4,49 €
Von der Vielfalt des Lebens in wunderschönen Kurzgeschichten berichten einige hervorragende Autoren und schufen damit eine großartige Sammlung fröhlicher und besinnlicher Erzählungen. Liebevoll verpackten sie dabei das Gestern, Heute und Morgen in märchenhafte Farben und zeigten, wie eng Glückseligkeit und Leid beieinanderstehen. Eine großartige Sammlung von besinnlichen und fröhlichen Zeilen, welche die Menschen in den Mittelpunkt stellt und zum Nachdenken anregen.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2022
Inhaltsverzeichnis
Meine Freundin Inge
Sven und Nina
Der Tod wog 525 Kilo
Ein fast tödlicher Flirt
Nebula
Du bist einfach Scheiße, Armin
Neila, das Mädchen aus dem Paradies
Sie sind Hauptgewinner
Mit offenen Augen und offenem Herzen
Die vergessene Spezies
Rückflug aus fernem Land
Impressum
Breslau 1943. Inge ist im ersten Schuljahr. Da noch Krieg war, wurde die Schule geschlossen, weil es für die Kinder und ihre Lehrer dort zu gefährlich war weiter zu unterrichten, denn die Front rückte immer näher.
Die Lehrpersonen fragten die Kinder: „Wer von euch möchte denn weiter eine Schule besuchen?“
14 Kinder von 50 meldeten sich, sie wollten weiter lernen, die anderen durften nach Hause gehen. Zu den 14 Kindern gehörte auch Inge. Sie hatte schon als Kind erkannt wie schwer zum Beispiel das Leben ihrer Mutter war, die nie die Möglichkeit bekommen hatte Lesen und Schreiben zu erlernen. Wenn es etwas Schriftliches zu erledigen gab, dann musste sie in der Nachbarschaft nachfragen, wer ihr behilflich wäre das Gewünschte zu entziffern. Doch so ein Leben wollte Inge nicht. Sie hatte schon
gemerkt, dass es den Nachbarn auch nicht immer recht war. Manchmal ließen sie die Mutter tagelang im Ungewissen über das, was in der Nachricht stand. So kam es also, dass die 14 Kinder in einen Zug gesetzt wurden und mit allen Lehrpersonen von Breslau aus in ein Dorf namens ‚Zechen‘ im Kreis Gorau gebracht wurden. Dann lautete die Anweisung, setzt Euch auf den Marktplatz, es wird jemand kommen der Euch mit nach Hause nimmt.
Nach und nach tauchten Männer und Frauen auf die sich die Kinder anschauten. Die Jungen und überhaupt die größten und kräftigsten unter ihnen wurden natürlich zuallererst mitgenommen. Sicher dachten die Leute, wenn wir sie nun schon ernähren müssen, sollen sie auch zupacken können.
Inge, die selbst heute noch zierlich ist, aber trotzdem keine Arbeit scheute, saß zum Schluss noch mutterseelenalleine auf dem Platz. Erschwerend kam bei ihr hinzu, dass sie auch noch rote Haare hatte, diese Farbe galt damals als ein Makel. Viele der Kinder, vor allem die Jungen, waren schon nicht mehr zu sehen. Inge hielt den Kopf gesenkt und die Tränen, die sich aus ihren Kinderaugen drängten, konnte sie nicht mehr zurückhalten. Inge sah sich um und bemerkte, sie war als letzte übrig.
Sie kam sich so verlassen und alleine vor, so begann sie zu beten: Lieber Gott, ich möchte doch so gerne zur Schule gehen, warum kommt niemand, der mich auch nur ein bissel mag? Nach einer Weile hatte sie wohl auch ein wenig Kraft aus ihrem Gebet geschöpft. Jedenfalls hob sie ihren Kopf und wischte mit ihrem Mantelärmel ihre Tränen weg. Sie schaute sich nachdenklich um. Tatsächlich, sie war wirklich außer zwei Frauen, die noch am Rande des Marktplatzes standen und miteinander sprachen, allein hier am Platze. Nun sah sie, wie diese mit ihren Köpfen nickten und auf sie zukamen. Tatsächlich, sie sprachen Inge an und nahmen sie mit zu sich nach Hause.
Inge fragte sich nachher immer, hatte der liebe Gott sie nun wirklich erhört, hatte er diesen beiden Frauen das Gefühl vermittelt, wir nehmen dieses Mädel zu uns, auch wenn es nur aus Mitleid wäre.
Bald ging sie in die Schule in die 2. Klasse. Weihnachten 1944 durften die Kinder zu ihren Eltern fahren. Es war herrlich, denn ihr Breslau lag Inge zu Füßen. Sie wusste, dass sie jeden bekannten Winkel aufsuchen würde und hatte so viel Freude und Spaß, dass sie keine Sekunde daran dachte, auch Ferien gehen einmal wieder zu Ende.
Sie war sehr überrascht als sie wieder zurück zur Schule musste. Es fiel Inge so unsagbar schwer, denn sie wollte Breslau nicht mehr verlassen. Niemand ahnte die Nähe der Front und keiner wusste, dass bald die meisten von hier flüchten mussten. Die Mutter brachte Inge persönlich zurück zur Schule, doch nur wenige Zeit danach war klar, sie mussten auch hier flüchten.
Die beiden Frauen kümmerten sich nicht mehr um Inge, denn jetzt hatten sie genug mit sich selbst und ihren Familien zu tun. So kam es, dass Inge ihre vermeintlichen, besten Sachen, das waren zum Beispiel im richtigen Sinne ihre allerbesten Schuhe, Lackschuhe, die sie sehr liebte und alles, was ihr am liebsten war, einpackte. Wichtig für sie waren ihre Puppe und die Wolle mit Häkelnadel und ein wenig ihrer Wäsche. Dann packte sie in ihren Koffer. Die Kinder wurden in eine Wolldecke auf dem Leiterwagen eingehüllt, so verfrachtet ging es los und die Koffer landeten auf einem anderen Wagen, der mit vielen anderen auch im Treck mitfuhr.
Auf ihrem Wagen saß eine weißrussische Lehrerin und ein polnischer Kutscher. Der Pole kam auch aus diesem Dorf Zechen. Er hatte eine Familie, die er dort zurücklassen musste. Darüber war er so erbost, dass er irgendwann den Wagen in einen Graben lenkte und alle Leute herunter direkt in den Schnee mussten, um den Wagen wiederaufzurichten. Inge hatte danach so kalte Füße, dass sie diese kaum mehr spürte. Durch diesen Aufenthalt, fuhren sie schon bald am Ende des Trecks. Dadurch waren sie noch ungeschützter vor der Kälte. Kurz vor einem Dorf fuhr der Kutscher noch einmal aus Hass in einen Graben. Der Wagen war kaputt und alle Kinder mussten bis ins Dorf laufen. Inge sagte zu ihren Leidensgenossinnen: „Lasst uns beten, wir wollen doch nicht erfrieren, bevor wir das nächste Dorf erreichen!“ So schafften die Kinder betend und singend das Stück kraftvoll zu laufen.
Auf einem Leiterwagen sah Inge auf einmal ihren Koffer, sie öffnete ihn und holte ihre Puppe und die Wolle sowie eine Häkelnadel heraus. Sie steckte alles in ihren kleinen Beutel und versuchte den Koffer wieder zu schließen. Ihre kleinen Finger waren aber so kalt, dass das verrostete Schloss nicht mehr einrastete. Sie ließ den Koffer traurig derart zurück, es half ihr niemand den Koffer doch noch zuzuschließen. Beim Weitertransport musste sie zusehen wie ihre wenigen Habseligkeiten im Schnee verschwanden. In dem nächsten Ort gab es eine Rast, dort kamen die Kinder in einer Gaststätte unter. Es wurde Stroh auf die Erde gelegt und darauf mussten die Kinder ruhen. Es war so eng, wenn sich nur einer umdrehte, dann mussten sich alle mit umdrehen. Inge nahm das mit Zuversicht und sagte: „So wird uns endlich warm“.
Sie konnte von ihrem Platz aus durch den Spalt einer Holztür schauen und sah von der Decke herab Würste und Schinken hängen. Sie hatten so einen Hunger und betete laut vor sich hin: „Lieber Gott, vielleicht kannst du es heute richten, dass wir eine kleine Menge von der Wurst bekommen, damit wir unseren Hunger stillen können!?“ Als der Gastwirt in den Raum kam, hatte er Brote für die Kinder, allerdings nur mit Gelee. Auch der Gastwirt durfte später nur wenig mitnehmen. Es fiel alles den Russen in die Hände, die es gierig verschlangen. Die russischen Truppen rückten schon am nächsten Tag heran, es musste also von dort baldigst weiter gen Westen geflüchtet werden.
Die Lehrerin verlies uns und auch der polnische Kutscher war plötzlich fort. Der hatte mehr Angst vor den Russen als wir. Dann schließlich begegneten wir einem Engel, allerdings in menschlicher Gestalt. Dieser Engel leistet Übermenschliches. Es war eine Frau, die uns weiter in ein Dorf namens Childo führte, zu einer Metzgerei. Dort waren zwei Lausbuben, die uns bei der Ankunft mit Schweinsaugen bewarfen. Über uns flogen die amerikanischen und russischen Bomber, wir hatten viel Angst, obwohl man uns sagte, diese Bomben sind für Berlin gedacht und werden hier nicht abgeworfen. Wir sahen dann in weiter Ferne die sogenannten Christbäume, leuchtendes Lametta, Suchscheinwerfer und natürlich das brennende Berlin, getroffen von so vielen Bomben. Ein ganz furchtbarer Anblick.
Wie es dieser Engel in Menschengestalt geschafft hat, uns 14 Kinder im Kemnizer Bahnhof in einen Waggon zu bekommen grenzt an ein Wunder. Polnische und russische Soldaten führten in dem Zug das Kommando. In Tschechien kamen wir alle in ein Lager, bestehend aus einfachen Holzbaracken.
Die über 50-jährigen Menschen wurden in separaten Baracken untergebracht, verblieben dort und wurden sogleich dem Hungertot ausgeliefert, da sie dort keinerlei Verpflegung bekamen.
Für uns Kinder gab es je ein Stück Brot, das in der Mitte einen dicken Wasserstreifen hatte und eine Wassersuppe, in der hier und da eine Kartoffel zu erkennen war. Und den Verteilern erschien es völlig gleichgültig, ob in einem Teller 2 oder 5 Kartoffelstückchen waren. Wir Kinder sahen es ganz genau, da so ein Stückchen Kartoffel uns durchaus vor dem Hungertot bewahren konnte. Doch keine von uns missgönnte dem anderen etwas, wir aßen brav unsere Suppe und lernten für das ganze Leben daraus. Inge sagte: “Nie bin ich im Leben neidisch gewesen, ich habe damals gelernt, dass der eine nun halt mal ein bissel mehr hat als der andere. Es kann sowieso niemand etwas mitnehmen.“
Wenn wir aus dem Fenster der Baracke sahen, erkannten alle Kinder so viele tote Menschen, die vorbeigetragen wurden. Das alles hat uns doch sehr verängstigt, dennoch vertrieb ich mir die Zeit mit meiner Puppe. Für sie häkelte ich eine Mütze, einen Schal, sowie Jacke und Hose. Allerdings, ich musste die Sachen stets wieder auftrennen, denn es gab nur die eine Wolle. Eine gänzlich andere Beschäftigung gab es für mich am Fluss. Dort blühten viele Blumen, da waren auch Vergissmeinnicht und Stiefmütterchen dabei. Die pflückte ich und zierte damit die leeren Gräber vieler verhungerter Menschen.
Ein Jahr nach unserer Flucht hatte ich einen Wasserbauch, lag in einer Ecke und hatte wirklich keine Kraft mehr. Da endlich wurde das ganze Lager geräumt, ich war zu schwach, um zu laufen. Doch da haben mich dann der Engel und die Kinder in ihre Mitte genommen und gemeinsam erreichten wir noch den Zug. Da entflammte in mir wieder die neue Hoffnung, mein apathischer Zustand veränderte sich zur Freude am Leben. Auch beten konnte ich wieder, denn das hatte ich in meinem Zustand total vergessen, weil ich von Hoffnungslosigkeit beseelt war. Ich sprach oft mit Gott und unserem Engel darüber und fragte, was wird bloß einmal aus uns werden?
In Aschersleben kamen wir dann in ein Kinderheim, dort wurde unser Engel, der uns Kinder zurück in das Leben führte, beim Küchenpersonal eingesetzt. Nun konnten wir wieder zur Schule gehen und waren im dritten Schuljahr. Ich hatte eine junge Lehrerin, die mir jedes Brötchen, das bei den Schulspeisungen übrigblieb, zusteckte. Ich liebte sie sehr und war auch sehr fleißig. Ich schrieb nur sehr gute Noten.
Nach einem weiteren Jahr fand mich aufgrund der Suchmeldungen endlich meine Großmutter, die in Eisleben wohnte. Die Freude war nicht zu beschreiben, als wir uns sahen. Wir waren alle sehr glücklich. Allerdings gab es einen Wermutstropfen, der bis heute noch in mir steckt. Ich hatte vergessen, mich von unserem Engel in der Küche zu verabschieden. Das geschah aufgrund meiner unermesslichen Freude, und sie möge mir das im Nachhinein verzeihen.
Auch meine Tante, die in Cottbus lebte, sah mich zur gleichen Zeit im Kino, wo viele Hilfsverbände »Kinder suchen ihre Eltern« Namen und Bilder aufführen ließen und auch mich zeigten. Sie fuhr sofort nach Aschersleben, aber ich war inzwischen schon bei meiner Großmutter.
Meine Tante erzählte später, viele Kinder waren traurig, das nicht auch sie abgeholt wurden und schauten nach Verwandten. Am ersten Abend bei meiner Oma stand ich vor ihrem schönen Bett, in dem ich ja nun mit ihr schlafen durfte. Ich erinnere mich an ein dickes, weißes Kissen und eine wunderschöne, flauschige Federdecke. Ich hatte nicht den Mut und ihr noch nicht gesagt, dass ich in den letzten Jahren nachts das Bett nass gemacht hatte. Ich konnte nichts dafür, aber damals passierte es immer wieder. So schlief ich mit ihr zusammen ein wie in einem Himmelbett. Und am nächsten Morgen war das Bettlaken nicht nass, ich hatte es geschafft. Es passierte auch nie wieder!
»Ich liebe den Herrn, denn er hört die Stimme meines Flehens« - Psalm 116, 1 –
Geschichte von © Margarete Rick-Neuendorff
Mehrwertschweinchen
Eine herzergreifende, wahre Tiergeschichte: Ich sage ehrlich, Meerschweinchen fand ich immer langweilig. Sie saßen fast bewegungslos in Käfigen rum und hatte man diese geöffnet, versteckten sie sich im Haus oder liefen immer an der Wand lang. Sonderlich viel interessantes Verhalten war da einfach nicht zu beobachten. Oder?
Irgendwann fing ich mit der Kaninchenhaltung an - reine Buchtenhaltung. Auch wenn diese Buchten das Doppelte, sogar bis das Dreifache einer normalen Bucht waren, es waren Buchten. Viel zu klein und boten nicht mal genügend Platz für ein noch so kleines Häuschen. In diesen Buchten ließen sich die Kaninchen leider nur einzeln halten, sonst prügelten sie sich in dieser Enge tot.
Das scheint etliche Meerschweinchen-besitzer wohl dazu animiert zu haben, ihre Tierchen in diesen Buchten zu entsorgen, vermutlich weil sie dachten, etwas Gutes zu tun, wenn sie ihr scheinbar einsames Meerschweinchen mit meinen ebenfalls so einsamen Kaninchen vergesellschaften.
Ich meinerseits habe Meerschweinchen immer zu gleichgeschlechtlichen Pärchen zusammengepackt und dann so vermittelt.
Immerhin habe ich auf die Art und Weise herausgefunden, dass Meerschweinchen Grasfresser sind. Sie hatten sich nämlich das selbstgesammelte Frischkostmenü einträchtig mit den Kaninchen geteilt, die Kaninchen nahmen sich die Kräuter und die Meerschweinchen das Gras. Das Gemüse wurde gerecht aufgeteilt. Ansonsten - keine besonderen Vorkommnisse – also das heißt, Meerschweinchen sind laaaaaangweilig!
Immerhin bekamen die neuen Meerschweinchenbesitzer gleich noch eine vernünftige Anleitung zur Fütterung mit auf den Weg: Gras und Gemüse bitte, und Heu brauchen die Meerschweinchen zum Kuscheln. Tja ... irgendwann zogen wir um - in ein Haus mit viel Garten dran. Das war ideal für den Anbau von Futtergemüse für die Kaninchen. Allerdings sollte alles ganz anders kommen, denn die Kaninchen brachten mir recht schnell bei, dass sie nicht weiter in Buchten zubringen wollten! Weide ist besser für Kaninchen und das Futtergemüse wurde noch weit vor seiner Zeit von ausgebüxten Kaninchen ratzekahl vernichtet. In dieser Zeit kam dann auch noch Grand Dame zu mir - und die brachte mir bei: Meerschweinchen sind alles andere wie langweilig!
Ich glaube, ich sollte von vorn anfangen und Euch die Herzensgeschichte erzählen!
An Grand Dame Family und Blacky kam ich nur durch Zufall. Es war tiefster Winter. Der Räumdienst brauchte mal wieder wie üblich bis circa 16:00 Nachmittags, weil ja der Winter wie jedes Jahr überaus plötzlich über das Land herfiel und wirklich nichts darauf hindeutete, dass es im Dezember oder Januar mal Schnee oder sowas geben könnte. Meine Kaninchen erfreuten sich immerhin schon an ca. 2 qm Weidefläche und quittierten diesen eingeschränkten Lebensraum zunehmend mit Ausbrüchen und Erkundungen der Umgebung, denn immerhin hatte ich auf die Art und Weise keine Schwierigkeiten mehr, Kaninchen in Gruppen zu halten, der Platz unseres Grundstückes nebst sämtlicher Nachbargrundstücke reichte durchaus aus für die Gruppenhaltung. Während ich nun auf den Räumdienst wartete, hielt ein Bus und tat dasselbe, was sollte der Busfahrer auch anderes machen, wie auf den Räumdienst warten?
Der Busfahrer und ich kamen ins Gespräch über Gott und die Welt und die liebe Familie - und damit auch über die wechselnden Hobbies kleiner Familienmitglieder. Und wie es immer so ist, kam dann auch die Anfrage, wie es denn wäre, wenn das eine schon längst uninteressant gewordene Hobby zu mir übersiedeln könnte. Klar, kann es, hab ja den Platz, hab ja einen Garten.
Kaum waren die Straßenverhältnisse wieder befahrbar, kam dann auch das Hobby in Form von drei Käfigen, drei Meerschweinchen und einem Kaninchen. Ich hatte Grand Dame am Hals!
Der Busfahrer meinte zu Grand Dame, sie sei schwanger und würde sich deshalb nicht mit ihrem Sohn und ihrem Gatten vertragen. Deshalb seien die Herren der Schöpfung in einem Extrakäfig. Da Grand Dame eh schon jahrelang sehr produktiv war und ja eigentlich das Interesse nicht mehr bei den Meerschweinchen lag, lag schon beim Vorbesitzer die Idee nahe, den Gründervater der Grand Dame Dynastie samt Sohn in einen Käfig zu stopfen und Grand Dame im andern Käfig zu belassen. Es würden ja eh demnächst wieder vier Meerschweinchen in diesem Käfig sein (Grand Dame hat wohl grundsätzlich und immer genau drei Junge bekommen, nicht eines mehr, nicht eines weniger. Drei heißt die magische Zahl!)
Eine Warnung bekam ich mit auf den Weg: Bringe nie, niemals nicht dieses Kaninchen mit den Meerschweinchen zusammen! Die prügeln sich, bis Blut fließt.
Meine Kaninchen hatten sich nie mit Meerschweinchen geprügelt, wenn sie in ihren engen Buchten Meerschweinchen untergeschoben bekamen. Aber gut, nahm ich jetzt einfach mal so hin.
Über das tatsächliche Alter war zwar viel rauszubekommen, aber nix genaues! Also probiere ich einfach eine Rekonstruktion, soweit möglich; die ursprünglichen Namen der Meerschweinchen hatten wohl mit dem wechselnden Interesse der kleinen Familienmitglieder eh gewechselt und sie waren nicht wichtig - Meerschweinchen hören nicht auf ihren Namen und sind laaaaaangweilig!
Die Vorgeschichte:
Rührmichnichtan: Er ist der männliche Begründer der Grand Dame Family. Er war auch das erste Meerschweinchen, was als Hobby geholt wurde - ursprünglich wohl mit seinem Bruder. So sagten die Leute jedenfalls im Zoofachgeschäft. Sein Bruder starb relativ schnell, im Zoofachgeschäft wurde ihnen daraufhin erzählt, ein weiteres männliches Meerschweinchen geht ja nu‘ mal gar nicht, weil die sich nicht vertragen würden, nur Brüder würden sich vertragen und eine Dame - jo, das gäbe ja nu‘ mal Junge und wenn sie dieses nicht wollen... tja... wie wäre es mit einem Kaninchen als Partner?
Kaninchen und Meerschweinchen, die vertragen sich prima! Kloar, Kaninchen sind auch interessant und da saß ja Blacky noch im Geschäft...
Blacky: Also kam Blacky als Gesellschafter dazu, ein rabenschwarzes Kaninchen (mit rabenschwarzer Seele). Im Gegensatz zu dem, was ihnen im Zoofachgeschäft über das traute Zusammensein von Meerschweinchen und Kaninchen erzählt wurde, machte Blacky kurzerhand kurzen Prozess mit dem armen Rührmichnichtan, die arme Tochter konnte gar nicht so schnell das Kaninchen wieder aus dem Käfig entfernen, wie das Kaninchen den Rührmichnichtan zu zerlegen drohte. Eine böse Situation: Ein Meerschweinchen, ein Kaninchen und nur ein Käfig. Ach ja - und natürlich der Transportkäfig, mit dem das Kaninchen nach Hause transportiert wurde, oder genauer gesagt, ein schnöder Pappkarton, der sowohl von Meerschweinchen, als auch Kaninchen in Nullkommanix durchgefressen war.
Grand Dame: Klarer Fall, der Papa packte Tochter und Kaninchen ein, es ging zurück zum Laden - nur mussten sie sich dort anhören, gekauft ist gekauft und ist es gekauft, dann ist es gekauft, man hätte sich ja vorher schließlich auch informieren können.
Also, Zoofachhandel gewechselt, weil eine Lösung muss nun mal her (und dieser Laden wurde in Zukunft gemieden wie die Pest). Ein neuer Käfig wurde gekauft, samt guter Ratschläge, mehreren Büchern und – ja: Einem neuen Meerschweinchen: Grand Dame. Nun, Busfahrer sind ja nicht ganz doof, die wissen ja wohl, wo die Kinder wirklich herkommen. Also wurde erstmal vorsichtig abgecheckt, inwieweit das denn überhaupt mit dem Kerl zuhause gut gehen würde. Es ist anzunehmen, auch Meerschweinchenmänner möchten niemals freiwillig im Zölibat leben, wenn ihnen eine schnieke Dame vor die Schnauze gesetzt wird. Aber - das Zoogeschäft hatte klar versichert: "Kein Problem, bringen‘se die Jungen einfach her, sie bekommen sogar noch ein paar Märker dafür... "
Jo, also wenn das dann so ist...
(Dieweil hatte wohl das Kaninchen den Pappkarton aus dem ersten Zoofach-geschäft durchgenagt und Töchterlein hielt das Tier die übrige Fahrt auf dem Schoß fest.) So zog Grand Dame im Kinderzimmer ein. Grand Dame, die große Dame von Welt und dieser Hau ab:
Diese Zusammenstellung war eigentlich ganz glücklich gewesen. Familie war auch ganz glücklich. Die Meerschweinchen den Umständen entsprechend auch. Schließlich hatten sie viel Spaß und Grand Dame regelmäßig einen Dreierwurf, der dann entsprechend an die umliegenden Tiergeschäfte gegen Bares umgetauscht wurde. Das war prima Taschengeld für die kleinen Familienmitglieder. Das Ganze muss wohl mindestens drei Jahre lang so gelaufen sein, womit dann auch das Alter der Tiere ziemlich eingegrenzt wäre: Rührmichnichtan mindestens 5 Jahre, Grand Dame ca. 4 Jahre, Blacky ca. 5 Jahre, der Sohn Hau ab - höchstens drei. Weshalb dann ausgerechnet Hau ab bleiben durfte, ist nicht überliefert, aber er durfte halt bleiben. Erst im Käfig gemeinsam mit Vater und Mutter, später gab es dann einen weiteren Käfig, in welchem die beiden Herren regelmäßig ausquartiert wurden, wenn Grand Dame ihre legendären Würfe hinlegte. Grand Dame akzeptierte nämlich mit zunehmenden Alter keine Männlichkeit mehr auf so wenig Platz, wenn es darum ging, ihre Brut hochzuziehen. Gerade das Alter von Hau ab ist leider gar nicht mehr zu rekonstruieren. Er kann nicht älter wie drei Jahre gewesen sein, als er zu mir kam. Aber er war ausgewachsen und war "schon lange" dabei.
Rührmichnichtan war nicht anzufassen – also eigentlich doch – man konnte sehr wohl. Allerdings musste man dann damit leben, dass Rührmichnichtan das halbe Dorf zusammenschrie. Im Gegensatz zu Rührmichnichtan schrie Hau ab nicht, wenn man ihn anfassen wollte, sondern gab ordentlich Fersengeld... Bei mir ging es den Meerschweinchen erstmal nicht viel besser wie bei den Vorbesitzern. Blacky wurde mit den anderen Kaninchen vergesellschaftet und fristete nun ihr Leben auf wenigen Quadratmetern mit anderen Kaninchen.
Wie es immer so ist, nix läuft wie geplant. Die langweiligen Meerschweinchen entpuppten sich nämlich als das Gegenteil von langweilig - tja, wer eine Dame von Welt zu sich nimmt...
Das Ganze fing damit an, dass ich zum einfacheren Reinigen einfach das Oberteil vom Käfig abnahm und alles heraus-schaufelte - außer die Meerschweinchen natürlich, die sich in ihre Hütten dezent zurückzogen. Daraufhin stellte ich die Hütten um (was die Meerschweinchen dazu veranlasste, der Hütte zu folgen) und säuberte den ehemaligen Hüttenplatz. In diesen engen Käfigen und mit der vielen Frischkost aus dem Garten war das so circa etwa jeden Tag ein- bis zweimal nötig, sonst stank das ganze Zimmer und die Schweine lernten das Schwimmen. Schon alleine deshalb sollte man wohl besser Meerschweine NICHT in kleinen Kaufkäfigen von nur 1,60m Länge halten.
Das Reinigungsprozedere ging den ersten Tag eigentlich ganz gut. Nur am zweiten Tag fehlte im Käfig von Grand Dame das Meerschwein unter‘m Häuschen! Gut, wir kennen das ja, Meerschweinchen haben keine ausgeprägte Intelligenz. Wenn sie aus dem Käfig rauskommen, dann findet man sie immer an der Wand lang. Dachte ich zumindest.
War wohl falsch gedacht!
Das Zimmer hatte genau vier Wände und da war an wirklich allen vier Wänden auch nicht ein einziges Meerschweinchen zu sehen! Und nun?
Ja, Grand Dame war weg!
Einfach so!
Einfach unglaublich!
Also hatte ich erstmal in aller Ruhe Grand Dames Käfig fertiggemacht, ein wenig Frischkost in den Käfig geschmissen (viel passte da eh nicht rein) und den Trinknapf auf‘s Häuschen befördert. Danach fing die gründliche und systematische Suche nach Kleinnager an! Gibt da ein über Jahrzehnte trainiertes Programm bei mir, wie man am schnellsten Nager in Zimmern findet...
Problem an der Sache war nur, Grand Dame war auch mit diesem systematischen Suchprogramm in diesem sehr spartanisch eingerichteten Zimmer nicht zu finden! Aber dafür saß sie dann irgendwann gaaaanz unschuldig guckend im Käfig und lachte mich aus! (Ehrlich, die hat wirklich gelacht!) Und ich war die Geneeste.
Gut, Meersau war ja wieder da, und genau da, wo sie auch hingehörte, Deckel drauf und die ganzen Männer‘s reinigen. Wenigstens die verhielten sich dann auch vorschriftsmäßig langweilig.
Nach diesem Erlebnis hatte ich bei Grand Dame stets das Gitter auf dem Käfig gelassen zum Reinigen, allerdings blieb der Deckel vom Gitter auf. Klar, ich wollte ja irgendwie den Dreck aus dem Käfig heraus manövrieren und das geht nun mal nur, wenn irgendwo eine Öffnung da ist, durch die der Dreck gehoben werden kann.
Und außerdem war es ja auch nicht nötig, den Deckel ständig geschlossen zu halten, denn Meerschweinchen klettern im Gegensatz zu Ratten oder Mäusen nicht aus dem Käfig heraus.
Aber auch da belehrte mich Grand Dame eines Besseren, denn eines Tages war das zweite Mal keine Meersau mehr im Käfig zu finden! Also panisch Zimmer abgesucht - und im Gegensatz zu der vorherigen, systematischen Suche dabei gleich noch das Zimmer abgesteckt, mit Umzugskisten in gleichmäßige Quadrate aufgeteilt - kein Meerschwein zu finden - wie das erste Mal! Ich war verzweifelt. Ausgebootet von einer langweiligen Meersau, wo ich es doch sonst selbst mit äußerst intelligenten Ratten aufgenommen hatte und es sogar schaffte, die Stachelmäuse aus jeder Lebenslage einzufangen! Und ich sollte zu blöde sein, ein dummes Meerschwein in einem wirklich sehr übersichtlichen Zimmer zu finden?
Mit halbem Auge sah ich dann die liebe Grand Dame, wie sie quietschvergnügt (und mir eine Nase zeigend… Ich schwör‘s!) zur angelehnten Zimmertür hineinspaziert kam! Kein Wunder, wenn ich sie nicht fand, sie ist einfach nur unbemerkt zur Tür raus auf den Dachboden! Gibt nicht viele Tiere, die das können, - also unbeobachtet an mir vorbeischleichen. Dementsprechend wuchs meine Achtung vor Meerschweinchen im Allgemeinen und bei der Grand Dame im Besonderen langsam ins Unermessliche!
Meine einstige Meinung über langweilige Meerschweinchen wandelte sich mehr und mehr, ich fing an, mir einen Spaß daraus zu machen, Grand Dame wieder entkommen zu lassen, um zu sehen, wie raffiniert sie versuchte, an mir vorbeizuschleichen. Aber die Tür, die Grand Dame zu erreichen versuchte, blieb in bösartiger Weise fortan (beim Schweinchenreinigen grundsätzlich!) geschlossen und nicht nur angelehnt. Ich muss sagen: Gelernt ist gelernt!
Grand Dame wurde dicker und dicker, so
auch deutlich behäbiger.
In der Zwischenzeit bekamen sich die Herren der Schöpfung in die Wolle und das heftigst! Die einstige Männerfreundschaft funktionierte in der ganzen Vergangenheit vermutlich nur mit der vollen Dröhnung des Kuntibunti, buntes Meerschweinchenfutter mit grünen Kringelchen und roten Herzchen drin aus dem Tiergeschäft, nicht jedoch mit Gras und Gemüse aus dem Garten. Guter Rat war also teuer, ich musste zwangsweise eine Trennung vollziehen. Gut, dass ja inzwischen Blackys Käfig leer stand. Ich muss zugeben, die Meerschweinchenböcke waren nicht wirklich langweilig, sondern sie waren äußerst nervenaufreibend!
Getrennt waren die beiden Herren allerdings auch nicht sonderlich glücklich. Sie riefen einander, liefen nur noch am Gitter hin und her, was dem Andern am nächsten war und vermissten sich. Wurden sie zusammengesperrt, gab‘s Männerkeile. Das war kein Zustand, da musste wieder eine Lösung her.
Ich versuchte, die beiden Käfige einfach aneinanderzustellen und verband die Türen miteinander... Klappte ja auch halbwegs, bis dann sich Rührmichnichtan derartig am Gitter verhakte, dass er ohne meine Hilfe wohl bis zum St. Nimmerleinstag im Gitter festgehangen hätte und sich die Herren immer noch nicht wirklich aus dem Wege gehen konnten.
Also auch das war kein guter Zustand!
Die Lösung war aber dann ein kleiner, provisorischer Auslauf, in dem ich inzwischen Kaninchen hatte (immerhin verfügten die Kaninchen inzwischen über fast 4 qm Fläche!). Es war Sommer und es war warm genug, die Kerle flogen raus.
Für die beiden Herren muss das wie ein riesiger Dschungel gewirkt haben, mitten in diesem kleinen Abteil wuchs ein Hollerbusch, Gräser, die von den Kaninchen als nicht sonderlich schmackhaft eingestuft wurden und Brennesseln wucherten, - man braucht sich das nur mal aus der Meerschweinperspektive vorzustellen, wie riesig das ist und wie unheimlich groß die neuen Mitbewohner aussahen, immerhin handelte es sich um ausgewachsene Schlachtkaninchen bis zu 4 kg Gewicht!
Es dauerte nicht lange, bis die Herren merkten, dass von diesen Kaninchen keine Gefahr ausging. Man ging sich gekonnt aus dem Weg, und die im Käfig sich ständig streitenden Herren der Schöpfung blieben nun immer in Tuchfühlung und fingen an, die gesamte Fläche systematisch zu erkunden. Die Kaninchen wurden schwer beobachtet.
Rührmichnichtan blühte richtiggehend auf. Man sah ihm im Vergleich zur Käfighaltung richtig an, mit welcher Begeisterung er die ganzen diversen Gräser durchprobierte. Das Fell fing an zu glänzen, vorher im Käfig (bei gleicher Fütterung übrigens!) blieb es stumpf und fettig. Rührmichnichtan, der sich im Käfig gekonnt um sämtliche Gitterstäbe knotete und in seiner Ungeschicklichkeit nicht mehr wegkam, wurde nun äußerst geschickt, konnte aus Kisten herausspringen, steile Rampen erklimmen und über Äste springen. Mit leisen Tuc-Tuc-Lauten gaben die beiden Meerschweinkerle stets an, wo sie sich befanden, mit etwas lauteren Tuc-Tuc-Lauten gaben sie Bescheid, wenn ich kam, mit kurzen Pfeifen gemahnten sie sich zur Vorsicht, wenn Besuch kam... Tja, und dann, eines Tages, ging das große Torkeln los - etwas, was ich noch nie vorher an Meerschweinchen gesehen hatte!
Steifbeinig, so als hätten die Herren das Laufen verlernt und zudem noch in einem gleichmäßigen Wiege-Schritt umkreisten sich die beiden mit starkem und überaus lautem Geknatter! Ich beobachtete das erste Mal das Imponierverhalten von Meerschweinchen-Herren. Das Beobachten der beiden wurde überaus spannend! Die Meerschweinchen hatten also richtig etwas auf den Kasten, wenn sie Platz hatten! Ich war fasziniert. Es ist Wahnsinn, was mir in den Jahren zuvor alles entgangen war und ich habe es nicht gemerkt, dass es an meiner Haltung lag!
Grand Dame war offenbar auch nicht schwanger, der Busfahrer hatte sich wohl geirrt, schließlich war es nun schon fast zwei Monate her und es wurden keine Jungen geboren. Dafür wurde sie bei der reichhaltigen Wiesenkost immer dicker und dicker und bekam so langsam und sicher eine bedenklich birnenförmige Gestalt. Zwar würde das schon dafürsprechen, dass sie schwanger war - aber eine Tragzeit von über acht Wochen bei einem Nager?
Nee - Never!
Außerdem hatte sie gar keine Anstalten gemacht, ein Nest zu bauen. Wie auch immer, das mit dem täglichen ein- bis zweimal Saubermachen ging mir ja stark auf den Senkel - aber sowas von! Also flog auch Grand Dame raus - aber achtkantig!
Sie bekam ein wundervolles 1 qm Stück Wiesenfläche für sich ganz allein. Und die Umzäunung wurde dann auch regelmäßig weitergesetzt, damit sie immer schön was zu futtern hatte. Kein Saubermachen mehr, weniger Pflücken - ja, so schön einfach kann Tierhaltung sein!
Eines Tages nach dem Umsetzen lief Grand Dame ganz aufgeregt an einer Seite des Zaunes lang. Ich konnte mir keinen Reim draufmachen. Grand Dame muss wohl verrückt geworden sein, ganz einfach! Die ließ sich nämlich gar nicht mehr von ihrem stereotypen Hin- und Herlaufen abhalten - und nach was sollte sie da auch schauen?
Die Männer jedenfalls, falls sie die hörte, waren schließlich in einer ganz anderen Richtung zu finden!
Grand Dame fing schließlich in ihrer Verzweiflung an lauthals zu quieken
Also ganz ehrlich, ein Futterquieken ist dagegen leise!
Ich stand direkt daneben, ihr glaubt gar nicht, wie ich mich verjagt hatte! Auf das Quieken war auch prompt dann ein dreifaches deutlich leiseres Quieken zu hören - aus genau der Richtung, in die auch Grand Dame wollte!
Ja, ich war hilflos! Was sollte ich tun?
Ich ließ sie frei - und sie lief ‚stante pede‘ in die nächste Brombeerhecke und ward nicht mehr gesehen. Tja - war dann wohl mein Fehler.
Ich bin also rein ins Haus und hab mich mit Gartenschere, Handschuhen und allem beladen, was man halt so braucht, um eine Brombeerhecke um ein Meerschweinchen drum herum wegzuschneiden und das Meerschweinchen derweil daran zu hindern, die nächste Brombeerhecke aufzusuchen. Allerdings stellte es sich dann heraus, es war alles unnötig, denn Grand Dame kam mir fröhlich wieder entgegengewatschelt. Im Schlepptau hatte sie drei munter durch die Gegend laufende Kleinstausgaben von Meerschweinchen!
Grand Dame war so freundlich, ganz von alleine zufrieden mit Zwergen-Anhang in ihr abgeteiltes Stückchen vom Wiesenauslauf zu watscheln.
