Gesunde Ernährung – Das Nova-System in der Praxis - Alexander Weidmann - E-Book

Gesunde Ernährung – Das Nova-System in der Praxis E-Book

Alexander Weidmann

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Beschreibung

In diesem Buch wird der Schlüssel zu einer gesunden, naturnahen und ausgewogenen Ernährung preisgegeben. Nein, hier geht es nicht um Diäten oder bestimmte Ernährungsformen, sondern primär um das einzigartige NOVA-Konzept, welches in der Praxis angewendet wird. Das bewährte NOVA-Konzept ermöglicht dir eine gesunde Ernährung mit qualitativ hochwertigen Lebensmitteln und schont gleichzeitig euren Geldbeutel und die Umwelt. Bei diesem einzigartigen Ernährungskonzept, das im Einklang mit den neuesten Erkenntnissen der Lebensmittelforschung steht, werden Lebensmittel je nach dem Verarbeitungsgrad in drei Kategorien eingeteilt: frische Lebensmittel, leicht verarbeitete Zutaten und verarbeitete Lebensmittel. Außerdem werden weitere Tipps für eine gesunde und günstige Ernährung gegeben und es wird dem Nutri-Score auf den Grund gegangen. Zusätzlich findet ihr effektive Tipps zum bewussten Verzehr von Süßigkeiten und wie es gelingt, Kinder nicht auf Süßes zu konditionieren, um so den negativen Folgen eines übermäßigen Zuckerkonsums vorzubeugen. Gesunde Ernährung, die dabei hilft, bares Geld zu sparen und gleichzeitig die Lebensqualität erhöht, ist möglich und dieses einzigartige Buch zeigt, wie!

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Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhaltsverzeichnis

Warum wir dich inspirieren wollen

Wer wir sind und warum wir dieses Buch geschrieben haben

Wenn das Krankenhausessen krank macht ...

So viel Wissen, so wenig Umsetzung

Die NOVA-Klassifikation

Das NOVA-Konzept ganz praktisch

In der Praxis angepasst: von NOVA zu VAS

Kaufst du noch, oder kochst du schon?

Die Basis für den Einkauf: das Haushaltsbuch

So viel sparen wir – Beispiel Brot

Tabelle der anteiligen Lebensmittelausgaben nach Kategorien und Einsparungen

Einkäufe planen

Wie genau planen wir?

Backe, backe Kuchen – und Brot!

Kuchen und Kekse statt Schokolade

Backzutat Mehl

Backzutat Zucker

Getränke – Wasser ist Leben

Erfrischungsgetränke

Wasser, Tee und Kaffee

Saft

Milch

Gärtnern – kübelweise Gemüse

Urban Gardening und Co.

Kinderernährung – Was bekommen die Kleinen für einen gesunden Start ins Leben?

Im Mutterleib

Die ersten 1.000 Tage sind prägend

Werbung und Sponsoring – so werden schon die Kleinen zu eifrigen Konsumenten

Schulmarketing – ein riesiges Geschäft

Der Nutri-Score – oder: Wie ein zuckerhaltiger Kinderjoghurt als gesund verkauft wird

So funktioniert der Nutri-Score

Die problematische Berechnung des Nährwerts

Beispielrechnungen – guter Nutri-Score, schlechter NOVA-Score

Die Geschichte des Nutri-Score

Trägt der Nutri-Score wirklich zu einer gesünderen Ernährung bei?

Was ist eigentlich „die Lebensmittelindustrie“?

Ursprünge der Lebensmittelindustrie in Deutschland und Europa

Als die Technik in die Küchen kam

Die Lebensmittelindustrie heute

Aromenindustrie – oder: Geschmack aus dem Labor

Zusatzstoffe und Hilfsstoffe: Rieselhilfen & Co.

Nahrungsergänzungsmittel

Zucker und Zuckeraustauschstoffe

Warum steckt in so vielen Produkten überhaupt Zucker?

Was ist an Zucker so ungesund?

Dann essen wir doch einfach Zuckerersatzstoffe!

Rückrufe, Skandale etc.

Die Vorteile einer naturnahen Ernährung

Konzepte über Konzepte – welche Ernährungsweise ist die richtige?

Ernährungskonzepte allgemein

Vollwerternährung

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)

Clean Eating

Rohkost

Intuitive Ernährung

Paleo-/Steinzeiternährung

Nahrungsergänzungsmittel

Vegetarismus/Veganismus

„Frei von“ – glutenfrei, laktosefrei, weizenfrei, zuckerfrei etc.

Reduktionskost

„FDH – Friss die Hälfte“

Low Fat

Atkins-Diät/Low Carb/Ketogene Diät

WW (ehemals Weight Watchers)

Fasten und Heilfasten

Intervallfasten

Trennkost und Säure-Basen-Haushalt

Konzept Zusammenfassung

Die Essenz aus allen Ernährungsempfehlungen

Unsere Top 8 der gesunden Lebensmittel:

Äpfel

Beeren

Nüsse

Gemüse, jeglicher Art – möglichst als Rohkost

Hafer

Naturjoghurt

Öle

Samen und Kerne

Weitere Tipps rund um die gesunde Ernährung

Regionales

Milch

Kartoffeln

Mehl

Mühle

Hühnerhof

Landschlachterei Hanke

Wochenmärkte und „Marktschwärmereien“

Die politische und gesellschaftliche Dimension von Ernährung

Gesundheit

Diabetes

Wie steht es um die Ernährungskompetenz?

Eine Strategie gegen Zucker, Fette und Salz?

Verbände sparen nicht mit Kritik

Reformulierung im Fokus der Forschung

Prävention und Information

Politik, Erzeuger, Hersteller, Handel, Verbraucher – wer hat die Macht?

Lobbyisten im Ernährungsministerium

Wird gesunde Ernährung zum Luxusgut?

Schluss mit unfairen Handelspraktiken

Rezepte und Coupons

Backrezepte

Rezepte

Anstellgut/Sauerteig (Grundrezept)

Roggenmischbrot (Grundrezept)

Haferkekse

Coupons

Coupons/Supports – Back mal! | VikAlex®

Coupons/Supports – Vanillekiste | VikAlex®

Nachwort

Quellenverzeichnis

Warum wir dich inspirieren wollen

Wer wir sind und warum wir dieses Buch geschrieben haben

Hinter diesem Buch und der Webpage VikAlex® stehen ich, Alex, und meine Frau Viki. Wir sind zwei ganz normale Menschen, und wie wohl alle streben auch wir danach, ein glückliches Leben zu führen. Glücklich macht es uns zum Beispiel, lecker zu essen und beim Thema Ernährung auch an andere und anderes zu denken.

Der Weg zu gesundem Genuss und einem guten Leben war lang, besonders für mich. In jungen Jahren habe ich mir nämlich wenig Gedanken darüber gemacht, wie richtiges Kochen geht. Und das, obwohl mich das Thema Ernährung wegen meiner Begeisterung für Sport und wegen ein paar überflüssiger Kilos, die ich jahrelang mit mir herumschleppte schon länger begleitet.

Wie gut, dass ich Viki kennengelernt habe! Im Jahr 2005 begegneten wir uns in einer norddeutschen Großstadt – passenderweise in der Lebensmittelabteilung. Damals arbeitete Viki in einem Discounter, in dem ich täglich einkaufen ging. Damals war ich noch im Handwerk tätig, und meine Begeisterung für den Rad- und Laufsport inspirierte mich dazu, auch meine Ernährung gesünder zu gestalten. Auch wenn ich damals noch nicht wirklich konsequent war, gehörte zumindest meine tägliche Paprika zu meiner Ernährung auf der Baustelle. Doch wenn ich am Abend nach getaner Arbeit in eben jenen Discounter ging, war die Auswahl an Gemüse nicht selten ziemlich dünn. Also bestellte ich bei Viki jeden Tag eine besonders schöne Paprika, die sie dann für mich zurücklegte. So fing unsere Geschichte an.

Später zogen wir zusammen in eine ländliche Kleinstadt. Und dort leben wir bis heute. Zusammen mit unseren beiden Söhnen Ben und Luke. Viki ist eher der praktische Typ und liebt es, mit Kindern (nicht nur mit unseren!) Zeit zu verbringen. Sei es beim gemeinsamen Kochen oder sonst wie in der Küche Rumwerkeln oder draußen – sie ist unglaublich gut darin, mit Kindern aktiv zu sein, und kann das auch perfekt organisieren. Ich bin ich als Controller theoretischer veranlagt: Im Team VikAlex® bin ich der Analyst und kann mich für ZDF (Zahlen, Daten, Fakten) richtig begeistern, und außerdem bin ich normalerweise der Familienbäcker.

Zusammen gestalten wir nun seit einigen Jahren unser Leben und entwickeln uns gemeinsam weiter. Und dazu gehört, dass wir uns auf die Suche nach dem gesunden Genuss und dem guten Leben gemacht haben.

Es ist also kein Wunder, dass wir uns zu zweit auf die Reise begeben haben, um unsere Big Five for Life (BFFL) zu finden. Diesen Begriff hat der Autor und Abenteurer John Strelecky in seinen Büchern (u. a. „Das Café am Rande der Welt“) geprägt. Kurz gesagt sind die BFFL unsere Herzenswünsche, die übergeordneten Ziele, nach denen wir unser tägliches Handeln ausrichten. Die meisten Menschen träumen davon, einmal im Leben in irgendeiner Form Erfüllung und so Klarheit und Inspiration zu finden. Doch leider verschieben viele ihre Träume „auf später“, etwa ins Rentenalter, statt schon hier und jetzt die Dinge zu tun, die sie glücklich machen. Ein großer Fehler, finden wir, denn wer weiß schon, was die Zukunft für einen bereithält?

An dieser Stelle möchte ich dir zwei meiner BFFL vorstellen, die direkt mit diesem Buch zusammenhängen:

- Ich optimiere Prozesse und reduziere Verschwendung.

- Ich helfe anderen Menschen und freue mich über Wachstum.

Eine weitere Lebensgrundlage ist unsere Ernährungsweise. Das Thema Ernährung ist mir schon seit Langem wichtig – zunächst aus schierer Finanznot (als Handwerkslehrling musste ich mit 400 Euro im Monat auskommen!). Schon als Lehrling war mir die Erkenntnis gekommen: Der selbst gemachte Schinken-Nudelauflauf mit echter Sahne und echtem Schinken ist günstiger als das Produkt zum Anrühren aus dem Tütchen. Und schmeckt auch noch um Längen besser!

Und: Obwohl ich schon immer sportlich war und auf dem Rad und beim Laufen jährlich bis zu 1.000 Kilometer zurücklegte (jeweils, wohlgemerkt!), hatte ich ein paar Kilos zu viel auf den Hüften, die einfach nicht weggehen wollten, sondern sich Jahr um Jahr vermehrten.

Also habe ich mich über längere Zeit immer mal wieder mit diversen Diäten und Ernährungsformen beschäftigt. Nichts wirkte dauerhaft: Die Kilos kamen wieder oder wollten gar nicht erst gehen. Auf das ständige Kalorienzählen hatte ich auch irgendwann keine Lust mehr – kein Wunder, da diese Praxis einfach nur aufwendig war und dabei keinen dauerhaften Effekt hatte.

Also suchte ich weiter nach der entscheidenden Information, die mir weiterhelfen konnte. Und fand sie schließlich: zum einen in dem Buch „Die Suppe lügt!“1 des Journalisten Hans-Ulrich Grimm; zum anderen in einem Ernährungskonzept, das in Brasilien von Carlos Monteiro, Arzt und Professor für Gesundheit an der Universität von São Paulo, und seinem Team entwickelt wurde und dort inzwischen sogar als Grundlage für die nationalen Verzehrempfehlungen verwendet wird: die NOVA-Klassifikation.

Beides zusammen plus meine vorherigen Erkenntnisse ergaben schließlich das Ernährungskonzept, die meine Familie und ich inzwischen seit etwa zwei Jahren umsetzen.

Das NOVA-Konzept hat uns zunächst überzeugt, weil es gleichzeitig einfach, gesund, günstig und naturnah ist. Daraufhin haben wir vieles ausprobiert und nach und nach unsere Ernährung nach NOVA ausgerichtet, wobei wir an einigen Stellen das aus Brasilien stammende Konzept an die deutschen Gegebenheiten und unser ganz individuelles Verständnis von einer gesunden Ernährung angepasst haben. Daraus ist dann unser eigenes System hervorgegangen: VAS, der VikAlex®-Score. Damit teilen wir Lebensmittel in drei Kategorien ein, die sich in ihrem Verarbeitungsgrad und damit ihren Eigenschaften unterscheiden – also ähnlich dem NOVA-Konzept, das die Basis unseres Konzepts die Basis bildet.

Inzwischen schöpfen wir aus einem großen Repertoire an eigenen Back- und Kochrezepten für einfache und schnell gemachte Gerichte sowie Brot, Brötchen, Kekse und Kuchen.

Die Ergebnisse, die wir mit unserer neuen Ernährungsweise in Sachen Gesundheit, Genuss und darüber hinaus erhalten haben, sind wirklich erstaunlich. Um nur zwei Beispiele zu nennen: Neben der nicht ganz unbedeutenden Tatsache, dass ich unbeabsichtigt und nebenher die zehn ungewollten und weitere fünf Kilos verloren habe, die ich schon lange loswerden wollte, sparen wir inzwischen jeden Monat bei unseren Lebensmitteleinkäufen: Durchschnittlich 135 Euro weniger pro Monat gaben wir im ersten Jahr aus; und das, obwohl wir auf qualitativ höherwertige Produkte setzen!

Das können wir deshalb so genau sagen, weil ich alles in unserem Haushaltsbuch festhalte. Glücklicherweise habe ich heute ein Einkommen, bei dem ich nicht mehr jeden Cent zweimal umdrehe. Dennoch – es mag auch an meiner Leidenschaft für Zahlen liegen – stelle ich weiterhin gerne Vergleiche an: Was ist wohl günstiger? Das Fertigprodukt oder das selbstgekochte? Die Tiefkühlpizza oder die selbstgemachte? Die Tütensuppe oder die selbstgekochte aus den Zutaten, die gerade da sind? Und siehe da: Die naturnahe und damit gesündere Variante gewinnt fast immer!

Gleichzeitig sehen wir inzwischen vieles mit kritischen Augen, was uns die Politik und die Ernährungsindustrie im wahrsten Sinne des Wortes auftischen. Wer weiß, worauf es bei der gesunden Ernährung ankommt, braucht weder „reformulierte“ Lebensmittel2 noch eine Kennzeichnung wie den Nutri-Score, bei der vor allem die lebensmittelrechtlich zwingenden Nährstoffangaben zählen und gegeneinander aufgerechnet werden: Damit ist noch lange nichts über die Qualität und Gesundheit eines Produkts gesagt!

Mittlerweile ist für uns VAS bzw. NOVA mehr als nur eine Ernährungsweise – das Konzept hat unser Leben in so vielen Punkten positiv verändert, dass es zu unserer Lebensart geworden ist.

Es macht uns einfach Freude, Neues auszuprobieren. Schon der sechsjährige Ben schnippelt mit Begeisterung Gemüse und rührt die Suppe – ganz von sich aus und ohne dass wir ihn dazu motivieren müssen. Wir alle sind buchstäblich auf den Geschmack gekommen: den Geschmack von „richtigem“ Essen. Seitdem wir die NOVA-Klassifikation entdeckt haben und damit experimentieren, haben wir so viel an Lebensqualität gewonnen.

Natürlich sind wir keine Supermenschen, die immer alles richtig machen und unser Ernährungskonzept immer hundertprozentig umsetzen. Kleine „Sünden“ wie die Cola, oder auch mal ein Eis oder Kartoffelchips etc. erlauben auch wir uns gelegentlich. Es geht um die Intensität, also darum, wie oft und wie viel du davon konsumierst – und nicht darum, sich etwas strikt zu verbieten.

In diesem Buch fließen alle positiven Einflüsse zusammen: Meine Begeisterung für ZDF (du erinnerst dich: Zahlen, Daten, Fakten), unsere BFFL, die Erfahrungen und Erkenntnisse aus NOVA – und nicht zuletzt auch der bessere Umgang mit uns und unserer Umwelt. Ebenso wichtig ist es uns, unseren Söhnen die Freude am Kochen und vor allem die Wertschätzung für richtige, gesunde Lebensmittel vorzuleben. Und ihnen zu zeigen, woher unser Mehl, unsere Kartoffeln und einiges anderes kommen – nämlich nicht aus dem Supermarkt. Ben ist beim Kochen und Einkaufen mit großer Freude dabei und hat schon im zarten Alter von fünf Jahren viele Zusammenhänge rund um die Ernährung verstanden.

Gesund und mit qualitativ hochwertigen Lebensmitteln zu backen und zu kochen, dabei bestenfalls noch die Kosten zu reduzieren und die Umwelt zu schonen, ist gar nicht so schwer. Dafür braucht es nicht mal komplizierte Konzepte oder gar Diäten und Verzicht. Nur Neugierde und ein wenig Durchhaltevermögen. Die Belohnung: gesundes Essen, das allen schmeckt!

Wir wissen, dass es erst mal aufwendig ist, den Weg dorthin zu finden – und genau da setzt dieses Grundlagenbuch an. Gleichzeitig ist es die Basis für die Back- und Kochbücher von VikAlex®.

Wir wollen unsere Begeisterung und Erfahrungen nicht für uns behalten, sondern dich dazu inspirieren, dich auch auf den Weg zu machen – hin zu gesunder und naturnaher Ernährung. Du wirst sehen: Wenn die ersten Schritte getan sind, wird es immer leichter. Mit vielen Tipps aus der Praxis, die wir auf unserem eigenen Weg gewonnen haben, soll dieses Buch dich auf deinem Weg unterstützen.

Eine andere Ernährung lohnt sich – für alle und alles: für dich, insbesondere dein Wohlbefinden und deinen Geldbeutel, deine Familie, deine Region und den ganzen Planeten!

Webpage mit vielen weiteren Tipps: https://vikalex.life

Instagram: @vikalex.life

Wenn das Krankenhausessen krank macht ...

Unser kleiner Luke, gerade zehn Stunden alt, schlummert satt und friedlich in seinem Krankenhausbettchen. Er hat schon das Beste bekommen, was die Natur zu bieten hat: Muttermilch. Jetzt sind Viki und ich dran. Ich studiere den Speiseplan. Hühnerfrikassee bietet die Krankenhausküche heute. Viele kleine Nummern „bereichern“ das Angebot – das sind die Zusatzstoffe, die gesetzlich anzugeben sind.3 Hmmm, warum das Hühnerfrikassee wohl mit Süßstoff versetzt ist?

Zum Essen machen wir es uns so gemütlich wie möglich im kleinen Familienzimmer des Krankenhauses, das von den beiden zusammengeschobenen Betten fast vollständig ausgefüllt wird, und unsere Mägen knurren schon, als uns die Pflegerin endlich die Tabletts mit dem Essen auf den Tisch stellt.

„Guten Appetit!“, wünschen wir uns noch – was beim Anblick dieses Essens gar nicht so einfach ist. Ein paar Bröckchen in jeder Menge hellbrauner Soße, dazu Reis. So wenig appetitlich sieht das aus, dass wir trotz unseres Hungers darauf verzichten. Außerdem: Wenn sowieso alles gesüßt ist, nehmen wir lieber gleich den Nachtisch – Mandarinenkompott, ebenfalls mit Süßstoff.

Schon kurz nach dem nicht sehr großen Dessertgenuss verspüre ich ein deutliches Magendrücken. Ich fühle mich platt und energielos und könnte jetzt, da ich sowieso schon im Bett liege, sofort einschlafen. „Wie geht es dir?“, frage ich meine Frau, die das „Mahl“ gerade beendet hat. „Nicht so besonders“, antwortet Viki mit ernstem Gesicht. Auch bei ihr setzen die Magenschmerzen ein. In einigen Kliniken gibt es die sogenannten Wahlleistungen – die Möglichkeit, gegen einen Aufpreis gesundes bzw. gesünderes Essen statt des Standardessens zu bekommen. Die Frage, warum ausgerechnet im Krankenhaus, wo es in erster Linie um die Gesundheit geht, gesundes Essen mit Zusatzkosten verbunden ist, lasse ich mal so im Raum stehen.

Die Verdauung ist der letzte Teil der Nahrungsaufnahme. Sie funktioniert am besten, wenn sie möglichst unbehelligt von künstlichen Stoffen ihre Arbeit tun kann. Wer auf natürliche Art und Weise ein Kind zur Welt gebracht hat, weiß, wie wichtig ein gut funktionierendes Verdauungssystem ist. Der Unterleib ist schon durch Schwangerschaft und Geburt stark beansprucht – wenn dann noch Magenschmerzen und/oder Verstopfung dazukommen, trägt das nicht gerade zur wichtigen Erholung bei. Leider haben wir festgestellt, dass das Essen im Krankenhaus uns beiden nicht gutgetan hat. Verstopfung kann zwar auch durch das lange Liegen im Krankenhaus begünstigt werden. Doch wäre es dann nicht umso wichtiger, dass Nahrung serviert wird, die die Verdauungsorgane nicht durch die vielen künstlichen Süß- und Zusatzstoffe zusätzlich reizt?

Wir sind froh, als wir nach fast drei Tagen das Krankenhaus verlassen können. Einmal natürlich, weil unser damals fünfjähriger Sohn Ben zu Hause auf uns und sein Brüderchen wartet. Und dann, weil wir endlich wieder das tun können, was wir seit gut einem Jahr mit steigender Begeisterung tun: frisch backen und kochen! Echter Genuss von echten Lebensmitteln – es gibt nichts Besseres. Und das erfahren wir, sprichwörtlich, am eigenen Leibe. Nach einem Tag zu Hause, an dem es frische Erdbeeren und selbstgebackenes Brot gibt, sind Magenschmerzen und Verstopfung genauso schnell verschwunden, wie sie gekommen sind.

Immerhin hat uns diese Episode im Krankenhaus gezeigt: Unsere Körper sind inzwischen so an richtiges Essen gewöhnt, dass sie falsches nicht mehr gut vertragen. Bei unserem ersten Sohn hatten wir noch keine Probleme mit dem Essen in demselben Krankenhaus. Diese Erkenntnis ziehen Viki und ich als positives Fazit aus dieser ansonsten nicht so schönen Erfahrung. Und natürlich ist das Wichtigste, dass der kleine Luke gesund und munter ist. Er hat schon von Beginn an, im Mutterleib, die beste Versorgung bekommen, die es geben kann.

So viel Wissen, so wenig Umsetzung

Es ist schon seltsam: Es kursieren so viele Konzepte, Informationen und Meinungen zum Thema Ernährung in der Welt – was es nicht einfacher macht, an die Informationen zu kommen, die man sich für die eigene Ernährung wünscht. Mir ging es lange ja nicht anders: Ich habe viel Wissen in mich reingestopft – und auch weiterhin die ach so bequemen Fertiggerichte. Von der ersten Erkenntnis, dass der frisch gekochte Nudel-Schinken-Auflauf günstiger ist und dazu auch besser schmeckt, bis zur nachhaltigen Umsetzung hat es bei mir mehr als zehn Jahre gedauert. Aus vielen Gründen. Vor allem fehlte mir noch ein einfach umzusetzendes Konzept – eines, das einfacher ist als ständiges Kalorienzählen.

Wer will, kann allein schon durch das Internet an alle möglichen (und unmöglichen) Informationen kommen. Man könnte daher annehmen, dass die Menschen heute so viel über Ernährung wissen wie nie zuvor. Wenn man sich allerdings die diversen Krankheitsstatistiken ansieht, scheint genau das Gegenteil der Fall zu sein: Es ist inzwischen unumstritten, dass „Volkskrankheiten“ wie Schlaganfall und Diabetes Typ 2 (der sogenannte Altersdiabetes, von dem inzwischen auch schon viele Jugendliche und sogar Kinder betroffen sind), die gleichzeitig ganz oben auf der Skala der Sterbestatistik stehen, sehr stark mit der Ernährung zusammenhängen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung schlägt Alarm: „Kardiovaskuläre Erkrankungen zählten 2018 mit 37,2 Prozent zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland, gefolgt von Krebserkrankungen mit ca. 25 Prozent aller Sterbefälle.“4

Kardiovaskuläre Erkrankungen sind Krankheiten rund ums Herz- und Gefäßsystem wie etwa die arterielle Verschlusskrankheit. Nicht rechtzeitig entdeckt, können Herzinfarkt und Schlaganfall die Folge sein. Auch Krebs – besonders Dickdarmkrebs – wird der Wissenschaft zufolge häufig durch eine falsche Ernährung verursacht.

Nun stellt sich natürlich die Frage: Wenn sich doch jeder dieses Wissen per Internet aneignen kann, warum rangieren dann ernährungsbedingte Krankheiten ganz oben auf der Krankheits- und Sterbestatistik? Allein an Unwissenheit kann es also nicht liegen. Vermutlich liegt einer der Gründe, warum viele Menschen nicht wissen, wie sie sich und ihre Familie gesund ernähren können, sogar eher in einem Zuviel an verfügbarem Wissen: Zu viele selbsternannte Ernährungsgurus möchten ihr – natürlich alleinseligmachendes – Ernährungsprinzip verkaufen. Für teures Geld, selbstverständlich.

Wer hat recht? Wem folgt man? Leider sind auch die Eltern häufig kein Vorbild mehr, was gesunde Ernährung angeht. Und in den Schulen steht das Thema „gesunde Ernährung“ auch eher selten auf dem Lehrplan. Und wenn, dann auch schon mal gesponsert von der Ernährungsindustrie – zulasten der unabhängigen Information. Wahrscheinlich fehlt es auch an Wissen und damit an Bewusstheit, was wir unserem Körper antun, wenn wir nur das in ihn hineinschaufeln, was uns – vermeintlich – schmeckt. (Vermeintlich? Darauf werde ich später zurückkommen, wenn es darum geht, was uns die Ernährungsindustrie auftischt.)

Natürlich ist es leichter, einfach das aus dem Supermarkt mitzunehmen, was sich dort so schön drapiert präsentiert, statt sich mit den zahllosen Ernährungsprinzipien auseinanderzusetzen. Die Werbung trägt ihren Teil dazu bei, indem sie leckeres Essen „wie beim Italiener“ verspricht, und das in nur 20 Minuten! Und schon ist er da: der unmündige Konsument, der alles kauft, was ihm auf dem Silbertablett serviert wird.

Dass das nicht die beste Wahl sein kann, zeigt die oben genannte Todesstatistik. Außerdem werden die Menschen weltweit immer dicker, was – bis auf wenige, erblich bedingte Ausnahmen abgesehen – ebenfalls mit der falschen Ernährung zusammenhängt. Dass Übergewicht und die Steigerung davon, die Fettleibigkeit, ungesund sind, dürfte zu jedem durchgedrungen sein, der ab und zu mal fernsieht oder eine Zeitung zur Hand nimmt. Also wieder: Viel Wissen, wenig Handlung.

Warum ist das so? Zum einen neigt der Mensch zur Verdrängung. Wir lassen die Informationen an uns abprallen wie der Lotus die Regentropfen. Die Krankheitsstatistiken sind nicht sehr greifbar (wer liest schon einfach so die Krankheitsstatistiken), außerdem können wir immer noch hoffen, dass sie uns nicht betreffen werden …

Wenn wir verdrängen („Es wird schon gut gehen! Krank werden nur die anderen!“), fehlt es uns an Motivation. Und: Wenn wir uns wirklich bewusst machen würden, welche Folgen eine ungesunde Ernährung hat, wären wir vermutlich auch motivierter, etwas zu ändern. Der berühmt-berüchtigte innere Schweinehund hat hier sicherlich auch seine Hände im Spiel. Er ist quasi die Summe der Gewohnheiten, die wir uns über Jahre angewöhnt haben. Sich wieder umzugewöhnen ist mühsam – ganz besonders, wenn uns das Warum, also die Motivation dafür fehlt. So eine Motivation kann die Krankheit eines geliebten Menschen sein. Doch muss es wirklich erst so weit kommen? Übrigens: So eine Motivation muss nicht erst entstehen, wenn etwas Schlimmes oder Erschreckendes passiert. Bei mir war es zum Beispiel ganz klar die Liebe zu meinem ersten Sohn Ben, die mich dazu motiviert hat, unsere Ernährung von Grund auf zu ändern!

Auch ich habe für den Umstieg auf eine gesunde Ernährung viele Jahre und viele Motivatoren gebraucht. Seitdem ich Vater bin, hat sich einiges geändert. Mir ist nämlich bewusst geworden, welchen Einfluss ich auf meine Söhne habe. Was möchte ich ihnen beibringen? Was möchte ich ihnen auf ihrem Weg mitgeben? Wo möchte ich Vorbild sein, damit sie ein möglichst gutes, das heißt gesundes und langes Leben haben?

1 Hans-Ulrich Grimm: Die Suppe lügt: Die schöne neue Welt des Essens, Knaur Taschenbuch, 4. Auflage 2015

2 Um die Bevölkerung bei einer gesundheitsförderlichen Ernährung zu unterstützen, hat die Bundesregierung im Dezember 2018 die „Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten“ beschlossen. Dadurch sollen Lebensmittel zukünftig ernährungsphysiologisch günstiger zusammengesetzt sein, damit die gesunde Wahl zur einfachen wird. (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft; https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/Weniger-ist-mehr-ReduktionSalzZuckerFett.html

3 https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/_Ernaehrung/GesundeErnaehrung/Qualitaetsstandard-Betriebsverpflegung.pdf?__blob=publicationFile&v=5

4 https://www.dge.de/presse/pm/gut-fuer-die-gesundheit-viel-gemuese-und-obst-weniger-fleisch/

Die NOVA-Klassifikation

Um das Jahr 2010 herum stellte eine Gruppe brasilianischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihr so einfaches wie praktikables System vor: die NOVA-Klassifikation. Damit werden Lebensmittel in vier Gruppen unterteilt – von frisch bzw. wenig verarbeitet bis stark verarbeitet. Das ist anders als alle bis dahin bekannten Systeme, die nur auf die Nährstoffe und Nährwerte (Kohlenhydrate inkl. Zucker, Fett, Eiweiß, Vitamine, Mineralstoffe, Kalorien, Salz) fokussiert sind, wie es beispielsweise beim Nutri-Score der Fall ist, der auf immer mehr Lebensmittel gedruckt wird. Mehr dazu und warum ich den Nutri-Score und den alleinigen Fokus auf die Nährwerte kritisch sehe, findest du im Kapitel Der Nutri-Score – oder: Wie ein zuckerhaltiger Kinderjoghurt als gesund verkauft wird.

Die offizielle Unterteilung der Lebensmittel nach der NOVA-Klassifikation zum Zeitpunkt des Kaufes:5

Abbildung 1: Die offizielle Unterteilung der Lebensmittel nach der NOVA-Klassifikation zum Zeitpunkt des Kaufes

Abbildung 2: Beispiele von Lebensmitteln in den NOVA-Klassen

Laut dem Forscherteam von Carlos Monteiro hat die Lebensmittelindustrie vor allem ein Ziel: Sie stellt stark verarbeitete Produkte her, damit niemand mehr selbst mit ursprünglichen Zutaten backt und kocht. Die Lebensmittelindustrie versucht, so die brasilianischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Menschen umzugewöhnen, indem sie die Ernährung vermeintlich einfacher, schneller und preiswerter macht. Für jedes selbstgebackene bzw. -gekochte Produkt hat die Industrie inzwischen Alternativen. Das fängt beim Frühstück an – statt Haferflocken gibt es Cornflakes –, geht über das Mittagessen – die Tütensuppe im Topf angerührt oder die Tiefkühlpizza in den Ofen geschoben – bis zum Abendessen: der abgepackte Salat inklusive Dressing zum ebenfalls abgepackten Brot. Dazwischen gibt es Kekse und/oder Schokolade als Snack und Softgetränke.

Damit diese Produkte – ich finde, Lebensmittel kann man dazu nicht mehr sagen – gut aussehen und schmecken und lange haltbar sind, enthalten sie zahlreiche Zusatzstoffe. In der EU sind derzeit (2021) 316 Lebensmittelzusatzstoffe zugelassen. Das sind u. a.: Farbstoffe, Geschmacksverstärker, Stabilisatoren, Süßstoffe. Außerdem setzt die Lebensmittelindustrie Hilfsstoffe wie Enzyme ein, die gar nicht auf dem Etikett erscheinen, wenn sie im Endprodukt nicht mehr (oder nur in geringen Mengen) enthalten sind. All diese Stoffe verwendet niemand in der heimischen Küche. Mehr über die Lebensmittelindustrie liest du im Kapitel Was ist eigentlich „die Lebensmittelindustrie“?

Jede*r kann also schon allein an der Zutatenliste erkennen, dass es sich um ein hochverarbeitetes Produkt handelt, also um ein Produkt der NOVA-Klasse #4. Apropos Zutatenliste: Alle stark verarbeiteten Produkte benötigen eine Verpackung, damit sie im Supermarkt hübsch präsentiert werden können. Warum das alles andere als nachhaltig ist, erfährst du ebenfalls im Kapitel Was ist eigentlich „die Lebensmittelindustrie“?.

Eigentlich ist es ganz einfach: Wer sich gesund ernähren möchte, hat die freie Wahl und kann auf Produkte der NOVA-Klasse #4 (größtenteils) verzichten.6

Wie kam es zur Klassifizierung nach der Art der Verarbeitung?Die NOVA-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler haben mehrere Studien genauer untersucht und dabei festgestellt, dass in Brasilien der Fett- und Zuckerkonsum zwar rückläufig ist, und die Menschen dort trotzdem immer dicker werden. Diesem Rätsel sind sie nachgegangen. Die Lösung: In demselben Maß, wie das Körpergewicht der Brasilianer gestiegen ist, stieg auch ihr Einkommen – und mit steigendem Einkommen kaufen sie immer mehr Fertigprodukte, die ihnen die Supermärkte anbieten. Gleichzeitig kochen die Brasilianer immer weniger selbst mit frischen Lebensmitteln. Fertigprodukte wiederum haben meist eine höhere Kaloriendichte (also mehr Kalorien pro Gewicht) als frische Lebensmittel und enthalten zusätzlich oft Zucker oder Zuckeraustauschstoffe (etwa in Softdrinks) in unterschiedlicher und oft versteckter Form, was ebenfalls das Körpergewicht beeinflusst.

Diese Entwicklung – je höher das Einkommen, desto höher der Konsum von Fertigprodukten – zeigen auch Studien aus anderen Ländern, die sich das NOVA-Team näher angeschaut hat. Mit dem Ergebnis, dass die „westliche“ Welt (noch) einen Vorsprung vor Brasilien hat. Statistisch gesehen verzehrt beispielsweise jeder US-Amerikaner 308 Kilogramm an hochverarbeiteten Lebensmitteln pro Jahr. Gleichzeitig gelten die USA als das Land mit den meisten adipösen (fettleibigen) Menschen: Den Informationen in den offiziellen Ernährungsempfehlungen zufolge sind 74 Prozent der Erwachsenen und 40 Prozent der Kinder in den USA übergewichtig oder fettleibig.

Drei US-amerikanische Forscher fragen sich in ihrer Studie aus dem Jahr 2003: Warum werden die Amerikaner immer fettleibiger? („Why Have Americans Become More Obese?“)7 Einen Grund sehen sie darin, dass immer weniger Zeit für die Essenszubereitung verwendet wird: Zwischen 1965 und 1995 sank die Zeit, die verheiratete Frauen dafür aufwenden, zusammengenommen um 50 Prozent – von 58,3 auf 35,7 Minuten (berufstätig) bzw. von 94,2 auf 57,7 Minuten (nicht berufstätig). Bei den Singlefrauen sank die Zeit in dem Zeitraum um knapp 10 Minuten, von 38,1 auf 28,9 Minuten. Männer haben der Studie zufolge schon immer wenig Zeit für die Essenszubereitung aufgewendet – unabhängig von ihrem Arbeits- und Partnerstatus – wobei die dafür aufgewendete Zeit sogar gestiegen ist: Singlemänner standen im Jahr 1965 noch 13,6 Minuten am Herd, 1995 waren es 15,5 Minuten. Verheiratete Männer wandten im Jahr 1995 immerhin 13,2 Minuten fürs Kochen auf, 30 Jahre zuvor waren das nur 6,5 (mit einer nicht berufstätigen Ehefrau) bzw. 8,1 Minuten (mit einer berufstätigen Ehefrau) gewesen.

Der Zusammenhang zwischen der abnehmenden Zeit, die fürs Kochen aufgewendet wird, und dem zunehmenden Übergewicht der Bevölkerung ist auch für viele weitere Länder nachgewiesen.

Zurück nach Brasilien. Die Idee des Teams von Carlos Monteiro an der Universität von São Paulo war und ist denkbar einfach: Wenn die Menschen wieder mehr frische Lebensmittel essen, nehmen sie weniger Kalorien zu sich. Außerdem weniger Zucker und Zusatzstoffe aller Art, von denen einige in Verdacht stehen, Übergewicht zu begünstigen. Mit ihrer NOVA-Klassifikation wollen Monteiro und Co. den Menschen ein einfaches System an die Hand geben, nach dem sie ihre Lebensmittel auswählen können – mit Erfolg: In Brasilien ist sie schon Teil der staatlichen Ernährungsempfehlungen.

Eine Metastudie8 befasste sich mit fünf Studien aus vier Ländern (Brasilien, Guatemala, Spanien, Vereinigtes Königreich), die die möglichen Folgen des Verzehrs von stark verarbeiteten Lebensmitteln und Getränken nach der NOVA-Klassifikation #3 und/oder #4 untersuchte. Alle kamen zu demselben Ergebnis: Es gibt einen Zusammenhang zwischen Übergewicht bzw. Fettleibigkeit und diesen Produkten. Auch andere gesundheitliche Probleme wie Bluthochdruck und ein hoher Cholesterinspiegel wurden von den Probanden benannt.

Als Ursachen für das Übergewicht, das im Zentrum der Untersuchungen stand, wurde in den meisten Studien genannt:

Stark verarbeitete Produkte enthalten mehr Salz, Zucker und Fett sowie mehr der ungesunden gesättigten Fettsäuren und gleichzeitig weniger der gesunden und sättigenden Ballaststoffe.Die Aufmachung der Verpackung und die Portionierung sind häufig so angelegt, dass (zu) viel davon verzehrt wird.Diese Produkte gelten als sehr schmackhaft und sind daher beliebt bei vielen Konsumenten.Außerdem sättigen sie häufig weniger und treiben den Blutzuckerspiegel in die Höhe.Sie verändern das Essverhalten – sozusagen weg von Herd und Esstisch, hin zum Essen zwischendurch und nebenher. Das führt wiederum dazu, dass mehr gegessen wird, als gesund wäre, da das Sättigungsgefühl überhaupt nicht oder erst zu spät wahrgenommen wird.Geschicktes Marketing tut sein Übriges, damit die Konsumenten gerne zugreifen.

Die Metastudie stellt auch fest, dass es bislang erst wenige Untersuchungen dieser Art gibt, die den Verarbeitungsgrad von Lebensmitteln und Getränken im Fokus haben. Die meisten Studien beschränken sich rein auf den Nährwert der Lebensmittel.

In einem Bericht aus dem Jahr 2019 stellte das Forscherteam das NOVA-Konzept der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) in Rom vor. In einigen weiteren Studien in Europa, an denen auch Carlos A. Monteiro mitwirkte, wurde die Botschaft der NOVA-Klassifikation bestätigt: Je unverarbeiteter, desto gesünder sind die Lebensmittel.

Ich finde es erstaunlich, dass diese Erkenntnisse noch nicht wirklich in die Ernährungsempfehlungen in Deutschland übergegangen sind. Die bei uns federführende Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) spricht etwa in ihren „10 Regeln“9 von einer vollwertigen Ernährung. Davon, dass frisch gekochte Gerichte empfehlenswerter sind als verarbeitete Produkte, ist höchstens zwischen den Zeilen die Rede. Dabei ist das Konzept, „echtes“ Essen zu essen, an sich auch gar nicht so neu. Es spiegelt sich in vielen Ernährungstrends der letzten Jahre wider, etwa Clean Eating oder Paleo.

Natürlich ist das NOVA-System nicht vollkommen (wer oder was ist das schon?): Die Einfachheit dieses Systems birgt auch seine Nachteile. Bei Milch und Brot beispielsweise wird kein Unterschied in Sachen Verarbeitungsgrad gemacht. Beim Brot mag das daran liegen, dass es in Brasilien, wo NOVA herkommt, keine Tausende Brotsorten gibt wie in Deutschland. Und vielleicht ebenso wenig ein Nebeneinander von (mehr oder weniger traditionellen) Bäckereien, Industriebäckereien und Back-Discountern. Und auch bei der Milch gibt es viele verschiedene Verarbeitungsgrade (pasteurisiert, homogenisiert, ultrahocherhitzt, um nur ein paar zu nennen) – möglicherweise ist das in Brasilien ebenfalls anders.

Aus diesem Grund haben wir im VikAlex®-Score hier und da Anpassungen vorgenommen, da uns die Klassifikation, wie sie uns bei Open Food Facts angezeigt wird, unlogisch erscheint. Etwa bei unserer Gemüsebrühe, die dort als NOVA #3 gelistet ist, obwohl in ihr ausschließlich getrocknetes und gemahlenes Gemüse enthalten ist – keine Zusatzstoffe wie Geschmacksverstärker oder Hefe, die ebenfalls als Geschmacksverstärker eingesetzt wird, und auch kein Zucker. Für uns ist sie ganz klar NOVA #2. Gleichzeitig machen wir einen Unterschied bei den Mehlen, die alle offiziell NOVA #1 sind: Nur selbstgemahlene Mehle zählen bei uns als #1, alle gekauften Mehle sind #2 – Wobei es sicherlich auch möglich ist, die gekauften Vollkornmehle wegen des geringeren Verarbeitungsgrads als #2 zu werten und die anderen Mehle als #3.

Selbstgemacht ist natürlich immer am besten – oder wir schauen uns nach anderen Quellen als den Supermarkt um. Trotzdem lohnt sich manchmal ein zweiter Blick auf die Zutatenliste: Beim Paniermehl (NOVA #3) enthält die preiswerte Marke aus dem Supermarkt nur die drei Zutaten Weizenmehl, Speisesalz und Hefe, was auf meine Nachfrage bestätigt worden ist. Demgegenüber liest sich die Zutatenliste des Paniermehls vom Bäcker wie ein Laborprodukt:„Weizenmehl, Wasser, Backmittel (Zucker, Weizenmehl, Gerstenmalzextrakt (Gerstenmalz, Wasser), Traubenzucker, Weizenkleber, Hefe, Sonnenblumenöl, Salz“. Es sind außerdem drei Zuckerarten (Gerstenmalz, Traubenzucker, Zucker) aufgeführt. Deshalb (und weil wir nicht Unmengen an Paniermehl verwenden) bevorzugen wir hier ausnahmsweise das Produkt aus dem Supermarkt.

Wie bereits erwähnt unterscheidet NOVA leider auch nicht zwischen den unterschiedlichen Brotsorten. Meiner Meinung nach sind industriell hergestelltes Brot und industriell hergestellte Brötchen richtigerweise eher dem NOVA-Score #4 (stark verarbeitete Lebensmittel bzw. industriell, meist mit Zusätzen hergestellt) zuzuordnen, auch wenn dieses bei Open Food Facts schon mal bessere Scores erhält. Bei den anderen Broten kommt es darauf an, ob und welche Zusatz- und Hilfsstoffe verwendet werden – und das ist gar nicht immer so einfach herauszufinden (siehe das Kapitel Zusatzstoffe und Hilfsstoffe: Rieselhilfen & Co.)

Im Klartext: Für uns gibt es nicht immer nur schwarz und weiß. Was für uns viel mehr zählt, ist, dass das Konzept leicht verständlich und anwendbar ist.

Trotz dieser und weiterer kleinen Abstriche: Ich bin sehr froh, durch das Buch „Die Ernährungslüge“ von Hans-Ulrich Grimm auf NOVA gestoßen zu sein. Es hat meine Familie und mich dazu inspiriert, vieles auszuprobieren und NOVA nach und nach in unseren Alltag zu integrieren. Dabei ist unsere VikAlex® Back- und Kochbuchserie entstanden, die sich prinzipiell mit VAS am NOVA-Konzept orientiert und dieses Buch ergänzt. Das erste Buch wird planmäßig im Jahr 2022 erscheinen. Neben den üblichen Rezepten bieten unsere Back- und Kochbücher eine tabellarische Übersicht zu jeder Kategorie, in der die Kennzahlen zu Portionsgrößen und -preisen verglichen werden können.10 Und durch das praktische A-5-Format mit Spiralbindung hast du die Möglichkeit, dein Buch überallhin mitzunehmen und nach Herzenslust deine persönlichen Ergänzungen zu den Rezepten und Informationen hineinzuschreiben, sodass unsere Back- und Kochbücher das Potenzial haben, deine ganz eigenen zu werden. Fühl dich frei, und nutze sie als Grundstein für deine individuellen Rezepte!

Uns hat diese so einfache wie geniale Klassifikation viel Freude in unsere Küche gebracht! Das echte Essen ist nicht nur leckerer, wir vertragen es auch besser. Und Hochverarbeitetes können wir gar nicht mehr ohne „Nebenwirkungen“ zu uns nehmen, ob wir nun zum Essen eingeladen sind und dort Industrienahrung bekommen oder wie in der Episode im Krankenhaus nach der Geburt unseres zweiten Sohnes. Und vor allem habe ich das gute Gefühl, dass meine Söhne lernen und erfahren, was gute Ernährung ist, die ihnen ein möglichst gesundes und langes Leben ermöglicht.

Das NOVA-Konzept kennt keine Verbote. Es deutet lediglich darauf hin, was gesund ist. Wir haben uns auf diese neue Erfahrung eingelassen und inzwischen gar keine Lust mehr, das „Falsche“, also Ungesunde, zu essen. Warum auch? Es schmeckt uns inzwischen einfach nicht mehr. Versteh mich nicht falsch: Wir sind keine Hardcoreökos, wir haben lediglich verstanden, was für uns gut ist und was nicht. Weiter ist uns klar geworden, dass die Themen Ernährung, Ökologie, Gesundheit und Erziehung eng zusammenhängen: Es fängt alles bei der Nahrung an. Eine weitere Verbindung ist der wirtschaftliche Aspekt, auf den ich in diesem Buch ebenfalls eingehen werde – denn der ist für mich als Controller und Zahlenjongleur ebenfalls wichtig.

Kommen wir nun zum Konkreten: Wie genau setzen wir die NOVA-Klassifikation im Alltag um? Ganz einfach, indem wir darauf achten, dass der größte Teil unserer Ernährung aus den ersten beiden Kategorien stammt. Lebensmittel der Kategorien #3 und insbesondere #4 haben wir zunehmend reduziert. Natürlich gönnen wir uns auch mal was Süßes. Doch statt der Kekse aus dem Supermarkt gibt es bei uns viel Selbstgebackenes – unsere Kuchen und vor allem unsere Haferkekse sind inzwischen auch in unserem Freundeskreis bekannt und beliebt. Denn sie schmecken viel besser als die Kekse aus der Verpackung.

Beim Kochen setzen wir meistens auf einfache Rezepte, die schnell zubereitet sind. Inzwischen haben wir aus der eigenen Erfahrung gelernt: Selbstkochen dauert gar nicht lange! So gibt es ein- bis zweimal die Woche Suppe aus frischen Zutaten. Dazu braucht es nicht viel: Gemüse (das, was gerade da ist – auch wunderbar, um Lebensmittelverschwendung zu vermeiden!) und andere Zutaten schneiden und zusammen köcheln lassen, bis eine leckere Suppe entstanden ist. Spezielle Kochkünste oder aufwendige Vorbereitung sind dafür nicht nötig.

Kochen beginnt schon beim Einkauf. Inzwischen kaufen wir viel von regionalen Erzeugern der Umgebung – vom Fleischer über den Geflügelhof bis zum Kartoffelbauern, entweder direkt oder in unserem Supermarkt, der glücklicherweise viele Waren von Landwirten aus der Umgebung anbietet. Deren Ware ist zwar preisintensiver als das, was in den Supermarktregalen steht, doch dafür sind die Produkte hochwertiger, nachhaltiger, unterstützen die regionale Wirtschaft und machen eher satt. Vom selbstgebackenen Brot etwa brauchen wir viel weniger, da relativiert sich der Mehrpreis beim Mehl. Mehr zum ökonomischen Aspekt findest du im Kapitel In der Praxis angepasst: von NOVA zu VAS.

Das NOVA-Konzept ganz praktisch

Wir haben also verstanden, dass industriell hergestellte Lebensmittel mit ihren ganzen Zusatzstoffen, Zuckern etc. ungesund sind, wobei uns die NOVA-Klassifikation ein einfaches System gibt, an dem wir uns bei der Auswahl der Lebensmittel orientieren können. Wir achten darauf, dass NOVA-Score #4 nur selten dabei ist, und kochen am liebsten einfache Gerichte aus einzelnen und frischen Zutaten.