest von Freunden „gezwungen“, dir das Buch zu besorgen …
Wie auch immer du hierher gefunden hast: Schön, dass du da bist!
Mein Name ist André Aron Weise.
Vielleicht kennst du mich schon aus meinem ersten Buch
MUTAUSBRUCH - Einfach machen!,
in dem ich erzählt habe, wie ich nach einigen ziemlich herausfordernden Lebensphasen wieder halbwegs auf die Beine gekommen bin - mit viel Herz, Mut und einer ordentlichen Portion Motivation.
Nach dem ersten Buch war für mich klar: Ich höre nicht einfach wieder auf.
Schreiben ist meine alte, wiederentdeckte Liebe.
Dieses Mal wird’s farbenfroher:
Dich erwarten echte Erlebnisse, verrückte Anekdoten, berührende Begegnungen - und Menschen, die du garantiert nicht so schnell vergisst.
Kurze Vorschau
Wer ist der farbenfrohste Abrissunternehmer Deutschlands?
Warum wurde dem legendären Box-Coach Olaf Jessen das Bundesverdienstkreuz verliehen?
Wieso hat DJ Neelix im Kiosk 87 aufgelegt?
Was haben „Rote Rosen“ mit Wiener Würstchen zu tun?
Gibt es wirklich gehäkelte Freundschaften?
Was ist das große Geheimnis unserer Liebe?
… und noch so vieles mehr.
Dieses Buch ist wie ein gemischter Teller beim Lieblingsitaliener:
leicht, unterhaltsam, überraschend -für jede*n ist etwas dabei.
Und ganz sicher nicht langweilig!
Nach all den ernsten Themen meines ersten Buches wollte ich dir diesmal zeigen, dass das Leben auch amüsante, leichtere Kapitel schreibt.
Und ja -
zwischen all dem Humor finden sich auch leise Töne:
Liebe, Dankbarkeit, Verbundenheit.
Denn ganz ohne Herz - das wäre nicht meins.
Diese Geschichten sind deine persönliche Hängematte am Strand -
zwischen zwei Palmen, mit Blick aufs Meer.
Also:
Mach’s dir gemütlich.
Gönn’ dir diese kleine Auszeit.
Lies, lache, staune -
und wenn dabei dein Herz berührt wird,
habe ich alles richtig gemacht.
Viel Spaß beim Lesen!
Dein
André Aron Weise
André Aron Weise - ein Freigeist auf Entdeckungstour
Mein Name ist André Aron Weise, und ich bin ein gebürtiger Hamburger Jung. Schon immer war ich ein Freigeist - neugierig, offen für Neues und bereit, unterschiedliche Wege zu gehen.
Diese Einstellung führte mich durch eine Vielzahl spannender Berufe: Ich war Konditor, Versicherungs- und Bausparberater, Soldat, Bote in einer Poststelle, Personen- und Objektschützer, Kampfsporttrainer, Patissier, Koch und Küchenchef, Berater für exquisite Möbel, Helfer für Bedürftige im sozialen Bereich und Vermieter von Ferienobjekten.
Was mich all die Jahre begleitete, war meine Begeisterung für Menschen und Herausforderungen. Ich liebe es, mich in Neuem auszuprobieren und meinen Horizont stetig zu erweitern.
Schon als Kind träumte ich davon, Schriftsteller zu werden. Ich schrieb leidenschaftlich gern Aufsätze, erfand lustige Geschichten und versank in meiner eigenen Fantasiewelt. Doch eine Rechtschreibschwäche ließ mich zweifeln, und der Traum schien verloren.
Bis zu dem Tag, an dem eine schwere gesundheitliche Krise mein Leben auf den Kopf stellte. Sie brachte mich zurück zu den Worten, die mich so lange begleitet hatten, ohne dass ich es bewusst wahrgenommen hatte. Schreiben wurde mein Anker, mein Werkzeug, um Erlebtes zu verarbeiten und neue Perspektiven zu gewinnen.
Und so erfüllte sich mein Kindheitstraum schließlich doch: Mein erstes Werk war geboren.
Ein Buch, das nicht nur meine Geschichte erzählt, sondern auch davon handelt, den Mut zu finden, trotz Hindernissen den eigenen Weg zu gehen.
Für mich war klar: Dies ist erst der Anfang.
Die Fortsetzung hältst du gerade in deinen Händen.
Meine erste Geschichte möchte ich mit einem besonderen Dank beginnen - an einen wunderbaren Menschen und inspirierenden Autor: Rainer Neumann.
Rainer besitzt eine große Portion ansteckenden Humors, frische Ideen, jede Menge Sachverstand - und vor allem ganz viel Menschlichkeit.
Kennengelernt habe ich ihn über meinen türkischen Bruder Ibo vom legendären Kiosk 87 in der Langen Reihe in Hamburg. Eine Begegnung, die Spuren hinterlassen hat. Über Ibo habe ich bereits in meinem ersten Buch viel geschrieben - und auch hier wird es wieder das eine oder andere Kapitel geben, das sich mit ihm und seinen Geschichten befasst/beschäftigt. Damit du, falls du ihn noch nicht kennst, ein besseres Bild von ihm bekommst.
Dass ich durch Ibo auch Rainer Neumann kennenlernen durfte, macht mich sehr glücklich.
Denn erst durch die Lektüre seiner Kurzgeschichten - die unter anderem in Hamburg und auf Sylt spielen, genau wie Teile meines ersten Buches - erinnerte ich mich wieder an etwas Wichtiges:
Ich habe selbst auch viele amüsante, skurrile, herzerwärmende und manchmal absurde Geschichten erlebt.
Geschichten, die ich eigentlich schon immer mal erzählen wollte - aber es nie öffentlich getan habe.
Bis zu diesem einen sonnigen Vormittag am Wattenmeer von Keitum.
Ich saß dort auf einer Bank mit Blick aufs Wasser, nahm Rainers Buch in die Hand, begann zu lesen - und konnte gar nicht mehr aufhören.
Ich verlor das Zeitgefühl und verschlang seine lebensnahen Geschichten voller Wärme, Witz und Tiefe.
Und plötzlich war sie wieder da - die Erinnerung:
An meine eigenen Begegnungen. An all die komischen, schrägen, schönen und spannenden Erlebnisse, die ich dir mit diesem Buch erzählen möchte.
Meine Gedanken reichten zurück bis in die Grundschule - zu unserer liebenswerten Lehrerin Frau Alberti. Schon damals schrieben meine Klassenkameradin Sarah Khan (die, wie ich finde, schon immer einen Künstlernamen hatte) und ich mit Begeisterung kleine Geschichten, die wir dann vor der ganzen Klasse vortragen durften.
Vor kurzem habe ich von Michaela, einer anderen Klassenkameradin, erfahren, dass Sarah auch tatsächlich Schriftstellerin geworden ist. Viel früher als ich - aber es ist erstaunlich, dass sich unser Wunsch auf ganz unterschiedlichen Wegen erfüllt hat.
Ich selbst hatte diesen Traum lange aus den Augen verloren.
Doch durch Rainer habe ich die Liebe zu Kurzgeschichten wiederentdeckt. Es fühlt sich an, als hätte sich ein Kreis geschlossen.
Danke dafür, lieber Rainer Neumann.
Für dieses Buch “Gefühlsausbruch” warst du der Impulsgeber.
Deine Zeilen haben etwas in mir zum Klingen gebracht.
Du hast mich damit sehr glücklich gemacht - und ich hoffe von Herzen, dass ich mit meinen Geschichten ebenfalls viele Menschen glücklich mache.
Rainer sagte einmal zu mir:
„Die Geschichten liegen auf der Straße.“
Wie recht er damit hat.
Einen Teil dieser Geschichten habe ich für euch aufgehoben - und in diesem Buch niedergeschrieben.
Und nun wünsche ich dir viel Freude beim Eintauchen in die folgenden Kurzgeschichten.
Was bleibt, ist die Erkenntnis:„Menschen, die du noch gar nicht lange kennst, können in deinem Leben wahre Wunder entfachen. Die größten Impulse nähern sich manchmal ganz leise – und verändern alles.“
Bei meiner nächsten Geschichte mache ich einen großen Zeitsprung - zurück ins Kleinkindalter.
Ich weiß nicht mehr genau, wie alt ich war - vielleicht etwa zwei Jahre. Die Erinnerungen daran sind verschwommen - aber das Gefühl - das ist geblieben.
An diesem Tag war ich mit meinen Geschwistern Barbara, Günter und Holger allein zu Hause. Unsere Mama und mein Adoptivpapa Jürgi waren - wie ich später erfuhr - mal kurz bei Freunden zu Besuch.. Das kam selten vor. Schließlich waren wir eine bunte Kinder- und Jugendtruppe in verschiedenen Größen, Tonlagen und Energieleveln. Mama und Jürgi war es immer wichtig, dass es uns gut ging - wir standen im Mittelpunkt ihrer kleinen, großen Welt.
Eigentlich war alles geregelt: Ich lag brav in meinem Kinderbett und schlief.
Und das hätte ich vielleicht auch einfach weiter tun können.
Aber nein!
Irgendwo in mir schlummerte offenbar schon früh – der Geist eines Abenteurers. Oder war es eher der eines Ausbrechers? Vielleicht lag’s auch am Sternzeichen - ich bin Steinbock. Man sagt, Steinböcke wollen mit dem Kopf durch die Wand. Manchmal sogar dann, wenn sie gar nicht wissen, was dahinter lauert. Ich wollte in diesem Fall allerdings mit dem Kopf durch die Gitterstäbe.
Das Bett sollte mich ja eigentlich davon abhalten, auszubüxen. Was mich zum Gegenteil getrieben hat, weiß ich bis heute nicht.
Vielleicht waren es Spielsachen, die mich lockten. Oder ich wollte einfach nur zu meinen zwei Brüdern und meiner großen Schwester Barbara.
Meine jüngste Schwester, Janina, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht geboren.
Was auch immer es war - der Entschluss, einen „Ausbruchsversuch“ damit zu starten, meinen Kopf durch die Gitterstäbe zu drücken, war in der Nachbetrachtung nicht die beste Idee. Dennoch setzte ich sie um.
Also steuerte ich - im festen Glauben, es zu schaffen, auf mein Ziel zu, und zack: mein Kopf hatte die Gitterstäbe passiert.
Mission gelungen! Also ... fast.
Denn: Der Kopf war zwar durch - der Rest meines Körpers allerdings nicht.
Und das zweite Problem an der ganzen Sache war: Der Rückweg war versperrt. Nicht etwa durch Technik oder Magie - sondern durch meine Ohren.
Aus anfänglichem mürrischem Brabbeln über meine missliche Lage wurde allmählich lautes Geschrei. Ich weinte und meckerte zugleich ...
Meine Brüder Günter und Holger, angelockt von meinem akustischen Feuerwerk, eilten herbei.
Sie fanden mich - halb im Bett, halb draußen.
Meine Schwester Barbara war gerade noch einmal kurz weg. Normalerweise kein Problem - es hatte eben nur niemand mit meinem (zugegeben: nicht ganz ausgereiften) Ausbruchsplan gerechnet.
Nachdem der erste Schock überwunden war, kamen die Fragezeichen, dann eine kurze Beratung unter Brüdern - und schließlich die Improvisation.
Nach kurzer Überlegung schraubten sie die gesamte Seite des Gitterbetts ab.
Problem gelöst? Nicht ganz.
Ich war zwar befreit - aber das Gitter hing mir nun wie ein sperriges, hölzernes Accessoire um den Hals. Eine Art Halskrause de luxe.
Was nun? Unsere Familie besaß einen großen, weichen Ohrensessel - die perfekte Ruhestätte für ein Kleinkind mit extravaganter Halskrause.
Also setzten meine Brüder mich - inklusive Gitter - dort hinein. Dann holten sie sämtliche Kissen der Wohnung. Alles, was weich war, wurde angeschleppt und um mich herum drapiert. Einer meiner Brüder hielt das Gitter links fest, der andere rechts.
Aber ich muss sagen: Die Präsenz meiner Brüder beruhigte mich - so sehr, dass ich tatsächlich einschlief! Heute denke ich: Schade, dass es damals noch keine Handys gab.
Denn die Fotos, die meine Geschwister in diesem Moment garantiert geschossen hätten, wären heute unbezahlbar.
So bleibt mir nur meine Vorstellungskraft - aber die bringt mich immerhin zuverlässig zum Schmunzeln.
Und dann kam Barbara nach Hause.
Unsere große Schwester.
Und bekam … einen Lachanfall. Einen von der Sorte, bei dem sie kaum noch atmen konnte. Darin war (und ist) sie eine wahre Meisterin.
Als sie sich halbwegs wieder gefangen hatte, erkannte sie Handlungsbedarf:
Hier musste etwas geschehen!
Also überlegte sie kurz - und dann hatte sie die zündende Idee: Sie ging in den Keller. Und kam zurück - mit einer Säge!
Ohne großes Tamtam, aber mit viel Geschick, sägte sie mich frei.
Ein paar Holzsplitter später war ich wieder ein freier Mensch - und um eine Erfahrung reicher.
Unseren Eltern blieb am Ende nur die Erzählung dieser kleinen Tragikomödie.
Beweisfotos? Fehlanzeige.
Aber ganz ehrlich: In meinem Kopf läuft der Film noch heute - in Full HD.
Ende gut - alles gut! Oder wie in diesem Fall: Säge gut – alles gut!
Was bleibt, ist die Erkenntnis:„Manche Köpfe stecken früh in Schwierigkeiten - und entwickeln sich aber dennoch prächtig.“
Ich bleibe mit meiner nächsten Geschichte in der Kindheit - allerdings war ich da schon etwas älter. Ungefähr neun oder zehn.
Der Schulweg von zu Hause bis zum Klassenraum dauerte etwa zehn Minuten. In einer Wohnung direkt neben der Schule wohnte damals einer meiner besten Freunde: Swen. Jeden Morgen holte ich ihn vor Schulbeginn ab. Die letzten paar Meter gingen wir dann immer zusammen.
An einem Morgen, als wir wie gewohnt unterwegs waren, kamen wir an drei Bauarbeitern vorbei, die irgendetwas an der Straße reparierten. Wenn ich mich richtig erinnere, verlegten sie dort irgendwelche Rohre.
Und dann geschah es.
In dem Moment, als wir genau auf ihrer Höhe waren, kam von oben ein Schwall flüssigen Glücks.
Swen hat nichts abbekommen - er blieb so trocken wie die Sahara.
Ich hingegen: volle Ladung.
Diese fliegenden Gangster hatten es offenbar auf mich abgesehen. Ich fühlte mich im Vergleich zu Swen wie eine Tropfsteinhöhle in den Tropen.
Die Bauarbeiter bogen sich vor Lachen. Ich dagegen wünschte mir einen Ganzkörper-Desinfektionsanzug.
Ich war schon damals so etwas wie ein Mini-Monk auf Speed, wenn ich von oben angeschissen wurde. Irgendwie schaffte ich es zur Schule, wusch mich gefühlt stundenlang am Waschbecken und versuchte, das Erlebnis zu vergessen.
So weit, so gut … Nach Schulschluss besorgten Swen und ich uns ein leckeres Eis.
Mit Vanille- und Schoko-Kugeln in der Hand gingen wir zurück in Richtung seiner Wohnung - wieder an den Bauarbeitern vorbei.
Sie erkannten mich sofort. Klar - das morgendliche Spektakel war ja noch nicht so lange her.
Doch jetzt kommt's - im wahrsten Sinne des Wortes: Erneut von oben!
Als die Möwen über uns zu kreischen begannen und verdächtig tief flogen, war es für mich schon zu spät.
Ehe ich mich irgendwo unterstellen konnte, wurde ich erneut zur Zielscheibe auserkoren, und die Gangster im weißen Federkleid luden ihre stinkende Ladung ab.
Mein schönes Eis - dahin.
Haare, Jacke, vorne wie hinten, sogar die Schuhe … alles getroffen.
Das Eis mit dieser unerwarteten Dekoration war schlagartig ungenießbar. Und ich ... sagen wir: ich war’s auch.
Da kam er wieder zum Vorschein - der Monk in mir.
Swen? Wieder wie in einer unsichtbaren Kuppel. Kein Tropfen. Kein Spritzer.
Er blieb makellos - ich dagegen war ein laufender Tatort, von oben bis unten voller Vogelkacke.
Das Beste an dieser „glückbringenden Nummer“ waren aber ohne Zweifel die drei Bauarbeiter.
Sie mussten sich gegenseitig vor Lachen festhalten. Einer ging sogar in die Knie, um nicht umzukippen.
Ihr Lachen hallt bis heute in meinem Kopf nach.
Es war ein beschissener Tag.
Aber ehrlich gesagt:
Ich kann sie verstehen. Wäre ich an ihrer Stelle gewesen, wären bei mir vor Lachen ganz sicher auch Tränen geflossen.
So floss bei mir an diesem Tag nur ... flüssiges Glück.
Was bleibt, ist die Erkenntnis:„Dass man manchmal wirklich in der Scheiße steckt – und trotzdem später darüber lachen kann. Und: wie gut, dass Elefanten nicht fliegen können, denn Möwen zeigen ja eindrucksvoll, wie das sonst enden würde.“
In dieser Geschichte bin ich kein kleiner Junge mehr, sondern Anfang zwanzig – also in dem Alter, in dem man denkt, man hätte die Welt verstanden und sowieso alles im Griff.
Zumindest war das so bei mir.
Doch rückblickend muss ich gestehen: Ich hatte gar nichts im Griff …
Damals arbeitete ich bei der HMI-Versicherung als Versicherungsvertreter. In meinem Leben gab es zu dieser Zeit eine Phase, die sich über ungefähr ein Jahrzehnt erstreckte – ich nenne sie heute liebevoll meine „tollpatschige Zeit“.
Zum Glück fällt es mir nicht schwer, auch über mich selbst zu lachen. Sonst wäre ich damals wohl regelmäßig vor Scham im Erdboden versunken.
Bei der HMI gab es regelmäßig Meetings, in denen die laufende Woche besprochen wurde. In den Pausen gingen einige von uns gerne zu einem nahegelegenen Imbiss. Diesmal war ich mit meinem langjährigen Freund Murat dort. Manchmal holten wir uns eine Kleinigkeit zu essen – oft aber einfach nur einen kühlen Kakao. Das leckere, schokoladige Getränk kam immer in einer Glasflasche. Ein echter Klassiker.
Diesmal hatte der Wirt – ohne dass ich es mitbekommen hatte – den Schraubverschluss bereits geöffnet. Allerdings lag er noch locker auf der Flasche, sodass es optisch nicht auffiel.
Da ich richtig große Lust auf Kakao hatte, wollte ich direkt im Imbiss einen großen Schluck nehmen. Ich griff also zur Flasche – und fing an, sie kräftig zu schütteln ...
Vielleicht siehst du jetzt schon vor deinem inneren Auge, was das ausgelöst hat. Ich muss schon wieder lachen, wenn ich das Bild vor mir sehe.
Tja … du ahnst es sicher.
Mit jedem Schütteln verteilte sich der Kakao wie ein Feuerwerk in alle Richtungen – über meinen Anzug, mein weißes Hemd, meine Krawatte … einfach überall. Und was machte ich? Ich schüttelte weiter. Keine Ahnung warum. Wahrscheinlich war mein Gehirn in dem Moment kurz offline.
Alles, was aus meinem Mund kam, war ein ungläubiges, fast panisches:
„Oh … oh … oh …“
Ich sah aus wie ein Kunstprojekt aus Kakao und Verzweiflung.
Murat lachte sich schlapp. Der Imbissbesitzer konnte auch nicht mehr – er schlug mit seinen kräftigen Armen vor Lachen auf die gläserne Theke. Ich dachte echt, das Ding bricht gleich zusammen.
Und ich? Stand da wie ein begossener Pudel – irgendwie ja auch passend – mit einer fast leeren Kakaoflasche in der Hand.
Wir konnten nicht mehr aufhören zu lachen.
Blöd nur: Die Pause war inzwischen längst vorbei. Und natürlich hatte ich keine Zeit mehr, mich umzuziehen. Also ging’s im komplett eingesauten Outfit zurück ins Meeting – gemeinsam mit Murat, der sich immer noch halb totlachte.
Die Blicke der bereits auf uns wartenden Anwesenden waren zu köstlich …
Genau wie der letzte Schluck Kakao, den ich in der Flasche übrig gelassen hatte.
Was bleibt, ist die Erkenntnis:“Wer über sich selbst lachen kann – hat den Schlüssel zur inneren Leichtigkeit.“
Auch diese Geschichte stammt noch aus meiner Zeit bei der Hamburg-Mannheimer International - kurz: HMI.
Inzwischen hatte ich ein kleines Team innerhalb der Abteilung aufgebaut, mit dem ich regelmäßig zusammenarbeitete. Zu meinen Aufgaben gehörte es auch, neue Mitarbeiter zu Kundenbesuchen mitzunehmen, um ihnen dort das nötige Praxiswissen zu vermitteln.
Soweit klingt alles ganz normal.
Aber was jetzt kommt, wird richtig lustig - zumindest für dich als unbeteiligten Leser…
Der Termin führte uns in eine besonders gute Wohngegend von Hamburg. Das Haus der Eigentümer war groß, stilvoll und hochwertig eingerichtet.
Wir wurden gebeten, in den ersten Stock zu gehen. Auf dem Weg dorthin überquerten wir eine ganze Reihe schneeweißer Flokati-Teppiche - in dieser Zeit waren sie gerade sehr angesagt.
Wir nahmen an einem großen, schweren Esstisch Platz, kamen ins Gespräch und stellten unsere Produkte vor.
Das Gespräch lief gut, mein neuer Kollege machte sich prima, alles schien in bester Ordnung.
Wäre da nicht … dieser Geruch gewesen.
Etwas passte nicht. Ein penetranter, unangenehmer Duft durchzog den Raum - völlig unpassend zum makellosen Ambiente.
Ich fragte mich, ob ich der Einzige war, der das roch.
Aber wie hätte ich das Thema ansprechen sollen?
„Ihr Haus ist wirklich wunderschön - aber der Gestank geht gar nicht?“
Das war definitiv keine ernstzunehmende Option.
Also versuchte ich, mich wieder auf das Gespräch zu konzentrieren.
Und es lief trotz der Umstände wirklich gut: Am Ende kam es zum ersehnten Vertragsabschluss. Mein Kollege hatte ein gelungenes Verkaufsgespräch miterlebt - ein voller Erfolg.
Wäre da nicht dieser üble Geruch gewesen, der da einfach nicht hingehörte. … Irgendwann riskierte ich intuitiv einen heimlichen Blick nach unten - und was ich sah, ließ mir das Blut in den Adern gefrieren.
Mein erster Gedanke: Das darf doch wohl nicht wahr sein! Ich war eindeutig mit einem meiner Schuhe in einen frischen Hundehaufen getreten. Und zwar nicht in irgendeinen kleinen …Was da klebte, konnte unmöglich von einem Chihuahua stammen. Das war eher von einem ausgewachsenen Bernhardiner - oder einer großen Dogge.
Mein Gedankenkarussell nahm jetzt richtig Schwung auf.
Wenn ich das auch noch seitlich am Schuh habe … und wir uns im ersten Stock befinden … dann … oh nein!
Ich wollte mich am liebsten sofort in Luft auflösen. Wie der bekannte Magier Houdini - ich wollte mich einfach nur aus dieser peinlichen Situation befreien. Aber das war leider kein Wunsch, der zu erfüllen war.
Also nahm ich all meinen Mut zusammen und ließ den Blick - möglichst unauffällig - in Richtung Treppe schweifen.
Die anderen saßen mit dem Rücken zur Treppe. Ich aber sah sie:
Die Spur des Grauens.
Unübersehbar.
Wie ein dunkler Faden zog sie sich über die strahlend weißen Flokatis.
Bis dahin hatte es offenbar niemand bemerkt. Aber ich wusste: Jetzt gibt’s kein Zurück mehr.
Ich wandte mich an die Eigentümer - unsere frisch gewonnenen Kunden - und sagte ganz vorsichtig:
„Es gibt da ein kleines Problem … "
Ich zeigte auf meinen Schuh, dann - zögerlich - Richtung Treppe.
Ich wusste nicht, wie sie reagieren würden. Am liebsten wäre ich einfach wortlos davon gelaufen.
Doch weißt du was?
Sie reagierten … herzlich. Humorvoll. Ganz entspannt.
Mir fiel eine tonnenschwere Last von den Schultern.
Am Ende saßen wir tatsächlich zu viert auf dem Boden. Mit Schwämmen, Lappen und Tüchern - und schrubbten gemeinsam die Spuren meines „Unfalls“ aus dem Flokatiteppich.
Man sagt ja: „Der erste Eindruck zählt.“
In diesem Fall war’s wohl eher der erste Abdruck.
Ob wir die Flecken je ganz rausbekommen haben, weiß ich bis heute nicht.
Aber eines ist sicher:
Diesen Termin werde ich nie vergessen.
Was bleibt, ist die Erkenntnis:
