Glücklichsein selbstgemacht - Pierre Alexander Hilbig - E-Book

Glücklichsein selbstgemacht E-Book

Pierre Alexander Hilbig

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Beschreibung

Wir alle begegnen im Laufe unseres Lebens ganz unterschiedlichen Problemen und Krisen. Dazu wird unser Alltag stetig turbulenter und schnelllebiger. Der Grad an Stress nimmt zu. Die große Herausforderung ist es, sich dabei selbst nicht zu verlieren und trotz allem ein glückliches, zufriedenes Leben zu führen. Die Ursachen für persönliche Unzufriedenheit im Leben können vielfältig sein. Dieses Buch gibt dir wertvolle Einblicke in unterschiedliche Themenbereiche der Persönlichkeitsentwicklung und zeigt dir damit neue Perspektiven auf, welche dir die Chance geben, deinen eigenen Denk- und Handlungsspielraum grundlegend zu erweitern. "Es war mir ein besonderes Anliegen, ein Buch zu schreiben, welches jedem von uns einen Zugang und eine Hilfestellung darüber liefert, was uns als Mensch im Laufe unseres Lebens alles begegnen kann und Einfluss auf unsere Zufriedenheit und unser Glücksempfinden nimmt. Dieses Buch gibt einen Überblick darüber, welche Themen oder äußeren Einflüsse auf uns einwirken, wie sie wirken und was wir konkret in einzelnen Lebenssituationen verändern können, um uns wieder wohler zu fühlen. Ein Buch, das zeitlos ist und uns allen jederzeit als sicherer Hafen für mehr Orientierung, Trost, Klarheit, Mut und Zuversicht dienen kann. Lass dich von den einzelnen Lifehacks inspirieren, informieren und auch ein wenig verzaubern." Pierre Alexander Hilbig

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Seitenzahl: 520

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Die Ratschläge im Buch sind sorgfältig erwogen und geprüft. Alle Angaben in diesem Buch erfolgen ohne jegliche Gewährleistung oder Garantie seitens des Autors und des Verlags. Die Umsetzung erfolgt ausdrücklich auf eigenes Risiko. Eine Haftung des Autors bzw. des Verlags und seiner Beauftragten für Personen-, Sach- und Vermögensschäden oder sonstige Schäden, die durch die Nutzung oder Nichtnutzung der Informationen bzw. durch die Nutzung fehlerhafter und/oder unvollständiger Informationen verursacht wurden, sind ausgeschlossen. Verlag und Autor übernehmen keine Haftung für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte, ebenso nicht für Druckfehler. Es kann keine juristische Verantwortung sowie Haftung in irgendeiner Form für fehlerhafte Angaben und daraus entstehende Folgen von Verlag bzw. Autor übernommen werden.

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Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

1. Auflage

© 2022 by Remote Verlag, ein Imprint der Remote Life LLC, Powerline Rd, Suite 301-C, 33309 Fort Lauderdale, Fl., USA

Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages.

Redaktion: Isabelle Müller

Lektorat und Korrektorat: Katrin Gönnewig, Fabian Galla, Markus Czeslik

Umschlaggestaltung: Verena Klöpper

Satz und Layout: Verena Klöpper

Grafiken S. 169 und 380: Verena Klöpper

Abbildungen im Innenteil: © Roosbeh Moosavi

ISBN Print: 978-1-955655-36-1

ISBN E-Book: 978-1-955655-37-8

www.remote-verlag.de

Pierre Alexander Hilbig

Glücklichsein

selbstgemacht

50 Impulse für weniger Stress, mehr Leichtigkeit und Lebensfreude

www.remote-verlag.de

Inhalt

Vorwort

Lifehack #1

Eine Vison von dir selbst

Lifehack #2

Gehe Risiken ein

Lifehack #3

Frustrationstoleranz gewinnt

Lifehack #4

Nimm es nicht persönlich

Lifehack #5

Sei selbst dein wichtigstes Projekt

Lifehack #6

Fokussiere dich auf Lösungsfindungen

Lifehack #7

Konzentriere dich auf die Aufgabe

Lifehack #8

Selbstvertrauen - Eine tragende Wand

Lifehack #9

Selbstwirksamkeit ist der Schutz vor Zweifeln

Lifehack #10

Deine Selbstliebe

Lifehack #11

Fit durch Regeneration

Lifehack #12

Bleib in Bewegung

Lifehack #13

Lerne, Dinge anzunehmen

Lifehack #14

Gut kommuniziert ist halb gewonnen

Lifehack #15

Bau dir ein solides Netzwerk

Lifehack #16

Komm ins Handeln

Lifehack #17

Schließe Frieden mit deinen Ängsten

Lifehack #18

Sei ehrlich zu dir und zu anderen

Lifehack #19

Kritikfähigkeit lohnt sich

Lifehack #20

Lerne loszulassen

Lifehack #21

Erkenne deinen Wert

Lifehack #22

Erlaube dir zu träumen

Lifehack #23

Such dir wohlgesinnte Menschen

Lifehack #24

Deine produktive Zeit

Lifehack #25

Höre nicht auf die Naysayer

Lifehack #26

Erfolg durch Neidresistenz

Lifehack #27

Ein prima Arbeitsumfeld

Lifehack #28

Fühl dich nicht für alles verantwortlich

Lifehack #29

Bewusste Entscheidungen

Lifehack #30

Dein eigener Weg

Lifehack #31

Eigenverantwortung - der Schlüssel der Persönlichkeitsentwicklung

Lifehack #32

Hinterherlaufen ist die falsche Richtung

Lifehack #33

Profitiere von Kritikfähigkeit

Lifehack #34

Sex - die schönste Nebensache der Welt

Lifehack #35

Mach dir die Sichtweisen und Erfahrungen anderer zunutze

Lifehack #36

Viel Interesse bedeutet wenig Langeweile

Lifehack #37

Du tust genug

Lifehack #38

Was dein Herz berührt

Lifehack #39

Ein schöner Anblick hebt die Stimmung

Lifehack #40

Dein Spaß

Lifehack #41

Was gut schmeckt, tut der Seele gut

Lifehack #42

Zeit für dich

Lifehack #43

Reflexion liefert Erkenntnis

Lifehack #44

Achtsamkeit verschönert den Moment

Lifehack #45

Eigenempathie für dich

Lifehack #46

Wie du mit dir selbst sprichst

Lifehack #47

Finde eine Art, deine Emotionen zu leben

Lifehack #48

Gib Dingen die Chance, sich von allein zu erledigen

Lifehack #49

Erlaube dir, in Dinge hineinzuwachsen

Lifehack #50

Deine Glaubenssätze

Nachwort

Erinnerung

Danksagung

Quellenverzeichnis

Empfohlene Literatur

Widmung

Ich widme dieses Buch meinen noch nicht geborenen Kindern und allen Menschen dieser Welt.

Auf dass die Impulse euch stets ein Anker sind und dabei helfen, ein glückliches, zufriedenes und friedvolles Leben zu führen.

Vorwort

Es ist Zeit,etwas Großes zu wagen.

Die Formulierung «etwas Großes wagen» stammt aus der Rede «Citizenship in a Republic» von Theodore Roosevelt. Die Ansprache ist auch unter dem Titel «Der Mann in der Arena» bekannt. Er hielt diese 1910 an der Sorbonne in Paris.

Die folgende Stelle berührt mich persönlich jedes Mal, wenn ich diese Zeilen lese:

«Es ist nicht der Kritiker, der zählt, nicht derjenige, der aufzeigt, wie der Starke gestolpert ist oder wo der, der Taten gesetzt hat, sie hätte besser machen können. Die Anerkennung gehört dem, der wirklich in der Arena ist; dessen Gesicht verschmiert ist von Staub und Schweiß und Blut; der sich tapfer bemüht; der irrt und wieder und wieder scheitert; der die große Begeisterung kennt, die große Hingabe und sich an einer würdigen Sache verausgabt; der, im besten Fall, am Ende den Triumph der großen Leistung erfährt; und der, im schlechtesten Fall des Scheiterns, zumindest dabei scheitert, dass er etwas Großes gewagt hat …»

Ich kann sie förmlich innerlich spüren. Sie zeigt mir jedes Mal, dass ich mit meiner persönlichen Einstellung, andere Menschen zu ermutigen, sie zu fördern und zu unterstützen, richtigliege. Es ist für mich ein Inbegriff menschlichen Verhaltens, der auf gegenseitigem Respekt, Wertschätzung und Beistand basiert und das alte Spiel der Konkurrenz und des Widerstreits beiseiteschiebt für etwas Größeres. Ich mag die empathische Sichtweise auf die Widrigkeiten und Chancen, die jedem von uns in unserem Leben begegnen. In mir entfacht es meinen Mut, für die eigene Meinung, für meine Werte und für meine Überzeugungen einzustehen, ganz gleich, welchen Umständen ich ausgesetzt bin.

Vielleicht geht es dir wie mir und du bist ein ebenso empfindsamer Mensch. Vielleicht bekommst auch du gerade eine Gänsehaut oder ein kleiner Schauer fährt dir über die Haut, der ein wohliges Gefühl in deinem Körper zurücklässt. Wenn dem so ist, würde es mich sehr freuen.

Lange habe ich über die Arena nachgedacht und mich gefragt, was sie alles sein könnte, ob sie immer eine weltliche Aufgabe oder ein Projekt darstellt. Ich bin zu dem Ergebnis gekommen, dass es viele Arten von ihr gibt und dass sie für jeden Menschen individuell ist. Die Arena ist orts- und zeitunabhängig und zeigt sich jedem von uns in einem ganz eigenen Bild.

Sie könnte für uns alle unser tägliches Leben sein: die Bewältigung unseres hektischen und schnelllebigen Alltags und unsere sorgenvollen Gedanken in dieser turbulenten und ereignisreichen Zeit. Unser Zurechtfinden in einer Welt mit Meinungsmachern und -vorgebern mit den Herausforderungen der Bildung, Technisierung, des rasanten Wertewandels und den sich ändernden Rollenbildern. Es könnte unsere Arena sein, in einer Welt mit zerfließenden Leitbildern und -figuren Orientierung und einen Ankerpunkt zu finden. Irgendwo in dieser Welt wartet mit Sicherheit auf jeden von uns eine persönliche Arena.

Ich kann mir vorstellen, dass es angesichts dieser Umstände für viele Menschen eine Herausforderung ist, sich selbst zu finden und treu zu sein, wo wir doch tagtäglich mit einer Fülle von Informationen und Werbebotschaften geradezu bombardiert werden.

Und genau diese Tatsache hat mich dazu bewegt, dieses Buch zu schreiben.

Dies und meine persönlichen Erfahrungen in dieser Welt. Denn wie auch du vielleicht bin ich nicht immer in jede Arena getreten. Auch ich hatte vor der ein oder anderen Angst, mit Zweifel oder mit Orientierungslosigkeit zu kämpfen. Ich wusste nicht immer, was genau gerade mit mir los ist oder welches Thema mich im Inneren beschäftigt und davon abhält, in die Arena zu treten.

Ich habe nur festgestellt, dass dort tief in mir Dinge verborgen lagen, die mich entweder daran hinderten, in die Arena zu treten, oder den Aufenthalt in dieser zu einer echten Zerreißprobe machten.

Und darum geht es mir in diesem Buch. Ich möchte die Themen, die mich selbst und andere Menschen in meinem Leben bewegt haben, mit dir teilen. Ich möchte dir meinen Wunsch erfüllen, eine Lektüre zu besitzen, die dir unabhängig davon, wo du gerade im Leben stehst, eine Hilfestellung bietet, dir Orientierung gibt und dich durch die Sachverhalte und Fragestellungen auf die richtige Fährte führt, damit du jederzeit in deine Arena treten kannst.

Ich möchte dich mitnehmen auf eine spannende Reise zu vielen Dingen, die dich alle näher zu dir selbst führen und dir dabei helfen sollen, ein waches und klares Bewusstsein zu kreieren. Sie sollen dich dabei unterstützen, eine souveräne Persönlichkeit zu entwickeln, um alle deine Ziele, Träume und Wünsche in die Realität zu tragen und nie vor einer Arena zurückzuschrecken.

Ich hätte mir ein solches Buch rückblickend sehr gewünscht. Ein Buch, das mich auf die vielen Themen und Herausforderungen, die uns in unserem Leben erwarten, aufmerksam macht. Eines, das mir zeigt, wohin es sich lohnt, meinen Blick zu richten und meine Energie zu investieren.

Mit diesem Gefühl und dieser Leidenschaft habe ich dieses Buch für dich, für uns, geschrieben. Ich wünsche mir, dass du durch die Lektüre dieses Buches für dich wertvolle Themen erkennst, die für deine persönliche Entwicklung eine Bereicherung darstellen. Ich wünsche mir, dass dieses Buch ein Anstupser für dich ist, der in dir einen Funken der Hoffnung, des Mutes, der Neugier und der Entschlossenheit entfacht und dir dabei hilft, dich auf deine ganz eigene Reise zu begeben.

Innerhalb der einzelnen Sachverhalte habe ich versucht, dir das «wie» auf die Art zu erklären, die für mich funktioniert hat oder die ich bei anderen Menschen beobachten durfte. Sie sollen dir als Inspiration und Hilfestellung dienen und dich auf deinem eigenen persönlichen Weg unterstützen.

Wir alle sind so unterschiedlich und ich weiß, dass viele wissenschaftliche Disziplinen versuchen, uns einheitliche Lösungen für etwas vorzugeben; auch, dass viele von uns sich eine einheitliche Lösung wünschen, gern ein Rezept dafür hätten, wie etwas funktioniert. Mir ist bewusst, dass viele von uns ein Bedürfnis nach Orientierung und Sicherheit haben und sich eine Anleitung oder ein Schema wünschen, an dem sie sich entlanghangeln können. Ein Plan wäre schön, auf dem wir verschiedene Punkte abarbeiten und abhaken können, um damit an unser gewünschtes Ziel zu gelangen.

Das ist es aber nicht, was ich in diesem Buch mit dir teilen werde. Ich gebe dir keinen Weg vor, keine Liste, keinen Fahrplan, den du stoisch abarbeiten kannst und bei dem das gewünschte Resultat am Ende herauskommt.

Aber ich verspreche dir etwas. In diesem Buch wirst du eine Sammlung an Impulsen finden, die allen individuellen Persönlichkeiten, die dieses Buch lesen, gerecht wird. Du wirst Inspiration und einen Kompass finden und einen Überblick darüber erhalten, welche Themen aus meiner Sicht und meiner Erfahrung nach für einen Menschen im Laufe seines Lebens eine Relevanz haben.

Was du findest, ist meine Passion für ein erfülltes und menschenwürdiges Leben. Diese Themen verfolge und sammle ich bereits mein ganzes Leben. Mein Bestreben war es seit jeher, Menschen dabei zu unterstützen und ihnen die Möglichkeit zu bieten, mit eigenem Willen ein zufriedenes und glückliches Leben aufzubauen, ganz gleich, welchen Stand sie haben, welche Erfahrungen sie gemacht haben oder wo sie gerade im Leben stehen.

Dieses Buch ist dabei eine meiner Arenen. In diese Zeilen lasse ich meinen Schweiß, mein Blut, meine Energie einfließen, in der Hoffnung, dass etwas davon auf dich überspringt und dich packt. Es soll dir helfen, Mut zu fassen, ein finsteres Tal zu durchqueren, sich den inneren Dämonen zu stellen und auf dieser Reise zu wachsen und zu dem Menschen zu werden, der du von klein auf warst und der dir vielleicht im Laufe des Lebens ein bisschen verloren gegangen ist oder abtrainiert wurde.

Damit du, wenn du eines Tages alt bist und dein Leben noch einmal gedanklich Revue passieren lässt, zu dir selbst sagen kannst: «Ich hatte ein glückliches und erfülltes Leben. Ich habe alles getan, was ich tun wollte, alles gesagt, was ich sagen wollte, habe Fehler gemacht, Erfahrungen gesammelt und mein Leben gelebt. Ich bereue nichts!»

Das ist es, was ich mir für dich wünsche und von dem ich hoffe, mit diesem Buch einen kleinen Beitrag leisten zu können. Wenn mir das gelingt, auch nur zu einem ganz kleinen Teil, hat sich meine Arbeit mehr als gelohnt.

Ich für meinen Teil werde später einmal zurückblicken können und ebenfalls für mich sagen können: «Ich habe es getan. Ich habe meine Gedanken, Träume, Ansichten und alles, was mir durch den Kopf ging, um diese Welt ein bisschen schöner zu machen, um den Menschen eine kleine Hilfe zu sein, geleistet.» Selbst für den Fall, dass niemand dieses Buch je lesen würde, hat es sich gelohnt, denn allein es zu schreiben, hat mich in vielen Bereichen bereichert, mein Leben verschönert und mich in meiner Entwicklung wachsen lassen.

Zum Schluss dieses Vorwortes möchte ich dir noch zwei Hinweise geben:

Du hast mit diesem Buch ein Nachschlagewerk für eine Vielzahl an Themen, die sich für viele Menschen täglich als eine Herausforderung darstellen. Und du hast die Möglichkeit, Themen, die für dich relevant sind, anzupacken und zu transformieren. Dabei bestimmst du selbst, mit welchen Lifehacks du starten möchtest und wie viele du liest. Jeder Lifehack kann einzeln betrachtet und bearbeitet werden. Wenn in einem Lifehack auf einen anderen Bezug genommen wird, ist das lediglich ein gut gemeinter Hinweis, kein Muss.

Ich benutze wegen der besseren Lesbarkeit in diesem Buch in der Regel nur die weibliche oder männliche Form. Selbstverständlich schließe ich damit aber immer alle Geschlechter ein.

Lifehack #1

Eine Vision von dir selbst

«Vision ist die Kunst, noch nicht Sichtbares zu sehen.»

Jonathan Swift

Ich weiß nicht, ob du schon einmal mit dem Begriff der Vision in Berührung gekommen bist. Ich glaube, ich habe erst im jungen Erwachsenenalter die Bekanntschaft hiermit gemacht. Zumindest weiß ich erst seitdem, dass man das, was ich von klein auf bereits hatte, so nennt.

In meiner kindlichen Vorstellung gab es kein Wort dafür. Ich hatte aber stets ein klares Bild von Dingen, die ich will und die ich nicht will. Heute bin ich etwas belehrter und weiß, wie man es nennt. Wir können Vision auch mit Zukunftsbild oder Zukunftstraum übersetzen. Dann ist Zukunftsbild für mich die passendste Beschreibung.

Wenn wir heute mit dem Begriff in Kontakt kommen, hat es meist einen beruflichen Hintergrund. Menschen sprechen von beruflichen Visionen, von Dingen, mit denen sie viel Geld verdienen, berühmt werden oder große Anerkennung und Status erlangen wollen.

Ich hatte stets eine Vision von mir als Mensch vor Augen: Oft habe ich mich gefragt, was für ein Mensch ich sein möchte, wie ich mit meinen Mitmenschen umgehen möchte, was ich in Menschen fördern und entfesseln möchte. Ich habe mich gefragt, wie ich als Mensch die Welt positiv beeinflussen kann, die Welt ein bisschen besser, ein bisschen gerechter und ein bisschen harmonischer machen kann. Dabei hatte ich immer ein Bild vor Augen, eine Vision.

Mir war früh klar, dass ich vieles aus meinem Elternhaus nicht einfach so übernehmen wollte. Ich wollte anders mit Menschen umgehen, eine intensivere Kommunikation, mehr Offenheit, sie loben und ihnen Mut zusprechen, sie in ihren Potenzialen unterstützen und fördern. Ich wollte bzw. will für meine Familie ein stabiles Umfeld schaffen, ihnen die Sicherheit geben, dass sie mit jedem Anliegen zu mir kommen können und wir gemeinsam eine Lösung finden. Ich wollte die Dinge, die ich noch nicht konnte oder von denen ich noch nicht wusste, wie ich diese umsetzen sollte, erlernen.

Mein reales Ich war zu diesem Zeitpunkt meilenweit von meinem Zukunfts-Ich entfernt. Unglaublich viele Dinge, die ich heute ganz selbstverständlich mache, waren in dieser Zeit undenkbar. Ein Beispiel hierfür sind Komplimente und Lob. Damit meine ich nicht irgendwelche ausgedachten Phrasen, die man zum passenden Zeitpunkt herunterleiert, sondern echt empfundene Wahrnehmung.

In meiner Erziehung kamen anerkennende Worte und Lob nicht sehr häufig vor, weshalb ich selbst auch lange Zeit nicht wusste, wie genau ich ein Lob ausspreche oder ein anerkennendes, aufbauendes und motivierendes Wort an eine andere Person richte. Allerdings hatte ich sowohl bei mir selbst als auch bei anderen beobachtet, dass anerkennende und lobende Worte eine wundervolle positive Wirkung haben und jeden Einzelnen in einer positiven Art bekräftigen, wenn sie denn ehrlicher Natur sind.

So stand für mich fest, dass ich später die Fähigkeit haben möchte, meine Dankbarkeit und Anerkennung für jedes positive Gefühl, das eine andere Person in mir weckt, dieser mitteilen zu können. Ebenso wollte ich dazu imstande sein, eine Leistung oder ein Bemühen der anderen Person zu würdigen und hervorzuheben.

Hast du dir schon einmal Gedanken über dich gemacht? Hast du dir wenigstens einmal die Zeit und Ruhe genommen und darüber sinniert? Hast du dir einmal die Frage gestellt, welche Eigenschaft du dir früher zu Hause z. B. von deinen Eltern gewünscht hättest oder welche positive Eigenschaft sich lohnen würde, zu erlernen? Ich habe das sehr häufig getan. Zusammen mit meinen Beobachtungen der Welt hat sich daraus eine immer klarere Vision gebildet, der ich nachgeeifert habe.

Wenn ich mir anschaue, was in der Welt so vor sich geht, was täglich in den Nachrichten und Social-Media-Kanälen passiert, bestärkt es mein Denken darin, dass es sich für uns alle lohnt, einmal über eine Vision von uns selbst zu sinnieren.

Jetzt stellt sich die Frage, was für ein Mensch möchtest du sein? Wie möchtest du mit deinen Mitmenschen umgehen? Wie möchtest du die Welt positiv beeinflussen? Wie möchtest du leben, alt werden und von anderen Menschen wahrgenommen werden? Wie möchtest du später den anderen Menschen in Erinnerung bleiben?

Ich möchte ein paar positive Erlebnisse und Erfahrungen mit dir teilen, die ich durch das Sinnen und Arbeiten an meiner Vision erfahren habe:

•Intensive Freundschaften

•Bedingungslose Unterstützung

•Gute Erfolge bei der Jobsuche

•Verbesserte Kommunikationsfähigkeiten

•Emotionaler Ausgleich

•Authentisches Auftreten

•Die Fähigkeit, Trost zu spenden

•Die Fähigkeit, Mut zuzusprechen

•Die Fähigkeit, Hoffnung zu schenken

•Eine offene Haltung gegenüber meinen Mitmenschen

•Die Fähigkeit, schnell zu vergeben

•Ein entspannter Alltag

•Genuss und Achtsamkeit in meinem Leben

•Liebe zur Wahrheit

Wenn wir uns dem Thema einer persönlichen Vision von uns als Mensch öffnen, haben wir die Chance, uns ein klares Ziel vor Augen zu führen und einen inneren Kompass auszurichten, der uns leitet. Durch unsere Vision werden uns unsere Ziele und Wünsche klar und mit unserem Zutun werden wir von Jahr zu Jahr immer mehr positive Dinge in unser Leben ziehen. So habe ich es persönlich erlebt.

Wir fühlen uns nie orientierungslos, da wir eine innere Landkarte haben, die uns den Weg zeigt. Unsere Vision gibt uns Kraft und Motivation in schweren Zeiten. Sie lenkt uns hin zu etwas Größerem und Wunderschönem. Sie ist gleichzeitig sowohl Quelle und Antrieb als auch für viele Menschen Sinngeber für das eigene Leben.

Natürlich darf auch dein Beruf darin einen Platz finden. Es lohnt sich, sich einmal auszumalen, was du mit deiner Vision von dir anfangen möchtest. Wenn du der Mensch bist, den du dir vorstellst, als was wird dieser Mensch arbeiten? Wie wird dieser Mensch leben? Wie wird der Alltag dieses Menschen aussehen? Was sind die wichtigen Dinge in seinem Leben?

Egal wo du gerade stehst, du kannst dir diese Fragen jederzeit stellen. Du kannst heute damit beginnen, dir zu überlegen, was für ein Mensch du sein möchtest und auf was für ein Leben du eines Tages zurückblicken möchtest. Ich weiß, das sind große Fragen und die lassen sich nicht ohne Weiteres aus dem Stegreif beantworten. Nimm dir gern ein paar Minuten in deinem Alltag und nähere dich deinen Fragen immer weiter an. Schreib dir deine täglichen Gedanken dazu auf, sieh, was dir einfällt, was vielleicht innerhalb des Tages passiert ist und Einfluss auf die Fragen hat. Wenn du dich immer wieder schrittweise mit der Frage bzw. den Fragen auseinandersetzt, ist das Thema nicht so groß und du behältst den Spaß dabei. Nach ein paar Wochen kannst du dir dann einmal in Ruhe anschauen, welche Gedanken auf deinem Blatt stehen.

Ich bin heute sehr dankbar dafür, dass in meiner Kinder- und Jugendzeit nicht alles so glatt gelaufen ist, sodass ich mir diese Fragen sehr früh gestellt habe. Ich weiß nicht, wie mein Leben sonst bis jetzt verlaufen wäre. Tatsächlich kann ich für meinen Teil sagen, ich stehe dadurch heute an einem Punkt, an dem ich vollkommen im Reinen mit mir und meiner Vergangenheit bin. Dank meiner Vision habe ich mich zu dem Menschen entwickelt, den ich mir früher immer vorgestellt habe.

Dass ich die Defizite aus meiner Sozialisation zum Positiven verändern konnte und stets einen Punkt am Horizont hatte, an dem ich mich orientiert habe, verdanke ich dem Sinnen über meine Vision.

Das Schönste an einer Vision von dir selbst ist, sie ist frei von monetärem Erfolg oder Statussymbolen. Du kannst dein Ziel nahezu mittellos erreichen und wenn du es erreicht hast, wirst du glücklich und zufrieden sein mit dem, was gerade ist. Denn du hast etwas kreiert, was mit Geld nicht aufzuwiegen ist: dich. Das Allerschönste ist, deine Vision kann und darf dich dein ganzes Leben lang begleiten. Viele Punkte von früher habe ich z. B. mittlerweile erreicht und meine Vision hat sich verändert. Am Horizont sind neue Punkte aufgetaucht. Die Vision kann sowohl wandelbar als auch endlich sein, das liegt ganz bei dir. Ich persönlich entdecke immer wieder etwas Schönes, wonach ich strebe. Ich bin mir sicher, dass sich meine Vision immer wieder anpassen wird, sie mich noch lange begleitet und ich sie immer wieder neu entdecken werde.

Falls du dich nun fragst, wie und wo du mit deiner Vision starten sollst und eine klare Vorstellung kreierst – dazu kommen wir jetzt. Lass uns ganz praktisch anfangen: Ich habe mir zuallererst einmal angeschaut, was mir zu Hause und am Umgang meiner Familie mit mir und untereinander nicht gefällt. Die Betrachtung bezog auch meine Großeltern, Onkel und Tanten mit ein.

So könntest du z. B. ebenfalls überlegen, ob es etwas aus deiner Kinderstube gibt, das dich sehr gewurmt hat und das du am liebsten anders machen würdest. Gab es ein bestimmtes Verhalten, dass dir missfallen hat? Eine bestimmte Umgangsform, die du nicht mochtest oder die dir gefehlt hat?

Mich hat es z. B. ziemlich gestört, dass über Probleme, Ängste und Sorgen nicht offen gesprochen werden konnte und dass es eine Art «Idealvorstellung» gab, der alles untergeordnet wurde. Wenn etwas nicht dazu passte, wurde es entweder nicht angesprochen, unter den Teppich gekehrt oder sanktioniert. Jedenfalls gab es keinen gleichberechtigten Raum für alle Themen. Das hatte nichts damit zu tun, dass ich ein Kind war, es wurde generell so verfahren. Dieser Punkt wurde mir immer deutlicher und schließlich stand für mich ganz klar fest, dass ich später einen absolut offenen und wertfreien Umgang mit allen Themen leben wollte. Ich wollte ein Mensch werden, ein Partner, Vater, Bruder, Freund, Kollege, mit dem man über wirklich jedes Thema offen und ehrlich sprechen kann. Ich wollte – und will immer noch – eine Atmosphäre von Vertrautheit und Geborgenheit schaffen, in der sich alle Beteiligten wohlfühlen. Also wurden die Werte Offenheit und Objektivität zu einem Teil meiner Vision.

Wie bereits erwähnt, hatte ich nie wirklich den Umgang mit Komplimenten und Lob gelernt oder erfahren. Aber aufgrund meiner Beobachtungen hatte ich diesen Punkt als für mich besonders wichtig festgelegt. Diesen habe ich dann meiner Vision hinzugefügt. Zu den Punkten Offenheit, Objektivität und authentischer Umgang mit Komplimenten sind im Laufe der Zeit noch viele weitere dazugekommen.

Dieser Prozess lässt sich auf nahezu alle Bereiche unseres Lebens ausweiten. Du kannst auch überlegen, was dir in der Schule am Verhalten deiner Lehrer oder Mitschüler nicht gefallen hat, was dir in deiner Umgebung auffällt und vielleicht auch in den Medien.

Da ich persönlich viele Punkte hatte, die mich gestört haben, fing ich mit der Transformation dieser Dinge an. Je nachdem, wo wir stehen, kann es auch sein, dass wir davon gar nicht allzu viele haben. Mittlerweile erlebe ich es nur noch, dass ich von positiven Dingen in meinem Umfeld inspiriert werde, dass es gar nichts gibt, was mich gerade stört. Vielmehr entdecke ich in meiner Beobachtung viel Schönes und Wertvolles, das mich begeistert oder berührt. Eine Geste, wie beispielsweise die folgende:

Einmal war ich zu Besuch bei den Eltern meiner Ex-Freundin. Ich beobachtete die Mutter dabei, wie sie ihrem Mann ein kleines Tuch zum Schneiden einer Frucht mitgab. Denn was passiert häufig beim Schneiden von Früchten? Richtig, der Saft spritzt und ggf. kommt etwas auf unsere Kleidung. Diese kleine Geste, direkt ein Tuch mitzugeben, empfand ich als sehr positiv.

All diese Beobachtungen füge ich meiner Vision hinzu, wenn ich diese als lebensbejahend empfinde.

Anhand solcher Dinge kannst du dir Stück für Stück eine Vision aufbauen, wie du als Mensch sein und mit anderen umgehen möchtest. Getreu dem Motto von Mahatma Ghandi: «Sei du selbst die Veränderung, die du dir in der Welt wünschst.»

Was ist also der erste Schritt, mit dem du deine persönliche Vision starten könntest? Nun, zum einen benötigst du Zeit für dich. Sinnieren bedeutet, sich zurückzuziehen und Zeit mit sich selbst zu verbringen. In dieser Zeit wollen wir ganz bewusst unseren Blick auf die verschiedenen Aspekte unseres Lebens richten und sie mit verschiedenen Fragen genauer ausleuchten, um dadurch einen persönlichen Erkenntnisgewinn zu erlangen. Wir wollen zu bewussten Überlegungen und Entscheidungen gelangen. Wir wollen in wachem Bewusstsein entscheiden, welche Fähigkeiten, Eigenschaften, Werte und Umgangsformen wir als wertvoll und lebensbejahend erachten. Für diesen Einstieg könntest du mit den folgenden Fragen beginnen:

•Welche Person oder Personen inspirieren dich?

•Was genau inspiriert dich an dieser Person bzw. diesen Personen?

•Welches Verhalten bewertest du als positiv?

•Welche Person hat dir in der Vergangenheit Trost gespendet und wie tat sie das?

•Ist es dir wichtig, anderen Menschen Trost spenden zu können?

•Was könnte positiv daran sein, die Fähigkeit zu besitzen, anderen Menschen Trost spenden zu können?

•Welche Person hat dir Mut gemacht?

•Wie hat die Person es geschafft, dir Mut zu machen?

•Ist es aus deiner Sicht eine wertvolle Fähigkeit, anderen Menschen Mut machen zu können?

•Welche beobachteten Gesten muntern dich auf oder berühren dich?

•Welches beobachtete Verhalten berührt dich?

•Welches Verhalten hättest du dir von deinen Eltern, Großeltern, Verwandten oder Lehrern gewünscht, als du klein warst?

•Weißt du, welche Werte es gibt?

•Welche Werte sind dir besonders wichtig?

Mit diesen Fragen hast du das Grundgerüst und die Technik, um selbst loszulegen. Das darin enthaltene Muster lässt sich auf beliebig viele Fragen ausweiten. Ich bin mir sicher, dass du während der Beantwortung dieser Fragen noch weitere Fragen finden wirst, die du beantworten darfst. Notiere diese Fragen und erstelle dir einen eigenen Fragenkatalog, auf den du dann im Alltag immer mal wieder zurückgreifen kannst, um den ein oder anderen Gedanken zu notieren. Ziel dieser Frage-Methode ist es, unser Bewusstsein zu schärfen und aus unserem täglichen Autopiloten auszubrechen. Wir wollen mit dieser Methode Fixpunkte finden, an denen wir uns orientieren können, und unsere Handlungen und unsere Entwicklung nach ihnen ausrichten. Immer auf Grundlage bewusster Fragen und Entscheidungen. Um die Technik noch einmal zu verdeutlichen, möchte ich sie dir an dem bereits erwähnten Beispiel der Komplimente zeigen.

Zuerst habe ich mich irgendwann einmal gefragt, was ein Kompliment überhaupt ist. Natürlich hatte ich es schon im Laufe meines Lebens gehört und auch in der Praxis selbst erfahren und beobachten dürfen. Büchereien, Mitmenschen, Google und Duden sei Dank konnte ich die genaue Definition auch leicht herausfinden.

Als Nächstes schärfte ich meine Wahrnehmung für Menschen, die allem Anschein nach spielerisch leicht Komplimente verteilen konnten, und analysierte deren Verhalten. Wann äußerten sie ein Kompliment? Wie wirkte es auf die andere Person? Was geschah danach?

Ich stellte fest, dass Komplimente zu machen eine positive Eigenschaft ist. Sowohl auf mich als auch auf meine Mitmenschen hat es in aller Regel einen erfreulichen Effekt. Die nächste Frage war herauszufinden, ob es hierbei Unterschiede gibt. Gibt es verschiedene Arten von Komplimenten? Gibt es besondere Situationen für diese? Was geht in der Person vor, die ein Kompliment ausspricht?

Ich erkannte, dass sie in einer Vielzahl von sozialen Interaktionen eine tolle Wirkung entfalten. Sie werden häufig beim Flirten eingesetzt. Ich nehme an, dass auch du ähnliche Erfahrungen dabei gemacht hast. Sie können aber auch Mut machen, eine Leistung oder ein Bemühen würdigen oder eine wertschätzende Wahrnehmung über einen Kleidungsstyle zum Ausdruck bringen.

Dann stellte ich mir die Frage des Motivs und mir wurde klar, dass es authentische und nicht authentische Komplimente gibt und deren Wirkungsgrad häufig stark davon abhängig ist. Ich beobachtete die Menschen, deren Umgang damit mir besonders gut gefiel, und stellte fest, dass sie augenscheinlich nur authentische Komplimente aussprechen.

Als Nächstes fragte ich mich, welche ich gerne machen würde. Ich kam zu dem bewussten Entschluss, gerne nur authentische Komplimente auszusprechen.

Nun folgte die Frage nach dem Wie? Wie äußere ich nun ein Kompliment, wenn ich etwas an einem Menschen beobachte, das mir besonders positiv auffällt? Da ich es nicht gewohnt war, war es anfangs eine große Herausforderung. Die spielerische Leichtigkeit, die ich bei anderen beobachtet hatte, war bei mir nicht vorhanden. Kurzum, es erfordert den Mut, es einfach zu wagen. Ich sagte mir selbst: «Was soll schon schiefgehen? Kein Mensch wird sich darüber mokieren oder aufregen, wenn ich ihm ein wertschätzendes Kompliment mache.» Ich studierte meine Mitmenschen und fing an – wie bei einer Konfrontationstherapie –, all das Positive zu äußern, was mir an ihnen auffiel.

Ich habe es als besonders wertvoll erachtet, die Fähigkeit zu besitzen, meine Mitmenschen mit einem Kompliment trösten zu können, ihnen Mut machen zu können, ihnen eine wertschätzende und positive Äußerung entgegenbringen zu können, um sowohl ihren als auch meinen Tag ein bisschen schöner zu gestalten. Und mir wurde klar, dass ich als Vater und Ehemann später in der Lage sein möchte, sowohl meiner Frau als auch meinen Kindern, wann immer es mir beliebt, ein ehrliches und authentisches Kompliment oder Lob machen zu können. Ich habe die einzelnen Bereiche des Themas für mich weiter aufgeschlüsselt, bis ich daraus meine persönliche Vorstellung kreiert hatte, die ich dann als Fixstern in meine Vision übernommen habe.

Dieser kleine Erfahrungsbericht soll dir die Technik noch einmal aus meiner persönlichen Praxis heraus zeigen. So wie für mich das Thema Komplimente ein Fixstern meiner Vision wurde, kannst du nun für dich prüfen, welche Eigenschaften oder Verhaltensweisen du als positiv und bereichernd erachtest und deiner Vision hinzufügen möchtest.

Dabei wünsche ich dir viel Freude, Ruhe und Neugier und kann dir sagen, es ist ein spannender und toller Prozess, der sich unglaublich lohnt und dein Leben nachhaltig verändert.

Lifehack #2

Gehe Risiken ein

Ob etwas funktioniert oder nicht, erfahren wir nur, wenn wir das Wagnis eingehen.

Ein Wagnis oder Risiko einzugehen, ist heute für mich ein fundamentaler Bestandteil von Freiheit und Selbstbestimmtheit. Das Gegenteil davon ist Sicherheit. Doch wie häufig tauschen wir diese gegen Freiheit, gegen Glück, gegen Zufriedenheit, gegen Erfahrung, gegen das Leben?

Vielleicht geht es dir wie mir vor vielen Jahren: Du machst dir unglaublich viele Gedanken über Dinge, die schiefgehen könnten, darüber, was andere Menschen dann von dir denken und was du verlieren könntest. Ich habe früher häufig so gedacht. Tatsächlich hatte ich vor unglaublich vielen Situationen, Ereignissen und Gegebenheiten Angst und bin lieber den sicheren Weg gegangen, habe die Sachen vermieden, nach Ausreden gesucht und mir selbst eingeredet, dass es so besser sei. Hauptsache sicher in der Komfortzone und kein Aufsehen erregen oder die Ängste zu stark strapazieren.

Das Gefühl, das jedoch damit einherging, war Reue. Ich ertappte mich selbst oft dabei, dass in meinen Gedanken die «Was wäre, wenn»-Fragen auftauchten, und das machte mich stutzig. Du kennst sie vielleicht, sie könnten wie folgt klingen:

•Was wäre, wenn du die Bewerbung abgeschickt hättest?

•Was wäre, wenn du die Frau doch angesprochen hättest?

•Was wäre, wenn du die Reise gebucht hättest?

•Was wäre, wenn du dich gegen die Entscheidung deiner Eltern gestellt hättest?

•Was wäre, wenn du doch lieber die Ausbildung statt des Studiums begonnen hättest?

Ich fragte mich, ob es anderen Menschen wohl auch so ginge und ob sie eine Antwort auf die Fragen hätten. Ich wollte wissen, was sie sich wohl selbst in diesen Situationen sagten, um die Gedanken zum Schweigen zu bringen. Also suchte ich für mich nach einem Rat, einem Weg, der mir helfen würde, die Fragen zu klären. Allerdings konnte mir niemand, den ich fragte, eine zufriedenstellende Antwort geben.

Für mich tat sich in diesem Zusammenhang etwas auf, was auch zum ersten Lifehack passt: die Frage nach einer Vision und danach, was für ein Mensch ich sein wollte. Will ich jemand sein, der viel Zeit und Energie mit beängstigenden, energieraubenden Gedanken verbringt? Möchte ich später auf unterschiedliche Situationen in meinem Leben mit Reue im Herzen zurückblicken und nach einem Schuldigen suchen, um den damit verbundenen Schmerz zu betäuben oder zu lindern?

Die Antwort war für mich schnell klar: Das wollte ich auf keinen Fall. Zu einem Bestandteil meiner Vision wurde es, mich meinen Ängsten und Sorgen zu stellen und immer häufiger Risiken einzugehen und die vorhandenen Grenzen auszuweiten. Das bringt uns auch direkt zur Umsetzung. Wie gelingt es uns nun, die Vision in die Realität umzusetzen? Wie können wir uns Stück für Stück von den einzelnen Fesseln lösen?

Ich bin dabei ganz systematisch vorgegangen. Zunächst habe ich mir bewusst gemacht, welche Situationen oder Ereignisse für mich ein Risiko darstellen und wovor ich Angst oder andere unangenehme Gefühle oder Gedanken habe. Dazu habe ich mir ein Blatt Papier genommen und die einzelnen Dinge aufgeschrieben. Kleiner Einwurf an dieser Stelle: Auf die Liste darf wirklich alles drauf, auch Ängste, die nichts mit der derzeitigen Situation zu tun haben, sondern vielleicht mit deiner Vision oder deinen zukünftigen Plänen und Zielen. Und die Liste darfst du als «lebendig» betrachten. Was heute beängstigend ist, kann in ein paar Monaten verschwunden sein, und vielleicht steht dann aufgrund veränderter Situationen etwas anderes auf deinem Blatt. Das ist okay und darf ruhig so sein. Nun zurück zur Situation: Als die Liste fertig war, habe ich die einzelnen Punkte der Liste bewertet. Dazu habe ich eine Einteilung von 1–5 gewählt. Eine 1 bedeutete ein geringes Risiko und eine 5 war gefühlt lebensbedrohlich für mich.

Dann kam der nächste Schritt, der mir etwas Geistesarbeit abverlangte. Ich ging die einzelnen Punkte der bewerteten Liste durch und stellte mir die Frage, ob die Einschätzung, die ich vorgenommen habe, allgemeingültig ist oder ob andere Menschen diese Situationen vielleicht ganz anders einstufen würden. Also fragte ich viele unterschiedliche Personen, wie sie über die jeweilige Situation denken und was sie bei der Vorstellung empfinden. Wie du dir jetzt wahrscheinlich schon vorstellen kannst, kamen ganz unterschiedliche Ansichten dabei heraus.

Jetzt war mir etwas klar, was in der Psychologie und Philosophie schon länger postuliert wird. Unsere Welt ist nicht objektiv, sondern subjektiv. Jeder von uns nimmt die Welt anders wahr. Dies brachte mich gleichzeitig zu der Erkenntnis, dass ich eine Wahlmöglichkeit habe. Meine von mir bewertete Liste ist eine Darstellung meiner Ansichten, gewonnen aus meinen bisher gesammelten Erfahrungen. Deine Liste wird mit absoluter Garantie anders aussehen als meine.

Wie ging es weiter? Ich nahm mir noch einmal die Liste vor und ging jeden einzelnen Punkt erneut durch. Dabei beobachtete ich, welche Gedanken und Gefühle mir zu der jeweiligen Situation, die ich notiert hatte, ins Bewusstsein kamen, nun allerdings mit dem Wissen, dass dies «meine Sichtweise» ist und andere Menschen diese Situationen anders bewerten oder interpretieren würden.

Dadurch erkannte ich einen Handlungsspielraum. Ich überlegte mir nun zu jedem dieser Punkte Szenarien, die weniger apokalyptisch aussahen als die, die ich notiert hatte. Ich kreierte Dutzende von neuen Möglichkeiten im Kopf zu den einzelnen Punkten, bis ich immer mehr positive Enden erdacht hatte.

Dieser Schritt ist besonders wichtig, damit du in dir einen Samen der Zuversicht sähst. Wenn du dir bereits im Geiste vorstellen kannst, dass beim Eingehen eines Risikos etwas Positives herauskommen kann, wird es leichter für dich, dies dann auch tatsächlich in deiner Lebensrealität umzusetzen.

Ein weiterer wichtiger Punkt bei der Bearbeitung der Liste ist Eigenempathie. Dieser Punkt hat auch viel mit dem Lifehack #10 Selbstliebe zu tun. Vielleicht geht es dir beim Bewerten und Grübeln über die Liste so wie mir, dass in deinen Gedanken noch bestimmte Urteile, Rollenverständnisse und Stereotypen auftauchen. An dieser Stelle habe ich mir selbst viel Verständnis und Empathie entgegengebracht und all die lauten Stimmen in den Gedanken, die mich in ein bestimmtes Muster pressen wollten, damit beruhigt.

Ich habe mir gesagt, mit meinen erlebten Erfahrungen ist es völlig okay, dieses oder jenes Szenario als riskant einzustufen. Das Gleiche gilt für dich. Deine Bewertung, ganz gleich wie banal die Sache auch aussehen mag, mag aufgrund deiner bisherigen Erfahrungen riskant wirken. Das ist völlig in Ordnung und dafür musst du niemandem Rechenschaft ablegen.

Nachdem ich also die Liste erneut bearbeitet hatte, mir positive Bilder und Möglichkeiten zu den einzelnen Risiken ausgemalt und meine inneren Kritiker beruhigt hatte, legte ich los.

Ich fing mit den Punkten an, die ich mit einer 1 auf der Liste bewertet hatte, und jedes Mal, wenn ich ein Wagnis eingegangen war, machte sich ein großartiges Gefühl in mir breit.

Ganz wichtig an der Stelle ist zu erwähnen, dass der Erfolg nicht von dem Ergebnis abhängt, sondern von dem Versuch! Vielleicht braucht es bei einigen Punkten mehrere oder sogar viele Anläufe – das ist okay. Nicht alles wird dir gleich gelingen. Das war bei mir ebenfalls nicht der Fall. Aber allein der Vorsatz und der Versuch verschieben die Grenze bereits jedes Mal ein Stück nach vorn. Es ist eine Frage der Beharrlichkeit. Früher oder später wird es dir gelingen und du wirst eine neue, tolle Erfahrung machen.

Ich möchte dich ermutigen, es zu probieren. Wir werden nie eine Garantie dafür erhalten, dass das Wagnis, das wir eingehen, zum gewünschten Ergebnis führen wird. Der Ausgang der Risiken ist stets ungewiss, doch jedes einzelne davon hat mich wachsen lassen und mich meiner Vision nähergebracht. Allein der Versuch, den Mut aufzubringen, hat unglaublich viele positive Gefühle in mir geweckt.

Natürlich hat nicht alles so funktioniert, wie ich es mir vorgestellt habe. Aber mir wurde eines immer bewusster: Ich kann nichts verlieren. Tatsächlich kann ich nur gewinnen, und zwar entweder an Erfahrung oder an dem errungenen Erfolg, der sich allein dadurch einstellt, dass ich es probiert habe. Dieses Gefühl, sich gegen seine Ängste und Sorgen zu behaupten, lässt überhaupt keinen Rückschritt zu.

Wie du diese Schritte setzt, bleibt allein dir überlassen. Ich habe z. B. große Höhenangst. Es ist für mich schon schwer, auf eine kleine Trittleiter zu steigen, die sich an einer Treppe befindet. Irgendwie löst das in meinem Körper ein sehr unangenehmes Gefühl aus. Eines Tages kam ich in die Situation, an der Highline 179 in Tirol zu stehen, einer Hängebrücke mit 113 Metern Höhe. Allein der Anblick von unten ließ ein mehr als flaues Gefühl in mir aufkeimen. Als ich dann vor den Sprossen stand, war das Gefühl noch mal um einiges stärker geworden. Mir zitterten die Knie, meine Hände schwitzten und mit Freude hatte dies in dem Moment nichts zu tun. In meinem Kopf klopfte die Angst an die Tür und erklärte mir, was alles passieren könne, warum die Brücke nicht sicher sei und dass Gott uns Menschen doch Flügel geschenkt hätte, wenn wir uns in solch einer Höhe hätten bewegen sollen. Um es abzukürzen, ich bin das Risiko eingegangen und habe die Brücke passiert. Ich habe mich dabei am Geländer festgehalten und keine heroische Figur beim Überqueren abgegeben, was für mich aber völlig in Ordnung war. Stichwort Eigenempathie. Ich wollte einfach mein Ziel erreichen, über die Brücke zu gehen und das Risiko zu wagen.

Es ist mir gelungen – und das Gefühl auf der anderen Seite war unglaublich! Ich habe nach wie vor Höhenangst, aber das Wagnis hat sich gelohnt. Es war ein schier unglaubliches Gefühl und hat mir eine großartige Erinnerung geschenkt. Trotz der wackeligen Beine während des Übergangs.

So geht es uns doch häufig auch in unserem Alltag. Irgendeine Situation fühlt sich so an wie diese Brücke. Sie macht uns Ängste oder Sorgen und lässt ein flaues Gefühl in unserer Magengegend entstehen und die Hände schwitzen.

Lass dich in diesen Momenten nicht von den unangenehmen Gefühlen beirren. Sag zu dir selbst, dass es sich lohnt, die kleinen zögerlichen Schritte zu gehen, auch wenn du es nicht perfekt machst, nicht das Topergebnis erzielst, vielleicht wackelig auf den Beinen bist.

Diese Schritte mehren deinen Mut und belohnen dich mit einem großartigen Gefühl. Sie schenken dir die schönsten Erlebnisse und Erinnerungen und befreien dich von dem Gefühl der Reue.

Das ist es, wozu ich dich mit diesem Lifehack ermutigen möchte: deine Risiken zu betrachten und an den unterschiedlichsten Stellen kleine Schritte nach vorn zu gehen und dich deinen Ängsten und Sorgen entgegenzustellen.

Dabei wünsche ich dir ganz viel Kraft und Mut!

Hier noch einmal in Kürze meine Methodik dazu:

•Bewusstmachen, welche Ängste und Risiken du hast

•Eine Liste auf Papier anfertigen

•Die Liste emotional bewerten mit 1-5

•Reflektieren – sieht das jeder so oder nur ich?

•Austausch mit anderen über deine Punkte – neue Sichtweisen erkennen

•Bewusst andere Sichtweisen einnehmen – feststellen, dass wir Handlungsspielraum haben

•Neue Szenarien zu den Punkten der Liste ausmalen

•Positive Enden zu den Risiken erdenken

•Dir selbst Eigenempathie entgegenbringen für deine Bewertungen

•Mit den 1er-Punkten in die Realität starten

•Beharrlich immer wieder versuchen, die Grenzen zu verschieben und neue Erfahrungen zu sammeln

Lifehack #3

Frustrationstoleranz gewinnt

«Frustration ist der Beginn der Kapitulation.»

Justus Vogt

Wie dankbar wäre ich gewesen, wenn mir jemand frühzeitig gesagt hätte, wie wichtig diese Eigenschaft in unserem Leben sein kann?

Wir alle kennen doch Situationen, die uns frustriert zurücklassen. Irgendetwas hat nicht so funktioniert, wie wir es uns vorgestellt haben. Wir brennen für etwas und versuchen, andere Menschen davon zu überzeugen und zu begeistern, ernten aber leider nicht den gewünschten Eifer, der Funke springt einfach nicht über. Stattdessen erfahren wir Ablehnung, Kritik und vielleicht sogar Spott und Hohn. Das ist nicht immer so, aber die meisten von uns können sich an solch eine Gegebenheit in ihrem Leben erinnern oder werden dieser womöglich noch begegnen.

Wenn uns so etwas passiert, bleiben wir häufig ziemlich zerknirscht, frustriert und vielleicht auch mit einer Menge Wut im Bauch zurück. Wir ärgern uns über unsere Mitmenschen, darüber, dass sie nicht sehen, was wir sehen. Wir ärgern uns darüber, dass sie nicht mit der gleichen Euphorie für unsere Sache brennen und uns unterstützen oder zumindest ermutigen und beistehen.

Und wenn wir dann frustriert dasitzen und in unserem Selbstmitleid baden, ertappen wir uns vielleicht dabei, wie wir frühzeitig Träume und Visionen in den Wind schießen, wie wir vor der ersten Hürde kapitulieren, wie wir uns durch den ersten Hauch von Widerstand entmutigen lassen und uns frustriert zurückziehen.

Ich kann kaum greifen, wie viele gute Ideen, Träume und Visionen auf solch eine Art und Weise ihren Weg auf den Friedhof der Frustration genommen haben. Dort liegen sie, all die großartigen Ideen, Projekte, Vorhaben, die nur noch ein wenig mehr Durchhaltevermögen, ein bisschen mehr Frustrationstoleranz erfordert hätten, um als leuchtender Stern aufzugehen.

Das klingt jetzt ein bisschen wie in einem Märchen, aber tatsächlich ist es doch das, was uns oft im Alltag passiert. Wenn etwas nicht so läuft, wie wir es uns vorstellen, wenn etwas nicht unseren Erwartungen entspricht, wenn sich Widerstand oder Stagnation einstellen, sind wir frustriert und werfen die Flinte ins Korn.

Viel mehr noch nehmen wir die fehlende Euphorie, die fehlende Unterstützung, das fehlende Verständnis anderer im Zweifelsfall persönlich und fühlen uns auch noch gekränkt oder gar angegriffen.

In diesen Momenten ist unsere Frustrationstoleranz quasi gleich Null. Warum ist es also lohnenswert, sich mit dem Thema der Frustrationstoleranz einmal näher zu beschäftigen?

Für mich ist es aus mehreren Gründen sehr bereichernd. Tatsächlich glaube ich, dass wir unsere Ziele und Träume nur erreichen können, wenn wir über diese Fähigkeit verfügen.

Persönlich habe ich durch die Arbeit an meiner Frustrationstoleranz unter anderem Erfolge in folgenden Dingen erfahren:

•Stärkung des Durchhaltevermögens

•Verringerung von Motivationslöchern

•Mehr Unabhängigkeit

•Mehr Flexibilität

•Ein schärferer Blick für Chancen und neue Wege

•Entwicklung von mehr Gelassenheit

•Weniger Stress im Alltag

•Aufbau von Selbstwirksamkeit

•Mehr Motivation

•Positiver Selbstzuspruch

Mit einem guten oder gar hohen Maß an Frustrationstoleranz bleibt unser Ball im Spiel. Wir lassen uns von Rückschlägen nicht so leicht zurückwerfen oder aus der Bahn bringen und schaffen es, uns selbst zu motivieren und dabei zu bleiben. Wir geben nicht auf!

Frustrationstoleranz bezieht sich dabei nicht nur auf die äußere Welt, sondern auch auf unsere innere. Angenommen, du möchtest ein Musikinstrument erlernen. Auf einem Konzert, in einem Musikvideo oder in der Vorstellung eines Orchesters hast du jemanden gesehen, der dein Wunschinstrument fantastisch beherrscht.

Diese Person hat es geschafft, dich zu inspirieren und zu begeistern. Du willst nun auch das Spielen dieses Instrumentes erlernen. Nach der dritten, vierten oder fünften Übungsstunde merkst du nun, dass dies gar nicht so einfach ist und deine erwünschten oder erwarteten Erfolge sich nicht in der Geschwindigkeit einstellen, die du dir vorgestellt hast.

Die Wahrscheinlichkeit für Frustration ist groß. Genauso könnte es sein, dass du ein Projekt umsetzen willst, bei dem du auf die Hilfe anderer angewiesen bist. Aber keiner möchte dir helfen, keiner sieht, was du vor deinem geistigen Auge siehst. Die Unterstützung bleibt aus und nach ein paar Anfragen verwirfst du das Projekt.

Unsere Fortschritte liegen aber hinter der Frustration, hinter der Ablehnung, hinter den erfolglosen Versuchen, hinter der Kritik, hinter all den negativen Antworten auf unsere Versuche.

Ich glaube, wenn wir lernen, Frustrationstoleranz zu entwickeln und Rückschläge nicht als schmerzhaft, demütigend, Verlust oder Diskreditierung zu sehen, können wir wahrhaftig Großes erreichen.

Frustrationstoleranz hilft uns, uns auf uns selbst und die kleinen Schritte zu fokussieren.

Mit Frustrationstoleranz werten wir die Widrigkeiten, die sich uns in den Weg stellen, nicht gleich als Bote des Schicksals, der uns auffordert, die Flinte ins Korn zu werfen. Wir verlieren keine Energie mehr an die Aussagen oder Handlungen anderer. Wir lassen nicht gleich bei der ersten Unlust oder einem nicht erreichten Ziel alles fallen. Vielmehr fangen wir damit an, diese Dinge in unsere Pläne mit einzubeziehen, damit zu rechnen, dass nicht alles so läuft, wie wir es uns vorstellen. Wir beziehen diese Rückschläge mit ein und lassen uns dadurch nicht aus der Bahn werfen oder entmutigen. Wir lassen uns nicht mehr davon abhalten, mutig unseren Träumen, Vorhaben, Projekten und Visionen nachzugehen. Wir geben nicht gleich dem ersten Impuls der Frustration nach und werfen alles hin.

Wir bleiben an unserer Sache dran und verfolgen im Zweifelsfall stoisch unser Ziel, bis wir es tatsächlich erreicht haben oder wirklich gute Gründe dafürsprechen, es an einer Stelle ruhen zu lassen. Dann jedoch mit der Gewissheit, dass wir für uns aus unserer momentanen Position heraus alles gegeben haben, und nicht, weil wir es uns von außen haben ausreden lassen oder ein infantiler Impuls uns gerade übermannt.

Das ist der Hauptpunkt, den ich mit diesem Lifehack meine: ein zu uns selbst ehrliches und aufrichtiges Bewusstsein zu schaffen, mit dem wir wirklich alles gegeben haben. Sollte es dann doch zu einem Abbruch kommen, dann wenigstens zu einem, mit dem wir ohne Reue leben können und keine anderen dafür verantwortlich machen wollen.

Wenn du mir bis hierhin zustimmst und sich das für dich ebenso sinnig anhört wie für mich, dann schauen wir uns nun an, wie dies gelingt.

Wie gelangen wir also zu dieser Haltung der Frustrationstoleranz, die auf einem wachen Bewusstsein und ehrlichen Entscheidungen fußt?

Schauen wir uns zuerst einmal an, was Frustrationstoleranz per Definition bedeutet. Der Duden liefert uns dazu zwei Bedeutungen:

Bedeutung 1:

Umleitung einer Frustration in Wunschvorstellungen; [erlernbare] Kompensation, Sublimierung einer Frustration ohne Aggressionen oder Depressionen

Bedeutung 2:

Fähigkeit, frustrierende Erlebnisse längere Zeit auszuhalten

Das hilft uns schon einmal ein bisschen weiter. Aber so richtig wird allein mit dieser Definition noch kein Schuh draus. Schauen wir uns noch an, wie laut Duden Frustration definiert ist:

Bedeutung:

[Erlebnis einer] Enttäuschung und [vermeintlichen] Zurücksetzung durch erzwungenen Verzicht oder versagte Befriedigung

Mit diesen beiden Definitionen können wir jetzt arbeiten. Frustration hängt also mit Enttäuschung zusammen und einem Verzicht oder einer versagten Befriedigung. Welche Erkenntnis können wir daraus ziehen?

Es führt uns zu der Frage, wie unsere Frustration entsteht bzw. welche Faktoren sie bedingen. Enttäuscht werden wir bekanntlich nur von unerfüllten Erwartungen. Diese Feststellung ist super, denn das bedeutet, wir haben Einflussmöglichkeiten. Unsere Erwartungen können wir mit etwas Übung steuern, was sich im Umkehrschluss auf unsere Frustrationstoleranz positiv auswirkt. Jetzt stellt sich nur die Frage, wie unsere Erwartungen entstehen.

Unsere Erwartungen entstehen durch Beeinflussung und unser damit verbundenes Denken über Dinge, Situationen, Ereignisse etc.

Vieles übernehmen wir aus unserer Umwelt unbewusst und ganz selbstverständlich, ohne es zu hinterfragen. Bereits während unserer Kindheit übernehmen wir eine Vielzahl von Meinungen, Erwartungen, Glaubenssätzen und vielem mehr von unseren Eltern und anderen Bezugspersonen in unserem Umfeld. Dies setzt sich später in Schule, Studium, Beruf und Freundeskreis weiter fort. Als soziale Wesen werden wir von Menschen im gleichen Alter und mit gleichen Interessen, den sogenannten Peer-Groups, beeinflusst. On top kommt dann noch das gesamte Spektrum an Werbung, Film, Fernsehen und Social Media sowie der allseits bekannte Vergleich mit anderen Personen.

Du siehst, von überall prasseln Beeinflussungen auf uns ein, die Auswirkung auf unsere Erwartungshaltung haben. Gerade die zuletzt Genannten können eine enorme Wirkung auf uns haben. Es kann passieren, dass wir einem Gespräch anderer Personen lauschen und deren Meinung aufschnappen. Ohne es gezielt zu wollen, ertappen wir uns später dabei, wie wir auf einmal den gleichen Standpunkt bzw. die gleiche Erwartungshaltung vertreten. Oder aber wir haben eine Idee oder planen ein Vorhaben und vergleichen uns mit einer Person, die dies bereits geschafft hat, und leiten daraus Erwartungen für uns ab.

Was können wir dagegen tun?

Der erste Schritt hin zu mehr Frustrationstoleranz ist es, unsere Annahmen zu spezifischen Dingen einmal aufzuschreiben.

Wie im letzten Lifehack und auch noch in kommenden gilt es, uns unsere momentanen Erwartungshaltungen mit Stift und Papier bewusst zu machen. Wie denken wir über die verschiedenen Dinge, Situationen, Personen, Ereignisse, Beziehungen usw.?

Nehmen wir zur Verdeutlichung noch einmal das Beispiel des Musikinstrumentes. Was könnten Erwartungen an das Erlernen von Klavierspielen sein?

•Ich muss täglich eine Stunde üben.

•Nach zwei Wochen muss ich mein Lieblingslied spielen können.

•Ich muss genauso schnell lernen zu spielen wie Vera aus meinem Kurs.

•Meine Eltern müssen mich bei den Übungen unterstützen.

•Zum Lernen muss ich ein nagelneues Klavier haben.

•Ich kann nur bei schlechtem Wetter lernen, bei gutem bin ich lieber draußen.

Das sind jetzt einige plakative Beispiele, die uns die Thematik verdeutlichen sollen. Allein diese sechs Punkte bieten eine Menge Raum für Frustration.

Frustrationstoleranz bauen wir nun dadurch auf, dass wir die Punkte auf ihre «Echtheit» für uns überprüfen.

Dazu stellen wir uns weitere Fragen zu den einzelnen Erwartungen, um unser Bewusstsein für diese zu schärfen und eine bewusste Entscheidung darüber treffen zu können.

Erwartung:

Ich muss täglich eine Stunde üben.

•Wer sagt, dass man täglich eine Stunde üben muss?

•Wo hast du das gehört?

•Hat dir jemand explizit diese Anweisung gegeben?

•Würde es nicht auch ausreichen, täglich 30 Minuten zu üben?

•Muss die Stunde am Stück gelernt werden?

•Kannst du vormittags 30 Minuten und abends 30 Minuten lernen?

•Kannst du einen Test machen und jeden zweiten Tag eine Stunde lernen und in drei Wochen schauen, wie das funktioniert?

•Wie genau sieht das «Üben» aus? Fingerübungen, Notenlernen, sich an einem Stück abmühen?

Du siehst, worauf es hinausläuft. Bereits zu der ersten Erwartung können wir uns eine Menge Fragen stellen. Ungeprüft die Erwartungen oder Meinungen anderer zu unserem Maßstab zu machen, birgt eine Menge Potenzial für Frustration und einen damit verbundenen Abbruch. Frustrationstoleranz gewinnst du dadurch, dass du dir die einzelnen Themen erschließt und ein eigenes Erwartungsmanagement betreibst.

Je klarer und feiner unsere Erwartungshaltung ist, je spezifischer und persönlicher und nicht von anderen Personen oder gesellschaftlichen Konventionen geprägt, umso höher wird unsere Frustrationstoleranz.

Um noch mal auf das obige Beispiel einzugehen: Es ist viel wahrscheinlicher, bei den ungefilterten Erwartungen Frustration aufzubauen und in den «Sack» zu hauen als bei den eigenen spezifischen. Eine Stunde täglich Klavier üben ist ungenau. Spätestens wenn du dies eine Woche nicht gemacht hast, besteht die große Gefahr, dass du es ganz sein lässt.

Jeden zweiten Tag 15 Minuten Fingerübungen zu machen und 15 Minuten Noten zu lesen, birgt weit weniger Spielraum für Frustration und macht dich im Umkehrschluss frustrationstolerant. Dieses Ziel zu verfolgen, wird dir deutlich leichter fallen. Denn es ist von dir persönlich definiert und aus dir heraus motiviert.

Lass uns das Ganze noch einmal in einer verkürzten Übersicht betrachten:

•Aufschreiben der persönlichen Erwartungen

•Analysieren, von wo diese Erwartungen kommen

•Prüfung der Erwartungen auf persönliche «Echtheit»

•Festlegung eigener Ziele & Erwartungen

•Einplanen, dass mal etwas schiefgeht

•Berücksichtigung eines flexiblen Zeithorizonts

Lifehack #4

Nimm es nicht persönlich

«Nimm nichts persönlich, nimm es menschlich.»

Andrea Mira Meneghin

Dieser Lifehack begleitet uns ein Leben lang und ich denke, allein der Titel sagt alles. Er ist leicht zu verstehen und schwer zu meistern.

Aber irgendwie ist es auch eine schöne Tatsache, dass uns dies unser gesamtes Leben begleitet. Mit der Herausforderung, Dinge und Ereignisse nicht persönlich zu nehmen, haben wir eine Fähigkeit, eine Eigenschaft, die wir zu jeder Lebenszeit trainieren dürfen. Sie ist etwas, an dem wir arbeiten können, was uns immer wieder herausfordert und dazu einlädt, in uns hineinzuhorchen und als Person zu wachsen.

Ich behaupte jetzt einfach mal frech, dass diese Fähigkeit bzw. die Tatsache, dass uns das Leben immer wieder mit Situationen konfrontiert, in denen wir diese Fähigkeit unter Beweis stellen können, eine Konstante in unserem Lebensverlauf ist. Irgendwie finde ich das eine großartige Sache, dass es da etwas gibt, was wir nie völlig beherrschen werden, nie völlig kontrollieren können, und dass es immer wieder Situationen gibt, die diesen Aspekt in unserer Persönlichkeit herausfordern. Sie führt uns immer wieder unsere Menschlichkeit und die damit verbundene Unvollkommenheit vor Augen. Wir können nicht perfekt sein und wir müssen es auch nicht!

Ich möchte dich mit diesem Lifehack dazu einladen, diese Herausforderung freudig anzunehmen und an den Dingen, die dir in deinem Leben begegnen, zu wachsen und diese nicht persönlich zu nehmen. Wenn dich jemand verletzt, kränkt, kritisiert, beleidigt, dich nicht anständig behandelt, belügt oder dir etwas anderes passiert, was du zum gegebenen Zeitpunkt als unerwünscht, unangebracht oder unfair erachtest, versuche, es anzunehmen. Es hat in den meisten Fällen nichts mit dir zu tun.

Jeder von uns erlebt seine eigene Realität und handelt zu jedem Zeitpunkt nach seinen Möglichkeiten. Dabei sind wir so oft in unserem Alltag und unseren Mustern gefangen, dass wir die meisten Dinge nicht mit vollem Bewusstsein oder einer bösen Absicht tun.

Wenn wir daran arbeiten zu erkennen, dass, was auch immer uns widerfährt, keine Reaktion auf unsere Persönlichkeit ist, sondern in den meisten Fällen ein Ausdruck der Unbewusstheit unseres Gegenübers, macht es unser Leben deutlich entspannter.

Und ich weiß, dass dies gar nicht so leicht ist. Im Gegenteil. Gerade am Anfang ist es eine große Herausforderung. Ohne dass wir es bemerken, fast schon wie ein Automatismus, suchen wir bei vielen Ereignissen die Schuld oder Ursache bei uns und nehmen ein Verhalten oder eine Handlung, die an uns gerichtet ist, persönlich. Wir unterstellen unserem Gegenüber eine vorsätzliche Absicht, ja eine Böswilligkeit, wo in den meisten Fällen keine ist.

Doch dieser Frevel ist in den seltensten Fällen vorhanden. Was jemand aus unseren Handlungen oder Aussagen macht, obliegt einzig und allein seiner Interpretation. Wie er darauf reagiert ebenfalls. Und was wir daraus machen, obliegt einzig und allein unserer Interpretation.

Es ist ganz natürlich, Situationen, Aussagen und unschönes Verhalten anderer als Erstes persönlich zu nehmen. Gerade dann, wenn wir das Objekt der Frustration sind, wenn wir zum Spielball von Wut, Verrat, Betrug, Lüge oder Pein werden oder wenn uns unangenehme Emotionen, Äußerungen oder Handlungen an den Kopf geworfen werden bzw. widerfahren.

Da allerdings die meisten Menschen im Alltag wie ferngesteuert durch den Tag manövrieren, sich dessen, was sie tun und sagen, gar nicht immer vollends bewusst sind, können wir ruhigen Gewissens davon ausgehen, dass das meiste davon nicht uns persönlich gilt.

Allzu häufig sind wir im wahrsten Sinne des Wortes das Ventil für eine innere Irritation unseres Gegenübers. Und die Person merkt es nahezu nie oder erst sehr viel später durch intensive Reflexion.

Wenn wir uns also damit auseinandersetzen, die Verfehlungen unserer Mitmenschen nicht gleich persönlich zu nehmen, gelingt es uns, ein Fundament für ein harmonischeres Miteinander zu schaffen. Auf diese Weise ziehen wir mehr Ruhe, Gelassenheit, Frieden, Liebe und Harmonie in unser Leben und können den Menschen in unserer Umgebung mit einem wohlwollenden Blick begegnen, der nie aus der Mode kommt und der Welt und uns als Individuum immer dienlich ist.

Mit diesem wohlwollenden Blick, der aus der Energie gespeist wird, nichts persönlich zu nehmen, kreieren wir uns ein Leben, das von einer unvergleichbaren Ruhe und Glückseligkeit erfüllt ist. Ich persönlich hätte dies gern schon viel früher gewusst und mich damit auseinandergesetzt. Aber ich denke, ich habe es immer noch früh genug erfahren und begriffen, um viele schöne Jahre mit dem Training dieser Eigenschaft zu verbringen.

Und das ist es auch, was ich dir hiermit zeigen möchte. Dieser Lifehack ist keine Anleitung, wie du das schaffst, das musst du für dich persönlich herausfinden. Mir geht es hier vielmehr darum, dir zu sagen, wie wertvoll diese Eigenschaft ist. Es ist eine Einladung an dich, über diese Zeilen zu sinnieren, den Inhalt für dich zu prüfen und zu hinterfragen und in vollem Bewusstsein deine Entscheidung darüber zu treffen, ob du dies ebenfalls als sinnig erachtest oder nicht.

Das Ergebnis dieser Überlegung überlasse ich ganz dir. Es ist meinerseits eine herzliche Einladung, da ich davon überzeugt bin, dass die Auseinandersetzung mit dieser Eigenschaft, das Training, sowohl dein Leben als auch das deiner Mitmenschen bereichern wird.

Falls du jetzt der Ansicht bist, dass diese Zeilen zutreffend sind und du es ebenfalls als Bereicherung ansiehst, möchte ich dir ein paar kleine Dinge als Inspiration mit auf den Weg geben, die mir geholfen haben und immer wieder helfen, in diese Haltung zu kommen.

Was hilft mir, politische Machtkämpfe auf der Arbeit, die Beendigung einer Beziehung, Pöbelei im Straßenverkehr oder in der Schlange eines Geschäftes oder Anschuldigungen eines Kollegen oder einer Kollegin nicht persönlich zu nehmen?

Während meiner persönlichen Reise bin ich im Rahmen einer Trainerausbildung auf die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg gestoßen. Im Quellenverzeichnis hinterlege ich dir unter «Empfohlene Literatur» zwei sehr gute Bücher zu dem Thema, die ich dir sehr ans Herz legen kann. Diese hier auszuführen, würde den Rahmen des Buches bzw. dieses Lifehacks sprengen. Diese Kommunikationsart hilft dir dabei, einen besseren Zugang und Verständnis für deine Emotionen, Gefühle und Bedürfnisse zu erlangen.

Die Techniken der Gewaltfreien Kommunikation zu verinnerlichen und täglich zu trainieren, ist dabei die Kür. Ich persönlich habe daraus meinen eigenen Stil entwickelt, den ich jeden Tag aufs Neue trainiere. Und ich lade dich herzlich ein, ebenfalls deine ganz eigene Version hiervon zu kreieren. Eine, die zu dir passt, die dir Freude macht zu trainieren und mit der es dir gelingt, immer weniger von außen persönlich zu nehmen. Hier gibt es keine Blaupause, die wir eins zu eins adaptieren können bzw. sollten. Fühl dich frei und teste aus, was für dich funktioniert.

Wenn es beispielsweise zu einer Beleidigung, einem Angriff auf meine Person, einer Kränkung oder zu einer Unterstellung kommt, mache ich mir Folgendes bewusst: zum einen, dass unsere Sprache, und damit verbunden bestimmte Wörter, bestimmte Reaktionen hervorrufen können bzw. sollen. Diese können von einer anderen Person unter Umständen strategisch oder auch taktisch gewählt sein, um die gewünschte Reaktion bei mir zu provozieren.

Dies sehe ich mittlerweile als eine Art «Spiel», wobei die Beleidigung eine Einladung zum Mitspielen darstellt. Ob ich die Beleidigung annehme, liegt in meiner Verantwortung und in meinem Machtbereich. Ob ich das Spiel mitspiele, liegt ebenfalls bei mir. Ich lernte und lerne also immer noch, mich zu entscheiden, ob ich auf dieses Spiel eingehen möchte.

Als Nächstes frage ich mich, ob ich die Äußerung überhaupt persönlich nehmen kann? Ganz objektiv betrachtet. Wenn eine Person, die ich nicht kenne, versucht, mich zu beleidigen, wie soll ich davon ausgehen können, dass sie überhaupt eine Ahnung davon hat, wer ich bin? Ab diesem Zeitpunkt ist es für mich offensichtlich, dass die Person einfach nur versucht, Frust abzulassen, und alles, was sie sagt, mich nicht betreffen kann.

Ebenfalls mache ich mir bewusst, dass wir alle während unseres Alltags in einer Art «Autopilot» laufen. Wir sagen oder tun dann Dinge, die wir bei klarem Bewusstsein wahrscheinlich nicht gesagt oder getan hätten. Das hilft mir dabei, Distanz zu der Aussage oder der Handlung aufzubauen. Als kleine Hilfestellung können wir uns auch ein Mantra für diese Situationen kreieren, wie z. B.: «Er ist sich gerade nicht bewusst. Diese Aussage hätte jeden treffen können und gilt nicht mir persönlich.»