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Seit Samuel Twigger vor einigen Jahren in Pension gegangen war, genoss er seine Freiheit und ließ sich Zeit in allem, was er tat. Hier draußen, mehrere Meilen südlich der Ortschaft Balmoral, lebte er völlig zurückgezogen in seinem Häuschen und bekam oft tagelang keinen Menschen zu Gesicht. Twigger war ein Sonderling, ein Einzelgänger, der die Beschaulichkeit liebte und dem jede Hast und jeder Trubel ein Gräuel war.
Auch an diesem Morgen hatte er es nicht eilig, aus dem Bett zu kommen. Er lag seit einer Weile wach und blinzelte in die Sonnenstrahlen, die sich in das ebenerdige Zimmer verirrten.
Das Fenster stand offen, und im Garten war es völlig still - bis hörte Samuel Twigger plötzlich ein knackendes Geräusch hörte. Es klang, als wäre ein Ast abgebrochen.
Der Alte fuhr hoch, blickte lauschend zum Fenster ...
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Seitenzahl: 133
Veröffentlichungsjahr: 2020
Cover
Impressum
Raupen-Alarm
Vorschau
BASTEI LÜBBE AG
Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
© 2020 by Bastei Lübbe AG, Köln
Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: Rudolf Sieber-Lonati / BLITZ-Verlag
eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar (www.3wplusp.de)
ISBN 9-783-7517-0553-0
www.bastei.de
www.luebbe.de
www.lesejury.de
Raupen-Alarm
von Hal W. Leon
Seit Samuel Twigger vor einigen Jahren in Pension gegangen war, genoss er seine Freiheit und ließ sich Zeit in allem, was er tat. Hier draußen, mehrere Meilen südlich der Ortschaft Balmoral, lebte er völlig zurückgezogen in seinem Häuschen und bekam oft tagelang keinen Menschen zu Gesicht. Twigger war ein Sonderling, ein Einzelgänger, der die Beschaulichkeit liebte und dem jede Hast und jeder Trubel ein Gräuel war.
Auch an diesem Morgen hatte er es nicht eilig, aus dem Bett zu kommen. Er lag seit einer Weile wach und blinzelte in die Sonnenstrahlen, die sich in das ebenerdige Zimmer verirrten.
Das Fenster stand offen, und im Garten war es völlig still – bis Samuel Twigger plötzlich ein knackendes Geräusch hörte. Es klang, als wäre ein Ast abgebrochen.
Der Alte fuhr hoch, blickte lauschend zum Fenster ...
Was hatte das Knacken zu bedeuten? War jemand in den Garten eingedrungen, ein Dieb vielleicht?
Twigger war dafür bekannt, dass er prächtiges Obst züchtete. Außerdem zog er für den Eigenbedarf alle möglichen Arten von Gemüse. Es konnte leicht sein, dass ein Landstreicher oder ein paar Jugendliche sich auf seine Kosten daran gütlich taten.
Jetzt war nichts Verdächtiges mehr zu hören. Doch Twigger war misstrauisch geworden. Entschlossen, nachzusehen, stieg er aus dem Bett und trat an das Fenster.
Im nächsten Moment entfuhr ihm ein Ruf der Überraschung. Was der Mann draußen sah, erschien ihm so unglaubwürdig, so ungeheuerlich, dass er fast an seinem Verstand zweifelte. Grenzenloses Erstaunen breitete sich in seinem Faltengesicht aus.
Nicht menschliche Diebe waren in seinem Garten, sondern riesige Raupen. Armlange, schmutzig graue Raupen, die sich gierig über seine Gemüsebeete hergemacht hatten.
Ein Teil des Gartens war bereits kahlgefressen.
Und mit jeder Sekunde verschwanden noch mehr von Samuel Twiggers kostbaren Pflanzen. Das Heer der gefräßigen Raupen musste in die Hunderte gehen.
Auch die Beerensträucher waren mit Raupen übersät. Die Äste bogen sich unter ihrem Gewicht, und einige waren bereits abgebrochen. Das dabei entstandene Geräusch hatte Twigger alarmiert.
Fassungslos starrte der Alte auf das ekelhafte Gewürm. Er konnte sich nicht erklären, wo es hergekommen war, und dachte auch gar nicht darüber nach. Zorn packte ihn. So schnell er konnte lief er in die Küche, wo ein Telefon installiert war.
Kurz darauf hatte er eine Nummer gewählt. Am anderen Ende der Strippe meldete sich ein Bereitschaftsmann der Feuerwehr von Balmoral.
»Hallo, was ist los?«
»Eine Katastrophe!«, schrie Samuel Twigger. »Ein Heer riesiger Raupen ist über mein Grundstück hergefallen!«
»Raupen?«, fragte der Mann von der Feuerwehr verblüfft.
»Ja, Raupen! Sie sind mindestens einen halben Meter lang und dick wie ein Arm.«
Der Alte hörte in der Leitung ein komisches Schnaufen, ehe die Stimme wieder fragte: »Haben sie zufällig auch Vampirzähne und rote Augen?«
»Nein, aber sie sehen sehr gefährlich aus. Ihr müsst sofort kommen, sonst fressen mir die Biester alles ratzekahl.«
»Wir können Ihnen höchstens einen Krankenwagen schicken. Wer spricht überhaupt?«
Der Alte nannte seinen Namen und erkundigte sich: »Wozu einen Krankenwagen?«
»Um Sie ins Irrenhaus zu bringen. Sie sind offensichtlich nicht ganz bei Trost. Oder wollen Sie uns nur auf den Arm nehmen?«
»Aber die Geschichte ist doch wahr!«, rief Twigger erregt in das Telefon. »In meinem Garten wimmelt es von Raupen. Sie fressen schneller, als man zusehen kann. Einige Gemüsebeete sind schon leer und ...« Er wurde unterbrochen.
»Jetzt machen Sie aber einen Punkt, Sie alter Narr. Wir sind nicht dazu da, um uns verulken zu lassen. Wenn Sie uns noch mal mit solchem Unsinn belästigen, haben Sie eine Anzeige zu erwarten.«
»Aber ...«
In der Leitung klickte es. Der Bereitschaftsmann hatte aufgelegt.
Wütend warf Twigger den Hörer auf die Gabel. Man glaubte ihm nicht. Aber das war auch gar kein Wunder. Er hätte die Geschichte bis vor Kurzem auch nicht geglaubt, hätte ihm jemand von den riesigen Raupen erzählt.
Doch die Lage war ernst. Nein, seine Augen hatten ihn nicht getäuscht. Die grässliche Raupenbrut existierte wirklich und war im Begriff, seine ganze Ernte zu vernichten. Das erkannte er mit aller Deutlichkeit, als er abermals ins Freie sah.
Das unersättliche Heer hatte inzwischen sogar Verstärkung erhalten.
Die Raupen krochen durch die Lücken im Zaun und breiteten sich über den ganzen Garten aus. Sogar an den Obstbäumen hingen sie jetzt in dichten Trauben.
Und sie fraßen und fraßen. Blatt um Blatt und Frucht um Frucht verschwanden in den gierigen Raupenmäulern, hastig zerkaut von den primitiven Mundwerkzeugen.
Samuel Twigger bekam es zum ersten Mal mit der Angst zu tun. Was hier geschah, war ihm unheimlich. Er war fast schon geneigt, sich im Haus zu verschanzen und einfach abzuwarten. Wenn der Garten kahlgefressen war, würden die Raupen bestimmt weiterziehen.
Doch es widerstrebte ihm, untätig zuzusehen, wie sie alles auffraßen. Er konnte doch nicht zulassen, dass sie seine so sorgsam gehegten Kulturen restlos zerstörten. Wenn die Feuerwehr nicht bereit war, ihn gegen die Schädlinge zu unterstützen, musste er eben zur Selbsthilfe greifen.
Twigger kleidete sich eilig an und schlüpfte in seine Gummistiefel. Dann lief er entschlossen in den Garten hinaus.
Die Übermacht, der er sich hier gegenübersah, ließ ihn daran zweifeln, ob sein Bemühen Erfolg haben würde. Wohin er auch blickte, wimmelte es von dem Raupengezücht. Doch er musste zumindest den Versuch unternehmen, das scheußliche Gewürm abzuwehren.
Im Schuppen nebenan befand sich das Gartengerät. Twigger ging darauf zu, um einen Spaten zu holen.
Einige der Raupen versperrten ihm den Weg. Sie krochen ihm eilig vor die Füße, und als sie ihn erreichten, richteten sie sich auf. Es waren besonders große Exemplare, bedeckt mit warzenähnlichen Hautknoten, aus denen büschelweise fingerlange Brennhaare sprossen. An ihren Beinstummeln befanden sich kleine Saugnäpfe, mit denen sie sich an Twiggers Stiefel anklammern wollten.
Der Alte versetzte der ersten Raupe einen Tritt, dass sie zwei Meter weit durch die Luft flog. Die zweite zertrat er mit dem Stiefel. Sie zerplatzte unter seinem Gewicht, grünlicher Schleim quoll aus ihr hervor, und Twigger wurde bei diesem Anblick von Ekel gepackt. Fluchend trat er nach einer dritten Raupe. Doch er erwischte sie nur an ihrem hinteren Ende. Die Raupe schnellte herum und zuckte wild, bis ein weiterer Fußtritt sie zermalmte.
Keuchend riss Twigger die Schuppentür auf. Mit einem Spaten bewaffnet sprang er wieder ins Freie und stellte sich der Raupenbrut zum Kampf.
Er begann bei den Kohlrübenbeeten. Dort bildeten die Raupen eine graue, wabernde Masse, sodass fast kein Grün mehr zu sehen war. Von einer wilden Wut erfüllt, drosch er mit der Schmalseite des Spatens auf die Parasiten ein.
Jeder Hieb saß, jeder Hieb spaltete eine der haarigen Raupen in zwei Teile. Viele von ihnen endeten auch unter Twiggers Stiefeln. Der alte Mann wütete wie ein Berserker.
Bald war das Gemüsebeet mit zuckenden Leibern übersät. Keuchend watete Twigger durch den Raupenschleim zum nächsten Beet und setzte dort sein Vernichtungswerk fort.
Immer wieder sauste die scharfe Schneide des Spatens auf die Raupen herab. Twigger tötete Dutzende, vielleicht sogar Hunderte. Er zählte sie nicht.
Doch er merkte, dass er der Raupen trotz aller Anstrengungen nicht Herr wurde. Ganz im Gegenteil: Für jede, die er zertrat oder erschlug, kamen mindestens zwei neue durch den Zaun gekrochen und füllten die gelichteten Reihen im Nu wieder auf. Die schreckliche Invasion schien kein Ende nehmen zu wollen.
Ein Teil der neuen Eindringlinge kroch auf Obstbäume und Sträucher, die anderen verteilten sich auf die letzten noch nicht vernichteten Gemüsekulturen.
Auch jenes Beet, das Twigger erst vorhin von den Schädlingen gesäubert hatte, war bereits wieder bevölkert. Eine neue Raupenschar hatte sich dort breitgemacht und fraß nun, da von den Kohlrüben kaum noch etwas übrig war, gierig den Körperinhalt der zerstückelten Artgenossen auf.
Twigger sah ein, dass es wenig Sinn hatte, weiter auf das bereits fressende Gewürm einzuschlagen. Er musste sich auf jene Raupen konzentrieren, die frisch zugewandert kamen, und so verhindern, dass auch sie zu fressen begannen.
Während er mit dem Spaten wütend um sich schlug, bahnte sich der längst ins Schwitzen geratene Mann einen Weg zu jenem Zaunloch, durch das die unappetitlichen Maden in hellen Scharen gekrochen kamen. Gleich daneben stand ein Baum, dessen Geäst vor Raupen nur so strotzte.
Twigger stellte sich an den Zaun und hieb verbissen auf die durch das Loch quellenden Raupenleiber ein. Oft tötete er zwei oder drei Eindringlinge auf einen Schlag.
Zähflüssiger Brei umgab seine Stiefel und färbte sie grün. Auch der Zaun war mit der schleimigen Masse vollgespritzt. Der Spatenstiel war längst glitschig geworden.
Doch Twigger konnte den Ansturm der Raupen nicht nennenswert verringern. Das Loch hier war ja nicht die einzige Lücke im Zaun. Es gab auch noch andere Stellen, durch die das verderbenbringende Getier ungehindert eindringen konnte. Viele Raupen kletterten einfach über den Zaun.
Samuel Twigger hielt stöhnend inne und wischte sich mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn. Dabei blickte er im Garten umher, in dem das Chaos herrschte. Stellenweise war nur noch nackte Erde zu sehen, aus der abgefressene Strünke ragten.
Täuschte er sich, oder waren die Raupen in der Zwischenzeit wirklich ein Stück größer geworden? Twigger konnte es nicht genau sagen. Nur eines wusste er genau: dass er seine gesamte Ernte abschreiben konnte. Nein, da war nichts mehr zu retten.
Plötzlich fiel etwas auf seine Schulter. Es war eine fette Raupe, die sich von einem ausladenden Ast des in der Nähe stehenden Baumes gelöst haben musste. Sie ringelte sich um seinen Hals, und ihre stachelartigen Brennhaare drangen wie Nadeln in seine Haut.
Twigger schrie auf, als hätte er einen elektrischen Schlag erhalten. Ein glühender Schmerz durchzuckte ihn. Er ließ den Spaten fallen und griff nach seinem Nacken. Dabei bemerkte er zu seinem Entsetzen, dass er den Kopf nicht mehr bewegen konnte. Das ätzende Raupensekret hatte seinen Hals innerhalb einer Sekunde gelähmt.
Die Raupe war zu Boden gefallen, und der Alte lief wankend und von panischer Furcht gepackt seinem Häuschen zu.
Er kam nur wenige Schritte weit. Dann rutschte er im knöcheltiefen Raupenbrei aus und schlug der Länge nach hin.
Er konnte es nicht verhindern, dass seine Rechte im Stürzen mit den Nesselhaaren einer zerquetschten Raupe in Berührung kam. Die Raupe war schon tot, aber ihr furchtbares Sekret tat noch immer seine Wirkung.
Twigger schrie abermals auf, während neuerlicher Schmerz brennend wie Feuer seinen Arm durchjagte und ihn bis zur Schulter hinauf lähmte.
Der Mann versuchte noch, sich zu erheben, doch es gelang ihm nicht mehr, denn mehrere dicke Raupen krochen auf ihn. Twigger wollte sie mit der Linken abwehren, aber das hatte nur zur Folge, dass auch dieser Arm gelähmt wurde.
Die nadelspitzen Nesselhaare durchdrangen nun seine Kleidung und injizierten ihm das giftige Sekret in Beine und Leib. Bald konnte der alte Mann nur noch die Zunge bewegen. Er brüllte wie am Spieß.
Doch wenig später hörte er trotz seiner unerträglichen Schmerzen zu schreien auf. Es geschah in dem Moment, als eine haarige Riesenraupe über seinen Mund kroch.
†
Walt Jeffries saß vergnügt pfeifend hinter dem Steuer seines kleinen Lastkraftwagens und dachte zuversichtlich an den bevorstehenden Tag.
Er hatte frische Erdbeeren und Gemüse geladen, die er in Balmoral verkaufen wollte. Da die Erzeugnisse des Farmers nicht nur preisgünstig, sondern auch von erstklassiger Güte waren, fanden sie stets reißenden Absatz. Außerdem hatte Jeffries seine ständigen Kunden, die er auf Bestellung belieferte.
Die Straße war schmal, wies aber eine Asphaltdecke auf. An ihren Rändern wucherte Buschwerk. Ihr einziger Zweck war, dass sie die ländlichen Bewohner mit der nächsten Ortschaft verband. Deshalb wurde sie auch nur wenig befahren.
Trotzdem sah Jeffries im Rückspiegel jetzt ein anderes Auto. Es war ein alter Ford, dessen Fahrer es ziemlich eilig hatte. Er hupte den Lastwagenfahrer an.
Jeffries glaubte zu wissen, um wen es sich handelte. Es musste Mike Parker sein, der in Balmoral arbeitete und sich wohl wieder einmal verspätet hatte. Nun wollte er die verlorene Zeit wieder reinholen, indem er wie ein Irrer aufs Gaspedal stieg. Jeffries fuhr dicht an den Straßenrand, damit ihn Parker ohne Gefahr überholen konnte.
Der Bursche hupte zum Dank und winkte dem Farmer grüßend zu, während er mit unvermindertem Tempo an ihm vorbeiraste.
Verrückter Kerl, dachte Walt Jeffries, musste aber unwillkürlich lächeln. Er konnte Mike Parker verstehen. Wer eine so hübsche Frau hatte wie er, konnte morgens wirklich leicht verschlafen.
Bald verlor Jeffries den alten Ford aus den Augen.
Doch hinter der übernächsten Kurve bekam er ihn völlig unerwartet wieder zu Gesicht. Der PKW stand quer auf der Straße und hatte sich mit der Motorhaube in die Böschung gebohrt.
Das kommt davon, dachte der Farmer erschrocken. Hoffentlich ist Mike nichts passiert.
Wenig später machte Jeffries eine weitere Entdeckung. Die Fahrbahn war mit dunklen Raupen übersät. Mit Raupen, wie sie ihm in einer solch abnormen Größe nie zuvor begegnet waren.
Aber er sah sie zu spät. Zu spät wie Mike Parker, der viele von ihnen überfahren hatte, ehe er ins Schleudern geraten war. Unter den Autoreifen waren die Raupen ausgequetscht worden wie Zahnpastatuben, sodass die Straße grün schillerte, als hätte man sie mit Spinat übergossen.
Auch Walt Jeffries konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen. Er geriet auf der schleimigen Masse ebenfalls ins Schleudern, zermalmte dabei weitere Raupen und versuchte vergeblich, sein Fahrzeug wieder unter Kontrolle zu bekommen. Er schlitterte dahin wie auf Schmierseife. Kurz darauf krachte er gegen Mike Parkers Wagen und schob ihn noch ein Stück vor sich her, ehe sie beide endlich zum Stehen kamen.
Fluchend stieg der Farmer aus dem Führerhaus und besah sich die Bescherung. Er war zum Glück nicht verletzt.
Zu seiner Erleichterung bemerkte er, dass auch Mike Parker nichts abbekommen hatte. Doch sein Ford, dem der Bursche nun entstieg, war nur noch ein Wrack.
»Mensch, Walt, bin ich besoffen, oder sind das da wirklich lauter Raupen?«, rief Mike und schüttelte fassungslos den Kopf.
»Ja, es sind Raupen«, antwortete Jeffries. »Und was für welche.«
»Und ich dachte schon, ich hätte eine Halluzination.« Angewidert blickte Mike Parker auf das Heer der Raupen, das nun in breiter Formation die Straße überquerte, nur wenige Meter von ihm und Jeffries entfernt. »Wo kommen die wohl her?«
»Keine Ahnung. Ich glaube aber, dass ich solche Raupen in kleiner Ausgabe schon öfter auf meinen Feldern gesehen habe.«
»Es müssen Tausende sein, Walt. Und jede ist bestimmt so schwer wie ein Karnickel. Einfach unglaublich, was?«
Jeffries nickte und blickte kurz auf eine überfahrene Raupe, die in ausgequetschtem Zustand wie ein leerer Schlauch aussah. »Wir müssen etwas unternehmen, Mike.«
»Aber was?« Parker war von dem Unfall und seiner Ursache so geschockt, dass er keinen klaren Gedanken fassen konnte.
»Ich laufe zu Twiggers Haus und rufe Polizei und Feuerwehr an.«
»Ja, das ist gut. Wir brauchen auch den Abschleppdienst.«
»In Ordnung, Mike. Bleib du inzwischen hier und pass auf, dass sich die Raupen nicht auf meine Ladung stürzen. Sonst sind ein paar hundert Dollar futsch.«
Nach diesen Worten machte sich der Farmer auf den Weg.
Zu Twiggers Haus war es nicht weit. Trotzdem brauchte Jeffries die doppelte Zeit, die unter normalen Umständen nötig gewesen wäre. Immer wieder musste er ekelhaften Raupen ausweichen, die ihm scharenweise entgegenkamen.
Sie fraßen jetzt nicht, sondern wanderten. Das harte Gestrüpp am Wegrand sagte ihnen nicht zu.
Offensichtlich kamen sie von Twiggers Grundstück. Dass es tatsächlich so war, erkannte Walt Jeffries, als er das kleine Haus endlich erreichte. Er warf über den Zaun hinweg einen forschenden Blick in den vorderen Teil des Gartens.
Was sich hier seinen Augen bot, erfüllte ihn mit Bestürzung. Twiggers Garten war eine Wüste. Die Riesenraupen waren inzwischen abgezogen und hatten nur kahle Erde, harte Stängel und total abgefressene Sträucher zurückgelassen. Was sie an Pflanzen verschmäht hatten, war niedergewalzt und mit den Ausscheidungen der Raupen bedeckt.
»Hallo, Sam!«, rief der Farmer.
Er bekam keine Antwort. Auch als er seinen Ruf wiederholte, meldete sich niemand.
Von einer dumpfen Ahnung erfüllt, schob Walt Jeffries das Gartentor auf und betrat das Grundstück.
Wenig später fand er den alten Mann. Entsetzt prallte er bei seinem Anblick zurück.
