Gemeinsam aus dem Mamsterrad - Imke Dohmen - E-Book

Gemeinsam aus dem Mamsterrad E-Book

Imke Dohmen

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Beschreibung

"Von den Macherinnen des erfolgreichen Mamsterrad-Podcasts, dem wöchentlichen Eltern-Podcast im Bereich "Familie & Kindererziehung" Kurze, knackige und kompakte Kapitel, die auch im hektischen Familienalltag gut zu schaffen sind Sympathische Denkanstöße und Handlungsalternativen, statt erhobenen Zeigefingers und einem "So geht das!" Mit hilfreichem SOS-Plan für die "Nichts-geht-mehr-Momente" Für Eltern mit Kindern bis zum 5. Geburtstag (und deren Omas, Opas, Tanten, Freunde und sowieso alle anderen auch) Wenn Eltern an ihre Grenzen stoßen und manchmal mit ihren Kindern nicht mehr weiterwissen, greifen sie oft zu Ratgebern. Doch klassische Erziehungsratgeber beleuchten meistens nur eine Seite: Entweder gehen sie auf die Entwicklung der Kinder ein oder sie kümmern sich um die Herausforderungen der Elternschaft bzw. die Psyche der Eltern. »Gemeinsam aus dem Mamsterrad« geht hier einen neuen Weg: Vor dem Hintergrund eines bedürfnis- und beziehungsorientierten Ansatzes wird in einem Perspektivwechsel die Entwicklung des Kindes der persönlichen Einstellung der Mutter gegenübergestellt und beides analysiert. Anhand typischer Situationen, die vermutlich alle Eltern kennen und nachvollziehen können, nehmen die Autorinnen die alltäglichen Probleme unter die Lupe und lösen sie leicht verständlich auf. Ein kurzer Reflexionsteil zu jeder Situation sowie wertvolle Handlungsalternativen sorgen zudem für jede Menge Aha-Momente beim Lesen. So wird es Müttern in Zukunft gelingen, ihrem Kind und sich selbst mit mehr Verständnis zu begegnen und ähnliche Herausforderungen gelassener und mit mehr Leichtigkeit und Selbstvertrauen zu meistern."

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 145

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Inhalt

Wie alles begann

Einleitung

Plötzlich Mama

Und dann: alles anders

Wir sind hier nicht bei „Wünsch dir was!“, sondern bei „So isses!“

Not a Kinderspiel: Mit eigenen Gefühlen umgehen und eigene Bedürfnisse erkennen

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen

Der Morgen

Morgendliche Hürden

Was, wenn mein Kind unbedingt diesen einen Pulli anziehen möchte?

Wie schaffe ich es, morgens entspannter aus dem Haus zu kommen?

„Jetzt trödel doch nicht so!“ – Was, wenn mein Kind auf dem Weg in die Kita jeden Stein umdreht?

Wie kann ich meinem Kind den Abschied in der Kita leichter machen?

Der Mittag

Na Mahlzeit!

Was mache ich, wenn mein Kind ständig naschen will?

Wie schaffe ich es, dass mein Kind am Tisch sitzen bleibt?

Wenn die Fetzen fliegen – Wie lässt sich Geschwisterzoff am besten schlichten?

Ab wann braucht mein Kind keinen Mittagsschlaf mehr?

Der Nachmittag

Trubel am Nachmittag

Warum ist das Abholen aus dem Kindergarten so aufreibend?

Warum will mein Kind nicht teilen?

Endgegner Trotzanfall – Wie werden wir das schnell wieder los?

Hauen, beißen, treten – Wie kommen wir da bloß heil wieder raus?

Der Abend

Und jetzt: Endspurt

Immer dieses Chaos – Wie lernt mein Kind, sein Zimmer aufzuräumen?

Jeden Abend das Gleiche – Warum will mein Kind seine Zähne nicht putzen?

„Ich bin noch gar nicht müde!“ – Warum will mein Kind abends nicht ins Bett?

Die Sache mit dem Schlaf – Kann wirklich jedes Kind schlafen lernen?

Nachwort

Von Herzen Danke

Die Mamsterrad-Pyramide

Unsere Gefühle, eine Auswahl

Unsere Bedürfnisse, eine Auswahl

Wie alles begann

Manchmal findet man das Glück nicht, wenn man danach sucht – man wird von ihm gefunden. So begann unsere Geschichte und damit auch die vom Mamsterrad.

Es war ein Tag im November 2018, als der Satz „Hi, ich bin Imke und auf der Suche nach einer Bloggerin, die über mein Event für erschöpfte Mamas berichten möchte“ endlich unser beider Wege kreuzen ließ. Imke hatte Judith gerade erst bei Instagram entdeckt, aber weil sie ihr so sympathisch war, nicht lange gefackelt und sie direkt angeschrieben.

Endlich, denn eigentlich hätten wir uns schon vor Jahren treffen müssen: Wir wohnten in derselben Straße, joggten dieselben Runden, frühstückten in denselben Cafés, versackten in denselben Bars, fanden die Liebe und heirateten. Wir bekamen unser erstes Kind, ein Kind, das uns das Muttersein relativ leicht machte, und unser zweites, das unser Leben ordentlich auf den Kopf und uns vor ganz schöne Herausforderungen stellte – und all das jeweils im Abstand von genau drei Jahren.

Seit diesem Tag im November gehen wir einen großen Teil unseres Weges gemeinsam. Aus einer anfänglichen Arbeitsbeziehung zwischen Mama-Coach und Redakteurin hat sich eine tiefe Freundschaft entwickelt, die uns gemeinsam zum „Mamsterrad“ geführt hat – und dich mit seiner Hilfe hoffentlich aus deinem wieder raus.

Aus einem Podcast, der aus einer Milchkaffee-Laune heraus entstanden ist, ist inzwischen so viel mehr geworden: unsere Mission nämlich, Müttern zu helfen, sich selbst und ihre Kinder besser zu verstehen und auf liebevolle Weise stressige Herausforderungen im Alltag mit mehr Leichtigkeit zu meistern.

Wie schon in unserem Podcast, haben wir uns auch in diesem Buch dafür entschieden, in erster Linie Mütter anzusprechen, weil wir ihnen die Hilfestellung bieten wollen, die wir selbst gesucht haben, aber nicht finden konnten. Selbstverständlich dürfen auch Papas, Omas, Opas, Tanten, Freundinnen und alle anderen in diesem Buch lesen und sich davon inspiriert fühlen – ist ja klar.

Wenn du dieses Buch nun also in den Händen hältst, verspürst du vielleicht genau diese Sehnsucht nach Inspiration zu mehr Leichtigkeit und Gelassenheit in deinem Leben. Wir wünschen dir von Herzen viele Aha-Momente beim Lesen, die dich deinem Ziel hoffentlich ein ganzes Stück näherbringen.

Und jetzt: Viel Spaß beim Lesen, Erfahren, Entdecken, Verstehen und Ausprobieren!

Von Herzen,

Imke & Judith

Einleitung

Puh, das Muttersein hattest du dir irgendwie leichter vorgestellt, oder? In den Medien, der Werbung und den sozialen Netzwerken sieht das immer so einfach aus. Sogar der Small Talk mit anderen Müttern auf Spielplätzen lässt bei dir oft nur einen faden Geschmack zurück – andere scheinen dieses ganze „Mama-Ding“ viel besser zu meistern als du, sind gut gelaunt, erledigen alles nebenbei, ihre Kinder hören auf sie, und überhaupt wirken sie super entspannt und cool.

Aber weißt du was? Du bist mit deiner Empfindung gar nicht so allein, wie du glaubst. Aus unserer täglichen Arbeit wissen wir, dass es tatsächlich den meisten Müttern so geht. Denn Muttersein bedeutet nicht nur, ein Kind zu haben. Es ist die sensibelste, kritikanfälligste, verwundbarste und unvorhersehbarste Rolle unseres Lebens – und gleichzeitig auch die vielseitigste, überwältigendste und intensivste Herausforderung, vor die wir jemals gestellt wurden. Keine Bücher, Erfahrungsberichte, Schwangerschaftskurse, Apps oder Internetforen können uns auf das vorbereiten, was uns nach dem Mutterwerden erwartete: das „MutterSEIN“, was bedeutet, ein Kind in seinem ganzen Sein und Wollen und vor allem erst noch Werden zu begleiten und zwar am besten liebe- und verständnisvoll, ohne sich dabei selbst zu vergessen. Und genau hier kommen wir häufig an unsere Grenzen, zweifeln stark an uns, unseren Fähigkeiten und Entscheidungen und wissen nicht, wie es weitergehen kann.

Um unsere Kinder und ihre Entwicklung besser zu verstehen, müssen wir aber erst lernen, uns selbst besser zu verstehen. Diese Reise zu uns selbst erklärt uns auf der einen Seite unser Verhalten, zeigt uns auf der anderen auch unsere Grenzen auf. Wenn wir uns mit diesen auseinandersetzen, über unser Verhalten reflektieren, unser Empfinden ernst nehmen und uns selbst mit mehr Verständnis begegnen und nachsichtiger mit uns sind, ermöglichen wir uns, ein aufgeräumter und zufriedener Mensch zu werden. Das führt dann fast ganz automatisch zu mehr Harmonie in der Familie und damit in unserem Alltag.

Genau dabei wollen wir dich mit unserem Buch unterstützen. Dazu werden wir zunächst das Mutterwerden und -sein genauer unter die Lupe nehmen: Was erwartet uns, was erwarten wir selbst davon und wo liegen dabei unsere Herausforderungen? Diese werden dann in den nächsten Kapiteln anhand typischer, aber stark stilisierter Situationen im Tagesablauf beschrieben, in denen du dich als Mutter entweder direkt wiederfinden oder die du auf zu dir passende Begebenheiten übertragen kannst. Wir beleuchten, was in diesen Situationen eigentlich genau passiert – bei deinem Kind, aber auch bei dir.

Anschließend laden wir dich ein, dich selbst und deine Reaktionen genauer zu betrachten und dich und euren Alltag in Bezug auf verschiedene Fragestellungen zu reflektieren. Besorge dir dafür am besten ein schönes Büchlein, welches du gern in die Hand nimmst, um es mit deinen Gedanken und für dich wertvollen Erkenntnissen zu füllen.

Zu guter Letzt geben wir dir noch ein bisschen Werkzeug mit an die Hand: ein paar Ideen und Anregungen, wie du künftig in ähnlichen Situationen anders reagieren kannst.

Verstehe das Buch also weniger als Ratgeber und eher als treuen Begleiter auf dem Weg dahin, eine gelassenere Mama zu werden, die, anstatt sich erschöpft von einer Phase in die nächste zu hangeln, wieder mehr Spaß daran hat, ihre Kinder beim Wachsen zu genießen!

PLÖTZLICH MAMA

Und dann: alles anders

Erinnerst du dich an deine Schwangerschaft, die Zeit, bevor du zum ersten Mal Mutter wurdest? Irgendwie fühlte sich das magisch an, all die Gedanken an das kleine Wesen, das da in deinem Bauch heranwuchs, die Fantasien, wie es sein würde, wenn es endlich da wäre, wie es wohl wäre, bald Mutter zu sein. Du lebtest wahrscheinlich in einer „Baby-Blase“, hast alle Informationen rund um das Thema aufgesaugt: Höchstwahrscheinlich wusstest du genau, in welcher Schwangerschaftswoche du dich gerade befandest, auf den Tag genau (+3), und hast den Wochenwechsel jedes Mal aufs Neue zelebriert. Du wusstest, ob das Baby in deinem Bauch groß wie eine Avocado war oder schon wie eine Orange, was es ungefähr wog, was du selbst essen durftest und was nicht und dass die Kiste Wasser besser von jemand anderem gehoben werden sollte. Vielleicht hast du Sport- oder Schwimmkurse für Schwangere besucht, Babykleidung gekauft, Umstandsklamotten besorgt, noch mehr Babykleidung gekauft und nach und nach die Wohnung umgestaltet. Du hast dir sämtliche Kranken- oder Geburtshäuser in der Umgebung angesehen und bestimmt auch in Geburtsvorbereitungskursen die „Pferdeatmung“ trainiert.

Vielleicht war deine Schwangerschaft auch eher anstrengend, die ersten Wochen war dir speiübel, dann war ein Nerv eingeklemmt, und diese Stützstrümpfe im Sommer waren auch nicht so der Hit. Herrje, wie soll man diese festen Dinger auch anziehen, wenn man sich nicht mal mehr allein die Schuhe zubinden kann? Du hast vielleicht keine Hebamme bekommen, die Symphyse hat dir das Leben (Laufen, Stehen, Liegen) schwer gemacht, und die Treppen ins dritte Stockwerk zu deiner Wohnung waren täglich eine Herausforderung.

Wie auch immer: Das Ende dieser beschwerlichen Zeit war absehbar. Auch, wenn 40 Wochen ein enorm dehnbares Zeitfenster sein können und du zu keiner Zeit ganz sicher sein konntest, wann diese „10 Monate“ um sein würden – du wusstest: Früher oder später würdest du deine kleine Zuckerschnute endlich in den Armen halten dürfen.

Und: Du warst – vermutlich – nur für dich selbst verantwortlich. Wenn du eine Pause brauchtest, konntest du sie dir wahrscheinlich einräumen oder abends früher ins Bett gehen und mal so richtig durch- und ausschlafen. Wenn du Hunger hattest, hast du gegessen, und wenn du zur Toilette musstest, bist du einfach gegangen – gegen Ende der Schwangerschaft wahrscheinlich mindestens 17-mal am Tag (nachts nicht mitgerechnet).

Rückwirkend betrachtet, war dir die Bedeutung dieser Freiheit, vor allem die Möglichkeit, selbstbestimmt zu leben, damals gar nicht richtig bewusst. Vielleicht hättest du sie sonst noch mehr genossen, oder?

Dann war er endlich da, der Moment, der dir dein Baby schenkte und dich zur Mutter machte. Eine Welle voller Liebe überrollte dich förmlich, und es kam dir vor, als hätte dich jemand in Watte gepackt. Die Zeit schien stillzustehen, du hast dein Baby die halbe Nacht angehimmelt ohne müde zu werden und konntest dein Glück kaum fassen.

Vielleicht warst du aber auch ganz überrumpelt von dem Gefühl, plötzlich für einen „echten“ kleinen Menschen verantwortlich zu sein. Zu aufgekratzt, um zu schlafen, aber zu erschöpft, um die Zeit „sinnvoll“ zu nutzen, und so hast du dich die ganze Nacht lang gefragt, wie es jetzt eigentlich weitergeht, ob du dem Ganzen überhaupt gewachsen bist und ob du je wieder richtig schlafen können wirst – und ein bisschen Verzweiflung gespürt, als dir klar wurde, dass das jetzt dein neues Leben ist.

Und dann kamst du nach Hause – mit deinem Baby, mit deinem eigenen Kind! Darauf hattest du dich so gefreut, vielleicht stand es dir aber auch bevor. Schon der Heimweg hat dich vielleicht angestrengt, die Welt da draußen war wild und rau und fürchterlich laut. Und statt dich dann zu Hause richtig sicher zu fühlen, fühltest du dich alles andere als das. Denn plötzlich wurde dir klar: Du hattest dich zwar bestens auf die Geburt vorbereitet. Aber vom Muttersein hattest du nicht die leiseste Ahnung, und eine Gebrauchsanweisung für dein Kleines hat dir auch niemand mitgegeben.

Ab jetzt waren Gefühlsschwankungen an der Tagesordnung, überhaupt hast du damals erst begriffen, wie sehr du zu fühlen in der Lage bist und was „sich Sorgen machen“ tatsächlich bedeutet.

Plötzlich war alles anders.

Die nächsten Monate habt ihr als Familie damit zugebracht, euch aufeinander einzuspielen, kleinere und größere Sorgen zu vertreiben, kleine und größere Probleme zu lösen und einander besser kennenzulernen. Mal lief es rund, mal eierte es eher bergab, aber kein Wunder, es ruckelt schließlich immer ein bisschen, wenn das Leben in einen anderen Gang schaltet.

Irgendwann seid ihr dann angekommen: Ihr seid zu einem guten Team geworden, ihr habt eure Routinen im Alltag – ihr habt wieder einen Alltag. Doch gerade, als du das erfreut und auch ein bisschen überrascht feststellst, ruckelt es wieder. Und zwar gewaltig. Denn dein Baby hat sich – fast unbemerkt – inzwischen zu einem fidelen Kleinkind entwickelt, das plötzlich den Kopf voller Flausen und einen so starken eigenen Willen hat, dass es dir manchmal fast den Atem raubt. Weil es den so unbedingt durchzusetzen versucht – notfalls lautstark und über drei Oktaven. Zack, schon wieder ist alles anders.

Wir sind hier nicht bei „Wünsch dir was!“, sondern bei „So isses!“

Also beginnen wir von vorn, richten uns neu aus und versuchen, unseren Fokus wieder zu schärfen. Doch woran merken wir jetzt, ob wir auf dem richtigen Weg sind?

Bevor wir Mutter wurden, haben wir in einem klaren Raster gelebt. Bis wir alt genug waren, eigene Entscheidungen zu treffen und Wege zu gehen, wurde uns klar vorgegeben, was und vor allem wie es zu tun war. Wir wurden beurteilt und mal stärker, mal weniger stark geleitet von unseren Eltern, unseren Freunden, unseren Erzieherinnen, den Lehrern und Lehrerinnen oder auch Professoren und Professorinnen.

Später haben wir uns für einen Beruf entschieden, wurden darin ausgebildet, eingearbeitet und konnten uns anhand bestimmter Parameter selbst messen oder messen lassen. Wenn uns etwas gut gelang, erhielten wir Lob und Anerkennung. Wenn Fehler passierten, wurden sie uns – mal mehr und mal weniger verständnisvoll – aufgezeigt, oft mit einem Hinweis, wie es in Zukunft (gefälligst!) besser zu machen wäre, und wir korrigierten sie. Am Ende des Monats gab es selbstverständlich ein Gehalt, für besondere Leistungen, manchmal sogar einen Bonus. Auf dieses „Funktionieren auf Basis eines Belohnungssystems“ wurden viele von uns mit Töpfchentraining, Fleißbienchen und ähnlichem schon von Kindesbeinen an trainiert, und das hat auf unser Selbstbewusstsein, auf den Blick, mit dem wir uns selbst sehen, Einfluss genommen.

Hinzukommt, dass Arbeits- und Pausenzeiten stets genau definiert und gesetzlich oder vertraglich vereinbart waren, nach Feierabend oder am Wochenende konnten wir uns erholen, unsere eigenen Interessen verfolgen, für uns sein. Uns auspowern oder ausruhen, wir allein hatten die Wahl.

In unserer Rolle als Mutter ist aber selten plötzlich jemand da, der unser Belohnungssystem füttert und uns wissen lässt, ob das, was wir gerade machen, gut – oder gut genug – und wirklich richtig ist. Die messbaren Parameter sind scheinbar über Nacht komplizierter und verwaschener geworden, zwar gibt es Expertinnen und Ansprechpartner für besondere Nöte und Fragen, aber niemals den einen allgemein- und immer gültigen richtigen Ratschlag und Weg.

Außerdem fehlt es enorm an Lob, Anerkennung und Wertschätzung oder wenigstens Feedback für das, was wir den ganzen Tag über tun (und oft auch in der Nacht): das Kind pflegen, wickeln, anziehen, umziehen, wickeln, füttern, dazu einkaufen, kochen, backen, pürieren, wickeln, uns umziehen, gefrieren, auftauen, beschäftigen, tragen, pusten, trösten, wickeln, zum Lachen bringen, vorlesen, vorsingen, vorsummen, zum Schlafen bringen, behutsam aufwecken, wickeln, aufräumen, putzen, suchen … Obwohl wir unser Bestes geben, plagen uns dennoch oft Zweifel, ob es in „die richtige Richtung“ geht, wie wir mit unserem Kind umgehen. Ein Ausgleich, wie wir ihn aus unserem Leben vor den Kindern kannten – finanziell und auch immateriell –, bleibt zusätzlich oft aus, wir werden nicht offiziell für unseren Einsatz entlohnt.

Insbesondere in anstrengenden und herausfordernden Phasen, die an den Nerven zehren und uns alles abverlangen, in denen unsere Tage zu laut und unsere Nächte zu kurz sind, in denen wir manchmal vor Müdigkeit die Augen nicht offenhalten und vor Erschöpfung kaum noch geradeaus laufen können, kann das alles zusammengenommen gigantisch frustrieren.

Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen: Wir haben selten noch eine Wahl. Die Möglichkeit, mal selbstbestimmt zu verschnaufen oder genügend zu schlafen, geregelt und in Ruhe zu essen oder gar die Toilettentür zu schließen (geschweige denn zuzuschließen), gibt es oft nicht mehr. Was wir tun und wann wir es tun, liegt nicht mehr in unserem Ermessen, sondern wird fremdbestimmt – vorgegeben von einem kleinen, entzückenden Wesen (keine Frage!), das uns hin und wieder immerhin durch ein Lächeln oder ein feuchtes Küsschen entschädigt. Das ist der Strohhalm, an den wir uns klammern und über den wir zu definieren beginnen, ob wir eine gute Mutter sind.

Leider wiegen die Momente, in denen unsere Kinder weinen, wüten oder „nur“ unzufrieden sind, in denen sie uns hauen oder gar vor uns weglaufen, oft schwerer. Wir nehmen diese Reaktionen persönlich, empfinden sie als Bewertung, fühlen uns kritisiert, hadern mit uns, ohne einen Ausweg zu erkennen. Gleichzeitig ist uns solches Verhalten unserer Kinder auch noch unangenehm vor anderen, denn was wirft es für ein Licht auf uns als Mutter, wenn unser Kind so „ungezogen“ ist und uns scheinbar von sich wegstößt?

Unser Selbstbewusstsein schwindet, wir sind häufig unsicher und immer auf der Suche nach kleinen oder größeren Wegweisern, die uns in der Richtung, die wir gewählt haben, bestätigen oder wenigstens zeigen, wohin unser Weg sonst führen sollte.

Wenn wir nun versuchen, Vorbilder und Rollenbilder zu finden, an denen wir uns orientieren können, ziehen wir, meist unbewusst, erlernte Muster zurate. Wir erinnern uns an unsere eigene Kindheit und an die Erfahrungen, die wir gemacht haben. Oder wir vergleichen uns mit anderen Müttern, Bekannten oder Unbekannten im Freundeskreis, in der Kita, auf dem Spielplatz, auf der Straße. Wie kann es sein, dass bei anderen immer alles so leicht aussieht, so viel einfacher funktioniert? Dass andere Kinder „besser mitmachen“, nicht so viele Wutanfälle haben, mehr schlafen?

Aber was, wenn es den einen richtigen Weg gar nicht gibt? Was, wenn jede und jeder etwas anderes denkt, weiß, erfahren hat oder ganz anders leben will? Dazu ist auch wichtig zu wissen: Ratschläge von außen verunsichern uns meist mehr, als dass sie helfen. Sie verstärken eher den Druck, der ohnehin schon auf uns lastet, alles richtig zu machen, als ihn zu lindern. Unsicherheiten und Zweifel wachsen in uns. Was bleibt, ist die alles entscheidende Frage: „Bin ich eigentlich eine gute Mutter?“ (Mit der ganz leisen, ängstlichen und immer wieder garstig geflüsterten Antwort in uns: „Nein, das bist du nicht. Das kann gar nicht sein. Du hattest dir das doch alles ganz anders vorgestellt.“)