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Gerd Weger ist seit den 1980ern erfolgreich an den Märkten aktiv und vielen Börsianern als Kolumnist der Euro am Sonntag oder als Betreiber seines legendären "Millionendepots" bekannt. Im Jahr 2017 hat er seinen Fokus von Aktien auf Kryptowährungen verlagert und legt nun ein Standardwerk vor: Der Schwerpunkt liegt auf den Bewertungsfaktoren von Bitcoin und Co. Die im Vergleich zu Aktien völlig anderen Ansätze zur Fundamentalanalyse werden in dem Buch systematisch dargestellt. Wichtig sind auch die Überlegungen für eine Steueroptimierung. Für aufgeklärte Investoren und Trader ist all dies unerlässlich für einen nachhaltigen Anlageerfolg mit Kryptowährungen.
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Seitenzahl: 1288
Veröffentlichungsjahr: 2024
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Gerd Weger
Bitcoin und Co: Alles über Bewertung, Handel und Steueroptimierung
Copyright 2024:
© Börsenmedien AG, Kulmbach
Gestaltung Cover: Daniela Freitag
Gestaltung, Satz und Herstellung: Timo Boethelt
Lektorat: Elke Sabat, Sebastian Politz
Druck: AALEXX Druck Produktion, Großburgwedel
ISBN 978-3-86470-957-9
eISBN 978-3-86470-958-6
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Für Suse
meine erfrischend unkryptische viel zu früh verstorbene Frau
Kryptisch (griechisch kryptikós – verborgen): nicht zu entschlüsseln, rätselhaft, undurchsichtig, schwer zu verstehen.
Antonyme: offen, verständlich, erhellend, deutlich
Vorwort
1 Einführung
2 Bitcoin
2.1 Historische Entwicklung
2.2 Rahmendaten
2.3 Bitcoin – die größte Blase aller Zeiten?
2.4 Bitcoin – das beste Investment aller Zeiten?
2.5 Bitcoin als seriöse Geldanlage
2.6 Bitcoin im Anlagespektrum eine kleine Nummer – noch
2.7 Bitcoin versus Gold
2.8 Bitcoin als digitale Weltleitwährung
2.9 Bitcoin- und Krypto-Risiken
2.10 Was macht den Bitcoin einzigartig?
2.11 Repliken auf Bitcoin-Kritiken
2.12 Summary
3 Kryptowährungen
3.1 Kryptowährungen als neue Assetklasse
3.2 Bitcoin versus Altcoins
3.3 Alles neu am Kryptomarkt?
3.4 Thesen zu Krypto- und Fiatwährungen
3.5 Begriffe und Kryptosprech
3.6 Summary
4 Grundlagen
4.1 Distributed-Ledger-Technologie (DLT), Blockchain und Kryptowährungen
4.2 Kryptografie, Hash-Funktionen und Difficulty
4.3 Governance
4.4 Nodes und Masternodes
4.5 Gefahr durch 51-Prozent-Attacke
4.6 Proof of …: Konsensfindung in dezentralen Netzen
4.7 Skalierbarkeit
4.8 Smart Contracts, Oracles und dApps
4.9 Staking
4.10 Forks, Airdrops und Token Swaps
4.11 Adressen, private und öffentliche Schlüssel, Seeds und Wallets
4.12 On-Chain- und Off-Chain-Transaktionen
4.13 Mining
5 Taxonomie von Krypto-Assets
5.1 Begriffsverwirrungen – Kryptowährungen, Coins, Altcoins und Token
5.2 Taxonomie
5.3 Klassifizierungsansätze
5.4 Klassifizierung nach dem wirtschaftlichen Zweck
5.5 Weitere Klassifizierungen
5.6 Summary
6 Emission und Börsennotierung von Coins und Token
6.1 Emission und Emittenten
6.2 Initial Coin Offerings (ICOs)
6.3 Security Token Offerings (STOs)
6.4 Initial Exchange Offerings (IEOs)
6.5 Andere Offering-Formen
6.6 Whitepaper
6.7 Börsennotierung
6.8 Summary
7 Handel und Handelsinstrumente für Kryptowährungen
7.1 Systematisierung
7.2 Zentralisierte internationale Kryptobörsen
7.3 Handelsplattformen in Deutschland
7.4 Dezentrale internationale Kryptobörsen
7.5 Krypto-Derivate
7.6 Summary
8 Handel mit Kryptowährungen
8.1 Orderbuch
8.2 Ordertypen
8.3 Probleme und Kosten bei Handelsplattformen
8.4 Slippage
8.5 Besonderheiten bei Krypto-Orders
8.6 Summary
9 Verwahrung von Kryptowährungen
9.1 Der Bitcoin ist sicher, die Kryptobörsen nicht
9.2 Was sind Wallets?
9.3 Custodial (Hosted) und Non-custodial (Unhosted) Wallets
9.4 Software Wallets
9.5 Hardware Wallets
9.6 Paper Wallets
9.7 Summary
10 Preisbildung von Kryptowährungen
10.1 Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu traditionellen Assets
10.2 Währungspaare
10.3 US-Dollar als Bezugswährung für Analysen
10.4 Preisnotierungen von Altcoins in Bitcoin oder anderen Kryptowährungen
10.5 Bid-Ask-Spreads und Liquidität
10.6 Volatilität
10.7 Preisunterschiede zwischen Kryptobörsen und Ländern
10.8 Effekte des Rund-um-die-Uhr-Handels (24/7)
10.9 Saisonale Effekte (Kalendereffekte)
10.10 Keine Circuit Breakers (Handelsstoppmechanismen)
10.11 Flash Crashs und Crashs
10.12 Einfluss des Futures- und Optionenhandels
10.13 Besonderheiten bei Altcoins
10.14 Preisbildung von Stablecoins
10.15 Summary
11 Preistreiber und Risikofaktoren bei Kryptowährungen
11.1 Nachfrage als der wesentliche Preistreiber beim Bitcoin
11.2 Halving-Effekte
11.3 Krypto-Wale und Großinvestoren
11.4 Umlaufmenge von Stablecoins
11.5 Regulierungseinflüsse und Sanktionsmöglichkeiten
11.6 Besteuerungseinflüsse
11.7 Marktmanipulationen und Insiderhandel
11.8 Influencer
11.9 Betrug
11.10 Hacks
11.11 Preistreibende Börsenankündigungen
11.12 Coin Burning und Buybacks
11.13 Forks und Airdrops
11.14 Staking
11.15 Long- und Short-Squeezes
11.16 Korrelation zu anderen Assetklassen
11.17 Korrelation von Altcoins zum Bitcoin
11.18 Marktphasen
11.19 Black-Swan-Effekte
11.20 Weitere Risikofaktoren
11.21 Summary
12 Fundamentalanalyse
12.1 Unterschiede zur Fundamentalanalyse von Aktien
12.2 Preis versus Wert von Krypto-Assets
12.3 Tokenomics
12.4 Unterschiedliche Werthaltigkeit der Token-Kategorien
12.5 Bewertung der Use Cases von Krypto-Assets
12.6 Bewertung von Bitcoin
12.7 Bewertung anderer Payment Token
12.8 Bewertung von Ethereum und seinem Coin Ether
12.9 Bewertung von Utility Token
12.10 Bewertung von Asset Token (Investment-Token)
12.11 Marktstellung von Projekten und Kryptowährungen
12.12 Adoption von Kryptowährungen
12.13 On-Chain- und Off-Chain-Analysen
12.14 Analyse der Eigentümer der Coins
12.15 Analyse der Coins nach finanziellen Aspekten
12.16 Analyse des Blockchain-Netzwerks
12.17 Analyse der Entwicklertätigkeit
12.18 Externe Einflussfaktoren
12.19 Informationsquellen
12.20 Summary
13 Chartanalyse und technische Indikatoren
13.1 Relevanz von Chartbildern und technischen Indikatoren
13.2 Chartarten
13.3 Trends, Trendlinien und Trendkanäle
13.4 Trendwende- und Trendbestätigungsformationen
13.5 Unterstützungs- und Widerstandsniveaus
13.6 Technische Indikatoren
13.7 Trendfolge-Indikatoren
13.8 Oszillatoren
13.9 Divergenzen
13.10 Umsatzanalysen
13.11 Besonderheiten bei Kryptowährungen
13.12 Summary
14 Sentiment-Analyse
14.1 Fundamentale Daten versus Sentiment
14.2 Zielrichtung und Basis von Sentiment-Analysen
14.3 Indikatoren an den Terminmärkten
14.4 Google Trends
14.5 Social Trends
14.6 Der Schlagzeilen-Indikator
14.7 News-Filter
14.8 Der x-Faktor
14.9 Stablecoin-Dominanz
14.10 Sentiment-Kennzahlen
14.11 Summary
15 Investitionen in Kryptowährungen
15.1 Grundüberlegungen
15.2 Langfristige Investments in Kryptowährungen
15.3 Trading von Kryptowährungen
15.4 Mix aus Investments und Trades
15.5 Auswahl des Krypto-Anlageinstruments und Umsetzung
15.6 Portfoliodiversifikation: All you need is … Bitcoin?
15.7 Quantitative Analyse von Portfolios
15.8 Summary
16 Besteuerung und Steueroptimierung
16.1 Länderspezifische Besteuerung von Kryptogeschäften
16.2 Steuerliche Behandlung von Direktanlagen in Kryptowährungen
16.3 Einkünfte durch Lending
16.4 Einkünfte durch Mining und Forging
16.5 Einkünfte durch Staking
16.6 Hard Forks
16.7 Airdrops
16.8 Besteuerung von Krypto-Derivaten
16.9 Fallstrick Steuerschulden wegen unterschiedlicher Besteuerung der Anlageinstrumente
16.10 Möglichkeiten zur Steueroptimierung
16.11 Sonderprobleme
16.12 Strittige Steuerfragen
16.13 Tipps
16.14 Summary
Endnoten
Literaturverzeichnis
Hinweis: Zu diesem Buch existiert die ergänzende Internetseite www.bitcoin-und-krypto.de. Die Website kann auch direkt mit dem nebenstehenden QR-Code aufgerufen werden. Auf der Website finden sich unter anderem alle Abbildungen sowie alle Links der Quellen, die dadurch unkompliziert direkt aufgerufen werden können. Außerdem können aktive Leser hier auch Hinweise zum Buch und Anregungen für Erweiterungen bei einer späteren Neuauflage geben. Allerdings können Fragen nur in seltenen Ausnahmefällen beantwortet werden.
Unsere Welt ist in Bewegung. Ständig geformt und neu gestaltet durch den Fortschritt in Technologie und Innovation, wandelt sich fortwährend sowohl unsere Art zu leben, zu arbeiten und miteinander zu kommunizieren als auch die Art, wie wir bezahlen und Werte aufbewahren. Diese dynamischen Veränderungen durchziehen viele Facetten unseres Daseins. Oft bekommen wir es als Endnutzer gar nicht mit, wenn sich eine Technologie im Hintergrund verändert. In den letzten Jahren jedoch hat ein neuer Akteur auf der Bühne des globalen Finanzsystems das Licht der Welt erblickt und so lautstark für Furore gesorgt, dass man es gar nicht überhören konnte: Bitcoin. Und die neue Technologie, die dahintersteckt, lief als Schlagwort gleich mit in den Headlines der diversen Zeitungen, die nicht müde wurden, entweder über die stark steigenden oder fallenden Kurse zu berichten: Blockchain. Sie hat das Potenzial, viele Bereiche unseres Lebens zu verändern, und zwar auf solch eine Weise, dass, vorausgesetzt sie wird richtig implementiert, der Endnutzer nichts davon mitbekommt, es sei denn, er bemüht sich aktiv darum. Im Gegensatz zum teils lauten Getöse um den Bitcoin könnte sie ganz leise ihrer disruptiven Arbeit nachgehen.
Die Blockchain-Technologie kann weit mehr, als nur den Finanzbereich zu revolutionieren – sie kann langfristig helfen, die Strukturen unserer Gesellschaft tiefgehend und dauerhaft neu zu formen. Ein Zeitalter, in dem Vertrauen durch Technologie garantiert wird, könnte eine Ära ohne die Abhängigkeiten und damit verbundenen Hindernisse durch Mittelsmänner darstellen.
Sie haben sicherlich schon von Bitcoin und Ethereum gehört und sind vielleicht sogar schon in das aufregende Krypto-Universum eingetaucht. Mit ihrem unaufhaltsamen Aufstieg und ihrer zunehmenden Beliebtheit erobern Bitcoin und andere digitale Assets die Welt im Sturm und werden unbestreitbar zu einem Bestandteil der finanziellen Zukunft. Als interessierter Leser stehen Sie jedoch vor der Herausforderung, diese neue Technologie vollständig zu verstehen. Fest steht, dass die Meinungen über Krypto-Assets wie Bitcoin weit auseinandergehen. Um sich aber seine eigene Meinung bilden zu können und eine klar definierte Perspektive zu haben, ist es unabdingbar, sich mit dem Thema Blockchain einmal intensiv auseinanderzusetzen.
Dieses Buch dient als herausragender Leitfaden, dem es ein Anliegen ist, dem Leser die Schlüsselelemente der Kryptowelt in einer einfachen und zugänglichen Weise zu erläutern. Es stellt die Möglichkeiten und Chancen dar und warnt gleichzeitig vor den potenziellen Gefahren und Risiken. Als Einstieg ist eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Themenbereich Blockchain dienlicher als reißerische Versprechungen und wilde Kursprognosen.
Was als Reaktion auf die Finanzkrise im Jahr 2008 begann, hat sich mittlerweile zu einer etablierten Kraft entwickelt. Mit der Geburt von Bitcoin wurde eine völlig neue Ära eingeläutet. All diese Aspekte und Entwicklungen werden systematisch aufbereitet und erläutert, sodass es dem Leser am Ende möglich ist, sich selbst sein nun mit Fakten untermauertes Bild zu machen. Was seinen Ursprung als revolutionäres, dezentrales elektronisches Zahlungssystem hat, bewährt sich inzwischen als digitales Asset, das selbst in Krisenzeiten standhält. Manche sagen digitales Gold dazu. Fakt ist, dass Bitcoin eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte hat.
Seit ihrer Einführung haben Bitcoin und andere Krypto-Assets einen bemerkenswerten Aufstieg erlebt, der das Interesse und die Fantasie von Millionen Menschen weltweit geweckt hat. Mit ihrem Potenzial, die finanzielle Autonomie in die Hände des Einzelnen zu legen, bieten diese digitalen Assets eine aufregende, wenn auch herausfordernde Alternative zu den traditionellen Finanzsystemen.
Inmitten dieser begeisternden Möglichkeiten und zwangsläufig auftretenden Schwierigkeiten findet dieses Buch seinen entscheidenden und notwendigen Platz. Der Verfasser führt seine Leser auf eine ausgedehnte Expedition durch die Welt der Krypto-Assets – von der Historie und Entwicklung, über die technischen Grundlagen, die ihren Betrieb und Wert stützen, bis hin zu den Chancen und Risiken, die mit der Investition und dem Handel einhergehen.
Mit bewundernswerter Kompetenz zerlegt er die Vielschichtigkeit des Themas und macht sie verständlich. Dabei verliert er nie das Wesentliche aus den Augen: Bitcoin und andere Krypto-Assets sind mehr als nur technologische Spielzeuge für Technikbegeisterte oder spekulative Werkzeuge für risikobereite Investoren. Sie sind vielmehr Vorreiter einer neuen Ära der finanziellen Autonomie und Unabhängigkeit. Sie entwerfen eine Vision einer Zukunft, in der jede Person die vollständige Kontrolle über ihre eigenen Finanzen hat – unbeeinflusst von Regierungen, Banken und sonstigen Mittelsmännern. Dieses Buch ist nicht nur eine fundierte Informationsquelle für alle, die tiefer in die Welt von Bitcoin und anderen Krypto-Assets eintauchen wollen. Es ist auch ein Wegweiser für jene, die bereit sind, sich auf eine Entdeckungsreise zu begeben, die das Potenzial hat, ihre Wahrnehmung von dem, was Geld ist und sein kann, radikal zu verändern. Die Krypto-Assets, die hier so detailliert und mit Begeisterung beschrieben werden, sind mehr als nur eine technologische Neuerung. Sie sind eine Einladung, die Zukunft der Finanzen neu zu gestalten – und jeder von uns hat die Möglichkeit, Teil dieser Reise zu sein. „Gerd Wegers Krypto-Kompendium“ ist aber mehr als nur eine allgemeine Einführung in die Blockchain-Technologie. Es taucht mutig in die komplexen Details und Fachbegriffe ein, die in der Kryptowelt verwendet werden. Sie fragen sich, was DEX, kurz für Decentralized Exchange, bedeutet? Kein Problem, dieses Buch behandelt solche Konzepte und stellt deren Vor- und Nachteile ihren zentralisierten Pendants gegenüber.
Doch damit nicht genug. Haben Sie sich schon immer gefragt, was genau unter „Wallets“ zu verstehen ist? Dieses Buch bringt Licht ins Dunkel und erklärt, wie Sie Ihre digitalen Schätze sicher aufbewahren können.
Der eigentliche Schwerpunkt ist die Preisbildung und Bewertung von Krypto-Assets. Es werden die Ähnlichkeiten und Unterschiede zu herkömmlichen Vermögenswerten erläutert. Sie lernen, warum der US-Dollar oft als Referenzwährung für Analysen herangezogen wird und wie die Preisnotierungen von Altcoins in Bitcoin oder anderen Krypto-Assets funktionieren. Auch komplexere Konzepte wie Satoshi-Werte und Dollarwerte bei Altcoin-Notierungen in BTC oder anderen Krypto-Assets werden anschaulich erläutert. Themen wie Bid-Ask-Spreads und Liquidität bleiben ebenfalls nicht unberührt.
Neben der Diskussion von Volatilität und Preisunterschieden zwischen verschiedenen Kryptobörsen und Ländern bietet dieses Buch einen tiefen Einblick in die Eigenheiten des Kryptomarktes. Es behandelt die Auswirkungen des 24/7-Handels, saisonale Effekte, Flash Crashs und Crashs sowie den Einfluss von Futures- und Optionsgeschäften. Ein weiterer Fokus liegt auf Altcoins und der Preisbildung von Stablecoins.
Dieses Buch ist weit mehr als nur ein einfacher Wegweiser. Es stellt eine wahre Schatztruhe des Wissens dar. Mit seiner Hilfe taucht der Leser in die Tiefen des Krypto-Universums ein und lernt es von Grund auf kennen, begleitet von klaren Erläuterungen und hilfreichen Informationen. Am Ende dieser Lektüre wird man nicht nur mit den Grundlagen vertraut sein. Man wird vielmehr ein fundiertes Verständnis für die vielen Facetten und Nuancen des Kryptomarktes entwickelt haben.
Eines ist sicher: Die Reise in die Welt der Krypto-Assets ist keine einfache. Sie ist gespickt mit technischen Details. Aber sie ist vor allem auch eine spannende Reise voller Entdeckungen, Inspirationen und, vielleicht am wichtigsten, voller Möglichkeiten.
Lassen Sie uns gemeinsam diese Reise antreten, angetrieben von der Neugier und der Hoffnung auf eine bessere finanzielle Zukunft für alle. Dieses Buch wird Ihnen dabei ein zuverlässiger Begleiter sein.
Viel Spaß und Erkenntnisgewinn beim Lesen wünscht Ihnen
Philipp Sandner
Blockchain-Experte, Professor an der Frankfurt School of Finance & Management
Ganz am Schluss des Lektorats zu diesem Buch erreichte mich eine schreckliche Nachricht: Philipp Sandner ist gestorben, im Alter von nur 43 Jahren. Er hinterlässt mit einer Frau und zwei Kindern eine junge Familie mit vielen Plänen für die Zukunft. Wer Philipps Vorwort für dieses Buch liest, kann sich ein Bild von ihm machen. Er konnte sich für das Thema Blockchain, Bitcoin und andere Krypto-Assets begeistern. In zahlreichen Medien und Veranstaltungen setzte er sich dafür ein, das Verständnis für diese neue Technologie und ihre Auswirkungen auf uns alle zu fördern: in Büchern, Fachzeitschriften, Magazinen oder Podcasts und auf Konferenzen, wie der von ihm ins Leben gerufenen Crypto Assets Conference. Er gründete das Blockchain Center an der Frankfurt School of Finance & Management. Er vernetzte die Journalisten, die über Bitcoin & Co berichteten, über eine WhatsApp-Gruppe. Oder er unterstützte andere Projekte, die er für gut fand. Wie dieses Buch.
In Deutschland gehörte Philipp zweifellos zu den einflussreichsten Treibern der Entwicklung und hinterlässt eine unersetzliche Lücke. Bei aller Umtriebigkeit blieb er aber vor allem eines: sympathisch und hilfsbereit. Ich kann mich nicht erinnern, bei einem so vielbeschäftigten Menschen wie ihm jemals so schnelle Antworten auf Anfragen bekommen zu haben. Allen, die ihn kannten, wird er unvergessen bleiben.
Vielen Dank für alles
Gerd Weger
Viele meinen, dass die Datensammler im Internet doch ihre Daten und ihr Nutzerverhalten scannen sollen, sie hätten ja schließlich nichts zu verbergen. Dagegen könnte man etwas provokativ einwenden: Wer nichts zu verbergen hat, ist nichts. Das meint die amerikanische Ökonomin Shoshana Zuboff, die in ihrem Buch „Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus“ die Gefahren der digitalen Wirtschaft sehr kritisch hinterfragt.1 Die Bedrohungen für die menschliche Autonomie und die Demokratie sind bereits sehr groß und werden weiter wachsen. Die digitale Infrastruktur wird von einem „Etwas, das wir haben, zu einem Etwas, das uns hat“.
Der Bitcoin ist anders. Er ist etwas, das wir haben, ohne dass er uns hat. Denn er ist kein Unternehmen und hat deshalb keinen Antrieb, uns auszunutzen. Er gibt den Menschen ihre finanzielle Autonomie zurück und verlangt dafür nichts. Die Nutzer können und müssen allerdings für ihre Sicherheit selbst sorgen. Verlieren sie den Zugang zu ihren Bitcoin, dann hilft kein Fundbüro und keine Hotline. Er ist im besten Sinne des Wortes basisdemokratisch. Die Entscheidungsfindung und Konsenserreichung in dieser Basisdemokratie wird durch einen ausgeklügelten Konsensmechanismus erreicht.
Wozu dient eigentlich der Bitcoin? Im Ursprung war er als digitales Zahlungsmittel gedacht, das ohne die Einschaltung von Banken oder anderen Dienstleistern einfach zwischen Sender und Empfänger funktioniert. Im Laufe der Zeit hat sich seine hauptsächliche Anwendung aber gewandelt. Heute wird er primär als Wertaufbewahrungsmittel und Fluchtmöglichkeit aus den von Inflation bedrohten traditionellen Währungen verstanden. Da es dafür in den vergangenen Jahren ein immer größeres Bedürfnis gab, erhöhte sich die Nachfrage enorm, während das Angebot streng limitiert blieb (und bleiben wird). Die Folge sind zwangsläufig sehr stark steigende Bitcoin-Preise. Diese ließen das am Anfang noch spärliche Publikum, welches das Geschehen zunächst weitgehend von der Seitenlinie beobachtete, erst einmal ungläubig staunen. Mittlerweile sind aber immer mehr Menschen von der Nachhaltigkeit dieser Entwicklung überzeugt und sehen den Bitcoin zumindest als sinnvolle Beimischung ihrer Vermögensanlagen. Die große Nachfrage mit teilweise exorbitant steigenden Preisen machte den Bitcoin auch zu einem bevorzugten Spekulationsobjekt mit sehr hoher Volatilität. Von diesen sehr großen, kurzfristigen Kursschwankungen sollten sich Anleger aber nicht übermäßig irritieren lassen. Die langfristige Entwicklung ging in Zyklen immer nach oben. Es ist nicht zu erwarten, dass sich das in den nächsten Jahren ändern wird. Deshalb gehört der Bitcoin zu einem modernen Anlagemix.
Zum Schluss dieser Einführung möchte ich den ersten Absatz aus meinem vor 38 Jahren erschienenen Buch „Optionsscheine als Anlagealternative“2 zitieren:
„Zu Beginn ein paar Sätze dazu, was das Buch (nicht) sein kann und (nicht) sein will. Es soll weder als Leitfaden für halsbrecherische Spekulationen dazu verführen, „Haus und Hof“ aufs Spiel zu setzen, noch gehört es ins Genre von Büchern wie „In 30 Tagen zum Millionär“. Auch nach Lektüre dieses Buches wird der geneigte Leser nicht in der Lage sein, garantiert sichere Gewinne durch Transaktionen mit Optionsscheinen zu erzielen. Vielmehr sollen dem flexiblen Anleger die Bewertungszusammenhänge bei Optionsscheinen offengelegt sowie die Wirkung verschiedener Einflussgrößen auf den Optionsscheinpreis und deren Stärke untersucht werden.“
Wenn man Optionsschein durch Kryptowährung ersetzt, ist dem oben Gesagten wenig hinzuzufügen. Bezüglich der Einflussgrößen auf die Kryptowährungspreise ist festzustellen, dass diese nicht mathematisch exakt definiert werden können, wie das teilweise bei Optionsscheinen der Fall ist. Trotzdem soll hier versucht werden, mögliche Einflussfaktoren auf die Krytowährungspreise systematisch darzustellen, um dadurch die Entscheidungsgrundlage von Anlegern in diesem Bereich auf eine rationalere Grundlage zu stellen.
Der Bitcoin ist die Mutter aller Kryptowährungen. In einem gerade einmal acht Seiten langen Whitepaper beschreibt sein Schöpfer Satoshi Nakamoto, dessen wahre Identität unbekannt ist, die technische Grundlage für den Bitcoin und die Blockchain-Technologie.1 Mit dieser Technologie wird ein neuartiges digitales Bargeld geschaffen, das in seiner dezentralen Funktionsweise völlig ohne Vertrauenspersonen oder -institutionen wie Banken auskommt. Ein weiteres wesentliches Merkmal ist seine mathematisch absolut begrenzte Angebotsmenge, womit er sich bewusst gegen beliebig inflationierbare Fiatwährungen wie Dollar oder Euro abgrenzt. Geburtsdatum des Bitcoin-Netzwerks ist der 3. Januar 2009. Der Geburtsakt war die Schöpfung der ersten 50 Bitcoin mit dem „Block 0“, der als Genesis-Block des Netzwerks bezeichnet wird. Als Geburtshelfer fungierten die um sich greifende Finanzkrise ab dem Jahr 2008 und der allgemeine Vertrauensverlust in das weltweite Finanzsystem. Bemerkenswert ist deshalb, dass als einzige Transaktion die Nachricht kodiert wurde: „The Times 03/Jan/2009 Chancellor on brink of second bailout for banks“.
Einen feststellbaren Wert hatte der Bitcoin 2009 noch nicht. 2010 gab es den ersten aufgezeichneten Preis. In diesem Jahr überschritt er kein einziges Mal die Marke von einem Dollar, sein Jahreshöchstkurs lag bei 0,39 Dollar. Lange wurde über die neue Alternativwährung die Nase gerümpft – auch der Autor dieser Zeilen kann sich davon nicht freisprechen. Kritikpunkte gab es zuhauf: Die Bitcoin-Nutzung sei primär für Kriminelle interessant, der absurde Energieverbrauch schädige die Umwelt, der anonyme Erfinder Satoshi Nakamoto sei dubios, die Chinesen beherrschten die Technologie, die wilden Kursschwankungen seien nur etwas für Zocker, die Verwendung des Bitcoin sei zu umständlich und langsam und andere Kritikpunkte mehr. Noch vor wenigen Jahren konnte man den Entwicklungsstand von Blockchain-Technologie und Kryptowährungen mit dem des Internets Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre vergleichen. Das Internet damals ist mit dem heutigen nicht zu vergleichen, das Leben ohne dieses Medium für heutige Generationen kaum mehr vorstellbar. Die Entwicklung im Bereich Blockchain und Kryptowährungen ist ähnlich.
Im Laufe der Jahre gab es bereits sehr viele Untergangsprognosen für den Bitcoin.2 Ihren Höhepunkt fanden diese Prognosen in den extremen Hausse- und Baisse-Jahren 2017 und 2018 mit einer Anzahl von 124 beziehungsweise 93. Dagegen gab es im Jahr 2020 nur noch 14, 2022 nur 27. Dies dürfte mit der zunehmenden Regulierung und Vernetzung zur traditionellen Finanzwelt ebenso zu tun haben wie mit seinem Use Case als nicht-inflationierbares Geld. Im Jahr 2022 ist die Inflation in den westlichen Ländern angekommen. Der Bitcoin wird nun auch dort als Fluchtmöglichkeit aus den durch die Geldschwemmen bedrohten traditionellen Währungen verstärkt wahrgenommen. Die Untergangsprognosen sind meist mit der Begründung verbunden, dass der Bitcoin keinen inneren Wert hat und nutzlos ist. In diesem Buch findet sich eine Vielzahl von Belegen, dass dem nicht so ist. Man könnte als Gegenargument aber auch einfach ein aus der Volkswirtschaftslehre bekanntes Gesetz anführen:
Alles, was einen (tatsächlich realisierbaren) Preis hat, hat auch eine Nachfrage und deshalb einen Nutzen.
Triviale Überlegungen lassen deshalb die Untergangsprognosen von Bitcoin absurd erscheinen und zeigen, dass die Bitcoin-Preise langfristig nur steigen können. Die weltweite Nachfrage steigt. Sie trifft auf ein nicht vermehrbares Angebot aufgrund der limitierten Stückzahl und treibt dadurch den Preis. Der Preis steigt nicht nur in Zeiten von Spekulationswellen, sondern trotz der großen kurzfristigen Schwankungen kontinuierlich. Letztlich ist das seinem einzigartigen Use Case geschuldet, durch den sein Nutzen wächst und immer evidenter wird. Der Bitcoin ist nicht-inflationierbar und bietet als Wertaufbewahrungsmittel eine Fluchtmöglichkeit aus den in ihrer Werthaltigkeit bedrohten Fiatwährungen wie Dollar oder Euro. Zwar wären dafür auch andere Kryptowährungen geeignet wie zum Beispiel Litecoin oder Bitcoin Cash. Allein schon der historische Track Record ist aber von keiner anderen Kryptowährung mehr zu toppen. Deshalb hat Bitcoin sich als First Mover mit weitem und kaum einholbarem Abstand als Nummer 1 etabliert und sich den weltweiten Konsens als das vertrauenswürdigste digitale Geld erarbeitet.
Vor dem Bitcoin gab es zwei Zahlungsmethoden:3 zum einen die Barzahlung zwischen zwei Parteien. Diese kann sofort und endgültig erfolgen, kein Dritter kann die Zahlung stoppen. Der Nachteil ist die Notwendigkeit der physischen Präsenz beider Parteien. Zum anderen Zahlungen durch Vermittlung von Intermediären wie Banken, Kreditkartenunternehmen oder Geldtransferdiensten. Die Zahlungen erfordern also einen vertrauenswürdigen Dritten. Neben dem notwendigen Vertrauen der beteiligten Parteien benötigen solche Transaktionen Zeit zur Abwicklung und es entstehen Kosten für die Dienstleistungen des Intermediärs. Der Vorteil ist, dass beide Parteien nicht gleichzeitig am selben Ort sein müssen.
Mit dem Bitcoin gibt es erstmals eine dritte Möglichkeit, die die Vorteile beider Zahlungsalternativen kombiniert. Denn der Bitcoin wurde als Zahlungsmöglichkeit ohne die Notwendigkeit eines vertrauenswürdigen Dritten konzipiert. Dieses alternative Zahlungsmittel kann sehr schnell und mit sehr geringen Kosten übertragen werden. Durch seine Knappheit ist der Bitcoin als digitales Bargeld geeignet. Durch das technologische Design wurde die digitale Knappheit erfunden. Beim Senden von E-Mails oder anderen digitalen Übertragungen verbleibt das digitale Objekt beim Absender und ist damit auch unbegrenzt reproduzierbar. Dagegen ist der Bitcoin das erste digitale Gut, bei dessen Übertragung der Absender zwingend den Besitz über das übertragene Gut (Bitcoin) verliert.
Der Bitcoin hat in den rund 15 Jahren seines Bestehens praktisch fehlerfrei funktioniert. Davon kann man auch in Zukunft ausgehen. Er gibt den Menschen eine völlig neue Freiheit über ihr Geld, ist resistent gegen staatliche Inflationierungen, grenzenlos handelbar und leicht transportierbar. Mit dem Bitcoin wurde eine Peer-to-Peer-Form von elektronischem Geld4 geschaffen, das bei Transaktionen kein Vertrauen von Dritten erfordert und dessen Übertragung von keiner externen Partei gestoppt werden kann. Außerdem kann das Geld nicht von Zentralbanken oder Regierungen manipuliert und inflationiert werden.
Bitcoin ist zwar als alternatives Zahlungsmittel gestartet. Dieser Anwendungsfall ist aber im Laufe der Jahre immer mehr in den Hintergrund getreten und wird teilweise fast schon als Gag verstanden. Vielmehr wird der Bitcoin als Wertgegenstand und Wertspeicher wahrgenommen, der sich aufgrund seines völlig neuen Konzepts des Werterhalts und Inflationierungsschutzes zu einem weltweiten Spekulationsobjekt entwickelt hat. Das ist aber nicht tragisch. Ideen entwickeln und Anwendungsfälle erweitern sich. Beim Start von Amazon erschien die Fantasie doch äußerst begrenzt. Ein Onlinebuchhändler als Börsenstar? Kaum einer nahm das riesige Potenzial wahr – vielleicht nicht einmal Jeff Bezos. Beim Start von Bitcoin als nicht von zentralen Instanzen gängelbares Zahlungsinstrument nahm ebenfalls kaum einer das riesige Potenzial wahr – vielleicht nicht einmal Satoshi Nakamoto.
Die Bitcoin-Blockchain ist ein digitales Kontenbuch (Ledger), das die Zahlungsein- und -ausgänge der Nutzer und damit die jeweiligen Nutzerguthaben erfasst. Sie ist also eine Datenbank, die die Zahlungsströme ihrer nativen Währung Bitcoin aufzeichnet. Die wichtigsten Merkmale dieser Datenbank sind, dass sie dezentralisiert, zensurresistent, kryptografisch und unveränderlich ist. Das Kontenbuch ist eine lange Liste aller Blöcke und wird deshalb auch Blockchain genannt. Durch einen Einblick in die öffentlich zugängliche Blockchain ist es jedermann möglich, alle jemals getätigten Transaktionen einer Wallet-Adresse zu sehen. Dadurch sind die Bitcoin-Transaktionen maximal transparent und nachvollziehbar. Andererseits kann man aber ohne weitere Informationen nicht erkennen, welche Person oder Organisation hinter einer Bitcoin-Adresse steht, die diese Transaktion tätigt. Deshalb sind diese Transaktionen zwar nicht anonym, aber pseudonym.
Eine Wallet-Adresse kann zunächst nicht mit dem Namen des Berechtigten in Verbindung gebracht werden. Selbst wenn dieser aber nur eine kleine Menge von Bitcoin an die Wallet-Adresse einer Kryptobörse oder eines Unternehmens sendet, bei denen die Daten des Nutzers hinterlegt sind, kann letztlich die Zuordnung des Nutzers zu der Wallet-Adresse erfolgen. Damit können dann auch alle Transaktionen dieses Nutzers, die mit der Wallet-Adresse in Verbindung stehen, diesem Nutzer zugeordnet werden.
Die Stückzahl von 21 Millionen ist die absolute Obergrenze, mehr Bitcoin kann es nicht geben. Diese maximale Obergrenze konstituiert eine ganz wesentliche Eigenschaft von Bitcoin, die Nicht-Inflationierbarkeit. Die maximale Stückzahl ist zwar nicht explizit im Bitcoin-Quellcode festgelegt und findet sich nicht im Whitepaper.5 Sie ergibt sich vielmehr aus den festgelegten Block Rewards und den regelmäßigen Bitcoin-Halvings. Explizit genannt wurde die Zahl aber in der Veröffentlichungsmail von Nakamoto am 08.01.2009. Ungefähr im Jahr 2140 fällt der Block Reward dann auf null, sodass die bis zu diesem Zeitpunkt geminten Coins die Obergrenze bilden. Diese ist dann übrigens geringfügig niedriger als 21 Millionen aufgrund von Rundungsfehlern bei der Halbierung der Block Rewards. Grundsätzlich könnte der Code aber geändert und ein Coin mit einer mehr oder weniger großen Obergrenze geschaffen werden. Um sich durchzusetzen, müsste aber der soziale Konsens der Bitcoiner dieses unterstützen. Ansonsten käme es durch eine solche Hard Fork zu einer Abspaltung, die dann eher ein Nischendasein fristen würde.
Bei aktuell rund 19,6 Millionen Bitcoin (Stand Februar 2024) können also nur noch weniger als 1,4 Millionen Stück neu erzeugt werden. Von daher ist die weitere Inflationierung in ihrer absoluten Größenordnung und in ihrem zeitlichen Verlauf genau bekannt. Sie ist äußerst gering und beträgt aktuell (Stand Anfang 2024) etwas weniger als 1,7 Prozent. Sie wird ständig geringer und fällt alle vier Jahre bei den Bitcoin-Halvings sprunghaft. Zum einen, weil sich die Belohnung der Bitcoin-Miner dann halbiert, und zum anderen, weil die Bezugsbasis (Gesamtzahl der dann jeweils existierenden Bitcoin) im Laufe der Zeit immer größer wird. Im Jahr 2140 werden die letzten Bitcoin geschürft und die Maximalzahl von 21 Millionen Stück erzeugt sein. Erzeugt heißt aber nicht unbedingt, dass diese dann auch dem Markt zur Verfügung stehen. Im Laufe der Zeit dürfte nämlich eine beträchtliche Anzahl an Bitcoin schlichtweg verloren gegangen sein. Analysefirmen wie Chainalysis schätzen, dass rund 20 Prozent aller bisher geminten 19,6 Millionen Stück verlorene Bitcoin sind.
„Bankers say “Bubble”
Technologists say “Disruption”
Students of history say “Dawn of the Digital Age”6
Eine mutige Aussage des Bitcoin-Optimisten und -Traders Willy Woo. Er meint, in einem digitalen Zeitalter würden wir eine digitale Währung wollen und der Bitcoin sei die erste native digitale Währung. Nicht nur Banker haben in der Vergangenheit den Bitcoin als die größte Blase aller Zeiten bezeichnet.7 Vor allem nach dem Ende des Höhenflugs 2017 wurde diese Einschätzung von vielen Beobachtern an den Finanzmärkten geteilt und vielfach sein Ende prophezeit. Auch bei dem Einbruch im Jahr 2022 wurden die Stimmen wieder lauter.
Die heftigen Schwankungen von Bitcoin in den Jahren seines Bestehens haben schon immer verunsichert. Während des Hypes zum Jahresende 2017 fragten sich auch viele traditionelle Anleger, die den Bitcoin bis dahin als Modeerscheinung, Fake oder Blase abgetan hatten, ob sie nicht gerade einen gravierenden Fehler machten. Manche fielen um und investierten zu Höchstpreisen. Andere zögerten und viele blieben einfach bei ihrer Meinung. Nach dem Crash 2018 waren sich dann alle diese Anleger einig: Sie hatten mit ihrer ursprünglichen Meinung recht. Der Bitcoin-Preis fiel von einem Höchststand von fast 20.000 USD im Dezember 2017 bis auf etwas mehr als 3.000 USD. Ein veritabler Crash. Aber hatten sie wirklich recht?
Die erneute Mega-Hausse in den Jahren 2020/21 belegt das Gegenteil. Auch weiter zurückliegend gab es in der Vergangenheit Phasen von riesigen Kursgewinnen, denen solche mit enormen Kursverlusten folgten. In Abbildung 2.1 sehen die Kursrückgänge aufgrund der logarithmischen Skala vergleichsweise harmlos aus. Aber der Rückgang im Anschluss an die Mega-Hausse vor und nach dem 1. Halving betrug vom November 2013 bis zum Januar 2015 rund 86 Prozent. Danach folgte die zweite Mega-Hausse vor und nach dem 2. Halving vom Juli 2016. Auch danach korrigierte der Bitcoin um rund 84 Prozent. Vor und nach dem 3. Halving startete erneut eine fulminante Aufwärtsbewegung. Bei Betrachtung der prozentualen Verluste lag das Ausmaß der Korrektur ab Ende 2021 in einer ähnlichen Größenordnung wie bei den beiden vorherigen Halvings. Deshalb würde es wenig verwundern, wenn es vor und besonders nach dem 4. Halving, das im Frühjahr 2024 stattfindet, zu einer weiteren Himmelfahrt kommt.
Abb. 2.1:
Bitcoin-Jahrestiefstkurse seit Handelsbeginn auf Bitstamp 2011 (logarithmische Darstellung)
Wie sind diese zyklischen Kursaufschwünge und -abschwünge zu erklären? In späteren Kapiteln wird auf verschiedene Einflussfaktoren ausführlich Bezug genommen. An dieser Stelle soll der Hinweis genügen, dass die Zyklik offenbar wesentlich durch die Halving-Termine alle vier Jahre beeinflusst wird, wie in obiger Abbildung zu sehen ist.8 Außerdem kann man generell sagen, dass große Kurseinbrüche nach großen Kursanstiegen nichts Besonderes sind, man kennt sie auch von den traditionellen Finanzmärkten. Grundsätzlich locken stark steigende Preise von Aktien, Rohstoffen oder auch Kryptowährungen immer mehr Anleger an, die ja ständig auf der Suche nach lukrativen Anlagemöglichkeiten sind. Dadurch strömen neue Anleger und neues Geld in diese boomenden Märkte, oft genug ohne deren Kenntnis.9 Da die Preise an Börsen aller Art durch Angebot und Nachfrage getrieben werden, steigen durch den Zufluss neuen Kapitals zwangsläufig die Preise. Der bekannte Spruch „Die Hausse nährt die Hausse“ beschreibt das am besten. Beim Bitcoin war das im Jahr 2017 der Fall. Dazu kamen ständig neue ICOs, also neu emittierte Token, die fantastische Kurssteigerungen in kürzester Zeit erzielten. ICO-Ankündigungen mit rückläufiger Uhr bis zum Closing setzten Anleger und Spekulanten unter Druck, noch rechtzeitig die neuen Token zu zeichnen. Diese Auswüchse erinnerten an die wilden Zeiten am deutschen Aktienmarkt Ende der 90er-Jahre. Auch dort hetzten die Anleger von einer Neuemission am Neuen Markt zur nächsten. Die Aktien erlebten zunächst einen an den deutschen Aktienmärkten vorher noch nicht gesehenen Höhenflug, stürzten danach aber völlig ab und verschwanden bis auf ganz wenige Ausnahmen in der Versenkung.
Der Kursverlauf zeigt, dass es bisher nach den riesigen Aufwärtsbewegungen von Bitcoin am Schluss immer zu einer kurzfristigen Blasenbildung gekommen ist. Darauf folgen dann kräftige mittelfristige Korrekturen oder, um es etwas drastischer zu formulieren, ein mittelfristiger Crash. Der ist in seinem Ausmaß erschreckend, aber überschaubarer als ein Aktiencrash. Denn der wesentliche Unterschied zu Aktien ist: Der Bitcoin ist kein Unternehmen. Er kann nicht pleitegehen. Es kann keine Einbrüche aufgrund von Umsatz- oder Gewinnwarnungen oder Ähnlichem geben. Der Bitcoin ist viel vorhersehbarer. Wenn sich nichts an der Grundüberzeugung ändert, dass der Bitcoin ein nicht-inflationierbares, weltweit zugängliches und hochliquides Asset ist und der Bedarf für ein solches Asset aufgrund tatsächlicher oder erwarteter inflationärer Tendenzen bestehen bleibt, kann der Bitcoin schon allein aufgrund seiner absoluten Limitierung langfristig nur steigen. Die Nachhaltigkeit der langfristigen Aufwärtsbewegung zeigt sich in Abbildung 2.1 auch an der Tatsache, dass die Jahrestiefststände von Bitcoin in allen Jahren mit Ausnahme von 2015 und 2022 immer über denen der Vorjahre lagen. Wirkliche Blasen haben dagegen die Eigenschaft, dass sich der entsprechende Markt über viele Jahre oder gar Jahrzehnte oder überhaupt nicht mehr erholt.
Fazit: Die Aussage, Bitcoin sei die größte Blase aller Zeiten, entpuppt sich als eine der größten Phrasen aller Zeiten.
Von der Grundidee her war der Bitcoin nicht als Vermögensanlage oder Instrument zum Reichwerden gedacht. Vielmehr sollte er ursprünglich sichere Onlinezahlungen ermöglichen, ohne dass dabei Vermittler wie die Banken in Anspruch genommen werden müssen.10 Wenn man die Bitcoin-Spekulation der vergangenen Jahre betrachtet, dann ist diese Idee fast schon pervertiert worden. Den Bitcoin irgendwo als Zahlungsmittel zu verwenden wird eher als Gag verstanden. Vielmehr wird der Bitcoin als Wertgegenstand wahrgenommen, der sich aufgrund seines völlig neuen Konzepts des Werterhalts und Inflationsschutzes zu einem weltweiten Spekulationsobjekt entwickelt hat. Die Weiterentwicklung der Anwendungen ist aber bei einem völlig innovativen Produkt wie dem Bitcoin normal und vergleichbar mit der Weiterentwicklung beim als Onlinebuchhändler gestarteten Amazon. Der Unterschied: Bei einem Unternehmen wie Amazon bestimmen einer oder mehrere Unternehmenslenker die Geschicke. Beim dezentralisierten Bitcoin kann grundsätzlich jeder zur Fortentwicklung beitragen.
Ist Bitcoin nun das beste Investment aller Zeiten? Wer ihn 2009 oder 2010 für wenige Cent erworben hat, wird das zweifellos bestätigen. Im Oktober 2009 verkaufte ein finnischer Informatikstudent 5.050 Bitcoin zu einem durchschnittlichen Preis von 0,0009 US-Dollar.11 Der gesamte Verkaufserlös von etwas mehr als 4,50 Dollar wäre zwölf Jahre später beim bisherigen Allzeithoch rund 350 Millionen Dollar wert gewesen. Selbst bei einem Kurs von 10.000 Dollar wären aus dem Einsatz von knapp fünf Dollar immer noch 50 Millionen Dollar geworden. Von daher könnte sich der Bitcoin problemlos als bestes Investment aller Zeiten bewerben. Die bekannten Preise im Jahr 2010 lagen nicht höher als 0,39 Dollar. Die erste Real-World-Transaktion fand am 22. Mai 2010 auf einem Bitcoin-Forum statt, als zwei Pizzas für 10.000 Bitcoin gekauft wurden. Die Bitcoin Community feiert diesen Tag jährlich als Bitcoin Pizza Day. Bezogen auf den Preis der Pizzas hatte der Bitcoin einen Wert von etwa 0,004 Dollar. Erst im Februar 2011 stieg der Bitcoin erstmals über einen Dollar. Bereits Ende 2013 knackte der Bitcoin dann die Marke von 1.000 Dollar, bevor es danach im Jahr 2014 zum ersten großen Kryptowinter kam.
Hier soll nur die jüngere Vergangenheit etwas genauer betrachtet werden. Der Bitcoin rückte seit dem Jahr 2016 immer stärker ins Bewusstsein breiterer Anlegerkreise, als er seine zweite Mega-Hausse startete. Die Tabelle 2.1 zeigt einen Vergleich von Bitcoin mit der Performance von DAX, S&P 500 TR (Total Return Index) und Gold. Beim S&P 500 wird der Total Return Index zum Vergleich herangezogen, da hier nicht nur die Kursveränderungen, sondern auch die Erträge aus Dividenden berücksichtigt werden. Außerdem werden der S&P 500 und das Gold jeweils in Euro umgerechnet betrachtet. Der Blick auf die Jahresperformances seit 2016 zeigt, dass der Bitcoin in fast jedem Jahr die Performance aller traditionellen Anlagen um ein Vielfaches übertrifft. Auffallend ist das bisher alle vier Jahre auftretende Annus horribilis beim Bitcoin. Wie schon erwähnt, war 2014 ein Horrorjahr, danach 2018 und zuletzt 2022. Diese vierjährigen Abstände stützen die These eines regelmäßig auftretenden vierjährigen Bitcoin-Zyklus rund um die alle vier Jahre stattfindenden Bitcoin-Halvings. Allerdings sollte man dabei nicht vergessen, dass aufgrund der noch sehr jungen Historie von Bitcoin der Kurseinbruch von 2022 erst der dritte derartige war. In den anderen Jahren zeigt sich eine teilweise riesige Outperformance von Bitcoin gegenüber Aktien und Gold.
Tab. 2.1
Vergleich der Jahresperformances von Bitcoin mit Aktien und Gold
Betrachtet man die Performance seit den Anfangsjahren, dürfte der Bitcoin wohl das am besten performende Asset aller Zeiten sein. Zumindest gilt das im Vergleich zu Assets, die für jedermann zugänglich und handelbar sind. Vielleicht könnte man aus irgendeiner Ecke noch einen Pennystock hervorzaubern, der eine bessere Performance hat. Ein solcher Vergleich hätte aber keine Relevanz, denn er ist nur mit hoch kapitalisierten Assets statthaft – wie ein Vergleich mit Apple, die Ende 1980 an die Börse gingen. Der Emissionspreis betrug damals splitbereinigt knapp zehn Cent. Aktueller Preis: 130 Dollar (Stand Dezember 2022). Die Performance beträgt seither in 42 Jahren rund 130.000 Prozent. Aus rund 770 Dollar wären in mehr als 40 Jahren eine Million Dollar geworden. Bei Amazon wäre die splitbereinigte Performance seit dem IPO 1997 rund 110.000 Prozent. Aus rund 910 Dollar wären in 25 Jahren eine Million Dollar geworden.
Beim Bitcoin ist ein Performance-Vergleich mit Bezug auf den Start etwas schwieriger. Einen IPO- oder ICO-Preis gab es nicht. Eigentlich war nach dem im Januar 2009 erfolgten Start des Netzwerks überhaupt kein in anderen Währungen bezifferbarer Preis feststellbar. In der zweiten Hälfte 2010 lag der Wert dann noch unter 0,10 Dollar. Das entspräche bei einem Bitcoin-Preis von 17.000 Dollar (Stand Dezember 2022) trotz des Kurseinbruchs im Jahr 2022 einer Performance von 17.000.000 Prozent in zwölf Jahren. Aus etwas weniger als sechs Dollar wären in zwölf Jahren eine Million Dollar geworden. Nimmt man die ersten Börsenpreise (um die elf Dollar) der am längsten in Betrieb befindlichen Kryptobörse Bitstamp von Mitte 2011, ist die Performance immer noch rund 154.500 Prozent in über elf Jahren. Hier hätte es dann bis zum Dollarmillionär immerhin etwas weniger als 650 Dollar gebraucht. Unter den Top-Werten liegt Amazon also deutlich vor Apple und Bitcoin deutlich vor Amazon. The Winner is: Bitcoin.
Fazit: Im Gegensatz zur Titulierung von Bitcoin als größte Blase aller Zeiten kommt die als bestes Investment aller Zeiten der Wahrheit näher. Bitcoin war das absolute Top-Investment des vergangenen Jahrzehnts. Trotz der Kursverluste im Jahr 2022 sind die Chancen sehr gut, erneut das Top-Investment des laufenden Jahrzehnts zu werden. Im Gegensatz zu seiner kurzfristigen Unvorhersehbarkeit ist die langfristige Entwicklung viel besser vorhersehbar als bei Aktien. Wegen der weltweiten Verschuldung und Inflationsgefahren wird der Bitcoin auf lange Sicht weiter vom TINA-Effekt in Bezug auf den Wertverfall der Fiatwährungen profitieren: There Is No Alternative.
Vielfach herrscht gegenüber dem Bitcoin und anderen Kryptowährungen ein verbreitetes Misstrauen, da man diese nicht physisch in der Hand halten kann und sie nicht greifbar quasi irgendwo in der Cloud schweben. Dabei muss sich der Anleger fragen, wie es sich eigentlich mit seinem Geld auf der Bank verhält. Dieses hat er der Bank anvertraut, die aber pleitegehen oder das Geld durch Spekulationen verlieren kann. Davon ist der Bankkunde mit den Einlagen auf seinen Giro-, Tagesgeld- oder Festgeldkonten und seinen Sparbüchern als Gläubiger direkt betroffen. Denn diese Einlagen werden von der Bank weiterverliehen, sodass sie diese bei einer Schieflage eventuell nicht mehr zurückzahlen kann. Von diesen Einlagen sind durch die gesetzliche Sicherung 100.000 Euro je Einleger und Bank geschützt. Darüber hinaus greifen noch Einlagensicherungsfonds der Banken. Nur seine Anlagen auf Wertpapierdepots sind geschützt. Diese werden der Bank nicht verliehen, sondern nur von ihr verwahrt. Deshalb darf sie diese Werte auch nicht verkaufen oder verpfänden. Allerdings können von einer Bank emittierte Wertpapiere wie Zertifikate bei einer Pleite dieser Bank an Wert verlieren oder im Extremfall wertlos werden, da es sich dabei um von der Bank emittierte Schuldverschreibungen handelt. Dagegen sind Aktienfonds oder ETFs als Sondervermögen nicht von einer Insolvenz der Kapitalanlagegesellschaft betroffen.
Im Gegensatz zu einer Bank kann der Bitcoin nicht pleitegehen. Beim Bitcoin stellt sich die Vertrauensfrage in Banken oder Finanzdienstleister deshalb grundsätzlich nicht. Denn man kann jederzeit die alleinige und volle Kontrolle über seine erworbenen Bitcoin haben, zumindest wenn man diese auf private Wallets transferiert hat. Keine Bank, kein Staat, kein Gläubiger kann diese konfiszieren, wenn man ein paar Grundzüge der sicheren Verwahrung beachtet. Ein Restrisiko bleibt aber, wenn man Bitcoin oder andere Kryptowährungen über zentrale Kryptobörsen kauft. Dies hat die Pleite der Kryptobörse FTX im November 2022 noch einmal drastisch verdeutlicht. Solange Geld oder Kryptowährungen auf Konten bei einer Kryptobörse liegen, sind diese Werte im Insolvenzfall gefährdet. Unter diesem Aspekt ist der Bitcoin mindestens eine ebenso sichere und damit seriöse Geldanlage wie andere Anlageformen. Macht sich der Anleger mit den Grundzügen der eigenen Verwahrung vertraut, kann der Bitcoin sogar als sicherer als traditionelle Anlageformen betrachtet werden.
Aufgrund der Dezentralität gibt es keine zentralen Kontostände einzelner Marktteilnehmer. Der einzelne Anleger kann natürlich jederzeit die Zahl seiner Bitcoin auf seiner Wallet feststellen. Die Marktteilnehmer sehen im Bitcoin-Netzwerk aber nur die einzelnen Transaktionen zwischen allen Bitcoin-Adressen, diese jedoch vom Start 2009 an. So könnte man seit diesem Zeitpunkt für jede Adresse zu jedem Zeitpunkt durch Berücksichtigung aller Transaktionen den jeweiligen Stand sehen. Damit ist das System auch resistent gegen Betrug, weil nachträglich weggelassene oder hinzugefügte Transaktionen sofort ersichtlich wären. Bei einer Bank wäre es für Zugangsberechtigte dagegen theoretisch kein Problem, Transaktionen oder Kontostände zu manipulieren und zu verändern.
Ein Megatrend beim Bitcoin war in den letzten Jahren die zunehmende Benutzerfreundlichkeit. Dieser Trend dürfte zu einem nicht unbeträchtlichen Teil zu den Wertsteigerungen in den vergangenen Jahren beigetragen haben. In den Jahren 2017 und 2018 war es noch sehr schwierig, in die Kryptowelt einzutreten. An die meisten Kryptobörsen konnte man nicht einfach Geld überweisen, auch war das Misstrauen aufgrund einiger Hacks von Kryptobörsen sehr groß. Schließlich scheuten viele potenzielle Interessenten, ihre Coins selbst zu verwahren. Durch viele neue, einfache und sichere Zugangsmöglichkeiten wie die Anfang 2019 gestartete BISON App der Stuttgarter Börse können nun auch traditionelle Anleger die wichtigsten Kryptowährungen so leicht kaufen wie Aktien. Sie müssen sich dann auch nicht um deren Verwahrung kümmern, wenn sie sich damit überfordert fühlen. Allerdings genießen sie bei einer Fremdverwahrung dann auch nicht die Vorteile der Dezentralität, in diesem Zusammenhang also den Schutz vor Konfiszierbarkeit oder vor der Pleite der zentralen Verwahrinstitution.
Kritiker begründen den Wertzuwachs von Bitcoin mit der Greater-Fool-Theorie. Demnach wird der Bitcoin nur so lange steigen, wie man ihn an einen noch größeren Idioten zu einem höheren Preis verkaufen kann. Grundsätzlich könnte man diese Theorie auf alle möglichen Anlagen beziehen. Außerdem bleibt festzustellen, dass zumindest bis hier und heute die Verfechter dieser Theorie in Bezug auf den Bitcoin selbst die mit Abstand Greatest Fools wären. Die Kurse sind trotz der riesigen Kursfluktuationen innerhalb der vierjährigen Bitcoin-Zyklen immer wieder auf neue Höchststände gestiegen. Außerdem wird damit unterstellt, dass der Bitcoin überhaupt keinen Nutzen hat. Das ist natürlich völlig falsch. Der Bitcoin funktioniert als dezentrales Zahlungsmittel, das völlig ohne Intermediäre wie Banken übertragen werden kann. Insbesondere in den vielen Ländern mit mehr oder weniger dysfunktionalen Währungs- und Banksystemen liegt dieser Nutzen trotz der großen Kursschwankungen auf der Hand. In den westlichen Ländern steht dagegen der Nutzen als Wertaufbewahrungs- und auch Wertsteigerungsinstrument im Vordergrund. Denn Bitcoin ist die einzige große Währung mit unveränderlich eingebautem Inflationsschutz, wenn man einmal von deutlich unbedeutenderen und unsichereren Kryptowährungen wie den Bitcoin-Klonen Litecoin oder Bitcoin Cash absieht. Das Narrativ des gegen Inflation abgesicherten Bitcoin macht diesen in Zeiten der Geldschwemme immer attraktiver. Noch nie wurde in so kurzer Zeit die Geldmenge so massiv erhöht wie in der Coronakrise 2020. Die weit geöffneten Geldschleusen lassen die Notwendigkeit einer zumindest teilweisen Flucht aus den manipulierten Währungen für viele Anleger immer klarer werden. Menschen in Ländern mit sehr schwachen Währungen wie der Türkei, Venezuela oder Argentinien ist dies schon lange vertrauter als hierzulande. Dies ist auch ein Grund, warum der Bitcoin schon viele Monate vor den neuen Höchstständen gegen Dollar oder Euro neue Hochs gegen Währungen wie die Türkische Lira markierte. Spätestens seit dem Jahr 2022 wurde aber auch in den westlichen Industrieländern den Anlegern durch die sprunghaft gestiegene Inflation der potenzielle Inflationsschutz von Bitcoin deutlich ins Bewusstsein gerufen. Trotz dieses nachhaltigen Grundes für die langfristige Wertsteigerung von Bitcoin ist es aber erneut zu großen Kursschwankungen gekommen. Das wird auch in Zukunft so sein und einige Gründe dafür werden in späteren Kapiteln verdeutlicht. Ein Argument gegen den Bitcoin als seriöse Anlage sind derartige Kursschwankungen aber nicht, wie unten am Beispiel von Amazon gezeigt wird.
Ein einzigartiger Vorteil beim Bitcoin als Instrument der Geldanlage für Privatanleger in Deutschland ist die Steuerfreiheit nach einer Haltedauer von mehr als einem Jahr, so wie man das früher bei Aktien kannte. Zwar gibt es dieses Privileg noch bei einigen anderen Wertgegenständen wie Kunstwerken oder auch Gold. Diese sind aber entweder für Privatanleger nicht erschwinglich, wenig fungibel oder haben nur vergleichsweise geringe Kursschwankungen. Verzehnfachungen in kurzen Zeiträumen oder noch mehr wie beim Bitcoin kennt man bei anderen Anlagen kaum. Der Bitcoin ist das einzige seriöse Anlageinstrument, bei dem die bisher immer möglichen riesigen Kursgewinne noch dazu steuerfrei vereinnahmt werden konnten.
Trotzdem werden viele Anleger aufgrund der enormen Kursschwankungen der Vergangenheit weiter die durchaus berechtigte Frage stellen, ob denn der Bitcoin wirklich eine seriöse Geldanlage sein kann. Diese riesigen Kursschwankungen werden von traditionellen Anlageexperten auch immer wieder als Beleg dafür angeführt, dass mit dem Bitcoin eben gerade kein seriöses Anlegen möglich ist. Das werden dann die gleichen Anlageexperten sein, die eine Amazon-Aktie jetzt zum Kauf empfehlen. Dazu ein Blick auf die historische Entwicklung der bereits in Kapitel 2.4 kurz erwähnten Amazon-Aktie.12
Zur besseren Darstellung wird in Abbildung 2.2 der Amazon-Chart in logarithmischer Darstellung gezeigt. Bei dieser Darstellung entspricht eine gleiche prozentuale Veränderung unabhängig vom absoluten Kursniveau immer einem gleichen prozentualen Zuwachs. Ein Kursanstieg von 1 auf 2 entspricht deshalb dem gleichen Abstand auf der vertikalen y-Achse wie ein Anstieg von 10 auf 20, von 100 auf 200 und so weiter. Wer am ersten Handelstag Amazon-Aktien zum Preis von splitbereinigt 0,075 Dollar erworben hat, kann diese heute (Stand Dezember 2022) zu Preisen von 85 Dollar verkaufen. Dabei war dieser Kursanstieg beileibe keine Einbahnstraße. Nachdem sich der Kurs von 1997 bis 1999 auf 5,60 Dollar mehr als versiebzigfacht hatte, stürzte er danach innerhalb von eineinhalb Jahren wieder auf 0,28 Dollar ab und verlor damit rund 95 Prozent seines Wertes. Nach der folgenden Verzehnfachung gab es wieder eine Halbierung und so ging es auch in den Folgejahren weiter. Erst nach rund zwölf Jahren kam es dann zum Durchbruch zu neuen Höchstkursen und dem enormen Lauf im vergangenen Jahrzehnt bis heute. Konnten seriöse Anlageexperten vor 20 Jahren eine solche Aktie zum Kauf empfehlen? Keinesfalls! Können sie das heute? Auf jeden Fall! Beim Bitcoin gilt das Gleiche.
Man könnte sogar den Bitcoin als Amazon der Kryptowährungen bezeichnen. Das betrifft zum einen die Dominanz von Amazon und Bitcoin auf ihrem Gebiet. Zum anderen sind die Kursentwicklung und -schwankungen der Amazon-Aktie denen von Bitcoin doch erstaunlich ähnlich. Von daher könnte der Bitcoin mit den über 14 Jahren seiner Existenz und der etwa 12-jährigen Börsenhistorie aktuell da stehen, wo Amazon zwölf Jahre nach seinem Börsenstart stand. Die ganz wilden Schwankungen könnten dann bald der Vergangenheit angehören. Das ist bei neuen Märkten nach ihren wilden Anfangsjahren häufig zu beobachten, wenn sie eine gewisse Marktreife erreicht haben. Übrigens gab es auch bei Amazon trotz des nett anzuschauenden kontinuierlichen langfristigen Anstiegs seit 2010 immer wieder Korrekturen um die 30 Prozent. Diese fallen aufgrund der großen absoluten Kursveränderungen und der logarithmischen Darstellung nur nicht so auf. Jedenfalls sind die Parallelen der Kursentwicklungen von Amazon und Bitcoin zumindest in Bezug auf die extremen Kursschwankungen nicht von der Hand zu weisen. Wer mit diesem Argument den Bitcoin als unseriöse Kapitalanlage bezeichnet, hätte das mindestens in den ersten zwölf Jahren auch bei Amazon tun müssen. Bei Amazon wäre das ein kardinaler Fehler gewesen. Beim Bitcoin ist es das auch.
Abb. 2.2
Vergleich von Amazon und Bitcoin seit Börsenstart
Die Kurssteigerungen von Bitcoin sehen absolut und prozentual gigantisch aus. Zuletzt beeindruckte der Bullrun von 2020 bis 2021 das staunende Publikum. Auch die zwischenzeitliche Marktkapitalisierung von über einer Billion Dollar erschien vielen enorm. Das relativiert sich bei einem Vergleich mit anderen Assets.13 In der Abbildung 2.3 unten wird die Kapitalisierung der 100 größten börsennotierten Unternehmen weltweit mit rund 31 Billionen Dollar ausgewiesen. Auch die wertvollsten Unternehmen der Welt werden mit einem Vielfachen von Bitcoin bewertet. Die Geldmenge M3 in der Eurozone dient der EZB als zentrale Steuergröße und als Indikator zu Beurteilung der monetären Entwicklung. Sie belief sich auf 16 Billionen Euro. Selbst das Vermögen der beiden reichsten Menschen der Welt beträgt 26 bis 33 Prozent des Wertes von Bitcoin.
Abb. 2.3
Wertvergleich von Bitcoin (Stand März 2023)
Im Vergleich dazu erscheint die Kapitalisierung von Bitcoin gering. Das digitale Gold Bitcoin wird nur mit etwas mehr als vier Prozent der Gesamtkapitalisierung von Gold bewertet. Aufgrund der absoluten Begrenztheit von Bitcoin ist es eigentlich unvermeidlich, dass der Preis immer weiter steigt und sich auch das Verhältnis zu den anderen Assets zu seinen Gunsten verbessert. Ein Treiber dafür ist das durch den Inflationsschub neu erwachte Bewusstsein für die Entwertung des herkömmlichen Fiatgeldes wie Dollar oder Euro. Beim Bitcoin kann es nicht zu einer Inflationierung der Geldmenge kommen, sondern wegen seiner absoluten Limitierung nur zu einer Potenzierung des Wertes. Beim Fiatgeld ist es genau umgekehrt. Eine Potenzierung der Geldmenge geht auf Sicht einher mit einer Inflationierung des Geldwertes. Bleibt der weltweite Konsens bestehen oder verstärkt sich weiter, dass Bitcoin die vertrauenswürdigste und dezentralste Kryptowährung ist, hat der Bitcoin in diesem Jahrzehnt und darüber hinaus noch ein enormes Wertsteigerungspotenzial. Dafür spricht auch, dass allein schon wegen der demografischen Entwicklung die Tendenz zu einer Umverteilung der Vermögensanlagen in Zukunft stark steigen dürfte.14 Die neue Erbengeneration setzt tendenziell andere Anlageprioritäten und steht Anlagen in Kryptowährungen viel aufgeschlossener gegenüber als die Erblasser. Deshalb dürfte das aktuell noch verschwindende Gewicht von Bitcoin im Diagramm unten sukzessive zunehmen, sowohl absolut wie relativ.
Gold hat sich seit Jahrhunderten als Absicherung gegen alle möglichen Krisen etabliert. Der Bitcoin wird auch als digitales Gold bezeichnet. Er kann als Wertsicherungsinstrument aufgrund seiner kurzen Historie aber bei Weitem noch nicht das gleiche Vertrauen aufgebaut haben. Einige Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Gold und Bitcoin sind:
Gold kann als seltenes Metall nicht wie Fiatgeld plötzlich beliebig vermehrt werden. Beide Assets werden geschürft, das Gold analog und der Bitcoin digital. Beim Bitcoin ist die Gesamtmenge von vornherein limitiert auf 21 Millionen Stück. Beide funktionieren deshalb als
Wertaufbewahrungsspeicher
und können nicht wie Fiatgeld beliebig inflationiert werden. Beim Bitcoin ist diese Funktion aufgrund seiner absoluten Limitierung sogar noch besser erfüllt. Dagegen ist die Menge an Gold, die noch gefördert werden kann, letztlich nicht genau bekannt. Gold hat allerdings seine Werterhaltungsfunktion über Jahrhunderte und viele Krisen erwiesen. Bitcoin hat hier noch keine wirkliche Historie.
Die natürlichen Goldvorräte werden mit zunehmender Förderung immer mehr abnehmen. Wann und in welchem Umfang dieser Effekt eintritt, weiß man aber nicht. Dagegen ist beim Bitcoin klar, dass sich die zusätzliche Menge alle vier Jahre halbiert und der letzte Bitcoin um das Jahr 2140 geschürft werden wird. Durch diese
absolute Limitierung
ist der Bitcoin kalkulierbarer als Gold.
Gold ist wie der Bitcoin als
internationales Tauschmittel
verwendbar und der Handel nicht auf einen Staat begrenzt.
Der Bitcoin ist vollkommen
dezentralisiert
, über das Internet verifizierbar und nicht oder nur schwer zu konfiszieren. Dagegen gibt es beim Gold
Zentralisierungsrisiken
und es ist leicht zu konfiszieren.
Das Fälschen von Gold ist möglich. Die Reinheit muss aufwendig überprüft werden. Auch Regierungen könnten den Goldanteil der Münzen reduzieren, um mehr Münzen ausgeben zu können. Dieses Fälschen entspräche beim Bitcoin einer Double-Spending-Attacke. Bei dieser würden im Rahmen einer 51-Prozent-Attacke Bitcoin transferiert, die es überhaupt nicht gibt. Eine solche Attacke ist aber durch die hohe Sicherheit des Netzwerks so gut wie unmöglich. Der Bitcoin ist also
fälschungssicherer
.
Sowohl bei Gold wie beim Bitcoin sind
größere Anteile in den Händen weniger
. Beim Gold sind das vor allem die Zentralbanken, beim Bitcoin sind das die Bitcoin-Wale und Kryptobörsen.
Gold wie Bitcoin kann man
anonym
kaufen. Privatpersonen müssen beim Goldkauf unter 2.000 Euro keine persönlichen Daten hinterlassen.
Die
Übertragbarkeit
von Gold ist aufgrund seiner physischen Eigenschaften nicht so einfach. Bitcoin kann dagegen ohne Probleme schnell und kostengünstig verkauft oder übertragen werden.
In Bezug auf die
Handelbarkeit
hat sich in der Coronakrise 2020 gezeigt, dass der Bitcoin seine Vorteile als jederzeit handelbares Instrument ausspielen kann. Gold ist nur zu bestimmten Zeiten handelbar, der Bitcoin an allen Tagen rund um die Uhr (24/7).
Beim Bitcoin fallen im Gegensatz zum Gold keine
Lagerkosten
an.
Die
Teilbarkeit
beim Bitcoin ist besser, denn im Gegensatz zum Gold ist er leicht bis in sehr kleine Einheiten teilbar.
Als
Tauschmittel
ist der Bitcoin allein schon wegen der leichteren Übertragbarkeit dem Gold überlegen. Gold wird kaum noch als Zahlungsmittel verwendet.
Beim Bitcoin gilt wie beim Gold, dass
Besitz und Verfügungsgewalt
durch den Nutzer direkt gegeben sein sollte. „Not your Keys, not your Bitcoin“ kann man in Bezug auf Gold übersetzen in „Nicht dein physisches Gold, nicht dein Gold“. Als die Coronakrise im Februar und März 2020 ausbrach und hohe Wellen schlug, gab es Lieferengpässe beim physischen Gold und es mussten teilweise erhebliche Aufschläge bezahlt werden.
Gold hat einen hohen
intrinsischen Wert
. Dieser resultiert aus seiner Verwendung als Schmuck und in vielen industriellen Anwendungen. Beim Bitcoin gehen die Meinungen diesbezüglich auseinander. Allerdings kann ihm aufgrund der Herstellungskosten (Mining) und seiner Knappheit ebenfalls ein innerer Wert zugewiesen werden.
Gold hat mit rund 13 Billionen Dollar die rund 24-fache
Marktkapitalisierung
von Bitcoin (Stand März 2023).
Gern wird in Mondanalysen der Bitcoin-Preis mit der Marktkapitalisierung von Gold verglichen und unterstellt, dass der Bitcoin die gleiche Marktkapitalisierung wie Gold erreichen könnte.15 Dies würde dann einen Bitcoin-Preis um die 500.000 Dollar implizieren. Für den nächsten Bullenzyklus ist das unrealistisch. Bis Ende des Jahrzehnts sind solche Preise aber nicht völlig auszuschließen. In einer langfristigen Betrachtung könnte das anders aussehen. Dafür sprechen verschiedene Gründe. So wird nach dem Halving 2024 der Bitcoin den Härtegrad von Gold deutlich übersteigen und damit das härteste Geld der Welt werden. Außerdem hat seit 2022 die Inflation die westlichen Industrienationen und damit auch in Deutschland voll erwischt. Eine solche Entwicklung spielt dem Bitcoin stark in die Karten.
Und schließlich äußern sich seit dem Jahr 2020 auch viele Traditionalisten an der Wall Street dahingehend, dass der Bitcoin das Gold zumindest teilweise ablösen wird. Der Chefinvestor von BlackRock sieht den Bitcoin als ernsthaften Ersatz für Gold.16 Bei BlackRock handelt es sich immerhin um den weltgrößten Vermögensverwalter. Die Citibank bezeichnet Bitcoin als das neue Gold und nennt ein Kursziel von 318.000 Dollar. Auch andere Analysten (zum Beispiel von JPMorgan oder der Deutschen Bank) erwarten, dass der Bitcoin dem Gold den Rang abläuft. Nach einer Analyse von JPMorgan kam es seit Oktober 2020 vermehrt zu Mittelabflüssen aus Goldanlagen in den Bitcoin. So sind Milliarden an Dollar aus Gold-ETFs abgeflossen, während im gleichen Zeitraum Milliarden in den Grayscale Bitcoin Trust geflossen sind. Beide Instrumente werden bevorzugt von institutionellen Investoren genutzt. Interessant dabei ist die Überlegung, dass bei den Profi-Anlegern das Gold ein schon lange genutztes Asset ist, die Nutzung von Bitcoin durch diese Anleger dagegen noch in den Kinderschuhen steckt. Wenn nur ein Teil der Goldanlagen in den Bitcoin umgeschichtet würde, hätte das erhebliche Auswirkungen sowohl auf den Gold- wie auf den Bitcoin-Preis. Für die Gold-Bullen wären das keine guten Nachrichten, für die Bitcoin-Bullen schon.
Abb. 2.4
Entwicklung der Marktkapitalisierungen von Bitcoin und Gold in Billionen US-Dollar (Quelle: Incrementum AG)
Abbildung 2.4 zeigt die Entwicklung der Marktkapitalisierungen von Gold und Bitcoin. Die Relation hat insbesondere in den Jahren 2020 bis Mitte 2023 erheblich zugenommen. Ähnlich dürfte der Verlauf bei der nächsten großen Hausse von Bitcoin sein, die nach dem vierten Halving im April 2024 erwartet wird. Die Abbildung zeigt aber den immer noch bestehenden enormen Unterschied des Gesamtwertes von Gold im Vergleich zum Bitcoin. Allein unter diesem Aspekt kann dem Bitcoin noch erhebliches Potenzial attestiert werden.
Bis zur Einführung in El Salvador im September 2021 war der Bitcoin in keinem Land als gesetzliches Zahlungsmittel anerkannt. Von einem gesetzlichen Zahlungsmittel spricht man, wenn in einem bestimmten Land ein Zahlungsverpflichteter seine Geldschuld damit rechtswirksam tilgen kann. Von daher wurde die Einführung in El Salvador als so etwas wie ein Ritterschlag für den Bitcoin gesehen. Nachdem die Staatswährung Colon bereits seit 2001 de facto durch den US-Dollar ersetzt wurde, versucht sich das Land dadurch aus der Abhängigkeit vom US-Dollar zu befreien. Auch für andere – vor allem lateinamerikanische – Länder mit einer hohen Dollarabhängigkeit oder einer von großer Inflation bedrohten Heimatwährung könnte dieser Schritt eine Art Blaupause sein und nachgeahmt werden. In westlichen Ländern mit einer harten Währung ist eine derartige Entwicklung aber kaum zu erwarten. Allerdings steht es dort den Wirtschaftssubjekten frei, sich auf den Bitcoin als Mittel zur Zahlung und Schuldentilgung zu einigen.
Der Bitcoin mit seiner Anwendung als weltweit zugängliches Wertaufbewahrungsmittel und digitales Gold ist zwar nicht einzigartig. Grundsätzlich erfüllen auch Kryptowährungen wie Litecoin oder Bitcoin Cash dieselbe Funktion. Allerdings ist und bleibt der Bitcoin mit seinem Vorteil als First Mover das Maß aller Dinge. Dies zeigt schon ein Blick auf die Marktkapitalisierungen. Der Bitcoin hat im Vergleich zu den nächstplatzierten Coins mit dem gleichen Use Case ein Vielfaches an Wert. Gegenüber dem Zweitplatzierten und Drittplatzierten unter den Unpegged Payment Token (vergleiche Kapitel 5.4.1.1), Litecoin und Bitcoin Cash, hat der Bitcoin jeweils eine rund 160-fach höhere Kapitalisierung (Stand Januar 2024). Der Status von Bitcoin als digitale Weltleitwährung wird also erhalten bleiben. Dieser Status resultiert aus dem uneinholbaren Track Record von Bitcoin als älteste und sicherste Kryptowährung.
Eine Leitwährung ist die Währung eines Staates, der aufgrund seiner Wirtschaftskraft den Handel innerhalb eines Wirtschaftsraums dominiert und dort auch eine führende politische Rolle spielt. Sie fungiert dann als international wichtigste Transaktions-, Anlage- und Reservewährung in diesem Raum.17 Sie muss uneingeschränkt konvertierbar und global verfügbar sein und deshalb über offene und gut entwickelte Finanzmärkte verfügen. Die Leitwährung muss aufgrund der soliden Geld- und Finanzpolitik wertstabil sein. Im internationalen Handel in diesem Wirtschaftsraum ist die Leitwährung das primäre Zahlungsmittel, obwohl für die Waren und Dienstleistungen grundsätzlich auch die Zahlung in den Inlandswährungen der anderen Staaten dieses Wirtschaftsraums möglich wäre. Die wichtigste Weltleitwährung ist seit etwa 1920 der US-Dollar. Experten erwarten aber, dass die Stellung des Dollar in den nächsten Jahren und Jahrzehnten eher erodieren wird. Nachdem der Dollar vor rund 100 Jahren das Britische Pfund als Handelswährung Nummer 1 abgelöst und seither die Finanzmärkte dominiert hat, baut aktuell China den Status des Yuan als Leitwährung sukzessive aus. Dies erfolgt typisch chinesisch mit generalstabsmäßiger Planung. Auf dem Weg zur Leitwährung muss sie sich dazu zunächst im internationalen Güterhandel etablieren, danach auch im Kapitalverkehr und für Finanzgeschäfte.
Seit dem Jahr 1450 gab es sechs führende Weltleitwährungen. Dabei dominierten die Währungen von Portugal, Spanien, den Niederlanden, Frankreich, Großbritannien und aktuell den USA. Die Dominanz der jeweiligen Währungen dauerte zwischen 80 und 110 Jahren. Historisch gesehen würde der US-Dollar deshalb auf das Ende seiner Dominanz hinlaufen. Neben den Vorteilen als führende Weltleitwährung wie geringeres Wechselkursrisiko und Stärkung der Kaufkraft gibt es auch Nachteile. So führt die Entwicklung zu künstlich niedrigen Zinsen, weil das Ausland Kapital importiert. Dadurch wird die Gefahr von Asset Bubbles groß. Das Ende der Dominanz einer Leitwährung wurde dann meist durch Kriege oder große Krisen eingeleitet.
Fraglich ist, ob der Bitcoin die Fiat-Weltleitwährung Dollar ablösen kann. Solange er den starken Kursschwankungen wie in den vergangenen Jahren unterliegt, wird der Bitcoin als Weltleitwährung kaum fungieren können. Die Kursschwankungen dürften zwar im Zeitverlauf geringer werden, aber immer noch im Vergleich zu den herkömmlichen Währungen sehr groß sein. Erst recht wird eine Etablierung von Bitcoin als Weltwährung nicht stattfinden. Fiatwährungen wie Dollar oder Euro werden nicht durch den Bitcoin ersetzt werden. Die Nicht-Inflationierbarkeit würde eine geldpolitische Steuerung durch Regierungen und Zentralbanken unmöglich machen und Wirtschaftskrisen könnten sich dadurch verschärfen. Die Staaten werden ihr Währungsmonopol auch deshalb nicht aus der Hand geben. Trotzdem wird der Bitcoin auch ohne die offizielle staatliche Anerkennung faktisch seinen Status als digitale Weltreservewährung weiter ausbauen. Die Adoption von Bitcoin schreitet unablässig weiter voran und kennt keine Grenzen wie die Fiatwährungen.
Abb. 2.5
Geschichte der Weltleitwährungen (Quelle: Cryptocharlie, ergänzt mit Bitcoin)
Als Weltreservewährungen werden die von den Zentralbanken als Währungsreserven genutzten Währungen bezeichnet. Die weltweit wichtigsten Weltreservewährungen sind der US-Dollar mit einem Anteil von über 60 Prozent und der Euro mit rund 20 Prozent. Der Internationale Weltwährungsfonds IWF hat vor fünf Jahren neben dem Dollar, dem Euro, dem Britischen Pfund und dem Japanischen Yen den Chinesischen Yuan durch die Aufnahme in den Korb der Sonderziehungsrechte des IWF zur fünften Weltreservewährung geadelt. Denkbar wäre auf Sicht durchaus, dass sich auch der Bitcoin als Weltreservewährung etablieren könnte. So wurde bereits darüber spekuliert, dass die Zentralbanken Gold zumindest teilweise durch den Bitcoin ersetzen könnten.
Als Statusbeschreibung dürfte Bitcoin als führendes digitales weltweites und nicht-inflationierbares Wertaufbewahrungsmittel zutreffend sein. Die Staaten werden mit dem Monopol auf die Geldschöpfung die schuldenbasierte Staatsfinanzierung am Laufen halten und so zur Inflationierung ihrer Währungen beitragen. Gerade die Abwertung der Währungen macht diese Form der Finanzierung auf längere Sicht möglich. Denn bei einem abnehmenden Wert der Landeswährung reduziert sich auch der reale Wert der ausstehenden Schulden. Der Staat als die Regeln bestimmende zentrale Instanz hat als größter Gläubiger deshalb ein natürliches Interesse an einer Inflationierung. Der Bitcoin setzt dagegen als nicht-inflationierbare Währung einen völligen Kontrapunkt. Hier gibt es keine zentrale Instanz, die aus welchen Gründen auch immer die Zahl von maximal möglichen 21 Millionen Bitcoin erhöhen könnte.
