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Gefangen in einer Welt zwischen Diesseits und Jenseits, auf der Suche nach dem Weg ins Licht – das ist unsere Vorstellung von den Seelen Verstorbener, die wir als »Geister« bezeichnen. Und es gibt sie wirklich …
Amy Bruni, weltbekannte Geisterjägerin, berichtet von ihren spektakulärsten Begegnungen der dritten Art. Seit vielen Jahren klärt sie mysteriöse Spukphänomene auf und verhilft so den Seelen der Toten wie auch den Menschen, die von ihnen geplagt sind, zu innerem Frieden. Brunis zahlreiche Geister-Erlebnisse wurden zur Grundlage der Streaming-Erfolgsserie »Kindred Spirits – Ruhelose Seelen«. Hier berichtet sie in packenden und bewegenden Geschichten über das Weiterleben der Seelen nach dem Tod, die faszinierende Einblicke in eine Realität jenseits unserer materiellen Wirklichkeit vermitteln. Denn die Geister der Verstorbenen sind immer um uns ...
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Seitenzahl: 279
Veröffentlichungsjahr: 2021
Über dieses Buch:
»Für mich ist die Untersuchung einer Spukerscheinung dasselbe wie ein Treffen mit Freunden bei einem Glas Wein. Wir führen einfach ein Gespräch. Der Unterschied ist, dass die Unterhaltung mit Geistern etwas einseitig ist. Manchmal braucht es eine Menge Fragen, um ein Geistwesen dazu zu bringen, auch nur ein paar Worte zu verlieren. Aber andererseits hatte ich auch schon Dates mit Lebenden, bei denen es ziemlich ähnlich war. Amy Bruni
Humorvoll und unerschrocken nimmt die Geisterjägerin Amy Bruni ihre Leserinnen und Leser mit auf eine faszinierende Reise in die Welt der Schatten. Ihre zahlreichen Erfahrungen belegen, dass die Verstorbenen tatsächlich unter uns sind – und dass wir mit ihnen in Kontakt treten und ihnen beistehen können, auf ihrem Weg zu innerem Frieden.
Brunis Begegnungen mit Geistern geben Einblick in eine Sphäre jenseits des Greifbaren: Sie lassen uns schmunzeln, manchmal gruseln, vor allem aber immer wieder staunen darüber, was zwischen Himmel und Erde alles möglich ist …
Die Autorin:
Amy Bruni, Co-Star und Executive Producer der erfolgreichen Streaming-Serie Ruhelose Seelen (Kindred Spirits), ist Geisterjägerin mit über 20-jähriger Expertise. Sie besuchte zahlreiche geheimnisvolle Orte, um dort unerklärlichen Phänomenen und Geistererscheinungen auf die Spur zu kommen und sie zu lösen. Später gründete sie ihre eigenes paranormales Reiseunternehmen »Strange Escapes« und verband ihre Liebe zum Reisen mit ihrer Leidenschaft für das Unbekannte.
www.amy-bruni.net
Amy Bruni
mit Julie Tremaine
Geister
gibt es wirklich
Spektakuläre Erfahrungen einer Geisterjägerin
Wahre Begegnungen mit dem Übernatürlichen
Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt
von Sabine Zürn
Die Originalausgabe erschien 2020 unter dem Titel Life With The Afterlife bei Grand Central Publishing, a division of Hachette Book Group, Inc.
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Copyright © 2020 by Amy Bruni
Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe 2021 by Ansata Verlag, München, in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, Neumarkter Straße 28, 81673 München
Alle Rechte sind vorbehalten. Printed in Germany.
Redaktion: Ralf Lay, Mönchengladbach
Covergestaltung: Guter Punkt GmbH & Co. KG
Covermotiv: StudioM1/iStock
Satz und E-Book Produktion: Satzwerk Huber, Germering
ISBN 978-3-641-28366-7V002
www.Integral-Lotos-Ansata.de
Für Charlotte
Nichts macht mich glücklicher, als dich in meiner magischen Geisterwelt aufwachsen zu sehen. Ich liebe dich und kann es kaum erwarten, eines Tages dein Buch zu lesen.
Und für Mom
Du fehlst mir jeden Tag. Du bist der Geist, den ich mehr als jeden anderen finden möchte.
Vorwort: Willkommen auf der anderen Seite
1. Geister sind auch nur Menschen
2. Geister wollen dich nicht erschrecken
3. Geisterjagd ist nur ein Hobby
4. Du kannst keinen Geist ins Jenseits schicken
5. Messgeräte für Geister gibt es nicht
6. Nicht immer ist es ein Geist
7. Unterwegs auf den Spuren der Geister
8. Hüte dich vor trampenden Geistern
9. Geistertour durchs Spukgefängnis
10. Wenn’s Geister gibt, dann wohl auch Bigfoot
11. Es braucht eine (gespenstische) Community
12. Geister muss man nicht beweisen
13. Glaub nicht alles, was du liest
Dank
Anmerkungen
Über die Autorin
Vorwort
Wenn du mir erzählt hättest, dass es eines Tages ein Partyspiel gäbe, bei dem man einen Schnaps kippt für jeden meiner Kraftausdrücke im Fernsehen, der weggepiept wird, hätte ich gesagt, dass du verf***t plemplem bist. Doch genau das gibt es jetzt!
Man kennt mich vielleicht von Serien wieKindred Spirits (Ruhelose Seelen)1 und Ghost Hunters oder von einem der bemerkenswerten und unterhaltsamen paranormalen Events.
Aber die meisten Menschen glauben wahrscheinlich nicht, dass ich heute viel weniger über das Jenseits weiß als zu Beginn meiner Untersuchung und Erforschung unerklärlicher Phänomene. Ich hatte anfangs eine absolut klare Vorstellung davon, was ich glauben und was ich von Geistern und Gespenstern halten könnte. Aber je mehr ich erlebte, desto bewusster wurde mir, dass ich überhaupt keine Ahnung habe.
Wenn ich sage, dass dieses Buch »wahre Begegnungen mit dem Übernatürlichen« enthält, meine ich damit, dass es viele verschiedene Wege gibt, wie wir etwas über Geister und die Welt des Paranormalen erfahren können. Ich möchte dich dazu anregen, deine bisherigen Überzeugungen zu hinterfragen und neue Perspektiven und Ideen zuzulassen. Die Paraforschung liefert keine verbindlichen Antworten auf unsere Fragen, und es gibt keine wissenschaftlichen Verfahren, die beweisen könnten, dass die Phänomene, die wir erleben, real sind. Statt belegbarer Fakten sind nur immer neue Erfahrungen und Sichtweisen möglich.
Wer sich ernsthaft mit diesem Thema beschäftigt, wird dir sofort erklären, dass man nicht mit Sicherheit sagen kann, was das Paranormale ist, und würde niemals behaupten, es gäbe endgültige Erkenntnisse darüber. Ich hoffe, du liest dieses Buch nicht, weil du von mir eine Erklärung für das Unerklärliche erwartest. Das Buch ist ein Dialog zwischen mir und meinen Gedanken, zwischen dir und deinen Vorstellungen und den Meinungen zahlreicher Experten auf diesem Gebiet, die viele Jahre damit verbracht haben, ihre eigenen Theorien zu entwickeln.
Die Entstehung des Buches ist all diesen etwas seltsamen und wunderbaren Paraforschern zu verdanken, mit denen ich im Laufe meiner beruflichen Karriere zu tun hatte. Geisterjagd findet nicht im luftleeren Raum statt, sondern in Zusammenarbeit mit anderen Menschen, die genauso leidenschaftlich wie ich die unbekannten Ecken des Seins erkunden. Dadurch konnte ich mich als Paraforscherin weiterentwickeln und mir die Theorien und Methoden erarbeiten, die mich zu meiner heutigen Sicht der Dinge geführt haben.
Ich wünsche mir, dass du durch dieses Buch deine Vorstellung davon erweiterst, was du für möglich hältst, und über den Tellerrand schaust, wenn du das nächste Mal versuchst, etwas zu verstehen, was sich nicht erklären lässt. Und dich dabei ein bisschen zu gruseln, denn das ist die Hälfte des Vergnügens.
Danke, dass du mit mir auf diese Reise gekommen bist. Und jetzt lass uns anfangen, etwas sonderbar zu werden.
Kapitel 1
Für Walt Disney begann alles mit einer Maus. Bei mir dagegen begann alles mit einem Geist.
In meiner Kindheit gehörte es zum Alltag, dass es in unserem Haus in Alameda, Kalifornien, spukte. Schon bei unserem Einzug in den kleinen Craftsman-Bungalow war klar, dass es Geister im Haus gab, was meine New-Age-Eltern aber nicht weiter beeindruckte. Im Gegenteil: Sie bestärkten meinen Bruder, meine beiden Schwestern und mich, keine Angst vor unerklärlichen Erscheinungen zu haben. Wir nahmen die Geister wahr und sprachen über sie. Meine Mutter sah einen kleinen Jungen, der im Haus herumlief, und mein Vater beschäftigte sich mit der Erforschung paranormaler Phänomene. Für uns fühlte sich das überhaupt nicht seltsam an. Wir dachten: »Geister gibt es nun mal, und manche halten sich in unserem Haus auf.« Das war für uns völlig normal.
Wirklich völlig normal?
Es mag vielleicht seltsam klingen, aber diese Einstellung eröffnete mir eine ganz neue Welt. Ich bin in dem Bewusstsein erzogen worden, dass es mehr Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, als wir leicht verstehen, und nie hat mich irgendwer davor gewarnt. Dadurch erschloss sich mir ein Weg voller seltsamer und wundersamer Erfahrungen, die ich mir als unbekümmertes Kind der Achtzigerjahre in Nordkalifornien, das jeden Tag bis spätabends draußen spielte, niemals hätte vorstellen können.
Eines Nachts sah ich einen Mann, der im Fenster stand, drei Meter über dem Boden und an einem Punkt, an dem man gar nicht stehen konnte. Er trug Kleidung, die ich noch nie zuvor gesehen hatte. Ich wusste sofort, dass das ein Geist war, hatte aber keine Angst.
Als Geisterforscherin erlebte ich seither viele Situationen, in denen ich mich fürchtete. Manchmal geriet ich sogar richtiggehend in Panik. Aber nicht in diesem Augenblick. Ich sah zwar einen Mann, der unmöglich da sein konnte, aber er war kein unheimliches Gespenst für mich, sondern ein Mensch. Also tat ich das, was jedes normale Kind tun würde: Ich holte meine Mutter.
Doch als wir zurückkamen, war der Mann weg. Ich hatte ihn zwar nur für einen kurzen Moment gesehen, aber ich wusste, dass er da gewesen war. Er trug eine altmodische grüne Uniform, stand im Fenster und war klar zu erkennen, obwohl das Fenster ziemlich hoch war.
Alameda ist eine mittelgroße Stadt in der Metropolregion San Francisco Bay Area und hat eine lange Militärtradition. Auf dem Gelände der ehemaligen Naval-Air-Station Alameda kann dasNaval Air Museum besichtigt werden. Später erfuhren wir, dass unser kleines Haus eine Militärunterkunft gewesen war und dass der Sohn einer Familie, die früher dort gelebt hatte, als US-Soldat im Zweiten Weltkrieg gefallen ist. Damals hatte das Haus eine Veranda, auf der ich ihn hatte stehen sehen, was erklärt, warum er in einem Fenster so weit oben zu sehen war. Als er in dem Haus wohnte, stand er wahrscheinlich oft auf der Veranda.
Ein Mann, der nicht existierte, stand auf einer Veranda, die es nicht gab. Man könnte also sagen, mein Lebensweg führte mich direkt zur professionellen Geisterjagd.
Nach diesem Tag war mein Wissensdurst nicht mehr zu stillen: über das Leben nach dem Tod, darüber, wer dieser Geist sein könnte, über alles, was mit übernatürlichen Phänomenen zu tun hat und unerklärlich war. Meine Mutter Debbie setzte mich an der Gemeindebibliothek ab, und ich ging direkt zum Regal mit den Büchern über okkulte Themen. Ich las alles, was ich von dem berühmten Parapsychologen Hans Holzer, der das echte Geisterhaus aus dem Film Amityville Horror – Eine wahre Geschichte untersucht hatte, in die Finger bekommen konnte. Immer wieder untersuchte ich lächerliche alte Fotos von Medien, denen Ektoplasma aus den Ohren trat. In den Achtzigerjahren war das Interesse an unerklärlichen Erscheinungen riesig, und es erschienen schneller neue Bücher, als ich lesen konnte. (Holzer selbst veröffentlichte über hundertzwanzig Publikationen.) Ich verschlang so viele Bücher wie möglich und nahm alles, was ich darin las, für bare Münze. Heute kann ich viel besser erkennen, was wirklich vertrauenswürdig ist, wenn es um Beweise geht. Doch damals kam es mir gar nicht in den Sinn, dass irgendetwas gefälscht sein könnte, und ich war begeistert von jedem Wort, das ich las.
Zu Hause ging der Spuk weiter. Immer häufiger zeigte sich der Geist eines kleinen Jungen. Einmal waren unsere Nachbarn zum Abendessen bei uns. Ihr Sohn, der etwa so alt war wie ich, schlief irgendwann auf dem Sofa ein. Seine Mutter sah ständig in Richtung Badezimmer. »Wo ist Alex?«, fragte sie. »Ich habe ihn reingehen sehen und dachte, er müsste doch mal wieder rauskommen.«
»Alex schläft auf dem Sofa, Schatz«, antwortete ihr Mann. Sie wurde blass, denn sie war ganz sicher, gesehen zu haben, wie ihr Sohn aufstand und quer durch den Raum ging. Stimmte auch, aber es war nicht ihr Sohn, den sie gesehen hatte, sondern der Junge, der vor vielen Jahren an Leukämie gestorben war. Bei einem anderen Abendessen mit den Nachbarn erzählte ihnen mein Vater, Gene, von dem Geist und dass er sich oft im Haus zeige. Die beiden waren sehr skeptisch und meinten, sie würden nicht an Geister oder Übernatürliches glauben, weil das alles nicht möglich sei – und das, obwohl sie dieselbe Erscheinung gesehen hatten wie wir. In diesem Augenblick fiel ein Bild von der Wand, schwebte für einen kurzen Moment in der Luft und krachte dann auf den Boden. Die Nachbarn verließen fluchtartig das Haus und besuchten uns nie wieder. Die Frau kam zwar in unseren Garten, aber keiner der beiden setzte jemals wieder einen Fuß über unsere Schwelle.
Als ich etwa acht Jahre alt war, machte ich ein Foto von meiner Schwester auf der Veranda unseres Hauses. Eigentlich dachte ich, sie sei die einzige Person gewesen, die ich fotografiert hatte. Doch als der Film entwickelt war, entdeckten wir eine ältere Frau, die hinter ihr stand. Meine Mutter ging mit dem Foto zu einem benachbarten Fotografen und fragte ihn, ob es sich um eine Doppelbelichtung oder etwas Ähnliches handele. Er meinte, dass ihn die Frau an die Dame erinnere, die vor uns im Haus gelebt habe. Offensichtlich hatte sie früher an dieser Stelle auf die Rückkehr ihres Mannes gewartet.
War das ein Geisterfoto? Ich bin mir nicht sicher, auch wenn es ganz bestimmt so aussah, aber egal, was es war, es löste etwas in mir aus. »Es gibt wirklich Leute, die nach Geistern suchen«, dachte ich. »Das will ich auch!«
Damals war es mir noch nicht bewusst, aber die Lebensgeschichten der Menschen, die vor uns in unserem Haus gewohnt und es auch nach ihrem Tod nicht verlassen hatten, weckten in mir eine andere Sicht auf die Geisterjagd. Wie viele Leute fing auch ich an, als Hobby paranormale Untersuchungen zu betreiben. Nach all den Stunden in der Bibliothek, in denen ich über okkulten Büchern gebrütet hatte, entstand in mir der Wunsch, weitere Geistwesen ausfindig zu machen. Dafür brauchte ich eine solide Wissensgrundlage.
Wen könnte ich aufspüren, warum ist eine Seele noch da, und was konkretbenötigt sie, um weiterziehen zu können?
Mein Vater sah darin eine Chance, gemeinsam Zeit mit mir zu verbringen und mir auch noch etwas beizubringen, also nahm er mich mit zu paranormalen Forschungen an angeblichen Spukorten. Wir fuhren zum Beispiel nach Fort Ross, einer russischen Siedlung aus den frühen 1800er-Jahren, wo die ältesten bekannten Gräber in Sonoma County liegen. Während meiner Schulzeit weckte er mein Interesse an historischen Stätten in Kalifornien, indem er mir erzählte, dass es dort Geister gäbe. Ausgerüstet mit einem alten Tonbandgerät, einer Polaroidkamera und einem Heft voller Forschungsnotizen – weit entfernt von unserer modernen Geisterjäger-Ausrüstung –, saßen wir einfach da, stellten Fragen und nutzten unser Wissen über den jeweiligen Ort für unsere EVP-Sitzungen. EVP ist die Abkürzung für electronic voice phenomena, »Tonbandstimmen«: Mithilfe von akustischen Aufzeichnungen werden Stimmen von Geistern hörbar gemacht. Wir kommen später noch öfter darauf zu sprechen.
Ich hatte so viel Zeit damit verbracht, mehr über das Übernatürliche zu erfahren, dass es ein richtiger Kick für mich war, das alles auszuprobieren. Plötzlich war ich selbst aktiv und nutzte mein Wissen über die Erforschung des Paranormalen, um Kontakt mit der anderen Seite aufzunehmen. Aber es ging mir nicht darum, mich zu gruseln – oder zumindest nicht nur. Ich wollte wissen, wer die Geister zu Lebzeiten gewesen sind und warum sie noch da waren und mit den Lebenden Kontakt aufnahmen. Meinem Vater war es wichtig, mit mir Zeit zu verbringen und mir gleichzeitig Geschichtswissen zu vermitteln. Das war unglaublich intensiv und total spannend. Unsere gemeinsame Zeit gehört zu meinen schönsten Kindheitserinnerungen. Ich halte es für eine gute Methode, Kindern mithilfe von Spukgeschichten etwas über Geschichte beizubringen, und rege auch andere Eltern dazu an. Wenn meine Tochter Charlotte größer wird und sich für Geister interessiert, möchte ich das auf jeden Fall auch tun.
Irgendwann nahm ich Urlaub, um an Spukorten wie dem Stanley-Hotel in Colorado aus dem Film Shining und der Queen Mary, einem bekannten Spukkreuzfahrtschiff, das jetzt ein Hotel in Los Angeles ist, Amateuruntersuchungen durchzuführen. Es war wirklich aufregend, meine Pläne in die Tat umzusetzen, und anfangs hatte ich große Angst und spürte den Adrenalinstoß, den die Begegnung mit dem Unerklärlichen auslöste.
Durch diese Untersuchungen und die Suche nach den Menschen hinter den Gruselgeschichten entdeckte ich schließlich etwas sehr Naheliegendes, was die enthusiastischen Anhänger des Übernatürlichen aber meist übersehen: Geister sind Menschen wie du und ich. Natürlich geht es bei der Geisterjagd auch um die ganze Aufregung einer Kontaktaufnahme, aber eigentlich steht etwas anderes im Vordergrund: Auf der anderen Seite kommuniziert ein Mensch mit dir. Ein Mensch, der einmal lebendig war und sich jetzt in einer Situation befindet, in der auch du vielleicht eines Tages sein könntest.
Sie bleiben nicht, weil ihnen das einen Höllenspaß machen würde – okay, das ist vielleicht nicht gerade die beste Wortwahl –, aber auch nicht, weil sie es hier so toll finden. (Oder glaubst du wirklich, es sei lustig, zweihundert Jahre lang in denselben drei Räumen herumzuspuken?) Wie viele andere denke auch ich, dass die Seelen hier sind, weil sie auf dieser Ebene noch etwas zu erledigen haben. Manchmal möchten sie noch Botschaften übermitteln, und manchmal wissen sie gar nicht, dass sie verstorben sind und es an der Zeit ist zu gehen.
Diese ruhelosen Seelen wollen gehört werden. Sie müssen gehört werden. Und wer von uns das Glück hat, mit ihnen zu kommunizieren, hat die Pflicht zuzuhören, wirklich hinzuhören und sie nicht wie irgendeine Abendunterhaltung zu behandeln.
In der Serie Ghost Hunters fanden mein Partner Adam Berry und ich sehr oft Geister vor, die ganz offensichtlich Hilfe brauchten. Aber wegen der Dreharbeiten und des Formats der Sendung mussten wir gehen, bevor wir etwas für sie tun konnten. Unsere Aufgabe war es, den Lebenden zu helfen und herauszufinden, ob es in ihren Häusern und Geschäften spukte, und nicht den Verstorbenen mit ihren Angelegenheiten, die sie auf dieser Ebene festhielten. Je öfter wir Hilfe suchende Geister zurücklassen mussten, desto schuldiger fühlten wir uns.
Einmal drehten wir eine Folge der Serie im Waverly-Hills-Krankenhaus in Kentucky, einem riesigen Gebäude, das auf dem Höhepunkt der Tuberkulose-Epidemie Anfang des 20. Jahrhunderts bis zu vierhundert Patienten gleichzeitig aufnehmen konnte. Nach der Schließung als Tuberkulose-Krankenhaus wurde Waverly Hills zu einer Langzeitpflegeeinrichtung für ältere und psychisch kranke Menschen, die aber wegen Vernachlässigung der Patienten geschlossen wurde. Tina Mattingly erwarb das Gebäude einige Jahre später und meint, dass in den hundertzwanzig Jahren, in denen Waverly Hills existiert, zwischen zwanzigtausend und zweiundsechzigtausend Menschen dort gestorben sind.
Während der Dreharbeiten hielten Adam und ich uns im Schwesterntrakt auf, der noch nie professionell unter die Lupe genommen worden war. Nach allem, was wir wussten, waren wir seit Jahrzehnten die Ersten. Etwa um 2.00 Uhr morgens begannen wir mithilfe von Klopfzeichen, mit einigen Geistern zu kommunizieren, die wir für Krankenschwestern hielten. Wir erklärten ihnen die Kommunikation: einmal klopfen für ja und zweimal für nein. Sie antworteten auf jede Frage, und ihre Antworten waren klar und eindeutig.
Irgendwann fragten wir sie: »Wie viele von euch sind denn hier anwesend? Zeigt uns durch Klopfen an, wo genau ihr seid.« Wir hörten siebzehn Klopfgeräusche überall im Raum, als ob siebzehn Menschen versuchten, uns zu kontaktieren.
Wir fragten: »Wollt ihr beten?« Ein Klopfen. Also beteten wir für sie. Ich würde mich nicht als wirklich religiösen Menschen bezeichnen, aber wenn mich jemand bittet, für ihn zu beten, dann tue ich es. Ich glaube, es kommt dabei nur auf die Energie und die Intention an. Als wir beteten, war es völlig still um uns herum. Keinerlei Klopfen. Aber sobald wir »Amen« gesagt hatten, fing es wieder an. Es war fast so, als wollten sie sich bei uns bedanken.
Das Klopfen kam immer wieder, als ob die Krankenschwestern geradezu versessen darauf seien, dass jemand ihre Anwesenheit zur Kenntnis nimmt und mit ihnen spricht. Schließlich mussten wir abbrechen, denn die Arbeitszeit des Kamerateams pro Tag ist begrenzt. Wir fühlten uns richtig mies, als wir ihnen sagten, dass wir gehen müssten. Sie waren eindeutig dagegen. Als wir den Korridor hinuntergingen, klopften sie an die Wände um uns herum und folgten uns, als wir das Gebäude verließen.
Ich war in Tränen aufgelöst, als wir abzogen. Es war herzzerreißend, mit Geistern in Kontakt zu treten, die so verzweifelt mit uns kommunizieren wollten. Ich wollte sie unbedingt hören und ihnen helfen. Im Hotel vernahm ich am Morgen ein letztes Klopfen an der Wand über meinem Bett.
Adam und ich hatten viele solcher Begegnungen, bei denen wirklich Hilfe notwendig gewesen wäre. Es gab Geister, die Lebenden Botschaften übermitteln oder ein Problem beheben wollten, das sie an einen Ort fesselte, doch wir konnten diese Angelegenheiten nicht für sie lösen. Oft hörten wir so etwas wie Hilfe, aber wir mussten wegen der Anforderungen der TV-Serie Ghost Hunters gehen. Damals ging es mehr darum, Beweise für die Existenz von Geistern zu finden, und weniger um die Frage, wer diese Geister sind und was sie uns mitteilen wollen. Unsere Zuschauer wollten wissen, was wir entdeckten und ob das Ganze real war. Bei der Untersuchung unserer Ergebnisse präsentierten wir die EVP von Menschen, die weinten oder um Hilfe baten, aber niemand versuchte, die Gründe dafür herauszufinden.
Geister in Not in ihrem Elend zurückzulassen, weil wir unseren Job machen mussten, führte schließlich zur Idee für die Serie Ruhelose Seelen. Es fühlte sich für uns einfach so an, dass bei der Beschäftigung mit Geistern etwas fehlte. Deshalb entschieden Adam und ich, Ghost Hunters zu verlassen, um etwas zu finden, was die Kluft zwischen den Lebenden und den Verstorbenen überbrückte und sich mit den Bedürfnissen beider Seiten befasste. Wir wollten uns darauf konzentrieren, wie wir ihnen helfen konnten, statt nur Beweise zu sammeln und dann wieder zu gehen. Geister sind nicht zu unserem Vergnügen da. Sie sind Menschen mit Bedürfnissen, genau wie wir.
Inzwischen reisen wir im Auftrag der Serie durch das Land und besuchen Menschen, die wirklich unsere Hilfe brauchen. Wir waren im Haus einer Frau, die ein ganzes Stockwerk nicht nutzte, weil sie glaubte, dass ihr Bruder, der vom anderen Bruder ermordet worden war, dort spukte. Wir stellten für eine verängstigte Mutter und ihren Sohn Untersuchungen an, die ihre Wohnung nicht betraten, weil der Sohn dort ständig einen »Schattenmann« sah. Wir gingen tief in einen Wald, um herauszufinden, wer in der Hütte einer Familie Gegenstände zerstörte und Leute kratzte.
Um solchen Vorkommnissen auf den Grund zu gehen, ziehen wir häufig Historiker eines Ortes oder weitere Paraforscher hinzu. Chip Coffey ist ein Medium, hatte früher mal eine eigene Sendung mit dem Titel Psychic Kids und begleitete uns bei vielen Fällen für Ruhelose Seelen, um an den Orten, die wir untersuchten, in Kontakt mit Seelen zu kommen.
»Das ist so was wie Sozialarbeit für die Lebenden und die Verstorbenen«, sagte Chip. »Es geht darum, die Bedürfnisse von beiden zu berücksichtigen. Wenn wir irgendwo reingehen, versuchen wir zu klären: Was erleben die Menschen dort? Und was erleben die Verstorbenen?«
Können wir wirklich helfen? Ich würde es gern glauben. Wir graben tief in der Geschichte einer Gegend, besonders in der Geschichte eines betroffenen Hauses, um die Ursachen von Geisterscheinungen herauszuarbeiten. Wir sprechen mit den Angehörigen früherer Bewohner und mit Familienmitgliedern der Leute, die die Aktivität erleben. Wir fanden Grabsteine in Hinterhöfen und Brunnen in den Kellern von dreihundert Jahre alten Häusern. Unheimlich? Definitiv! Aber in all diesen Fällen, auch wenn ein Geist klar gesagt hat, dass er in Ruhe gelassen werden möchte, bin ich mit dem Gefühl weggegangen, jemandem geholfen zu haben, egal, ob diese Person lebte oder verstorben war.
»Oft denke ich, dass die Leute einfach nur ihre ganze Geschichte hören wollen, oder sie suchen nach jemandem, der ihnen aufrichtig zuhört, der ihnen etwas Aufmerksamkeit schenkt oder sie wirklich versteht«, erklärte Chip. »Das ist so, als würden wir sie fragen, was wir tun können, um ihr Leben zu verbessern. Es ist wichtig, den lebenden Menschen eines Ortes Verständnis entgegenzubringen, ihnen hoffentlich auch Trost zu spenden und auf die Bedürfnisse der Verstorbenen einzugehen. Im Gespräch mit den Geistern geht es um Anerkennung. Vielleicht übermitteln sie Informationen, die bisher niemand von den Lebenden zur Kenntnis genommen hat, oder es gibt eine Botschaft, die sie noch nicht rüberbringen konnten.«
Wenn es etwas gibt, von dem ich hoffe, dass du es aus diesem Buch mitnimmst, dann Folgendes: Die meisten Geister sind nicht gruselig. Sie sind auch nicht irgendeine komische Nebensache. Letztlich werden wir alle auf die gleiche Weise enden, und einige von uns werden vielleicht sogar hier bleiben, um das zu vollenden, was sie im Leben nicht geschafft haben. Die meisten lebenden Menschen empfinden Geister jedoch als unheimlich. Ich glaube, wenn wir mehr über die Geisterwelt wissen und über die Menschen, die sie bevölkern, werden die Geister menschlicher, und wir haben weniger Angst vor ihnen. Genau das ist mir passiert, und ich habe gelernt, dem Paranormalen mit mehr Respekt zu begegnen. Es hat mich auch zum ungewöhnlichsten Beruf geführt, den ich mir vorstellen kann, und mir einige wirklich brenzlige Situationen beschert. Ich war schon überall – von verlassenen Krankenhäusern über Spukgefängnisse bis hin zu stillgelegten psychiatrischen Anstalten, wo die Geister buchstäblich aus den Wänden kommen.
Reden wir also erst einmal über ein paar verrückt gute Geistergeschichten.
Baby Amy und Babygeister
Als ich noch sehr klein war, vielleicht drei oder vier Jahre alt, lebten wir in einem Mehrfamilienhaus. Noch war keines meiner Geschwister geboren, also gab es nur meine Mutter, meinen Vater und mich.
Eines Tages spielte ich im Wohnzimmer, und als ich hinübersah, fiel mir in meinem Zimmer etwas auf. Es war ein Schatten, der aus meinem Schlafzimmerschrank lugte. Eine sehr ausgeprägte kleine Schattenfigur, vielleicht so groß wie ich, die eindeutig spielen wollte.
Die Figur streckte ihren Kopf aus dem Schrank, zog ihn wieder zurück und wiederholte das so oft, als würde sie ein Spiel spielen. Schließlich siegte meine Neugierde, und ich beschloss, dem nachzugehen. (Du bist schockiert, ich weiß.)
Als ich rüberkam, war die Figur schon verschwunden.
Ich erinnere mich, dass ich keine Angst hatte, sondern eher verdutzt darüber war, dass etwas, was ich gerade noch gesehen hatte, plötzlich verschwunden war.
Später erzählte ich es meiner Mutter. Sie schaute einen Moment lang erschrocken, dann wischte sie es beiseite. So würde ich mich auch verhalten, wenn Charlotte einen Geist sehen und mir davon erzählen würde. Vielleicht ist das genetisch bedingt?
Kapitel 2
Das klingt merkwürdig, nicht wahr? Wenn man nicht viel Erfahrung hat, ist es wirklich unheimlich, einen Ort zu betreten, von dem man vermutet, dass es dort spukt. Verdammt, aber auch ich habe manchmal noch Schiss, obwohl ich schon Tausende von Untersuchungen durchgeführt habe. Doch es stimmt wirklich. Du hast vielleicht Angst vor dem, was du an einem Ort siehst oder erlebst (oder sogar spürst), aber fast nie wollen dich die Geister dort erschrecken. Sie sind Menschen, die versuchen, auf die bestmögliche Weise zu kommunizieren, die sie kennen, indem sie ihre begrenzten Kräfte nutzen.
Im Laufe der Jahre bin ich vielen Geistern begegnet, die unheimlich erschienen, aber in Wirklichkeit nur Schwierigkeiten hatten, gehört zu werden, und die alles gaben, um durchzukommen. In der ersten Staffel von Ruhelose Seelen untersuchten wir ein Haus in Connecticut, in dem sich eine bedrohliche Präsenz deutlich bemerkbar machte. Die Hausbesitzer sahen düstere Schattengestalten, hörten stampfende Geräusche vom Dachboden und sahen, wie Gegenstände durch die Räume flogen. Sie hatten das Gefühl, dass ihr fünf Jahre alter Sohn als Zielscheibe diente. Sie hatten das Haus gerade erst gekauft und waren entsetzt, auf was sie sich da eingelassen hatten.
Bei unseren Nachforschungen konnten Adam und ich nicht viel durch die EVP-Sitzungen herausfinden, weshalb wir anfingen, eine Liste der Vorbesitzer des Hauses durchzugehen und jeweils zu fragen, ob wir mit ihnen sprechen würden. Wir erhielten aber nur ein Wort: Ko-tek. Es stellte sich heraus, dass Mr. Kotek ein früherer Besitzer des Hauses gewesen war, der aus Polen stammte und über Ellis Island nach Amerika gekommen war, aber nie richtig Englisch gelernt hatte. Als wir eine Übersetzerin hinzuzogen, konnten wir endlich ein Gespräch mit dem Geist führen. Da Mr. Kotek nicht die gleiche Sprache wie die Hausbesitzer sprach, verstand er nicht, dass das Chaos und die Unordnung im Haus mit den Renovierungsarbeiten zusammenhingen. Nachdem ihm das in einer Sprache erklärt worden war, die er verstand, und begriffen hatte, was in dem Haus geschah, das er immer noch als sein Zuhause betrachtete, wirkte der Geist nicht mehr ruppig und gemein. Die neuen Besitzer kümmerten sich so um sein Haus, wie er es selbst getan hatte, und er wurde ruhiger.
Manchmal versuchen die Geister aber auch, uns zu überlisten, nur um etwas zu lachen zu haben. Das geschah im Randolph-County-Krankenhaus in Winchester, Indiana, das wir in der vierten Staffel untersuchten. Das Wesen, das hinter einer verschlossenen Tür knurrte und sie fast aus den Angeln hob, erwies sich als ein ehemaliger Rummelplatzarbeiter und gelegentlicher Patient des Krankenhauses namens Harry »Peg« Dunn, ein gutmütiger Geist, der nur versuchte, sein ansonsten ruhiges Leben im Jenseits aufzupeppen. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.
Ich bin der Meinung, dass Menschen im Jenseits genauso sind wie zu Lebzeiten. Wenn jemand ein unangenehmer Typ war, wird er sich als Geist nicht unbedingt anders verhalten. Aber das ist meiner Meinung nach bei den wenigsten der Fall. Es ist auch möglich, dass ein Geist Dinge tut, die uns unheimlich vorkommen, wie zum Beispiel Mr. Kotek, weil er nicht versteht, was in seinem Haus vor sich geht, oder es nicht mag. Ich glaube wirklich, dass Mr. Kotek versucht hatte, sein Haus vor etwas zu schützen, was er für eine Bedrohung hielt. Wahrscheinlich haben wir deshalb oft Angst in Situationen, die wir nicht erklären können, weil es in der menschlichen Natur liegt, sich vor Unbekanntem zu fürchten. Schnell vermutet man hinter einem seltsamen Geräusch im Haus eine böse Absicht. Wenn du nicht wie ich in einem total verrückten Zuhause aufgewachsen bist, ist es nur natürlich, dass du so reagierst. Ich denke in solchen Fällen immer: »Lass uns herausfinden, was das war.«
Die Leute fragen mich ständig, warum ich beruflich Geister jage, und meinen damit: Warum zum Teufel bringst du dich selbst ständig in so gruselige Situationen? Bist du wahnsinnig? Meine Antwort ist genau das Gegenteil von dem, was sie erwarten. Ich finde Geister nicht gruselig. Ich finde sie faszinierend. Sie sind Menschen, die Geschichten zu erzählen haben, und ich will diese Geschichten hören. Für mich ist die Untersuchung einer Spukerscheinung dasselbe wie ein Treffen mit Freunden bei einem Glas Wein. Wir führen einfach ein Gespräch. Der Unterschied ist, dass die Unterhaltung mit Geistern etwas einseitig ist. Manchmal braucht es eine Menge Fragen, um ein Geistwesen dazu zu bringen, auch nur ein paar Worte zu verlieren. Aber andererseits hatte ich auch schon Dates mit Lebenden, bei denen es ziemlich ähnlich war.
Die Grundannahme, dass Geister in erster Linie gehört zu werden versuchen, wird auf den Kopf gestellt, wenn es um Orte geht, an denen Menschen wirklich Furchterregendes widerfuhr. Ich erlebte Fälle, in denen Geister ernsthaft versucht hatten, Leute einzuschüchtern oder sie zu verletzen. Ich untersuchte aber auch Situationen, in denen die übernatürliche Präsenz eine positive Kraft war, deren Gegenwart die Menschen schätzten. Diese beiden völlig gegensätzlichen Phänomene können sogar innerhalb einer Familie im selben Haus vorkommen. Die folgende Geschichte der Familie Perron war die Grundlage für den Film Conjuring – Die Heimsuchung.
Roger und Carolyn Perron und ihre Töchter Andrea, Nancy, Christine, Cindy und April lebten von 1970 bis 1980 in einem verwunschenen Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert in Harrisville, Rhode Island. Das Haus war der Schauplatz eines lang andauernden Spuks. Zehn Jahre lang gehörten zahlreiche Geister zum Alltag der Familie. Das Haus wurde fünfmal von den Paraforschern Ed und Lorraine Warren untersucht (die auch im Haus aus Amityville Horror – Eine wahre Geschichte und mit einer besessenen Stoffpuppe, Vorlage für den Film Annabelle, gearbeitet hatten). Andrea Perron berichtete vom ersten Tag der Paraforscher: »Sie warteten bis zum Tag vor Halloween, weil Mrs. Warren dachte, dass der Schleier dann dünner und es wahrscheinlicher sei, eine Erscheinung zu erleben. Meine Mutter sah sie an und sagte lachend: ›Dann ist jeder Tag in diesem Haus Halloween.‹«
Obwohl Conjuring in etwa auf Andrea Perrons Erinnerungen und Lorraine Warrens Beobachtungen basiert, gibt er nicht im Ansatz wieder, was die Familie durchmachte. In Wirklichkeit gab es keinen Geist, der dem Teufel verfallen war und die Frauen besetzte, damit sie ihre Kinder ermordeten, keine verwunschene Schmuckschatulle und keinen Geist namens Rory, der sich in einem Kriechraum über dem Erdgeschoss versteckt hielt. Im Haus gab es nämlich gar keinen Kriechraum. Wir werden im Laufe des Buches noch mehr über die wahren Hintergründe erfahren, aber falls du den Film gesehen hast, lösch bitte alles in deinem Kopf, was du über die Perrons aus Conjuring zu wissen glaubst, bevor wir auf die tatsächlichen Erlebnisse der Familie zu sprechen kommen.
Ich bin seit vielen Jahren mit Andrea befreundet, und sie erzählte immer, dass der Film nichts sei gegen das, was im Haus wirklich geschah, das sei »noch viel unheimlicher« gewesen – ja, du liest richtig. Unheimlicher als unsichtbare Kräfte, die junge Mädchen an den Haaren herumschleifen.
Lass das erst mal einen Moment sacken.
Carolyn Perron, die Mutter, weigerte sich, das Haus jemals wieder zu betreten, nachdem sie es 1980 verlassen hatte, und April, die jüngste Tochter der Familie, verstarb 2017. Roger und die vier noch lebenden Schwestern kamen für eine Folge der vierten Staffel von Ruhelose Seelen zum ersten Mal gemeinsam in das Haus zurück, und die Familie berichtete viel über ihre Erinnerungen an die Zeit und die Ereignisse im Haus. Sie waren sich alle einig, dass ihnen dort schreckliche, traumatische Dinge widerfahren waren. Auf der anderen Seite fanden sie übereinstimmend, dass sie in dieser Zeit auch viele schöne übernatürliche Erlebnisse hatten.
Carolyn und Cindy, die zweitjüngste Tochter, wurden von den Geistern am schlimmsten malträtiert. Laut Andrea wurde ihre Mutter mindestens fünfmal verletzt, unter anderem wurde sie durch die Hüfte von einem Pfahl aufgespießt, ihr wurde mit einer unsichtbaren Nadel ins Bein gestochen, und durch eine Sense, die in der Scheune nach ihr geworfen wurde, erlitt sie Schnitte am Hals. Cindy wäre fast ertrunken, als sie in der Badewanne von etwas Unsichtbarem unter Wasser gedrückt wurde, und sie wäre beinahe erstickt, als sie in einer alten Holzkiste gefangen war, die sich nicht öffnen ließ, obwohl es gar kein Schloss gab. Das Gleiche passierte Christine in einer Truhe. Die Mädchen wurden in Schränken eingesperrt, aus denen sie nicht mehr herauskamen. Sie hörten ständig Stimmen, oder ihnen wurde plötzlich kalt, und wenn sie sich dann umdrehten, entdeckten sie ein Geistwesen hinter sich.
