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Sich stabil und von der Erde getragen zu fühlen, ist des Menschen Geburtsrecht. Leider gleiten wir immer wieder aus diesem vertrauensvollen Zustand heraus: Negative Konditionierungen, erlittene Verletzungen und eine ungünstige Lebensweise können zu Blockaden führen, die unsere Verbindung zur Erde unterbrechen und uns regelrecht abheben lassen. Dies kann psychische Probleme und physische Erkrankungen nach sich ziehen. Die Sehnsucht nach unserem Urzustand aber tragen wir weiter in uns - nur haben wir vergessen, wie wir zu ihm zurückgelangen können. Für diesen Weg bietet der umfangreiche Ratgeber eine ausführliche Begleitung. Er beleuchtet das Phänomen "Erdung" von allen Seiten. Neben einer theoretischen Analyse zu Ursachen und Auswirkungen fehlender Erdung bietet er einen großen Praxisteil mit den Schwerpunkten: - Achtsame Auseinandersetzung mit der eigenen Innenwelt (Entwicklung von Achtsamkeit im Umgang mit Gedanken, Gefühlen und Reaktionen auf die Außenwelt) - Einrichten eines geerdeten Alltagslebens (Verankerung in der Sinnenwelt, erdende Tätigkeiten, ausgeglichene Lebensweise, Entspannungsformen) - Rückverbindung zur Natur (Pflanzen- und Tierwelt, Jahreszeiten, die vier Elemente) - Sensibilisierung der Körperwahrnehmung (Wahrnehmungsübungen) - Erdungsübungen (für Meditation und Alltag) - Visualisierungen zu Erde und Natur Die Autorin Katja Sündermann verknüpft geschickt wissenschaftliche Erkenntnisse mit ihren eigenen praktischen Erfahrungen, die sie mit feinem Humor präsentiert. Sie bietet eine Schatztruhe an Anregungen und Tipps und schöpft dabei aus unterschiedlichsten Disziplinen wie Philosophie und Psychologie, Religionsgeschichte und Mythologie, Naturwissenschaft und Ethnomedizin, Ayurveda und Humoralmedizin, Aromatherapie und Naturheilkunde, Naturmystik und Schamanismus, Buddhismus und Achtsamkeit sowie die körperbasierte Meditationsarbeit von Rudi Baier, Hetty Draayer und Karlfried Graf Dürckheim.
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Seitenzahl: 485
Veröffentlichungsjahr: 2023
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I. Einführung
Was bedeutet Erdung?
Mein Weg zu mehr Erdverbundenheit
Wenn Erdung fehlt
Erdung – eine positive Definition
Wege der Erdung – Navigation durch das Buch
Was lässt uns abheben? – Mögliche Ursachen fehlender Erdung
Historische Entwicklungen
Kollektive Ursachen
Individuelle Ursachen
Erdung kommt von Erde
Die Erde als unser Heimatplanet
Die Erde als belebtes Bewusstsein
Earthing, Grounding
Erde als Substanz
Erde als Element
II. Unser Innenleben
Gedankenwelt
Denken als Mechanismus
Konstruktiver Umgang mit dem Denken
Der innere Antreiber
Gefühlswelt
Die Funktionen unserer Gefühle
Konstruktiver Umgang mit negativen Gefühlen
Die Crux mit den positiven Gefühlen
Umgang mit (negativen) Lebensereignissen
Wertung als Mechanismus
Beispiel Erkrankung: die Pfeile des Leids
Ho'oponopono – das Vergebensritual
Zu den eigenen Wurzeln finden
Die Bedeutung unserer Wurzeln
Umgang mit Traumata und kollektiven Verletzungen
Erinnerungsarbeit
III. Wie wir uns im Alltag erden können
Unsere Sinneswahrnehmungen als Anker
Hören
Riechen
Exkurs: Aromatherapie
Tasten und Fühlen
Sehen
Die inneren Sinne
Erdende Tätigkeiten
Arbeitswelt
Hausarbeit
Gärtnern
Handwerk, Handarbeit und andere kreative Tätigkeiten
Bewegung und Sport
Unsere Lebensweise als Schlüssel zur Erdung
"Licht und Luft" – Umwelteinflüsse
Klima
Wohnen
Kleidung und Schmuck
Speis und Trank
Bewegung und Ruhe
Schlafen und Wachen
Wie Therapien und Entspannungsmethoden uns erden können
Körperliche Anwendungen
Entspannungsmethoden
Psychotherapien
IV. Wie wir uns mit der Natur verbinden können
Die Welt des Gesteins: Berge, Höhlen und Steine
Exkurs Heilsteine
Die Welt der Bäume
Der Wald
Die Welt der Pflanzen
Wildkräuter
Heilpflanzen
Erdende Heilpflanzen
Räuchern
Die Welt der Tiere
Die geistige Verbindung zu Tieren
Erdende Krafttiere
Die Elemente
Wasser
Feuer
Luft
Die Jahreszeiten
Indirekte Zugänge zur Natur
V. Praxisteil Übungen
Einführung in die Körperarbeit
Wie wir uns wieder mehr mit unserem Körper verbinden können
Die Bedeutung einzelner Körperbereiche
Gebrauchsanweisung für die Übungen
Die Übungen
1. Übungen im Stehen
2. Übungen im Gehen
3. Übungen im Sitzen
4. Übungen im Liegen
5. Visualisierungen
Ausblick
Dankeschön
Anhang
Literaturverzeichnis
Der Begriff Erdung stammt aus der Elektrotechnik und steht für eine Verbindung zum Erdboden, die elektrische Ladung neutralisieren soll. Damit schützt sie vor Stromschlag, Überspannungen und elektrischen Feldern. Bezogen auf den Menschen ist der Begriff weniger klar definiert. Er wird heute gerne in psychologischen1 und spirituellen Kontexten benutzt und betont unsere Verbundenheit zur Erde, zum Körperlichen, zur äußeren Realität und zum Praktischen. Wir sind Wesen, die sich zwischen Himmel und Erde bewegen, und benötigen daher den Kontakt zu beiden. Da in unserer Gesellschaft seit den letzten Jahrzehnten – oder gar Jahrhunderten – ein starker Trend zur Betonung der "Himmels"-Eigenschaften vorherrscht, fehlt es uns mehr und mehr an Verbindung zur Erde. Viele von uns haben in den stressigen und kopfbetonten Zeiten heute den Erdkontakt verloren: Wir schweben in einer Cyberwelt, sind von unserem Körper entfremdet und haben nur noch wenig Bezug zur Natur, um nur einige Punkte zu nennen.
Auch unsere religiösen Praktiken bieten oft wenig Ausgleich: Die patriarchalisch geprägten Religionen2, denen die Mehrheit der Weltbevölkerung folgt, huldigen einem Dualismus, der die geistige Welt verherrlicht und die Erde, das Körperliche und Materielle, die Natur und das Weibliche, stark abwerten. Alternative spirituelle Lehren berücksichtigen oft nicht, dass wir bereits die Bodenhaftung verloren haben und lassen uns weiter abheben – was sich vielleicht erst einmal ganz gut anfühlt, aber keine ganzheitliche Lösung bietet. Die Folgen von all dem können körperliche und seelische Probleme sein, die auch zu schwerwiegenden Krankheiten führen können (ganz zu schweigen von den gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Fehlentwicklungen, die zur Zerstörung unserer eigenen Lebensgrundlage führen).
Allerdings erhalten wir selten die Diagnose "fehlende Erdung". Daher schätze ich mich glücklich, dass ich sie in meinem Leben immer mal wieder zu hören bekommen habe: von meinem Meditationslehrer, von Freund*innen und selbst schon einmal von einem Arzt. So erhielt ich einen Anhaltspunkt, was mit mir nicht stimmte – von alleine wäre ich nie darauf gekommen! Leider gehöre ich zu den Menschen, die "von Natur aus" nicht so gut in der Erde verwurzelt sind. Und im Laufe meines Lebens geriet ich immer wieder in Situationen, in denen ich wahrhaft um Erdung ringen musste. Ich bin also selbst von Erdungsproblemen betroffen. Daher weiß ich sehr genau, wie es sich anfühlt, nicht gut geerdet zu sein. Wenn einem dieser Zustand allerdings zur Normalität geworden ist, fällt es schwer, ihn als solchen zu erkennen – insbesondere, wenn er erst einmal nicht mit offensichtlichen Problemen einhergeht, wie es bei mir der Fall war. Meine Mitmenschen behaupteten zwar schon einmal, ich sei ein bisschen "abgehoben", aber ich fühlte mich eigentlich recht normal. Und da ich mit meiner Art des Daseins sogar erfolgreich war, beispielsweise in der Schule, in der das abstrakte Denken eher noch gefördert wurde, und später im Beruf, gab es keinen Grund zur Beunruhigung.
Erste Kratzer bekam mein Selbstbild auf meinen Reisen nach Asien und in den Nahen Osten nach dem Abitur. Ausgehend von der Annahme, dass wir Menschen irgendwie alle gleich "ticken", stellte ich bald fest, dass es da doch gewaltige Unterschiede zu geben scheint, und zwar nicht nur auf der kulturellen Ebene – damit hatte ich ja gerechnet –, sondern in Bezug auf unsere Art, DA zu sein. Als erstes fiel mir auf, dass viele Menschen weniger kopflastig unterwegs waren als ich. Schon andere europäische Traveller aus südlicheren Ländern kamen viel lockerer, emotionaler und anscheinend weniger nachdenklich daher, als ich es von mir und meinen Landsleuten gewohnt war. Die einheimischen Menschen überraschten in dieser Hinsicht noch mehr: Erst hielt ich es für Bildungsunterschiede, doch bald wurde mir klar, dass auch formal ausgebildete Menschen sehr anders "funktionierten" als ich. Sie schienen sich weniger in ihrem Kopf aufzuhalten, dafür mehr ihren Körper zu bewohnen. Mir fiel auf, wie schön sie sich bewegten, elegant und natürlich. Insbesondere die Frauen beeindruckten mich sehr: Sie strahlten eine enorme Wärme und innere Ruhe aus.
Als ich mehr mit östlichen Lehren in Kontakt kam, musste ich feststellen, dass mein immerfort kreisendes und analytisches Denken dort gar nicht so positiv bewertet wird wie in unserem Kulturkreis: Es wird weniger als Anzeichen von Wachheit und Intelligenz gesehen denn als lästige Konditionierung, die das eigentliche Leben überblendet. Auch einige einheimische Menschen spiegelten mir, dass ihnen meine Diskutierfreude, meine Kritikbereitschaft und mein ständiger Aktivismus eher suspekt waren. Im Nachhinein glaube ich, dass sie mich für ein wahrhaft exotisches Wesen gehalten haben. Wahrscheinlich wunderten sie sich, wie man so kopflastig durchs Leben gehen kann! Da ihnen allerdings die – bei uns weit verbreitete – Gewohnheit der Wertung abging, nahmen sie mich einfach so, wie ich war. Mein Selbstverständnis als westlich gebildeter Mensch geriet aber immer mehr ins Wanken, meine Suche nach Alternativen begann Fahrt aufzunehmen.
Ich versuchte mich in Meditation und anderen Techniken, fand aber keinen rechten Zugang. Ich begann, die Mystik für mich zu entdecken, die den Kern auch der etablierten Religionen bildet, und fragte mich, warum ich christlich erzogen worden, diese Richtung aber komplett an mir vorbeigegangen war. Insbesondere im Islam fand ich eine reiche mystische Tradition, die ich während meines Studiums der Islamwissenschaft noch ausgiebiger erforschen sollte. Allerdings wäre ich nicht auf die Idee gekommen, zu einer anderen Religion zu konvertieren, die mir in ihrer tiefen Symbolik verschlossen bleibt, da ich nicht in ihr sozialisiert wurde.
Das Gefühl, "angebunden" zu sein, erlebte ich am ehesten in der Natur, der ich schon als Kind sehr zugewandt war und deren Nähe ich nie verloren hatte. Egal wo ich mich aufhielt, stellte ich eine Verbindung zur Natur her, auch in großen Städten. In welcher Religion spielte Naturliebe eine Rolle? Meine spirituelle Suche führte mich alsbald zu älteren Kulten: Im Schamanismus und in vielen indigenen Traditionen fand ich die Naturverbundenheit, die mir in den großen Religionen so fehlte. Die Idee von einer belebten Natur, einer lebendigen Mutter Erde sprachen mich sehr an. Allerdings waren mir moderne Vertreter dieser Richtung etwas suspekt, und auf eine fremde Kultur, in der diese Dinge noch lebendig waren, wollte ich mich auch nicht einlassen – hatte mir doch die Erfahrung gezeigt, dass die Unterschiede sehr groß sein können.
Mit Mitte Zwanzig gelangte ich dann zu meinem Meditationslehrer Rudi Baier.3 Eigentlich ging es mir zunächst einmal nur um einen Rat bezüglich meiner Kopfschmerzen, die nach einem Kopfunfall gar nicht aufhören wollten. Aber ich war sofort so stark von Rudis Persönlichkeit beeindruckt, dass ich das Gefühl hatte, endlich angekommen zu sein! Er strahlte solch eine Liebe und Güte aus, dass ich mich bei ihm vollkommen angenommen fühlte. Dazu hatte er eine enorme Präsenz und Wachheit. Seine Diagnose lautete "fehlende Erdung". Er drückte mein Becken auf den Boden – und ich musste weinen vor Erleichterung! Schon so lange hatte ich eine unbestimmte Sehnsucht verspürt, das Ziel nur vage erkannt, aber eben nur auf intellektueller Ebene gesucht. Rudi hatte nicht nur die Diagnose parat, sondern auch den Weg: Mit Hilfe seines Meditationsansatzes kann man sich ganz direkt und konkret mit der Erde verbinden – ohne jede Vorbereitung oder Vorbildung (und ohne jede konfessionelle Einfärbung)! Sofort stieg ich in Rudis laufende Meditationsgruppe ein, die sich mehrmals im Jahr zu gemeinsamen Wochenenden traf, und nahm zudem private Stunden bei ihm.
Die Meditation, die Rudi anbot, beruhte auf östlichen Methoden, wie ich sie kannte, jedoch zunächst mit dem starken Schwerpunkt "Erdung". Rudi beschreibt auf seiner Homepage, wie er selbst einige Zeit seines Lebens "überleuchtet" gewesen war, bis ihn seine Meditationslehrerin auf seine fehlende Erdung hinwies.4 Aus dieser Erfahrung heraus legte er selbst bei seinen Schüler*innen Wert auf diese stabile Basis, bevor er sie mit anderen Techniken der Meditation vertraut machte.
Die Übungen setzten auf der körperlichen Ebene an. Dabei zeigte sich, wie wenig Bezug wir zu unserem eigenen Körper hatten, ihn gar nicht mehr richtig bewohnten. Und dies betraf eigentlich alle aus unserer Gruppe, selbst diejenigen, die erst einmal einen recht geerdeten Eindruck machten. Nun hatte jeder seine eigenen Zugänge: Die eine spürte stärker ihren Bauch, der andere sein Herz; die eine hatte Probleme, ihre Füße zu fühlen, der andere seine Haut. Mein Problem war, dass ich sehr schnell zu allem Zugang fand, aber auch genauso schnell wieder "draußen" war. Mit viel Geduld führte uns Rudi wieder an unseren Körper heran, meist mit Übungen, die auf der Vorstellungsebene basieren. Dies erforderte viel Konzentration und Disziplin: Wir sollten immer wieder zu den einzelnen Körperteilen hinfühlen, Verbindungen aufbauen, Wurzeln in die Erde wachsen lassen – die Imagination wurde zu einem Türöffner.
Durch hartnäckiges Üben und Ausprobieren gelang bald, was anfangs unvorstellbar war: Die Vorstellungen wurden zur Realität! Ich stellte mir nicht nur vor, dass sich die Füße zum Boden hin öffnen, ich spürte es nach einiger Zeit! Ebenso wurde die Imagination, wie Energie durch den Körper fließt, bald Wirklichkeit – tatsächlich fühlbar! Mit Hilfe der Vorstellungskraft sind wir also in der Lage, in unseren Körper zurückzufinden und uns neu mit ihm zu verbinden. Wir können uns selbst von alten Lasten befreien und uns mit der Erde verbinden! Dabei wird die Erde unter uns zu einem lebendigen Wesen, das uns hält und trägt. Mehr noch: Sie nimmt all unsere Schwere auf, all unsere Verunreinigungen und Verspannungen. Wir dürfen unseren Körper, unsere Muskeln mehr und mehr loslassen. Und genau dies ist die gute Nachricht: Wir müssen nichts tun – außer Loslassen! Auf der Stelle könnten wir all unsere Lasten loswerden und uns frei und sicher getragen fühlen! Nur fällt eben dieses Loslassen so furchtbar schwer. Die meiste Zeit vergisst man sogar, dass es überhaupt möglich ist.
Auch ich habe dies immer und immer wieder in meinem Leben vergessen, trotz der guten Erfahrungen, die ich bereits gemacht hatte. Ich blieb Rudi und seiner Meditationsgruppe bis zu seinem Tod vor ein paar Jahren treu, auch wenn ich im Alltag nicht immer regelmäßig übte. Dennoch waren mir viele Übungen wie das tägliche Erden in Fleisch und Blut übergegangen. Ich verdanke Rudi undenkbar viel! Sein Tod war ein riesiger Verlust für mich! Insbesondere da einige Zeit später eine Krankheitsphase in mein Leben trat, in der ich mich ohne meinen Lehrer sehr hilflos fühlte.
Schon immer hatte es in meinem Leben kleinere Perioden körperlicher Beeinträchtigungen gegeben (oft waren Kopfunfälle die Ursache), die mich radikal aus meinem täglichen Trott rissen. Mein System schien dann mit einem Mal nicht mehr auf die alte Weise zu funktionieren – körperlich wie seelisch –, und ich fühlte mich sehr auf mich selbst zurückgeworfen. Dass diese Erkrankungen jedes Mal langwierig waren und die Schulmedizin wenig zur Heilung anzubieten hatte, verstärkte das Gefühl der Unsicherheit noch. In diesen Zeiten passierte aber auch immer sehr viel in meinem Innenleben: Im Nachhinein interpretiere ich sie als Phasen der Reinigung und Transformation (was allerdings sehr euphemistisch klingt in Anbetracht des Leidens, das damit einherging!). Anschließend erlebte ich dann jedes Mal eine Art Neugeburt, fühlte mich geläutert und voller kreativer Kraft.
Die letzte Episode dieser Art erwischte mich völlig unerwartet und war an Unklarheit und Komplexität kaum zu übertreffen. Fast beneidete ich alle Menschen mit einer handfesten Diagnose! Ich möchte mich hier nicht in Einzelheiten ergehen, nur so viel: Nach einem medizinischen Vorfall und der Einnahme eines Medikaments, das ich anscheinend nicht gut vertrug, hatte ich neben zahlreichen Symptomen plötzlich das Gefühl, die Erde unter meinen Füßen nicht mehr richtig zu spüren. Meine Beine fühlten sich irgendwie "wabbelig" an, wie Fremdkörper. Insbesondere beim Gehen verunsicherte mich dieses Gefühl sehr, es bereitete mir Schwindel. Da ich durch meine langjährige Erfahrung mit Erdungsübungen sehr sensibilisiert war, spürte ich schnell, dass da etwas nicht stimmte. Es ist sehr schwierig, diesen Zustand in Worte zu fassen. Energetisch fühlte es sich an, als ob ich von der Erde abgeschnitten worden war. Ich konnte keinen tragenden Grund mehr unter mir spüren, und dies über einen wirklich langen Zeitraum hin. Und das mir als "Erdungs-Expertin"!
Die Heilung verlief langwierig und eher zyklisch, immer wieder gab es nach besseren Phasen Rückfälle. Wenn ich tief in mich hinein spürte, fand ich die Gewissheit, dass alles in Ordnung war und ich nur Geduld brauchte. Aber da es schwierig ist, in seinem Inneren zu bleiben und die Maßstäbe der Außenwelt außer Acht zu lassen, habe ich immer wieder ein riesiges Problem aus der ganzen Geschichte gemacht. Diese Zeit ohne meinen Meditationslehrer durchzustehen, kam mir oft unmöglich vor. Dennoch hatte das Leben mir diese Vorgaben erteilt, und ich fand schließlich eine eigene innere Kraft, die mich durch diese Zeit trug. Zudem hatte ich hilfreiche Menschen an meiner Seite, die mich fraglos akzeptierten und unterstützten, wie immer ich mich fühlte und was immer ich gerade durchmachte. Mein Osteopath und meine Heilpraktikerin gaben meinem Körper zudem die Impulse, die er zur Heilung benötigte.
Leben ist Veränderung, Krankheit gehört dazu. Dies ist oft schwer zu akzeptieren, insbesondere, wenn der tragende Boden fehlt. Ja, bestimmte körperliche (und natürlich auch seelische) Voraussetzungen können dazu führen, dass wir die Festigkeit unter unseren Füßen verlieren und uns förmlich in der Luft zappelnd wiederfinden. Bei mir ging dieser Zustand mit der Empfindung einher, meine Schutzhülle verloren zu haben: Alle Sinneswahrnehmungen schienen ungefiltert auf mich einzuprasseln, meine Außenwelt kam mir viel zu laut und nervend vor, und schnell war mir alles zu viel. So musste ich lernen, die mir begegnenden Eindrücke ganz bewusst auf ihre Qualität und Quantität hin zu filtern, um mich besser schützen zu können. Dies machte eine kontinuierliche Einschätzung meines eigenen Zustands erforderlich, so dass ich mehr und mehr Achtsamkeit entwickelte. Um Achtsamkeit ging es auch bereits bei meiner Meditationsarbeit, doch nun erhielt sie eine ganz neue Bedeutung: Achtsamkeit war nicht länger eine nette Übung, sondern wurde lebensnotwendig. Sie wurde zu meinem Ankerpunkt: Achtsam bewegen, wenn ich mich schwach fühlte, achtsam mit negativen Gedanken und Ängsten umgehen, achtsam immer wieder den Kontakt zur Erde suchen. Eine bessere Übung konnte es nicht geben!
Dabei halfen mir all die Methoden, die ich aus der Meditationsarbeit kannte, insbesondere die Erdungsübungen. Auch griff ich neue Methoden und neue Bilder auf, die mir oft einfach so zuflogen. Ich suchte auch bei verschiedenen spirituellen Autoritäten und Systemen, die mir eine große Hilfe und oft auch ein großer Trost waren. Ich hörte mir Podcasts und Beiträge auf Online-Kongressen an und bekam viele neue Impulse, vor allem aber auch die Bestätigung, dass solche Phasen des Umbruchs auch bei anderen Menschen vorkommen – und dass sie sich für niemanden angenehm anfühlen.
Auch meine Innenwelt war sehr durchlässig geworden, immer wieder kamen alte schmerzliche Themen hoch, die ich bereits mehrfach bearbeitet zu haben glaubte, aber auch Neues. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass es überhaupt nicht zu mir und meinem Leben gehörte, als dürfe sich Jahrhunderte alter Schmerz seinen Weg an die Oberfläche bahnen, um endlich bereinigt zu werden. Häufig wurden solche Prozesse mit wunderschönen Bildern und Gefühlen "belohnt", aber so heilsam diese Vorgänge auch waren, waren sie doch zugleich auch sehr anstrengend, und ich musste mich auch hier zuweilen schützen. Zudem hatte ich Angst, mich spirituell zu "verirren". Mir war die Gefahr bewusst, auf spiritueller Ebene abzuheben, daher wandte ich mich immer wieder an die Erde, auch wenn ich mich anfangs so abgetrennt fühlte. Dies änderte sich mit der Zeit, und ich fand ein immer innigeres Verhältnis zu ihr, hatte zumindest in meditativem Zustand das Gefühl einer starken Verbundenheit. Während ich mich früher eher ein wenig mechanisch mit ihr verbunden hatte, so erlebte ich sie nun immer mehr als lebendiges Wesen, ja als große Urmutter, aus der alles Leben hervorgegangen ist und die für all ihre Geschöpfe – und für mich – DA ist.
Auch die Natur, die ein weiterer wichtiger Ankerpunkt in der Außenwelt für mich war, fühlte sich wunderbar belebt an. So unangenehm viele künstliche Sinneswahrnehmungen für mich waren, so wunderbar präsentierten sich mir die Eindrücke aus der Natur! Oft lief ich draußen umher und fühlte mich wie Alice im Wunderland, die diese schöne Welt immer wieder neu entdeckt und von ihr entzückt wird. Ich entdeckte Schönheit in den einfachsten Dingen und konnte minutenlang über interessante Strukturen im Holz, in einem Blatt oder einer Blüte staunen. Insbesondere Bäume, die mich schon immer sehr ansprachen, erschienen mir plötzlich wie lebendige Wesen, die mir viel Kraft geben konnten. Und auch zu den Heilpflanzen, für die ich mich bereits seit einigen Jahren interessierte (und Kurse belegt hatte) und von denen ich mir Heilung erhoffte, baute ich eine immer intensivere Beziehung auf. Während ich mich, wie gesagt, schon immer sehr zur Natur hingezogen fühlte, gab es nun einen deutlichen Qualitätsunterschied: Ich erlebte die Natur unmittelbar als belebt, als sei sie mit der gleichen Kraft durchflutet wie wir Menschen. Ich fühlte mich mit ihr verbunden, und diese Verbindung war unendlich wohltuend! Mir wurde bewusst, dass ich schon immer diese "naturmystische" Ader in mir hatte, aber nie so recht Zugang zu ihr gefunden hatte. Es tat mir nun unglaublich gut, mich auf diese Ebene ganz einzulassen: Ich genoss es, in die Welt der Pflanzen und Tiere einzutauchen, die sich mir plötzlich so offenbarte. Es war, als würde eine tiefe Sehnsucht endlich gestillt!
Obwohl sich diese Erfahrungen toll anhören mögen, sehnte ich mich ehrlich gesagt oft genug nur nach einem unkomplizierten Leben – nach meinem alten Leben, das mir so lange Zeit als Vergleichsfläche diente und das ich so schlecht loslassen konnte. Und nach Normalität, obwohl mir natürlich bewusst war, dass es diese nicht gibt und jeder Mensch sein eigenes Päckchen zu tragen hat, vielleicht zu einem anderen Zeitpunkt sein Gewicht zu spüren bekommt.
Natürlich wusste ich in der Tiefe auch, dass ich mich dankbar fühlen durfte für die Chance, solch tiefgehende Veränderungen zu durchlaufen – schließlich hatte ich diesen Weg ja einmal bewusst eingeschlagen! Nur hatte ich ihn mir eher ruhig und beschaulich vorgestellt und nicht wie einen reißenden Strom, der mich einfach ungefragt mit sich zieht. Inzwischen ist mir bewusst, dass dieser Strom die Normalität des Lebens darstellt. Sicher fließt er die meiste Zeit sanfter dahin, aber er ist immer in Bewegung und wir mit ihm. Erst wenn wir uns dagegen wehren, andere Vorstellungen von seiner Richtung haben, entsteht Leid. Daher ist es klüger, sich gleich auf die Bewegung einzulassen und die Vorstellung eines rettenden Bodens endgültig aufzugeben. Er ist eine Illusion! Paradoxerweise unterstützt uns dabei das Erden: Die Verbundenheit mit der Erde erlaubt uns, uns stark und stabil zu fühlen und für die Veränderungen des Lebens gewappnet zu sein.
Meine Erlebnisse sind zugegebenermaßen etwas drastisch. Zudem handelte es sich um ein plötzliches "Herausrutschen" aus der Erdung, die mir vorher selbstverständlich war. Aus diesem Grund konnte ich den Unterschied aber so deutlich spüren. Sicherlich gibt es viele Menschen, die weniger heftige Erfahrungen machen und sich dennoch ein bisschen ungeerdet fühlen. Manche merken es vielleicht auch gar nicht, weil sie keinen anderen Zustand gewöhnt sind – wie ich damals, bevor ich nach Asien kam.
Ich habe meine Erlebnisse hier so ausführlich geschildert, um einen Eindruck zu geben, warum mir das Thema Erdung am Herzen liegt. Und um ein wenig deutlicher zu machen, was fehlende Erdung für mich bedeutet: das Gefühl, nicht richtig mit der Erde verbunden zu sein und daraus resultierende Gefühle von Angst und Schwäche, fehlende Geborgenheit und Unsicherheit. Dieser Zustand stellt das Urvertrauen in Frage, in sich selbst, aber auch in die Welt. Man fühlt sich nicht richtig getragen, der Boden fehlt. Dieser Zustand kann körperlich oder eher seelisch spürbar sein (wenn dies überhaupt zu trennen ist). Jedenfalls ist er sehr beängstigend. In diesem Zustand ist es natürlicherweise schwierig, eine gute Orientierung zu bewahren. Es herrschen Verwirrung und Zögerlichkeit vor, und es fällt schwer, Entschlüsse zu fassen. Manche Menschen rennen dann von einer Sache zur anderen, sind wankelmütig und drehen ihr Fähnlein nach dem Wind. Vielleicht sind sie voller toller Ideen, jedoch nicht in der Lage, diese in die Tat umzusetzen, weil ein realistischer Plan, Tatkraft und Durchhaltevermögen fehlen. Durch die fehlende Erdung mangelt es an Bezug zur irdischen Realität.
Andere Menschen reagieren vielleicht damit, dass sie Halt in der Außenwelt suchen: in anderen Menschen, in einer Lebensform, in einer Überzeugung, in einer Ideologie, die sie dann zum Maß aller Dinge erklären. Äußerlich machen solche Menschen vielleicht einen gefestigten Eindruck, denn dieses Festhalten lässt sie selbst stark erscheinen. Aber wenn man genauer hinblickt, sind sie gar nicht so geerdet, wie sie auf den ersten Blick wirken. Hinter ihrer Stabilität verbirgt sich vielmehr eine Starre, ein Festhalten am Bestehenden aus Angst vor Veränderung, ein Konservatismus aus Bequemlichkeit. Noch andere bauen sich vielleicht ein großes Ego auf, an dem sie sich festhalten können. Sie sind dann darauf angewiesen, dieses ständig nähren zu müssen und plagen ihre Umwelt mit ihrem gewaltigen Hunger nach Bestätigung.
Fehlende Erdung geht auch oft mit der Entfremdung vom eigenen Körper oder einzelnen Körperteilen einher, man spürt den eigenen Körper nicht mehr richtig, insbesondere den Unterkörper. Mein Meditationslehrer hatte drastische Bilder für diesen Zustand: Während ein gesunder, stabiler Mensch geborgen in einem Energiekörper lebt, der wie ein Ei um ihn geformt ist, lebt der "abgehobene Mensch" in einer Energieblase um seinen Kopf herum, die nach unten hin wie abgeschlossen ist. Dann spielt sich alles nur noch im Kopf ab, der Betroffene ist übertrieben rational oder entwickelt im Gegenteil Hirngespinste, jedenfalls lebt und denkt er abgekoppelt vom Rest des Körpers, der gemäß alter Weisheit (Stichwort "Bauchgefühl") und nach neuesten Forschungen auch gerne ein Wörtchen mitreden würde. Unsere Intelligenz steckt nicht nur im Gehirn, sondern auch in unseren unterschiedlichen Organen, und nur ein harmonisches Zusammenspiel ermöglicht ein auf allen Ebenen gesundes Leben. Dies gilt insbesondere für ein ausgewogenes Zusammenspiel zwischen Verstand und Gefühl.
Dieses Gleichgewicht kann auch in die andere Richtung kippen, wenn die Gefühle sich verselbständigen und man in einer Art Gefühlsblase lebt. Egal ob es sich um Wut, Eifersucht, Traurigkeit oder Angst handelt, es dreht sich dann alles um diese Gefühle, und der Verstand wird lediglich eingesetzt, um weitere Indizien zu finden, die diese bestätigen sollen. Auch hier mangelt es an Erdung, die uns zurück auf den Boden der Tatsachen holen würde.
Nachdem wir uns angesehen haben, wie fehlende Erdung aussehen kann, wird es nun Zeit für eine positive Definition: Erdung bedeutet für mich, sich an die Erde angebunden zu fühlen, einen festen Grund unter den Füßen zu spüren, sich getragen und stabil zu fühlen. Emotional befinden wir uns dann in einem Zustand des Vertrauens. Wir haben dann nicht mehr das Gefühl, uns und die ganze Welt selbst tragen zu müssen. Wir können unser Gewicht an die Erde abgeben, ebenso wie wir alles Störende (Eindrücke, Gedanken, Gefühle, Verspannungen, alte Verunreinigungen) einfach "ablaufen" lassen können. Wir fühlen uns dann nach unten hin "durchlässig", können loslassen. Unser Schwerpunkt hat sich in den Unterbauch verlagert und sitzt nicht mehr in der Herz- oder Kopfregion. Diese Zentrierung schenkt uns große Stabilität und erlaubt uns, weniger aus unserem engen Ego heraus zu leben, vielmehr ganzheitlicher zu fühlen und zu handeln. Man kann auch sagen, wir sind dann in unserer eigenen Mitte angekommen. Wir ruhen in uns, fühlen uns im Gleichgewicht, in Harmonie mit uns und der Welt. Wir sind uns unseres Energiehaushalts bewusst, geben gerne ab, schützen uns aber auch vor Verausgabung. Nichts kann uns so schnell erschüttern, auch nicht die Veränderlichkeit des Lebens. Wir nehmen das Auf und Ab des Lebens gelassener hin, sehen es eher als Herausforderung denn als Bedrohung. Wir nehmen das Leben so an, wie es ist, ohne ständig in Widerstand zu gehen.
Ebenso akzeptieren wir uns selbst, unsere Gefühle und auch unsere Schattenseiten. Denn Erdung bedeutet auch, alles was ist, auf die Erde zu bringen: unaufgelöste Gefühle und ungelebte Träume ebenso wie unsere vielen Talente und wertvollen Ideen. Alles kommt auf den Tisch und darf gelöst oder verwirklicht werden. Unser Blick auf die Welt wird immer realistischer, wir müssen uns nicht mehr belügen, Dinge schönreden oder uns einlullen lassen. Und wir müssen sie auch nicht mehr ständig bewerten! Wir sehen die Dinge, wie sie sind, und sie dürfen so sein, wie sie sind. Letztendlich läuft es auf eine große Nüchternheit heraus. Dies klingt vielleicht erst einmal sehr langweilig, ist aber unglaublich befreiend! Eine solche Nüchternheit ermöglicht uns letztendlich ein Leben in größtmöglicher Freiheit – und Liebe! (Für meinen Meditationslehrer war eine solche Nüchternheit Ausdruck tiefer Spiritualität. Abgehobene Praktiken und Zustände hielt er eher für eine Ablenkung auf dem spirituellen Pfad, mitunter sogar für gefährlich.)
Nun denkst du vielleicht, ich habe einen idealen Zustand skizziert, der unerreichbar ist. Ja, es ist ein Ideal, das ich hier zeichne, und als solches kann es uns als Orientierung dienen. Wenn wir bei dem einen oder anderen Punkt das Gefühl haben, dass es da bei uns noch hapert, haben wir einen prima Ausgangspunkt, um unseren Weg zu starten. Im Grunde handelt es sich nicht um einen beschwerlichen, abenteuerlichen Weg, sondern vielmehr um ein Nachhausekommen. Denn der angestrebte Zustand ist uns zutiefst vertraut, wir sind in ihm auf die Welt gekommen – bevor wir aus dem einen oder anderen Grund aus ihm herausgeglitten sind. Von daher ist es unser "Geburtsrecht", ihn wieder einzunehmen. Mein Meditationslehrer sagte immer so schön: "Wir sind heil gemeint", wir haben uns nur selbst aus diesem Zustand hinausmanövriert. Dies bedeutet aber auch, dass wir jederzeit zurückkehren können, wenn wir nur den Entschluss fassen. Die Erde wartet mit ausgebreiteten Armen auf uns!
Wie aber schaffen wir es, wieder in unseren natürlichen Zustand von Anbindung zurückzugelangen? Wie ich oben bereits angedeutet habe, können wir hierzu auf mehreren Ebenen ansetzen: Zunächst einmal ist es sinnvoll, sich mit den Ursachen fehlender Erdung auseinanderzusetzen, um ein tieferes Verständnis für die Problematik und ein Gefühl für unseren eigenen diesbezüglichen Zustand zu gewinnen. Aus diesem Grund liefere ich im ersten Teil des Buchs, dem Theorieteil, einen kleinen Exkurs zur menschlichen Entwicklungsgeschichte, der Aufschluss über kollektive Ursachen mangelnder Verwurzelung geben soll. Im Anschluss stelle ich eine Reihe von möglichen individuellen Ursachen vor. Da wir es beim Thema Erdung mit der Erde zu tun habe, hole ich auch hier ein wenig weiter aus und beleuchte unsere verschiedenen Bilder und Assoziationen von (der) Erde.
Im zweiten Teil geht es dann um unsere Innenwelt: unseren Umgang mit Gedanken, Gefühlen und unsere Reaktionen auf die Außenwelt. Oben wurde bereits ersichtlich, wie wichtig diese inneren Funktionen für unsere Erdung sein können. Abgehobenes Denken, starkes Schwelgen in Gefühlen wie auch ständiges Bewerten und Nicht-Annehmen von den Dingen, die uns widerfahren, können uns immer wieder von der Wirklichkeit abtrennen – und damit vom Boden der Tatsachen. Aus diesem Grund beleuchte ich die diesbezüglichen Mechanismen und zeige Wege auf, hier zu mehr Bewusstsein zu gelangen. Ein wichtiger Schritt liegt auch in der Auseinandersetzung mit den eigenen Wurzeln: mit unserem kulturellen und familiären Erbe sowie mit unserer eigenen Vergangenheit.
Der folgende dritte Teil ist ganz von der Praxis bestimmt: Hier eröffne ich eine Vielfalt an Möglichkeiten, im Alltagsleben zu mehr Bodenhaftung zu gelangen. Ein Weg besteht darin, unseren Fokus wieder mehr auf unseren Körper und unsere Sinneswahrnehmungen zu richten. Daher gebe ich Anregungen, wie wir unsere Sinne wieder bewusst einsetzen können. Zudem empfehle ich eine Auswahl an Tätigkeiten, die eine erdende Wirkung haben: vom Hausputz bis zum Sport. Darüber hinaus kann eine für uns Menschen "artgerechte" Lebensweise dazu beitragen, uns zu mehr Stabilität zu verhelfen. So nehme ich Lebensbereiche wie Ernährung, Schlaf und Entspannung in den Fokus. Nicht zuletzt können wir das weite Angebot therapeutischer Maßnahmen ausschöpfen, die uns bei unseren Bemühungen unterstützen – angefangen von Körpertherapien bis zu Entspannungstechniken.
Wie oben angedeutet, sehe ich die Rückbindung zur Natur als einen der wichtigsten Schritte auf dem Weg zu mehr Erdverbundenheit. Aus diesem Grund habe ich diesem Thema ein großes Kapitel gewidmet: Ich erinnere an die Kraft der Berge und Steine, nehme dich mit ins Reich der Bäume und Pflanzen und tauche mit dir in die Welt der Tiere ein. Zudem verbinde ich uns mit den vier Elementen und dem natürlichen Zyklus der Jahreszeiten. Zu jedem Bereich findest du eine große Auswahl an Ideen und Impulsen, die du für deinen eigenen Weg zurück zur Natur nutzen kannst.
Im letzten Kapitel beschäftigen wir uns dann mit praktischen Erdungs- und Imaginationsübungen, die uns – wie oben beschrieben – helfen können, uns ganz konkret mit der Erde zu verbinden. Die Erdungsübungen beruhen größtenteils auf dem Meditationsansatz von Rudi Baier und dessen Lehrerin Hetty Draayer5, dem ich selbst seit nunmehr 25 Jahren folge. Die Imaginationen zu Mutter Erde und zur Natur stammen aus Bildern und Eingebungen, die sich mir selbst gezeigt haben. Hierbei handelt es sich um einen eher schamanischen Ansatz. Damit du die Übungen gut einordnen kannst, werden sie von einem Exkurs zum Thema Körperarbeit eingeleitet. Auch findest du eine ausführliche Gebrauchsanweisung zur Ausführung der Übungen. Diese möchte ich dir ganz dringend ans Herz legen. Bereits in den ersten Teilen des Buchs findest du immer wieder Querverweise zu bestimmten Übungen. Wenn du sie bereits an dieser Stelle ausprobieren möchtest, so möchte ich dich bitten, dich vorher mit der Gebrauchsanweisung vertraut zu machen.
Hier noch eine Bemerkung zu den vielen Anregungen und Impulsen, die du in diesem Buch finden wirst: Ich gehe nicht davon aus, dass alle für alle Leser*innen gleich interessant sein werden, aus diesem Grund habe ich sie sehr breit gestreut. Wir alle sind verschieden und haben unsere eigenen Vorlieben und Herangehensweisen. Suche dir daher das für dich passende heraus und überlese großzügig den Teil, der dich weniger anspricht. Die Vorschläge haben auch keinen Anspruch an Vollständigkeit. Naturgemäß habe ich mich vorwiegend an meinen eigenen Erfahrungen orientiert, denn ich möchte mich nicht ausführlich über eine Sache ausbreiten, die sich meinem Erfahrungshorizont entzieht – das halte ich für wenig authentisch. Gehe daher flexibel mit den Anregungen um: Wenn ich über Qi Gong schreibe, weil ich es selbst praktiziere, heißt das nicht, dass deine Praxis fernöstlicher Kampfsportarten weniger wertvoll ist. Vieles kannst du auf deine eigenen Vorlieben übertragen. Und selbstverständlich wirst du Tipps finden, die du sowieso schon lange beherzigst. Siehe mir dies bitte nach, denn mein Anliegen ist es, möglichst viele Menschen zu erreichen, die sicherlich nicht alle die gleichen Voraussetzungen mitbringen. Nun wünsche ich dir viel Spaß beim Lesen und eine freudvolle Rückkehr zu Mutter Erde!
Wie bereits angedeutet, leben wir in einer Zeit, in der es sehr schwerfällt, die Erdhaftung zu bewahren. Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle, die sich in den letzten Jahrtausenden und insbesondere in den letzten Jahrzehnten unserer Menschheitsgeschichte entwickelt haben. Diese sollen hier kurz nachgezeichnet werden:6 In allen indigenen Kulturen (in denen auch wir unsere fast vergessenen Wurzeln haben) fand und findet Mutter Erde starke Verehrung, wie auch das gesamte weibliche Prinzip der Fruchtbarkeit, des Nährens und Versorgens, des Gebärens und der Kreativität. In spiritueller Hinsicht wurde die Große Göttin verehrt. Göttinnen wie die griechische Erdgöttin Gaia, die ägyptische Isis, die indische Prithivi, die germanische Jord und die phrygische Kybele haben noch große Ähnlichkeit mit dieser allumfassenden Göttin. Die Natur war den Menschen heilig, ihre Elemente erschienen ihnen beseelt. Sie fühlten sich tief verbunden mit Tieren und Pflanzen, Bergen und Flüssen, Himmel und Erde – kurzum: Sie empfanden sich als Teil der Natur.
Mit der Sesshaftwerdung veränderte sich diese Beziehung allmählich: Die Menschen begannen, die Natur zu kontrollieren, und nahmen Pflanzen und Tiere in Besitz, um von ihnen zu leben. Bald wurde die Natur außerhalb der menschlichen Siedlungen sogar als feindlich angesehen – konnte sie die menschengeschaffene Ordnung doch zerstören! Kontrolle und Macht spielte auch unter den Menschen eine immer größere Rolle: Durch den Überfluss an Nahrung war nun eine Spezialisierung der Aufgaben möglich, die einige von den Tätigkeiten in und mit der Natur entfremdeten und für Ungleichheit unter den Menschen sorgte. Manche Tätigkeiten waren mit Privilegien verbunden, Rangunterschiede – die in den egalitären Gesellschaften kaum eine Rolle gespielt hatten – verschärften sich. Während die Menschen vorher höchstens um Zugangsrechte von Naturräumen kämpften, waren nun größere Besitztümer zu verteidigen, allen voran das Stückchen Erde, das sich der einzelne erschlossen und in Besitz genommen hatte. So erhielten männliche Attribute wie Kampfgeist und Machtstreben immer mehr Bedeutung.
Diese Entwicklung spiegelte sich auch im religiösen Leben wider: Die großen Muttergottheiten wurden immer mehr verdrängt und schließlich von einem Reigen weiblicher Gottheiten abgelöst, die sich in ein patriarchalisch regiertes Götterpantheon fügten und nunmehr einzelne Aspekte der Großen Göttin verkörperten, wie beispielsweise Fruchtbarkeit (Demeter, Tellus Mater, Ceres), Schönheit und Verführung (Aphrodite und Venus), Weisheit (Athene und Minerva), Verbundenheit mit der Natur (Artemis und Diana) und die Unterwelt (Persephone).
Schließlich setzte sich in weiten Bereichen der Erde die Vorstellung von einem einzigen männlichen Gott an der Spitze durch, der dem Himmel zugeordnet wurde. Diese durchschlagende Veränderung ging einher mit einer starken Abwertung der Erde und des mit ihr assoziierten weiblichen Prinzips, so dass die gesamte Achse Erde-Natur-Materie-Körper-Frau nunmehr eine untergeordnete Stellung einnahm – bis hin zur Unterdrückung. Die Große Göttin, die alle weiblichen Sphären des Lebens abdeckte, wurde in ihre drei Aspekte aufgespalten, wobei lediglich der jungfräuliche sowie der mütterliche Aspekt Zuspruch fanden. Das Bild von verführerischer, starker und wilder Weiblichkeit wurde hingegen als Gefahr für das Patriarchat gesehen und somit negativ gewertet. Die Frau selbst musste möglichst unter Kontrolle gebracht werden. Ihre Körperlichkeit, die sie mehr mit der Erde und mit der Natur verband, wurde mit diesen gleichgesetzt, wie auch alles "Naturhafte" am Menschen verdammt wurde: sein Körper und dessen Bedürfnisse, allen voran seine Sexualität, die eine ernsthafte Gefahr für die patriarchale Ordnung darstellte (männliche Abstammungslinie!).
Eine weitere revolutionäre Veränderung, die mit dem Aufkommen der patriarchalischen Religionen einherging, bezog sich auf die Wahrnehmung der Zeit: Während die Menschen früher in die Zyklen der Natur eingebettet waren, setzte sich nun mehr und mehr ein davon losgelöstes lineares Zeitgefühl durch. Die Vorstellung von der Wiedergeburt alles Lebenden, und auch des Menschen, wurde durch die Ausrichtung auf ein Leben nach dem Tod ersetzt – eine weitere Entwertung des hiesigen Lebens. Zudem verlor der Mensch das Gefühl für zeitliche Rhythmen: Im linearen System ist es beispielsweise nicht vorgesehen, dass die Natur und der menschliche Körper eben auch einmal regenerieren müssen. Auch das dem Leben innewohnende Prinzip der Vergänglichkeit und des Sterbens verlor immer mehr an Akzeptanz – es wird bis heute gerne ausgeblendet. Da allerdings im Mittelalter die meisten Menschen Bauern waren, die mit und von der Natur lebten, hielten sie oftmals ihre alten Naturrituale bei. So wurden auch weiterhin die Jahreskreisfeste gefeiert, nur unter christlichem Vorzeichen. Erst zum Ende des Mittelalters im Übergang zur Neuzeit erlebte die Abwertung der weiblichen Achse ihren Höhepunkt.
Die Erde wurde bis dahin als Mittelpunkt der Welt erachtet. Die neuen kosmologischen Modelle, die die Erde nun als winzig kleinen Planeten darstellten, der die Sonne umkreist – in einem Weltall, das unfassbar groß ist und viele solcher Sonnensysteme umfasst – haben das alte Bild von der Erde tief erschüttert. Ein Planet unter vielen anderen in einem Kosmos, der nach mechanischen Gesetzen funktioniert! Dieses Bild nahm der Erde ihren letzten Rest Heiligkeit und ließ den Menschen klein und hilflos in einem unbelebten, bedrohlich großen Universum zurück.
Mit der Entheiligung der Erde einher ging die Entheiligung der Natur: Diese wurde zum unbelebten Objekt degradiert, das man im Namen des Fortschritts und der Wissenschaft untersuchen, nach Gutdünken manipulieren und ausbeuten konnte. Ebenso verfuhr der Mensch mit Seinesgleichen: In großem Stil begann er, andere Menschen und ihre Körper auszubeuten, sei es in der Sklaverei oder später in den modernen Produktionsstätten. Auch räumlich expandierte der moderne Mensch immer weiter, eroberte fremde Gebiete und zerstörte dabei alte Kulturen, denen er sich überlegen fühlte – immer mit dem Ziel des eigenen Profits.
Auf geistiger Ebene wurde die Ratio zum Maß aller Dinge erhoben. Sogenanntes weibliches Denken, das von Intuition und Gefühl geprägt ist, wurde immer mehr unterdrückt. Weibliches Wissen wie beispielsweise altes Heilwissen wurde als Gefahr betrachtet und – unter religiösem Deckmantel – bis aufs Blut verfolgt. Es entstand eine regelrechte Hetzjagd gegen alles Weibliche. Auch der weibliche Körper wurde von der Wissenschaft vereinnahmt und die Frau als Expertin ihrer selbst entmündigt – alleine den Hebammen gewährte man noch eine gewisse Daseinsberechtigung.
Das männliche Prinzip hatte das Ruder übernommen, allerdings in einer pervertierten Form: Die ehemals kraftvolle Energie, die der weiblichen zum Schutz des Lebens an die Seite gestellt worden war, entartete immer mehr und entfachte sich in Exzessen von Gewalt, Herrschaft und Kontrolle über den Rest der Schöpfung. Bald fiel ihr auch die – allzu irrationale – Religion zum Opfer; Ratio und Vernunft bestimmten immer mehr das Denken der Menschen. Erkenntnisse der modernen Wissenschaft bestärkten diese Richtung. Insbesondere die Evolutionstheorie, die die Entwicklung der Arten als Ergebnis einer natürlichen Auslese erklärte, bei der der Stärkere sich durchsetzt (so wie sie meistens verstanden wurde), unterstützte die Idee vom Leben als harten Daseinskampf. Das Universum wurde zu einem leblosen Ort toter Materie degradiert, zu einem Schauplatz für die Überlebenskämpfe des Menschen. Wettbewerbsdenken, Profitgier und Machtstreben ersetzten die alten Werte von gegenseitiger Verbundenheit, Solidarität und Respekt vor dem Leben.
Das Prinzip der Trennung gewann die Überhand: Der Mensch fühlte sich nicht länger eingebettet in Natur und Kosmos und verbunden mit Seinesgleichen, sondern immer mehr als Einzelkämpfer, der sich in einem feindlichen Kosmos behaupten muss. Er postuliert seine Freiheit und Unabhängigkeit, widerspricht damit aber allen kosmischen Gesetzen, denn kein Wesen existiert unabhängig und abgetrennt vom Rest der Schöpfung. Menschen aus Kulturen, die sich weniger schnell in diese Richtung entwickelt haben, sehen in dieser auch eher einen Irrweg in einen übertriebenen Individualismus und Egoismus. Mit dem Credo "höher-weiter-schneller-mehr" und seinem Fortschrittsglauben hat das Ego vielleicht auf der äußeren Ebene viel erreicht, aber letztendlich handelt es sich um eine Luftblase. Denn angesichts der Endlichkeit der irdischen Gegebenheiten ist es ein ganz und gar unrealistisches Denken. Und der Preis ist hoch: Die einstmals so heilige Natur wurde in vielen Gebieten der Erde stark beschädigt bis zerstört, das Klima aus dem Gleichgewicht gebracht, unsere Mitgeschöpfe, die Tiere, teilweise ausgerottet und bis heute stark ausgebeutet – und wir Menschen haben unsere Bodenhaftung verloren, und zwar in vielerlei Hinsicht:
Wir fühlen uns nicht mehr als Teil des Großen Ganzen und haben die Verbindung zu Mutter Erde, zur Natur und zu unseren Mitgeschöpfen verloren. Wir verspüren vielleicht eine gewisse Sehnsucht, wissen aber nicht, wie wir sie stillen können. So fehlt uns der tragende Grund, der uns nährt und hält. Um dies zu kompensieren, suchen wir gerne im Außen nach Sicherheiten, die es gar nicht geben kann, und bemühen uns um Kontrolle. Oft genug bewegen wir uns nur im Denken und vergessen unsere intuitiven Fähigkeiten und die Weisheit unseres Körpers. Letzteren spüren wir gar nicht mehr richtig und übergehen seine Bedürfnisse. Stattdessen lassen wir uns von einem Leistungsdenken bestimmen, das gegen unsere eigene Natur gerichtet ist, setzen uns unter Druck und leiden an Stress. Und wenn wir beginnen, uns mit dieser Art von Leben unwohl zu fühlen, zweifeln wir schnell an uns selbst und unserer Lebenstüchtigkeit. Aber der Blick auf die Geschichte und auf andere Kulturen macht uns deutlich, dass der Mensch nie zuvor auf eine solch entfremdete Weise gelebt hat! Diese traurige Tatsache kann auch entlastend für uns sein: Es liegt nicht unbedingt an uns, wenn wir mit dieser Art zu leben nicht zurechtkommen können oder wollen. Unser Unbehagen hat einen Grund: Eine solche Lebensweise scheint einfach nicht artgerecht zu sein für den Menschen! Wir haben uns in ein Extrem manövriert, das für viele nicht länger lebbar ist.
Aus dieser Feststellung heraus können wir uns nun dazu entschließen, uns auf den Rückweg zu begeben: zurück zu unseren wahren menschlichen Gefühlen und Bedürfnissen, zurück zu unserem Körper, zurück zur Natur und zu Mutter Erde – bis wir wieder ein Gleichgewicht zwischen den beiden Polen erlangt haben. Denn unser Ziel sollte in der Mitte liegen und nicht in irgendwelchen Extremen. Das Yang-Extrem auszuloten, war anscheinend eine wichtige Lehre für die Menschheit. Die damit verbundenen Erfahrungen sind überaus kostbar und sollten daher nicht verdrängt oder verdammt werden. Wir können sie uns nüchtern anschauen und in Ruhe sondieren, was uns in Zukunft dabei behilflich sein kann, ein fruchtbares ganzheitliches Leben zu etablieren – für uns und unseren Planeten.
Auch aus einem anderen Grund ist es wichtig, sich mit den oben beschriebenen Entwicklungen zu befassen, denn sie wirken sich ja direkt auf unsere heutige Lebensweise aus, die insgesamt wenig förderlich für eine gute Erdung ist: Unsere Lebensweise abgetrennt von der Natur – in der wir uns schließlich Jahrhunderttausende lang aufgehalten haben – ist meines Erachtens ein Hauptgrund für unsere fehlende Erdung. Wir leben und arbeiten meist in naturferner Umgebung, hinter dicken Wänden, in zubetonierten Städten, die uns von allem Äußeren abschirmen. Sollten wir uns doch in die Natur wagen, rasen wir hindurch, oft mit Kopfhörern im Ohr, in (Selbst-)Gespräche vertieft oder mit Zielen im Kopf, die uns für unsere Umgebung blind machen. Viele Menschen sehen sich selbst schon gar nicht mehr als Teil der Natur, sondern weit außerhalb stehend. Die Gefahren dieser Naturferne auf die Entwicklung des Menschen sollten nicht unterschätzt werden, in der Psychologie kennt man bereits die Diagnose "Natur-Defizit-Syndrom". Wie stark das Bedürfnis nach einer Rückkehr zur Natur ist, zeigt die hohe Anzahl entsprechender Ratgeber und neue (alte) Trends wie beispielsweise das Waldbaden.
Ein Grund für die Entfremdung von der Natur liegt auch darin, dass in der modernen Gesellschaft nur noch wenige Menschen an einem Ort leben, mit dem sie eine lange Familientradition verbindet. Wir haben buchstäblich unsere Verwurzelung in einer bestimmten Landschaft verloren. Eine solche war für die Menschen früher selbstverständlich. Natürlich gab es schon immer Migrationsbewegungen, jedoch selten so ausgeprägt wie während der beiden Weltkriege und den folgenden Jahrzehnten, in denen sich eine Lebensweise entwickelt hat, die viel Mobilität verlangt. (In meiner Familie ist es beispielsweise so, dass Großeltern, Eltern, meine Generation und die folgende zum großen Teil an verschiedenen Orten zur Welt gekommen und aufgewachsen sind.) Hinzu kommen natürlich noch die globalen Wanderbewegungen, so dass mehr Menschen denn je nicht nur in einer fremden Landschaft, sondern auch in einer gänzlich fremden Kultur leben.7 In Deutschland leiden wir zusätzlich unter dem Phänomen, dass jegliche Ideen und Formen positiver Anbindung an die heimatliche Landschaft und Natur im Dritten Reich vereinnahmt und missbraucht worden sind, so dass alles, was in diese Richtung geht, heute immer irgendwie einen seltsamen Beigeschmack trägt. Das gleiche gilt für die spirituelle Ausrichtung: Es fällt sehr schwer, sich mit dem alten indigenen Erbe zu beschäftigen, wenn bei jedem germanischen Namen oder Konzept in unserem Kopf Assoziationen zur Nazi-Propaganda auftauchen.
Ein eher modernes Phänomen stellt unsere heutige Arbeitswelt dar, die selten sehr menschenfreundlich ist. Sie ist von hohen Anforderungen bestimmt, die bei vielen Menschen zu Stress führen. Oft geht es nur um Effizienz und Gewinne, der Mensch an sich erscheint nebensächlich. Dies führt zu Bedingungen am Arbeitsplatz, die eher kontraproduktiv sind. Dabei sind die Tätigkeiten hoch spezialisiert und einseitig – im Vergleich zur Arbeit unserer Vorfahren, die oft ein Zusammenspiel zwischen körperlicher Bewegung und Denken erforderlich machte. Zugleich muss heute mehr gearbeitet werden, um eine Familie ernähren zu können, als dies noch vor ein paar Jahrzehnten der Fall war, als ein einziges Gehalt ausreichend war. Dadurch dass beide Partner auswärts arbeiten und zu Hause auch noch ein Haushalt geführt und eventuell Kinder versorgt werden möchten, ist die Belastung insgesamt viel größer geworden. (Selbstverständlich plädiere ich nicht für eine Rückkehr zur klassischen Arbeitsteilung, aber man sollte sich auch einmal bewusst machen, wie viel mehr wir heute leisten müssen!)
Auch das Familienleben ist anstrengender geworden: Was früher in Großfamilien aufgefangen wurde (Erziehung der Kinder, Pflege der Älteren), lastet heute auf den Schultern Einzelner, meistens der Frauen, die sich in die verschiedenen Rollen aufteilen und oft selbst zu kurz kommen. Das Modell der Kernfamilie, die lediglich aus Eltern und Kinder besteht, ist relativ neu in der Geschichte der Menschheit. Es entspricht unseren individualistischen Ansprüchen, verschafft dem Einzelnen mehr Freiheit, sein Leben nach seinen Wünschen einzurichten, bringt aber auf der anderen Seite auch mehr Belastungen mit sich – von der Vereinzelung vieler Menschen ganz zu schweigen. (Und Kinder und Ältere würden sich vielleicht wieder die Großfamilie herbeiwünschen!)
Unsere moderne Lebensweise bringt also viel Stress mit sich, und wir transportieren ihn oft genug auch noch freiwillig in unsere freie Zeit hinein: Statt uns einmal richtig auszuruhen und in Muße zu baden – eher verpönt in heutigen Zeiten –, bewegen wir uns im Aktivitätsmodus weiter. Viele Menschen sind gar nicht mehr in der Lage, so richtig "runterzukommen", denn es ist einfacher, sich weiter im Hamsterrad zu drehen. Wer sich aber ständig dreht, verliert irgendwann einmal den Boden unter den Füßen. Zuviel Stress bringt uns in einen Zustand, in dem wir nach dem archaischen Muster von Angriff und Flucht reagieren. Wir halten die Muskeln angespannt und bauen Blockaden auf, die uns regelrecht von der Erde abtrennen können.8
Die Beschäftigung mit elektronischen Medien jeder Art führt uns zusätzlich vom Körper weg in abgehobene, künstliche Welten. Dabei spielt sich fast alles nur noch im Kopf ab. Vielleicht werden noch die Finger bewegt, sind dabei aber vollständig instrumentalisiert. Schon Kleinkinder erliegen der Faszination, statt erst einmal ihre Sinne in der realen Welt voll zu entfalten. Wir Erwachsenen sind besser gewappnet, aber können uns dem Sog oft auch nicht gut entziehen.9 Wer also seine Arbeit oder seine Freizeit hauptsächlich vor dem Computer und anderen Medien verbringt, läuft eher Gefahr, die Erdhaftung zu verlieren, und sollte für guten Ausgleich sorgen. Ich möchte hier nichts verteufeln und bin selbst dankbar für die vielen Möglichkeiten, die Medien uns heute bieten. Aber ich muss mich auch immer wieder darum bemühen, hier maßzuhalten.
Hinzu kommt der allgegenwärtige Elektrosmog, dessen Auswirkungen auf uns Menschen und unseren Organismus noch gar nicht richtig erforscht sind. In der Menschheitsgeschichte ist es ein neues Phänomen, mit solcherlei Strahlung konfrontiert zu sein. Ob sich unser Organismus hier anpassen kann wie an andere Umweltbedingungen, wissen wir noch nicht. Viele Stimmen sehen dies kritisch und fürchten um unsere geistige und körperliche Gesundheit.
Von all diesen Entwicklungen sind mehr oder weniger die meisten Menschen betroffen. Doch wie sieht es mit den persönlichen Faktoren aus? Wieso kommen einige Menschen auch mit schwierigen Bedingungen gut klar, während andere bereits bei kleinsten Belastungen die Bodenhaftung verlieren?
Hierfür kann es unterschiedliche Ursachen geben: Zum einen kann es eine Frage der Veranlagung sein. Alte Gesundheitssysteme wie die griechische Humoralmedizin und das Ayurveda kennen den "luftigen" Typus, dem es von Natur aus ein wenig an Bodenhaftung mangelt.10 Er hat einen beweglichen Geist, ist sehr begeisterungsfähig und neigt dazu, schnell "abzuheben". In philosophischer Hinsicht ist die Erde das festlegende Element, der "Boden der Tatsachen". Dies ist so ganz und gar nicht das Element des luftigen Typs, der sich lieber im Meer der Möglichkeiten bewegt, wo alles schön offen ist. Ihm fällt es schwer, sich festzulegen, sich zu konzentrieren und Dinge vollständig zu verwirklichen. Wenn die äußeren Bedingungen seine Natur noch verstärken, kann er schnell den Halt verlieren.
Auch Menschen mit Hochsensibilität (oder Neurosensitivität) können schnell die Bodenhaftung verlieren.11 Durch ihr empfindsames Nervensystem und ihre besondere Art der Reizverarbeitung sind sie mit feineren Antennen für ihre Umgebung ausgestattet und nehmen mehr Dinge wahr als ihre Mitmenschen. Oft haben sie auch eine spezielle Verbindung zur spirituellen Welt. Diese Eigenschaften können sie sehr durchlässig machen, so dass eine gute Erdung für sie besonders wichtig ist. Wenn du solche Merkmale an dir oder deinen Liebsten feststellst, solltest du dich mit dem Phänomen Hochsensibilität ein wenig näher beschäftigen.12 Immerhin sind ca. 10 bis 20% der Bevölkerung davon betroffen. Es ist kein Stigma, hochsensitiv zu sein – es ist einfach eine andere Art, die Welt wahrzunehmen! Während die Betroffenen oft unter ihrer Besonderheit leiden, weil man ihnen gerne einredet, dass sie zu sensibel, idealistisch, lebensuntüchtig und sonst was sind, sind ihre sensitiven Eigenschaften und Fähigkeiten heute eigentlich wichtiger denn je für die Gemeinschaft. Hier entwickelt sich zum Glück ein neues Bewusstsein: Immer mehr Betroffene, die sich ausgiebig mit ihrer Hochsensibilität auseinandergesetzt haben, treten in die Öffentlichkeit und bieten anderen ihre Unterstützung an, indem sie ihre Erfahrungen teilen – in Form von Büchern, Internetseiten, Podcasts, Gruppen, Beratung und Coaching. Für Menschen, die ihre Sensitivität Zeit ihres Lebens nur in negativer Form kennengelernt haben, kann es eine enorme Entlastung bedeuten, wenn sie eine Erklärung für ihr Sosein erhalten und darüber hinaus sogar eine Umdeutung ins Positive angeboten bekommen. Auch dies ist Erdung: Das Eigene erkennen und positiv ausleben!
Eine weitere Gefahr für unsere Bodenständigkeit können, wie bereits angedeutet, spirituelle Erlebnisse oder Praktiken sein, die uns zu sehr abheben lassen. Manchmal öffnet sich spontan eine Tür in "höhere Welten", die Menschen ohne entsprechende Erfahrungen nicht gut einordnen können. Vielleicht wird mit einem Mal viel Energie freigesetzt, die buchstäblich überwältigend, gar beängstigend sein kann.13 Da die westliche Psychologie solche Erlebnisse nicht wirklich (an)erkennt, geraten die Betroffenen schnell in den Verdacht, psychische Probleme zu haben. Solche Zustände können auch durch religiöse und spirituelle Praktiken erzeugt sein, die auf eine geerdete Ausrichtung verzichten. Möglicherweise fühlen sich die Praktizierenden sogar ganz wohl mit ihrer "Überleuchtung" und spüren gar nicht, wie sie sich selbst schaden.14
Darüber hinaus kann es Lebensphasen geben, in denen uns förmlich die Erde unter den Füßen weggezogen wird. Neben Krankheiten, Unfällen und anderen negativen Ereignissen können auch positive Ereignisse dafür verantwortlich sein wie ein Urlaub, in dem wir schnell von einem Ort zum anderen wechseln und zu viele Eindrücke aufnehmen. Wichtige Lebensereignisse wie eine neue Liebe, eine Geburt, ein Umzug oder ein neuer Job können ebenfalls Auslöser sein. Das Alte und Vertraute fällt mit einem Mal weg, und das Neue muss erst einmal erkannt und integriert werden. Solche Prozesse sind sehr fruchtbar und treiben unsere Entwicklung voran. Sie werfen uns aber auch extrem auf uns selbst zurück, was anstrengend und beängstigend sein kann. In der Regel pendeln wir uns bald wieder ein, wenn wir uns ein wenig Zeit zum Verarbeiten gewähren. Aber manchmal bleiben wir regelrecht im "ungeerdeten Modus" hängen.
Auch Krankheiten können uns den Boden unter den Füßen wegziehen, wie ich in der Einleitung am eigenen Beispiel dargestellt habe. Nicht nur im Sinne einer schwierigen Lebensphase, sondern auch konkret auf der körperlichen Ebene. Beispielsweise hatte ich das Gefühl, dass meine Magen-Darm-Probleme mit dafür verantwortlich waren, dass ich mich so ungeerdet fühlte: Der Bauch bildet ja sozusagen unsere Mitte. Wenn es hier dauerhaft Probleme gibt, fühlen wir uns wie aus der Mitte gerutscht. Und mit ständigen Durchfällen kann man sich nicht wirklich stabil fühlen. Dies gilt natürlich für alle Erkrankungen, die uns ein Gefühl von Schwäche und Instabilität verleihen, insbesondere wenn sie uns auch noch längere Zeit ans Bett fesseln. Schmerzen und Auszehrung, langes Liegen und fehlende Bewegung können dazu führen, dass wir unseren Körper nicht mehr richtig wahrnehmen, geschweige denn seine Verbundenheit mit der Erde. Auch so manches Medikament kann uns ein seltsames Körpergefühl bescheren. Narben und Verletzungen im unteren Bereich des Körpers können uns zudem energetisch von der Erde abtrennen.
Manchmal sind es auch nur ganz kleine Dinge, die uns fehlen, um uns fit und geerdet zu fühlen, wie bestimmte Nährstoffe. Die ausgelaugten Böden, die die konventionelle Landwirtschaft verursacht, versorgen uns oft nicht mehr ausreichend mit Spurenelementen. Oder der Körper kann die aufgenommenen Stoffe nicht gut aufnehmen und umsetzen, wie dies bei Beeinträchtigung der Verdauung der Fall sein kann. Vielleicht gibt er auch zu viel wieder ab wie Frauen während ihrer Periode. Eisenmangel zeichnet sich auch durch Energiemangel aus. In solch einem Zustand fällt es schwer, sich richtig geerdet zu fühlen! Auch ein Mangel an Vitamin B12 oder Vitamin D3 kann Schwächegefühle verursachen. Ein Blutbild kann hier Aufschluss geben. Wer sich ständig gestresst und überfordert fühlt, sollte einmal den Hormonhaushalt untersuchen lassen. Ein erhöhter oder verminderter Pegel des Stresshormons Cortisol kann ähnliche Symptome mit sich bringen. Die Basis muss stimmen! Nur bei guter Versorgung kann der Körper optimal arbeiten. Daher sollte diese Ebene immer mitberücksichtigt werden. Mein Meditationslehrer wies darauf hin, dass viele Menschen (insbesondere auch psychisch erkrankte Menschen) schlichtweg unter "Vergiftungen" leiden. Heutzutage nehmen wir so viel Stoffe auf, die unseren Organismus belasten und sich schwer wieder abbauen lassen.
Oft gehen auch psychische Erkrankungen mit dem Gefühl einher, den Bodenkontakt verloren zu haben. Insbesondere unverarbeitete Traumata können ein Grund für eine fehlende Erdung sein: Erfahrungen von Eingeschlossensein oder Feststecken (wie bei einem Geburtstrauma), Schocks und Unfälle, Erfahrungen des Fallens und andere "Zusammenstöße mit der Materie". Dann ist das Vertrauen in die behütende Kraft der Erde gestört, alles allzu "Erdige" wird als Bedrohung erlebt, die Schwere der Erde als Einengung oder als Last. Da sich alle negativen Erfahrungen und Traumata in unseren Körperzellen speichern, können solche Erlebnisse auch zu körperlichen und energetischen Blockaden führen, die die Verbindung nach unten, zur Erde hin, abschneiden. Schlimme seelische Erfahrungen wie körperlicher Missbrauch können uns ganz von unserem Körper abtrennen, so dass wir gar nicht mehr in der Lage sind, uns in diesen einzufühlen, geschweige denn die Erde unter unseren Füßen zu spüren. In solchen Fällen ist es natürlich sinnvoll, sich von geschulten Therapeut*innen begleiten zu lassen.
Die Ursachen für eine fehlende Erdung können also sehr vielschichtig sein: Sie können im heutigen Zeitgeist, in unserer Natur und Prägung, unseren Lebenserfahrungen, unserer Lebensweise und unserem "Schicksal" liegen. Manche Faktoren lassen sich leicht ändern, auf andere haben wir weniger Einfluss. Ein erster Schritt besteht darin, ungünstige Faktoren im eigenen Leben zu identifizieren, und dann eine Strategie zu entwickeln: Vielleicht reicht es aus, einige Lebensgewohnheiten zu ändern. Vielleicht spürst du, dass du dich wieder mehr mit der Natur verbinden möchtest. Vielleicht wird dir aber auch bewusst, dass es mehr Änderung bedarf und du alte Lebenseinstellungen überprüfen musst, die dir möglicherweise im Wege stehen. Welcher Weg auch immer der richtige für dich ist, lasse dich gerne von mir inspirieren!
Um dem Thema Erdung gerecht zu werden, empfiehlt sich zunächst einmal eine Annäherung an die Erde: Welchen Aspekt haben wir eigentlich im Sinn, wenn wir von Erdung sprechen? Die einen denken an die fruchtbare Schwere von Humus; für die anderen bedeutet es, sich mit dem Planeten Erde zu verbinden. Noch andere sehen die Erde als Gegenpart zum Himmel, die materielle versus die geistige Welt; oder als eines der vier Elemente, die das Leben auf der Erde bestimmen. Jeder Mensch mag einen anderen Aspekt im Kopf haben, wenn er an Erdung denkt, und das ist auch völlig legitim – Hauptsache wir stellen eine heilsame Verbindung her! Im Folgenden werde ich die verschiedenen Aspekte näher beleuchten – in der Absicht, neue Bilder zu erschließen.
Die Erde ist unser aller Zuhause. Sie nimmt uns alle auf und hält uns fest, so dass wir nicht ungebunden im All umherschweben. Gleichzeitig gibt sie uns die Möglichkeit, uns frei auf ihr zu bewegen. Sie schützt uns mit ihrer Atmosphäre vor starker Sonneneinstrahlung und anderen Gefahren. Die Bedingungen auf der Erde sind optimal für das Leben geschaffen. All dies ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Aber wenn wir uns das harmonische Zusammenspiel einmal bewusst machen, kann es uns nur mit Staunen und Dankbarkeit erfüllen. Kein Mensch muss irgendetwas dafür tun, um auf diesem Planeten gehalten zu werden. Die Erde zieht uns mit ihrer Schwerkraft an, somit sind wir quasi von Natur aus "geerdet". (Wenn wir uns dies vergegenwärtigen, ist es eigentlich fast hinfällig, von Erdungsproblemen zu sprechen!) Entscheidend ist hier die Gravitationskraft, die von der Masse der Erde (ca. 5,9722 Trilliarden Tonnen) ausgeht – wie von jedem Körper eine Anziehungskraft ausgeht. Um der Schwerkraft der Erde zu entgehen, muss man sich sehr schnell auf Abstand zu ihr bringen: Man benötigt eine Fluchtgeschwindigkeit von 11,2 km pro Sekunde. (Dass Menschen dazu inzwischen in der Lage sind, birgt auch eine gewisse Symbolkraft!) Aber auch wenn wir uns oft nach Schwerelosigkeit sehnen, weisen Berichte von Astronauten uns darauf hin, dass ein Leben ohne Schwerkraft ganz schön nervtötend sein kann.