Grausam und wahr - Klaus Konstantin - E-Book

Grausam und wahr E-Book

Klaus Konstantin

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Beschreibung

JA! Hier geht es ans Eingemachte! Hier wird enthüllt und aufgeklärt. Hier kannst Du Deine eigene, individuelle und vergessene Wesensart erkennen, anschauen und wiederbeleben. Deine von klein auf in Perfektion erlernten Vermeidungs- und Verschleierungs-Konzepte werden auffliegen auf und Du wirst Dir Deiner natürlichen Größe wieder bewusst. NEIN! Dieses Buch ist eindeutig keine weitere Eso-Anleitung wie Du endlich bedingungslose Liebe oder die viel gerühmte Selbstliebe als Lebensform in deinen Alltag integrieren kannst. Dieses Buch spricht über echte Liebe, über eine Liebe die nicht ergebnis- sondern erlebnisorientiert ist! Sowas geht unter die Haut und das hat in der Regel Folgen. Du wirst Dir der Mauern Deines Gefängnisses bewusst, zumindest dann, wenn Du Dich dafür öffnest. Wir glauben, dass es an der Zeit ist, die Liebe von all den Vorstellungen und Illusionen zu entwöhnen, die wir ihr übergestülpt haben. Diese Zeit ist jetzt. Liebe ist mehr als unsere Vorstellung von ihr. Sie ist radikale Unabhängigkeit und unentwegte Grenzerfahrung. Sie hält nicht viel von Ruhe und Frieden und ihre Auffassung von Harmonie könnte nicht gegensätzlicher sein von dem, was wir hoffen. Liebe zerstört Grenzen und Gewohnheiten, sie ist ständige Herausforderung und Evolution. Liebe will nichts anderes als Deine ständige Entwicklung. Sie ist widersprüchlich, sie ist absolut stark und absolut schwach. Kein Wunder also fasziniert und ängstigt uns die Liebe in gleichem Masse, steht sie doch auch im Spannungsverhältnis mit dem Unbekannten in uns, mit dem dunklen und abgründigen Teil, der unvermeidlich ans Licht und zu seiner Entdeckung strebt. Schlussendlich bedeutet Liebe daher nichts anderes als zu leben! Wie sehr liebst Du? Wie sehr lebst Du?

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Seitenzahl: 127

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Was Dich erwartet

KAPITEL 1

UNANGENEHMES SELBSTGESPRÄCH

1.1. Trennungsschmerz

1.2. Verlustangst

1.3. Kontrollverlust

1.4. Selbst-Aufgabe

KAPITEL 2

ANGST

2.1. Selbst-Lüge

2.2. Polarität

2.3. Selbst-Beobachtung

2.4. Beziehungssucht

2.5. Die Krise

2.6. Angst vor der Zukunft

KAPITEL 3

STERBEN

3.1. Angst vor dem Prozess des Sterbens

3.2. Ich-Gedanke

3.3. Angst ist Krieg

KAPITEL 4

SUCHT

4.1. Selbst-Optimierung

4.2. Sucht als abgelenkte Suche

4.3. Kontrolle als Illusion

4.4. Gefühle und Erfahrungen

4.5. Die äußere Welt

KAPITEL 5

DIE SCHNITTSTELLE

5.1. Körperbewusstsein

5.2. Bewusstsein

5.3. Lebendig sein

5.4. Ursache und Wirkung

5.5. Er-innern

5.6. Objektivität

5.7. Das Drehbuch

5.8. Dein Unvermeidliches

5.9. Gedanken

5.10. Rollenbewusstsein

5.11. Leidenschaft

KAPITEL 6

LIEBE

6.1. Liebe ist Evolution

6.2. Verliebt-sein

6.3. Gleichwertigkeit

6.4. Niemand-sein

6.5. Liebe ist Grenzerfahrung

6.6. Verschmelzungs-sehnsucht

KAPITEL 7

PARTNERSCHAFT

7.1. Der Widerspruch

7.2. Bedeutung

7.3. Begrifflicher Bezugsrahmen

7.4. Kompensation

KAPITEL 8

DAS SCHRECKLICHE

8.1. Himmel und Hölle

8.2. Neutralität

8.3. Schöpfer deiner Gefühlsrealität

8.4. Unmittelbarkeit

8.5. Zerstörung

8.6. Differenzierung

8.7. Grenzen

KAPITEL 9

HEILUNG

9.1. Selbst-Verantwortung

9.2. Verbindlichkeit

KAPITEL 10

LEBEN

10.1. Wirklich-sein

10.2. Leben aus der Kraft der Quelle

10.3. Wahrheit

10.4. Todessehnsucht

10.5. Vollkommenheit

10.6. Geist

KAPITEL 11

SINN

ANHANG

DIE AUTOREN

Kapitel 1

Unangenehmes Selbstgespräch

Wenn du dieses Buch in die Hand nimmst und mit Lesen beginnst, richten sich die Worte, die darin stehen, direkt an dich. Das wird dir mit ziemlicher Sicherheit unangenehm sein. Du wirst dir beobachtet und bewertet vorkommen. Vermutlich wirfst du das Buch wütend in eine Ecke und kommst nicht über die ersten acht Seiten hinaus, wenn du erwartest, von ihm an die Hand genommen und geführt zu werden. Denn die Wahrheit ist, dass alles das, was du erwartest, dir dieses Buch nicht geben wird.

Während dem Lesen wirst du herausfinden, dass eine echte Beziehung mit dir selbst einzugehen wohl etwas gänzlich anderes bedeutet, als du bislang angenommen hast.

Einem wahrhaft freien Menschen zu begegnen, ist tödlich. Eine wahrhaftige Begegnung mit dir selbst ist tödlich. Tödlich für jede Art Vorstellung, die du bislang von Beziehungen hattest.

Du wirst in diesem Buch direkt angesprochen, weil es hier nur um dich geht. Sätze mit dem unverbindlichen „man“ sind selten, weil dieses Buch verbindlich sein will. Die Sätze, die darin stehen, wollen dich mit dir verbinden. Das kann, je nachdem, wie du es sehen willst, schmerzhaft, unangenehm und hässlich sein.

Wenn du aber die schonungslose Konfrontation mit dir selbst nicht scheust, die dieses Buch dir anbietet, wirst du ihm lauschen können. Denn du lauschst, wenn du es aufrichtig liest, nur dir selbst. Deiner eigenen, radikalen Bereitschaft, dir schonungslos zu begegnen, deiner unnachgiebigen Neugierde und der gnadenlosen Liebe zu dir.

Liebe braucht Zeit, sich zu entwöhnen von all den Vorstellungen und Illusionen, die wir ihr übergestülpt haben. Und diese Zeit ist unmittelbar; sie ist jetzt.

Das Buch ist in einzelne Kapitel und diese wiederum in Unterkapitel gegliedert. Du findest einzelne Abschnitte mit konkreten Fragestellungen an dich. Diese Fragen dienen zur Selbstreflektion. Lies sie und lass sie auf dich wirken. Das Buch ist ein Handbuch und will dir als Arbeitsinstrument dienen. Nutze es, wenn du es passend findest für dich. Und mit passend meine ich nicht unbedingt bequem.

1.1. TRENNUNGSSCHMERZ

Der Gedanke, getrennt zu sein von deiner Liebe zu dir selbst, ist der tiefste Schmerz, den du fühlen kannst, wenn du ihn tatsächlich fühlen würdest. Aber das tust du nicht. Aus dem einfachen Grund, weil es unangenehm ist, dich als getrennt von dir selbst wahrzunehmen. Damit ist klar, dass alles, was wir tun, einzig dem Zweck dient, uns von dem schmerzhaften Gefühl der Leere in uns abzulenken.

Wir suchen nach einem Schuldigen im Außen. Unseren Partner, unsere Familie oder irgendein anderer Umstand, der sich anbietet, das innere Drama nach außen zu verlegen.

Jede Suche nach Linderung dieses Schmerzes ist ein Konstrukt deines Geistes. Jede Verlagerung ist eine Ablenkung von dir. Du lenkst dich selbst von dir ab. Und wenn du die Wirkung dieser Ablenkung prüfst, merkst du ziemlich schnell, dass sie nichts anderes tut, als den Gedanken der Trennung zu unterstützen und zu stärken. Denn sie trennt dich von dir. Deine ganzen Vorstellungen, wie es sein sollte, hindern dich daran, deine wirklichen Gefühle wahrzunehmen und sie zuzulassen.

Der Gedanke, du seist nicht in Ordnung, so wie du bist, ist schmerzhaft. Du glaubst, etwas zu deiner Heilung tun zu müssen, und versuchst in der Folge, anders zu werden, als du bist. Du bist überzeugt, etwas „Falsches“ getan zu haben, und der Schmerz, den du empfindest, sei deine gerechte Strafe.

Alles, was du damit erreichst, ist die Verstärkung des Trennungsschmerzes in dir. Dieser Schmerz ist ein Gedanke des Mangels und er muss von deinem Ego-Ich ständig aufrechterhalten werden, denn er ist, wie jeder Gedanke, nicht real.

Eine Strategie unseres Ego-Ichs, diesen Gedanken an einen Mangel aufrechtzuerhalten, ist die unentwegte Suche, dem Schmerz zu entkommen. Die Suche hält uns in Kompensation und Ablenkungsmanövern gefangen. Kompensation sind die Muster, nach denen wir leben und von denen wir vermutlich schon lange spüren, dass sie nicht mehr passen.

Dem bodenlosen Schmerz zuzustimmen, uns von uns selbst getrennt zu haben, lässt die sorgsam errichteten Mauern eine nach der andern einstürzen, und was dann übrigbleibt, ist unsere ungeschützte Nacktheit. Dieser Prozess der Selbst-Demontage ist mit Bestimmtheit nicht angenehm, aber darum geht es nicht. Deine tiefste Sehnsucht will sich entwickeln und das ist das Einzige, was deinen Kern tatsächlich interessiert. Deine Entwicklung ist das Echte in dir, das sich endlich zeigen möchte.

Diesen unerklärbaren Schmerz zuzulassen, bedeutet, zuzugeben, dass du angekommen bist. Es bedeutet, dir selbst einzugestehen, dass du niemals weggegangen bist und dir – und somit allen Anderen auch – nur vorgemacht hast, dich selbst verloren zu haben. Dieser Schmerz ist unerklärbar, weil es nichts an ihm zu verstehen gibt. Er ist einfach. Und wenn du ihn nicht mehr verstehen willst, bist du bereit, ihn zuzulassen, denn du willst ihn nicht mehr kontrollieren.

Loslassen geschieht im Zulassen des Schmerzes, dich über dich selbst getäuscht zu haben.

SELBSTREFLEKTION

WESHALB HABE ICH DIE LÄNGSTE ZEIT MEINES LEBENS ETWAS ANDERES VON MIR GEZEIGT ALS DAS, WAS TATSÄCHLICH IN MIR IST?

WAS HABE ICH BEKOMMEN FÜR DIESES VERKEHRTE BILD, DAS ICH ABGEGEBEN HABE VON MIR?

SICHERHEIT? BEQUEMLICHKEIT? ANSEHEN?

AM EHESTEN WOHL DIE BESTÄTIGUNG DESSEN, WAS ICH NICHT BIN!

Alles, was nach Bestätigung sucht, kann nicht wirklich echt sein. Denn es ist abhängig. Es ist abhängig von seiner Bestätigung. Deshalb suchen wir auch ständig nach einem Schuldigen, den wir verantwortlich machen können für unser Leiden.

Anstatt uns selbst zu antworten, fragen wir lieber den Anderen. Wir wollen unter keinen Umständen die Verantwortung übernehmen für das, was wir fühlen. Die Wahrheit ist, dass wir es vorziehen, abhängig zu sein, weil es bequemer ist.

1.2. VERLUSTANGST

Aus dem Gedanken der Trennung gebiert sich die Angst vor Verlust.

Wenn wir glauben, etwas bekommen und besitzen zu können, dann müssen wir auch daran glauben, dass es uns wieder abhanden kommen kann. Somit bestätigen wir die Suche nach Bestätigung von außen ständig selbst. Wir leben in dieser scheinbar ausweglosen Schlaufe. Unser Leben wird zum Hechelplatz. Wir lechzen alle nach der Wurst, von der wir nicht einmal wissen, wie sie überhaupt schmecken soll.

Wie wäre es einmal mit der Perspektive, uns einfach hinzusetzen und zu schauen, was von ganz alleine zu uns kommen will?„Nein!“, schreit unser Ego-Ich da laut. Denn das wäre ja viel zu einfach.

Das, was echt ist in dir, sucht nicht.

Es kann nicht suchen, denn es weiß überhaupt nicht, was suchen bedeutet. Ihm fehlt nichts, denn es lebt in seinem eigenen Selbstverständnis. Das Wahre in dir ist vollkommen selbstverständlich für dich. Die Leichtigkeit, nach der du dich sehnst, liegt in deinem Echt-Sein, nicht in der Kompensation. Kompensation ist Kontrolle und Kontrolle ist immer anstrengend.

SELBSTREFLEKTION

WIE OFT AM TAG STELLE ICH MIR DIE FRAGE NACH MEINER LEBENS-AUFGABE?

WOZU DAS GANZE? WAS HAT ES FÜR EINEN SINN, WAS IST DER ZWECK?

Wenn du an einer wirklichen Antwort interessiert bist, kommst du nicht umhin, deine Fragen ohne Wenn und Aber zu leben. Das heißt, die Antworten nicht zu scheuen, die dir dein Leben anbieten. Selbst dann nicht, wenn sie dir absolut abwegig und vollkommen unverständlich und unvereinbar erscheinen. Vor allem dann nicht.

Aufgabe ist Auf-gabe. Wahre Aufgabe bedeutet, auf unsere ganzen Beschäftigungsprogramme zu verzichten und aufzuhören, die Suche, die zur Sucht geworden ist, mit dem wirklichen Leben zu verwechseln. Uns das Leben zu wünschen und es gleichzeitig zu betrügen, indem wir es zu kontrollieren versuchen.

Aufgabe ist, sich hinsetzen und den eigenen Antworten lauschen.

1.3. KONTROLLVERLUST

Jede Sucht ist der verzweifelte Versuch, das Unkontrollierbare zu kontrollieren, und in dem Vorhaben scheitert sie immer. Denn sie ist nicht echt.

Abhängigkeit macht verzweifelt, weil wir in Wahrheit an ihr zweifeln. Im Grunde wissen wir, dass sie nicht wirklich existiert und doch fühlt sich die Verzweiflung echt an. Diese Zerrissenheit spiegelt den Kampf, den wir kämpfen. Wir kämpfen gegen unsere innere Wahrheit. Es ist unsere Unabhängigkeit, die uns die größten Probleme macht. Weil wir sie nicht kennen, fürchten wir uns vor ihr.

Jede Sucht ist somit der Kampf um die Realität einer Fiktion. Und sie kann uns dermaßen einnehmen und besetzt halten, dass wir tatsächlich glauben, sie sei unser ganzes Leben.

SELBSTREFLEKTION

IM WIDERSTAND ZU SEIN MIT DER WIRKLICHKEIT KOSTET MICH UNGEHEURE ENERGIE. WESHALB TUE ICH DAS?

WAS BEKOMMT MEIN EGO-ICH FÜR DIESE STRAPAZEN?

Wenn es bloß Schein-Kontrolle geben kann, führt Kontrolle auch nur zu vermeintlicher Sicherheit.

WAS GIBT ES ZU KONTROLLIEREN, WENN ICH IN WAHRHEIT NICHT AUS MEINER ORDNUNG FALLEN KANN?

WENN ALLES SO, WIE ES IST, VOLLKOMMEN IN ORDNUNG IST, WAS HABE ICH DANN NOCH ZU VERLIEREN?

WAS WÜRDE GESCHEHEN, WENN ICH ALLEM, WAS MICH AUSMACHT, EINMAL EINFACH ZUSTIMMEN WÜRDE, ANSTATT WIE GEWOHNT IN DEN WIDERSTAND ZU GEHEN?

Wirkliches Zulassen ist ein Zulassen, das wirkt.

Uns als Wirkungsfeld in der Welt zuzulassen mit allem, was in uns angelegt ist, macht Angst. Solange uns die Angst vor dem Leben beherrscht, kennen wir einen Bruchteil von dem, was uns ausmacht. Wir bringen ungeheure Energie auf im Versuch, die Neugierde nach uns selbst zu zähmen.

Wir glauben vielleicht, den Teil zu kennen, den wir scheinbar domestiziert und gesellschaftstauglich gemacht haben. Denn wer will schon gerne anders sein und „nicht normal“ wirken? Den Unbekannten aber in uns, den wollen wir nicht kennen. Denjenigen Teil von uns, den die Sehnsucht umtreibt. Wir fühlen ihn als schmerzhafte Abwesenheit, als diffuse Erinnerung. Wir sagen: „Es fehlt etwas!“ Aber wir können nicht sagen, was.

Hinter der Neugierde nach uns selbst steckt die Sehnsucht. Hinter deiner momentan größten Angst liegt gleichzeitig deine Sehnsucht verborgen.

SELBSTREFLEKTION

WAS HINDERT MICH DARAN, DIESEN SCHMERZ, MICH VON MIR SELBST GETRENNT ZU HABEN, ZUZULASSEN?

WAS HABE ICH ANDERES ZU VERLIEREN ALS DAS VERDREHTE BILD MEINER SELBST?

1.4. SELBST-AUFGABE

Die unmittelbare Aufgabe in unserem Leben ist immer die Auf-gabe dessen, woran sich unser Ego-Ich gerade am heftigsten klammert. Und das ist immer das, worin es seine Sicherheit und Stabilität sucht. Deshalb bringt dich die Frage, was dir momentan am meisten Angst macht und was unter keinen Umständen geschehen dürfte, zuverlässig an den Punkt in deinem Leben, wo es weitergeht.

Deine Entwicklung schert sich nicht im Mindesten darum, ob dir das angenehm ist oder nicht. Denn es geht in deinem Prozess nicht darum, was du willst. Du könntest dir für einmal die Frage stellen, was du wollen sollst in deinem Leben, anstatt weiterhin irgendwelchen Vorstellungen hinterherzurennen. Denn es kann keine Lösung für ein Ich geben, höchstens die Lösung von ihm.

Und damit ist nicht gemeint, von nun an ohne Identität durchs Leben zu rennen. Selbst-beobachtend auf die eigene Geschichte zu schauen, macht das Leben bunt, mehrschichtig und intensiv. Selbstbeobachtung ist nicht fixiert auf die eine Lieblingsrolle von uns, die bereits alles zu kennen und einzuordnen meint. Selbstbeobachtung lässt andere Perspektiven zu. Sie ist offen. Und in dieser Offenheit kann tatsächlich alles geschehen.

Unser Ego-Ich macht uns glauben, Kontrollverlust sei schmerzhaft. Wir sind alle abhängig von unseren selbstgebastelten Sicherheitsmustern und gleichzeitig sehnen wir uns nach dem notwendigen Kontrollverlust. Unsere Leben finden in einer ständigen, innerlichen Anspannung und Zerrissenheit statt und im Grunde wollen wir nichts anderes, als einfach mal loszulassen. Wir alle wollen für einmal so richtig gut und gründlich die Fassung verlieren.

An diesem Wunsch gibt es nichts zu bewerten. An ihm ist nichts Abnormales. Und wenn schon, dann ist „abnormal“ hier passend, denn es geht um dein eigenes Selbst-Verständnis. Dieses ist niemals in der sogenannten „Normalität“ da draußen zu finden. Du findest es einzig und allein in dir. Es findet dich, wenn du dich finden lässt. Dafür müsstest du aber einmal stehen bleiben, wo du bist, anstatt wie bisher ständig vor dir selbst davonzulaufen.

Dieses innere Stehenbleiben ist der radikale Perspektivenwechsel, den du dir wünschst und den du nicht benennen kannst. Halt, Stopp! Anstatt andauernd die Frage zu stellen, was du vom Leben haben kannst, stellt sich mit einem Male die Frage, was das Leben eigentlich von dir will. Und dann wird es spannend.

Kapitel 2

Angst

Liebe zu dir ist, was geschieht, wenn alle deine gewohnten Filter von dir abfallen und du bereit bist, auf alle äußeren Sicherheiten zu verzichten. Wenn du unten angekommen und aufgeklatscht bist. Wenn deine größte Angst als allerletztes Auffangnetz mit dir zusammen durchgerissen ist. Wenn du nicht mehr anders kannst, als alle deine Glaubenssätze, emotionalen Schutzprogramme, jedes Bewertungssystem und somit jede äußere Struktur aufzugeben. Wenn sich dein nackter Kern in der schutzlosen Preisgabe an dein Leben selbst erfährt. Wenn dein Kern dir als deine innere Wahrheit begegnet. Wenn der Tod dir näher ist als das Leben, dann ist da Liebe. Die brutale, rohe Liebe zu dir selbst, der du nicht anders begegnen kannst als über genau den Lebensweg, den du gegangen bist, um dort anzukommen, wo du jetzt bist – bei dir.

Deine Liebe führt dich mitten hinein in deine größte Angst. Und nur die Konfrontation mit der Angst führt dich zu deiner Liebe. Es kann nicht anders sein, denn der Prozess der Selbsterkenntnis ist ein Weg durch die Angst.

Die Angst ist der Wegweiser.

Es ist unmöglich, sich selbst zu begegnen, ohne sich erst vor seiner wahren Größe zu Tode gefürchtet zu haben. Die Begegnung mit sich selbst beinhaltet ständiges Wachstum und somit ist es eine Notwendigkeit, an Grenzen zu stoßen und sie dann auch zu überwinden. Oftmals sind diese Grenzüberwindungen mit heftigen Kämpfen und inneren Widersprüchen verbunden.

Aber wie sollen wir vertrauen, wenn uns ständig wieder der Boden unter den Füßen weggezogen wird? Wenn heute bereits schon nicht mehr gültig ist, was gestern noch galt? Was wird dann morgen sein? Worauf ist tatsächlich noch Verlass? Wo gründet unser Boden?

Die Sehnsucht, deine Lebensidee in aller Kompromisslosigkeit und Selbstverantwortung zu verkörpern, schließt die Auseinandersetzung mit deinen tiefsten Ängsten mit ein.