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Trotz immer besserer medizinischer Versorgung ist Altern mit großen Herausforderungen verbunden. - Die Mobilität wird geringer, - Muskelkraft und Muskelmasse nehmen ab, - es kommt zu Mangelernährung. Hinzu kommen häufig auch schlechte Stimmungslagen und ein Weniger an sozialen Beziehungen Gebrechlichkeit ist die deutlichste Folge dieser Funktionseinbußen. Jedoch können - regelmässiges Training, - verbesserte Ernährung und - ein Mehr an sozialer Unterstützung Gebrechlichkeit verhindern oder deren Folgen zumindest lindern. In ihrem Ratgeber "Gesundheit im Alter" erklären Experten der MedUni Wien auf wissenschaftlicher Basis die Zusammenhänge aus Alterungsprozessen, Lebensstil und körperlichen Funktionen und geben Rat, wie man möglichst gesund und mit möglichst guter Lebensqualität altern kann. Herzstück des Buches sind Vorschläge für gesunde Ernährung im Alter mit Kochrezepten sowie eine Trainingsanleitung für ältere Personen.
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Seitenzahl: 119
Veröffentlichungsjahr: 2017
Gesundheit im Alter
GESUNDHEIT IM ALTER
Selbstständigkeit erhalten, Gebrechlichkeit vorbeugen.
von
Thomas E. Dorner und Karin Schindler
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Gewähr; eine Haftung der Autoren sowie des Verlages ist ausgeschlossen.
Soweit im Folgenden personenbezogene Bezeichnungen nur in männlicher Form angeführt sind, beziehen sie sich auf Frauen und Männer in gleicher Weise (generisches Maskulin).
Stand des Wissens: Februar 2017
ISBN Buch: 978-3-214-08467-7
ISBN E-Book: 978-3-214-08469-1
© 2017 MANZ’sche Verlags- und Universitätsbuchhandlung GmbH, Wien Telefon: (01) 531 61-0
E-Mail: verlag@manz.at
www.manz.at
Layout und Satz: www.petryundschwamb.com
Druck: FINIDR, s.r.o., Český Těšín
INHALT
Vorwort
Die Autoren
GEBRECHLICHKEIT
Die Entstehung von Gebrechlichkeit
Schwund von Muskelmasse und Muskelkraft
Mangelernährung und Muskelschwund
Chronische Entzündung
Folgen von Gebrechlichkeit
Krankheitslast
Stürze und Knochenbrüche
Aktivitäten des täglichen Lebens
Risikofaktoren für Gebrechlichkeit
Unveränderbare Risikofaktoren für Gebrechlichkeit
Lebensstilassoziierte Risikofaktoren für Gebrechlichkeit
Umweltbedingte Risikofaktoren für Gebrechlichkeit
Häufigkeit von Gebrechlichkeit
Erkennen von Gebrechlichkeit
Körperliche Merkmale von Gebrechlichkeit
Psychische Merkmale von Gebrechlichkeit
Soziale Merkmale von Gebrechlichkeit
Feststellung von Gebrechlichkeit
Muskelmasse
Muskelkraft und Muskelfunktion
Mangelernährung
Laboruntersuchungen
Vorbeugung von Gebrechlichkeit
ERNÄHRUNG IM ALTER
Veränderungen im Alter
Ernährung in Gesellschaft
Teilhabe
Was können Sie tun, um Ihr Leben proaktiv zu gestalten?
Mangelernährung im Alter
Definition, Entstehung, Häufigkeit
Erkennen einer Mangelernährung
Häufigkeit von Mangelernährung
Gesunde Ernährung steigert das Wohlbefinden
Optimale Ernährung bei älteren Menschen
Wie häufig und wie viel (Portionen)?
Ausreichend Flüssigkeit
Richtig trinken und essen
Trinken
Testen Sie Ihr Trinkverhalten!
Eiweiß
Pflanzliches Eiweiß
Testen Sie Ihren Eiweißkonsum!
Fette, Öle und Nüsse
Testen Sie Ihren Fett- und Ölkonsum!
Brot, Getreide und Kartoffeln
Testen Sie Ihren Konsum von Brot, Getreide und Kartoffeln!
Gemüse, Salat und Obst
Testen Sie Ihren Obst- und Gemüsekonsum!
Zu wenig Energie
Einkauf und Lagerung
Einkauf
Lagerung im Kühlschrank
Lagerung außerhalb des Kühlschranks
Testen Sie Ihr Einkaufsverhalten!
DETERMINE-Checkliste Ernährungszustand
BEWEGUNG UND TRAINING
Bewegungsempfehlungen
Alltagsaktivität
Gesundheitswirksame Bewegung
Training
Krafttraining
Positive Wirkung des Krafttrainings
Richtige Durchführung des Krafttrainings
Ausdauertraining
Gleichgewichtstraining
Richtige Durchführung des Gleichgewichtstrainings
Mobilisations-/Beweglichkeitstraining
Wirkung von Mobilisations-/Beweglichkeitstraining
Durchführung von Mobilisations-/Beweglichkeitstraining
LEBENSQUALITÄT
Was versteht man unter Lebensqualität?
Körperliche Gesundheit
Psychisches Wohlbefinden
Soziale Beziehungen
Umweltbedingungen
Sensorisches Vermögen
Autonomie und Selbstständigkeit
Vergangenheits-, Gegenwarts- und Zukunftsaktivitäten
Soziale Teilhabe
Lebensqualität und Ernährung
Guter Ernährungszustand bedingt gute Lebensqualität
Gute Lebensqualität bedingt einen guten Ernährungszustand
Lebensqualität und Training
Training und körperliche Gesundheit
Training und psychisches Befinden
Training, soziale Beziehungen und soziale Teilhabe
Training und Autonomie
Training und Zukunftsaktivitäten
REZEPTE
Abkürzungen
Frühstück
Apfel-Zimt-Grießkoch
Belegtes Vollkornbrot
Kräuteraufstrich
Sesam-Topfen und Marmelade oder Honig
„Bleib-Fit“-Müsli mit Beeren
Apfel-Karotten-Topfencreme
Aufstriche
Apfel-Karotten-Krenaufstrich
Schinkenaufstrich
Thunfischaufstrich
Suppen
Gemüsesuppe
Kartoffelsuppe
Kürbiscremesuppe
Vollkornfrittatensuppe
Salate
Gemüse-Schafkäse-Salat
Kichererbsensalat
Linsensalat
Hauptspeisen
Gemüse-Käse-Auflauf
Gemüseeintopf
Kürbis-Kartoffelpuffer mit Joghurtsauce
Bunter Linseneintopf
Kichererbsenragout
Spaghetti Bolognese von roten Linsen
Spaghetti mit Gemüsesugo
Gemüsepalatschinken
Linsen mit Speck und Semmelknödel
Dorsch mit Tomaten-Kräuter-Kruste
Gegrillte Forelle mit Kräuterfüllung
Lachsfilet mit Gemüsereis
Thunfisch-Pasta
Saibling auf Gemüse mit Basmatireis
Hühnergeschnetzeltes mit Reis
Chili mit Räuchertofu
Gefüllte Paprika mit Tomatenragout
Putengeschnetzeltes mit Spätzle
Schweinsmedaillons mit Gemüse und Kartoffelpüree
Faschierte Laibchen
Nachspeisen
Orangen-Topfencreme
Milchreis
Nussiger Grießschmarren
Vollkornpalatschinken mit Heidelbeerfüllung
Fruchtsalat mit Nüssen
Minzjoghurt mit Früchten
Extras
Eiweißreiche Lebensmittel
Praktische Tipps
Anreichern
Ihre Notizen
TRAININGSÜBUNGEN
Ablauf einer Trainingseinheit
Mobilisationsübungen
Kraftübungen
Übungen zur Mobilisation
Mobilisation der Halswirbelsäule
Mobilisation der Schultern
Mobilisation der Lendenwirbelsäule
Mobilisation der Knie
Mobilisation der Sprunggelenke
Kraftübungen
Kräftigung der Beinmuskulatur
Kräftigung der Brustmuskulatur
Kräftigung der Bauchmuskulatur
Kräftigung des oberen Rückens
Kräftigung des hinteren Oberschenkels u. der Gesäßmuskulatur
Kräftigung der Schulter- und Armmuskulatur
EPILOG
Bildnachweis
Stichwortverzeichnis
VORWORT
Altern ist mit großen Herausforderungen verbunden. Oft beginnt es mit Kleinigkeiten, die schwieriger und mühsamer werden: So kann es etwa schwerfallen, sich die Zehennägel selbst zu schneiden oder die Socken anzuziehen, sich täglich zu waschen, an- und auszukleiden, das Essen selbst zuzubereiten oder Einkäufe zu erledigen. Die Aktivitäten des täglichen Lebens fallen zunehmend schwerer. Schließlich kann die Mobilität so weit abnehmen, dass das Aufstehen aus dem Bett oder einem Stuhl nur mit höchster Anstrengung möglich ist; zusätzlich verliert man vielleicht auch noch ungewollt Körpergewicht. Schlussendlich nehmen die sozialen Kontakte ab, da man das Haus oder die Wohnung kaum mehr verlässt und vielleicht selbst auch nicht mehr so häufig besucht wird. Die deutlichste Ausprägung dieser Funktionseinbußen ist Gebrechlichkeit. Im Sinne eines gesunden Alterns geht es genau darum, die Gebrechlichkeit zu vermeiden oder zu reduzieren und die Selbstständigkeit zu erhöhen, um so die bestmögliche Lebensqualität zu erreichen. Unabhängigkeit zu fördern, Lebensqualität zu erhöhen und Gebrechlichkeit und Pflegebedürftigkeit zu verhindern, sind zentrale Herausforderungen, die das Altern mit sich bringt.
Die Idee zu diesem Buch entstammt einem Projekt der Medizinischen Universität Wien mit dem Namen „Gesund fürs Leben“. Bei diesem Projekt wurden ältere Personen – viele waren bereits über 90 Jahre –, die von Gebrechlichkeit oder einer Vorstufe von Gebrechlichkeit betroffen waren, zweimal in der Woche besucht. Diese Besuche wurden von ehrenamtlichen Laien gemacht, die teils selbst schon im Pensionsalter, teils kurz davor standen. Während dieser Besuche wurden gemeinsam Kraftübungen durchgeführt und verschiedene Ernährungsbotschaften miteinander diskutiert. Die Ergebnisse dieses Projekts waren für uns sehr beeindruckend. Es konnte die Kraft gesteigert, das Bewegungsausmaß erhöht, die körperliche Funktion verbessert, Mangelernährung reduziert und die Lebensqualität gefördert werden. Dabei haben nicht nur die gebrechlichen Personen profitiert, sondern auch ihre deutlich jüngeren Partner. Für dieses Projekt wurden Trainingsübungen entwickelt, getestet und angewendet. Weiters wurden auf medizinischen und ernährungswissenschaftlichen Erkenntnissen basierte Kochrezepte entwickelt, die alle selbst ausprobiert und deren Ergebnis verkostet wurde. Da die Trainingsübungen und die Kochrezepte sehr gut angenommen wurden und einen überzeugenden Erfolg lieferten, war es unser Wunsch, sie zum Kernstück dieses Buches zu machen.
Um Gebrechlichkeit zu verhindern oder die Auswirkungen von Gebrechlichkeit abzuschwächen, gibt es vor allem drei Maßnahmen:
• vermehrte körperliche Aktivität bzw. körperliches Training,
• Optimierung der Ernährung und
• soziale Unterstützung.
Abb. 1: Die drei Säulen, um Gebrechlichkeit zu verhindern bzw. zu reduzieren und gleichzeitig die Lebensqualität und Selbstständigkeit zu verbessern.
Der optimalen Ernährung und dem körperlichen Training sind auch die zentralen Kapitel in diesem Buch gewidmet. Diese beiden Maßnahmen sind jedoch nur dann langfristig umsetzbar, wenn man sich die soziale Unterstützung dafür sichern kann. Essen schmeckt besser in Gesellschaft und Trainieren macht mit einem oder mehreren Partnern mehr Spaß. Also ist es wichtig, den Ehepartner bzw. die Ehepartnerin, Familienmitglieder, Freunde, Nachbarn etc. zu motivieren, mitzumachen. Vielleicht haben Sie auch das Glück und es besteht die Möglichkeit, in einem Projekt mit Gesundheitspartnern teilzunehmen, ähnlich wie in unserem „Gesund fürs Leben“-Projekt.
Zudem fällt es mit besserem Ernährungs- und Trainingszustand leichter, am sozialen Leben teilzuhaben und sich so mehr soziale Unterstützung zu sichern. Den beiden anwendungsbezogenen Kernkapiteln „Trainingsübungen“ und „Kochrezepte“ vorangestellt sind jedoch vier Kapitel. Diese vermitteln die nötige Information, warum Bewegung und Ernährung so wichtig sind, um die Selbstständigkeit zu bewahren, die Lebensqualität zu fördern und Gebrechlichkeit zu reduzieren.
Dem Thema „Gebrechlichkeit“ widmet sich das erste Kapitel des Buches. Gebrechlichkeit ist gekennzeichnet durch eine Abnahme von Muskelkraft und Muskelmasse, verbunden mit Mangelernährung. Ursache dafür sind ganz normale Alterungsprozesse sowie die Veränderung von Lebensgewohnheiten wie reduzierte Nahrungsaufnahme und Abnahme der körperlichen Aktivität. Man erkennt Gebrechlichkeit oder Vorstufen der Gebrechlichkeit an rascher Ermüdbarkeit oder Erschöpfung, geringer Nahrungsaufnahme, langsamer Gehgeschwindigkeit, körperlicher Schwäche und geringer körperlicher Aktivität.
Gebrechlichkeit führt zu einem Verlust von Selbstständigkeit, einem erhöhten Risiko für Stürze, und ist häufig verbunden mit mehreren Krankenhausaufenthalten und Einschränkung der Beweglichkeit. Gebrechlichkeit führt auch zu einem erhöhten Pflegebedarf und steigert das Risiko für vorzeitige Sterblichkeit. Es ist verbunden mit einem Wechsel von Unabhängigkeit hin zu Abhängigkeit und Pflegebedürftigkeit.
Ein weiteres Kapitel beschäftigt sich mit dem Thema „Ernährung im Alter“. Hierbei gehen wir vor allem auf das Risiko für Mangelernährung ein. Viele Ernährungsthemen des jungen und jüngeren Erwachsenenalters, wie das Thema Übergewicht, spielen bei älteren Menschen keine große Rolle. Bei ihnen geht es vor allem darum, genug Energie zu sich zu nehmen, ausreichend Eiweiß zu konsumieren und das Trinken nicht zu vernachlässigen.
Der körperlichen Aktivität und dem körperlichen Training widmet sich das nächste Kapitel. In diesem sind Trainingsempfehlungen für ältere Menschen dargestellt. Vor allem wird aber darauf eingegangen, wie körperliches Training funktioniert. Training ist gesundheitswirksame körperliche Aktivität, bei der es zu wichtigen Anpassungsvorgängen in unterschiedlichen Organ- und Funktionssystemen des Körpers kommt.
Dem Thema „Lebensqualität“ widmet sich ein weiteres Kapitel in diesem Buch. Darin werden die wichtigsten Dimensionen der Lebensqualität besonders bei älteren Menschen dargestellt. Diese Dimensionen beinhalten neben der körperlichen Gesundheit, dem psychischen Wohlbefinden und den sozialen Beziehungen etwa auch Umweltbedingungen, Selbstständigkeit und Autonomie sowie das Vermögen, am sozialen Leben teilzuhaben und einen wichtigen Platz in der Gesellschaft einzunehmen. Wie körperliches Training und gesunde Ernährung zu diesen Faktoren der Lebensqualität in Beziehung stehen, wird in diesem Kapitel ebenfalls erläutert.
Es folgen die anwendungsorientierten zentralen Teile dieses Buches. Es werden zunächst Rezepte präsentiert, in denen Anregungen gegeben werden, wie für ältere Menschen gesunde Hauptmahlzeiten, Aufstriche, Salate und Suppen zubereitet werden können.
Danach folgen Trainingsanleitungen. Dabei haben wir ganz besonders darauf geachtet, dass es sich um sichere Übungen handelt, mit denen alle großen Muskelgruppen trainiert werden können. Alle Übungen sind so dargestellt, dass sie in der Intensität variiert werden können. Das heißt, man kann dieselbe Übung als Einsteiger oder Fortgeschrittener machen und hat trotzdem noch einen guten Trainingseffekt dabei. Familienmitglieder, Freunde oder Bekannte können so gleichzeitig dieselben Übungen wie sehr gebrechliche Menschen machen (nur in anderer Intensität) und haben dabei einen ähnlichen Nutzen.
Bei der Lektüre wünschen wir Ihnen viel Freude!
DIE AUTOREN
Assoc.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Thomas E. Dorner, MPH
studierte Humanmedizin in Wien, graduierte zum Master of Public Health und habilitierte für Sozialmedizin/Public Health. Er ist assoziierter Professor am Zentrum für Public Health der MedUni Wien. Seit 2012 ist er Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Public Health. Zu seinen Forschungs- und Publikationsschwerpunkten gehören u. a. körperliche Aktivität als Gesundheitsressource, soziale Gesundheitsdeterminanten sowie Gesundheitsförderung und Prävention bei älteren Menschen.
Priv.-Doz. Dr. Karin Schindler
ist Ernährungsexpertin an der Universitätsklinik für Innere Medizin III der MedUni Wien und arbeitet derzeit als Leiterin der Abteilung III/8 im Bundesministerium für Gesundheit und Frauen. Schindler hat nach langjähriger Tätigkeit als medizinisch-technische Radiologieassistentin im Jahr 1996 das Studium der Ernährungswissenschaft an der Universität Wien abgeschlossen, 2011 folgte die Habilitation im Fach Stoffwechsel an der MedUni Wien. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Ernährung bei morbider Adipositas und nach bariatrischer Chirurgie sowie die krankheits- und altersassoziierte Mangelernährung.
Danksagung
Unser Dank gilt Sandra Haider, Ali Kapan, Christian Lackinger und Eva Luger, die so großartig bei der Erstellung des Buches, insbesondere bei der Entwicklung der Übungen und bei den Fotografien, mitgewirkt haben.
GEBRECHLICHKEIT
Abb. 2: Gebrechlichkeit ist ein im Alter auftretendes Bündel von Beschwerden.
Gebrechlichkeit – englisch frailty – ist eine Gesundheitsbeeinträchtigung vor allem bei älteren Menschen. Der Begriff bezeichnet einen Zustand höherer Empfänglichkeit gegenüber Krankheit und gegenüber Umwelteinflüssen. Gebrechlichkeit ist ein im Alter auftretendes Bündel von Beschwerden, das durch mehrere Symptome definiert ist. Zu diesen zählen rasche Ermüdbarkeit oder Erschöpfung, geringe Nahrungszufuhr, langsame Gehgeschwindigkeit, körperliche Schwäche und geringe körperliche Aktivität.
In diesem Kapitel geht es darum darzustellen, welche Faktoren dazu führen, wie Gebrechlichkeit entsteht und was dabei im Körper vor sich geht. Umgekehrt kann man, wenn man diese Risikofaktoren möglichst früh ausschaltet, die Entstehung von Gebrechlichkeit verhindern. Kann Gebrechlichkeit bzw. das Fortschreiten von Gebrechlichkeit nicht verhindert werden, drohen schwere Konsequenzen für die Gesundheit. Welche das sind, wird ebenfalls hier erklärt. Dieses Kapitel geht außerdem darauf ein, in welchen körperlichen, psychischen und sozialen Merkmalen sich Gebrechlichkeit äußert und wie man verschiedene Dimensionen von Gebrechlichkeit messen kann. Außerdem wird dargestellt, wie viele Menschen von Gebrechlichkeit betroffen sind.
DIE ENTSTEHUNG VON GEBRECHLICHKEIT
In die Entstehung von Gebrechlichkeit sind vor allem drei Faktoren involviert. Diese sind:
• Schwund von Muskelmasse und Muskelkraft
• Mangelernährung
• chronische Entzündung
Abb. 3: Gebrechlichkeit als Folge von drei schwerwiegenden Faktoren
SCHWUND VON MUSKELMASSE UND MUSKELKRAFT
Ein Schwund an Muskulatur ist die Folge von körpereigenen und umweltbedingten Faktoren. Zu den körpereigenen Veränderungen kommt es in erster Linie durch altersbedingten Wandel des Hormonsystems. Einige Hormone, die sich positiv auf den Muskelaufbau oder die Erhaltung der Muskulatur auswirken, werden im höheren Alter vermindert produziert, können schlechter im Körper transportiert werden oder wirken einfach nicht mehr in ausreichendem Maße. Zu diesen Hormonen zählen etwa das Wachstumshormon – das sogenannte Vitamin-D-Hormon – oder das männliche Sexualhormon Testosteron. Andere Hormone, die sich nachteilig auf die Muskulatur auswirken, werden hingegen vermehrt produziert. Dazu zählt das Stresshormon Cortisol.
Zu diesen körpereigenen Veränderungen kommt noch die Tatsache hinzu, dass sich ältere Menschen meist weniger bewegen als jüngere. Teilweise ist dies bedingt durch die Veränderungen im Hormonsystem, die Bewegung für ältere Menschen anstrengender erscheinen lässt. Jedenfalls führt eine Abnahme der körperlichen Aktivität zu einer zusätzlichen Abnahme der Muskelmasse und Muskelkraft. Funktionen, die der Körper nicht dringend braucht, werden hinuntergeschraubt. Verwendet man die Muskeln weniger, werden sie abgebaut.
MANGELERNÄHRUNG UND MUSKELSCHWUND
Wie Mangelernährung entsteht, wird im Kapitel „Ernährung im Alter“ ausführlich besprochen. Die Auswirkungen von Mangelernährung auf die Muskulatur seien hier kurz umrissen: Wird dem Körper zu wenig Eiweiß zugeführt, wird das körpereigene Eiweiß herangezogen, um die wichtigsten Körperfunktionen aufrechtzuerhalten. Eiweiß ist vor allem in der Muskulatur vorhanden, daher wird der Muskel abgebaut. Auch wichtige Stoffe, die Hormone transportieren, die für die Aufrechterhaltung der Muskeln verantwortlich sind, bestehen aus Eiweiß. Bei Eiweißmangel können deshalb diese Hormone nicht ausreichend transportiert werden, was den Muskelschwund zusätzlich verstärkt.
Andererseits führt aber auch die Abnahme der Muskelkraft zu Mangelernährung. Bei muskulärer Schwäche fällt es zunehmend schwerer, das Haus oder die Wohnung zu verlassen, um wichtige Dinge wie den Einkauf von Lebensmitteln zu erledigen. Ein leerer Kühlschrank ist die Folge, was die Wahrscheinlichkeit für Mangelernährung wiederum verstärkt.
CHRONISCHE ENTZÜNDUNG
Chronische Entzündung kann die Folge von vielen verschiedenen Erkrankungen sein. Dazu zählen beispielsweise Infektionen, rheumatische Erkrankungen oder Erkrankungen als Folge von Abnützungen. Auch Mangelernährung ist mit chronischer Entzündung verbunden. Zellen und Botenstoffe, die bei chronischer Entzündung im Körper vermehrt produziert werden, haben u. a. die unangenehme Nebenwirkung, dass sie einen muskelabbauenden Effekt ausüben. Die drei Faktoren Muskelschwund, Mangelernährung und chronische Entzündung beeinflussen und verstärken sich also gegenseitig! Sie lösen einen Teufelskreis der Gebrechlichkeit aus, dem es mit entsprechenden Maßnahmen entgegenzuwirken gilt.
Abbau von Muskulatur, Mangelernährung und chronische Entzündung sind die wichtigsten Faktoren, die zu Gebrechlichkeit führen.
FOLGEN VON GEBRECHLICHKEIT
