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Gesundheit beginnt im Mund – und zwar schon vor dem ersten Zahn! Der richtige Schutz von Kinderzähnen ist essenziell, denn Probleme im Mundraum können ursächlich für eine Bandbreite chronischer Erkrankungen bis ins Erwachsenenalter sein. Indem du von Anfang an auf die Zahngesundheit deines Kindes achtest, bewirkst du also viel mehr, als es nur vor unangenehmen Zahnschmerzen zu bewahren. Vom ersten Milchzahn bis zum Zahnwechsel Michaela Baake, Kinderzahnärztin und Mutter von drei Kindern, erklärt dir, was du bereits vor dem Zahnen tun kannst, um die Entwicklung positiv zu beeinflussen. Sind die Milchzähne dann da, ergeben sich eine Menge neuer Fragen: - Wie sieht die optimale Zahnpflege aus? - Worauf sollte man bei der Ernährung achten, um die Zähne nicht nur zu schützen, sondern auch um einen starken Schmelz zu fördern? - Wann ist der richtige Zeitpunkt für einen Besuch in der Praxis? - Wie kann man Karies vorbeugen und was tun, wenn sie doch auftritt? - Wie geht man richtig mit Wackelzähnen um? Anschaulich und vor allem praxisnah bekommst du alles Wichtige rund um die Themen Mundgesundheit und Prophylaxe an die Hand, um deinem Kind den Weg zu dauerhaft starken Zähnen und einem rundum gesunden Leben zu ebnen.
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Seitenzahl: 261
Veröffentlichungsjahr: 2024
Michaela Baake
Gesunde Zähne
für dein Kind
Michaela Baake
Gesunde Zähne
für dein Kind
Kinderzähne richtig pflegen, stärken und schützen – vom ersten bis zum letzten Milchzahn
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.
Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.de abrufbar.
Für Fragen und Anregungen
Wichtiger Hinweis
Dieses Buch ist für Lernzwecke gedacht. Es stellt keinen Ersatz für eine individuelle medizinische Beratung dar und sollte auch nicht als solcher benutzt werden. Wenn Sie medizinischen Rat einholen wollen, konsultieren Sie bitte einen qualifizierten Arzt. Der Verlag und die Autorin haften für keine nachteiligen Auswirkungen, die in einem direkten oder indirekten Zusammenhang mit den Informationen stehen, die in diesem Buch enthalten sind.
Originalausgabe
1. Auflage 2024
© 2024 by riva Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH
Türkenstraße 89
80799 München
Tel.: 089 651285-0
Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden. Wir behalten uns die Nutzung unserer Inhalte für Text und Data Mining im Sinne von § 44b UrhG ausdrücklich vor.
Redaktion: Ulrike Reinen
Umschlaggestaltung: Sabrina Pronold
Umschlagabbildung: Shutterstock/Prostock-studio, Alexander_Safonov, Rawpixel.com (Fotos v. l. n. r.), Daniela Barreto (Illustrationen)
Alle Abbildungen im Innenteil: Michaela Baake, außer Seite 131: Aktion Zahnfreundlich e.V.
Layout und Satz: inpunkt[w]o, Wilnsdorf (www.inpunktwo.de)
eBook: ePUBoo.com
ISBN Print 978-3-7423-2549-5
ISBN E-Book (PDF) 978-3-7453-2322-1
ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-7453-2323-8
Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter
www.rivaverlag.de
Beachten Sie auch unsere weiteren Verlage unter www.m-vg.de
Für meinen Mann und meine wundervollen kleinen Monster.Ihr treibt mich in den Wahnsinn – vor Glück!
Vorwort
Kapitel 1Zahngesundheit beginnt schon vor der Geburt
Die richtige Behandlung und Prophylaxe während der Schwangerschaft
Zahnpflege und Zahnerkrankungen bei werdenden Müttern
Kapitel 2Stillen und Vorbereitung auf den ersten Zahn
Die Wichtigkeit des Stillens für eine normale Zahn- und Kieferentwicklung
Weshalb die Zungenruhelage nicht vernachlässigt werden sollte
Zahnen: der nächste Entwicklungsschritt
Schnuller und Daumenlutschen
Die Funktion von Fluoriden
Kapitel 3Milchzähne: Funktion, Durchbruch und die richtige Pflege
Aufgabe der ersten Zähne
Ablauf des Zahndurchbruchs
Die richtige Pflege: Zahnpasta, Zahnbürste und Kariesprophylaxe
Der Zahnarztbesuch
Kapitel 4Die beste Ernährung für gesunde Kinderzähne
Zahngesunde Ernährung und der Umgang mit Zucker
Zucker und Zuckerersatz
Trinken lernen und die Wahl der Getränke
Wenn der Beikoststart nicht gelingen will
Kapitel 5Karies und andere Erkrankungen: Prophylaxe und Behandlung
Karies und Kariesvorstufen erkennen
Erosionen im Milchzahngebiss
Folgen der Mundatmung
Black Stain: dunkle Zahnverfärbung
Viruserkrankung Hand-Fuß-Mund
Was hat es mit Mundgeruch auf sich?
Kreidezähne oder Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation
Umgang mit einem Zahntrauma
Knirschen mit den Zähnen
Kapitel 6Zahnwechsel -—das bleibende Gebiss
Zahndurchbruch und Wechselgebiss
Pflege der durchbrechenden Zähne
Anhang
Das erste Gebiss
Wichtige Termine
Platz für deine Fragen beim nächsten Zahnarztbesuch mit deinem Kind
Liste empfehlenswerter Kinderbücher rund um das Thema Zähneputzen
Verwendete und empfehlenswerte Literatur
Über Michaela Baake
Dank
In den ersten Lebensjahren ist das Wachstum eines Menschen am stärksten. Kein Abschnitt in der Entwicklung verläuft so rasant wie die ersten sechs Jahre deines Kindes. Fast alle lebensnotwendigen Fertig- und Fähigkeiten erlernt es in dieser Zeitspanne. Das Körperwachstum, die Entwicklung des Gesichtsschädels und des Gehirns ist enorm. Damit verbunden sind die alltäglichen Herausforderungen und Unsicherheiten von uns Eltern. Unbestreitbar sind Eltern in der heutigen Zeit so gut informiert und aufgeklärt wie nie zuvor. Doch in einer Welt, vollgepackt mit gut gemeinten Ratschlägen von Großeltern, Freunden und Bekannten, ist es schwierig, zwischen Mythen, Halbwissen, Irrtürmern und medizinischem Wissen zu unterscheiden. Und auch Dr. Google und Social Media tragen dazu bei, dass sich Eltern zunehmend verunsichert und überfordert fühlen. Kinder benötigen aber auf ihrem Weg ins Erwachsenenleben selbstbewusste und starke Eltern, die Halt vermitteln und ihnen als Stütze dienen. Genau aus diesem Grund habe ich damals meinen Instagram-Account @kinder.zaehne eröffnet und informiere seitdem Eltern, Großeltern und auch zahnärztliche Kolleg*innen. Ich musste – und muss noch immer – feststellen, dass gefährliches Halb- und Nichtwissen ungefiltert nach außen getragen wird und für sehr viel Verunsicherungen sorgt. Aus meiner alltäglichen Arbeit in der Praxis und auf Social Media entstand die Idee, einen Ratgeber für Eltern zu schreiben. Um aufzuklären, Vorurteile aus dem Weg zu räumen und Ängste und Unsicherheiten zu nehmen. Ohne erhobenen, wertenden Zeigefinger und ohne realitätsfremde Empfehlungen.
Dieses Buch begleitet dich auf dem Weg vom ersten Milchzahn bis zum ersten bleibenden Zahn. Du wirst es also bis zu sieben Jahre lang nutzen können. Die Kapitel sind chronologisch aufgebaut, sodass du immer wieder bei Bedarf auf den jeweiligen Abschnitt zurückgreifen kannst. Du bekommst evidenzbasierte Informationen, die dem aktuellen Stand der Wissenschaft entsprechen. Dabei betrachte ich die Dinge aus Sicht einer Mama – keine Fortbildung ist effektiver als die der Elternschaft – und begegne Eltern und Kindern auf Augenhöhe. Ich gebe dir wertvolle Tipps und Tricks an die Hand und erkläre dir, wie du beziehungs- und bedürfnisorientiert handeln kannst. Ich habe versucht, mein Wissen verständlich zu formulieren, damit keine Frage unbeantwortet bleibt.
Natürlich ersetzt dieser Ratgeber keinen Besuch in der zahnärztlichen Praxis, aber er kann dir als Leitfaden dienen und dir dabei helfen, wenn du dich mit deinen Fragen allein gelassen fühlst. Er kann dich bereits während der Schwangerschaft begleiten, ist aber auch ein ideales und sinnvolles Geschenk zur Geburt.
Ich bin Michaela, fortgebildete und zertifizierte Zahnärztin auf dem Gebiet der Kinderzahnmedizin und Mama von drei Kindern. Nach meinem Studium habe ich sechs Jahre in einer Universitätsklinik gearbeitet und bin seitdem angestellte Kinderzahnärztin in einer großen Praxis in Niedersachsen. Kinder sind mehr als nur kleine Erwachsene, deshalb ist Kinderzahnmedizin Herzenssache für mich. Hier muss zugehört, ernst genommen, getröstet, gespielt und gezaubert werden. In diesem Bereich der Zahnmedizin liegt eine große Verantwortung. Denn in der Kindheit wird der Grundstein für eine gute Zahngesundheit und für die gesunde Entwicklung der Kinder gelegt.
Ich hoffe, dass dir dieses Buch für die nächsten Jahre als Informationsquelle und Stütze dient und dir dabei hilft, diese wundervollen und magischen Jahre mit deinem Kind zu genießen!
Alles Liebe
Vorbeugen ist besser als behandeln! Vielen Schwangeren ist die Wichtigkeit der Mundgesundheit während ihrer Schwangerschaft nicht bewusst. Und bei einer Vielzahl an Frauen liegt der letzte Termin in der Zahnarztpraxis über ein Jahr zurück. Mit deiner Schwangerschaft gehen in deinem Körper zahlreiche Veränderungen einher. Auch deine Zahn- und Mundgesundheit ist davon betroffen. Dieser hormonelle Wandel beeinflusst aber nicht nur deine Zähne, sondern umgekehrt kann sich deine Mundgesundheit auch negativ auf deinen Schwangerschaftsverlauf auswirken. Chronische Zahnfleischentzündungen (Parodontitis) können nachweislich für frühe Fehlgeburten verantwortlich sein.
Idealerweise sollte deshalb bereits bei konkretem Kinderwunsch ein Kontrolltermin in der Zahnarztpraxis erfolgen. Deine Zahnärztin oder dein Zahnarzt überprüft deine Zähne und dein Zahnfleisch und kann gegebenenfalls zeitnah eine notwendige Therapie beginnen. Denn wenn bereits eine Schwangerschaft besteht, können einige Zahnbehandlungen nicht mehr durchgeführt werden, und da dein Körper bereits durch die hormonellen Veränderungen sehr beansprucht wird, gilt es, jeglichen Stress im Voraus zu vermeiden.
Wenn du gerade erfahren hast, dass du schwanger bist, vereinbare zeitnah zwei Vorsorgetermine in der Zahnarztpraxis: direkt zu Beginn der Schwangerschaft und am Ende des zweiten Trimesters. Diese Termine dienen dem Erkennen von Risikofaktoren, der Aufklärung zur richtigen Zahnpflege sowie der Ernährungsberatung. Bewiesenermaßen haben Kinder von in der Schwangerschaft aufgeklärten Müttern ein niedrigeres Kariesrisiko. Viele gesetzliche Krankenkassen bieten spezielle Programme während der Schwangerschaft an und auch die Kosten von Zahnreinigungen werden oftmals übernommen. Eine Übersicht entsprechender Krankenkassen findest du im Infokasten.
Gut zu wissen
Auch bei erst kurz bestehender Schwangerschaft informiere immer direkt vor der Behandlung deine Zahnärztin oder deinen Zahnarzt darüber, dass du schwanger bist.
Krankenkasse-Überblick
Diese Krankenkassen unterstützen Schwangere mit besonderen Leistungen
(Stand Mai 2023)
AOKBAHN BKKBarmerBergische KrankenkasseBKK Akzo Nobel BayernBKK EUREGIOBKK exklusivBKK FreudenbergBKK HERKULESBKK Lindebkk melitta hmrBKK SBHBKK VDNBKK VerbundPlusBKK Wirtschaft und FinanzenBKK ZF & PartnerBKK24Bosch BKKDAK Gesundheitenergie-BKKHEK Hanseatische Kranken-kasseIKK – Die InovationskrankenkasseIKK Brandenburg und BerlinIKK classicIKK gesund plusIKK SüdwestKKH Kaufmännische Krankenkassemhplus KrankenkasseNOVITAS BKKSECURVITA KrankenkasseSKD BKKTechniker Krankenkasse (TK)VIACTIV Krankenkassevivida bkkWMF BKKDie Zunahme von Zahnfleischentzündungen während der Schwangerschaft ist die meistbeschriebene Veränderung im Mund der werdenden Mutter. Entzündungen und Infektionen wiederum sind die häufigsten Ursachen von ungünstigen Schwangerschaftsverläufen. Welche Auswirkungen chronische Zahnfleischerkrankungen auf die Schwangerschaft haben können, beschäftigt die zahnmedizinische Forschung seit vielen Jahren. So haben Schwangere mit Parodontitis ein erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt, einem geringeren Geburtsgewicht, einer Präeklampsie (Schwangerschaftsbluthochdruck) bis hin zur Fehlgeburt oder Totgeburt. Wissenschaftlich bestätigt ist der Zusammenhang zwischen Parodontitis und dem Risiko eines geringen Geburtsgewichtes sowie einer Frühgeburt. Diskutiert werden direkte und indirekte Wege einer oralen Infektion. Beim direkten Weg gelangen aggressive Bakterien und Mikroorganismen aus der Mundhöhle über die Zahnfleischtasche in das Blut und bahnen sich ihren Weg Richtung Embryo. Beim indirekten Weg gelangen Bakterien und Entzündungsmediatoren – körpereigene Stoffe, die eine Entzündungsreaktion im Körper einleiten beziehungsweise aufrechterhalten – zur Leber und bewirken dort die Produktion von weiteren Entzündungsmediatoren. Diese gelangen über die Blutbahn zum ungeborenen Kind. Es wird vermutet, dass durch die Entzündungsreaktionen die Plazenta geschädigt und deren Blutversorgung beeinträchtigt wird. Die Unterentwicklung des ungeborenen Kindes und vorzeitige Wehen sind die Folge.
Zahnärztliche Maßnahmen und Behandlungen sollten Bestandteil deiner verantwortungsvollen Schwangerschaftsvorsorge sein. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Zahnärzt*innen, Hebammen und Gynäkolog*innen ist dabei wünschenswert. Viele Behandlungen sind während deiner Schwangerschaft generell möglich und sollten nicht bis nach der Geburt aufgeschoben werden. Und auch die Einnahme von Medikamenten ist für zahlreiche Indikationen ausreichend erprobt und gilt als sicher. Die Schwangerschaft ist ein normaler physiologischer Zustand, zahnärztliche und medikamentöse Therapien sollten dir deshalb nicht vorenthalten werden. Dennoch verursacht das Thema Unsicherheit und Unbehagen.
Schmerzen
Zahnschmerzen gehören zu den unangenehmsten Schmerzen des Menschen und sind ein Warnsignal des Körpers, dass irgendetwas nicht stimmt. Die möglichen Ursachen sind dabei vielfältig und sollten immer ärztlich abgeklärt werden. Unbehandelte Schmerzen können negative Auswirkungen auf dein ungeborenes Kind haben, da die vermehrte Adrenalinausschüttung zur Verengung von sauerstoffversorgenden Blutgefäßen deines Kindes führt. Deshalb sollten Schmerzen nicht über längere Zeit ausgehalten werden und größere Zahnbehandlungen nicht ohne lokale Betäubung durchgeführt werden.
Hausmittel, die während der Schwangerschaft bei Zahnschmerzen eingesetzt werden können und die Zeit bis zum Termin in der Praxis überbrücken können:
Kochsalzlösung:
antibakteriell und antiseptisch
Kälte:
abschwellend, schmerzlindernd
Kamillentee:
entzündungshemmend, aktiviert die Wundheilung
Medikamente
Jede Medikamenteneinnahme in deiner Schwangerschaft sollte einer strengen Indikation unterliegen; Nutzen und Risiko sollten genau miteinander abgewogen werden. Du kannst davon ausgehen, dass fast alle Medikamente über die Plazenta auch dein ungeborenes Kind erreichen. Sei dir bewusst, dass die Fehlbildungsrate in Europa bei circa 2,6 Prozent liegt, aber nur ein kleiner Teil (2,0 bis 4,0 Prozent von den 2,6 Prozent an Fehlbildungen) eindeutig der Einnahme von Medikamenten zugeordnet werden kann. Die Empfindlichkeit auf Arzneimittel ist abhängig vom Entwicklungsstand deines Kindes und besonders groß im ersten Schwangerschaftsdrittel.
Die Tabelle auf der nächsten Seite gibt dir einen Überblick wichtiger zahnmedizinischer Medikamente und deren Risiko. Weitere Auskünfte erhältst du bei Gynäkolog*innen, Zahnärzt*innen und in der Apotheke. Auch unter Embryotox www.embryotox.de findest du Informationen.
Füllungen
Manchmal kann es passieren, dass du während deiner Schwangerschaft auf eine Füllungstherapie angewiesen bist. Seit dem 1. Juli 2018 besteht in Deutschland ein Amalgam-Verbot für Schwangere und Stillende. Gesetzlich versicherte Frauen haben deshalb Anspruch auf eine kostenlose zahnfarbene Kunststofffüllung auch im Seitenzahnbereich. Hintergrund ist das globale Übereinkommen von Minamata, welches die Emission und Freisetzung von Quecksilber eindämmen und die menschliche Gesundheit schützen soll. Was viele Schwangere aber nicht wissen: Auch Kunststoffe sind ein Kompromiss am menschlichen Körper, bei dem Nutzen und Risiko ganz genau abgewogen werden sollten. Auch hier gilt: Prävention sollte immer an erster Stelle stehen, damit es während der Schwangerschaft erst gar nicht zu einer Füllungstherapie kommt.
Wissenschaftlich betrachtet gibt es weltweit keine aussagekräftigen Studien, welche das Risiko von Amalgam oder Kunststoff im Zusammenhang mit einer Schwangerschaft nachweisen. Dieses hat ethische Hintergründe, denn welche werdende Mutter möchte freiwillig ihr ungeborenes Kind diesem potenziellen Risiko aussetzen? Allerdings gibt es für beide Stoffgruppen Hinweise, die eine Anwendung in diesem Bereich nicht empfehlen. Die Diskussionen um Kunststoff drehen sich größtenteils um die Weichmacherproblematik. Bisphenol A (BPA) hat hormonwirksame Eigenschaften und stand lange in Verdacht, MIH (Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation), die sogenannten Kreidezähne, zu erzeugen. Zusätzlich werden immer neuere Kunststoffe im zahnmedizinischen Bereich entwickelt – Langzeitstudien sind dementsprechend kaum bis gar nicht vorhanden.
Biomedizinisch und toxikologisch sinnvoller wäre die Nutzung von sogenannten Glasionomerfüllungen. Die Halbwertzeit dieser Füllungen ist allerdings im Vergleich zum Amalgam und Kunststoff relativ kurz – sie zählen deshalb nur als Provisorium. Sobald diese nicht mehr funktionsfähig sind, müssen sie wieder ausgetauscht werden.
Tipp: Frage in deiner zahnärztlichen Praxis ganz genau nach, welche Materialien verwendet werden und ob dir risikoarme Alternativen angeboten werden können.
Viele Mütter kennen den Spruch »Für jedes Kind ein Zahn«. Hinter dieser Volksweisheit steckt viel Wahrheit, einiges ist aber tatsächlich auch Mythos.
Die schlechte Nachricht vorweg: Frauen sind während der Schwangerschaft besonders anfällig für Karies und Zahnfleischentzündungen. Bei bis zu 80 Prozent aller Schwangeren treten während der Schwangerschaft Zahnfleischerkrankungen oder Zahnfleischbluten auf. Grund dafür sind die hormonellen Veränderungen des Körpers, die Vergrößerung des Blutvolumens, die eingeschränkte Immunabwehr sowie das vermehrte Auftreten von Übelkeit und Erbrechen.
Die gute Nachricht lautet aber, dass du mithilfe optimaler Zahnpflege und Prävention, durch regelmäßige Kontrolluntersuchungen, deine Zähne und Mundgesundheit schützen kannst!
Genieße deine Schwangerschaft und achte in dieser Zeit besonders gut auf dich! Ein Bereich, den du dabei nicht vergessen solltest, sind deine Zähne.
Putze dir die Zähne regelmäßig. Klingt zunächst ganz einfach, aber gerade zu Beginn der Schwangerschaft, wenn Schwangere besonders unter Müdigkeit oder Übelkeit leiden, fällt es schwer, mindestens zweimal am Tag die Zähne zu putzen.
Nutze dazu eine Zahnbürste mit besonders weichen Borsten. Sie schont dein empfindliches Zahnfleisch und putzt dabei genauso effektiv wie eine herkömmliche Zahnbürste.
Achte unbedingt auf fluoridhaltige Zahncreme mit mindestens 1400 ppm (
parts per million
, auf Deutsch »Teile pro Million«) Fluorid. Die Fluoridanwendung ist, nach heutigem wissenschaftlichem Kenntnisstand, die einzige Möglichkeit, deinen Zahnschmelz zu stärken und vor Karies zu schützen. Zusätzlich kannst du einmal wöchentlich Fluoridgelees nutzen. Das Kariesrisiko wird damit um bis zu 40 Prozent reduziert. Achte darauf, dass du das Gelee nicht schluckst. Zahnärztliche Fluoridierungsmaßnahmen während der Schwangerschaft sind sicher, du musst dir deshalb keine Gedanken um dein ungeborenes Kind machen. Durch Hinweise im Beipackzettel sichern sich die Firmen lediglich rechtlich ab.
Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürstchen sollten täglich zum Einsatz kommen, am besten vor dem Schlafengehen. Denn egal wie gründlich du dir die Zähne putzt, in den Bereich zwischen den Zähnen kommt keine Zahnbürste dieser Welt. Besonders, wenn du bereits an Zahnfleischbluten leidest, solltest du der Zwischenraumpflege große Aufmerksamkeit schenken. Denn die Blutung ist immer ein Anzeichen dafür, dass die Bakterienlast im Mund stark erhöht ist.
Gesunde Erwachsene und Kinder benötigen keine extra Zahnpflege und dementsprechend auch keine Mundspüllösungen. Da das Kariesrisiko allerdings während deiner Schwangerschaft erhöht ist, können, zusätzlich zum Zähneputzen, Produkte dieser Art sinnvoll sein. Auch bei besonders schwerer Schwangerschaftsübelkeit, die ein Zähneputzen unmöglich macht, kann die Anwendung kurzzeitig zweckmäßig sein. Achte bitte auf alkoholfreie Lösungen, und wenn du gerade besonders geschmackssensibel bist, nutze am besten zusätzlich mentholfreie Präparate.
Übelkeit macht besonders im ersten Schwangerschaftsdrittel vielen Frauen zu schaffen. Manchmal wird bereits mit der Zahnbürste beim Zähneputzen ein Brechreiz ausgelöst. Trotz alledem ist die Zahnpflege unerlässlich. Vielleicht hilft dir ein Wechsel auf einen kleineren Bürstenkopf oder auf eine Kinderzahnbürste. Falls bei dir der Geschmack der Zahnpasta Unwohlsein auslöst, nutze mentholfreie Präparate.
Nach dem Erbrechen solltest du deinen Mund zunächst mit Wasser ausspülen und, falls möglich, die Zähne putzen. Wichtig: Warte bitte 30 Minuten mit dem Zähneputzen. Der pH-Wert im Mund ist durch die Magensäure sehr niedrig und durch das frühzeitige Putzen besteht die Gefahr, deinen Zahnschmelz zu beschädigen. Falls keine Zahnpflege möglich ist, verwende am besten Mundspüllösungen (wie unter Punkt 5 erklärt).
Professionelle Zahnreinigungen sind in der Schwangerschaft erlaubt und auch empfohlen. Du kannst diese im ersten Schwangerschaftsdrittel und am Anfang des letzten Drittels durchführen lassen. Auch die professionelle Anwendung von Fluoridlacken in der Praxis gilt als sicher. Genieße diese Auszeit und betrachte die Zahnreinigung als kleine Wellness-Anwendung.
Zahnpflegekaugummis ohne Zucker regen die Speichelproduktion an und verlagern den pH-Wert im Mund in einen zahnfreundlicheren Bereich.
Achte auf eine ausreichende Zufuhr von Mineralien wie Kalzium, Magnesium und Phosphor. Zusätzlich stärken die Vitamine D, K und B
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deine Zähne. Ich empfehle dabei immer die direkte Aufnahme über die Ernährung und nicht über Nahrungsergänzungsmittel.
Studien zeigen, dass sich Schwangerschaften auf die Mundgesundheit der werdenden Mütter auswirken. Dabei wird allerdings nicht geklärt, warum sich das Risiko von Zahnverlust erhöht.
Fakt ist: Mütter mit drei Kindern hatten im Durchschnitt vier Zähne weniger als Mütter mit zwei Kindern. Diese Erkenntnis soll bitte keinen Einfluss auf deinen Kinderwunsch haben, dir aber zeigen, wie wichtig die Zahnpflege ist. Typische Zahnerkrankungen und ihre Symptome werden in diesem Abschnitt kurz erläutert.
Schwangere Frauen leiden signifikant häufiger an Zahnfleischbluten. Durch den Anstieg von Progesteron ist die Durchblutung des Zahnfleisches stark erhöht, die Haut im Mundbereich wird weicher und schwillt schnell an. Durch die Vermehrung von Bakterien entzündet sich das Zahnfleisch und Zahnfleischblutungen, besonders nach dem Zähneputzen, treten vermehrt auf. Progesteron reguliert zusätzlich die Immunabwehr deines Körpers, um dein ungeborenes Kind vor dem mütterlichen Immunsystem zu schützen. Dadurch können sich aber auch Bakterien im Mundbereich schneller vermehren und Zahnfleischentzündungen, die sogenannte Schwangerschaftsgingivitis, begünstigen. Östrogen sorgt zusätzlich für Schwellungen im Mundbereich und insbesondere zwischen den Zähnen. Umso wichtiger ist das frühzeitige Erkennen der Symptome und die rasche Therapie von Zahnfleischerkrankungen, damit sich aus der Schwangerschaftsgingivitis keine Parodontitis entwickelt. Hierbei handelt es sich um den Abbau des Zahnhalteapparats, durch den vertiefte Zahnfleischtaschen entstehen, den Zahn lockern und im schlimmsten Fall Zähne verloren gehen.
Anzeichen einer möglichen Parodontitis:
Zahnfleischbluten beim Zähneputzen, aber auch spontan
Geschwollenes und gerötetes Zahnfleisch
Dauerhafter Mundgeruch
Unangenehmer Geschmack im Mund
Zahnfleischrückgang
Empfindliche Zähne
Zahnwanderung
Zahnlockerung
Während der Schwangerschaft ändert sich nicht nur die Morphologie des Zahnfleisches, sondern auch die Zusammensetzung deines Speichels. Normalerweise neutralisiert Speichel Kariessäuren und remineralisiert deine Zahnhartsubstanz. Im Laufe der Schwangerschaft verschiebt sich dein Speichel-pH-Wert in den leicht sauren Bereich und der Gehalt an Phosphat und Kalzium verringert sich. Dadurch ist das Risiko von Erosionen erhöht. Erosionen sind Schädigungen der Zahnhartsubstanz, verursacht durch direkte Einwirkung von Säuren. Du erkennst sie an Dellen, Mulden und Stufen im Zahnschmelz und Zahnbein. Zunächst sind sie fein glänzend und kaum sichtbar, im späteren Stadium dann matt und gut feststellbar. Deine Zähne reagieren empfindlicher auf Temperaturunterscheide, können sich verfärben oder auch an Länge verlieren.
Leidest du nun zusätzlich unter Schwangerschaftsübelkeit mit Erbrechen oder an Sodbrennen, steigt dein Erosionsrisiko exponentiell stark an. Die Magensäure verschiebt deinen Speichel-pH weiter in den sauren Bereich und ist nicht mehr in der Lage, die Säureeinwirkung zu neutralisieren.
Durch die Veränderung deines Speichels und den damit verbundenen Eigenschaften erhöht sich zusätzlich auch das Risiko für die Entstehung von Karies. Denn auch Kariesbakterien produzieren Säuren, die nun nicht mehr effektiv abgepuffert werden können. Erschwerend kommt hinzu, dass Schwangere häufig unter Heißhungerattacken leiden und oftmals frequentiert raffinierten Zucker konsumieren. Die Kombination aus Zucker, Stärke und Kohlenhydraten ist der ideale Nährboden für Bakterien, um weitere Säuren zu produzieren und sich zu vermehren. Achte deshalb auf eine ausgewogene Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse und langkettigen Kohlenhydraten. Zwischenmahlzeiten sollten möglichst zuckerfrei gewählt werden. Am besten hast du immer einen gesunden Snack in deiner Tasche für unterwegs dabei, damit du erst gar nicht in Versuchung kommst, auf Ungesundes zurückgreifen zu müssen.
Die Ernährung hat zudem Einfluss auf die Zahnentwicklung deines Kindes, denn diese beginnt bereits in der sechsten bis achten Schwangerschaftswoche. Alles, was dein Kind an Mineralien für die Zähne benötigt, holt es sich aus deinem Essen und Trinken.
Bei der Parodontitis gelangen Bakterien oder Entzündungsmediatoren von den Zähnen über die Leber oder direkt übers Blut zum ungeborenen Kind.
Bakterientests
Karies wird von verschiedenen Bakterien in deinem Speichel verursacht. Mithilfe eines Bakterientests ist es möglich, die Menge der verursachenden Bakterien zu bestimmen. Auf dem deutschen Markt gibt es spezielle Speicheltests, welche dein Risiko (an Karies zu erkranken) anzeigen können. Dazu werden in der zahnärztlichen Praxis Speichelproben aus deiner Mundhöhle entnommen und ins Labor geschickt.
Stillen ist die natürlichste Versorgung deines Babys mit Nahrung und bietet ihm die optimale Unterstützung in den ersten Lebensmonaten. Muttermilch enthält alle wichtigen Nährstoffe, ist leicht verdaulich, passt sich dem Bedarf deines Kindes an, besitzt besondere Abwehrstoffe und ist immer und überall verfügbar. Zusätzlich schenkst du deinem Kind intensive Nähe und stärkst eure Bindung.
Die meisten Vorteile des Stillens werden der Zusammensetzung der Muttermilch zugesprochen, aber auch der Akt des Stillens selbst wirkt sich positiv auf die Zahn- und Kieferentwicklung deines Kindes aus. Stillen ist die erste kieferorthopädische Therapie für dein Kind! Der Stillvorgang erfordert die Koordination vieler verschiedener Muskelgruppen wie zum Beispiel der Zunge, der Kaumuskulatur, der Lippen und der Wangen. Das Kind muss nicht nur in der Lage sein zu saugen, sondern vielmehr auch, die Brust zu »melken«. Stillen ist somit Training für den Mund deines Kindes. Und dieses Training wirkt sich positiv auf die Zahn- und Kieferentwicklung aus. Während des Saugens passt sich dein Brustgewebe an die Gaumenform deines Kindes an und unterstützt die Ausformung des Oberkiefers. Der Unterkiefer deines Babys positioniert sich weiter nach vorn. Zusätzlich werden beim Stillen die Nasenatmung und ein kompetenter Lippenschluss bei deinem Kind geschult. Wissenschaftliche Studien zeigen außerdem, dass gestillte, gesunde und reife Kinder weniger auf einen Schnuller angewiesen sind. Stillen bedeutet also weitaus mehr als nur Nahrungsaufnahme. Vergleicht man gestillte Kinder mit Flaschenkindern, ist das Kariesrisiko für flaschenernährte Kinder, bei sonst gleichen Ausgangsbedingungen, höher.
Die vorher genannten Aspekte sind perfekte Voraussetzungen für eine korrekte Zungenruhelage: Das vordere Drittel der Zunge liegt knapp hinter dem Bereich der oberen Schneidezähne (bei zahnlosen Babys gilt als Orientierung die Schneidezahnpapille) am Gaumen. Dabei werden die Zähne nicht berührt. Die Lippen sind locker geschlossen. Die Zunge wird durch Schluck-, Mund- und Kieferanatomie bestimmt und formt den noch sehr weichen Gaumen. Der Mundraum wird fast komplett durch die Zunge ausgefüllt und idealerweise kommt sie tagsüber und auch nachts am Gaumen zu liegen. Dadurch wird das Breitenwachstum des Oberkiefers unterstützt. Der Oberkiefer stellt zudem den Boden der Kieferhöhle dar – ein breiter und halbrund geformter Oberkiefer schafft Platz für die Nasenwege und unterstützt somit die Atmung. Gleichzeitig gilt der Oberkiefer als Leitschiene für den Unterkiefer.
Der Unterkiefer befindet sich im Baby- und Kleinkindalter in der Rücklage, liegt also weit hinter dem Oberkiefer. Wie der Fuß in den Pantoffel schiebt sich der Unterkiefer bis zum Zahnwechsel am Oberkiefer entlang. Der Pantoffel (Oberkiefer) muss dabei groß und breit genug sein, damit der Fuß (Unterkiefer) hineinpasst. Kommt die Zunge nicht am Gaumen zu liegen, kann der Oberkiefer nicht korrekt in Form und Größe ausgeformt werden. Die Folge ist ein zu schmaler und spitzer Oberkiefer. Durchbrechende Zähne finden im Zahnbogen nicht genügend Platz und Zahnfehlstellungen sind zu erwarten. Die Nasenwege werden eingeengt und auch der Unterkiefer verbleibt in Rücklage.
Tipp: Wie du die korrekte Zungenruhelage bei deinem Kind kontrollieren kannst: Warte auf den Moment, wenn dein Kind schläft. Ziehe dann vorsichtig das Kinn nach unten und schaue dir die Zunge an. Liegt sie oben am Gaumen, ist das die richtige Position. Falls sie unten am Mundboden liegt, schließe den Mund wieder ganz sanft und halte ihn fünf Sekunden geschlossen. Probiere es so oft, wie es deine Kapazitäten zulassen. Ziel ist die Lage oben am Gaumen!
Medizinische Fachbereiche streiten sich um den Titel des stärksten Muskels unseres Körpers. Kaumuskulatur, Po und Herz leisten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Gewinnerin des Titels Flexibilität, Beweglichkeit und Ausdauer ist aber eindeutig die Zunge. Sie ist perfekt angepasst an alle überlebenswichtigen Aufgaben unseres Lebens.
Nur etwa 5 Prozent der Frauen können nicht oder nur eingeschränkt stillen. Bei ersten auftretenden Problemen solltest du Kontakt zu einer ausgebildeten und zertifizierten Stillberaterin suchen. Dazu zählen zum Beispiel wunde Brustwarzen, Saugprobleme bei deinem Kind, Anlegeprobleme, Schmerzen beim Stillen, Gewichtsverlust deines Kindes oder aber auch Milchstau und Brustentzündung.
Deine Hebamme oder deine Frauenärztin können dir natürlich auch weiterhelfen, sind aber meist nicht speziell auf dem Gebiet fort- beziehungsweise ausgebildet und stoßen bei komplexen Problemen an ihre Grenzen.
Du weißt nun, dass die Zunge eine Vielzahl an Funktionen übernimmt und das Stillen eine Kombination verschiedener Muskelgruppen erfordert. Sie ist essenziell bei der Koordination von Saug-, Schluck- und Atembewegungen. Sie steuert den Unterdruck zur Entleerung deiner Brust, indem im mittleren und hinteren Teil wellenförmige Bewegungsmuster durchgeführt werden.
Unter der Zunge liegt das sogenannte Zungenband. Du kannst es sehen, wenn du deine Zungenspitze in Richtung Gaumen anhebst. Es ist im eigentlichen Sinn ein »Überrest« aus der Embryonalentwicklung und bildet sich circa zwischen der siebten und zwölften Schwangerschaftswoche. Im eigentlichen Sinn handelt es sich nicht um ein »Band«, sondern vielmehr um eine »Falte« der Mundschleimhaut. Idealerweise behindert es nicht die Funktion der Zunge.
Manchmal kann es allerdings vorkommen, dass das Zungenband verkürzt ist oder zu weit vorn an der Zungenspitze ansetzt und somit auch die Zungenbeweglichkeit einschränkt. Diese Einschränkung führt dann zu verschiedenen Symptomen, welche die Stillbeziehung zwischen dir und deinem Kind gefährden können. Die häufigsten findest du auf Seite 33 aufgelistet. Wichtig! Ein einziges Symptom ist kein hinreichend gesicherter Hinweis auf ein verkürztes Zungenband. Eine Diagnostik kann nur durch die Beurteilung der Gesamtsituation und mithilfe einer interdisziplinären Zusammenarbeit verschiedenster Fachleute (Stillberatung, Körpertherapie, Logopädie, Kinderheilkunde, Zahnheilkunde) erfolgen. Expert*innen findest du unter anderem bei der DEFAGOR – der Deutschen Fachgesellschaft oraler Restriktionen: www.defagor.de
Sollte ein zu kurzes Zungenband bei deinem Kind festgestellt worden sein, wird meist zu einer Trennung oder Frenotomie geraten. Ziel sollte dennoch primär die Gesundheit von Mutter und Kind sein und ein Eingriff nur, bei nicht lösbaren Stillproblemen, nach erfolgter Stillberatung stattfinden. Von großer Bedeutung ist die korrekte und kontinuierliche Vor- und Nachbereitung durch fortgebildetes Fachpersonal, da es ansonsten zum Wiederanwachsen der vorherigen Strukturen kommen kann.
Manchmal kommt es vor, dass auch das Lippenband behandlungsbedürftig erscheint und dein Baby beim Stillen einschränken kann. Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es dafür jedoch keine Belege. Meine klinische Erfahrung hat allerdings gezeigt, dass eine Trennung sinnvoll sein kann, wenn die Funktion tatsächlich eingeschränkt ist. Auch hier sollten Nutzen und Risiko ganz genau abgewogen werden.
Wenn du dein Kind nicht stillen kannst oder möchtest, ergibt sich für dich die Frage, welche Flasche und welchen Sauger du verwenden kannst. Das natürliche Saugverhalten an der Flasche nachzubilden ist leider nicht möglich – auch wenn dir die Werbung etwas anderes verspricht. Das Saugen an der Flasche führt zu einem konstanten Milchfluss, anders als beim Stillen, bei dem dein Kind das Saugverhalten selbstständig reguliert und immer wieder kleinere Pausen einlegt. Ein achtsames und bindungsorientiertes Füttern nach Bedarf sollte deshalb zielführend sein. Dabei werden immer wieder kleinere Ruhezeiten beim Flaschenfüttern eingehalten und stets nach Hungerbedarf gefüttert. Du hältst die Flasche stets mit engem Körper- und Hautkontakt und suchst den Augenkontakt, wenn dein Kind sich dir zuwendet. Dein Kind liegt in aufrechter Position. Achte darauf, wann dein Kind eine Pause benötigt, und nimm dir, wenn möglich, viel Zeit für die Fütterung. Nach der Hälfte der Mahlzeit wechsle die Armseite. Verwende die kleinste Saugergröße, damit die Milch nicht einfach nur in den Rachen deines Kindes fließt, sondern es aktiv saugen muss. Überlasse die Flasche nicht eigenständig deinem Kind. Hier kann die Verwendung von Glasflaschen hilfreich sein, um die Bindung zum Baby zu gewährleisten und einer Überfütterung entgegenzuwirken. Studien konnten zudem zeigen, dass nicht-transparente Flaschen und das Beachten von Anzeichen einer Trinkpause vor Überfütterung schützen. Flaschensauger sollten außerdem weich und flexibel sein, symmetrisch, lang und eine breite Lippenauflage bieten. Ob du dich für Silikon oder Naturkautschuk entscheidest, ist dir überlassen.
Formula-Nahrung sollte der Muttermilch in ihrer Zusammensetzung ähneln. Verwende deshalb nur Pre-Nahrung (Anfangsnahrung) beziehungsweise hypoallergene Anfangsnahrung. Folgemilch wird dein Baby nicht viel mehr sättigen, erhöht aber sein Kariesrisiko.
Welche Flaschensauger wie oft?
Der optimale Flaschensauger ist weich und lang und hat eine breite Lippenauflage.
Größe: Die Größe der Brustwarze wächst nicht mit, deshalb sind im Laufe des ersten Halbjahres auch keine Sauger mit zwei oder drei Löchern notwendig!
Häufigkeit:
Warum benötigt der Mensch überhaupt Milchzähne? Die Frage ist berechtigt, denn ihre Lebenszeit ist begrenzt und nach kurzer Zeit fallen die weißen kleinen Zähne auch schon wieder heraus und machen Platz für die bleibenden Zähne. Doch Milchzähne gehören zu einer wichtigen Entwicklung des menschlichen Gebisses. Ihre Bedeutung liegt nicht nur darin, den Weg für die neuen Zähne zu bereiten, sondern vielmehr nehmen sie zahlreiche Funktionen und Aufgaben ein, die für Wachstum, Spracherwerb und Entwicklung eine große Rolle spielen. Folgende Hauptfunktionen lassen sich festhalten:
Kauen und Verdauen
Milchzähne ermöglichen es deinem Kind, feste Nahrung zu zerkleinern und zu verdauen. Denn der Verdauungsprozess beginnt bereits im Mund durch Zerteilung der Nahrung und Vermischung mithilfe von Zunge und Speichel und Beimengung von Enzymen. Dies ist wichtig für die Versorgung mit wichtigen Nährstoffen, die im Laufe der Entwicklung nicht mehr alleinig durch die Muttermilch erfolgen kann. Milchzähne ähneln dabei den erwachsenen Zähnen: Milchschneide- und Milcheckzähne dienen dem Abbeißen von Nahrung und Milchbackenzähne zermahlen die Lebensmittel. Sollten Milchzähne verfrüht ausfallen, haben Kinder Schwierigkeiten bei der Nahrungszerkleinerung, sind eingeschränkt bei der Lebensmittelauswahl und können in einen Nährstoffmangel gelangen. Auch Verdauungsprobleme sind möglich.
Platzhalterfunktion
Milchzähne dienen als Platzhalter für die bleibenden Zähne. Sie bewahren den korrekten Abstand und die richtige Ausrichtung zwischen den Zähnen. Indem sie den Platz für die bleibenden Zähne aufrechterhalten, tragen sie dazu bei, dass sich das bleibende Gebiss physiologisch (normgerecht) entwickelt. Wenn Milchzähne frühzeitig verloren gehen, können Nachbarzähne in diesen leeren Raum wandern und den Platz für bleibende Zähne versperren. Dieser Platzverlust stört die weitere Zahnentwicklung, führt zu Zahnfehlstellungen, einer beeinträchtigten Kaufunktion und benötigt eine kieferorthopädische Therapie. Sollten Milchzähne im Bereich der Frontzähne zu früh ausfallen, kann dieses Schwierigkeiten beim Spracherwerb und beim Sprechen nach sich ziehen.
Sprachentwicklung
Das Vorhandensein von Milchzähnen ermöglicht deinem Kind die korrekte Entwicklung von Sprache. Sie spielen eine bedeutende Rolle beim Formen der einzelnen Laute und der Artikulation. Beim Sprechen berühren die Zungen- und Lippenbewegungen die Milchzähne und erzeugen bestimmte Klänge. Beim vorzeitigen Verlust der Milchzähne führt dieses zu einer Beeinträchtigung der Sprachentwicklung und zu Sprachproblemen wie zum Beispiel Lispeln. Du kennst vielleicht noch Menschen aus älteren Generationen mit künstlichen Gebissen und weißt, welche Schwierigkeiten diese beim Sprechen ohne Prothese haben.
Stützfunktion
Milchzähne unterstützen die korrekte Entwicklung der Kiefer und des Gesichtsskeletts. Sie helfen dabei, die Kiefer in einer ausgewogenen und korrekten Position zu halten. Wenn Milchzähne verloren gehen, kann dieses zu einer Veränderung der Kieferposition führen, wodurch sich das Gesichtsprofil und der Biss deines Kindes negativ verändern können.
Ästhetik
Milchzähne spielen auch eine Rolle in der ästhetischen Erscheinung deines Kindes. Sie ermöglichen das wahrscheinlich schönste Lächeln und tragen zur allgemeinen Ausstrahlung bei. Gesunde und gepflegte Milchzähne stärken das Selbstbewusstsein und fördern ein entsprechendes Selbstbild.
Der Mensch durchläuft im Laufe seines Lebens zwei Zahngenerationen – mit Milchzähnen und mit bleibenden Zähnen. Diese doppelte Zahnentwicklung ist ein faszinierender Prozess, der tiefe Einblicke in die Anpassungsfähigkeit des menschlichen Körpers bietet.
