Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Von Sporthunden wird heute viel verlangt: Sie sollen hoch springen, schnell laufen, Ausdauer und Geschicklichkeit zeigen,um ihren Besitzern Pokale nach Hause zu bringen. Aber auch die Diensthunde bei Polizei, Zoll, im Rettungsdienst oder auf der Jagd sind starken Beanspruchungen ausgesetzt. Um leistungsfähig zu werden und zu bleiben, muss auch der vierbeinige Sportler richtig vorbereitet und begleitet werden. Die Tierärztin Gabrielle Scheidegger liefert mit diesem Buch erstmals ein Standardwerk für den Trainingsaufbau und -erhalt bei Leistungshunden in Dienst- und Freizeitsport, das alle wichtigen Aspekte der Sportmedizin umfasst.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 202
Veröffentlichungsjahr: 2013
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Gabrielle Brunner Scheidegger
Gesunder Sport- und Diensthund
Vom Welpen bis zum Senior
© 2013 KYNOS VERLAG Dr. Dieter Fleig GmbH
Konrad-Zuse-Straße 3, D-54552 Nerdlen/Daun
Telefon: 06592 957389-0
Telefax: 06592 957389-20
www.kynos-verlag.de
Grafik & Layout: Kynos Verlag
eBook-Ausgabe der Printversion:
ISBN-eBook: 978-3-95464-009-6
ISBN der gedruckten Ausgabe: 978-3-942335-98-0
Bildnachweis: Siehe Seite 188
Mit dem Kauf dieses Buches unterstützen Sie die
Kynos Stiftung Hunde helfen Menschen
www.kynos-stiftung.de
Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt.
Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Haftungsausschluss: Die Benutzung dieses Buches und die Umsetzung der darin enthaltenen Informationen erfolgt ausdrücklich auf eigenes Risiko. Der Verlag und auch der Autor können für etwaige Unfälle und Schäden jeder Art, die sich bei der Umsetzung von im Buch beschriebenen Vorgehensweisen ergeben, aus keinem Rechtsgrund eine Haftung übernehmen. Rechts- und Schadenersatzansprüche sind ausgeschlossen. Das Werk inklusive aller Inhalte wurde unter größter Sorgfalt erarbeitet. Dennoch können Druckfehler und Falschinformationen nicht vollständig ausgeschlossen werden. Der Verlag und auch der Autor übernehmen keine Haftung für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte des Buches, ebenso nicht für Druckfehler. Es kann keine juristische Verantwortung sowie Haftung in irgendeiner Form für fehlerhafte Angaben und daraus entstandenen Folgen vom Verlag bzw. Autor übernommen werden. Für die Inhalte von den in diesem Buch abgedruckten Internetseiten sind ausschließlich die Betreiber der jeweiligen Internetseiten verantwortlich.
Inhalt
Einleitung
Ich finde meinen potenziellen Champion
2.1. Meine Überlegungen zur Rasse
2.2. Wo finde ich meinen ganz speziellen Hund?
2.3. Inzucht /Linienzucht
2.4. Die sind ja alle so süß! – Welcher soll es aber nun sein?
Wie Ihr Zwerg zum gesunden Sportler wird
3.1. Kindergarten
3.2. Er hat Hunger! – Fütterung im Baby- und Juniorenalter
3.3. Reichlich mit Talent beschenkt
3.4. Empfehlungen zur Aktivität des Welpen und Junghundes
Der Sportler wird trainiert
4.1. Belastungsarten
4.2. Trainingsvarianten und -möglichkeiten
4.2.1. Schnellkraft
4.2.2. Kraftausdauer
4.2.3. Ausdauer
4.2.4. Koordination
4.2.5. Beweglichkeit
4.3. Wild drauflos – oder doch mit Trainingsplan?
4.3.1. Untertraining
4.3.2. Übertraining
4.3.3. Training nach dem Prinzip der Überlagerung (Superposition)
4.3.4. Training nach dem Prinzip der genügenden Erholungsphase
4.4. Ein Sportler wärmt sich auf und läuft aus
4.4.1. Aufwärmen/WarmUp
4.4.2. Abwärmen/Cool Down
Grundlagen
5.1. Knurrende Kontaktaufnahme: Erstkontakt mit W
5.1.1. Zu den einzelnen Inhaltsstoffen
5.2. Sportlerernährung: Worauf es ankommt
Die Karriere läuft
6.1. Wettkämpfe und Stress – wir behalten die Nerven
6.2. Regeneration
6.3. Rückschläge
Der Sportler verletzt sich
7.1. Typische Sportverletzungen
7.2. Die häufigsten Erkrankungen am Bewegungsapparat
7.2.1. Hüftgelenksdysplasie (HD)
7.2.2. Ellbogengelenksdysplasie (ED)
7.2.3. Kreuzbandriss
7.2.4. Patellaluxation
7.2.5. OCD – Osteochondrosis dissecans
7.2.6. Bandscheibenvorfall
7.2.7. Cauda equina-Syndrom
7.3. Untersuchung und Akuthilfe zuhause /unterwegs
7.3.1. Hautwunden
7.3.2. Zerrungen/Dehnungen /Stauchungen
7.4. Reha zuhause
7.5. Reha in der Praxis /Physiotherapie
7.5.1. Manualtherapie
7.5.2. Physikalische Methoden
7.5.3. Bewegungstherapie
7.5. Notfallapotheke für den Sport- und Diensthund
Weitere Leiden
8.1. Die Wasserrute
8.2. Hitzschlag
8.3. Erfrierungen
8.4. »Sonderfall« Labrador Retriever
Spezielle Betätigungen Ihres Hundes – worauf Sie achten sollten
9.1. Nasenarbeit (inkl. Fährtenhund und Mantrailing)
9.2. Der Drogenspürhund
9.3. Der Sprengstoffspürhund
9.4. Agility
9.5. Windhunderennsport
9.6. Rettungshunde,Trümmersuchhunde, Lawinensuchhunde
9.7. Schutzhunde
9.8. Jagdhunde
9.9. Hütehunde
9.10. Schlittenhunde
9.11. Wasserrettungshunde
9.12. Brandbeschleunigersuchhunde/ Brandmittelspürhunde
Der Sportler wird älter
10.1. Alterungsprozess
10.2. Erkrankungen im Alter
10.2.1. Bewegungsapparat /Arthrose
10.2.2. Herz/Kreislauf
10.2.3. Niere
10.2.4. Leber
10.2.5. Magen-Darmtrakt
10.2.6. Sinnesorgane
10.3 Geri-turnen (Geriatrieturnen)
10.4. Der wohlverdiente Ruhestand
10.5. Doping
10.6. Komplementärmedizin
Anhang
11.1. Die Autorin
11.2. Danksagung
11.3. Weiterführende Literatur /Quellenangaben
11.4. Bildnachweis
1Einleitung
»Sport oder Dienst mit Hund? Oh ja! Unbedingt! Aber...«
...wie finde ich den Weg durch den Dschungel der Hunderassen und Züchter? Woran erkenne ich ihn denn, meinen kleinen oder großen Champion? Und habe ich ihn gefunden, wie nutze ich seine Talente, was muss ich beachten, um ihn gesund zu halten? Braucht er eine spezielle Ernährung? Wie viel soll und darf ich in welchem Alter trainieren? Diese und unzählige andere Fragen beschäftigen Tausende Hundebesitzer, die so einiges aus sich und ihrem Hund machen wollen und eigentlich auch könnten, hätten sie die richtige Wegleitung schon gefunden... Den Weg zum Erfolg oder einfach nur den Spaß im Team mit ihrem Hund.
In meiner Tierarztpraxis, die auf Sport- und Diensthunde spezialisiert ist, treffe ich häufig vielseitig frustrierte Hundeführer an, die schon lange nach dem richtigen Weg suchen und ihn noch nicht gefunden haben. Die anspruchsvolle, aber befriedigende Aufgabe ist es dann, diese Teams auf ihrem Weg zu begleiten, und die schöne Ernte dieser Saat: unzählige Pokale, Dankesschreiben und noch mehr glückliche Augenpaare.
Ich selbst befand mich in einer ähnlichen Situation, als ich mich entschied, ein ProfiSchlittenhundeteam zu betreuen. Ich fand mich inmitten eines Rudels von über hundert Schlittenhunden wieder. Ich solle eben dieses Rudel zu einem großen Titel führen. Zucht, Training, Ernährung, Freizeitausgleich, Geschwindigkeit, Material, Rennplan. Wirr wirbelten diese Begriffe in meinem Kopf herum. Es galt diese zu ordnen und mir Wissen anzueignen.
Unbrauchbare Tipps in großer Menge, Literatur zur Sporthundemedizin kaum vorhanden!
»Da muss ich mir wohl selber helfen!« Das damalige Endergebnis: Der Sieg des Teams am härtesten Sprintrennen der Welt. Die Open North American Championship, Fairbanks in Alaska!
Und hier bin ich also angekommen. Seit nun über 16 Jahren beschäftige ich mich fast ausschließlich mit diesen Themen und darf noch immer täglich dazulernen. Mit jeder einzelnen Teambetreuung gewinne ich noch mehr Erkenntnisse und baue diese immer wieder in meine bisherigen Theorien und Techniken ein. Es blieb natürlich nicht bei den Schlittenhunden, immer mehr Sportarten und Betreuungen kamen hinzu: Polizei- und Zollhunde (Schutz-, Betäubungsmittel- und Sprengstoffspürhunde), sportlich geführte Schutzhunde, Fährtenhunde, Mantrailing-Hunde, Windhunde und dann natürlich noch das Agility, meist im Zusammenhang mit Flyball, Dog Frisbee und oftmals auch der Hütearbeit an Schafen. Auch ich persönlich werde von immer mehr Hundesportviren gepackt und treibe mit meinen Hunden aktiv Hundesport.
Mit diesem Buch möchte ich Ihnen Tipps und Hinweise für den Umgang mit Ihrem Hund geben. Gleichzeitig werde ich zum besseren Verständnis die entsprechenden Hintergründe erläutern, egal, ob Sie Diensthundeführer, ambitionierter Sporthundeführer sind oder einfach mit Ihrem Hund mehr Spaß haben wollen, indem Sie ihm etwas mehr als reine Spaziergänge bieten. In ganz wenigen Fällen wird auf Spezialitäten hingewiesen, welche sportartspezifisch oder dienstspezifisch sind. Diese sind der Übersicht zuliebe im letzten Kapitel einzeln aufgeführt.
Ich wünsche Ihnen allen eine gesunde und erfolgreiche, also befriedigende Arbeit mit Ihrem Hund. Auf welches persönliche Ziel Sie auch immer mit Ihrem Hund hinarbeiten – eigentlich gilt auch hier: Der Weg ist das Ziel. Sie werden den Erfolg Ihrer Arbeit leicht an Ihrem Hund erkennen: Das unverwechselbare freudige Blitzen in seinen Augen wird es Ihnen zeigen!
2Ich finde meinen potenziellen Champion
Ein ganz spezieller Moment, auf den sich jeder Hundebesitzer besonders freut: Das Aussuchen des neuen Familienmitgliedes, des Freundes, der uns idealerweise sein ganzes Leben lang begleiten soll.
Darf der Hund sich dann zusätzlich zur Funktion des Begleiters noch auf eine Sportart oder einen besonderen Dienstbereich spezialisieren, wird diese Entscheidung zur Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Leider kann ich Ihnen kein Rezept zur Hand geben, welches Ihnen den Erfolg garantiert. Aufgrund meiner langjährigen Berufserfahrung und zahlreicher Ankaufsuntersuchungen kann ich Ihnen aber doch ein paar gute Tipps mitgeben. Ich wünsche jedem, der loszieht, dass er sein eigenes, ganz spezielles Juwel findet!
2.1. Meine Überlegungen zur Rasse
Der größte Teil meiner Leserschaft, so behaupte ich, besitzt schon einen Hund. Oder Sie haben einen besessen und liebäugeln nun wieder mit der Anschaffung eines treuen Begleiters. Sie haben wahrscheinlich auch schon entschieden, welcher Beschäftigung Sie mit ihm nachgehen wollen. Also ist auch klar, welche Rasse Sie sich zulegen wollen. Den Ferrari unter den Erfolgreichen natürlich! Sie wollen doch nicht mit einem Dreirad an einem Formel 1 Rennen teilnehmen?
Nun frage ich Sie: Erfolg hin oder her. Werden Sie glücklich mit dieser Rasse? Auch wenn der Hund nach ein paar Monaten doch kein Ferrari sein will, und nichts mit Laufen, Springen oder Suchen zu tun haben will? Oder sein Fahrgestell nicht mehr mithalten will und der Hund dementsprechend nicht belastet werden darf? Haben Sie einen »Plan B«?
Sollen Sie sich, weil Sie mit Ihrem Hund gerne Agility machen möchten, gleich einen Border Collie anschaffen? Oder gleich einen Malinois, weil Sie sich für das Schutzdiensttraining interessieren? Werden Sie diesem Hund auch an den trainingsfreien Tagen gerecht? Können Sie mit seinen Trieben und Instinkten umgehen und leben? Oder sind alle Familienmitglieder mit einem Malinois einverstanden und können mit dessen Temperament und seiner Kraft auch umgehen? Oder hatte Ihr Partner schon mit dem Vorgängerhund Rangordnungsprobleme? Sind die Lebensumstände passend oder befinden Sie sich momentan in glücklichen Umständen und die Flegelzeit des Hundes wird mit der Krabbelzeit Ihres Kindes zusammenfallen?
Lassen Sie sich von Ihrem Umfeld mitberaten. Ich kenne es selbst von mir, dass ich doch ab und an manche Dinge nicht wahrhaben will oder verdränge. Freunde, die ehrlich und sachverständig sind, werden Sie bestimmt gut und gerne beraten. Von außen sieht die Situation vielleicht doch etwas anders aus. Wenn Sie und alle Ihnen nahestehenden Personen eindeutig »JA« sagen können und zudem die Wohn- und Lebenssituation dafür geeignet ist, dann gratuliere ich Ihnen zu Ihrem Entscheid. Ich sehe mich als Anwältin der »Arbeiterklasse« unter den Hunden. Für einen in einer Arbeitslinie gezüchteten Hund gibt es nichts Schlimmeres als Arbeitslosigkeit!
Soll Ihr Hund ein Diensthund werden, dann haben Sie mit der Leitung der Hundestaffel respektive Diensthundegruppe bestimmt schon die Frage nach der richtigen Rasse Ihres zukünftigen Dienstkollegen abschließend geklärt. Verlassen Sie sich auf die Meinung Ihrer erfahrenen Dienstkollegen und Vorgesetzten – so werden Sie mit Ihrem Hund ein gutes Team bilden.
2.2. Wo finde ich meinen ganz speziellen Hund?
Sie haben gegenüber vielen anderen Hundebesitzern einen großen Vorteil: Da Sie spätestens jetzt in der »Szene« Ihres zukünftigen Betätigungsfeldes Kontakte geknüpft haben oder sich schon längst darin auskennen, haben Sie die Möglichkeit, unzählige Zuchthunde zu beobachten. Überprüfen Sie deren Eignung, Gesundheit und Potenzial. Generell rate ich dazu – wenn irgendwie möglich – einen Hund aus einer Wurfwiederholung (gleiche Elternpaarung) auszusuchen, falls der Sport respektive Diensteinsatz bei der Anschaffung des Hundes einen hohen Stellenwert haben oder sogar das Hauptkriterium sein soll. Die Wahrscheinlichkeit, eine Enttäuschung zu erleben, sinkt dadurch um ein Vielfaches. Insbesondere im Diensthundewesen spielen auch finanzielle Faktoren mit. Es ist nicht zu unterschätzen, welche Kosten bei einem »Fehlkauf« entstehen. Ganz zu schweigen von der Frustration des Hundes und Hundeführers, die es unbedingt zu vermeiden gilt.
Die Allermeisten würden gerne einen Welpen zu sich nehmen, aber Achtung: Das Beurteilen des Wesens, des Körperbaus, der Gesundheit und der Endgröße sind stark eingeschränkt. Im Diensthundewesen empfehle ich, besser einen Hund im Alter zwischen sechs und vierzehn Monaten aufzunehmen. Solche Hunde finden Sie in der Regel bei seriösen Züchtern. Oft behalten diese ein bis zwei Welpen, um zu einem späteren Zeitpunkt zu entscheiden, welchen Nachkommen sie zur Zucht behalten wollen. Ein anderes Beispiel sind Hunde, welche vom Züchter zurückgenommen wurden, da sich in der neuen Besitzerfamilie erst später herausstellt, dass zum Beispiel eine Hundehaarallergie eines Familienmitgliedes das Halten eines Hundes unmöglich macht. Auch können sich familiäre Umstände ändern, von denen auch die Situation des Hundes betroffen sein kann. Dies kann dazu führen, dass immer wieder Junghunde einen neuen Platz bei erfahrenen Hundeführern suchen.
Sie können mit dem Züchter oder dem Vorbesitzer Abmachungen treffen und Bedingungen stellen. Wie zum Beispiel, dass der Hund zuerst bei einem spezialisierten Tierarzt zur Ankaufsuntersuchung vorgeführt wird. Dieser wird eine komplette klinische Untersuchung vornehmen, Winkelung und Bemuskelung messen und beurteilen. Ein Belastungstest kann nach Absprache ebenfalls durchgeführt werden. Solch eine gründliche Ankaufsuntersuchung dauert etwa zwei Stunden. Die Kosten, welche so gering wie möglich gehalten werden sollten, werden nach Absprache entweder geteilt oder der Züchter übernimmt diese, falls der Hund nicht gekauft wird. Falls es zum Verkauf des Hundes kommt, werden diese Kosten in der Regel vom zukünftigen Hundebesitzer übernommen. Die Ausgabe lohnt sich auf alle Fälle.
Meine Ankaufsuntersuchungen in der Praxis und auf dem Feld beinhalten unter anderem:
•Mikrochip ablesen (Identifikation überprüfen)
•Komplette klinische Untersuchung:
•Bewusstsein
•Haltung und Stellung
•Gang
•Haut und Fell
•Augen (Bindehaut, Hornhaut, Sklera, Linse, Netzhaut, Sehkraft beurteilen)
•Ohren
•Nase
•Maulhöhle, Rachen, Zähne
•Bauch abtasten
•Herz abhören, Puls fühlen
•Blutdruck messen
•Gesäuge und Scheide /Prostata und Hoden
•Alle Gelenke abtasten und in Biegungs-/ Beugungs-/ Drehbelastung bringen
•Pfoten: Krallen und Krallenbett, Ballenqualität
•Überprüfen des Impfstatus und eventueller Entwurmungen
•Ausmessen der Bemuskelung und Winkelung der Gelenke der Vorder- und Hintergliedmaße, insbesondere achten wir auf Symmetrie
•Biomechanische Beurteilung
•Stammbaumanalyse
•Leistungsanalyse der Elterntiere oder eventueller Geschwister
•Röntgenaufnahmen je nach Vorgeschichte respektive Fragestellung; mindestens Hüfte, Ellenbogen und Wirbelsäule
•Wesensbeurteilung
•Beobachten in Stresssituation inklusive Erholungsphase nach Stressbelastung. Schon die Untersuchung selbst stellt eine solche Situation für den Hund dar.
•Belastungstest: meist auf dem Laufband, genormt; mit Pulsmessungen, EKG, Blutdruckmessungen, neurologische Untersuchungen, eventuell sogar Herzultraschall, je nach Fragestellung.
•Je nach Einsatzgebiet und Ausbildungsstand: Eignungstest und oder Einsatztest, Probetraining
•Anforderung der Krankengeschichte beim Tierarzt, der den Hund bisher betreut hat. Die Krankengeschichte liefert oft Informationen,aus denen der Grund für die Abgabe des Tieres nachvollzogen werden kann.
Jeder Züchter ist stolz auf seine Zucht und wird Ihnen als aktivem und interessiertem Hundesportler oder Diensthundeführer mit Freude einen seiner Hunde abgeben. Es ist in seinem Interesse, dass Sie und Ihr neuer Hund ein gutes Team werden. Dies ist seine beste Werbung. Sie müssen keinesfalls »froh« sein, wenn Sie einen Hund aus dem Wurf auswählen dürfen. Gehen Sie aus solch einer Situation nie Verträge oder Kompromisse ein, denen Sie unter anderen Umständen nie zustimmen würden.
Meiner Erfahrung nach sind für erfahrene Hundeführer häufig Hunde geeignet, welche aus einer Überforderung heraus direkt von privater Hand abzugeben sind. Mit diesen Hunden wurde meist noch nicht viel gearbeitet und sie sind noch recht »roh«. Oft konnten sie deshalb bei den Vorbesitzern stark werden und haben ein großes Selbstbewusstsein. Für den Sport- und Diensthund ist dies viel besser, als wenn er durch Druck beim Vorbesitzer »klein« gemacht wurde. Vielleicht wurden ihm dort auch keine oder zu wenig Grenzen gesetzt. Die an dieser Stelle aufgetretenen Probleme müssen unbedingt diskutiert und analysiert werden. Es ist zu vermeiden, dass es zu Vorfällen kommt, weil man auf Situationen nicht vorbereitet war. Der neue Hundebesitzer muss von der ersten Minute an souverän und bewusst mit der bestehenden Problematik umgehen, wenn eine Besserung eintreten soll.
Egal, für welchen Weg Sie sich entscheiden, eines ist klar: Ein seriöser Züchter wird schnell erkannt. Es herrschen saubere Umstände, Sie werden herzlich und offen empfangen, der Züchter kann und möchte Mutterhündin und Geschwister zeigen, züchtet in der Regel eine Rasse, ausnahmsweise höchstens zwei Rassen. Zudem gibt er Ihnen gerne Besitzer von Hunden aus vorangegangenen Würfen an. Dort können Sie nachfragen, ein Treffen vereinbaren und eventuell Ihren zukünftigen Hund »in Großausgabe« kennenlernen.
Ein seriöser Züchter lässt Sie mehrfach zu Besuch kommen, bevor er Ihnen einen seiner Hunde abgibt.
Ebenso möchte ich aber auch die Züchter darin bestärken, nur geeigneten Hundeführern Hunde abzugeben. Zweifelt ein Züchter an der Eignung des Interessenten, muss er seine Bedenken äußern und das Gespräch suchen. Vielleicht kann er im Käufer etwas bewegen und tatsächlich ein Überdenken auslösen. Züchter haben in der Regel viel Erfahrung darin, die Eignung einer Person als Hundehalter einzuschätzen. Manchmal reicht einfach ein ungutes Bauchgefühl, auf das man hören und nachfragen sollte. Es werden beide Seiten davon profitieren. Auch kennt niemand die Welpen so gut wie der Züchter. Lassen Sie sich von ihm beraten, wenn er Ihnen zu einem speziellen Individuum rät. Fragen Sie ihn nach seinen Beweggründen.
Ein guter Interessent gibt dem Züchter gerne Auskunft, wer den Hund während seiner Arbeitstätigkeit betreuen wird, wie er untergebracht sein wird, wer sich während der Ferien seiner annimmt und nicht zuletzt, wo und was trainiert werden soll.
Als seriöser Käufer sind Sie interessiert an der Hundehaltung und Zwingeranlage des Züchters, an der ganzen Hundeverwandtschaft, an der Geschichte der Mutterhündin und des Vaterrüden, an den Erfolgen der Elterntiere, an der Linienzucht respektive dem Inzuchtgrad. Ein guter erfahrener Züchter wird innerhalb von Sekunden die Art und den Umgang des Interessenten mit Hunden erkennen und beurteilen. Gefällt ihm nicht, was er sieht, wird er Abstand von diesem Käufer nehmen.
2.3. Inzucht / Linienzucht
Die Definition Linienzucht / Inzucht ist »eine Verpaarung von Tieren, die näher miteinander verwandt sind als der Durchschnitt der Rasse«.
Zur Berechnung des Inzuchtgrades:
Die Formel zur Errechnung des Inzuchtkoeffizienten lautet:
0,5n1 + n2 + 1
n1 = Anzahl Generationen vom Vater zum gemeinsamen Vorfahren
n2 = Anzahl Generationen von der Mutter zum gemeinsamen Vorfahren
Wollen Sie also den Inzuchtgrad für einen Hund (oder eine mögliche Paarung) ausrechnen, müssen Sie für jeden gemeinsamen Ahnen diese Formel ausfüllen und dann alle Werte, die Sie berechnet haben, zusammenzählen.
Fangen wir mal mit einem einfachen Beispiel an: Sie wollen die Hündin A mit dem Rüden B verkuppeln. Wie lautet der Inzuchtfaktor für die Welpen? Dazu betrachten Sie grundsätzlich zuallererst die Ahnentafeln der Hunde – wenn möglich auf fünf Generationen.
1.die beiden Eltern: A und B
2.die vier Großeltern
3.die acht Urgroßeltern
4.die sechzehn Ururgroßeltern
5.die zweiunddreißig Urururgroßeltern.
Nehmen wir an, A und B hätten beide C als gemeinsame Großmutter, ansonsten aber keine gemeinsamen Ahnen. Dann müssten Sie erst einmal überlegen, wie denn n1 (die Zahl der Generationen vom Vater zum gemeinsamen Vorfahren) lautet. Also von Rüde B (Vater in unserer Planung) bis zu C (seiner Großmutter) sind es 2 Generationen; n1 ist also 2. Nun kommt n2 an die Reihe, das ist die Anzahl Generationen von der Hündin A zu deren Großmutter C, also auch 2; n2 ist ebenfalls 2.
Jetzt müssen wir diese Werte in die Formel einsetzen: 0,52+2+1. Das Ergebnis lautet: 0,03125 oder in Prozenten ausgedrückt: 3,125%
Bestehen zwei gemeinsame Vorfahren, werden diese einzeln berechnet und am Schluss zusammengerechnet.
Der Inzuchtkoeffizient beträgt also bei einem gemeinsamen Ahnen in der
•zweiten Generation 0,125 (12,5%)
•dritten Generation 0,0625 (6,25%)
•vierten Generation 0,03125 (3,13% aufgerundet)
•fünften Generation 0,015625 (1,56%)
•sechsten Generation 0,0078125 (0,78%)
•siebten Generation 0,0039062 (0,39%)
•achten Generation 0,0019531 (0,20% aufgerundet).
Es gibt keine feste Größe, ab der man eine Gefahr für liniengezüchtete Hunde angeben kann. Die Gefahren der Inzucht können durch das Zuchtziel Langlebigkeit, Zähigkeit und Vitalität verringert werden. Das heißt, dass es Hunde geben wird, bei denen sich auch bei einem Inzuchtgrad von über 20% noch nichts Negatives bemerkbar macht, auf der anderen Seite kann es auch bei unter 10% schon zu ersten Anzeichen kommen.
Die sogenannte Inzestzucht ist die Geschwisterpaarung und Vater-Tochter- bzw. Mut- ter-Sohn-Paarung. Sie ist heute wegen des hohen Risikos unerwünschter Folgen von den Rasseclubs her grundsätzlich nicht mehr erlaubt. Früher wurden solche Inzestpaarungen gemacht, um herauszufinden, was ein Hund genau vererbt. Dies nannte man damals »Testpaarungen«.
Die Merkmale eines Hundes liegen durch Inzucht vermehrt reinerbig vor, einfach da beide Eltern überdurchschnittlich viele gleiche Gene haben. Wenn die Eltern selbst bereits ingezüchtet bzw. liniengezüchtet sind, verstärkt sich der Effekt. Ab einem relativ hohen Inzuchtgrad können aufgrund der erhöhten Reinerbigkeit die Widerstandsfähigkeit und die Fruchtbarkeit zurückgehen. Meist bleiben die Hunde in ihrer Statur etwas kleiner.
Ausnahmen bestätigen die Regel: Wenn von Anfang an konsequent auf Vitalität und Gesundheit gezüchtet wurde, können auch Hunde mit sehr hohem Inzuchtgrad von über 30% oder 40% sehr gesund sein.
Leider gibt es wenig Anhaltspunkte für den maximalen, noch akzeptablen Inzuchtgrad. – Generell wird angenommen, dass eine tatsächliche Inzuchtdepression erst bei über 20% einsetzt.
Zu dem errechneten Inzuchtgrad einer Paarung kommt allerdings immer noch der rassespezifische Inzuchtgrad hinzu. Dieser liegt in der Regel zwischen 4% (große Population) und 10% (kleine Population). Dieser in jeder Hunderasse vorhandene Inzuchtgrad ist für die rassetypischen Merkmale verantwortlich. Normalerweise fließt er in die Berechnung des Inzuchtgrades nicht mit ein.
2.4. Die sind ja alle so süß! – Welcher soll es aber nun sein?
Sie sind also angekommen. Bei Ihrer Wunschrasse, bei Ihrem Wunschzüchter, stehen am Rande der Spielwiese und bewundern die Lebendigkeit des einen, den Mut des anderen und die Schönheit des dritten Welpen. Einfach haben Sie es, wenn nur einer in Frage kommt. Wenn Sie zum Beispiel unbedingt einen Rüden haben wollen und es im Wurf nur einen Rüden gibt oder wenn Sie ganz sicher sind, dass Sie sich in den richtigen spontan verliebt haben. Nun haben Sie vielleicht aber die Qual der Wahl? Worauf können Sie nebst Bauchgefühl achten?
Lassen Sie sich im Welpenrudel von einer Drittperson filmen. Machen Sie Fotos und Videoaufnahmen und schauen Sie sich diese in Ruhe noch einmal an – alleine oder mit einer Fachperson, wenn diese nicht mit in den Zwinger kommen kann. Überlegen Sie sich vorher genau, was Sie wollen und brauchen. Brauchen Sie einen mutigen Draufgänger oder vielleicht einfach einen Wirbelwind? Oder sind Sie schon selbst genug aktiv und brauchen eher einen ruhigen Pol? Stellen Sie sich im Vorfeld Fragen zusammen, welche Sie zum Charakter der einzelnen Welpen beantwortet haben wollen. Beschreiben Sie dem Züchter Ihre Bedürfnisse und lassen Sie sich von ihm bei der Entscheidungsfindung unterstützen. Besuchen Sie die Welpen mehrere Male und versuchen Sie, den Entscheid so lange wie möglich hinauszuzögern. Sie werden schon beim zweiten Besuch merken: Ein Welpe, der beim ersten Mal ruhig und stoisch war, gibt diesmal keine Ruhe und tyrannisiert seine Geschwister. Vielleicht war er das letzte Mal einfach nur müde oder satt gefressen – oder er ist diesmal ungewöhnlich aufgedreht. Vielleicht ist auch der Züchter bereit, Ihnen Aufnahmen aus dem ganz normalen Alltag zukommen zu lassen?
Mir persönlich sind folgende Punkte wichtig, die unbedingt geklärt sein müssen, soll der Hund später als Sport- oder Diensthund zum Einsatz kommen:
•Wie schnell erholt sich ein Individuum nach einer ungewohnten Situation aus seiner Stresslage?
•Wie offen kommt ein Welpe auf mich und ihm bisher unbekannte Personen zu?
•Wie offen reagiert er auf unbekannte Gegenstände und plötzlich auftretende Lärmquellen?
•Wie gut reagiert er auf Futter und Spielreize?
•Wie intensiv setzt er seine Nase bei der Futtersuche ein?
•Wie bewegungsfreudig zeigt er sich?
•Spielt der Welpe sich als Boss auf oder unterwirft er sich dem ganzen Rudel?
Zum Beispiel ist für einen späteren Dienst- oder Schutzhund sehr wichtig, wie offen sich der Welpe zeigt. Er soll unerschrocken reagieren. Die Triebigkeit lässt sich am besten daran beurteilen, wie gut er auf optische Reize reagiert. Generell sollte er schnell und unverzüglich Reaktionen zeigen.
Erkundigen Sie sich bitte beim Züchter, wann er die Welpen füttert. Testen Sie die Schützlinge nicht direkt nach der Futteraufnahme. Nehmen Sie die Welpen einzeln aus dem Wurf und lassen Sie jeden die Umgebung erkunden. Ist er interessiert? Zeigt er sich offen und versucht Lösungswege zu finden, wenn Sie zum Beispiel Futter jenseits eines gerade noch passierbaren Hindernisses deponieren, oder lässt das Interesse schnell nach? Die Ausdauer ist eine Eigenschaft, die Sie schnell und leicht auf diese Art und Weise testen können. Die Frustrationstoleranz ist eine äußerst wichtige Eigenschaft!
Die Ausgeglichenheit sollte aber dennoch gewährleistet sein. Fällt der Welpe in Stress, sodass er nicht mehr klar denken kann und nur noch kläffend dasteht. Dann wird er höchstwahrscheinlich auch später schnell kippen und nicht genügend belastbar sein.
Wie schnell überwindet der Welpe die kurzfristige Trennung von seinen Ge schwistern? Testen Sie die Welpen ein zeln, aber immer nach dem gleichen Schema. Sie werden erstaunt sein, wie schnell Sie Unterschiede feststellen können.
Wie schnell sich ein Hund aus dem Stress heraus wieder erholt, ist für jeden Hund, egal welchen Sport oder Dienst Sie mit ihm machen wollen, von größter Bedeutung.
Fragen Sie zum Beispiel beim Züchter, ob Sie während einer Zwischenuntersuchung durch den Tierarzt dabei sein können. Bei dieser oder bei der Erstimpfung und dem Setzen des Mikrochips können Sie sehr gut »von außen« eine Situation beobachten und sehen, wie gut die Zwerge auf diese Fremdperson reagieren und wie sie damit umgehen, festgehalten zu werden. Diese Situation ist meist sehr aufschlussreich. Sind Sie sich nicht sicher genug, vereinbaren Sie einen erneuten Termin, beurteilen Sie die Kleinen nochmals und nehmen Sie unbedingt jemand Erfahrenen mit, der Ihnen vielleicht mit etwas mehr Distanz noch eine andere Meinung abgeben kann.
Die folgende Tabelle zur Welpenbeurteilung erleichtert Ihnen die Bewertung verschiedener Kandidaten.
Welpe AWelpe BWelpe Cusw.Offenheit/Reaktion auf Bezugsperson Reaktion auf fremde Personen Reaktion auf fremde Gegenstände Reaktion in ungewohnter Umgebung Spiel mit Personen Spiel mit Artgenossen Mut/Unerschrockenheit Nahrungstrieb Spieltrieb Stressreaktion