Opium bei Mutter Fourage - Dirik von Oettingen - E-Book

Opium bei Mutter Fourage E-Book

Dirik von Oettingen

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Beschreibung

OPIUM Das Orangenpapiermuseum Die Beschäftigung mit Orangenpapieren mag der eine oder andere als berauschend empfinden. Darauf zielt der Name OPIUM jedoch nicht ab. Er soll vielmehr ein Akronym von OrangenpaPIermuseUM sein. Dieses virtuelle Museum im Internet wurde 1998 gegründet. Seine Webadresse lautet „http://www.opiummuseum.de“. Seitdem hat der Museumsgründer und Autor des Buches „Verhüllt um zu verführen – Die Welt auf der Orange“ viele Tausende von Orangenpapieren selbst zusammengetragen. Es wurden aber auch bedeutende Sammlungen erworben, so dass der Fundus des OPIUM heute mit geschätzt über 40.000 Exemplaren wahrscheinlich die größte Sammlung ihrer Art darstellt. Weitere Sammlungsgebiete sind europäische und amerikanische Zitruskistenplakate und -dekorationen.

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EPUB

Seitenzahl: 37

Veröffentlichungsjahr: 2016

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von

Dirik von Oettingen

26.10.2007 bis 17.11.2007

in der

Galerie Mutter Fourage, Berlin-Wannsee

Buchpräsentation und Ausstellung

Im Oktober 2007 erschien das Buch „Verhüllt um zu verführen – Die Welt auf der Orange“ im Vacat Verlag, Potsdam. Einer interessierten Öffentlichkeit wurde es am 4. November 2007 im Dialog zwischen der Verfasserin des Vorwortes Marina Heilmeyer, Herausgeberin der von Vacat verlegten „Potsdamer Pomologischen Geschichten“, und dem Autor Dirik von Oettingen in der Veranstaltungsscheune von „Mutter Fourage“ in Berlin-Wannsee vorgestellt.

Um für die Buchvorstellung das passende Ambiente zu schaffen, richtete der Autor im Hauptraum der Galerie Mutter Fourage in der Zeit vom 26. Oktober bis zum 17. November 2007 eine Ausstellung von Orangenpapieren ein. Gezeigt wurden 37 Rahmen mit 252 Orangenpapieren, 2 Kollagen / Gouachen von Gerhart von Oettingen, 4 Computergrafiken von Gijs Matthijs Klunder und ein spanisches Orangenkistenplakat. Die Ausstellung trug keinen eigenen Namen, sondern ordnete sich dem Titel des neuerschienenen Buches unter. Auch das Ausstellungsplakat bediente sich des Schutzumschlages des Buches. Der vorliegende Katalog soll die Ausstellung nachträglich dokumentieren. Er enthält zu vielen Exponaten Erläuterungen und Ergänzungen. Die Struktur der Ausstellung wird darüber hinaus dazu benutzt, weiteres schönes Material vor dem staunenden Liebhaber auszubreiten.

Des weiteren hatte Betina Müller, zusammen mit Frank-Michael Feller Inhaberin des Vacat Verlages, Künstlerinnen und Künstlern ihres Bekanntenkreises Blanko-Orangenpapiere zugeschickt mit der Bitte, darauf orangenpapier-inspirierte Arbeiten einzureichen. Die Ergebnisse dieser Aktion waren zeitgleich im Eingangsraum der Galerie als sogenannte „Künstleredition“ zu bewundern.

 

Mutter Fourage

Für eine Ausstellung von Orangenpapieren ist die resthofähnliche Anlage „Mutter Fourage“ ein angenehmer Ort. Gegründet von Wilhelm Hönicke im Jahre 1900 an der Chausseestraße in Berlin-Wannsee, diente der Hof über Jahrzehnte als Handlung für Futtermittel („Fourage“), Mehl und Kartoffeln. Versorgt wurden hauptsächlich die wohlhabenden Besitzer der Villen an den umliegenden Havelseen mit ihren Reit- und Kutschpferden und sonstigen Haustieren. Zeitweilig diente der Hof dem Droschkenverkehr zwischen Berlin und Potsdam als Stützpunkt. Besonders in Richtung Potsdam mußten die Pferde hier gewechselt oder wenigstens versorgt werden, weil es anschließend galt, den gefürchteten, weil damals noch nicht abgetragenen Schäferberg („Kilometerberg“) zu überwinden. Nach dem Zweiten Weltkrieg schuf der Kraftverkehr neue Bedingungen und Bedürfnisse. Die Umstellung darauf gelang der Familie Hönicke nicht so recht, so daß das zuletzt als „Kartoffel-Großhandlung. Futter- und Düngemittel“ firmierende Geschäft schließlich geschlossen werden mußte.

Heute betreibt Wolfgang Immenhausen, ein Großneffe Wilhelm Hönickes, das Anwesen als „Galerie Mutter Fourage“ und zeigt dort wechselnde Ausstellungen. Bei einem Besuch kann man sich im Hofcafe esoterischvegetarisch verköstigen lassen. Eine Bio-Gärtnerei bietet Blumen sowie Pflanzgefäße und Figuren aus Terrakotta an. In der ehemaligen Scheune gibt es Lesungen, Aufführungen, Konzerte und dergleichen.

Schon für sich allein eine Besichtigung wert ist das Dach der Scheune. Nachdem 1924 die alte Scheune durch einen Brand zerstört worden war, baute Otto Hönicke, der Bruder des Firmengründers, eine neue. Wohl um Holz zu sparen, erhielt sie ein Dach ohne Dachstuhl, also ohne jegliche Verwendung von Balken. Durch eine ausgeklügelte Anordnung gelingt es, die beträchtliche Spannweite der Scheune frei tragend mit einem nur aus gehobelten Brettern bestehenden Tonnengewölbe zu überbrücken, eine Meisterleistung des Ingenieurholzbaus und des Handwerks.

 

Orangenpapiere

Orangenbäume, aus Südostasien stammend, vertragen keinen Frost. In Europa ist ihr Anbau deshalb auf südliche Mittelmeergebiete wie Sizilien, Kalabrien oder die spanische Region Valencia beschränkt. Noch im 19. Jahrhundert war eine süße Apfelsine (= „Apfel aus China“) in Mittel- und Nordeuropa nicht zu bekommen. Erst etwa ab 1860 machten neue Transportmittel wie Eisenbahn, Dampfschiff und später der Lkw Exporte von Orangen aus Südeuropa möglich. Einzeln von Hand mit Stroh oder Holzwolle in Holzkisten verpackt, gelangten die wertvollen Früchte hierher. Um Transportschäden und gegenseitige Ansteckung mit Fäulnis einzuschränken, wurden sie in Papier eingeschlagen, das seit der Erfindung des Holzschliffes im Preis gesunken und nun auch für einfache Massenverwendungen einsetzbar war.

Zunächst blieben diese Einwickelpapiere unbedruckt. Dann aber begannen einzelne Erzeuger, ihren Namen in schön geschwungener Schreibschrift darauf anzubringen. Kleine Abbildungen kamen hinzu, und bald war das Orangenpapier als Träger von Reklame erfunden. Immer reicher wurde diese Bilderwelt. Technische Errungenschaften, schöne Frauen, Mohren, bekannte Persönlichkeiten, die gesamte Tierwelt, Zitrusfrüchte in immer neuen Variationen, Gegenstände, Bauten, Musik, Sport, Szenen aus Anbau und Ernte, das klassische Altertum, Flugzeuge, Märchen, Comics, – es gibt wohl keinen Lebensbereich, der nicht seinen Niederschlag auf ihnen gefunden hätte.