Gut wirtschaften - Armin Nassehi - E-Book

Gut wirtschaften E-Book

Armin Nassehi

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Beschreibung

Der Herausgeber des Kursbuchs formuliert in seinem Essay zur 172. Ausgabe eine Begründung für das vermehrte Auftreten von ethischen Unternehmenswerten. Hierbei geht der Münchner Professor für Soziologie vor allem auf die Diskrepanz zwischen Werten der Ethik und des Marktes ein. Außerdem zeigt er Verschränkungen dieser Selbstbeschreibungen auf.

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Seitenzahl: 25

Veröffentlichungsjahr: 2012

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Armin Nassehi

Gut wirtschaften

Die anschwellende Werteorientierung in der Unternehmenskommunikation

Wenn man die Selbstbeschreibungen von wirtschaftlichen Akteuren in den Blick nimmt, muss man sich wundern. Ob in Form von Codes of Conduct oder Social Responsibility Commitments, in Form von Vision und Mission Statements, ob als Katalog spezifischer Werte wie Passion, Respect, Integrity, Discipline, Responsibility, Diversity, Sustainability, Community, in Form gendersensibler Formulierungen und Programme, als Präambel für Geschäftsberichte oder als interne Selbstbeschreibung zur Plausibilisierung von Strategien und Zielen – die Unternehmenskommunikation hat die moralische Kommunikation entdeckt, um sich selbst darstellen zu können. Welche Ziele sie damit eigentlich verfolgt, will der folgende Essay näher beschreiben. Damit ist auch umrissen, worum es im Folgenden nicht geht: Es erfolgt keine Diskussion wirtschaftsethischer Ansätze und ihrer empirischen Wirkmächtigkeit. Meine Frage lautet nur: Warum ist werteorientierte Kommunikation als Selbstbeschreibung von Unternehmen und Managern so erfolgreich?

Werteorientierte Kommunikation

Als Beispiel für viele mag vielleicht die von Unternehmen, Consultants und Wissenschaftlern ins Leben gerufene »Wertekommission – Inititiative Werte Bewusste Führung« dienen, die im August 2012 eine bundesweite Wertekampagne initiiert hat. Abgesehen von der verunglückten Syntax ist die merkwürdige Semantik interessant. Auf der Homepage der Wertekommission (www.wertekommission.de) heißt es:

»Unsere Werte haben wir in zahlreichen Diskussionen und auf Foren definiert und geschärft, neu gefasst und wieder überarbeitet.

Sie sind ›im Fluss‹, und wir behaupten nicht, dass es nicht auch andere Werte gäbe, die zählen. Jeder Mensch definiert sein eigenes ›Werteset‹.

Uns geht es darum, dass sich Werte als Grundlage modernen Managements und erfolgreicher Führung überhaupt durchsetzen. Die Werte, die wir für uns definiert haben, sollen das verdeutlichen und zum Nachdenken anregen – über die jeweils eigenen Werte ebenso wie über die Chancen wertebewusster Führung. Und die Diskussion geht weiter – das ist der eigentliche ›Wert‹.«

Das ist in der Tat nur ein Beispiel für viele – aber es macht sehr schön deutlich, wie diese Art Wertekommunikation funktioniert. Wenn man übrigens genauer hinsieht, fallen die Wertekataloge von Unternehmen fast alle mehr oder weniger identisch aus. Schon deshalb ist es in dem hier zitierten Statement jener Wertekommunikation gar nicht nötig, die Werte eigens zu benennen. Kontingent ist allenfalls ihre Anordnung, ihre Gewichtung und genaue Formulierung, nicht aber die Sache selbst.