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Hafer, Hirse, Gerste, Weizen und Dinkel sind nicht nur wichtige Nahrungsmittel, sie haben auch zahlreiche gesundheitsfördernde und heilende Eigenschaften. Schon seit dem Altertum ist Vollwertgetreide daher ein bewährtes Hausmittel. Hafer hilft beispielsweise bei Magen-Darm-Beschwerden, Gerstenwasser innerlich und äußerlich bei Entzündungen, Weizentee bei Unruhe und Schlafstörungen. Hirse lindert Rheuma und wirkt gegen Haarausfall und eine Dinkelkur sorgt bei Migräne für Besserung. Wahre Lebenselixiere sind die grünen Säfte aus Getreidegräsern wie z.B. Weizengrassaft. Sie wirken u.a. entzündungshemmend, herz- und leberstärkend sowie zellregenerierend. Mit wertvollen Anwendungstipps und köstlichen Rezepten.
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Seitenzahl: 136
Veröffentlichungsjahr: 2013
Die Ratschläge in diesem Buch sind von Autorin und Verlag sorgfältig geprüft, dennoch kann keine Garantie übernommen werden. Jegliche Haftung der Autorin bzw. des Verlages und seiner Beauftragten für Gesundheitsschäden sowie Personen-, Sach- und Vermögensschäden ist ausgeschlossen.
Bitte beachten Sie, dass die Vorschläge in diesem Buch keinesfalls eine medizinische Beratung oder Behandlung durch einen Arzt oder Heilpraktiker ersetzen können!
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© für die Originalausgabe und das eBook:
2013 F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH, München.
Alle Rechte vorbehalten
Umschlaggestaltung: Wolfgang Heinzel
Coverphoto: shutterstock
Satz und eBook-Produktion: Buch-Werkstatt GmbH, Bad Aibling
www.Buch-Werkstatt.de
ISBN: 978-3-7766-8185-7
Inhalt
Vorwort
Einleitung – Getreide gestern und heute
Geschichtliches
Die Bedeutung von Getreide für die Welternährung heute
Wissenswertes und Kurioses zu Getreide
Getreide in Mythologie, Religion und Brauchtum
Getreide als Zahlungsmittel, Normgewicht und Längenmaß
Getreide-Steckbrief
Die Inhaltsstoffe und ihre Wirkungen
Die wichtigsten Inhaltsstoffe von Dinkel, Gerste, Hafer, Hirse und Weizen im Überblick
Bedeutung der wichtigsten Getreideinhaltsstoffe
Die Kraft des vollen Korns
Die positiven Wirkungen von Ballaststoffen auf die Gesundheit
Einkauf, Lagerung und Haltbarkeit von Getreide
Wie viel Getreide sollte unsere Ernährung enthalten?
Hafer – aufbauend und stoffwechselregulierend
Geschichtliches und Aktuelles
Botanik und Verwendung
Wissenswertes und Kurioses
Die Inhaltsstoffe und ihre Wirkungen
Positive Wirkungen auf die Gesundheit
Heilrezepte und Anwendungen
Haferschleimsuppe bei Magen- und Darmproblemen
Haferbrei (Porridge) für Magen, Darm, Leber, Galle, Nieren, Nerven
Haferschrotbrei (Hafergrütze)
Haferkleie oder Haferflocken bei erhöhtem Cholesterinspiegel
Haferkur für Diabetiker bei Diabetes und zum Abnehmen
Grüner Haferkrauttee zur Blutreinigung, Entsäuerung und Beruhigung
Haferstrohtee bei Blasen- und Nierenleiden sowie Nervenschwäche
Hafertinktur bei Schlaflosigkeit und Erschöpfung
Haferstrohbäder und -umschläge gegen Hautentzündungen, Rheuma, Gicht, Nervosität, Schlafstörungen und bei kalten Füßen
Haferkleiebäder bei Juckreiz (Ekzeme, Neurodermitis, Altersjuckreiz)
Hafermehlbad bei trockener und juckender Haut (z.B. Neurodermitis, Schuppenflechte, Ekzeme) und bei Sonnenbrand
Haferkrautumschläge bei Hauterkrankungen
Haferflocken-Packung für trockene und empfindliche Haut
Hirse – für schönes Haar und stabile Knochen
Geschichtliches und Aktuelles
Botanik und Verwendung
Wissenswertes und Kurioses
Die Inhaltsstoffe und ihre Wirkungen
Positive Wirkungen auf die Gesundheit
Heilrezepte und Anwendungen
Hirsebrei als Schonkost und Heilnahrung bei Allergien, Magen- und Darmerkrankungen, Kariesverhütung, Knochenstärkung, Übersäuerung
Hirsekuren für Augen, Haut, Haare, Nägel, Magen, Knochen
Hirsekapseln für Haut, Haare und Nägel, besonders bei Haarausfall
Hirse-Augenkissen bei überanstrengten Augen und Kopfschmerzen
Hirsespelzkissen bei Verspannungen, Nacken- und Rückenschmerzen
Gerste – pflegt die Schleimhaut und senkt den Cholesterinspiegel
Geschichtliches und Aktuelles
Botanik und Verwendung
Wissenswertes und Kurioses
Die Inhaltsstoffe und ihre Wirkungen
Positive Wirkungen auf die Gesundheit
Heilrezepte und Anwendungen
Gerstenschleim bei Magen-, Darm-, Nieren- und Blasenbeschwerden
Barley Water (Gerstenwasser) bei Erkältungskrankheiten, Magen- und Darmproblemen, Blasen- und Nierenentzündungen sowie als Frühjahrskur
Gerösteter Gerstentee (Mugicha) zur Kühlung und Fiebersenkung
Gerstenbad und -umschläge bei Hautentzündungen
Weizen – regeneriert die Zellen und stärkt das Herz
Geschichtliches und Aktuelles
Botanik und Verwendung
Die sechs Vertreter der Weizenfamilie
Wissenswertes und Kurioses
Die Inhaltsstoffe und ihre Wirkungen
Positive Wirkungen auf die Gesundheit
Dinkel– der Urweizen mit den besonderen Heilwirkungen
Heilrezepte und Anwendungen mit Weizen und Dinkel
Weizen- oder Dinkelgrassaft zur Immunstärkung, Zellregeneration, Entgiftung, Entzündungshemmung usw.
Weizenkeimöl (innerlich) bei Herzbeschwerden,hohemCholesterinspiegel, Augenerkrankungen (v. a. Grauer Star und Makuladegeneration)
Weizenkeimflocken zur Stoffwechselanregung, als Nerven- und Gehirnnahrung, für Herzschutz, Kräftigung und Immunstärkung
Weizenkleie bei Darmträgheit, hohem Cholesterinspiegel und Herz-Kreislauf-Beschwerden
Weizentee bei Unruhe, Herzklopfen und Schlafstörungen
Dinkelkur bei Migräne, Allergien und Darmproblemen
Dinkelschrotbrei für die Dinkelkur und zur Verdauungsförderung
Dinkelfastensuppe für die Dinkelkur oder bei Magen-Darm-Störungen
Hildegard von Bingens Dinkel-»Nervenkekse«für Energie und Heiterkeit
Kleiebäder und -umschläge bei unreiner, trockener, entzündeter Haut
Kleie-Packungen zur Hautreinigung und -pflege
Kleie-Peeling zur Klärung von fettiger und unreiner Haut
Reichhaltiges Körperpflegeöl für trockene Haut
Weizenkeimöl-Bad bei trockener Haut
Weizenkeimöl-Packung gegen Falten und trockene Haut
Weizenkeimöl pur bei Hautentzündungen und Hämorrhoiden
Körnerkissen zum Wärmen oder Kühlen bei Schmerzen, Prellungen
Getreiderohkost – die lebendige Kraft des vollen Korns
Die Heilkraft der Rohkost
Frischkornbrei– das rohe Müsli gegen Zivilisationskrankheiten
Frischkornbrei nach Kollath und Bruker
Frischkornmüsli nach Dr. Evers
Getreidekeimlinge– lebendiger geht’s nicht!
Inhaltsstoffe und positive Wirkungen auf die Gesundheit
Getreidekeimlinge ganz einfach selbst ziehen
Gesundheitsrezepte mit Keimlingen
Grassäfte– die grünen Lebenselixiere
Inhaltsstoffe und positive Wirkungen auf die Gesundheit
Grassäfte selbst herstellen– so geht’s
Gesundheitsrezepte mit Grassäften
Fermentiertes Getreide – durch hilfreiche Bakterien veredelt
Inhaltsstoffe und positive Wirkungen des (Kanne) Brottrunks auf die Gesundheit
Anwendung des Brottrunks
Krankheiten und Symptome, die sich mit Getreide und Grassäften positiv beeinflussen lassen
Allergien
Arterienverkalkung (Arteriosklerose)
Augenprobleme (Sehschwäche, Grauer und Grüner Star)
Bindegewebsschwäche (Cellulitis, Krampfadern)
Blasen- und Nierenentzündungen
Bluthochdruck
Blutarmut (Anämie)
Diabetes
Durchfall
Erkältungskrankheiten
Erschöpfungszustände, nervöse Erschöpfung
Gicht
Haarausfall
Hämorrhoiden
Hauterkrankungen
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Karies und Parodontose
Krebserkrankungen (vorbeugend)
Magen-Darm-Verstimmung
Magenschleimhautentzündung (Gastritis)
Migräne
Osteoporose (Knochenbrüchigkeit)
Rheumatische Erkrankungen (z. B. Arthritis und Arthrose)
Schlafstörungen
Übergewicht
Übersäuerung (Azidose)
Verspannungen (z. B. Nacken- oder Rückenschmerzen)
Verstopfung (Obstipation)
Rezepte mit Getreide
Inhaltsübersicht
Kleine Einführung in die Getreideküche
Die Rezepte im Einzelnen
Frühstück
Salate und Vorspeisen
Suppen und Soßen
Hauptspeisen und Beilagen
Süß- und Nachspeisen
Brot und Gebäck
Brotaufstriche
Über die Autorin
Bildquellen
Vorwort
»Lass die Nahrung deine Medizin sein und Medizin deine Nahrung!«
Hippokrates
Wussten Sie schon, dass Getreide nicht nur die wichtigste Nahrungsgrundlage für den größten Teil der Menschheit ist, sondern dass es außerdem auch vielfältige Heilwirkungen hat? Vollkorngetreide liefert fast alle Nährstoffe, die der Mensch benötigt, vor allem Kohlenhydrate, Eiweiß, Ballaststoffe, Vitamine, Mineralien und Spurenelemente. Die meisten Menschen denken bei Getreide vielleicht zuerst an frisches, knuspriges Brot, aber auch an das morgendliche Müsli, an leckere Kuchen und Kekse sowie an warme Getreidegerichte wie Nudeln, Pizza und Aufläufe. Doch dieses Buch hier wird Ihnen eine andere, vielleicht ein wenig überraschende Seite des Getreides zeigen: Denn Getreide ist nicht nur ein wichtiges Nahrungsmittel, sondern es hat auch ganz nebenbei noch viele gesundheitsfördernde und heilende Eigenschaften. Schon seit dem Altertum ist Getreide daher ein beliebtes Hausmittel. Bekannt sind zum Beispiel die Haferschleimsuppe bei Magen-Darm-Beschwerden, Reistage zur Entwässerung und Entschlackung sowie diverse Körnerkuren zur Stoffwechselentlastung und Entgiftung. Aber Getreide hat noch weitaus mehr heilsame Eigenschaften zu bieten. Es ist schon erstaunlich, was alles in den kleinen Körnern steckt, die wir täglich in irgendeiner Art und Weise zu uns nehmen– geradezu eine halbe Apotheke! Ganz besonders gesund sind übrigens auch die Rohkostvarianten des Getreides, die Getreidekeimlinge und die Getreidegrassäfte. Sie sind die »Super-Fitmacher« aus der Getreideapotheke, also ein richtiger Geheimtipp. Wie schon Hippokrates sagte: »Lass die Nahrung deine Medizin sein und Medizin deine Nahrung!« Warum sollten wir diese Weisheit nicht auch beim Getreide anwenden, zumal es ohnehin täglich auf unserem Speiseplan steht? Für diese Hausapotheke habe ich einige gesundheitlich besonders wertvolle Getreidesorten mit ausgesprochen vielseitigen innerlichen und äußerlichen Anwendungsmöglichkeiten ausgewählt:
Hafer ist als vitamin-, fett- und eiweißreichstes Getreide eine optimale Aufbaunahrung für Körper und Geist. Er ist die prominenteste und vielseitigste Heilpflanze unter den Getreidearten.Hirse wirkt als kieselsäurereichstes und basenbildendes Getreide entzündungshemmend, stärkt Knochen und Zähne, sorgt für schönes Haar und ist ideal für Allergiker.Gerste ist sehr mineralstoffreich und bekömmlich und wird in vielen Kulturen als Heilmittel eingesetzt, vor allem bei Magen- und Darmerkrankungen und zur Senkung des Cholesterinspiegels.Weizen ist das wichtigste Brotgetreide der Welt und besticht mit seinem angenehmen, milden Geschmack, den guten Backeigenschaften und dem wertvollen Keimöl. Die Urweizensorten Einkorn, Emmer, Kamut und vor allem der heilkräftige Dinkel sind ausgesprochen bekömmlich und besonders für Allergiker gut geeignet.Lassen Sie sich überraschen und inspirieren von den interessanten Informationen zu Wirkungen und Einsatzgebieten sowie geschichtlichem Hintergrund dieser Getreidesorten. Ich selbst bin beim Schreiben dieses Buches immer wieder von den heimlichen »Getreide-Talenten« und den spannenden historischen Überlieferungen begeistert worden. Fast alle hier aufgeführten Heilrezepte und Anwendungen sind schnell und einfach zuzubereiten, ebenso auch die meisten kulinarischen Rezepte. Unter ihnen finden sich übrigens viele leckere und interessante vegetarische, meist auch für Allergiker gut geeignete Rezepte, wie z.B. Emmerbrot, Haferknödel, Tabbouleh, Teffbrot und viele weitere.
Viel Freude beim Lesen und beim Ausprobieren der Rezepte wünscht Ihnen
Dank:
Für die wertvolle Beratung und Unterstützung bei der Arbeit an diesem Buch möchte ich mich besonders bei Angelika Engling, Britta Khoury, Kerstin Renner, Heilpraktiker und Dipl.-Psych. Hans-Jürgen Trosiener, Ulrike Wiedensohler sowie bei meinem Mann Roland Lüdtke und meinem Sohn Johannes ganz herzlich bedanken.
Einleitung – Getreide gestern und heute
Getreide ist seit der Jungsteinzeit wichtigstes Grundnahrungsmittel fast aller Völker der Erde und so ist es nicht verwunderlich, dass es schon seit dem Altertum in vielen Kulturen auch als Heilmittel eingesetzt wird. Zum Beispiel empfahl in China schon vor ca. 5000Jahren Kaiser Shen Nung die Verwendung von Keimlingen zur Heilung und Entgiftung. Im Papyrus Ebers (eine der ältesten medizinischen Papyrusaufzeichnungen) ist dokumentiert, dass im alten Ägypten vor ca. 3500Jahren verschiedene Zubereitungen von Getreidekörnern für viele Heilzwecke eingesetzt wurden. Die bei uns erst im 20.Jahrhundert bekannt gewordene Weizengrassafttherapie verwendeten schon die alten Mayas und Indianer als Heilmittel. Bedeutende Ärzte und Wissenschaftler im alten Griechenland und Rom, wie Hippokrates und Pythagoras, empfahlen eine einfache Kost aus Getreide, Früchten und Gemüse und setzten Zubereitungen aus Hafer und Gerste in der Volksmedizin ein. Vor ca. 200Jahren wurde ein getrockneter pulverisierter Extrakt aus Getreidekeimlingen erfolgreich gegen die tödliche Seefahrerkrankheit Skorbut verabreicht, auch der Seefahrer und Entdecker James Cook verwendete diese Medizin bei einer Weltumsegelung. Der Arzt Dr. med. Joseph Evers (1894 –1975) setzte Getreidekeimlinge und Vollkorngetreide im Rahmen einer speziellen Rohkostdiät ein, um erfolgreich Multiple Sklerose zu behandeln. Heutzutage hat die moderne Ernährungswissenschaft anhand vieler Studien die vorbeugende und heilende Kraft des Vollkorngetreides gegen verschiedene Zivilisationskrankheiten (wie z.B. zu hohe Blutfett- und Cholesterinwerte, Herz- und Kreislauferkrankungen, Diabetes) sowie für die Krebsprävention eindeutig nachgewiesen. Besonders Gerste, Hafer, Hirse und Vollweizen stehen an der Spitze der empfohlenen heilkräftigen Getreidesorten. Doch bevor es gleich mit den gesundheitlichen Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten der einzelnen Getreidesorten für unsere Gesundheit weitergeht, hier zunächst ein paar geschichtliche und aktuelle Hintergründe über die jahrtausendealte Beziehung zwischen Mensch und Getreide. Ich lade Sie daher nun auf einen kleinen Ausflug in die Geschichte ein– beginnend in der Jungsteinzeit.
Geschichtliches
Schon zur Zeit der Jäger und Sammler wussten die Menschen, dass die Körner bestimmter Gräser schmackhaft und bekömmlich waren. Sie sammelten damals vor allem frisch gekeimte bzw. unreife Samen von Wildgräsern und verzehrten sie roh, aber vermutlich auch schon geröstet oder zu einfachen Fladen verarbeitet und auf heißen Steinen getrocknet. Fladen sind übrigens weltweit auch heute noch die am weitesten verbreitete Zubereitungsart von Brot. Als die Menschen vor etwa 10 000Jahren begannen, sesshaft zu werden, versuchten sie erstmals, die Körner dieser Gräser in Siedlungsnähe auszusäen, um sich das tägliche mühsame Sammeln zu ersparen und Nahrung auf Vorrat zu haben. Der Getreideanbau wurde schnell immer erfolgreicher und war die Voraussetzung für einen äußerst wichtigen Schritt in der Menschheitsgeschichte: das Ende der Epoche der Jäger und Sammler und der Beginn des Zeitalters von Ackerbau und Viehzucht. Nach und nach wurden aus den Gräserwildformen durch viele Versuche die heute bekannten Getreidesorten gezüchtet. Gerste, Emmer und Einkorn waren die ersten Pflanzenarten, die vor etwa 11 000Jahren im Nahen Osten (das damalige Mesopotamien oder Zweistromland) erfolgreich angebaut wurden. Ungefähr gleichzeitig begann in Asien der Hirse- und etwas später der Reisanbau. Allmählich breiteten sich die Getreidearten nach Europa aus: In Mittel- und Westeuropa begannen die Menschen vor ungefähr 7500Jahren mit dem Anbau von Emmer (Urweizen), Einkorn, Gerste und Hirse, später auch von Hafer. Anfangs wurde das Getreide für den Verzehr nur grob zerkleinert und mit Wasser gemischt als Brei verzehrt oder auf heißen Steinen zu harten Fladen gebacken. Doch schon bald wurden die ersten Fladenbrote in Öfen gebacken. Zunächst bedeuteten die ungewohnt großen Mengen an Getreide für den Verdauungstrakt der Menschen eine große Umstellung. Er war es nicht gewohnt, größere Mengen Stärke zu verarbeiten, zumal die ersten Getreidespeisen durch die äußerst einfache Zubereitung viel schwerer verdaulich waren als heute. Es wird vermutet, dass sich die Menschen außerdem in dieser Zeit zu einseitig von dem neu entdeckten Getreide ernährten, denn sie litten an Mangelerscheinungen wie Blutarmut und Skorbut. Außerdem nahm mit dem Beginn der Getreideernährung auch die Kariesanfälligkeit der Zähne zu, da der Kohlenhydratanteil der Nahrung nun plötzlich viel höher war. Die Fladen enthielten häufig auch kleine Steinchen, wodurch die Zähne damals sehr stark abgenutzt wurden. Die Zahnprobleme nahmen jedoch erst größere Ausmaße an, als die Menschen vor etwa 100Jahren verstärkt begannen, Weißmehlprodukte und Zucker zu verzehren. Die Bekömmlichkeit der Getreidenahrung verbesserte sich recht bald, indem nach und nach immer bessere Zubereitungsarten entdeckt und erprobt wurden. Besonders die Entdeckung des Sauerteigs (ein durch Milchsäurebakterien und durch Hefen gegärter und gesäuerter Teig) war eine große Revolution auf diesem Gebiet, die Verdaulichkeit und Geschmack sehr verbesserte. Der Sauerteig wurde in Ägypten vor ungefähr 6000Jahren durch Zufall entdeckt, indem etwas Teig für die Fladenherstellung versehentlich liegen blieb und zu gären anfing. Der Teig wurde trotzdem gebacken und man stellte fest, dass dieser Fladen viel lockerer und schmackhafter war. Bis dahin gab es außer Getreidebrei, der übrigens noch heute vom größten Teil der Weltbevölkerung statt Brot gegessen wird, nur ungesäuerte Fladenbrote. Diese Fladen konnte man nur warm wirklich genießen, denn sie wurden nach dem Abkühlen steinhart. Das hatte aber durchaus auch Vorteile, denn so war das Brot lange haltbar und konnte gut transportiert werden. Später konnte es dann wieder zu einem essbaren Brei aufgeweicht werden. Allmählich fand die neue Brotbackkunst mit Sauerteig ihren Weg auch nach Europa, und zwar zuerst nach Rom. Die Tagesration der römischen Legionäre betrug damals übrigens fast ein Kilogramm Getreide in Form von Fladenbrot und Brei. Wenn einmal das Getreide nicht reichte und stattdessen Fleisch gegessen werden musste, wurde dies von den Soldaten als »Mangelkost« betrachtet. Die Soldaten hatten auf Feldzügen immer auch eine Getreidemühle dabei, um die Körner frisch zu mahlen. Bis zum Mittelalter wurde das Getreide beinahe zu jeder Mahlzeit frisch gemahlen. Nach und nach wurde die Getreidebearbeitung und Brotherstellung immer mehr technisiert und damit die Brotsorten vielfältiger (heute werden in Deutschland über 300verschiedene Brotsorten hergestellt!) sowie in großen Mengen verfügbar. Im Zuge der Industrialisierung begann ab dem 19.Jahrhundert eine immer stärkere Denaturierung des Getreides. Es wurden größere Mengen Mehl hergestellt, die transportiert und gelagert werden mussten. Man stellte fest, dass ausgemahlenes, helles Mehl viel länger haltbar ist als Vollkornmehl, das schon nach wenigen Monaten ranzig wird. Gleichzeitig wurde von der Bevölkerung Weißmehl als »modern und vornehm« eingestuft, Vollkornmehl dagegen als »minderwertig und für arme Leute«. Weißbrot wurde zum Prestige-Nahrungsmittel. Die damalige Ernährungswissenschaft erklärte zudem, dass die Kleie nur »überflüssiger, unnützer Ballast« sei. Heute wissen wir das natürlich besser, trotzdem wird immer noch der größte Teil unserer Getreideprodukte aus Auszugsmehlen hergestellt.
Die Bedeutung von Getreide für die Welternährung heute
Weltweit hat der Getreideanbau den größten Anteil an der landwirtschaftlichen Produktion, denn Getreide ist das wichtigste Nahrungsmittel für die Menschheit. Es hat sehr viele Vorteile: eine ausgewogene Nährstoffzusammensetzung, eine hohe Nährstoffdichte (d.h. auf kleinstem Raum ist eine große Menge an Nährstoffen versammelt), es ist sättigend, preiswert, gut lager- und transportfähig und meist gut verfügbar. Mindestens die Hälfte des Bedarfs an Energie aus Nahrung und an Eiweiß weltweit wird allein durch Getreide abgedeckt, denn es ist der wichtigste Kohlenhydrat- und ein bedeutender Proteinlieferant. Der größte Teil der weltweiten Ackerfläche (75%) wird für den Getreideanbau genutzt, aber etwa die Hälfte der Ernte wird als Futtermittel für Nutztiere verwendet. Da für die Herstellung von einem Kilogramm Fleisch durchschnittlich die zehnfache Menge Getreide oder Soja verbraucht wird (7 –16kg), ist dies eigentlich eine Nahrungsmittelverschwendung. Um z.B. ein Kilogramm Rindfleisch zu erzeugen, müssen rund 16Kilogramm Getreide eingesetzt werden. Aus dieser Getreidemenge könnten mindestens 20Brote gebacken werden, von denen weitaus mehr Menschen satt werden würden als von einem Kilo Fleisch. Bei der »Umwandlung« von Getreide in Fleisch geht somit wertvolle Nahrungsenergie verloren. Der Getreideverbrauch durch die Massentierhaltung wächst weltweit zurzeit fast doppelt so schnell wie der Getreideverbrauch für die direkte menschliche Ernährung, da der Fleisch- und Milchverbrauch ständig steigt. Gleichzeitig hungern eine Milliarde Menschen auf der Erde. Doch schon jetzt kann die Nahrungsmittelproduktion kaum weiter gesteigert werden, u.a. weil bereits die landwirtschaftlichen Flächen, der fruchtbare Boden und das Trinkwasser knapp werden. Besonders zur Erzeugung tierischer Lebensmittel wird extrem viel landwirtschaftliche Fläche, Trinkwasser und Energie benötigt. Zudem ist die Herstellung von Biosprit aus Getreide eine unverantwortliche Verschwendung unseres wichtigsten Nahrungsmittels.
Buchtipps dazu: J.G. Schnitzer: Gesundheit, Getreide, Welternährung; W.Hirn: Der Kampf ums Brot; R. Dahlke: Peace Food
2 Schon früh lernten die Menschen, aus Getreide Brot zu backen.
Der Welthunger könnte besiegt werden, würden alle pflanzlichen Nahrungsmittel direkt für die menschliche Ernährung eingesetzt, ohne die Nahrungskette weiter über das Tier zu verlängern. Würde weltweit z.B. nur 10
