Gott lacht nicht - Bernd Behrendt - E-Book

Gott lacht nicht E-Book

Bernd Behrendt

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Beschreibung

Der ovale Apfel aus dem Garten Eden ist das Zeichen der Metusy, einer mächtigen Sekte, die über übernatürliche geistige Kräfte verfügt und das menschliche Klonen weltweit betreibt. Hier beginnt die Geschichte von Bendit, der nach Jahrzehnten seinen alten Schulfreund Olaf wiedertreffen will. Doch der gehört den Metusy an, die ausgewählte Menschen erst klonen, um sie dann per fingiertem Unfall zu töten und gottgleich versuchen, ein neues, perfekteres Ebenbild zu erschaffen. Bendit merkt bald, sein Schicksal scheint besiegelt, denn er ist ein Auserwählter.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhaltsverzeichnis

Prolog - Privatsphäre

Nacht der Angst

Ein 2. Treffen mit dem Tod!

Mein Freund, ein Feind?

Wiedersehen mit Elena

Zwei schwere Entscheidungen

Eine gar unheimliche Macht

Ein todbringender Ausschuss

Zentrum der Gottgleichen

Gericht der Naturgewalten

Die schreckliche Wahrheit

Lui - wo alles begann

Die Kraft der Metusy

Zeit der Endgültigkeit

Treffen ohne Wiederkehr

Die letzte Rechnung

EPILOG

LITERATURHINWEISE

Impressum:

Prolog - Privatsphäre

Die meisten der in diesem Roman erwähnten Personen sind nicht frei erfunden, sondern mit noch lebenden oder verstorbenen Menschen außerhalb Europas identisch. Alle Namen wurden aber in diesem Roman geändert. Sollten dennoch Namen von Menschen in den beschriebenen Orten sowie existente Organisationen in den erwähnten Erdteilen existieren, so haben diese mit Handlungen in der Nacherzählung des Autors nichts zu tun und wären wirklich rein zufällig namensgleich.

Alle existenten Organisationen, Glaubensgemeinschaften und Sekten, die der Autor in diesem Roman erwähnt, haben nichts mit etwaig existenten Gemeinschaften zu tun. Um Missverständnisse auszuschließen, werden im gesonderten Anhang am Buchende die „Literaturhinweise“ erwähnt.

Nacht der Angst

August 1996, der kurze Aufenthalt hier in der schönen Toskana ist leider schon fast vorbei. Morgen früh geht es wieder heim nach Hessen. Ich genieße hier die Ruhe am Stand, nur das Rufen einiger spielender Kinder ist zu hören. Aber das stört mich nicht. Ich schaue auf das grüne Hinterland, das sich am Ende des Strandes aufbaut. Wie herrlich ist diese Landschaft, ein traumhaftes Glück für jene, die hier geboren und aufgewachsen sind. Das wird auch jedem verständlich, der diese Täler mit allen umgebenen Berghängen in dichten Wäldern, durchbrochen von gewundenen Flussläufen samt der charakteristischen Pflanzen- und Tierwelt erblickt. Hier zieht es die Menschen immer wieder hin, hinein in die typischen Hügellandschaften mit ihren unzähligen Säulenzypressen und Pinien. An vielen Mohnfeldern zwischen den Sonnenblumen und den Olivenbäumen findet man wahrlich das totale Relaxen. Aber das alles ist nicht der Grund, warum ich hier in der schönen Gegend weile. Ich beabsichtige hier im Ort meinen ehemals besten Freund aus Jugendzeiten wiederzutreffen, den ich viele Jahre nicht mehr gesehen habe. Um die Umstände näher zu erläutern, muss ich ein paar Schritte in die Vergangenheit tun.

Olaf und ich wohnten nicht nur in derselben Straße in Berlin, wir kamen auch am selben Tag im selben Krankenhaus zur Welt. Zwei Jahrzehnte waren wir unzertrennliche Freunde, saßen nebeneinander in der Grundschule und besuchten dieselbe Klasse im Gymnasium. Dann trennten uns die Universitäten, denn ich studierte Ingenieurswissenschaften an der TU-Berlin, er an der FU-Berlin Chemie und Biologie.

Während ich meine ersten beruflichen Schritte noch in Berlin machte, ging er nach seinem Diplom direkt in die USA, arbeitete zuerst in der Hirnforschung und beschäftigte sich dann neurowissenschaftlich mit der Gentechnik. Das ist inzwischen allerdings mehr als fünfzehn Jahre her.

In den Staaten blieb er nur zwei Jahre und verschwand plötzlich spurlos. Der Kontakt zu mir und zu seinen Eltern riss völlig ab. Viele der gemeinsamen Freunde meinten sogar er wäre tot. Ich hingegen glaubte das nicht. Sein ehemaliger Arbeitgeber gab nur bekannt, dass er Amerika verlassen hatte, um nach Indien zu gehen. Mehr erfuhr ich nicht und beließ es auch dabei. Ich hatte ihn längst vergessen als ich vor einigen Monaten einen Brief ohne jeden Absender erhielt, abgestempelt in Florenz. Er war von Olaf, was mich sehr überraschte. Er hatte dasselbe Hotel an der Küste von Italien in der Nähe von Elba für uns gebucht, wie wir es seinerzeit bei der Abschlussfeier aufgrund unseres Abi-Abschluss‘ nutzten. Er wollte Wichtiges mit mir bereden, es sollte sein Leben und meine Zukunft betreffen. Olaf war ein Typ, der stets dick auftrug, seine Worte im Brief wurden deshalb von mir etwas belächelt. Ich ahnte noch nicht, wie viel Wahrheit diesmal in seiner Aussage steckte. Also nahm ich mir drei Tage frei, flog über München nach Florenz und erfuhr dort per Ausruf über die Hallenlautsprecher, ich solle mich am Infostand des Flughafens melden. Olaf war nirgendwo zu sehen, er erschien auch nicht. Stattdessen stand plötzlich eine hübsche, junge Frau vor mir am Infostand. Sie war angeblich von Olaf beauftragt mich in Florenz-Peterola abzuholen. Sie stellte sich mir als Elena vor und ließ Olaf entschuldigen, beruflich wäre ihm etwas dazwischengekommen. Sie brachte mich dann in das mir schon bekannte Hotel und leistete mir den ganzen Abend Gesellschaft, denn sie wusste scheinbar auch nicht um die genaue Ankunftszeit von Olaf. Gegen Mitternacht trennten wir uns. Die junge Frau versprach mir, sie würde mich morgen Nachmittag gegen 15 Uhr am Strand treffen, falls Olaf dann noch immer nicht eingetroffen sein sollte.

Nun liege ich hier im Schatten unter einem großen Sonnenschirm am Strand und warte auf Elena. Olaf war weder vormittags im Hotel, noch hinterließ er eine Nachricht, was mich mächtig verärgert hat und nachfühlbar ist. Sollte auch sie jetzt hier am Strand nicht erscheinen, steht mein Entschluss zur schnellsten Rückkehr nach Frankfurt noch am heutigen Abend fest. Gestern habe ich wenigstens einiges über Elena erfahren, nachdem wir uns das Du angeboten hatten und ich sie daraufhin im Laufe des Abends immer mit Lena ansprach. Ihrer Aussage nach, kennt sie Olaf schon einige Jahre, hat mit ihm angeblich beruflich zusammengearbeitet, ging aber auf gezielte Fragen nicht ein. Sie wurde laut ihrer Angabe vor 24 Jahren in Florenz geboren, ist auch dort aufgewachsen. In dieser Stadt lebt auch bis heute noch ihre vielköpfige Familie. Erst später werde ich erfahren, alle Angaben mit Ausnahme ihres Alters waren glatte Lügen. Sie hingegen kannte die Wahrheit über mich, sie wusste, dass ich Bendit Brandik heiße, im Jahre 1953 tagesgenau mit Olaf zusammen geboren wurde und kannte meinen Lebenslauf genau bis zum Studienende. Sie benahm sich eigenartig, dennoch war sie mir sympathisch, ich mochte sie. Vielleicht blendete mich ihre vertraute Art in der Rhetorik unsere Unterhaltung zu lenken. Natürlich trug auch ihr Charme dazu bei, dass Olaf völlig in Vergessenheit geriet. Dennoch vergaß sie dabei nicht auf ihn zu schimpfen, weil er sich auch bei ihr nicht zu melden imstande sah. Alles gespielt, alles erlogen! Ich armer, ahnungsloser Wicht ahnte nicht, was sich da an Böses auf mich zubewegte. Der Einsatz sollte mein Leben sein!

Ich starre auf das Meer hinaus. Es wippt sanft ohne große Wellenbewegung vor meinen Augen auf und ab. Durch die Gedanken abgelenkt, übersehe ich jetzt fast Lena, die auf mich durch den heißen Strandsand zueilt. Im Detail mustere ich ihre Anatomie so intensiv, dass es einer wissenschaftlichen Akribie sehr nahekommt. Das scheint sie von Männern gewöhnt zu sein, sie reagiert nicht darauf und stellt geschickt ihren Liegenstuhl in den Schatten, lässt behutsam ihren Körper über den Stoff gleiten und bewegt sich dabei graziös und durchaus verführerisch. Da sie sich jetzt im Liegestuhl aufrichtet, verlasse auch ich meine Sitzposition und stütze mich im Sand auf die Knie. Jetzt stehen sich unsere Augen in gleicher Höhe gegenüber. Sie gefällt mir, aber was heißt das schon bei einer derartigen hübschen, jungen Frau? Lena bemerkt sofort, wie ich ihren Badeanzug mustere. Meine Augen gleiten effektiv über sämtliche Rundungen, aber des Anstands wegen relativ fix über diesen dunkelblauen Stoff, der an den Schenkelbunden und am reizvollen Brustoberteil an den Ärmelträgern postgelbe Streifen besitzt. Wie schon am gestrigen Abend beschleicht mich wieder so ein undefinierbares Gefühl in der Magengegend.

Da dieser Badeanzug so eng am Körper anliegt, als wäre er mit der Haut eins, flammt in mir zwangsläufig das erotische Etwas auf. Aber flatternde Schmetterlinge im Bauch sind es beileibe nicht.

Zu meinem Glück haben wir uns gestern Nacht ohne viel Umschweife schnell getrennt, sonst hätte es vielleicht noch bestimmte Probleme zwischen mir und dieser Lena geben können. Du alter, geiler Sack, denke ich noch, dann erliege ich der Vernunft nicht weiter darüber nachzudenken und kehre schlagartig auf die Realebene zurück. Ich vernehme ihre melodisch klingende Stimme.

»Hi Bendit, buon giorno!«

Ich drehe mich zu ihr um, während sie mich begrüßt. »Heute ist dein letzter Tag hier in Italien, nicht wahr? Du sagtest mir doch, bis zum Nachmittag heute wartest du noch auf ihn?«

Ich nicke betrübt und schaue in ihre graugrünen Augen, die mich mit einem Zwinkern anschauen. »Im Gegensatz zu dir«, entgegne ich, wobei meinem Gesicht enttäuschende Züge zu entnehmen sind, »hast du noch mehr als eine ganze Woche vor dir und fährst erst dann nach Florenz zurück. Du kannst jederzeit wieder hier ans schöne Meer kommen, ich aber nicht!«

»Verlängere doch einfach, frag‘ im Hotel nach«, ihre Augen funkeln, »du glaubst doch selbst nicht mehr daran, dass Olaf noch auftaucht. Aber bis morgen früh besteht immer noch die Möglichkeit, da bin ich mir sicher.«

»Nein«, antworte ich, »der kommt sicher nicht mehr, aber was machst du eigentlich die ganzen Tage? Hier hast du doch keinen festen Freund? Also angele dir einen und liebe das Leben!«

»Ich habe mich vor einer Woche in Florenz von meinem Freund getrennt, was soll ich also hier mit einem neuen Typen anfangen? Der läuft doch bei mir in die pure Kälte und muss vielleicht noch meinen Frust ausbaden!«

Ich lächele. Noch immer befinde ich mich dicht vor ihr. Dabei scheint es, als könnten sich unsere beiden Nasenspitzen berühren. Lena stört das nicht, was meine schlechte Laune wegen Olaf merklich verbessert. »Da kann ich ja froh sein«, versuche ich zu ulken, »dass du deinen Trennungsfrust für dich behalten hast und zu mir alten Knochen relativ nett warst!«

»Na, na, Bendit!« Sie schüttelt energisch den Kopf.

»Was dich dabei angeht, habe ich auch nie den Eindruck gehabt, du würdest mir schnell an die Wäsche gehen«, entgegnete sie sofort und zeigt lachend ihre strahlend weißen Zähne, »du diskutierst tiefsinnig mit Hang zur festen Bindung und scheinst ein braver Ehemann zu sein.«

Ich weiß nicht, ob ich jetzt beleidigt sein soll. Wie hat sie das wohl gemeint? Von den Knien aus lasse ich mich auf den Hintern plumpsen und stütze mich mit beiden Armen rücklings im Sand ab. Sie rückt ihre Sonnenbrille zur Stirn hoch und schaut mich wortlos mit offenem Mund an. Offensichtlich erwartet sie eine Antwort, während sich meine Augen an ihren Lippen festbinden. Als ich kurz darauf wieder tief in ihre schönen Augen blicke, spüre ich die von ihr ausgehende, erotische Wärme, vermisse aber ein innerlich warmes Gefühl echter Zuneigung. Ja, das habe ich manchmal gestern am Abend häufiger gespürt, eine Erklärung dafür besitze ich aber nicht. Mir fehlt der Hauch von Glückseligkeit, den sie meiner Seele nicht vermitteln kann. Sie erreicht mich psychisch nicht, dennoch kann ich mich wie so oft ihrer reizvollen Blicke nicht entziehen, unsere Augen kleben aneinander wie gegenpolige Magneten. Natürlich bemerkt sie das schnell. Sie löst das Problem per Handbewegung, denn ihr Zeigefinger schnippt die Sonnenbrille wieder vor ihre Augenpartie und lässt mich in dunkle, undurchsichtige Gläser blicken. Das gefällt mir nicht, denn ich war noch nicht fertig. Rigoros greife ich zu, meine linke Hand umfasst behutsam den Bügel ihrer Sonnenbrille. Ich nehme sie von ihrer Nase und setze sie mir selbst auf. Wie wird sie reagieren? Fragende Blicke treffen mich, aber sie protestiert nicht, sondern setzt ein Lächeln auf. Kein Anzeichen von Ärger ist bei ihr festzustellen, das macht mir Mut in dieser Art im sanften Flüsterton fortzufahren.

»Scusa, aber ich finde die Farbe und das Strahlen deiner Augen viel zu schön. So etwas versteckt man doch nicht hinter derartig dunklen Gläsern, die sämtliches Schöne verdecken.«

Aus ihrem Lächeln entwickelt sich ein kurzes Auflachen. »Oh, habe ich mich da geirrt? Willst du mit mir jetzt doch noch einen ernsthaften Flirt beginnen?« Da ich keine Antwort leiste, lacht sie kurz auf und schäkert. »Hier am Strand mit bemerkenswerten Folgen?« Ich bin etwas verwirrt.

»Wie soll ich das verstehen«, frage ich sie, »du warst es doch selbst und hast mir gestern beim Abendessen dieses Treffen hier vorgeschlagen, falls Olaf bis zum Nachmittag immer noch nicht eintreffen sollte.«

Sie gibt keine Antwort, streckt nur ihre Handfläche zu mir hin. Ich gebe ihr die Sonnenbrille zurück. Als ich merke, dass sie diese schnell wieder ohne jeden Kommentar aufsetzen will, ergreife ich ihr Handgelenk. Ich achte darauf, es sanft zu umklammern. »Nein, wirklich! Du hast tatsächlich sehr schöne Augen, ich scheue mich nur einen Vergleich zu führen. Das führt oft dazu, dass es sich bei mir affig anhört.«

Sie mustert mich sehr genau, instinktiv ziehe ich meine Hand zurück. Dabei kommt es bei uns zu einer leichten, streichelnden Berührung unserer beiden Oberarme. Dieser sehr intensive Kontakt zieht sofort in mir eine fühlbare Spur elektrischer Impulse nach sich. Sie spürt das offensichtlich in ähnlicher Art und blickt erstaunt auf meinen scheinbar bewegungslos in der Luft hängenden und wie versteinert schwebenden Arm. Natürlich erkenne ich das und beeile mich, ihn schnell wieder zu senken. Sie kehrt erst dann wieder zum Thema zurück. »Was gefällt dir an meinen Augen?«

Diese Frage ist nicht standesgemäß, eher verblüffend. Ich habe eine solche Frage keinesfalls erwartet. Meine Verwunderung lasse ich mir aber keinesfalls anmerken und antworte deshalb relativ schnell und auch wahrheitsgemäß.

»Nun ja, die wunderschöne Form, der ausstrahlende Glanz von positivem Empfinden und die helle, graublaue Farbe. Deine Augen glänzen irgendwie mystisch.«

»Helles Graublau?«, flötet sie leise vor sich hin und dreht den Kopf zur Sonne, so dass diese ihr direkt in die Pupillen scheint. Obwohl sie wegen der Strahlen die Augenlider nun ein wenig schließen muss, erkenne ich jetzt ein Hellgrün in ihren Augen. Erst jetzt habe ich den Sinn ihrer Frage verstanden, schnell zucke ich mit den Schultern ohne zu vergessen, schnell eine Antwort zu leisten, die nicht zu dick aufgetragen ist. »Der Glanz deiner Augen wirkt faszinierend auf mich. Sie wirken von vorne hellblau wie der Himmel und wenn man sie seitwärts durch einfallendes Licht betrachtet, erscheinen sie in einer Mischung aus grün und grau.«

Sie schwingt sich von dem Liegestuhl herunter und kniet nun direkt neben mir im Sand. Ich spüre ihren Atem, der sich heiß an meiner Wange bricht, denn ihr Antlitz hat sich mir nun bis auf wenige Zentimeter genähert, unsere Nasen berühren sich fast.

»Nein, ganz und gar nicht, Bendit! Ich glaube, du hast nur das gesagt, was du gerade fühlst. Für mich ein seltsamer Flirt, aber bei dir paaren sich Reife, Alter und Erotik in einer exzellenten Mischung.«

Ich bin mir unsicher und lehne mich etwas zurück. Aber der Abstand unserer beiden Gesichter wird dadurch nicht größer, denn sie korrigiert den Abstand sofort mit einem Nachrücken und bewegt ihre Nasenspitze noch dichter an mich heran. Meine Sprache outet sich wieder in ein flüsterndes Stocken.

»Seltsamer Flirt? Ok… Ja… Aber dann seltsam schön!«

Ich hole tief Luft durch die Nase. Dabei spüre ich den Geruch ihres Körpers, schließe die Augen fest und ziehe wohlwollend den Duft tief in meine Lunge. Lena merkt das, aber ich komme ihren Worten zuvor und versuche weiter zu philosophieren. »Lena, Augen sind, wie ich meine, der Spiegel einer Seele! Nirgends drückt sich die Seele klarer aus, wie durch die Augen.«

Sie versucht mich mit stechenden Pupillen zu durchdringen, und ich spüre dabei einen seichten Schmerz an den Schläfen. Ich öffne wieder die Augen und bin mir nicht sicher, ob solche Worte bei ihr so verstanden werden, wie ich das gemeint habe. Sie spricht zwar gut Deutsch, vermeidet aber längere Satzstücke. Als sie den Kopf senkt und ich von oben auf ihr wunderschönes, langes Haar blicken darf, spüre ich genau, dass sie den Inhalt begriffen hat. Sie hebt wieder den Kopf, ihr tiefschwarzes mit dunkelbraunen Strähnen durchzogenes Haar zieht sich über ihre Schultern wie ein samtiger Umhang hinweg. Dabei sind es die Strahlen der Sonne, die ihre Haare reflektieren und den silbernen Strähnen einen unwirklichen, aber sehr schönen Glanz verleihen. Ihre Augen lassen mich nicht los, unbeweglich halten sie mich fest. Diesmal erkenne ich ein funkelndes Grün, das mich zwar zart, aber immer noch unlösbar festhält. Wieder entstehen leichte Kopfschmerzen in mir, diesen Zustand spürte ich oftmals schon am gestrigen Abend. Immer wenn sie mich intensiv anschaut, fängt es hinter der Stirn zu schmerzen an. Eine Tatsache, deren Erklärung ich später noch leidvoll erfahren werde. Der Kopfschmerz vergeht sofort, nachdem ihre sanften Worte in meine Ohren dringen. »Sehr schön formuliert, Bendit. So irgendwie lieb, ausgesprochen ehrlich und zuneigungsreich!«

Während sie die letzten Worte ausspricht, nähert sich mein Mund ihren Lippen. Ich schließe meine Augen und will damit einfach nur verdrängen, was ich jetzt vorhabe. Aber dieser einfach so wunderschöne Traum, in den ich mich jetzt hineinzuschleichen wage, zerplatzt sofort wie eine Seifenblase. Lena entgeht meinem Vorhaben, wirft sich seitwärts in den weichen Sand und legt sich auf den Bauch. Etwas benommen und verträumt nehme ich die Leere vor mir wahr und lege mich unvermittelt sofort neben sie in den Sand. Als ich mich neben sie positioniere, richte ich meine Lage so aus, dass sich unsere Oberarme gegeneinanderdrücken. Das empfinde ich als behaglich, sie scheint das zu teilen. Sanft drücke ich meine linke Wange leicht und kaum merklich an ihre rechte Gesichtshälfte. Olaf habe ich nun vergessen!

»Erzähl‘ mir etwas von dir, Lena...«

»Warum?«

»Ich bin neugierig, aber du musst es nicht tun!“

»Du willst also doch noch einen ausgedehnten Flirt!?«

»Wenn du es so auffasst, - ja.«

»Was willst du über mich wissen, Bendit?«

»Alles, wenn es romantisch klingt und auch einen positiven Charakter hat.«

»Hältst du mich denn für romantisch?«

»Oh ja. Ich meine, - ich glaube schon.«

Da sie mit der Antwort zögert, fällt mir sofort meine Untat ein, denn innerlich fühle ich bei ihr alles andere als Romantik. Nein, mich hat der männliche, sexuelle Trieb erobert. Mehr nicht! Ich starre vor mich hin, habe unbewusst die Lippen fest aufeinandergepresst und mir auf die Unterlippe gebissen. Ich beende unsere Berührung mit den Oberarmen. Lena bleibt unbewegt, nach einer Pause beantwortet wechselt sie lächelnd und urplötzlich das Thema.

»Ich liebe farbige Pasta und Fischfinte mit weißem Vino.«

Wir drehen beide unsere Gesichter zur selben Zeit zueinander und berühren uns mit den Nasen. Sie erwartet die Stellungnahme. Mein Erstaunen prägt die Frage, ist aber durchaus ehrlich.

»Was? Wie kommt dein Gedanke denn jetzt gerade aufs Essen?«

Ihre Antwort erreicht mich spontan. »Nun, Liebe geht immer durch den Magen!« Ich reagiere perplex. »Liebe?«

Ich erscheine plötzlich hellwach. Was hat sie vor? Sie schaut mich etwas unschuldig an, was eigentlich gar nicht zu ihrer Mentalität passt.

»Am besten in einem Boot und da draußen auf dem Meer in der Nacht«, lispelt sie verträumt und lenkt ihre Blicke auf das Meer hinaus.

Ich blicke sie etwas verständnislos an. Sie bemerkt das schon, tut aber unschuldig und spielt mit ihrem Zeigefinger im Sand, in dem sie schließlich langsam ein Ornament malt. Einen ovalen Apfel mit kurzem Stiel. Ich sehe ihr stumm zu und kann damit nichts anfangen. Eines Tages werde ich es aber zu deuten wissen.

Es wird ein sehr böses Omen für mich sein.

»…und wenn die See ruhig ist und du so ganz leise die Wellen an das Schiffsholz schlagen hörst, während über dir der Himmel alle kleinen und großen Sterne zeigt, von denen jeder seine eigene Geschichte erzählt, dann glaubst du an einem Ort zu sein, der einem Paradies gleicht. Du bist dann umgeben von Ruhe, die niemand stören kann. Da draußen auf dem schier unendlichen Meer stört uns unter dem ewigen Leuchten vom Himmelszelt keine fremde Seele und zerstört unsere Zweisamkeit…«

Sie unterbricht ihr romantisches Schwärmen, während sich ihre Lippen langsam meinem Mund bis auf wenige Zentimeter nähern. Als sie ihren Satz mir eng zugewendet beendet, dringt ihr warmer Atem in meinen leicht geöffneten Mund. Meine Gedanken geraten durcheinander, denn so langsam entsteht bei mir der Eindruck, nicht ich grabe sie, sondern sie gräbt mich an. als sie ihre Ausführungen fortsetzt. Ihre längere Sprachpause wird für mich zur Unerträglichkeit, ich will sie aber nicht unterbrechen. Endlich fährt sie fort. »…und vor uns steht dann ein delikates Essen mit den natürlichsten Dingen unserer Mutter Erde. Ich kann das förmlich hier an Ort und Stelle riechen!«

Sie zieht ihren Kopf wieder zurück. Gerade echtzeitig, weil sich sonst nur einen Sekundenbruchteil später mein Mund auf ihre Lippen gepresst hätte. Ich schüttele wieder meinen Kopf. Himmel, wie schwach bin ich denn? Kein Beherrschen meiner Triebe bei solchen einfachen Situationen? Mein Gott, Körper über Geist? Mensch Alter, das ist ein junges Mädel! Sie bemerkt mein unsicheres Verhalten allerdings sofort und zieht dabei den falschen Schluss.

»War das dir etwa nicht romantisch genug?«, schmollt sie mich an.

Ihr Verhalten bringt mich nunmehr völlig aus dem Konzept. »Doch, doch«, stottere ich, »es verwirrt mich sogar!«

»Wieso denn? Was hat dich an meiner Schwärmerei verwirrt?« Sie schaut mich von der Seite an. Ich weiß nicht so recht, wie ich den Inhalt ihrer Frage beantworten kann. Deshalb erwidere ich ihren Blick nicht und schaue an ihr gedankenversunken vorbei in Richtung Meer. Weil ich dabei sporadisch nicke, folgt sie meinem Blick weit hinaus auf das sich vor uns auftuende Meer. Ich bemerke aus den Augenwinkeln, sie denkt fest an etwas. Sodann schaut sie mich an und fixiert mich fest. Dabei bekomme ich zum dritten Mal Schmerzen an den beiden Schläfen, kann mir den Grund nicht erklären. Ist es meine Nervosität? Oder positiver Stress? Eine Art Verliebtheit? In eine Mädchenfrau, die meine Tochter sein könnte? Ich agiere ziemlich hilflos und bin weiterhin ratlos bei ihrer Feststellung, die sie mir im Flüsterton schickt. »Bendit, das Meer flimmert in der Nacht bei Mondlicht noch viel schöner als bei Tage im Licht der Sonne!«

Ich nicke wieder, richte aber meine Augen weiterhin auf den Meereshorizont. Sie schaut mich von der Seite an und ich spüre aus den Augenwinkeln, wie sie erwartungsvoll an meinen Lippen hängt. Erwartet sie ein Zeichen? Oder gar eine Handlung? Ja, sie jetzt heiß und innig zu küssen, könnte ich mir als wunderschön vorstellen. Aber das liegt wohl kaum in ihrem Interesse und auch keinesfalls in meiner Absicht. Ehrlicherweise glaube ich auch nicht, dass sie das von mir jetzt erwartet. Nein, sie möchte eine Bestätigung ihrer Worte, doch welcher Sinn steckt dahinter? Ich rätsele etwas, habe aber nun keine Zeit mehr für Tatenlosigkeiten. So entscheide ich mich deshalb sofort für die Offensive und überlege kurz, welches Vorhaben hinter dieser Meeresdeutung steckt. Mein Zögern war ihr wohl zu lang. So kommt sie direkt zur Sache und fragt mich, ob wir beide das machen wollen. Ich bin davon nicht nur überrascht, es verblüfft mich zugleich. Das zwingt mich nun zur sofortigen Aufklärung der fragwürdigen Situation.

»Was machen? Schwimmen im Meer? Oder Liebe am Strand?«

»Sei‘ bitte nicht albern, Bendit. Das passt gar nicht zu dir!«

»Gut. Dann erläutere mir näher, was du meinst.«

»Was gibt es denn daran näher zu erklären? Ich habe dir doch beschrieben, wie schön das Schwimmen in der Nacht im Meer ist. Besonders dann, wenn man es noch mit einem Nachtmahl im Duett auf einem Boot abschließen kann. Alles Weitere ergibt sich dann ganz von allein.«

Ihre Augen funkeln in glitzerndem Grün, ich bemerke bei ihr ein heftiges Erregen. Erstaunlich, dass diese prickelnde Erregung jetzt nicht vollendet von meinem Körper übernommen wird. Ich bleibe eher kühl. »Lena, wie denn? Nachts im Meer schwimmen und danach am Strand essen oder im Boot rausfahren, um uns dann darin zu verköstigen?«

»Keine Stumpfsinnigkeit, Bendit! Schwimmen zum Boot und dort essen!«

Ich weiß zwar nicht warum, habe aber den Eindruck, über das Gesicht von Lena zieht sich ein teuflischer Zug. Ich lächele das ein wenig keck weg, treibe es dann allerdings mit einem geilen Ansatz auf die Spitze.

»Und nach dem Essen, was folgt dann?«

»Was glaubst du denn, was ich dir jetzt darauf antworte?«

»Du wirst dich sicher gleich entscheiden, oder?«

»Ach wirklich?« Sie wirkt spitzbübisch.

»Ja«, meine ich, »und so wie ich dich einschätze, zuerst ist Schwimmen, dann das Essen und schließlich ist das Schönste für uns beide als Nachtisch an der Reihe! Im Boot oder…«

Lena kichert hämisch.

»Ach, und du glaubst nun wirklich, dass ich alle drei Dinge tue, auch das Schönste?«

»Natürlich. Ein gutes Essen benötigt einen guten Nachtisch, warum nicht?«

Mich erobert die heiße Phase, ich verhalte mich ziemlich kess, übertreibe es und lasse sie nicht von ihrem Vorschlag abkommen. »Schließlich stammt die Idee von dir. Und warum solltest du etwas ablehnen, was auch du gerne tust oder bist du in dieser Angelegenheit zu spröde?«

Das trifft sie innerlich, sie steckt das aber unerschrocken weg. Sie lacht über das ganze Gesicht, die weißen Zähne heben sich von dem braungebrannten Gesicht deutlich ab. Sie grinst ohne dabei die Lippen zu öffnen.

»Gut, das wird sicher eine Abschiedsvorstellung für dich von der Toskana, die einmalig bleiben wird!« Ich schaue sie an, verstehe den Sinn nicht und fühle nicht die Gedanken hinter ihren Augen. Bei mir macht sich überhaupt kein schlechtes Gefühl breit, weil ich ihr Vorhaben nicht erahnen kann.

»Gut Lena, machen wir Nägel mit Köpfen und kommen zur Reihenfolge: Zuerst werden wir zum Boot schwimmen, essen auf demselben und dann warten wir, was sich der liebe Gott da oben mit uns für den Rest der Nacht noch einfallen lässt.« Ich hole kurz Luft, schließe meine Entscheidung ab.

»Also, ich bin einverstanden! Aber du musst das Boot für uns organisieren.«

Sie springt auf, reißt ihren Kopf in den Nacken, so dass ihre langen Haare in großer Fülle um ihren Oberkörper wirbeln. Sie stemmt die Hände in ihre Hüften und schaut zu, wie ich mich langsam erhebe. Ich überrage sie mit meiner Größe von knapp 185 Zentimeter nur um einen halben Kopf. Ihre langen Beine fallen mir jetzt mehr auf, als mir das vorhin auf ihrer Liege optisch bewusst war. Obwohl sie sehr gut proportioniert ist, wirkt ihre Figur doch aufgrund ihrer Größe eher schlank. Sie verfügt über eine üppige Oberweite und treibt offenbar Sport, denn sie verfügt für eine Frau über eine relativ große Schulterbreite. Es beeinflusst auch optisch ihre Körperform positiv, weil dadurch ihre Taille extrem schlank wirkt. Deshalb präsentiert sie alles, was so ein männliches Ego stimuliert und zu ihr hinzieht. Ich erwische mich dabei, dass ich mit dieser Feststellung mein gesamtes Handeln aus den vergangenen Minuten zu entschuldigen versuche. Aus diesem Grund erschrecke ich etwas, als ein junges Pärchen an uns vorbeigeht und uns beide verliebt grüßt. In mir drängt sich ein Komplex auf, der mich vor die Frage stellt, ob andere uns hier für ein Liebespaar oder Vater und Tochter halten. Ihre lauten Worte holen mich aus der Gedankenwelt zurück.

»Einverstanden Bendit, wir machen das! Natürlich alles in der richtigen Reihenfolge, mit dem Schwimmen geht’s los! Ich treffe die Vorbereitungen.«

Der Ton ihrer Stimme klingt resolut. Ich trete ganz nahe an sie heran und wage es sogar meine Arme auf ihre breite Schulter und um ihren Hals zu legen. Sie versucht zum Glück nicht, meine Arme abzustreifen oder ihnen in einer anderen Form zu entgehen. Vielmehr hält sie mich im Blick fixiert. Ich will die eigenen Lippen zusammenpressen, kann aber die kesse Frage nicht zurückhalten. »Was machen wir denn, wenn wir nach dem anstrengenden Schwimmen und wohlschmeckenden Essen für das nachfolgende Träumen und allem was da noch zugehört, keine eindeutige Antwort von dem alten Herrn da oben erhalten?«

Sie schaut mich an, überlegt ein paar Sekunden und wählt ihre Worte aus.

Dann kommt die Antwort spontan, aber richtig verstehen werde ich sie erst nach der kommenden Nacht: »Mach‘ dir keine Sorgen. Wenn es soweit ist, wirst du nach dem alten Herrn da oben rufen und ihn sehnlichst anflehen dir zu sagen, was zu tun sei!«

Sie schaut mir tief in meine von Unverständnis gezeichneten Augen und fügt an: »Das verspreche ich dir, Bendit!« Diesmal sollte sie die Wahrheit sagen, wobei ich dieses Versprechen nicht verstehe, aber ich will auch momentan nicht weiter darüber nachdenken. Es ist pure Lust, die mich vergessen lässt, auf was ich mich da einlasse. Hätte ich ein wenig logischer nachgedacht, wäre mir wohl eingefallen, dass ihr Vorschlag zum Nachtschwimmen eine heutige Ankunft von Olaf völlig ausschließt. Das bedeutet, sie hat längst gewusst, dass er nicht kommen wird. Später werde ich noch genau erfahren warum und was mir Lena hier versprochen hat. Es wird als bittere Erfahrung in mein Leben einhergehen.

Wir stehen uns beide gegenüber und schauen einander an. Ich ziehe sie an mich heran, ihre Brüste drücken sich fest an meinen Körper. Sie lässt es jetzt geschehen, während ihr rechter Zeigefinger über meinen linken Oberarm gleitet. Genau an dieser Stelle trage ich ein bierdeckelgroßes Pflaster. »Wer hat dich denn hier gebissen, Bendit?«

»Ach, gestern hat mich vor dem Hotel am Parkplatz an dieser Stelle ein blöder Motorradfahrer erwischt. Bin gestürzt, sind aber nur unangenehme Hautabschürfungen. Der hat mir sogar geholfen und mich schnell unten zur Notfallstation am Hotel geleitet. Bin da gut verarztet worden. Diese kleine Wunde ist längst schon vergessen.«

Sie löst sich von mir und trabt zum Liegestuhl hin. Ich folge ihr, lasse mich wieder auf die Knie fallen und stütze den Arm auf die Lehne des Stuhls. Mein Lächeln ist genauso kurz wie meine Frage. »Um welche Uhrzeit schwimmen wir heute Abend, Lena?«

»Sonnenuntergang, Bendit. Der beginnt so gegen Viertel vor Zehn.«

»Und das mit dem Boot kriegst du in so kurzer Zeit hin?«

»Das zu organisieren ist kein Problem«, säuselt sie süffisant, »der alte Fischer Bruno leiht mir sein Boot, ich wickele ihn immer schnell um den Finger. Er organisiert für uns auch das Essen und wird draußen warten!«

Ich nicke automatisch und denke nicht weiter nach.

Beruhigt schaue ich sie von der Seite an. Lena deutet mit ihrer Hand zur Seite, ich folge genau ihrem Fingerzeig. »Siehst du den einzelnen Baum dort an der Mauer am Weg?“

Ich nicke wortlos. »Dort treffen wir uns. Deine Badetasche lass‘ bitte hier, ich gebe sie zusammen mit meinen Sachen Bruno, er ist der Bootsbesitzer. Komm‘ also abends nur in Badehose!«

Mein Gefühl über das Nachtschwimmen an sich ist nicht besser geworden. Das sind so ungute Gefühle, die jeder Mensch kennt. Irgendetwas liegt mir schwer im Magen. Nicht so bei dieser Elena, alias Lena. Sie hat mich genau beobachtet und wie schon einige Male zuvor genau erkannt, was in mir vor sich geht. Dass sie zwar keinen siebten Sinn besitzt, war mir schon klar, aber über andere Fähigkeiten verfügt, wusste ich jetzt noch nicht.

Wieder durchschaut sie mich. »Warum bist du so voller Unruhe, Bendit?«

»Bin ich das?«

»Natürlich. Du bist ziemlich nervös, aber ich kann mir denken, welche tiefen Zweifel in dir lodern.« Sie legt ihre Stirn in Sorgenfalten.

»Ach ja, das kannst du dir vorstellen? Was denkst du denn?«

Ihre Antwort trifft mich hart. »Na klar, du hast Angst schlapp zu machen! Aber keine Panik, wenn du’s nicht bis zum Boot draußen schaffst, dann drehen wir um und schwimmen ohne Essen und Träumen zurück.«

Ich bin perplex, mein Mund verhält sich wie zugenagelt. Sie fügt locker den Schlusssatz an. »Bedenke, es gibt Schlimmeres. Schwimm‘ also nur, wenn du stark und nicht zu alt für so ein Unterfangen bist!«

Das hat bei mir gesessen, mein Blick frisst sich steinhart in ihr hübsches Gesicht und mächtig tief in ihre grünen Augen, die augenblicklich sogar Kälte ausstrahlen. Deshalb ist auch meine direkte Erwiderung kurz. Mein Ego schreit innerlich laut auf, wie ein Befehl erreicht sie meine Antwort. »Also abgemacht. 21 Uhr 45 da oben unter dem Baum, Lena!«

Ich tippe kurz meinen Finger an die Stirn, lege das große Badetuch auf meine Kleidertasche und stelle alles direkt neben ihr an den Liegestuhl. »Ciao«, trillere ich. Sie lächelt und nickt bestätigend. »Ciao!«

Ich entschwinde schnell, Lena kommt nicht mehr zu einer Antwort, schaut mir aber aufmerksam nach. Oben an der Mauer zur Straße angekommen, deute ich auf den vereinbarten Baum. Neben dem Baum steht sogar eine Steinbank. Ich zeige ein weiteres Mal auf den Baum. Sie nickt und lächelt noch immer.

Gegen 21:30 Uhr: Ich eile zum Treffen. Der Himmel hat seine hellblaue Farbe gegen ein dunkles Blau getauscht. Die Sonne geht in einem zarten Dunstschleier unter. Der entnimmt ihr für heute die letzte ausstrahlende Wärme. Im Strandsand schmerzen jetzt die Fußsohlen beim Laufen nicht mehr so stark, die sengende Hitze ist vorüber. Die Luft duftet angenehm, es ist gemütlich. Meine Armbanduhr ist im Beutel bei der Kleidung, so weiß ich die Uhrzeit nicht. Nach einigen Minuten erreiche ich die Stelle, wo ich heute Lena getroffen habe. Keine zwanzig Meter weiter steht die hoch aufragende Pinie und schaut sowohl ins Land hinein wie auf das Meer hinaus. Ich stehe vor der Steinbank und schaue mich um. Sie ist noch nicht da, also setze ich mich auf den Weg vor der Mauer und grabe die Füße weit von mir gestreckt in den Sand. Schließlich stütze ich mich nach hinten durch meine Arme ab, lege den Kopf in den Nacken und starre kerzengerade zum Himmelszelt hoch. Kurz darauf schließe ich die Augen und ziehe den Sauerstoff tief in meine beiden Lungenflügel. Ich überlege, ob man sich auf einen alten Fischer mit einem maroden Kutter verlassen kann. Als Resultat drängt sich in mir die totale Beunruhigung auf. Die Folge, dass sich Lena und ich in der Dunkelheit weit auf dem tiefschwarzen Meer befinden und Bruno tuckert da draußen nicht mit seinem Boot, quält mich ungemein. Andererseits versprach Lena perfektes Organisieren, also alles nur handgemachte Sorgen? Ich lenke mich ab, weil ich schon jetzt mächtigen Hunger spüre und mich auf ein lukullisches Fischmahl mit Lena in dem Kahn freue. Zumal nach dem Schwimmen der Hunger noch stärker sein wird. Mir fällt ein, dass ich Lena gar nicht gefragt habe, wie weit oder wie lange wir bis zum Boot schwimmen müssen. Urplötzlich melden sich in mir einige der mahnenden Worte, aber ich entdecke nichts Verwerfliches an dem geplanten Vorhaben. Ich trage in mir keine Absicht sie zu vernaschen und glaube ferner, dass sie nicht der Frauentyp ist, der es mit mir als Altersklasse eines lieben Onkels genau darauf abgesehen hat. Auf der anderen Seite muss ich mir schon die Frage stellen, warum sie mir einen Nachtausflug per Schwimmen zu einem Fischerboot mit anschließendem Essen vom Feinsten und darauffolgendem Träumen allein zu zweit, was sie auch immer damit meinte, vorgeschlagen hat? Und was soll danach passieren, wenn uns Bruno mitten in der Nacht aufs Land abgesetzt hat? Ja, dann gehen wir beide doch nicht so einfach mir nichts, dir nichts, locker mit einem Nasestupfen nach Hause? Also, da ist im Vorhaben ziemlich viel Ungeplantes enthalten. Ich verdränge das, überlasse alles vorerst nur Lena, habe in diesem Augenblick nur positive Erwartungen. Und, allein dieses Gedankenspiel gefällt mir, ich bin umgeben von wirklich schönen Gefühlen. Wie durch einen Schleier nehme ich die grünbraunen Augen von Lena vor mir wahr. Ich versuche dieses Bild schärfer einzustellen, aber es gelingt mir nicht. Ärgerlich, liegt das an der mangelnden Erinnerung oder nur an einer ziemlich schwachen Konzentration? Nein, wie schrecklich. Meinem Hirn gelingt ein Bildaufbau nicht. Es muss schon bald Viertel vor Zehn sein, denn ein Blick auf den Horizont zeigt eine ins Meer abtauchende Sonne. Lena hatte recht, die Sonne ist schon fast im Meer verschwunden. Sie steht nur einen knappen Fingerbreit über dem Meereshorizont, ihre Kenntnis über diesen Zeitpunkt war also relativ genau. Plötzlich schnellt mein Körper zurück und platscht auf den Sand, denn mir werden meine mich abstützenden Arme hinter dem Rücken weggezogen. Ich schrecke zusammen, aber hinter mir höre ich die lachende Stimme von Lena.

»Bist du schon lange hier, Bendit? Scusa, ich bin ein paar Minuten zu spät.«

Ich stehe auf und schaue sie an. Sie wirkt in ihrem einteiligen Badeanzug, der ihren Körper an einer Längsseite nur mit weißen Kordeln verschließt, sexy, sehr schick und unheimlich sportlich. Überhaupt fällt es mir jetzt noch mehr als heute Vormittag auf, dass sie doch über einen ausgeprägten athletischen Körper verfügt. Der dunkelblaue Anzug sitzt eng auf ihrem braunen Body, so, als scheint er mit ihrer Haut eins zu sein.

»Sera, Lena«, grüße ich und versuche sie sofort zu umarmen, um ihr ein Küsschen zu geben. Leider vergebens, sie windet sich geschickt und schlangenartig aus meinen Armen heraus. Als sie mit dem Rücken zur untergehenden Sonne und dem Meer steht, kann ich ihr Gesicht nur sehr schemenhaft erkennen. Das Licht von der Straße am Strand trifft auf ihren Körper, der sich kontrastreich von dem tadellos eng sitzenden Badeanzug abhebt. Erst jetzt erkenne ich auf ihrem Einteiler eine weißgelbe, zierliche Perlenbestickung genau im Bereich ihres Oberteils. Sehr reizvoll umschlingt ein schmaler, weißer Gürtel die Taille, dessen silberne Schnalle die Form eines Herzens hat. Um ihren Hals windet sich ein schwarzes, aber sehr breites Band mit Ornamenten. Am Band baumelt schneeweiß eine sehr flache Jakobsmuschel. Ich war in der Schule stets ein sehr eifriger und interessierter Zuhörer, wenn es um griechische Mythologie ging. Die Sage um Troja mit allen ihren Helden und die Odyssee von Homer kannte ich genauso gut, wie die Namen sämtlicher Helden um den Göttervater Zeus. Natürlich waren mir auch die Sagen um fast jede göttliche Gestalt bekannt. Diesen Trumpf will ich sofort ausspielen und trete an sie heran. Die Zeige- und Mittelfinger meiner linken Hand verhaken sich direkt hinter ihrem Gürtel, ich ziehe sie an mich heran, dann schiebe ich meine Handfläche direkt unter die Jakobsmuschel zwischen dem Band und ihrem Hals.

»Du scheinst eine Aphrodite zu sein. Wenn du aus Schaum geboren bist, dann wirst du besser als ein Fisch im Wasser schwimmen, oder?«

Lena ist überrascht von meinem unerwarteten Vorstoß, sie wehrt sich nicht dagegen und lässt es zu, sehr eng an meinem Körper zu kleben. Behutsam zieht sie ihre Muschel aus meiner Handfläche, danach durchkämmen ihre schmalen Finger meine Haare am Hinterkopf vom Nacken bis hoch zum Haupthaar. Dabei zieht sie meinen Mund direkt vor ihre Lippen, berührt ihn aber nicht. Ich spüre den warmen Hauch ihres Atems, der meine Nase durch einen intensiven Duft von Rosenöl reizt. Gleichzeitig elektrisieren sich Teile der Haut an meinen Armen, einige Haare richten sich auf. Schnell merke ich, dass mir mein Brustkörper sekundenschnell Reize überträgt, die in mir sämtliche erotischen Lichter angehen lassen. Ich will sie schnell um ihre Taille fassen und fest mit meinem rechten Arm umschließen. Jedoch wird das sich nun in mir heiße, breitmachende Gefühl schlagartig gelöscht, denn sie entgeht meinem Gürtelgriff an ihre Taille ruckartig durch einen flinken Seitenschritt und löst sich von mir.

»Nicht schlecht, Bendit. 1:0 für dich. Aber eine Aphrodite bin ich trotz dieser Meeresmuschel und dem Liebesgürtel noch lange nicht. Und der Spiegel von Aphrodite ist auf dem Boot bei Bruno, den hab‘ ich hier nicht dabei. Du musst also geduldig sein, mein großer Held. Und wie dir sicherlich bekannt ist, auch Adonis, Ares und Hermes hatten viel Geduld.«

Na klar, das hatte ich erwartet. Betreten schaue ich sie an. Dass

sie sich in der griechischen Geschichte auskennt, verrät mir ihr verschmitzt lächelndes Gesicht. Sie sieht wunderschön aus, fast perfekt, dementsprechend schleicht mir auch sofort ein saftiges Kompliment über die Lippen.

»Trotzdem! Ehrlich, du siehst schon göttlich aus.«

»Ich habe dunkles Haar. War diese Aphrodite nicht blond?«

»Nein, sie war immer so, wie sie sein wollte. Blond, rot, aber auch mit schwarzen und dunkelbraunen Haar wie du!«

»Aha, na dann…«

»Du magst keine Verherrlichung, Lena?«

Sie überhört diese Frage und bleibt beim dem auf Aphrodite bezogenen Thema. »Wie du schon richtig bemerkt hast, diese Göttin der Liebe, der Schönheit und sogar der ewigen Jugend, wurde aus Schaum der Meereskristalle geboren.« Sie stoppt ihre Ausführungen mit einer Frage. »Aber kennst du auch den Grund?«

Ein leichtes Grinsen durchzieht mein Gesicht, eine für mich einfache Frage, dennoch hat Lena meine Antwort nicht so stark erwartet. Sie verrät das an ihrem erstaunten Augenaufschlag.

»Der Schaum erschuf sie deshalb«, argumentiere ich, »weil Titan Kronos seinen Vater Ouranos geschlachtet hat und – man glaubt es kaum – dessen Genitalien ins Meer geworfen hat!«

»2:0 für dich Bendit!« Sie lacht kurz entzückt auf.

Wir werden beide abgelenkt, denn von der Straße her klingt Musik zu uns herüber. Lena verharrt, lauscht andächtig, dann dreht sie sich wieder zu mir hin und tritt dicht erfreut und aufgeregt an mich heran.

»Oh, hör‘ nur! Ich liebe diesen alten Adriano. Und ich liebe seine Lieder, insbesondere auch das hier. Hörst du es?«

Auch mir ist dieser Song bekannt, er heißt Soli aus den Siebzigerjahren, wird hier gesungen von diesem italienischen Tausendsassa Celantano. Ich lege meine beiden Arme um ihre Schultern, was sie sich gefallen lässt. Sie stemmt beide Hände flach gegen meinen Brustkorb, allerdings ohne die Absicht mich wegdrücken zu wollen.

»Verstehst du den italienischen Text, Bendit?

Ich versuche dem italienischen Text einen vernünftigen, verständnisvollen Inhalt zu entnehmen. Das gelingt mir nicht so recht!

„Alleine, die Haut als Bekleidung! Alleine, ein Brötchen essen zu zweit - Ich und du! Alleine, die Brösel im Bett! Alleine, sich trotzdem noch etwas auszustrecken – nur ich, nur du!“

Ob ich das alles richtig verstanden habe, weiß ich nicht. Ich bestätige aber den Sinn verstanden zu haben und sehe, dass sie ihre Augen geschlossen hat und sinnlich den Tönen von der Straße her wie betäubt lauscht. Ich starre gebannt auf ihre geschlossenen Lider, auf die halboffenen Lippen, schlucke ein wenig, beuge mich zu ihr, während meine linke Hand tief in ihr offenes Haar am Hinterkopf gleitet und sofort versucht, sie an mich heranzuziehen. Kurz bevor sich meine Augen schließen wollen, erkenne ich noch wie Lena ihre Zunge über die Lippen gleiten lässt, dann spüre ich ihre Hand an meinem Hals und ihr Oberarm schlingt sich über meine Schulter. Mein Mund presst sich fest auf ihre Lippen und sie übernimmt sofort die Initiative. Ihre Zunge schießt förmlich heraus, öffnet meinen Mund und dringt tief in mich ein. Sie sucht meine Zunge und bewegt ihre dabei hin und her, dreht sie, so dass sich beide Zungen ineinander zu verhaken drohen. Dabei schlucken wir beide Luft und Speichel des anderen, ein tiefes, zartes Empfinden durchzieht wohlfühlend alle Geschmackssinne. Vor den geschlossenen Augen explodiert eine unwirkliche Wahrnehmung farbiger Blitze. Meine beiden Arme haben sich bei ihr vom Kopf und der Schulter gelöst, sie umschlingen Rücken und Taille und versuchen ihren Körper eng an meinen zu pressen. Die Luft bleibt uns zeitweise weg, dennoch lösen wir beide das körperliche Einswerden nicht auf. Sanft tritt aus unseren Mundwinkeln Speichel aus, zwischenzeitlich haben auch ihre schlanken Hände an meiner Schulter ihr Ziel gefunden. Sie erwidert und erhöht sogar noch den Anpressdruck der Körper aneinander. Ich spüre dabei stark die ungewöhnliche Kraft ihrer mächtig durchtrainierten Oberarme, die sich wie zwei Pythonschlangen um meinen Hals bis abwärts zum Rücken winden und dabei keinen einzigen Zentimeter nachgeben. Ich bin es, der zuerst den Kuss aus gegenseitiger Tiefe zieht und meine Zunge über Kinn und Hals bis herunter zu ihren Brüsten führen will. Unwillkürlich drückt sie ihr Haupt nach hinten und öffnet mir vor sich der Länge nach ihren Hals. Sofort vergräbt sich mein geöffneter Mund darin, gleitet dann kurz darauf flink an ihrem Oberkörper herunter. Dabei versuchen meine Lippen ihre weiche, von der Sonne dunkel gebräunte Haut in mich hinein zu saugen. Ich spüre plötzlich an meinem rechten Ohr ihren heißen Atem, dann folgt ein zwar sanfter, dennoch mit Schmerz verbundener Druck an meinem Ohrläppchen, ich spüre die scharfe Linie ihrer Vorderzähne. Meine Brust drückt sie jetzt nach hinten, durch die Verlagerung meines Körpers versuche ich sie damit in die Knie zu zwingen. Alles das verfolgt unterbewusst nur das Ziel, unsere Körper in den weichen Sand vom Strand zu drücken. Das gelingt mir, wir verlieren das Gleichgewicht, fallen aber beide nicht um, sondern landen auf den Knien. Als ich die Umarmung löse und gleichzeitig die Träger ihres Badeanzugs über ihre Schultern abstreifen will, damit ihre Brüste in die Freiheit gelangen, erlischt unsere innige Vereinnahmung. Kraftvoll stößt sie mich plötzlich von sich, so als würde ein Blitz genau zwischen unseren Körpern einschlagen. Ihre enorme Kraft lässt mich wanken und schließlich auch in den Sand stürzen. Während sie sich vor mir erhebt, bemerke ich, dass der Gesang von Celentano aus Richtung der Straße verstummt ist und nur noch mein Keuchen als lautester Ton unsere Umgebung akustisch markiert. »Gar nicht so schlecht, Bendit. Das war dicht vor einem 3:0 für dich. Dein Vorhaben unter Zuhilfenahme vom Adriano hast du fast vollzogen.«

Ich weiß nicht so recht, ob ich mich jetzt schämen soll. Jedoch lächelt sie, tippt mir auf die Nase und spricht schnell weiter. »Aber wir sollten das nicht so angehen, sonst bleibt nichts fürs Schwimmen übrig!«

Sie meinte natürlich meine Kraft damit, so liege ich zuerst bewegungslos wie betäubt rücklings im Sand und stütze mich durch meine Ellenbogen auf. Es beschleicht mich das Gefühl eines schlechten Gewissens. Verdammt, denke ich. Das sah doch nun wirklich aus, als hätte ich nichts Anderes vorgehabt, als es hier direkt mit ihr auf dem Strand zu treiben. Ich bin gar nicht zufrieden mit mir, verstehe auch meine Handlung nicht. Vielleicht war es nur eine triebhafte Regung, aber in der Art solcher Vorgehensweise doch weit unter meinem Niveau. Ich schüttele den Kopf. Hinzu kommt, ich bin gar nicht der Typ so schnell auf das Weibliche abzufahren. Weiß der Himmel, was in mich gefahren ist? Eine gewisse Wut und Verlegenheit lässt mich strafend und streng wieder auf die Unterlippe beißen.

Ich spüre förmlich, dass Elena hierzu eine Antwort erwartet, aber ich fühle mich irgendwie zu hohl dazu. Alles, was ich jetzt noch hervorbringen würde, wäre blödsinniges Gelaber. Da habe ich mich eben gehen gelassen, basta! Ich muss das aber nicht noch deutlich umschreiben oder gar entschuldigen. Nein, nicht wirklich. Deshalb fällt meine Antwort kurz und geschickt aus.

»Sorry Lena, du erweckst eben genau wie Aphrodite Liebeshunger!«

Sie akzeptiert das. Inzwischen ist es auch dunkler geworden, die ersten Lichter in den Laternen an den Straßen und in den Häusern jenseits der Straße am Strand leuchten schon. Lena hat scheinbar meinen zwar kleinen, aber heftigen erotischen Vorstoß nicht wie befürchtet ernst genommen oder sogar schon vergessen. Jedenfalls wechselt sie das Thema sofort und kommt zur Sache. »Los, damit wir jetzt keine Zeit mehr verlieren!«

Sie strahlt mich mit ihrem herzlichen Lächeln voller Unternehmungslust an. »Komm, lass‘ uns jetzt die unermessliche Freiheit im Meer erleben und das Leben genießen!«

Ich habe nicht einmal Zeit zur Antwort, ihre graziösen Beine tragen sie fast schwebend über den Sand ins Meer und teilen das Wasser unter hohem Aufspritzen. Nur wenige Sekunden später taucht sie in das salzige Nass ein, aus dem einst die Menschen als Leben hervorgingen. Kurze Zeit später gleitet ihr Oberkörper auf der dunklen, glatten Meeresoberfläche. Das Meer trägt ihr offenes Haar, sanft ausgebreitet zieht sie es langsam hinter sich her. Ich brauche immerhin fast zwei Minuten, ehe ich Anschluss habe und dann neben ihr schweigsam in die sich vor uns ausbreitende, dunkle Unendlichkeit schwimme. Immer wieder wird mir klar, dass ich zu langsam für sie bin. Innerhalb von ein paar Minuten falle ich meterweit zurück, so dass sie innehält und auf mich wartet. Inzwischen kommt mir die Zeit ewig vor. Bald ist mir nicht mehr bewusst, wie lange wir jetzt schon schwimmen. Und als ich wieder einige Meter zurückbleibe, stoppt sie abermals und dreht sich in die Rückenlage. Ihre Arme sind vom Oberkörper weit weg gestreckt. Als ich die Nähe ihrer Füße erreiche, ragen die Zehen nur wenige Zentimeter aus dem Meer heraus. Diese kann ich auch sehen, nicht aber ihr Gesicht. Eine doch undurchdringbare Schwärze hüllt uns gespenstisch ein, lässt uns kaum einen Meter weit sehen.

Ich höre das Glucksen der Meereswellen, sie klingen wie kleine Glöckchen ohne Melodie, deshalb breche ich das für mich schier unerträglich gewordene Schweigen.

Ich muss ihre Stimme hören.

»Lena, alles okay?« Mein Ruf klingt schon jetzt keuchend.

»Na klar, was denkst du denn?« Ihre Antwort ergänzt sie mit einem ganz klaren Vorwurf. »Die Frage nach der Fitness solltest du dir selbst stellen. Ich habe Sorge um dich. Toll drauf bist du scheinbar nicht, oder?«

Ich nicke, stelle aber fest, wie blöd das ist. Lena kann genauso wenig mein Nicken erkennen, wie ich ihr Gesicht. Aber das Antworten fällt mir schwer, ich habe tatsächlich akute Atmungsprobleme.

»Ich bin in Ordnung«, versuche ich cool ohne Keuchen auszusprechen, »was meinst du, wie weit sind wir vom Strand entfernt, Lena?«

Ich bin jetzt dicht bei ihr und kann nun wenigstens in der geringen Helligkeit des Sternenlichts einen Teil von ihrem Gesicht erblicken. Es ist kein Mond da, aber die Sterne am schwarzen Nachthimmel reflektieren in Form glitzernder Pünktchen die ganz glatte Wasseroberfläche. Lena wendet ihr Gesicht zur Landseite, ich folge dem Blick. Den Strand kann man nicht erkennen, wir sind viel zu weit entfernt. Nur die schattenhaften Umrisse der Landschaft sind sichtbar und die Beleuchtung oben auf dem Turm der Burg. Die Korona der Flamme ist zwar sehr klein, aber bis zu uns hin noch klar sichtbar. Ganz besonders gut zu sehen sind rechtsseitig vom Landesstreifen die Lichtzeichen des Leuchtturms der Ortschaft Castiglione della Pescaia. Er steht direkt vor der Flussmündung am Hafen. Meine Augen richten sich auf die Burg, die dem Ort Castiglione den Namen gegeben hat. Sie ist von uns aus nur mit zwei Türmen und der dazwischenliegenden Mauer zu sehen und zeigt eine kleine ansteigende Schieflage. Darüber tut sich ein romantischer Hintergrund auf, insbesondere die Türme mit den dahinter schwebenden Sternen am Firmament sehen wunderschön aus. Und zwischen den Lichtern von Leuchtturm und Burg klafft zu uns hin ein großes schwarzes Loch, in dem sich das Meer breitmacht und farblich vom schönen Tagesblau in ein sehr bedrohliches Schwarz wechselt. Und genau diese Schwärze des Meeres ist es, die uns völlig umschließt und klarmacht, wie armselig klein wir in diesem Element erscheinen. Zudem kann man hier dem Meer durchaus keine Schönheit, sondern eigentlich nur Unheimliches abgewinnen. Ich möchte ihr jetzt vorschlagen umzukehren. Ich weiß nicht, was Lena durch den Kopf geistert, vielleicht ahnt sie mein Vorhaben, denn sie dreht sich urplötzlich um und schwimmt unter Zurufen weiter. Ihre Worte dringen nur schwer und stockend an meine Ohren, aber ich verstehe sie wenigstens.

»Ich habe keine Ahnung wie weit das ist, Bendit. Aber viel weiter als wir annehmen. Es ist besser, wir denken gar nicht darüber nach. Schau nur, da weit nach draußen. Wenn du gute Augen hast, dann siehst du bereits das Licht vom Bootsheck von Bruno, da müssen wir hin. Also streng‘ dich an! Wenn überhaupt, haben wir gerade gut die Hälfte des Weges geschafft.«

Ich antworte nicht, mir hat ihre Antwort Schrecken eingeflößt und ihre Entfernungseinschätzung dürfte in meinem Inneren die Sprache verschlagen haben. Aus diesem Grund höre ich nur das mir inzwischen fremd und unfreundlich vorkommende Glucksen der schwarzen Meeresoberfläche und bin mir nicht mehr sicher, ob dieses Nachtschwimmen überhaupt eine gute Idee war. Es war ihre Stimme, die mir wieder Mut gemacht hat, denn ich muss mir leider eingestehen, ich habe meine Kraft überschätzt. Ein winziges glimmendes Licht in der Weite des Meeres, von ihr als Bootlicht definiert, kann ich wahrlich nicht erkennen. Ist es da? Ich glaube ein mühsames Flackern zu erkennen, das kann aber auch nur pure Einbildung sein. Aber natürlich bin ich viel zu stolz jetzt einzugestehen, dass ich nun zur Umkehr neige und Lena dazu aufrufen sollte. Aber ich schweige betreten, versuche mühsam ihr weiter zu folgen. Nach einer gefühlten weiteren halben Stunde rufe ich dann mehrmals nach Lena, aber sie antwortet nicht. Ein schneller Zwischenspurt per Kraulstil nutzt nichts. Ich habe sie verloren oder besser ausgedrückt, sie hat mich locker abgehängt. Ich will sie unterdrücken, kann es aber nicht verhindern. In mir steigt Panik auf!

Nochmals versuche ich sie akustisch zu erreichen, aber meine Rufe verhallen ungehört und werden sofort von der dunklen Meeresoberfläche satt verschluckt. So, als würde das Meer dumpf über mich lachen. Nachdem ich beim letzten Ruf nach Lena auch noch salziges Meerwasser inhaliere, gebe ich das scheinbar illusorische Brüllen auf. Erstmals seit den letzten Worten mit ihr halte ich inne, versuche den gesamten Oberkörper etwas aus dem Salzwasser zu heben, um irgendwo ein Fünkchen Licht zu erhaschen. Nichts da. Nur kalte, unendliche Schwärze der Nacht umarmt mich, während am Horizont das Meer nach und nach die kleinen Sternenpünktchen horizontal zu verschlingen scheint. Ich werde unsicher, obwohl ich so tue, als könne mich das nicht aufregen. Ich kenne das gut, wie sich so etwas in Gedanken festkeilt. Das ist so ein spezielles, ungutes Gefühl, welches sich in die Seele einnistet und dem Bewusstsein sofort den Befehl erteilt besonders ruhig zu agieren, damit Hektik und Panik vermieden werden. Dieser Befehl redet mir unentwegt ein, dass ich alles im Griff habe. Wahrscheinlich bedeutet das nur die eigene simple Selbstverteidigung eines lebenserhaltenen Triebes, der nur durch die Angst gesteuert wird. Wenn Furcht bewusst wird, führt sie doch im Ernstfall häufig zu den falschen Handhabungen. Immerhin hilft es mir, ich bleibe ruhig und denke in Ruhe nach. Dabei tätschele ich flach mit der Hand mehrmals auf die Wasseroberfläche. Und während an meine Ohren ein sanftes Klatschgeräusch dringt, öffnen sich meine Lippen zum Dialog mit diesem allmächtigen Meer. Ich muss das jetzt tun, die Stille bringt mich sonst um. Es sind die Grundlagen eines autogenen Trainings, an dem ich einst teilnehmen durfte und wo mir durch einen japanischen Trainer sehr viel an Selbstbeherrschung gelehrt wurde.

»Tja, du liebes und grausames Urelement zugleich. Hast du mich jetzt erwischt? Willst du mich in deine Tiefe aufnehmen und dann in alle meine Einzelteile zerlegen? Glaubst du, dass meine Zeit in Kürze gekommen und abgelaufen ist? Du bist als Wasser überall, auch in dem Land meiner Heimat. Kannst du dich als Ostsee an mich erinnern, wie du mich damals als noch kleiner Junge immer geärgert hast, wenn ich am Strand ganz lieb mit dir spielen wollte? Du hast deine Wogen oft zu hoch auf mich geworfen, hast mich umgeworfen und oft schäumend ausgelacht. Habe ich in deinen Armen liegend geweint, dann bist du einfach über mich gekommen, hast meinen Mund geküsst und mir salzig auf den Magen geschlagen. Mehrmals hast du mir beim Schwimmen deine ruhige Schönheit vorgetäuscht, um mich mit deinem strömenden Körper zu dir nach draußen zu ziehen. Und erinnerst du dich, wie du immer wieder meine wirklich schönen Sandburgen mit deinen flüssigen Fingern ins Chaos gestürzt hast? Und nun? Meinst du nicht, ich hätte etwas bei dir gut, du nasses Scheusal? Lass‘ mich bitte leben! Sei bitte einmal gnädig mit mir, okay?«

Ich schwimme strampelnd auf der Stelle, es kommt mir so vor, als erhalte ich eine Reaktion auf meine Worte. Als sich nämlich plötzlich die Temperatur im Wasser um mich herum ändert und ich bis zur Bauchnabelhöhe eine unangenehme Kälte spüre, fährt mir ein Schreck durch die Glieder. Ich erinnere mich an den Rat eines der Einheimischen, als ich damals mit Olaf hier auf einem Boot unser Diplom feierte. Das ist lange her, ändert aber an der Aktualität nichts. Der erzählte uns von den kalten Strömungen, die aus dem offenen Meer in die Bucht zwischen der Insel Elba und dem Festland beim Hafen Piombino stetig nordostwärts strömen. Auf der Luftmatratze wären schon viele Badegäste erfasst und in die Richtung von Sparviero, einer kleinen Insel vor dem Kap von Punta Ala, getrieben worden. Ich drehe mich auf die Seite und schwimme in die Richtung, wo ich das Festland vermute. Dort sehe ich tatsächlich ganz weit entfernt ein einziges, im Takt blinkendes Licht. Ich muss mich sehr anstrengen es im Auge zu behalten, denn zeitweise verschwindet es völlig. Ich vermute, dass das der Leuchtturm von Castiglione ist, muss aber nicht so sein. Ganz davon abgesehen, ich bin auch viel zu weit davon entfernt, um diesen Lichtpunkt anzuschwimmen. Verzweifelt suche ich deshalb nach einem zweiten Orientierungspunkt. Wo ist das Licht auf dem Turm der Burg? Nichts, zu weit weg. Es ist wie vom Meer verschluckt. Ich drehe mich deshalb wieder zu der vermeintlichen Seeseite hin. Aber dort flimmert auch kein Lichtzeichen. Das Boot von Bruno muss weiter südlich liegen, vielleicht bin ich, wer weiß wie lange schon, von der Strömung gen Norden abgetrieben. Ich bemerke, wie meine Muskeln im Oberarm schmerzen. Das ist mir bisher nicht aufgefallen, weil ich stetig in Bewegung war. Ich fühle, wie meine Gedanken das Hirn durcheilen und fieberhaft nach einer Lösung suchen, die wirklich logisch machbar ist. Ich weiß, eigentlich besitze ich nur zwei Möglichkeiten: Weiterschwimmen in Richtung des vermuteten Standorts vom Boot oder Umkehr. Aber wo ist wo? Es ist stockdunkel, ich sehe kaum meine Hand vor den Augen und stecke bis zu den Schultern im salzigen Nass. Einige Fetzen meiner Gedanken, die zur der Kategorie Horror gehören, eliminiere ich sofort mit einem lauten, mir selbst vorgespielten, lachenden Räuspern. Unwahrscheinlich, dass sich mir plötzlich das aufgerissene Maul eines Raubfischs an der Meeresoberfläche präsentiert. Dennoch erteile ich mir selbst den Befehl, meinen Körper auf der Wasseroberfläche auszustrecken. So drehe ich mich scheinbar lässig auf den Rücken, beide Arme von mir gestreckt, Beine eng aneinandergelegt. Mit leichtem Wedeln der beiden Füße und mit den Handflächen treibe ich wie ein „toter Mann“ auf dem Meeresspiegel. Mein Blick ist gen Himmel gerichtet, da sehe ich wenigstens noch Leben, auch wenn es nur das Licht der Sterne ist.

»Ich bin längst noch nicht fertig mit dir, du elementarisches Monster!« Mein Murmeln klingt drohend und grollt sehr böse. Bewusst führe ich meinen Dialog mit dem Meer in der mich umgebenen, nassen Dunkelheit fort. »Es ist an der Zeit für dich Gutes zu tun. Auf, du lässt mich jetzt los! Du lässt mich am Leben! Richte deine Strömung zum Auffinden des trockenen Strands ein. Hast du das kapiert, du elementares Miststück?« Aus der grollenden Stimme wird lautes Fluchen.

»Hör‘ mir endlich mal zu, du Wassermonster und tu‘ auch nur einmal etwas für und nicht gegen mich!«

Beim Blick zum Sternenzelt frage ich mich, welche dieser Sterne als Sonnen überhaupt noch existieren, weil das Licht so lange bis zu uns zur Erde benötigt? Solche Fragen duldet mein unterbewusster Selbsterhaltungstrieb zu dieser Zeit nicht und hat dafür kein Verständnis. In Windeseile ruft er mich zurück in die reale Welt. Außerdem wird es mir nach einigen Minuten auf dem jetzt frei in den Himmel zeigenden Bauch kalt, deshalb drehe ich mich wieder um und verteile mit meinen Armen im Brustschwimmen die Wogen gleichmäßig und ruhig. Ich versuche nun direkt auf den dunklen Streifen des Festlands zu schwimmen, welchen ich aber scheinbar nur in der Vorstellung sehe oder zu erkennen glaube. Meine Überlegungen finden dann aber eine ganz einfache Lösung. Ich könnte mich exakt nach dem Polarstern richten. Ganz unbewusst nicke ich heftig.

Er gehört zur „Deichsel“ des Sternbilds vom kleinen Wagen, unweit jenes vom großen Wagen. Dieses große Sternbild kann man nicht nur ganzjährig sehen, sondern auch schnell am Himmel mit bloßem Auge orten.

Ich akzeptiere den Vorschlag aus der Tiefe meiner Überlegungen. Schnell kommt mir die Schulzeit in Erinnerung, wie man per Anpeilen mit dem Auge den Polarstern in den beiden nebeneinanderliegenden Sternbildern herausfindet. Mein Langzeitgedächtnis präsentiert mir sogar den Namen des Lehrers, der uns das seinerzeit im Unterricht lehrte. Als ich endlich diesen hell leuchtenden Himmelskörper entdecke, werden die Bewegungen vor Erleichterung mit einem Seufzer bei mir beflügelt. Ungeahnte Kraftreserven erwachen in mir. Der Stern steht im Norden. Wenn ich so schwimme, dass er zu meiner Linken auf mich herunterblickt, dann muss ich automatisch nach Osten schwimmen. Das wäre richtig, um zum Festland und nicht Richtung Westen in das offene Meer zu schwimmen.

Es schwimme mit häufigem Blick zum Polarstern ohne größere Pausen, dann, nach einer mir vorkommenden Ewigkeit, sehe ich am Horizont tatsächlich ein Licht. Da es sich nur als ein Flackern präsentiert, glaube ich zuerst, das wäre vielleicht doch das Boot von Bruno, auf dem Lena auf mich wartet. Aber dann wäre meine mühevolle Sternpeilung ja völlig verkehrt gewesen. Des Rätsels Lösung folgt zum Glück nach einer nur kurzen Zeit. Jetzt nämlich sehe ich auch links unterhalb des bereits gesichteten Lichtes noch viele andere leuchtende Punkte. Das muss die Küste sein. Ich jubele kurz lautstark und recke sinnloserweise den linken Arm aus dem Wasser zum Winken. Das bringt mich aus dem Schwimmrhythmus, so dass ich mich automatisch zur Seitenlage drehe. Dabei fällt mir etwas graues Großes ins Auge, das sich zu meiner Linken im Wasser auftürmt. Was ist denn das?

Dann erkenne ich es vor mir! Es zieht mir auf der Stelle den Schreck in die Glieder. Bedrohlich schaut es mich in einer nur kurzen Entfernung aus vielleicht hundert Metern an und kommt mir wie ein dunkles Monster vor. Es besteht aus schwarzem Fels, von dem die Konturen nur wegen der vielen dahinter glänzenden Sterne sichtbar sind. Diese Felsen, die sich da vor mir erheben, habe ich schon gesehen. Wie eine übergroße Haiflosse aus dem Meer ragen sie heraus. Sie gehören zur Isola dello Sparviero, übersetzen kann man den Namen mit Insel der Sperber.