Goldene Saat - Dirik von Oettingen - E-Book

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Dirik von Oettingen

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Beschreibung

Die Beschäftigung mit Orangenpapieren mag der eine oder andere als berauschend empfinden. Darauf zielt der Name OPIUM jedoch nicht ab. Er soll vielmehr ein Akronym von OrangenpaPIermuseUM sein. Dieses virtuelle Museum im Internet wurde 1998 gegründet. Seine Webadresse lautet „www.opiummuseum.de“. OPIUM sammelt jedoch nicht nur Zitruseinwickelpapiere, sondern Zitrusgebrauchsgraphik im weiteren Sinn. Dazu gehört auch eine Sammlung an Plakaten, wie sie hauptsächlich in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts benutzt wurden, um die Front von Apfelsinenkisten zu schmücken auf ihrem Weg aus der Region Valencia in Spanien in die mittel- und nordeuropäischen Verbrauchszentren. Im Winter des Jahres 2008 gab OPIUM in der Galerie des Botanischen Museums Berlin-Dahlem mit der Ausstellung „Die Welt auf der Orangenkiste – Plakatkunst aus Spanien“ einen Einblick in diese Sammlung, die mit diesem nachträglichen Katalog dokumentiert wird.

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Seitenzahl: 39

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Das Ausstellungsplakat

Spanische Orangenkistenplakate

Bis in die 1950er-Jahre gelangten spanische Orangen in den sprichwörtlichen hölzernen Apfelsinenkisten zu uns, die so manche Studentenbude möblieren halfen. Unbeachtet blieben die farbenfrohen Plakate, die ihre Stirnseite zierten, um Großhändler, Händler und Konsumenten zum Einkauf gerade dieser Orangen zu bewegen. Ihre Ära ging zu Ende, als etwa um 1960 billigere bedruckte Kartons aus Kraftpappe die handgezimmerten Apfelsinenkisten beinahe über Nacht ablösten. Plakate wurden nicht mehr benötigt und blieben in Lagerhallen, Versandbetrieben und Druckereien liegen. Von dort gelangten sie über manchen Umweg in die Alben begeisterter Liebhaber und bilden seitdem einen großartigen Sammelgegenstand.

Hervorragende Künstler der Region Valencia hatten über Jahrzehnte Tausende von Orangenkistenplakaten im Format etwa einer guten DIN-A4-Seite geschaffen, auf denen nicht allein Apfelsinen in jeder nur denkbaren Rolle zu sehen waren. Süße Kinder, kleine Racker, freche Gören, Persönlichkeiten der Kunst, Literatur und Geschichte, Mantel- und Degen-Kerle, Chinesen, Indianer, Pin-Up-Beauties, Mütter, glutäugige Spanierinnen in Tracht, Blumen, Bauten, Wappen, Fahnen, Edelsteine, Kronen und andere Gegenstände, Szenen aus Sport, Religion, Film, Vorderer und Hinterer Orient, Afrika, Wildtiere, Haustiere, Stierkampf, Fabeltiere, Gnome und Schelme, Götter und Helden des klassischen Altertums, Märchen- und Comicfiguren– alles das und noch viel mehr findet sich auf der spanischen Apfelsinenkiste der damaligen Zeit.

Ältere Plakate sind Lithographien, hergestellt nach dem von Karl Senefelder erfundenen mehrstufigen Verfahren auf Solnhofener Kalksandstein. Jüngere Plakate wurden im Offsetdruck hergestellt, meist unter Verwendung von fünf oder sechs Druckfarben

Im Laufe der Jahrzehnte durchliefen die Plakate alle Stilrichtungen der Zeit. Beginnend mit einem ornamentalen, oft heraldischen Stil, finden sich später Plakate im Jugendstil bzw. in Art-Deco-Manier. Comics und Filmposter üben ihren Einfluß auf die Kistenplakate aus. Jüngste Plakate nutzen die Mittel der Photomontage.

Die künstlerische Qualität der Plakate reicht von solider Gebrauchsgraphik bis zu großartiger Plakatkunst. In der Literatur über historische Gebrauchsgraphik kommen sie allerdings nicht vor, sondern sind anscheinend bisher völlig übersehen worden. Dem sollte die Ausstellung und soll dieser Katalog ein wenig entgegenwirken.

Der Anbau von Orangen konzentrierte sich in Spanien auf die Provinz Valencia. Neben den Orangenhainen entwickelte sich dort eine Struktur von Nebenbetrieben, zu denen außer

Packereien, Speditionen und Kistenmachereien eben auch Lithographische Anstalten und Druckereien gehörten. So verwundert es nicht, daß die meisten Druckereien von Kistenplakaten im Großraum Valencia ansässig waren. Üblicherweise brachten sie rechts unten, gelegentlich auch links unten am Rand des Plakates ihren Namen und ihre Adresse an. Bei entsprechender Vergrößerung lassen sich auf diese Weise unter anderem folgende Druckereien ausmachen, die Kistenplakate hergestellt haben:

Lit. J. Aviño, Valencia

Lit. Cantin S. A., Barcelona

Lit. M. Garcia Cantos, Valencia

Lit. S. Dura, Valencia

Lit. Sobrino de J. Gamon, Valencia

Lit. Mirabet, Valencia,

Lit. Moderna y Artes Graficas, Alicante

Imp. & Lit. Ortega, Valencia

Lit. Puig, Gimeno y Calabuig, Valencia

Cartonajes Suñer, Alcira

Timbrados Vernia S. L., Burriana

I. G. Viladot S. L., Barcelona

Die meisten Plakate blieben unsigniert. Eine Ausnahme bilden A. Carot und J. Sanchis, die ihre Werke regelmäßig signierten. So kennen wir wenigstens den Namen von zweien dieser hervorragenden Künstler.

Viele Plakate tragen Anpreisungen in englischer Sprache wie „Extra Best Selected“, „Fancy Fruit“ oder „Superior Oranges“. Das bedeutet keineswegs, daß sie besonders für den Export nach Großbritannien bestimmt waren. Vielmehr wurde Englisch als internationale Handelssprache für den Export in alle Länder eingesetzt. Im Allgemeinen wurde ein und dasselbe Plakat für alle Destinationen verwendet.

Von dieser Regel gibt es aber reichlich Ausnahmen. So findet man gelegentlich holländische, französische, deutsche oder skandinavische Aufschriften speziell für den Export in diese Länder. Das kann bis zur Auswahl der Motive gehen. Dann sehen wir holländische Windmühlen, die Londoner Tower Bridge, den Hör-Zu-Igel Mecki, das Schloß von Versailles oder die Flagge der Stadt Oslo auf einem Plakat. Meist aber wurden die Motive der Geistes- und Gedankenwelt Spaniens entnommen.

Die bedeutendste Sammlung spanischer Kistenplakate besitzt wohl das Museu de la Taronja in Burriana (Castellón), das sich ganz dem Anbau und der Vermarktung von Orangen in der Region Valencia widmet. Sicher gibt es auch hervorragende Privatsammlungen in Spanien, mit denen OPIUM aber bisher nicht in Verbindung steht.

Botanisches Museum Berlin

Das Botanische Museum gehört zur Freien Universität Berlin und liegt im Stadtteil Dahlem. Es ist das einzige seiner Art in Mitteleuropa und versteht sich als Ergänzung zum unmittelbar angrenzenden Botanischen Garten, mit dem es unter einheitlicher Leitung steht. Es hat sich zum Ziel gesetzt, die Pflanzenvielfalt zu erforschen, zu dokumentieren, zu präsentieren, zu erklären und zu erhalten.

Regelmäßig zeigt das Museum Sonderschauen zu den verschiedensten Bereichen der Botanik. Eine sehr erfolgreiche Sonderschau im Jahr 1996 behandelte die Familie der Zitrusfrüchte unter dem Titel Die Goldenen Äpfel – Wissenswertes rund um die Zitrusfrüchte. Sie wurde in den Folgejahren mit Abwandlungen an etlichen schönen Orten Deutschlands und Italiens (dort unter dem Titel