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Geldanlage für Einsteigerinnen - Dein Weg zu finanzieller Selbstbestimmung Du willst endlich anfangen, dein Geld klug zu investieren, aber fühlst dich von Finanzsprache und Börsenjargon abgeschreckt? Dann ist dieser Ratgeber genau das Richtige für dich.Er richtet sich gezielt an Einsteigerinnen, die einen verständlichen, praxisnahen und motivierenden Einstieg in die Welt der Geldanlage suchen. Die Autorin erklärt dir Schritt für Schritt, wie du mit ETFs, Aktien und anderen Anlageformen sinnvoll startest – ganz ohne Vorkenntnisse. Dabei geht es nicht nur um Zahlen, sondern auch um deine Ziele, Werte und den Mut, Verantwortung für deine Finanzen zu übernehmen. Ideal für alle, die sich Klarheit wünschen und endlich loslegen wollen – mit einem Buch, das dich ernst nimmt und begleitet. Aus dem Inhalt: - Bestandsaufnahme – Wo stehst du heute finanziell? - Dein Verhältnis zu Geld: Glaubenssätze erkennen und positiv verändern - Vermögen aufbauen – Anlageprodukte und praxisnahe Anlagestrategien - Automatisierung von Spar- und Investitionsprozessen - Finanzstrategien für Frauen mit Familienverantwortung - Ein Depot, das zu deinem Leben passt - Extra-Tipps für Anlegerinnen mit wenig Zeit - Tipps zur Steueroptimierung und Nutzung von Freibeträgen Mit diesem Ratgeber kannst du deine Finanzen allein, sicher und selbstbewusst managen. Auf geht's!
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Seitenzahl: 385
Veröffentlichungsjahr: 2025
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© 2025 by Wolters Kluwer Steuertipps GmbHPostfach 10 01 61 · 68001 MannheimTelefon 0621/[email protected]
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Alle Angaben wurden nach genauen Recherchen sorgfältig verfasst; eine Haftung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben ist jedoch ausgeschlossen.
Zum Zwecke der besseren Lesbarkeit verwenden wir allgemein die grammatisch männliche Form. Selbstverständlich meinen wir aber bei Personenbezeichnungen immer alle Menschen unabhängig von ihrer jeweiligen geschlechtlichen Identität.
Inhaltsübersicht
1 Schön, dass du da bist!
2 Warum Finanzen Frauensache sind – und warum du das schaffst!
2.1 Warum sollte Frau sich mit Geldanlage und Vermögensaufbau beschäftigen?
2.1.1 Der Gender Pay Gap – und weshalb er dich motivieren sollte, deine Finanzen in die Hand zu nehmen
2.1.2 Die Motherhood Penalty – Karriere, Kinder und die Folgen für das Einkommen
2.1.3 Finanzielle Eigenverantwortung beginnt heute
2.1.4 Zusammenfassung
2.1.5 Literaturverzeichnis
2.2 Warum Frauen seltener investieren – und was dahinter steckt
2.2.1 Zahlen und Fakten – Wie legen Frauen in Deutschland ihr Geld an?
2.2.2 Risikoaversion oder Risikobewusstsein? Was die Forschung über das Investitionsverhalten von Frauen sagt
2.2.3 Wenn Finanzbildung fehlt – und warum das kein Zufall ist
2.2.4 Können Frauen wirklich schlechter investieren? Forschung und Fakten
2.2.5 Zusammenfassung
2.2.6 Literaturverzeichnis
2.3 »Rosa« Geldanlagen – Finanzprodukte speziell für Frauen?
2.3.1 Was versteht man unter »rosa« Geldanlagen?
2.3.2 Vorteile und Nachteile von rosa Geldanlagen
2.3.3 Fazit: Rosa Geldanlagen als Einstieg, nicht als Lösung
2.3.4 Literaturverzeichnis
3 Grundlagen schaffen – Dein finanzielles Fundament
3.1 Bestandsaufnahme – Wo stehst du heute?
3.1.1 Einkommen, Ausgaben, Vermögen, Schulden: Der ehrliche Kassensturz
3.1.2 Ausgaben tracken und verstehen: Wo geht dein Geld hin?
3.1.3 Die 50-30-20-Regel
3.1.4 Dein Verhältnis zu Geld: Glaubenssätze erkennen und positiv verändern
3.1.5 Finanzielle Ziele definieren: Was willst du erreichen?
3.2 Dein Notfallfonds – Dein Sicherheitsnetz
3.3 Schulden verstehen und abbauen
3.3.1 Gute und schlechte Schulden
3.3.2 Strategien zum Schuldenabbau
4 Vermögen aufbauen – Anlageprodukte und praxisnahe Anlagestrategien
4.1 Tagesgeld: Dein erster Schritt bei der Geldanlage
4.1.1 Was ist Tagesgeld?
4.1.2 Warum Tagesgeld eine gute Wahl ist
4.1.3 Ziel dieses Artikels
4.1.4 Tagesgeld einfach erklärt
4.1.5 Geldanlage mit Tagesgeld
4.1.6 Vorteile von Tagesgeld
4.1.7 Risiken von Tagesgeld
4.1.8 Zusammenfassung
4.2 Festgeld: Sicher anlegen mit Plan
4.2.1 Was ist Festgeld?
4.2.2 Warum Festgeld eine gute Wahl ist
4.2.3 Ziel dieses Artikels
4.2.4 Festgeld einfach erklärt
4.2.5 Geldanlage mit Festgeld
4.2.6 Vorteile von Festgeld
4.2.7 Risiken von Festgeld
4.2.8 Zusammenfassung
4.3 Aktien verstehen: Dein Einstieg mit System, Strategie und Selbstvertrauen
4.3.1 Was sind Aktien?
4.3.2 Warum Aktien eine gute Wahl sind
4.3.3 Ziel dieses Artikels
4.3.4 Aktien einfach erklärt
4.3.5 Aktien als Investment
4.3.6 Mitarbeiteraktien: Wenn dein Arbeitgeber dich am Unternehmen beteiligt
4.3.7 Vorteile von Aktien
4.3.8 Risiken von Aktien
4.3.9 Wie wichtig sind Dividenden wirklich?
4.3.10 Zusammenfassung
4.4 Geldanlage in ETFs: Dein Weg zu finanzieller Unabhängigkeit
4.4.1 Was ist ein ETF?
4.4.2 Warum ETFs eine gute Wahl sind
4.4.3 Ziel des Kapitels
4.4.4 ETFs einfach erklärt
4.4.5 ETFs als Investment
4.4.6 Vorteile von ETFs
4.4.7 Risiken von ETFs
4.4.8 Zusammenfassung
4.5 Anleihen: Deine sichere Brücke zur Geldanlage
4.5.1 Was sind Anleihen?
4.5.2 Warum Anleihen eine gute Wahl sind
4.5.3 Ziel dieses Artikels
4.5.4 Anleihen einfach erklärt
4.5.5 Anleihen als Investment
4.5.6 Vorteile von Anleihen
4.5.7 Risiken von Anleihen
4.5.8 Zusammenfassung
4.6 Gold als sichere Wertanlage: Dein Leitfaden für den Einstieg
4.6.1 Was ist Gold?
4.6.2 Warum Gold eine gute Wahl ist
4.6.3 Ziel dieses Kapitels
4.6.4 Gold einfach erklärt
4.6.5 Gold als Investment
4.6.6 Vorteile von Gold
4.6.7 Risiken von Gold
4.6.8 Zusammenfassung
4.7 Immobilien: Viel mehr als nur ein Dach über dem Kopf
4.7.1 Wie kann man in Immobilien investieren?
4.7.2 Warum Immobilien eine gute Wahl sind
4.7.3 Ziel des Kapitels
4.7.4 Immobilie kaufen und selbst nutzen
4.7.5 Immobilie kaufen und vermieten
4.7.6 Kosten und Finanzierung eines Immobilienkaufs
4.7.7 Wichtige Hinweise zum Immobilien-Kaufvertrag
4.7.8 Andere Möglichkeiten, in Immobilien zu investieren
4.7.9 Finde deine passende Immobilienstrategie
4.8 Kryptowährungen verstehen: Dein Guide für den Einstieg
4.8.1 Was sind Kryptowährungen?
4.8.2 Warum Kryptowährungen keine gute Wahl für Einsteigerinnen sind
4.8.3 Kryptowährungen einfach erklärt
4.8.4 Zusammenfassung
4.9 Nachhaltige Geldanlage: Dein Geld für eine bessere Welt
4.9.1 Was ist eine nachhaltige Geldanlage?
4.9.2 Warum nachhaltige Geldanlagen eine gute Wahl sind
4.9.3 Ziel dieses Artikels
4.9.4 Nachhaltige Geldanlagen einfach erklärt
4.9.5 Nachhaltig investieren
4.9.6 Vorteile nachhaltiger Geldanlagen
4.9.7 Risiken nachhaltiger Geldanlagen
4.9.8 Zusammenfassung
4.10 Automatisierung von Spar- und Investitionsprozessen
4.10.1 Warum Automatisierung dir hilft
4.10.2 Daueraufträge clever nutzen
4.10.3 Sparpläne für ETFs & Co.
4.10.4 Automatisierung mit Tools und Apps
4.10.5 Rebalancing automatisieren – oder bewusst selbst steuern?
4.10.6 Regelmäßige Finanz-Check-ins
4.10.7 Stolperfallen vermeiden
4.10.8 Zusammenfassung: Weniger Aufwand, mehr Wirkung
4.10.9 Checkliste: Automatisierung deiner Finanzen
4.11 Finanzstrategien für Frauen mit Familienverantwortung
4.11.1 Zwischen Care-Arbeit und Kapitalaufbau
4.11.2 Finanzielle Realität von Müttern und pflegenden Angehörigen
4.11.3 Budgetplanung mit Familienfokus
4.11.4 Versicherungen und Notfallpläne
4.11.5 Langfristiger Vermögensaufbau trotz Teilzeit und Karrierepausen
4.11.6 Finanzen in der Partnerschaft: Gleichberechtigung am Konto
4.11.7 Checklisten
4.12 Finanzielle Unabhängigkeit nach Trennung oder Scheidung
4.12.1 Was sind Zugewinn und Zugewinnausgleich?
4.12.2 Wer bekommt Unterhalt, wie lange und wie viel?
4.12.3 Was ist der Versorgungsausgleich?
4.12.4 Wer berechnet das alles?
4.12.5 Dein finanzieller Neustart
5 Steuern verstehen – Steuerliche Grundlagen zur Geldanlage
5.1 Grundlagen: Abgeltungsteuer und Anlage KAP
5.1.1 Was ist die Abgeltungsteuer?
5.1.2 Was ist die Anlage KAP?
5.2 Besonderheiten bei einzelnen Anlageformen
5.2.1 Vorabpauschale bei ETF und Investmentfonds
5.2.2 Anrechnung ausländischer Quellensteuer
5.2.3 Kryptowährungen & Steuern: Was du als Einsteigerin wissen musst
5.3 Tipps zur Steueroptimierung und Nutzung von Freibeträgen
5.3.1 Freistellungsauftrag und Sparer-Pauschbetrag optimal nutzen
5.3.2 Verlustverrechnung gezielt einsetzen
5.3.3 Zeitpunkt der Veräußerung clever wählen
5.3.4 Steueroptimierung bei Ehepaaren und Familien
6 Langfristig planen – Altersvorsorge aufbauen und Rentenlücke schließen
6.1 Ausgangssituation
6.2 Das Drei-Säulen-Modell
6.3 Die Rentenlücke und wie du sie erkennst
6.3.1 Wie viel Geld brauchst du im Alter?
6.3.2 Wie viel Geld bekommst du?
6.3.3 Wie groß ist deine Rentenlücke?
6.4 Überblick über die gesetzliche und berufsständische Altersversorgung
6.4.1 Gesetzliche Rentenversicherung
6.4.2 Beamtenversorgung
6.4.3 Berufsständische Versorgungswerke
6.4.4 Landwirtschaftliche Alterskasse
6.5 Strategien zur Schließung der Rentenlücke
6.5.1 Wenn dein Einkommen nicht reicht
6.5.2 Absicherung deiner Risiken
6.5.3 Finanzpolster für Notfälle
6.5.4 Schulden tilgen vor Altersvorsorge
6.5.5 Welche Vorsorgeprodukte gibt es?
6.6 Private Vorsorgemöglichkeiten
6.6.1 Staatlich geförderte Betriebsrente
6.6.2 Staatlich geförderte Riester-Rente
6.6.3 Staatlich geförderte Rürup-Rente (Basisrente)
6.6.4 Private Renten- und Lebensversicherungen
6.6.5 Wertpapiere
6.6.6 Investmentfonds
6.6.7 Sparanlagen bei Banken
6.6.8 Immobilien
6.6.9 Staatliche Sparförderung
6.7 Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung & Co. – Was du zusätzlich bedenken solltest
6.7.1 Vorsorgevollmacht
6.7.2 Patientenverfügung
6.7.3 Betreuungsverfügung
6.8 Vorsorgestrategien für unterschiedliche Lebenssituationen
6.8.1 Lisa, 25 Jahre, Berufseinsteigerin, ledig
6.8.2 Nadine, 32 Jahre, verheiratet, zwei Kinder, Teilzeit
6.8.3 Aylin, 35 Jahre, selbstständig, keine Kinder
6.8.4 Vesna, 40 Jahre, Beamtin, verheiratet, ein Kind
6.8.5 Miriam, 45 Jahre, geschieden, zwei Teenager, Vollzeit
7 Dein Weg – Anlageziele und wie du sie erreichst
7.1 Das magische Dreieck
7.1.1 Das magische Dreieck: Risiko, Rendite, Liquidität
7.1.2 Welche Anlageklasse passt zu welchem Ziel?
7.1.3 Die richtige Mischung macht's
7.1.4 Die Auswahl der passenden Anlageprodukte
7.2 Ein Depot, das zu deinem Leben passt
7.2.1 Wie riskant darf es sein?
7.2.2 Wie stellt man ein Depot zusammen?
7.2.3 Diversifikation und Korrelation
7.2.4 Beispiel-Portfolios für Einsteigerinnen
7.2.5 Faustregel »100 minus Lebensalter«
7.2.6 Geld anlegen, aber bequem: Das »Pantoffel-Portfolio«
7.2.7 Robo-Advisor: Dein digitaler Vermögensverwalter
7.2.8 Extra-Tipp für Anlegerinnen mit wenig Zeit
7.2.9 Depot-Vorschläge für verschiedene Lebenssituationen
7.3 Rebalancing: So bleibt dein Depot im Gleichgewicht
7.3.1 Warum ist Rebalancing wichtig?
7.3.2 Wie läuft das Rebalancing konkret ab?
7.3.3 Was kostet die Umschichtung?
7.3.4 Emotionen und Geldanlage: Eine gefährliche Mischung
7.3.5 Rebalancing-Checkliste
7.4 Checklisten für die ersten Schritte und regelmäßige Überprüfungen
7.4.1 Die ersten Schritte bei der Geldanlage
7.4.2 Tagesgeld
7.4.3 Festgeld
7.4.4 Aktien
7.4.5 ETF
7.4.6 Anleihen
7.4.7 Offene Immobilienfonds
7.4.8 Gold/Edelmetalle
7.4.9 Immobilien
7.4.10 Immobilienfonds
7.4.11 Krypto
7.4.12 Nachhaltige und ethische Investments
7.4.13 Rebalancing deines Portfolios
7.5 Finanzielle Bildung vertiefen
7.5.1 Dranbleiben und Spaß dabei haben
7.5.2 Gute Quellen für Finanzwissen
7.5.3 Austausch mit anderen: Netzwerke und Communities
7.6 Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist
7.6.1 Wann ist professionelle Unterstützung sinnvoll?
7.6.2 Welche Arten von Finanzberatern gibt es?
7.6.3 Wie findet man die richtige Beratung?
7.7 Dein persönlicher Finanzplan – Zusammenfassung und nächste Schritte
7.7.1 Was du jetzt schon erreicht hast
7.7.2 Dein individueller Finanzfahrplan
7.7.3 Prioritäten setzen: Was du als Nächstes angehst
7.7.4 Routinen etablieren
7.7.5 Wie geht es weiter?
8 Glossar
Geldanlage für Einsteigerinnen - Ein Ratgeber von Frauen für Frauen
1 Schön, dass du da bist!
Dieses Buch ist für dich – und für viele andere Frauen, die ähnliche Fragen haben wie du.
Geld ist nicht alles, aber ohne Geld ist vieles schwerer. Gerade für Frauen. Obwohl wir heute so gut ausgebildet sind wie nie zuvor, verdienen wir im Schnitt weniger, arbeiten häufiger in Teilzeit und unterbrechen unsere Erwerbsbiografien öfter – meist aus familiären Gründen. Die Folge: geringere Renten, weniger Vermögen, mehr finanzielle Abhängigkeit.
Dieser Ratgeber will das ändern.
Ich habe ihn geschrieben, weil ich selbst erlebt habe, wie herausfordernd es sein kann, sich in der Welt der Finanzen zurechtzufinden – besonders als Frau. In Gesprächen mit Freundinnen, Kolleginnen und Leserinnen wurde mir klar: Es fehlt nicht an Interesse, sondern oft an einem verständlichen Einstieg. An einem Ort, der nicht belehrt, sondern begleitet. Genau das möchte ich dir mit diesem Ratgeber bieten.
Dabei ist dieser Ratgeber nicht nur aus meiner Perspektive entstanden. In ihn sind die Erfahrungen, Fragen und Geschichten vieler Frauen eingeflossen – aus ganz unterschiedlichen Lebenssituationen. Ihre Stimmen haben den Inhalt geprägt und bereichert. Es ist ein Ratgeber von Frauen für Frauen.
Besonders freue ich mich über das einleitende Kapitel von Larissa Ginzinger und Dr. Leah Zimmerer. Die beiden forschen an der Universität Mannheim zu geschlechtsspezifischen Unterschieden an Kapitalmärkten – und sie schaffen es, spannende wissenschaftliche Erkenntnisse so verständlich und lebensnah zu erklären, dass du sofort Lust bekommst, dich mit deinen eigenen Finanzen auseinanderzusetzen. Ihr Beitrag zeigt, warum finanzielle Eigenverantwortung für Frauen so wichtig ist, was hinter Begriffen wie »Gender Pay Gap« und »Motherhood Penalty« steckt, wie Unterschiede in der Risikoaversion Investitionsentscheidungen prägen – und dass Frauen keineswegs die schlechteren Investorinnen sind.
Du wirst beim Lesen ab und zu auf konkrete Firmennamen und Anlageprodukte stoßen. Diese Beispiele sollen dir helfen, dir ein Bild zu machen und Möglichkeiten besser zu verstehen. Sie sind keine Empfehlungen zum Kauf: Lass dich inspirieren, informiere dich – und triff deine eigenen Entscheidungen. Du kannst das.
Wenn du dich zum ersten Mal mit dem Thema Geldanlage beschäftigst, dich fragst, wie du sinnvoll sparen, investieren oder vorsorgen kannst, dann findest du hier den Einstieg, den du brauchst. Ohne Fachchinesisch, ohne erhobenen Zeigefinger – sondern auf Augenhöhe.
Denn Finanzen sind Frauensache. Nicht, weil wir es müssen, sondern weil wir es können! Und weil es sich lohnt: Für mehr Unabhängigkeit, mehr Sicherheit und mehr Freiheit, das Leben zu so zu gestalten, wie du es dir wünschst.
Vielleicht hast du bisher gezögert, dich mit Geldanlage zu beschäftigen. Vielleicht dachtest du, das sei nur etwas für Profis oder Menschen mit viel Geld. Dieser Ratgeber wird dir zeigen: Du kannst das auch.
Viel Spaß beim Lesen – und noch mehr beim Umsetzen!
Herzlichst,
deine Maike Backhaus
2 Warum Finanzen Frauensache sind – und warum du das schaffst!
von Larissa Ginzinger und Dr. Leah Zimmerer
Hinweis: Eigentlich arbeiten wir nicht mit Literaturverzeichnissen – aber in diesem Bereich machen wir eine Ausnahme. Der Text enthält viele Forschungsergebnisse und Statistiken, die natürlich nachvollziehbar sein sollen. Deshalb findest du an einigen Stellen Hinweise auf die Quellen. Am Ende der Kapitel findest du dann jeweils das Literaturverzeichnis.
2.1 Warum sollte Frau sich mit Geldanlage und Vermögensaufbau beschäftigen?
Dieses Kapitel erklärt dir, warum finanzielle Eigenverantwortung so wichtig ist. Wir sprechen über den sogenannten Gender Pay Gap – also die Einkommenslücke zwischen Männern und Frauen –, darüber, welche Rolle die Motherhood Penalty – die finanziellen Nachteile für Frauen durch Familiengründung, Care-Arbeit und Teilzeit – in diesem Zusammenhang spielt, und darüber, warum es sich lohnt, möglichst früh mit dem Vermögensaufbau zu beginnen.
In diesem Kapitel lernst du:
Der Gender Pay Gap – und weshalb er dich motivieren sollte, deine Finanzen in die Hand zu nehmen: Was der Gender Pay Gap ist und welche Folgen er für Einkommen, Vermögensaufbau und Rente hat.
Die Motherhood Penalty – Karriere, Kinder und die Folgen für das Einkommen: Wie Kinder, Teilzeit und Erwerbsunterbrechungen die Erwerbstätigkeit von Frauen prägen und ihr Einkommen beeinflussen.
Finanzielle Eigenverantwortung beginnt heute: Warum der beste Zeitpunkt, Verantwortung für deine Finanzen zu übernehmen, heute ist.
Finanzielle Unabhängigkeit ist ein zentrales Fundament für ein selbstbestimmtes Leben. Doch die Realität zeigt: Frauen verdienen im Durchschnitt weniger als Männer, unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit häufiger für Kindererziehung oder Pflege und bauen dadurch weniger Vermögen auf und haben niedrigere Rentenansprüche.
Gerade deshalb gilt: Frauen sind gefordert, die Verantwortung für ihre Finanzen möglichst frühzeitig selbst in die Hand zu nehmen. Wer ohnehin weniger Einkommen erzielt, sollte nicht auch noch auf die Chancen von Kapitalerträgen verzichten und sein Geld sinnvoll für einen langfristigen Vermögensaufbau anlegen.
Dieses Kapitel zeigt dir, warum finanzielle Eigenverantwortung so wichtig ist – und warum der beste Zeitpunkt, deine Finanzen selbst in die Hand zu nehmen, heute ist.
In den folgenden Abschnitten schauen wir uns drei zentrale Themen an:
Wir beginnen mit dem Gender Pay Gap, also der durchschnittlichen Einkommenslücke zwischen Männern und Frauen. Du erfährst, wie groß diese Lücke in Deutschland und Europa ist, wie sie sich über die Zeit entwickelt hat und welche Folgen sie für dein Einkommen, deinen Vermögensaufbau und deine Rente hat.
Danach betrachten wir die sogenannte »Motherhood Penalty«. Sie beschreibt, wie Familiengründung, Care-Arbeit und Teilzeit die Erwerbstätigkeit von Frauen verändern – und welche Konsequenzen das für Einkommen und Vermögensaufbau hat.
Zum Abschluss des Kapitels geht es darum, warum es sich lohnt, möglichst früh aktiv zu werden. Wir sprechen über den Zinseszinseffekt – also darüber, dass dein Geld nicht nur Erträge erwirtschaftet, sondern auch diese Erträge wiederum neue Erträge erzeugen. Je länger dein Geld für dich arbeitet, desto stärker wirkt dieser Effekt.
2.1.1 Der Gender Pay Gap – und weshalb er dich motivieren sollte, deine Finanzen in die Hand zu nehmen
Der Gender Pay Gap bezeichnet die durchschnittliche prozentuale Lohnlücke zwischen Frauen und Männern. Auch wenn Frauen in Deutschland heute ähnlich gut oder sogar besser ausgebildet sind als Männer, verdienen sie im Schnitt weniger. Diese Einkommensdifferenz ist nicht nur ein abstrakter statistischer Wert, sondern wirkt sich ganz konkret auf das Leben von Frauen aus – auf ihre finanzielle Unabhängigkeit, ihre Altersvorsorge und die Notwendigkeit ihres Vermögensaufbaus.
Unbereinigter und bereinigter Gender Pay Gap
Unterschieden wird zwischen dem unbereinigten und dem bereinigten Gender Pay Gap (Blau & Kahn, 2000). Der unbereinigte Gender Pay Gap vergleicht den durchschnittlichen Bruttostundenlohn von Frauen und Männern ohne weitere Anpassungen und zeigt, wie groß die Lohnlücke insgesamt ist. Der bereinigte Gender Pay Gap berücksichtigt dagegen Unterschiede in Ausbildung, Berufserfahrung, Arbeitszeit und Branche und erfasst so den Teil der Lohnungleichheit, der nicht auf diese strukturellen Faktoren zurückgeführt werden kann. Er zeigt, wie groß die Lohnlücke bleibt, wenn Frauen und Männer mit vergleichbaren Voraussetzungen miteinander verglichen werden (Blau & Kahn, 2000).
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Tipp: Was ist der Gender Pay Gap?
Unbereinigt: Wie viel verdienen Frauen im Durchschnitt pro Stunde im Vergleich zu Männern, ohne Unterschiede hinsichtlich Qualifikation, Berufserfahrung, Teilzeit/Vollzeit, Branche etc. zu berücksichtigen?
Bereinigt: Wie groß ist die Lohnlücke, wenn Frauen und Männer mit vergleichbarer Ausbildung, Berufserfahrung, Arbeitszeit und Tätigkeit miteinander verglichen werden?
Der Gender Pay Gap in Deutschland
Für Deutschland weist das Statistische Bundesamt für das Jahr 2024 einen unbereinigten Gender Pay Gap von 16 % aus (Statistisches Bundesamt, 2025a). Das bedeutet: Frauen verdienten im Jahr 2024 im Durchschnitt 16 % weniger pro Stunde als Männer. Der bereinigte Gender Pay Gap lag im selben Jahr bei 6 % (Statistisches Bundesamt, 2025b). Diese Differenz zeigt, dass auch bei gleicher Qualifikation, Tätigkeit und Erwerbsbiografie Einkommensunterschiede bestehen bleiben.
Der Equal Pay Day macht auf die geschlechtsspezifischen Verdienstunterschiede aufmerksam. Er markiert symbolisch den Tag, bis zu dem Frauen rechnerisch ohne Bezahlung arbeiten würden, während Männer seit Jahresbeginn bereits entlohnt werden. Im Jahr 2025 fiel der Equal Pay Day in Deutschland auf den 7. März, ausgehend von dem unbereinigten Gender Pay Gap von rund 16 % des Jahres 2024 (Equal Pay Day, 2025; Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, 2025).
Der unbereinigte Gender Pay Gap erwies sich in Deutschland lange Zeit als sehr stabil: Zwischen 2006 und 2015 bewegte er sich nahezu unverändert zwischen 22 und 23 %. Erst ab 2016 zeigt sich ein deutlicher Rückgang – von 21 % im Jahr 2016 auf 16 % im Jahr 2024 (Statistisches Bundesamt, 2025a). Der bereinigte Gender Pay Gap hat sich hingegen über die Zeit kaum verändert. Er lag 2006 bei 8 % und bewegt sich seither nahezu konstant zwischen 5 und 7 %, zuletzt bei 6 % im Jahr 2024 (Statistisches Bundesamt, 2025b).
Im europäischen Vergleich bildet Deutschland eines der Schlusslichter: Mit rund 18 % hatte Deutschland im Jahr 2023 (neuere Daten liegen auf EU-Ebene noch nicht vor) einen der EU-weit höchsten Verdienstabstände pro Stunde zwischen Frauen und Männern und lag deutlich über dem EU-Durchschnitt von 12 % (Statistisches Bundesamt, 2025c; Eurostat, 2024).
Vom Gender Pay Gap zum Gender Pension Gap
Die Auswirkungen des Gender Pay Gap enden nicht beim monatlichen Einkommen. Über den gesamten Lebensverlauf hinweg führen sie – neben anderen Faktoren wie etwa Erwerbsunterbrechungen und Teilzeitphasen wegen Kindererziehung (vgl. Kapitel »Die Motherhood Penalty«) – dazu, dass Frauen deutlich weniger Vermögen aufbauen und im Alter geringere Rentenansprüche haben. Weniger Einkommen bedeutet weniger Rentenpunkte im deutschen Rentensystem, geringere betriebliche Altersvorsorge und häufig auch geringere private Vorsorgebeiträge. Der sogenannte Gender Pension Gap beschreibt die daraus resultierende Rentenlücke zwischen Frauen und Männern. Hinzu kommt, dass Frauen in Deutschland im Schnitt fast fünf Jahre länger leben als Männer (Statistisches Bundesamt, 2022) – der bis zum Renteneintritt gesparte Betrag muss also über einen längeren Zeitraum reichen bzw. höher sein.
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Tipp: Der Gender Pension Gap beschreibt die Rentenlücke zwischen Frauen und Männern. Er zeigt, wie sich geringere Einkommen, häufigere Erwerbsunterbrechungen, Teilzeitphasen und eine höhere Lebenserwartung von Frauen im Alter niederschlagen. Frauen erhalten dadurch durchschnittlich deutlich weniger Alterseinkommen als Männer – mit spürbaren Folgen für ihre finanzielle Sicherheit im Ruhestand.
In Deutschland betrug der Gender Pension Gap im Jahr 2024 rund 26 % – Frauen erhielten also im Durchschnitt mehr als ein Viertel weniger Alterseinkommen als Männer (Statistisches Bundesamt, 2025d). Damit lag Deutschland über dem Europäischen Durchschnitt von 24,5 % (Eurostat, 2025).
Die monetären Folgen des Gender Pension Gap sind erheblich und wirken sich auch auf die Armutsgefährdung aus: Im Jahr 2024 galten in Deutschland 21,6 % der Frauen ab 65 Jahren als armutsgefährdet; bei Männern lag die Quote bei 17,1 % (Statistisches Bundesamt, 2025e).
Warum (frühe) Eigenverantwortung entscheidend ist
Die Daten zum Gender Pay Gap und Gender Pension Gap machen deutlich: Frauen verdienen im Durchschnitt weniger, bauen dadurch geringeres Vermögen auf und sind im Alter häufiger armutsgefährdet.
Gerade deshalb ist es entscheidend, die eigenen Finanzen selbst in die Hand zu nehmen. Wer aufgrund geringerer Einkommen ohnehin weniger Rücklagen bilden kann, sollte nicht zusätzlich auf die Chancen von Kapitalerträgen verzichten. Jede Frau sollte sich so früh wie möglich mit den eigenen Finanzen beschäftigen und aktiv für die Zukunft vorsorgen.
Finanzielle Eigenverantwortung heißt deshalb: nicht warten, bis Lohn- oder Rentenlücken »von außen« geschlossen werden – sondern selbst aktiv werden und den eigenen finanziellen Weg gestalten.
Zusammenfassung und Fazit
Dieses Kapitel hat die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern aufgezeigt und deutlich gemacht, welche Konsequenzen diese für Vermögensaufbau und Altersvorsorge haben. Der Gender Pay Gap führt im Lebensverlauf zu geringeren Rentenansprüchen und mündet in einem Gender Pension Gap, der das Risiko finanzieller Unsicherheit im Alter erhöht.
Gerade deshalb ist es wichtig, dass Frauen ihre Finanzen aktiv selbst gestalten. Wer aufgrund geringerer Einkommen ohnehin weniger Rücklagen bilden kann, sollte nicht zusätzlich auf die Chancen von Kapitalerträgen verzichten. Eigenverantwortung bei Sparen, Vorsorge und Investitionen ist damit ein entscheidender Schlüssel, um finanzielle Unabhängigkeit zu sichern.
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Tipp: Dieses Kapitel auf einen Blick
Frauen verdienen im Durchschnitt weniger als Männer – auch bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit.
Weniger Einkommen bedeutet: weniger Vermögen, geringere Rentenansprüche und ein höheres Risiko von Altersarmut.
Deshalb ist es für Frauen besonders wichtig, frühzeitig Verantwortung für die eigenen Finanzen zu übernehmen.
2.1.2 Die Motherhood Penalty – Karriere, Kinder und die Folgen für das Einkommen
Der Gender Pay Gap zeigt, dass Frauen im Durchschnitt weniger verdienen als Männer. Ein wesentlicher Grund dafür liegt in der sogenannten »Motherhood Penalty« oder »Child Penalty« – also den Einkommens- und Karrierenachteilen, die Frauen nach der Geburt von Kindern im Vergleich zu Männern erfahren. Während die Einkommen von Männern nach einer Familiengründung in der Regel stabil bleiben, sinken sie bei Frauen oft deutlich. Studien zeigen, dass Mutterschaft zu einem dauerhaften Bruch in der Erwerbsbiografie führen kann – mit Folgen für Einkommen, Karrierechancen, Vermögensaufbau und Altersvorsorge.
Konkret wirkt sich die Motherhood Penalty vor allem auf den unbereinigten Gender Pay Gap aus: Frauen arbeiten nach der Geburt häufiger in Teilzeit, unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit oder wechseln in schlechter bezahlte Tätigkeiten. Diese Faktoren zusammen bewirken, dass die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern mit der Familiengründung erheblich zunehmen (Kleven, Landais & Søgaard, 2019).
Ursachen der Motherhood Penalty
Die Ursachen für die Motherhood Penalty liegen vor allem in der ungleichen Verteilung von Sorgearbeit und den Erwerbsentscheidungen nach der Geburt. Frauen übernehmen deutlich mehr unbezahlte Care-Arbeit als Männer: Der Gender Care Gap liegt bei 43,4 %, das entspricht rund 76 Minuten mehr pro Tag (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2025). Hinzu kommt, dass Frauen nach der Geburt überproportional oft in Berufe oder Branchen wechseln, die besser mit Familienpflichten vereinbar sind, jedoch schlechter bezahlt werden (Kleven, Landais & Søgaard, 2019).
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Tipp: Was ist die »Motherhood Penalty« oder »Child Penalty«?
Nach der Geburt eines Kindes sinkt das Einkommen von Frauen im Vergleich zu Männern dauerhaft – in Deutschland besonders stark.
Hauptgründe: längere Erwerbsunterbrechungen, häufige Teilzeitarbeit, geringere Aufstiegschancen.
Auch die ungleiche Verteilung unbezahlter Sorgearbeit (Gender Care Gap) ist ein wichtiger Treiber der Motherhood Penalty.
Die Motherhood Penalty erklärt einen großen Teil des unbereinigten Gender Pay Gaps.
Die Motherhood Penalty in Deutschland
Viele Frauen in Deutschland reduzieren nach der Geburt ihre Erwerbstätigkeit oder steigen ganz aus dem Arbeitsmarkt aus. Im Jahr 2024 waren 68 % der Mütter mit minderjährigen Kindern in Teilzeit beschäftigt, bei Müttern mit Kindern unter 3 Jahren lag die Quote sogar bei 73 % (Statistisches Bundesamt, 2025f). Zum Vergleich: Bei Vätern mit minderjährigen Kindern arbeiteten lediglich rund 8 bis 9 % in Teilzeit (Statistisches Bundesamt, 2025).
Darüber hinaus zeigt sich auch bei der Erwerbsbeteiligung ein deutliches Muster: Die Erwerbstätigenquote lag 2024 bei Müttern mit Kindern unter 18 Jahren bei 71 %, bei Müttern mit Kindern unter 3 Jahren sogar nur bei 40 %. Väter mit Kindern waren dagegen fast durchgängig erwerbstätig – ihre Erwerbstätigenquote lag bei 92 % (unter 18 Jahren) bzw. 89 % (unter 3 Jahren) (Statistisches Bundesamt, 2025f).
Langfristig summieren sich diese Unterschiede zu erheblichen Einkommensverlusten. Nach Schätzungen von Kleven, Landais, Posch, Steinhauer und Zweimüller (2019) beträgt die Child Penalty in Deutschland rund 50 bis 60 %. Das heißt, Frauen verdienen nach der Geburt eines Kindes auf lange Sicht etwa 60 % weniger als Männer, die Vater werden. Die negativen Effekte setzen bereits kurz nach der Geburt ein und bleiben über Jahre hinweg bestehen.
Die Motherhood Penalty im internationalen Vergleich
Im internationalen Vergleich schneidet Deutschland damit schlecht ab. In skandinavischen Ländern wie Dänemark und Schweden sind die Einkommensverluste von Frauen nach der Geburt deutlich geringer, weil Elternzeit stärker zwischen den Geschlechtern aufgeteilt wird und Betreuungsangebote umfassender sind. In Dänemark beträgt die Motherhood Penalty beispielsweise 20 % (Kleven, Landais & Søgaard, 2019).
Zusammenfassung und Fazit
Dieses Kapitel hat gezeigt, dass die Motherhood Penalty ein wesentlicher Faktor für die Einkommenslücke zwischen Männern und Frauen ist. Besonders in Deutschland führen lange Erwerbsunterbrechungen, hohe Teilzeitquoten und die ungleiche Verteilung von Care-Arbeit zu erheblichen Einkommenseinbußen für Mütter.
Wer diese strukturellen Herausforderungen kennt, kann sie bei der eigenen Finanzplanung berücksichtigen – und damit frühzeitig gegensteuern. Damit knüpft dieses Kapitel direkt an das nächste an: Finanzielle Eigenverantwortung beginnt heute!
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Tipp: Dieses Kapitel auf einen Blick
Die Motherhood Penalty beschreibt die Einkommens- und Karrierenachteile von Frauen nach der Geburt eines Kindes im Vergleich zu Männern.
Hauptursachen: ungleiche Verteilung von Sorgearbeit, längere Erwerbsunterbrechungen, häufige Teilzeit sowie Wechsel in schlechter bezahlte Berufe oder Branchen.
In Deutschland sind die Einkommensverluste besonders stark: Rund 68 % der Mütter mit minderjährigen Kindern arbeiten in Teilzeit, die Erwerbstätigenquote von Müttern mit Kindern unter 3 Jahren liegt nur bei 40 %.
Langfristig summieren sich diese Effekte zu erheblichen Einkommensverlusten – in Deutschland auf etwa 50 bis 60 %.
2.1.3 Finanzielle Eigenverantwortung beginnt heute
Die bisherigen Kapitel haben gezeigt, dass Frauen im Durchschnitt weniger verdienen als Männer und durch Mutterschaft Einkommensnachteile erleiden. Diese Unterschiede summieren sich über das gesamte Erwerbsleben und wirken sich direkt auf Vermögensaufbau und Altersvorsorge aus. Gerade deshalb ist es entscheidend, die eigenen Finanzen frühzeitig selbst in die Hand zu nehmen.
Finanzielle Eigenverantwortung bedeutet, nicht auf äußere Veränderungen zu warten, sondern selbst zu handeln: regelmäßig sparen, sinnvoll investieren und informierte Entscheidungen treffen. Wer sich früh mit Themen wie Sparen, Investieren und Altersvorsorge beschäftigt, verschafft sich einen wichtigen Vorteil: Die Zeit arbeitet dann für das eigene Vermögen. Je eher du beginnst, desto größer wirkt der Zinseszinseffekt.
Früh anfangen lohnt sich: der Zinseszinseffekt
Ein zentrales Argument ist der sogenannte »Zinseszinseffekt«. Er beschreibt, dass nicht nur das ursprünglich investierte Kapital Zinsen oder Rendite erwirtschaftet, sondern auch die bereits erzielten Erträge wiederum neue Erträge generieren. Mit der Zeit entsteht so ein Schneeballeffekt: Aus kleinen regelmäßigen Beträgen können große Summen werden.
Der Zinseszinseffekt zeigt eindrücklich, warum frühes Handeln so wichtig ist. Wer schon in jungen Jahren beginnt, kleine Beträge regelmäßig anzulegen, profitiert über Jahrzehnte hinweg vom Wachstum seines Vermögens. Je länger das Geld angelegt ist, desto stärker entfaltet sich dieser Effekt.
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Tipp: Was ist der Zinseszinseffekt?
Erträge werden wieder angelegt und erwirtschaften ihrerseits Erträge.
Auch kleine regelmäßige Beträge können über die Zeit stark wachsen.
Je früher man beginnt, desto größer ist der Effekt – Zeit ist der wichtigste Verbündete beim Vermögensaufbau.
Beispiel: Start mit 25 vs. Start mit 55
Wie stark die Zeit wirkt, zeigt ein einfaches Beispiel. Angenommen, eine Frau spart monatlich 200 Euro und erzielt eine durchschnittliche Rendite von 5 % pro Jahr. Beginnt sie bereits mit 25 Jahren zu sparen und legt die Beträge bis zum Renteneintritt mit 67 Jahren an, wächst ihr Vermögen auf rund 342.000 Euro an. Startet sie dagegen erst mit 55 Jahren und spart bis 67, erreicht sie lediglich etwa 39.000 Euro. Der Unterschied ist enorm: Beide Frauen sparen denselben monatlichen Betrag, doch die frühe Sparerin hat am Ende fast das Neunfache. Der entscheidende Faktor ist die Zeit, in der Erträge wieder Erträge erzeugen können.
Der Unterschied: Obwohl beide Frauen denselben monatlichen Betrag sparen, hat die frühe Sparerin am Ende fast das Neunfache. Der entscheidende Unterschied ist die Zeit, in der sich der Zinseszinseffekt entfalten kann.
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Tipp: Je früher du anfängst, eigenes Vermögen aufzubauen, desto stärker profitierst du vom Zinseszinseffekt. Wer bereits in den Zwanzigern beginnt, kleine Beträge regelmäßig zurückzulegen, kann bis zur Rente ein erhebliches Vermögen aufbauen – selbst bei moderaten Renditen. Wer dagegen erst spät startet, muss deutlich höhere Beträge investieren, um ein ähnliches Ergebnis zu erzielen.
Verbindung zu Gender Pay Gap und Motherhood Penalty
Die Bedeutung des frühen Vermögensaufbaus wird noch deutlicher, wenn man die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern berücksichtigt. Wie in den vorherigen Kapiteln gezeigt, verdienen Frauen im Durchschnitt weniger und unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit häufiger – etwa wegen Kindererziehung. Dadurch bleibt ihnen oft weniger Spielraum für Rücklagen.
Gerade deshalb sollten Frauen die vorhandenen Möglichkeiten optimal nutzen: Wer ohnehin geringere Einkommen hat, sollte nicht zusätzlich auf die Chancen von Kapitalerträgen verzichten. Frühzeitiges Sparen und Investieren kann einen wichtigen finanziellen Puffer schaffen und die Unabhängigkeit im Alter stärken.
Zusammenfassung und Fazit
Zusammenfassend zeigt dieses Kapitel, dass finanzielle Eigenverantwortung nicht aufgeschoben werden sollte. Der Zinseszinseffekt macht deutlich: Zeit ist ein entscheidender Faktor beim Vermögensaufbau. Wer schon früh beginnt, kann mit vergleichsweise geringen Beträgen ein erhebliches Vermögen aufbauen.
Besonders vor dem Hintergrund des Gender Pay Gap und der Motherhood Penalty wird deutlich, dass Frauen nicht auf die Chancen von Kapitalerträgen verzichten sollten. Geringeres Einkommen und häufigere Erwerbsunterbrechungen machen es umso wichtiger, die eigenen Finanzen aktiv zu gestalten. Frühzeitiges Handeln schafft finanzielle Sicherheit – und legt die Grundlage für Unabhängigkeit im Alter.
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Tipp: Dieses Kapitel auf einen Blick
Frauen verdienen im Schnitt weniger – gerade deshalb ist früher Vermögensaufbau entscheidend.
Der Zinseszinseffekt wirkt am stärksten, wenn man früh startet.
Finanzielle Eigenverantwortung bedeutet: selbst aktiv werden und die eigene Unabhängigkeit sichern.
2.1.4 Zusammenfassung
Die drei Abschnitte dieses Kapitels haben deutlich gemacht, warum finanzielle Eigenverantwortung für Frauen so entscheidend ist. Der Gender Pay Gap zeigt, dass Frauen im Durchschnitt weniger verdienen als Männer – selbst bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit. Mit der Geburt von Kindern verschärft sich diese Lücke durch die Motherhood Penalty, die in Deutschland besonders ausgeprägt ist. Teilzeitarbeit, Erwerbsunterbrechungen und die ungleiche Verteilung von Sorgearbeit führen dazu, dass Frauen langfristig geringere Einkommen erzielen und weniger Vermögen aufbauen.
Diese strukturellen Unterschiede wirken sich über das gesamte Erwerbsleben hinweg aus und erhöhen das Risiko finanzieller Abhängigkeit im Alter. Zugleich unterstreichen sie, dass finanzielle Sicherheit nicht dem Zufall überlassen werden darf. Der dritte Abschnitt hat deshalb gezeigt, dass der beste Zeitpunkt für Eigenverantwortung heute ist. Der Zinseszinseffekt verdeutlicht, wie stark die Zeit beim Vermögensaufbau wirkt: Wer früh beginnt, kann selbst mit kleinen Beträgen erhebliche Rücklagen bilden. Frauen sollten diese Wirkung gezielt nutzen, um Einkommensnachteile auszugleichen und ihre Unabhängigkeit zu sichern.
Finanzielle Eigenverantwortung ist ein wichtiger Bestandteil langfristiger Sicherheit und Unabhängigkeit. Sie ermöglicht Frauen, Einkommens- und Rentenlücken aktiv entgegenzuwirken und die eigene Zukunft selbstbestimmt zu gestalten.
2.1.5 Literaturverzeichnis
Eigentlich arbeiten wir nicht mit Literaturverzeichnissen – aber in diesem Fall machen wir eine Ausnahme. Der Text enthält viele Forschungsergebnisse und Statistiken, die natürlich nachvollziehbar sein sollen. Deshalb findest du an passenden Stellen Hinweise auf die Quellen. Wenn du also tiefer in das Thema eintauchen oder es auch aus wissenschaftlicher Sicht betrachten möchtest, hast du direkt die Möglichkeit, weiterzulesen.
Blau, F. D., & Kahn, L. M. (2000). »Gender differences in pay.« Journal of Economic Perspectives, 14(4), 75–99.
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) (2025). »Gender Care Gap – ein Indikator für die Gleichstellung«. (Stand: 22.09.2025)
Equal Pay Day (2025). »Equal Pay Day 2025 – Tag der Entgeltgleichheit«. (Stand: 22.09.2025)
Eurostat (2025). »Europäische Union: Geschlechtsspezifisches Rentengefälle (Gender Pension Gap) in den Mitgliedstaaten im Jahr 2024 (in Prozent der durchschnittlichen Rente der Männer)«. (Stand: 22.09.2025)
Eurostat (2024). Gender pay gap statistics. »Statistical Office of the European Union«. (Stand: 22.09.2025)
Kleven, H., Landais, C., & Søgaard, J. E. (2019). Children and gender inequality: Evidence from Denmark. American Economic Journal: Applied Economics, 11(4), 181–209.
Kleven, H., Landais, C., Posch, J., Steinhauer, A., & Zweimüller, J. (2019). Child penalties across countries: Evidence and explanations. AEA Papers and Proceedings, 109, 122–126
Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (2025). »Equal Pay Day – Tag der Entgeltgleichheit«. (Stand: 22.09.2025)
Statistisches Bundesamt (2025a). »Gender Pay Gap: Verdienstabstand zwischen Männern und Frauen in Deutschland von 2000 bis 2024 (in Prozent des durchschnittlichen Bruttostundenverdienstes der Männer; unbereinigt)«. (Stand: 22.09.2025)
Statistisches Bundesamt (2025b). »Bereinigter Gender Pay Gap: Verdienstabstand zwischen Frauen und Männern in Deutschland von 2006 bis 2024 (in Prozent des durchschnittlichen Bruttostundenverdienstes der Männer)«. (Stand: 22.09.2025)
Statistisches Bundesamt. (2025c). »Gender Pay Gap: Deutschland bleibt eines der EU-Schlusslichter.« (Stand: 22.09.2025)
Statistisches Bundesamt (2025d). »Gender Pension Gap: Unterschiede bei den Alterseinkünften von Frauen und Männern.« (Stand: 22.09.2025)
Statistisches Bundesamt (2025e). »Armutsgefährdungsquote von Senioren in Deutschland nach Geschlecht im Jahr 2024«. (Stand: 22.09.2025)
Statistisches Bundesamt. (2025f). »Fast jede zweite erwerbstätige Frau arbeitet in Teilzeit«. (Pressemitteilung Nr. 175). (Stand: 22.09.2025)
Statistisches Bundesamt (2022). »Bevölkerungsvorausberechnung: Lebenserwartung bei Geburt nach Geschlecht (Sterbetafel 2019/2021)«. (Stand: 22.09.2025)
2.2 Warum Frauen seltener investieren – und was dahinter steckt
Auf den folgenden Seiten erfährst du, warum Frauen seltener in Aktien und Fonds investieren, welche strukturellen Gründe dahinterstecken – und warum Frauen keineswegs die schlechteren Investorinnen sind. Am Ende wirst du sehen: Frauen sind nicht die schlechteren Investorinnen – sie haben einfach andere Startbedingungen. Und genau die lassen sich Schritt für Schritt verändern.
In diesem Kapitel lernst du:
Zahlen und Fakten: Wie Frauen in Deutschland aktuell ihr Geld anlegen – und wie groß der Abstand zu Männern ist.
Risikoaversion oder Risikobewusstsein: Was die Forschung wirklich über das Anlageverhalten von Frauen sagt.
Wenn Finanzbildung fehlt: Warum Sozialisation, fehlende Vorbilder und Bildungslücken Frauen den Einstieg erschweren.
Können Frauen wirklich schlechter investieren? Was empirische Studien über Renditen, Handelsverhalten und Anlageerfolg zeigen.
Frag doch einmal in deinem Freundes- oder Kolleginnenkreis herum: Wer von euch hat Geld in Aktien oder Fonds investiert? Wahrscheinlich wirst du feststellen, dass Männer deutlich häufiger ihre Hand heben als Frauen. Manche Männer berichten dabei vielleicht stolz von ihren Wertpapierdepots oder ihren letzten Käufen – während viele Frauen abwinken, zögern oder sagen: »Davon verstehe ich nichts.«
Kommt dir das bekannt vor? Genau hier setzen wir in diesem Kapitel an. Wir gehen den Ursachen auf den Grund und zeigen dir, warum es sich lohnt, diese Muster zu durchbrechen.
Tatsächlich ist dieses Bild kein Zufall. Studien zeigen, dass das Umfeld eine Rolle spielt: Männer berichten doppelt so oft wie Frauen, dass Kollegen oder Freunde mit ihnen über die Börse reden oder sie sogar zum Investieren angeregt haben (Niessen-Ruenzi, Mueden und Zimmerer, 2025). Zusätzlich zeigen Studien, dass Frauen in Deutschland ihr Geld oft sicherheitsorientiert anlegen. Männer investieren häufiger in Einzelaktien und Zertifikate, während Frauen eher Fondsanteile und festverzinsliche Wertpapiere wählen (Fey, Lerbs, Schmidt, Weber, 2020).
Warum ist das so? Sind Frauen einfach »risikoscheuer« als Männer? Oder steckt mehr dahinter – etwa unterschiedliche Sozialisation, mangelnde Finanzbildung oder das Fehlen weiblicher Vorbilder?
In diesem Kapitel gehen wir diesen Fragen auf den Grund. Wir schauen uns zunächst Zahlen und Fakten an, die zeigen, wie Frauen ihr Geld in Deutschland anlegen. Dann werfen wir einen Blick auf die aktuelle Forschung: Sind Frauen wirklich risikoavers – oder eher risikobewusst? Anschließend betrachten wir, welche Rolle Finanzbildung spielt, warum sie vielen Frauen fehlt und weshalb das kein Zufall ist.
Und schließlich widmen wir uns einer besonders spannenden Frage: Können Frauen tatsächlich schlechter investieren als Männer – oder ist das ein hartnäckiger Mythos? Empirische Studien zeigen, dass Frauen durch ihr ruhigeres, langfristigeres Anlageverhalten oft mindestens genauso erfolgreich sind wie Männer, manchmal sogar erfolgreicher.
Am Ende sollst du besser verstehen, warum Frauen insgesamt seltener investieren und vor allem: dass es gute Gründe gibt, dieses Muster zu durchbrechen. Denn auch hier gilt: Wissen ist Macht und der Schlüssel zu mehr finanzieller Unabhängigkeit.
2.2.1 Zahlen und Fakten – Wie legen Frauen in Deutschland ihr Geld an?
Eine repräsentative Umfrage in Deutschland aus den Jahren 2023 und 2024, die im Rahmen einer Studie von Niessen-Ruenzi und Zimmerer (2024) erhoben wurde, verdeutlicht, wie groß die Unterschiede in der Aktienmarktteilnahme zwischen Frauen und Männern nach wie vor sind. So gaben lediglich 19 % der Frauen an, aktiv am Aktienmarkt investiert zu sein, während es bei den Männern 35 % waren.
Auffällig ist außerdem, dass deutlich mehr Frauen keinerlei Erfahrung mit Aktien haben: 57 % der befragten Frauen gaben an, noch nie am Kapitalmarkt investiert zu haben, bei den Männern waren es dagegen nur 41 %. Und selbst wenn Frauen bereits erste Erfahrungen am Aktienmarkt gesammelt haben, ist ihre Bereitschaft, erneut einzusteigen, geringer als bei Männern mit vergleichbarer Erfahrung. Auch unter denjenigen ohne bisherige Aktienerfahrung zeigt sich eine Lücke: Nur 34 % der Frauen können sich vorstellen, künftig zu investieren, während es bei den Männern 41 % sind. Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Frauen äußern häufiger Unsicherheit darüber, ob sie überhaupt schon in Aktien investiert haben. Dieses Zögern und die Unklarheit über den eigenen Status am Kapitalmarkt zeigen, wie groß die Hemmschwelle nach wie vor ist.
Eine aktuelle Depotanalyse der ING für den deutschen Markt mit rund 2,5 Millionen Depots im Zeitraum 2019 bis 2023 verdeutlicht, dass sich die Unterschiede zwischen Frauen und Männern nicht nur in der Beteiligung am Aktienmarkt, sondern auch im durchschnittlichen Investitionsvolumen zeigen. Laut der Studie von ING lag das durchschnittliche Kaufvolumen von Frauen bei etwa 16.000 Euro, während Männer im Mittel rund 27.000 Euro investierten. Dieser signifikante Unterschied weist darauf hin, dass Frauen nicht nur seltener in Aktien und Fonds engagiert sind, sondern bei aktiven Käufen auch deutlich geringere Beträge einsetzen.
Dieses Muster ist kein rein deutsches Phänomen. Forschende sprechen hier von dem sogenannten Gender Investment Gap: Frauen investieren weltweit seltener in Aktien (z.B. Sunden und Surette, 1998; Almenberg und Dreber, 2015).
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Tipp: Was ist der Gender Investment Gap?
Der Gender Investment Gap beschreibt den Unterschied in der Kapitalmarktteilnahme zwischen Frauen und Männern.
Frauen investieren weltweit seltener in Aktien und Fonds – oft mit langfristigen Folgen für Vermögensaufbau und Altersvorsorge.
Doch warum legen Frauen insgesamt so viel seltener am Kapitalmarkt an? Die Studie von Niessen-Ruenzi und Zimmerer (2024) zeigt vor allem zwei Gründe:
Zum einen nehmen Frauen die Risiken des Aktienmarkts stärker wahr und schrecken deshalb eher zurück. Auch die Studie von Fey, Lerbs, Schmidt und Weber (2020) bestätigt diesen Befund: Zwar liegt der Gender Investment Gap zunächst bei rund 8 Prozentpunkten, doch berücksichtigt man die individuelle Risikoeinstellung, verringert sich der Unterschied deutlich auf nur noch etwa 2,6 Prozentpunkte. Welche Rolle das Thema Risikowahrnehmung und Risikobewusstsein beim Investieren genau spielt, vertiefen wir im Kapitel »Risikoaversion oder Risikobewusstsein?«.
Zum anderen fehlt vielen Frauen das nötige Finanzwissen – sie fühlen sich bei Finanzentscheidungen unsicher. Warum Finanzwissen so wichtig ist, warum Frauen hier häufig zurückliegen und welche Bedeutung dabei finanzielle Sozialisation, fehlende weibliche Vorbilder und mangelnde Finanzbildung haben, beleuchten wir im Kapitel »Wenn Finanzbildung fehlt«.
Dieses Zusammenspiel aus Risikowahrnehmung und fehlender finanzieller Bildung führt dazu, dass Frauen seltener am Aktienmarkt aktiv sind – und dadurch viele Chancen ungenutzt bleiben.
Und wie investieren Frauen, wenn sie es nun doch tun? Viele Studien zeigen: Frauen gehen vorsichtiger vor und handeln seltener (Barber und Odean, 2001). Das wirkt manchmal weniger spektakulär – zahlt sich aber oft aus. Studien, wie die von Barber und Odean (2001) zeigen sogar, dass Frauen im Schnitt eine leicht bessere Rendite erzielen als Männer. Ausführlicher beschäftigen wir uns mit der Frage, ob Frauen wirklich besser investieren, im Kapitel »Können Frauen wirklich schlechter investieren?«
Kurz zusammengefasst: Frauen investieren seltener, mit kleineren Beträgen und oft in sicherere Produkte. Doch wenn sie den Schritt an die Börse wagen, tun sie das meist überlegter – und häufig erfolgreicher. An diesem Punkt stellt sich die spannende Frage: Handeln Frauen wirklich risikoscheuer – oder einfach risikobewusster? Genau das schauen wir uns im folgenden Kapitel etwas genauer an.
2.2.2 Risikoaversion oder Risikobewusstsein? Was die Forschung über das Investitionsverhalten von Frauen sagt
Stell dir vor, du bekommst 100 Euro geschenkt. Nun stehst du vor der Wahl: Legst du das Geld sicher auf ein Sparkonto – ohne Risiko, aber auch ohne große Rendite? Oder investierst du es in eine Anlage, die eine fünfzigprozentige Chance auf das Dreifache verspricht, aber ebenso die Möglichkeit, alles zu verlieren?
Die Mathematik ist eindeutig: Wer dieses Spiel wiederholt spielt, macht Gewinn. Rational wäre es also, den gesamten Betrag zu investieren. Doch die wenigsten Menschen tun das – die Angst vor dem Totalverlust wiegt schwerer als die Hoffnung auf den Gewinn. Und Studien zeigen: Frauen sind im Durchschnitt noch weniger bereit, dieses Spiel einzugehen als Männer.
Warum ist das so? Um diese Unterschiede zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die Forschung zu Risikowahrnehmung, Verlustaversion und die Rolle von Wissen im Umgang mit Geldanlagen.
Studienlage: Frauen sind risikoavers
Genau dieses kleine Entscheidungsspiel mit unterschiedlichen Einsätzen, Wahrscheinlichkeiten und Varianten haben Forschende rund um die Welt durchgeführt. Forscherinnen und Forscher haben die Erkenntnisse weltweit getestet – von Studierenden in Deutschland über Bridge-Spieler und -Spielerinnen in den USA bis zu Dorfbewohnern und Dorfbewohnerinnen in Indien und Tansania. Das Spiel klingt simpel, liefert aber tiefe Einblicke in unser Risikoverhalten. Und es enthüllt ein ähnliches Muster, das in Dutzenden Studien reproduziert wurde: Männer investieren im Schnitt mehr in die risikoreiche Anlage als Frauen (Charness und Gneezy, 2012).
Forschungsarbeiten weltweit zeigen also einen klaren geschlechterspezifischen Unterschied im Umgang mit Risiko: Männer investieren im Schnitt deutlich höhere Beträge in riskante Anlagen als Frauen. Während Männer Chancen stärker gewichten, reagieren Frauen sensibler auf mögliche Verluste und entscheiden sich häufiger für die sichere Variante.
Doch wie lassen sich diese Unterschiede erklären? Handelt es sich um biologische Veranlagungen – oder vielmehr um unterschiedliche Wahrnehmungen von Risiken?
Unterschiedliche Wahrnehmung
Forschungsergebnisse zeigen, dass Männer und Frauen finanzielle Risiken unterschiedlich einschätzen. Der Soziologe Per Gustafson (1998) zeigte, dass Männer und Frauen dasselbe Risiko unterschiedlich bewerten: Frauen sind im Durchschnitt stärker besorgt, wenn es um riskante Entscheidungen geht, und betonen mögliche Verluste deutlicher, während Männer dieselben Risiken eher als Gelegenheit wahrnehmen.
Wie stark der Kontext dabei eine Rolle spielt, verdeutlichen die Experimente von Schubert, Brown, Gysler und Brachinger (1999). Die Forscher fanden heraus, dass die geschlechterspezifischen Unterschiede in der Wahrnehmung von Risiko besonders stark auftreten, wenn Risiken abstrakt und theoretisch beschrieben werden.
Verlustaversion
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Verlustaversion. Die Psychologen Daniel Kahneman und Amos Tversky (1979) konnten zeigen, dass Verluste psychologisch schwerer wiegen als gleich große Gewinne. Spätere Studien wiesen darauf hin, dass dieser Effekt bei Frauen deutlich ausgeprägter ist. Eckel und Grossman (2008) haben eine ganze Reihe von Untersuchungen zusammengetragen und das Bild war eindeutig: Frauen reagieren im Durchschnitt sensibler auf Verluste und gewichten mögliche Risiken stärker als Männer.
Diese Tendenz, Verluste stärker zu gewichten und finanzielles Risiko unterschiedlich wahrzunehmen, wird häufig als Erklärung dafür gesehen, warum Frauen risikoaverser sind und vorsichtiger investieren.
Doch die Forschung deutet darauf hin, dass es nicht allein an »typisch weiblichem Verhalten« liegt, sondern auch an den Rahmenbedingungen, unter denen Entscheidungen getroffen werden.
Risikoverhalten im Kontext: Was Einkommen und Finanzwissen bewirken
Die Studie von Fisher und Yao (2017), zeigt dass diese geschlechterspezifischen Unterschiede in der Risikoaversion nicht einfach »typisch Mann, typisch Frau« sind. Vieles hat mit den Lebensumständen zu tun. Wer mehr verdient, mehr Vermögen besitzt oder besser über Finanzen Bescheid weiß, kann Verluste leichter verkraften – und geht größere Risiken ein. Wie du bereits im Kapitel »Warum sollte Frau sich mit Geldanlage und Vermögensaufbau beschäftigen?« genauer erfahren hast, haben Männer im Schnitt höhere Einkommen, was ihre Risikobereitschaft begünstigt. Frauen dagegen verfügen oft über weniger Puffer und entscheiden sich folgerichtig vorsichtiger.
Auch die Studie von Fey, Lerbs, Schmidt und Weber (2020) zeigt, dass selbst wenn Einkommen, Bildung und Vermögen berücksichtigt werden, eine Restdifferenz bestehen bleibt: Frauen sind auch dann noch etwas vorsichtiger als Männer. Doch das Gefälle ist längst nicht so groß, wie es auf den ersten Blick scheint.
Wissen verändert alles
Risikoverhalten ist nicht angeboren – es ist erlernbar. Das zeigen Experimente von Kaufmann, Weber und Haisley (2013). Mit einem sogenannten Risikosimulator ließen sie Teilnehmerinnen und Teilnehmer Anlagesituationen durchspielen. Das Ergebnis: Wer mehr Erfahrung sammelte, verstand Risiken besser und investierte ausgewogener.
Eine Studie von Bucher-Koenen, Janssen, Knebel und Tzamourani (2023) zeigt zudem, dass mit wachsendem Finanzwissen die vermeintliche »Risikoscheu« vor dem Aktienmarkt sinkt. Wer die Mechanismen von Chancen und Risiken besser versteht, zeigt eine höhere Bereitschaft in den Aktienmarkt zu investieren.
Das Risikobewusstsein zeigt sich also besonders stark, wenn Wissen fehlt. Wer wenig über Finanzmärkte weiß, erlebt sie oft als abstrakt und schwer greifbar – und empfindet Risiken dadurch schnell als bedrohlich. Mehr Finanzbildung dagegen nimmt diese Unsicherheit, reduziert Ängste und stärkt das Vertrauen in die eigenen Anlageentscheidungen.
Genau hier setzt das nächste Kapitel an: Warum Finanzbildung für Frauen so entscheidend ist und weshalb es kein Zufall ist, dass vielen dieses Wissen fehlt.
2.2.3 Wenn Finanzbildung fehlt – und warum das kein Zufall ist
Studien zeigen, dass Frauen im Durchschnitt über geringeres Finanzwissen verfügen als Männer. Eine große internationale Untersuchung von Bucher-Koenen, Lusardi, Alessie und van Rooij (2017) zeigt, dass Frauen bei Fragen zu grundlegenden Finanzthemen wie Zinsen, Inflation oder Risiken an den Kapitalmärkten deutlich seltener richtige Antworten geben und viel häufiger mit »weiß nicht« reagieren. Dieser Unterschied bleibt selbst dann bestehen, wenn Faktoren wie Alter, Einkommen oder schulische Bildung berücksichtigt werden.
Besonders alarmierend: Auch in Lebenssituationen, in denen Frauen besonders stark auf ihr eigenes Finanzwissen angewiesen wären, etwa nach einer Trennung oder Verwitwung, schneiden sie schlecht ab. Dieses Defizit an Finanzbildung hat handfeste Folgen.
Warum Finanzbildung so wichtig ist
Finanzwissen ist weit mehr als ein »Nice-to-have«. Es ist die Grundlage für finanzielle Sicherheit und Selbstbestimmung. Wer versteht, wie Zinsen funktionieren, warum Diversifikation Risiken senkt und wie man langfristig Vermögen aufbaut, kann bessere finanzielle Entscheidungen treffen.
Wer Finanzkonzepte dagegen nicht versteht, neigt dazu, finanzielle Vorsorge aufzuschieben, Anlagechancen zu verpassen und teurere Entscheidungen zu treffen. Das hat langfristigen Konsequenzen für finanzielle Sicherheit und Unabhängigkeit.
Gerade für Frauen ist Finanzwissen entscheidend. Sie verdienen im Durchschnitt weniger, unterbrechen ihre Erwerbsbiografie häufiger für Familie und leben im Alter länger. Dadurch sind sie stärker auf eine eigenständige Vorsorge angewiesen und gleichzeitig besonders gefährdet, im Alter von Armut betroffen zu sein (Lusardi und Mitchell, 2008).
Hinzu kommen geschlechterspezifische Unterschiede in der Finanzberatung: Frauen nehmen diese seltener in Anspruch und werden nachweislich oft weniger gut beraten (Bucher-Koenen, Hackethal, Koenen und Laudenbach, 2021). All dies verstärkt die Notwendigkeit von Finanzbildung als Hebel für Unabhängigkeit und langfristige Sicherheit.
Zudem zeigen Studien klar: Finanzbildung hängt eng mit dem finanziellen Wohlbefinden zusammen. Menschen mit mehr Wissen fühlen sich sicherer, haben weniger Sorgen um ihre Zukunft und beteiligen sich häufiger am Kapitalmarkt (Bucher-Koenen et al., 2023).
Unsicherheit, Stress und Entscheidungsverzögerungen
Fehlende Finanzbildung hat nicht nur finanzielle, sondern auch psychologische Folgen. Viele Frauen empfinden Geldthemen als belastend. Laut einer repräsentativen Umfrage in Deutschland bezeichnet etwa jede vierte Frau Geldfragen als »stressig und überwältigend«. Zudem gab rund jede dritte Frau an, dass sie der Gedanke an Geld selbst dann belastet, wenn ihre finanzielle Situation eigentlich stabil ist (Niessen-Ruenzi und Zimmerer, 2024). Auch die Forschung von Sesini und Lozza (2023) zeigt, dass Einstellungen zu Geld stark von Emotionen wie Angst, Unsicherheit oder Überforderung geprägt sein können – insbesondere bei Menschen mit geringerem Einkommen oder niedrigerer Bildung.
Diese Unsicherheit führt zu Zögern: Während Männer oft innerhalb weniger Stunden Anlageentscheidungen treffen, geben Frauen an, dass sie dafür häufig Wochen oder Monate benötigen (Niessen-Ruenzi und Zimmerer, 2024). Dieses Zögern ist wahrscheinlich kein Ausdruck mangelnder Rationalität, sondern Folge von Unsicherheit und mangelndem Vertrauen ins eigene Wissen. Doch gerade bei Finanzentscheidungen bedeutet Abwarten verpasste Chancen und geringere Renditen. Hier kann Finanzbildung wie ein Gegengift wirken: Wer versteht, wie Märkte funktionieren und Risiken durch Diversifikation abgemildert werden, entscheidet schneller und mit weniger Stress.
Warum Frauen weniger Finanzbildung haben
Die geringere Finanzbildung von Frauen ist kein individuelles Versäumnis, sondern Ergebnis von Sozialisation, fehlenden Vorbildern und Lücken im Bildungssystem.
Sozialisation: Unterschiede von klein auf
Schon in der Kindheit werden Mädchen und Jungen unterschiedlich an Finanzen herangeführt. Dies hat langfristigen Folgen für ihr Verhalten am Kapitalmarkt.
Eine aktuelle Studie von Itzkowitz, Itzkowitz und Schwartz (2024) zeigt dies besonders deutlich: Jungen erhalten häufiger sogenannte Stock Gift Cards, also Aktiengeschenke, die direkt eine Verbindung zum Kapitalmarkt schaffen. Nur rund 38 % dieser Geschenke gehen an Mädchen. Auffällig ist, dass selbst Kleinkinder unter acht Jahren, die noch gar kein eigenes Interesse an Aktien entwickeln können, in dieser Hinsicht ungleich behandelt werden. Selbst innerhalb derselben Familie zeigt sich dieses Muster: Brüder werden häufiger und höherwertig beschenkt als ihre Schwestern.
Die Botschaft ist klar: Jungen wird von klein auf mehr Interesse und Kompetenz im Umgang mit Finanzen zugetraut, während Mädchen seltener ermutigt werden, sich mit dem Aktienmarkt zu beschäftigen.
