Glücksleitfaden - achtsam ins Glück - Olaf Duchêne - E-Book

Glücksleitfaden - achtsam ins Glück E-Book

Olaf Duchêne

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Beschreibung

Menschen möchten Freude spüren. Freude ist ein angeborenes Grundbedürfnis. Kommen Grundbedürfnisse zu kurz, kommt es zur Störung. Im Buch geht es darum, Hindernisse auf dem Weg zur Freude zu entdecken und sie zu beseitigen. Im Zentrum steht die "Achtsamkeit". Der Leser erfährt einen Weg mithilfe von einfachen Meditationsanleitungen, dem Münchner Trainingsmodell und Verhaltens-Schematherapie seine Persönlichkeit so zu verändern, dass er Freude und Gesundheit erfährt. Durch nichtwertende Beobachtungen von Gefühlen, Gedanken und Verhalten lernt er zu verstehen und zu akzeptieren. Erst dann ist einer Veränderung möglich. Mit dem funktionalem Verhalten seines starken "Gesunden Erwachsenen" findet er seinen Weg zur Freude. Dieser Bewusstseinszustand hält die nervenden und störenden "inneren Kritiker" im Zaum und versorgt den "Kindmodus". Methoden der Schematherapie helfen beim Verstehen der Zusammenhänge. Die Schematherapie ist derzeit eine der wirksamsten und vielversprechendsten Verfahren zur Entwicklung der Persönlichkeit. Ihr zugrunde liegt die Annahme, dass sich während der Kindheit "Schemata", d.h. bestimmte Verhaltens- und Denkmuster, entwickeln, von denen einige im späteren Verlauf des Lebens zu unangepasstem Verhalten führen können. Dem Leser werden verschiedene Methoden und Werkzeuge an die Hand gegeben, um fehlangepasste Verhaltensweisen, die oft unbewusst im "Autopiloten" wirken, aktiv zu regulieren. Dieses Buch ist Aufklärungs- und Arbeitsbuch zugleich. Es ist schwerpunktmäßig nach praktischen und leicht verständlichen Methoden und Strategien der Verhaltenstherapie konzipiert, die den Leser in die Lage versetzen, selbststeuernd und selbstinstruierend in die automatisierte Bewältigungsreaktion einzugreifen. Verschiedene Arbeits- und Fragebögen unterstützen den Leser. Seine durch Übungen wachsende Achtsamkeit hilft ihm bei der Selbstreflexion seiner Erlebnisse, Gefühle und Gedanken.

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Seitenzahl: 292

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Olaf Duchêne

Glücksleitfaden– achtsam ins Glück

Wegweiser für ein erfolgreiches, gesundes, achtsames und glückliches Leben

© 2021 Olaf Duchêne

Autor: Dip. Psych. Olaf Duchêne

Umschlaggestaltung, Illustration: Olaf Duchêne

Lektorat, Korrektorat: Regina Merk

Verlag & Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

ISBN:

978-3-347-21199-5 (Paperback)

978-3-347-21200-8 (Hardcover)

978-3-347-21201-5 (e-Book)

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Hinweis:

Bezüglich der im Folgenden gemachten Ausführungen darf der Lerserin/der Leser darauf vertrauen, dass der Autor große Sorgfalt darauf verwendet hat, dass die Angaben in diesem Buch dem neuesten Stand der Wissenschaft entsprechen.

Die Erkenntnisse sind jedoch nie statisch, sondern unterliegen einem fortlaufenden Entwicklungsprozess. Alle Angaben können von daher immer nur dem aktuellen Wissensstand zum Zeitpunkt des Erscheinens des Buchs entsprechen. Deshalb kann der Autor für die gemachten Angaben keinerlei Verantwortung und Gewähr übernehmen. Die Durchführung, der in diesem Buch empfohlenen Übungen und Anwendungen erfolgt auf eigene Gefahr des Benutzers. Der Autor übernimmt keine Haftung für Personen-, Sach- und Vermögensschäden aufgrund der Ausführung, der hier erteilten „Ratschläge“.

Ich möchte mich an dieser Stelle bei all jenen bedanken, die mich über die ganzen Jahre unterstützt haben und für Inspirationen gesorgt haben.

Zuerst möchte ich mich bei meiner verstorbenen Mutter bedanken. Sie hat mich und meine Schwester alleine aufgezogen, nachdem unser Vater sehr früh verstarb. Ohne sie wäre ich nicht der, der ich bin. Weiterer Dank gilt meinen lieben und klugen Kindern, Sarah und Maurice, die mich durch ihre Herausforderungen immer wieder zum Nachdenken brachten. Ebenso danke ich Marlies, der warmherzigen Mutter der beiden. Sie hat mich nicht nur jahrzehntelang begleitete, sondern ist mir heute noch eine sehr wichtige Stütze in wichtigen Fragen. All diese Menschen vermitteln mir ein wunderbares Gefühl, mit ihnen verbunden zu sein.

Verbunden fühle ich mich auch Prof. Paul Innerhofer und Dr. Ewald Lang. Die beiden sind für mich immer verlässliche, väterliche Freunde und Lehrmeister. Sie sind mitverantwortlich, dass es mir möglich war dieses Buch zu schreiben.

Dann gibt es noch mehrere hundert Trainingsteilnehmer, viele Patienten, Freunde und Bekannte, die mir täglich aufzeigen, dass wir alle voneinander abhängig sind. In der täglichen Interaktion mit ihnen konnte ich reifen. Aus diesem Kreis gab es die Anregung ein Buch zu schreiben.

Herzlichen Dank und ein achtsames, gesundes sowie glückliches Leben.

Olaf Duchêne

Vorwort

Wow, ich gratuliere Olaf Duchêne und vor allem den Lesern dieses Buches zu einem herausragenden Werk. Dem Autor ist es gelungen, ein sehr komplexes Thema umfassend und gleichzeitig leicht verständlich zu transportieren.

Die substanzielle Frage nach mehr Zufriedenheit, Glück und vor allem Gesundheit bildet das Leitmotiv für dieses Buch. Die Antworten, die dieses Buch gibt, sind fundiert und für jeden Leser, unabhängig von Lebenssituation, Alter oder Geschlecht hilfreich und wegweisend. Olaf Duchêne bezieht sich hierbei auf die Erkenntnisse, die aus jahrelangen, globalen Untersuchungen der neurowissenschaftlichen Forschung und Glücksforschung gewonnen wurde. Die Essenz aus diesen Erkenntnissen findet der Leser in diesem Buch.

Glücklicherweise verzichtet der Autor auf eine wissenschaftliche Darlegung zu Gunsten eines leicht zu lesenden und verständlichen Schriftstils. Die zahlreichen Metaphern und praxisnahen Beispiele führen dazu, dass es dem Leser Spaß macht, dieses Buch zu lesen. Dennoch empfehle ich jedem, sich Zeit für dieses Buch zu nehmen. Diese Zeit ist meines Erachtens erforderlich, die Tiefgründigkeit hinter den Metaphern und Schilderungen zu begreifen und die für den Einzelnen individuell geltenden Tipps zu verinnerlichen und in die Umsetzung zu bringen.

Darüber hinaus wünsche ich mir, dass der Inhalt dieses Buches zu vielen Diskussionen mit Familie, Freunden und Bekannten anregt. Denn durch die gemeinsame Auseinandersetzung mit den Inhalten dieses Buches, besteht neben dem Gewinn für jeden Einzelnen, die Chance eine gesellschaftliche Entwicklung voran zu treiben, die unser Zusammenleben emphatischer, toleranter und achtsamer werden lässt.

Werner Knigge (Trainerkollege, Autor, Freund)

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

1 Vor dem Lesen – „Ein Weg-Weiser zur Freude“

2 Ziele des Buches

3 Hindernis: Überangebot an Möglichkeiten

3.1 Umgang mit Leid als Hindernis

3.1.1 Erkenntnisse durch ein Maiskorn

3.1.2 Wir können den Himmel auf Erden haben

3.1.3 Die zwei Pfeile: Unnötigen Schmerz und Leid verhindern

3.2 Unser eigener Geist als Hindernis

3.3 Unseren klareren Geist nutzen

4 Mögliche Folgen von Hindernissen

5 Zufriedenheit mit unserem Leben erlangen

5.1 Befriedigung unserer existentiellen Grundbedürfnisse

5.2 Selbstwirksamkeit und Kompetenzkreise

5.3 Erwartungen fallen lassen und unser Leben gestalten

5.4 Unsere innere Werte und Ziele zur Selbststeuerung

5.5 Modell der Wahlfreiheit

5.6 Persönlichkeitsgebäude –Modell zum besseren Verständnis

5.7 Wege in unserem Gehirn kennen und beeinflussen

6 Naturgesetze akzeptieren

6.1 Alles hat einen Anfang und ein Ende

6.2 Gesetz der Leere

6.2.1 Experiment: Gerade versus ungerade Tage

6.2.2 Der chinesische Bauer und sein Pferd

6.3 Gesetz der Anziehung

6.3.1 Sich-selbst-erfüllende-Prophezeiung

6.3.2 Galton’s Walk

6.4 Gesetz des bedingten Entstehens – No mud no lotus

6.4.1 Burnout: „Der erfolgreiche Familienvater“

6.4.2 Die 5 Burn-Out Phasen

6.4.3 Depression als Chance – Wege zur Freude

6.5 Gesetz der Verbundenheit

6.6 Gesetz von Rhythmus und Schwingung

6.7 Gesetz der Polarität

7 Achtsamkeit und Schematherapie – Zweigleisig fahren

7.1 Achtsamkeit – was ist das?

7.2 Das ABCDE-Modell des achtsamen Umgangs mit Situationen

7.3 Achtsamkeit als Grundlage für Gesundheit

7.4 Tun- versus Sein-Modus

7.5 Der gegenwärtige Augenblick – unser Zuhause

7.6 Achtsamkeit mit Kindern, Schülern und Partnern

7.7 Beenden von Verhaltensschleifen in Beziehungen

7.8 Geheimnisse einer Schildkröte

7.9 Achtsamkeitsmeditationen

7.9.1 Thai kommt nach Hause

7.9.2 Atemachtsamkeit im Sitzen – Fünf Formeln zum Sein

7.9.3 Atemachtsamkeit im Sitzen – Zen-Variante

7.9.4 Bodyscan, die achtsame Reise durch den Körper

7.9.5 Übung: Ihr „Innerer geschützter Raum“

7.10 Buddhismus – eine achtsame Lebenseinstellung, keine Religion

7.10.1 Buddhas Erkenntnisse zum Leid – Vier edle Wahrheiten

7.10.2 Buddhas Weg aus dem Leid – Achtfacher Pfad

7.11 Selbstliebe, Basis für eine verständnisvolle Gemeinschaft

7.11.1 Als ich mich selbst zu lieben begann – eine Anleitung

7.11.2 Übung zur Liebenden Güte

8 Schemacoaching und -therapie, der Unterschied

8.1 Unsere (Verhaltens-)Schemata

8.1.1 Schemata – Entstehung, Auswirkung

8.1.2 Die Entstehungsgeschichte unserer Schemata

8.2 Der Bus der Modi, unsere Persönlichkeitsanteile

8.3 Das Modusmodell in der Schematherapie

8.3.1 Auf der Bühne unseres Lebens

8.3.2 Der Kind-Modus

8.3.2.1 Gefühle

8.3.2.2 Innere Konflikte zwischen den Kind-Modi

8.3.3 Die Inneren Kritiker oder Verinnerlichten Eltern

8.3.3.1 Zwei mangelhafte Backsteine

8.3.3.2 Wirken der Inneren Kritiker

8.3.3.3 Gedanken können sehr gefährlich werden

8.3.3.4 Unsere Antreiber

8.3.3.5 Die Geschichte vom Schwertfechter

8.3.4 Bewältigungsmodi – Spontane Reaktionstendenz

8.3.4.1 Autopilot – Wenn das Gehirn entscheidet

8.3.4.2 Demonstration: Stockübung

8.3.5 Der „Gesunde Erwachsene“ am Steuer – Autopilot beenden

8.3.5.1 Gesunder Erwachsener als regulierende Funktion

8.3.5.2 Perspektivenwechsel – Bewusst Sein und unser „Ich“

8.3.5.3 Optimale Leistung durch Achtsamkeit

8.3.5.4 Moduslandkarte gibt Orientierung

8.3.5.5 Selbststeuerung – Fahrer sein, nicht Beifahrer

8.3.5.6 Das Tiger-Prinzip – Von der Natur lernen

8.3.5.7 Unsere Stimmung – Unser Schicksal

8.3.5.8 Unsere Stimmung gehört uns – Bettkantenübung

8.3.5.9 Ein Schicksal am Beispiel Abraham Lincolns

8.3.5.10 Der Sieger und der Verlierer

8.3.6 „Innerer Beobachter“ – Berater des Gesunden Erwachsenen

9 Die Rolle der zwischenmenschlichen Kommunikation

9.1 Ein Kommunikationsmodell

9.2 Gewaltfreie Kommunikation

10 Mit Verhaltenstherapie zum Zielverhalten

10.1 Theorie und Praxis?

10.2 Sechs Paramitas – Wertvolle Fähigkeiten

10.3 Lernen im Erwachsenenalter

10.3.1 Unser „blinder Fleck“ – Wir benötigen Rückmeldungen

10.3.2 Minimum-Gesetz und unsere Fähigkeiten

10.3.3 Zusammenspiel der logischen Ebenen der Veränderung

10.4 Münchner Trainingsmodell – ein Veränderungsmodell

10.4.1 Erkennen

10.4.2 Verstehen

10.4.3 Akzeptieren

10.4.4 Verändern

10.5 Veränderungsmodell von Kübler-Ross

10.5.1 Die Mäusestrategie – Veränderung findet immer statt

10.5.1.1 Leitlinien des Wandels

10.5.2 Unsere Entwicklungszonen nutzen

10.6 Systematische Problemlösung

11 Transfer

11.1 Installieren von neuen funktionalen Verhaltensweisen

11.2 Erinnerungshilfen

11.3 Das Modell der Verhaltenstherapie

11.4 Ziele und Werte zur Selbststeuerung

11.5 Wege zur Gelassenheit

11.6 Ein achtsamer Tagesablauf

11.7 Uhr der positiven Autosuggestionen

11.8 Do-it-yourself-Uhr der positiven Affirmationen

11.9 Wochenplan zum achtsamen Umgang mit mir selbst

11.10 Schema- und Achtsamkeitsprotokoll

11.11 Wochenrückblick

11.12 Jahresrückblick

12 Ausblick

13 Anhang

13.1 Literaturverzeichnis

13.2 Abbildungen

Auflösung der Rätselaufgabe

Moduslandkarte

ABCD-Modell Arbeitsblatt

BEATE-Schema

Über den Autor

1 Vor dem Lesen – „Ein Weg-Weiser zur Freude“

„Alles Gescheite ist schon gedacht worden, man muss nur versuchen, es noch einmal zu denken." (Goethe)

Abbildung 1 Wegweiser zu Bedürfnissen

Manchmal fragen wir uns, was der Sinn des Lebens ist. Suchen wir nicht alle Freude? Nicht immer ist dies uns bewusst, wenn wir handeln. Egal was wir tun, wir möchten uns wohl fühlen. Also richten wir all unser Handeln danach aus, dass es uns gut gehen soll, oder? Weshalb gelingt das nicht immer? Dann stellen wir fest, dass wir leiden, statt uns zu freuen. Schade.

Ein großer Teil unseres Leids entsteht durch unsere unerfüllten Wünsche und Erwartungen. Unerfüllte Wünsche führen dazu, dass negative Gedanken und Emotionen wie Ärger, sogar Hass, entstehen. Deshalb sind unsere Wünsche und Erwartungen mitverantwortlich für Leiden. Sehr oft deckt sich unsere Erwartung nicht mit den Erfahrungen, die wir machen.

Manchmal ist es auch unsere Unwissenheit oder die Tatsache, dass wir natürliche Gesetze nicht beachten. Oft denken wir, dass die Außenwelt daran schuld sei. Manchmal stimmen die Bedingungen nicht, oder die Zeit ist noch nicht da.

Im Laufe des Buches erhalten Sie Möglichkeiten und Werkzeuge, die Ihnen dabei helfen, die Zusammenhänge zu durchschauen. Erkenntnisse werden zunehmen. Fest steht, dass wir die Verantwortung für unsere Freude und unser Glück tragen, mit dem was wir tun – und dem, was wir nicht tun.

Leider sind einige unserer Handlungen nicht dazu geeignet, langfristig Freude zu erzielen. Manche machen sogar krank oder unglücklich. Aus unserer Situation heraus überlegen wir, was wir brauchen, um Freude zu haben. Dann formulieren wir Ziele und Wünsche, um gesund und glücklich zu sein, z.B.:

a. Ich möchte lernen, Freude, Sicherheit, Geborgenheit und Ruhe in mir selbst zu finden.

b. Ich möchte Orientierung für mein Leben finden, lohnende Ziele und den richtigen Weg kennen.

c. Ich möchte mir selbst vertrauen, statt mich zu sorgen und zu ängstigen.

d. Ich möchte ein Leben ohne Hektik, die mich unruhig macht und mich gereizt reagieren lässt.

e. Ich möchte, dass meine Enttäuschungen und Verletzungen heilen.

f. Ich möchte mit mir selbst, meinem Aussehen, meinen Leistungen und mit meinem Leben zufrieden und glücklich sein.

g. Ich möchte Ich sein: so wie ich bin glücklich sein.

Kommen Ihnen einige dieser Wünsche bekannt vor? Dann sind Sie in guter Gesellschaft. Um diese Themen wird es im Buch gehen.

Dabei ist das Buch für diejenigen gedacht, die sich gerne besser fühlen möchten, und auch für jene, denen es schon gut geht. Denn wir können uns alle weiterentwickeln.

Gerade weil wir heute ein verwirrendes Überangebot an Möglichkeiten haben, ist es nicht leicht, den richtigen Weg zur Freude zu finden. Manchmal sind wir auf dem Holzweg oder gelangen auf einen Irrpfad. Dann ist es hilfreich, dies bald zu bemerken und zurück auf den richtigen Weg zu gehen. Darum soll es in diesem Buch gehen.

2 Ziele des Buches

„Wer das Ziel nicht hat, kann den Weg nicht haben, muss all sein Leben im Kreise traben.“ (Morgenstern)

In diesem Buch möchten wir sehr unterschiedliche Ziele erreichen. Ziele sind sehr wichtig, weil sie uns die notwendige Motivation liefern.

• Vorderstes Ziel ist es, dass Leser ihre Lebensqualität verbessern können, wenn sie das möchten. Damit sind alle Menschen gemeint, die diese Chance nutzen möchten. Dadurch wird gleichzeitig eine Vorbeugung vor Störungen geschaffen.

• Ein weiteres Ziel ist es, dass Menschen im Leid, mit psychischen oder anderen Störungen (Schmerzen, Partnerprobleme, usw.), einen Weg aus dem Leid finden. Sie erfahren, wie Störungen entstehen und behoben werden können, sowie Möglichkeiten einer „Rückfallprophylaxe“.

• Auch Angehörige sind oft ratlos und geben dadurch gut gemeinte, jedoch weniger hilfreiche Ratschläge, z.B. „Du musst Dich nur zusammenreißen“. Deshalb möchte ich diesen aufzeigen, wie sie zuerst sich selbst und dann dem erkrankten Menschen helfen können: „Aus einer leeren Tasse kann ich anderen nichts anbieten“.

• Vielleicht kann sogar der eine oder andere aufgeschlossene Kollege darin Methoden und Werkzeuge finden, mit denen er für sich selbst und seinen Patienten noch besser reagieren kann, sodass die Behandlung dadurch sogar verkürzt werden kann.

Die Wege zum Ziel sind Werkzeuge aus unterschiedlichen Fachgebieten, wie z.B. Achtsamkeit, Schematherapie, gewaltfreie Kommunikation, NLP, usw. Generell können Probleme mit den zahlreichen Werkzeugen besser bewältigt werden.

Dieser Leitfaden kann unterstützen, indem es schwarz auf weiß aufzeigt, wie gut wir für uns sorgen. Es enthält Anleitungen und Werkzeuge, wie wir das noch besser bzw. eleganter tun können. Mit Hilfe der Abendreflexion können wir jeden Abend eine Bilanz darüber erhalten, wie unsere Bedürfnisse, Gedanken, Emotionen und unser Verhalten zusammengespielt haben. Bei Bedarf können wir, für den nächsten Tag, unsere Schlüsse ziehen, was wir an folgenden Tag noch besser tun können, um die Bilanz unserer Bedürfnisse positiv und gleichmäßig zu gestalten, also zu steuern. Ein weiterer Vorteil ist, dass sichtbar wird, was wir getan haben. Oft sehen wir nicht, wie viel wir leisten. Nicht jeder ist ein Schreiner, der am Abend auf seinen fertiggestellten Schrank schaut und stolz auf sich ist. Mit Hilfe der Abendreflexion machen wir sichtbar und erinnern uns an unsere Tatkraft. Das befriedigt unseren Selbstwert. Wir erreichen dadurch einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess.

Um das Buch leicht lesbar zu machen, verzichte ich auf die vielleicht von einigen gewünschte Tiefe oder Wissenschaftlichkeit. Auch erlaube ich mir, aus Gründen der Leserlichkeit die generisch männliche Wortform zu benutzen. Dies geschieht aus rein pragmatischen Gründen und soll in keinerlei Hinsicht das „Weibliche“ herabsetzen. Wer dieses Buch liest, wird erkennen, dass auch darin Bewertungen liegen, die ich möglichst ausschalten möchte.

Leser können sich folgende Fragen stellen:

• Was hat das Geschriebene mit mir, meinem Leben, meiner Situation zu tun?

• Was sagt mir der Inhalt angesichts meiner derzeitigen Situation?

• Wie kann ich den Inhalt für mich nutzen?

• Wie kann es mir helfen?

• Wie kann ich es in den Alltag integrieren?

• Was kann ich wie anders machen, um ein gesundes, glücklicheres Leben zu führen?

3 Hindernis: Überangebot an Möglichkeiten

Ein fünfjähriges Mädchen fragt seine Mutter, weshalb so viele Menschen traurig sind. Darauf antwortet seine Mutter: „Wir leben in einer gefährlichen Umgebung mit ungesundem Essen, fragwürdigen Informationen, arbeiten in ungeliebten Jobs, weil wir Dinge kaufen, die wir nur brauchen, um Menschen zu imponieren, die wir nicht mögen. All das vergiftet langsam unsere Seelen.“

Abbildung 2 Algazels Esel

Zu unserer Lebenszeit registrieren wir ein Überangebot an Möglichkeiten, um unsere Bedürfnisse zu befriedigen. Da könnten wir eigentlich überglücklich sein. Da es uns bewusst ist, dass wir nur eine begrenzte Zeit zu leben haben, steigt bei uns die Erwartung, möglichst viel vom Angebot zu nutzen.

Das erzeugt Entscheidungs- und danach Durchführungsstress. Das ist wie bei Algazels Esel. In diesem Gleichnis verhungert ein Esel zwischen zwei gleichweit entfernten Heuhaufen. Weil beide Heuhaufen in gleicher Entfernung liegen, kann der Esel sich nicht entscheiden. Beide Lösungen blockieren sich gegenseitig. Es handelt sich um einen „Deadlock“, eine Situation, in der sich beide Alternativen eines Dilemmas gegenseitig blockieren. Ein Annäherungs-Annäherungs-Konflikt, wie wir ihn häufig erleben.

Wir befinden uns ständig zwischen mehreren Entscheidungen, unterschiedliche Grundbedürfnisse zu befriedigen. Ohne es zu bemerken, geraten wir in ein Marathon-Hamsterrad. Zuerst getrieben von der Entscheidung, was zu tun ist, dann vom Druck, möglichst viel in kurzer Zeit zu tun. Dabei vergessen wir folgenden Hinweis:

„Alles kann, nichts muss!“

Wir brauchen etwas nicht nutzen, nur weil es da ist! Wenn wir wissen, was wir brauchen, genügt es vollkommen, das mit voller Achtsamkeit zu tun. Dadurch haben wir jede Menge positiver Konsequenzen:

• Weniger Entscheidungen

• Weniger Tun-Modus

• Mehr Zeit für unseren Sein-Modus

• Weniger finanzielle Belastung, weil wir nicht alles haben wollen

• Weniger arbeiten, weil wir weniger Geld benötigen

Das Überangebot, das die Gier in uns aktivieren könnte, ist nur eine der Ursachen von Leid. Weitere Ursachen wollen wir in diesem Buch aufdecken. Zu ihnen gehören sicherlich die Anhaftungen an die Dinge, von denen wir glauben, sie haben zu wollen oder zu „müssen“. Das sind nicht nur materielle Objekte, sondern auch mentale, wie z.B. der Status. Viele strengen sich an, um einen bestimmten Status zu erlangen. Wenn sie ihn dann haben, wollen sie ihn auch „halten“. Verlustangst ist die Folge. Es ist also immer mit der Anstrengung des „Haltens“ verbunden und verbraucht Energie. Weshalb ist das so wichtig? Zum einen hängt es sicherlich mit unserem Selbstwert zusammen. Selbstwertsteigerung ist ein angeborenes Bedürfnis. Es kann jedoch auch ein unentdeckter Zwang durch die Inneren Kritiker, erzeugt durch Schemata, dahinter stecken. Das ist uns oft nicht bewusst. Dann strengen wir uns an, um unseren Antreibern zu gehorchen, wie wir es als Kind gelernt haben. Deshalb ist es wichtig zu prüfen:

Weshalb tue ich das, was ich gerade tue oder vorhabe?

Um die wirklichen Beweggründe zu erkennen, sind unsere Gedanken zu prüfen, unser Geist. Wie das geht, wird im Buch erklärt. Man sagt:

„Ein guter Musiker weiß, wann sein Einsatz ist. Ein guter Jazzer spürt es. Wir spielen die Melodie auf der Bühne unseres Lebens. Am besten mit voller Achtsamkeit.“

Nun gibt es, neben den bereits genannten Anhaftungen, an materielle und immaterielle Objekte, noch weitere Gründe für Leid. Buddha hat sich lange damit beschäftigt und hat letztendlich seine „vier edlen Wahrheiten“ formuliert. In ihnen erklärt er die Zusammenhänge seiner Erforschung und Erleuchtung zum Thema Leid. Diese sind an späterer Stelle im Buch beschrieben. In 2500 Jahren hat sich einiges verändert. Was sind also die heutigen Ursachen von Leid? Was macht es mit uns? Wie können wir es verhindern? Wie können wir damit umgehen? Wie können wir Leid transformieren, um Freude zu erlangen?

3.1 Umgang mit Leid als Hindernis

Wir alle kennen Leid. Wir möchten es nicht, denn es schmerzt uns. Leiden ist ein Eindruck, ein geistiges Empfinden oder ein geistiges Bild, eine Vorstellung. Leiden wird neuronal erzeugt. Es ist nichts Fassbares, nur neuronale Vorgänge!

Wie schön wäre ein Leben ohne Leid. Eine Zeit ohne Leid wird uns im Himmel versprochen. Wie wäre es, wenn wir diese Zeit bereits jetzt haben könnten, den Himmel auf Erden? Wir würden dann ohne Leid leben, nur Glückseligkeit. Könnten wir diesen Zustand dann überhaupt noch genießen? Es fehlt ja das Gegenstück. Nur im Kontrast von Freude und Leid können wir überhaupt wissen, was Freude ist!

Nehmen wir ein Blatt weißes Papier und halten es vor einen weißen Hintergrund. Wir sehen es nicht. Erst, wenn der Hintergrund dunkler wird, können wir das helle Blatt erkennen. So ist das auch mit Freude und Leid. Ohne Leid würden wir die Freude nicht kennen!

Leid existiert nicht einfach aus dem Nichts. Wie nichts im Leben einfach da ist. Alles hat eine Entstehungsursache.

3.1.1 Erkenntnisse durch ein Maiskorn

Eine Maispflanze entsteht aus dem Maiskorn. Schauen wir, nachdem wir ein Maiskorn in die Erde gesetzt haben und es jeden Tag gewässert haben, nach einer Woche nach, können wir erkennen, dass es jetzt eine Pflanze ist. Wenn wir es vorsichtig ausgraben, können wir dann das Maiskorn noch erkennen? Es ist weg, oder? Ist es gestorben, oder ist es in der Maispflanze enthalten? Das Maiskorn hat sich aufgeopfert. Seine Existenz wird in eine größere, die Maispflanze, transformiert. Selbst wenn wir das Maiskorn aufgeschnitten hätten, hätten wir darin die Maispflanze nicht erkennen können. So hat alles einen Sinn, den wir im Augenblick nicht immer erkennen, wie uns die Geschichte, vom Bauern und seinem Pferd, noch verraten wird.

Wir erkennen also, dass es für alles einen Grund gibt. Das Maiskorn, Wasser und Erde sind die Gründe und Bedingungen für die Entstehung der Maispflanze. Die Maispflanze besteht also aus lauter „Nicht-Maispflanzen-Anteilen“ und ist nicht einfach plötzlich da.

So ist es auch mit Leid. Leid besteht auch aus lauter „Nicht-Leid-Anteilen“. Das zeigt uns, dass wir Leid nur genau anzuschauen brauchen und dann erkennen, aus was es entsteht.

Würden wir die Maispflanze nur isoliert anschauen und den Prozess vernachlässigen, kämen wir nie darauf, dass Sie einmal ein Maiskorn war, denn dieses ist ja nicht mehr sichtbar. So ist auch bei Leid, das wir erkennen und fühlen, die wahre Ursache nicht direkt erkennbar. Nur mit Achtsamkeit, Konzentration und Einsicht erkennen wir, woher das Leid kommt. Wir erkennen dann alle Nicht-Leid-Anteile und können durch unser Handeln Leid transformieren. Handeln wir entsprechend unserer Einsicht, können wir die Erkenntnisse nutzen und daraus entsteht Freude.

Weil Freude auch, wie alles, aus „Nicht-Freude-Anteilen“ besteht, ist ein Teil der Freude das Überwinden oder Transformieren unseres Leides. Schauen wir genau hin, erkennen wir, dass es ohne Leid keine Freude gibt. Es sind beides Pole einer Dimension. Freude ist die Abwesenheit von Leid und umgekehrt.

Ähnlich wie die Lotuspflanze, mit einer der schönsten Blüten (Freude), nur entstehen kann, wenn ihre Wurzeln im Schlamm (Leid) die Nährstoffe bekommen, benötigen wir Leid, um Freude zu empfinden. Ähnlich, wie sie es schafft, aus totem Material die Blüte erblühen zu lassen, können wir durch Transformieren aus Leid Freude schaffen.

3.1.2 Wir können den Himmel auf Erden haben

Wir können also den Himmel auf Erden haben, wenn wir lernen, mit Leid umzugehen. Wir brauchen nicht zu warten, bis wir sterben. Heißt es nicht im Vaterunser:

„Wie im Himmel also auch auf Erden.“

Wenn wir unser Leid annehmen, weil es da ist, und achtsam unseren Atem beobachten, ganz bei ihm bleiben und unsere störenden Gedanken weiterziehen lassen, kommt irgendwann die Einsicht. Wichtig ist, dass wir möglichst konzentriert dabeibleiben. Am Anfang wird das nicht so leicht sein, da immer wieder unsere störenden Gedanken kommen werden. Das liegt in der Natur unseres Geistes. Der ist im ungezähmten Zustand wie eine wilde Affenhorde. Er macht, was er will und narrt uns oft. Wenn wir lernen, durch Konzentration Herr über unseren Geist zu werden, können wir diese Affenhorde zähmen und sie pflückt uns Kokosnüsse.

Wir betrachten die auftauchenden störenden Gedanken wie Wolken, die kommen und gehen. Wir lassen die störenden Gedanken ziehen, halten sie nicht fest, und kehren zu unserem Atem zurück. Je konsequenter wir das üben, umso eher kommen wir in den Zustand der Konzentration. Zuerst verschwinden äußere Störungen, dann die inneren. Je konzentrierter wir sind, desto eher kommen wir zur Einsicht. Dieser Prozess der Achtsamkeit wird in einem späteren Kapitel genauer erläutert. Mit der Einsicht erkennen wir die Ursachen unseres Leides. Dann können wir durch entsprechendes Handeln entweder Leid verhindern oder besser damit umgehen. Nicht immer können wir Leid verhindern. Durch den richtigen Umgang damit leiden wir jedoch weniger.

Wenn wir erkennen, dass wir leiden, z.B. weil wir unser Bedürfnis nach Freude nicht ausreichend befriedigen, ist unser Leid aus einem Mangel an Freude entstanden. Freude ist der Nicht-Leid Anteil. Nun können wir uns überlegen, wie wir mehr Freude in unser Leben bringen. Erkennen wir weiterhin, dass wir mehr auf die negativen Dinge des Lebens schauen, weil wir pessimistischen Schemata in die Falle gegangen sind, haben wir auch schon die Lösung. Wir brauchen nicht viel zu tun. Wir achten mehr auf die positiven Dinge, die genauso da sind. Wie das möglich ist, werden Sie, durch Ihre Erkenntnisse aus dem Experiment zu negativen und positiven Tagen, erfahren. Die Thematik wird im Buch noch behandelt.

Weil Freude aus „Nicht-Freude-Anteilen“ besteht, ist ein Teil der Freude das Überwinden oder Transformieren unseres Leides. Schauen wir genau hin, wird bestätigt, dass es ohne Leid keine Freude gibt. Nur durch den Kontrast zwischen Freude und Leid beginnt deren Existenz. Sie sind wie zwei Seiten eines Blattes. Ohne das eine ist das andere nicht möglich.

Wenn wir in unserem „Wohnzimmer der Achtsamkeit“ sitzen, spüren wir ein unangenehmes Gefühl (Leid). Gleichzeitig ist auch Achtsamkeit da. Wir betrachten dann achtsam das unangenehme Gefühl. Durch die Fähigkeiten unseres Geistesbewusstseins erkennen wir, dass durch unsere pessimistische Neigung dem Schönen im Leben zu wenig Beachtung geschenkt wurde. Das hat unser Bedürfnis nach Freude nicht befriedigt. Jedoch nicht, weil es zu wenig Freude gibt, sondern weil wir sie nicht gesehen haben. Unser Geistesbewusstsein gibt deshalb dem Handlungsbewusstsein den Auftrag, ganz bewusst auf die positiven Dinge zu achten und die andere Seite des Negativen auch zu sehen. Von diesem Zeitpunkt an verläuft unser Leben anders, weil wir es „aus anderen Augen sehen“. Wir sehen auch die zweite Seite der Medaille. Dadurch, dass wir mehr Freude spüren, ist das Bedürfnis befriedigt und wir leiden nicht mehr oder weniger.

Die Lotusblüte steht für Freude. Diese Pflanze kann nur gedeihen, wenn sie Nahrung durch matschigen Boden erhält. Der Matsch des Sees besteht aus abgestorbenen Pflanzen und steht für Leid. Ohne die Nährstoffe des matschigen Untergrunds kann die Lotuspflanze nicht wachsen. Sie gedeiht aus Leid. Auch wir wachsen durch Leid, wenn wir es schaffen, wie die Lotuspflanze, das Leid in Freude zu transformieren.

Abbildung 3 No mud no Lotus

3.1.3 Die zwei Pfeile: Unnötigen Schmerz und Leid verhindern

Nicht immer können wir Leid verhindern. Durch den richtigen Umgang mit Leid leiden wir weniger.

Stellen Sie sich vor, dass Sie von einem Pfeil getroffen werden. Das tut verdammt weh. Jetzt trifft ein zweiter Pfeil genau dieselbe, bereits schmerzende Stelle. Der Schmerz potenziert sich. Den ersten Pfeil konnten wir nicht verhindern, weil das Leben uns manchmal hart trifft. Was hat es aber mit dem zweiten Pfeil auf sich?

Er entsteht durch unseren Geist. Es hängt ganz davon ab, wie wir mit dem Schmerz des ersten Pfeiles umgehen, mit dem Leid umgehen. Wehren wir uns dagegen, stellen uns die Frage „Weshalb gerade ich?“ oder „Warum ich schon wieder?“, schießen wir den zweiten Pfeil selber ab. Schlimmer ist es noch, wenn unsere Inneren Kritiker uns die Schuld für etwas geben: „Ich bin selbst schuld. Ich bin halt unfähig.“; „Ich habe es nicht besser verdient.“

Was können wir stattdessen tun? Zuerst ist es wichtig zu wissen, dass der Hauptbestandteil des Schmerzes die Angst ist. Nehmen wir die Angst weg, bleibt nur noch das körperliche Gefühl. Dann verhalten wir uns wie oben beschrieben. Wir lassen den Schmerz zu und achten auf unseren Atem. Dann vertrauen wir auf unseren heilsamen Geist, der uns zur Einsicht bringen wird. Alles, was wir dazu benötigen, ist bereits in uns. Wir haben diese „göttliche Energie“, diesen Schatz des Wissens, wie unser Körper von Geburt an auch das Wissen hat, dass wir immer atmen. Wir vertrauen darauf. Wir brauchen uns nicht darum zu kümmern. Unser inneres Wissen steuert unseren Atem. So können wir auch lernen, mit unserem Schmerz umzugehen.

Wir nehmen ihn an. Das ist, wie gesagt, nicht so leicht. Brahm (2006) konnte es. Dennoch klagten seine Kunden, die große Schmerzen erlitten, dass seine Methode nicht funktioniere. Sie beschwerten sich und behaupteten, Brahms Zahnschmerzen wären mit den Qualen, die sie durchmachen müssten, überhaupt nicht vergleichbar. Er erwiderte: „Das stimmt nicht.“

Schmerz ist sehr persönlich und kann nicht gemessen oder gewogen werden. Um diesen Leuten zu erklären, weshalb das Verfahren bei ihnen nicht funktionierte, erzählte er ihnen die Geschichte von seinen drei Schülern:

Der erste Schüler hat große Schmerzen und versucht loszulassen. „Loslassen“, schlägt er sich selbst sanft vor und wartet ab. „Loslassen“, wiederholt er, während sich überhaupt nichts verändert. „Jetzt lasse doch los!“, „Mach schon! Lass endlich los!“

„Was soll ich denn noch sagen! Los-las-sen!“ Das klingt zwar recht komisch, aber genauso handeln wir meistens. Wir lassen das Verkehrte los. Wir sollten den Spruch „Loslassen“ loslassen, den „Kontroll-Freak“, der in uns wohnt. Wir alle wissen, was damit gemeint ist. Loslassen bedeutet, die Kontrolle aufzugeben.

Der zweite Schüler hat auch entsetzliche Schmerzen. Doch er erinnert sich an diesen Rat und verabschiedet den Kontrolleur. So bleibt er mit seinem Schmerz sitzen, er denkt, dass er losgelassen hat. Nach zehn Minuten quält ihn immer noch dieselbe Pein, under beschwert sich, dass das mit dem Loslassen nicht funktioniere. Ich führe daraufhin aus, dass man durch das Loslassen nicht den Schmerz loswird, sondern ihm die Gelegenheit gibt, sich zu verabschieden. Der zweite Schüler hatte versucht, mit dem Schmerz zu verhandeln: „Ich lasse dich zehn Minuten lang los, Schmerz, und dann wirst du gefälligst verschwinden, ok?“ Damit lässt man den Schmerz nicht los, sondern versucht, ihn zu beseitigen.

Der dritte Schüler, der entsetzliche Qualen leidet, sagt zum Schmerz etwa Folgendes: „Schmerz, die Tür zu meinem Herzen steht dir offen, ganz gleich, was Du mir antust. Tritt ein.“ Er behandelt ihn wie seinen kleinen Bruder. Der Schmerz ist ein Teil von ihm. Ihn will keiner haben. Deshalb nimmt er ihn an die Hand und öffnet ihm sein Herz.

Dieser dritte Schüler ist gänzlich dazu bereit, dem Schmerz ein Bleiberecht einzuräumen, ihn bei sich zu behalten, solange der Schmerz dies will, und sei es für den Rest seines Lebens. Sogar, wenn er sich noch weiter verschlimmern sollte. Er lässt dem Schmerz Freiheit und hat es aufgegeben, kontrollieren zu wollen. Das ist das wahre Loslassen. Dabei ist es gleichgültig, ob der Schmerz bleibt oder verschwindet. Nur dann wird er weggehen.

Schmerz ist übrigens ein ganz wichtiges Signal. Es schützt uns. Stellen Sie sich vor, dass Sie barfüßig in eine Scherbe treten. Sofort ist der Schmerz da und verhindert, dass Sie die Scherbe noch tiefer in den Fuß treten. Also ist er unser Freund. Er verhindert weiteren Schaden!

Mit dieser Sichtweise können wir auch an seelischen Schmerz herangehen. Er ist ein Signal für nicht befriedigte Bedürfnisse (Freude, Bindung/Beziehung, Autonomie/Kontrolle, Selbstwertentwicklung). Nur dann, wenn wir darauf achten, haben wir eine Chance, diese Bedürfnisse auch zu befriedigen. Tun wir das nicht, kommt es zur Störung, wie Prof. Grawe (2004) herausgefunden hat.

Der Gesunde Erwachsene (Schematherapie) bzw. unser Geistesbewusstsein ist gefragt, um aus dem Schmerz heraus zu erkennen, was wir für unsere Bedürfnisbefriedigung brauchen. Gerade für den Umgang mit Schmerz hat Prof. Kabat-Zinn sein MBSR-Programm (Löhmer, et al., 2014) entwickelt. Kabat-Zinn hat mit seinem MBSR-Programm bereits vielen austherapierten Schmerzpatienten helfen können (Näheres im Kapitel der Schematherapie). Es basiert auf der Wirkung der Achtsamkeit. Umfassend auf MBSR einzugehen würde den Rahmen des Buches sprengen.

Weitere Gründe für Leid liefern wir selbst, wenn wir gegen Naturgesetze handeln. Bei Nichtbeachtung der Naturgesetze können wir nur verlieren, wie Don Quijote seinen Kampf gegen die Windmühlen nie gewinnen konnte. Naturgesetze sind wie Wetter. Der Umgang mit ihnen verlangt besonderes Handeln.

3.2 Unser eigener Geist als Hindernis

Unser Geist bestimmt unser Verhalten!

Abbildung 4 Geist und Körper beeinflussen Verhalten

Damit wir überhaupt handeln können, sind bestimmte Bedingungen nötig. Es braucht unseren Geist, in dem unsere Gedanken entstehen, und den Körper. Da unser Handeln unseren Gedanken folgt, wie der Karren dem Ochsen, ist es von Vorteil, wenn wir unsere Gedanken kontrollieren lernen. Nun sind uns jedoch nur ca. 5% unserer Geistestätigkeit bewusst, wie Singer (2008) herausfand.

Abbildung 5 Bewusster Geist dominiert

Deshalb ist es wichtig, ein größeres Bewusstsein über diese Tätigkeit zu erlangen. Dabei unterstützen uns die Methoden der Achtsamkeit. Sie können uns helfen, dass wir unseren Geist besser erkennen, verstehen und auch bewusst verändern können.

Wenn also die Gedanken Grundlage unseres Handelns sind, wie können wir sie so beherrschen, dass wir zu unserem Wohl handeln? Diese Frage haben sich schon zigtausend Menschen gestellt. Sicherlich gibt es mehrere richtige Antworten. Wir brauchen auch nicht alles zu glauben, was in Büchern steht, sondern sollten eher prüfen, ob es funktioniert. Wenn es das tut, schadet es ja nicht, es beizubehalten und vielleicht auch weiterzuerzählen.

3.3 Unseren klareren Geist nutzen

Unser Geist ist bei unserer Geburt absolut rein. So rein und klar wie ein Glas kristallklares Wasser. Wir können durch diesen klaren Geist erkennen, was ist. Während unseres Lebens kommt Schmutz (z.B. schmerzliche Ereignisse) in dieses Wasser. Wenn wir grübeln, ist das vergleichbar mit Umrühren. Das Wasser vermischt sich mit dem Schmutz und wird trüb – der Geist wird trüb. Wir können durch diesen trüben Geist nicht mehr sehen, was ist. Also keinen klaren Gedanken fassen. Wenn wir durch Atmen das Grübeln stoppen, also nicht mehr umrühren, setzt sich der Schmutz ab und das Wasser wird wieder klar. Dann können wir wieder sehen, was ist. Wenn der Geist ruhig wird, stellen sich ganz von selbst Klarheit und Lösungen ein.

Abbildung 6 Reiner Geist klarer Durchblick

Mit den Methoden der Schematherapie ist es möglich, den Schmutz zu verringern. „Schmutzige Brocken“ werden erkannt und umgearbeitet, oder sie werden aufgelöst. Der Geist wird klarer und wir tragen weniger Schmutz mit uns herum.

Gerne können wir unseren Geist auch als einen Garten betrachten, in dem alles wächst. Ob es Liebe ist oder Hass, negative oder positive Gedanken, hängt davon ab, welchen Samen wir säen und wässern.

Mit unserem, durch die Atemachtsamkeit geklärten Geist, können wir überprüfen, was wir wirklich wollen, wer wir wirklich sind. Wir können überprüfen, ob uns unsere Gedanken und die daraus folgenden Handlungen auf den richtigen Weg zu unseren Zielen führen. Vor allem können wir überprüfen, ob es auch unsere Ziele sind, die wir erreichen wollen, oder ob es Ziele sind, die uns andere aufgedrängt haben.

Wir haben auch die Möglichkeit, uns selbst zu hinterfragen. Sind wir der, der wir sind, oder der, den die anderen haben möchten?

In der Wissenschaft vom Menschen, der Anthropologie, glaubt man, dass der Wille in der Bestimmung des Wesens des Menschen wichtiger ist als die Vernunft, bzw. beide zueinander entgegengesetzt wirken. Wir haben also auch zu entscheiden, ob wir unserem Willen folgen, dem, was andere von uns wollen, oder der Vernunft.

Manchmal verschwimmt das alles. Erst wenn wir erkennen, was wir im inneren Kern unseres Seins sind, können wir uns abgrenzen und in die Richtung entwickeln, die unserem individuellen Wesen entspricht. Dann können wir ein selbstbestimmtes Leben führen, wozu uns der griechische Dichter Pindar bereits aufforderte:

„Werde der, der du bist.“

Und auch von Humboldt glaubte daran, dass wir uns stets entwickeln können:

„Jeder Mensch trägt eigentlich, wie gut er auch sei, einen noch besseren Menschen in sich, der sein viel eigentlicheres Selbst ausmacht.“

Abbildung 7 Zusammenhänge im emotionalen Gehirn

Um uns zu erkennen, bedienen wir uns bei der Meditation der Atemtechnik. Der erste Schritt in die Meditation besteht darin, zur Besinnung zu kommen, sich zu sammeln. Das, was gesammelt werden soll, sind unsere Sinne. Das gelingt uns, wenn wir uns, ähnlich der Schildkröte Kurma (Long, et al., 2007), in unser Innerstes zurückziehen und uns von den Objekten der Außenwelt lösen. Meditation heißt, alles los-

zulassen, was uns aus unserer Mitte reißt und verwirrt. Wenn wir meditieren, befreien wir uns von allem, was unseren Geist zerstreut. Wir lösen uns von unserem Affengeist, der uns immer wieder narrt. Die Vorteile der Meditation sind mittlerweile wissenschaftlich genau erforscht.

Die Wirkung erstreckt sich auf unterschiedliche Bereiche. Forschungsergebnisse zeigen, dass in unserem Gehirn neue Nervenzellen und -fasern gebildet werden. Dies hilft, zerstörte Areale zu regenerieren, z. B. beim Hypocampus. Schon 30 Minuten Meditation pro Tag reichen, um die Amygdala (Alarmzentrum) zu schrumpfen. Dann verschwindet nach ca. 3-4 Wochen unsere unbegründete Angst.

Meditation trainiert den linken Präfrontalcortex, der für Zielorientierung und positive Gefühle verantwortlich ist. Die durch häufige Ängste und Depressionen vergrößerte Amygdala verkleinert sich wieder. Dadurch wird weniger Stresshormon, Kortisol, ausgeschüttet. Die Inkonsistenzspannung sinkt. Dadurch werden wir ruhiger. Es gibt zahlreiche weitere positive „Nebenwirkungen“ der Meditation. Deshalb wird auf sie im Kapitel der Achtsamkeit weiter eingegangen werden.

Wenn wir einen klaren Geist haben, hilft dieser uns, unsere Kompetenzen bzw. Fähigkeiten zu aktivieren. Jeder Mensch trägt die Lösung für seine Probleme bereits in sich. Meister Eckhard, ein Mystiker des Mittelalters, meint, dass in jedem von uns etwas Göttliches vorhanden ist. Buddha, ein indischer Prinzensohn – also ein Mensch! –, meint, dass in jedem Individuum eine „Buddhanatur“ steckt. Verschiedene Meister glaubten also schon vor hunderten von Jahren an die Fähigkeiten des Menschen. Dazu gibt es eine alte Geschichte:

Ein thailändisches Volk verehrte einen goldenen Buddha. Dieser war sehr wertvoll. Als diesem Volk ein Überfall drohte, wurde beschlossen, den goldenen Buddha durch eine Lehmschicht zu tarnen.