Haarsträubende Geschichten - Gunnar G. Schönherr - E-Book

Haarsträubende Geschichten E-Book

Gunnar G. Schönherr

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Beschreibung

Wenn ein Lichtlein an Nachbars Telefon leuchtet, bedeutet das Stress (siehe Cover-Cartoon). Weshalb? Diese und andere Fragen werden in dem Buch aufschlussreich beantwortet. Aber auch Bahn- und andere Reisen können durchaus einen gewissen Stressfaktor haben. Beispielsweise stellt es sich immer wieder als überaus interessant heraus, mit einem Navigationsgerät eine Autofahrt zu unternehmen ...

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Seitenzahl: 153

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Gunnar G. Schönherr

Haarsträubende Geschichten

Manchmal satirisch, manchmal bitter ernst

 

 

 

Dieses eBook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Prolog - Mein Leben als Held

Das Wasserwunder

Auf gute Nachbarschaft

Herr Hübner geht auf Schicht

Nachbarhilfe extra

Auf ein Neues!

Wenn jemand eine Reise tut

Wenn das Handy klingelt

Der Wolf und die sechs Geißlein

Leben in der BRD

Eheliche Absicherung

Ferienfreuden

Religionsfragen

Ein perfekter Plan

Unter Verdacht

Die kleine Raupe

Ochsentour

Eingeseift und angeschmiert

Wettervorhersagen

Geldsorgen ade!

Zurückgeblieben

Es werde Licht!

Als Privatpatient

Dunst unter der Haube

Tanzerfahrung

Eine geniale Logik

Eine Bärengeschichte

Eine Schneckenfabel

Eine Fortsetzung

Neulich auf Facebook

Altersvorsorge

Fahrradsorgen

Endlich Advent

Auf ein Neues

Ein herber Rückschlag

Wer ich eigentlich bin

Vom selben Autor bei GGSV erschienen:

Impressum

Prolog - Mein Leben als Held

Jeder Mensch ist ein Held, jedenfalls wenn man es ganz genau betrachtet. Also auch ich ...

Immer wieder gerät man in Situationen, für die man nichts kann und die ausgesprochen schwierig zu lösen sind.

Natürlich kann ich nur von meinen Erlebnissen berichten und nicht für andere sprechen. Nachfolgend nun ein paar Geschichten, die sich wirklich so zugetragen haben, und ein paar wenige, die erfunden sind.

Die Erzählungen sind bunt gemischt. Zur Auflockerung wurden gar ein paar meiner beliebten Gedichte eingestreut, damit das Büchlein etwas voller wird. Der Preis wurde deswegen jedoch nicht erhöht!

Auch Themen, die Sexprobleme betreffen, wurden angesichts der herausragenden literarischen Erfolge von Charlotte Roche und Helene Hegemann in diesem Werk nicht gänzlich ausgespart. Schließlich bin ich nicht völlig verblödet und habe inzwischen sehr genau begriffen, was „Sex sells“ bedeutet.

Daher ist dieses Buch nicht in vollem Umfang jugendfrei.

Das Wasserwunder

Die Niederländer leben am und mit dem Wasser. Das hat zweifellos Vorteile, ist aber auch mit einigen Einschränkungen verbunden.

Aber der Holländer hat gelernt, mit dem Wasser umzugehen. Unzählige Deiche und Wehre sowie Kanäle und Brücken zeugen von dem Ideenreichtum dieser Menschen. Ja, man kann mit Fug und Recht behaupten, dass diese Leute das Wasser praktisch fest im Griff haben!

Trotzdem ist es nahezu unvorstellbar, dass sie es vor einiger Zeit geschafft haben, Wasser schnittfest zu machen. Das ist, gelinde gesagt, eine ungeheure Glanzleistung der menschlichen Rasse!

Auf gute Nachbarschaft

Nachdem mein etwas seniler Nachbar zuletzt fast täglich vor meiner Tür stand, weil sein Telefon nicht ging, habe ich ihm neulich den Vorschlag gemacht, ein anderes zu kaufen. Bereitwillig hat er zugestimmt und sich für meine Mühe bedankt. „Danke Klaus*“, sagte er, „was du alles für mich tust!“

* Klaus ist der Name seines Neffen.

Danach habe ich fast eine halbe Stunde bei eBay gestöbert, bis ich ein passendes Gerät (Seniorentelefon mit großen Tasten etc.) zum Superpreis von 15,90 Euro gefunden hatte, das ich dann gleich bestellt habe. Bereits zwei Tage später ist das Gerät eingetroffen, war tadellos in Schuss und hat mir sehr gut gefallen. Ein sofortiger Test in meinem Haus ergab, dass es auch einwandfrei funktionierte.

Also bin ich unverzüglich zum Nachbarn ausgerückt und habe es ihm gebracht. Allerdings hatte er sofort erhebliche Zweifel, ob ein Austausch überhaupt sinnvoll wäre, da sein „altes“ ja tadellos funktioniere. Natürlich konnte ich aus verständlichen Gründen auf diesen Einwand nicht näher eingehen und habe mich flugs an die Installation gemacht. Es hat ihn ziemlich beunruhigt, als ich sein altes Telefon sang- und klanglos entfernt und das neue aufgestellt habe.

Wiederholt stellte er meine radikale Maßnahme infrage und ließ durchblicken, dass dies alles unnötig wäre. Ich hatte derweil andere Probleme. Da sein Telefon im Esszimmer steht und der Anschluss sich im Wohnzimmer befindet, gab es keine Möglichkeit, das alte Kabel unbeschädigt zu entfernen. In der Trennwand zwischen Ess- und Wohnzimmer waren nur winzige Löcher, durch die gerade einmal das Kabel passte, jedoch nicht der Stecker, der bei dem ca. 25 Jahre alten Apparat ja noch fest verdrahtet war. Während ich also überlegte, wie ich das Problem lösen könnte, stand er mir immer auf der Pelle und bat schließlich inständig darum, die absolut überflüssige Aktion doch augenblicklich einzustellen.

Aber ich hatte vorgesorgt! Wohlweislich hatte ich den Installationstermin mit seiner Haushaltshilfe, die deshalb ebenfalls zugegen war, abgestimmt. Sie wollte sich auch um die Hose kümmern, die ich für den Nachbarn zweimal gewaschen habe und aus der sich anhaftender Fahrradketten­schmutz trotzdem nicht ganz hatte entfernen lassen.

Also bat ich Frau Lauterbach, sich etwas um den Nachbarn zu kümmern, während ich versuchte, das Problem in den Griff zu bekommen. Letztlich sah ich jedoch keine andere Möglichkeit, als den Stecker zu entfernen, denn sonst hätte ich riesige Löcher in die Wand bohren müssen. Das wollte ich aus nachvollziehbaren Gründen vermeiden.

Möglicherweise hätte mein Nachbar diese Maßnahme auch nicht überlebt. Er hatte ohnehin schon einen recht roten Kopf und auch die Haushaltshilfe hatte große Mühe, ihn zu beruhigen und ihm das neue Telefon schmackhaft zu machen. Zuerst fragte er sie jedoch nach der Funktion der (wenigen) kleinen Knöpfe, die er in seinem Leben bestimmt nicht mehr braucht.

Dann wagten wir den Test. Die Haushaltshilfe wählte mit ihrem Handy seine Rufnummer und siehe da ... es klingelte! Allerdings, das muss ich gestehen, nicht besonders laut. Sofort kritisierte er den Klingelton: „Des hör’ ich doch nicht!“ Also habe ich flugs die Bedienungsanleitung gegriffen und nachgeschaut, wie man die Lautstärke verstellen kann. Nach einiger Zeit habe ich die richtige Stelle gefunden und die Lautstärke geändert. Ein weiterer Test ergab, dass es nun laut genug war.

Danach habe ich ihn gebeten, das Telefon selbst zu testen. Er nahm den Hörer ab und kritisierte das leichte Knistern, das auch ich bei meinen Tests vernommen hatte: „Ha, des isch jo wie beim alte, no wars grad auneitig!“ Ich versuchte ihm dann zu erklären, dass sein altes Telefon ja „Aussetzer“ gehabt hätte und er daher nicht immer telefonieren konnte. Dieses Argument ließ er nicht gelten, denn gerade heute hatte er ja schon erfolgreich telefoniert!

Anschließend entdeckte er am neuen Telefon ein Lichtlein und fragte nach, ob das immer brenne. Erneut griff ich zum Büchlein und konnte herausfinden, dass diese Anzeige auf Anrufe in Abwesenheit hindeutete. Nun wurde es kompliziert. Ich konnte zwar der Bedienungsanleitung spielend entnehmen, wie die dazugehörige Rufnummer aufgerufen und wieder gelöscht werden kann, aber ich konnte ihm diesen komplexen Sachverhalt nicht einfühlsam genug vermitteln.

Herr Hübner geht auf Schicht

Die Finanzkrise anno 2008 hat mich nicht kalt gelassen, Lange habe ich darüber nachgedacht, wie es zu den Problemen kommen konnte. Nach und nach habe ich entsprechende Informationen studiert und somit tief reichende Erkenntnisse gewonnen, wie das Ganze abgelaufen ist und wohl auch in Zukunft ablaufen wird. Dazu nachfolgende, ein wenig unkorrekte Geschichte.

Der Investment-Banker Feinbein schaute gelangweilt aus seinem Fenster im fünfzehnten Stock des Bürogebäudes der Golden-Sachsen-Investmentgruppe. Im Moment gab es für ihn praktisch nichts zu tun.

Die Kurse fielen und fielen. Da war kein Eingriff notwendig. Das Computersystem war exakt programmiert. Sobald die Kurse einen festgelegten Tiefstand erreicht haben, verkaufte der Computer automatisch. Eine Änderung der Situation war nicht in Sicht. Trübsinnig dachte der Banker darüber nach, wie lange er wohl im wahrsten Sinne des Wortes nichts Besseres zu tun haben würde, als aus dem Fenster zu starren.

Plötzlich entdecke er einen Schatten, der das schräg gegenüberliegende Wohnhaus verließ. Er traute seinen Augen nicht. Das wird doch nicht ... Rasch griff er zum Fernglas, das er schon vor einigen Tagen im Büro deponiert hatte, um sich die Zeit besser vertreiben zu können. Tatsächlich! Es war Herr Hübner, der gerade das Haus verlassen hatte! Er konnte durch das Glas genau erkennen, dass dieser in einem nagelneuen Monteuranzug steckte.

„Potzblitz“, stieß er erregt hervor, „das sieht ja gerade so aus, wie wenn der Hübner arbeiten gehen wolle!“

Sein Kollege, der bis dahin mit müdem Gesicht und rotgeränderten Augen auf einen Bildschirm gestarrt hatte, wurde aufmerksam: „Was sagtest du?“

„Du, der Kerl von Gegenüber, der Hübner, ich glaube ..., der geht auf Arbeit!“

„Waaas?“ Die Müdigkeit im Gesicht des Kollegen war wie weggeblasen. Aufgeregt sprang er von seinem Stuhl auf und riss dem anderen das Fernglas von den Augen.

„Tatsächlich!“, stöhnte er aufgewühlt, „der Mann scheint wirklich wieder einen Job zu haben! Schnell, nimm dein Handy, damit wir das später auch beweisen können!“

„Schon passiert“, erwiderte Feinbein gelassen, „das lasse ich mir doch nicht entgehen!“ Aufgeregt fummelte er an seinem Achthundertfünzig-Euro-Smartphone, um den Zoom optimal einzustellen. „Alles drauf!“, keuchte er befriedigt, „das wird garantiert ein Knüller!“

„Was meinst du“, fragte sein Kollege, „um wie viel wird er das BIP1 wohl nach oben drücken?“

„Schwer zu sagen“, erwiderte Feinbein, „so um die hundert Euro vielleicht.“

„Hundert Euro, hundert Euro“, echote sein Kollege, „das ist nicht besonders viel, aber immerhin besser als nichts!“

„Entscheidend ist“, meinte Feinbein, „ob er morgen wieder zur Arbeit geht, denn dann können wir von einer geregelten Tätigkeit ausgehen. Bei einundzwanzig Tagen im Monat sind wir dann schnell über zweitausend. Dann lohnt sich das Geschäft schon wieder!“

„Bis morgen warten! Du hast sie ja nicht mehr alle! Der Kerl steckt doch in einem neuen Arbeitsanzug! Meinst du etwa, er hätte sich den nur für einen einzigen Tag angeschafft? So doof ist doch nicht einmal ein Hilfsarbeiter! Der Hübner ist Montageleiter, das weiß ich aus sicherer Quelle! Da kann man getrost davon ausgehen, dass der wieder eine feste Stellung hat.“

„Du hast ja recht“, brummte Feinbein, „wir müssen schneller sein als die anderen. Wenn die erst spitzkriegen, dass Hübner wieder Arbeit hat, versauen sie uns den ganzen Markt! Also, von wie vielen Monaten wollen wir ausgehen?“

„Monaten? Ich wette jeden Betrag, dass es sich eher um Jahre handelt! Du hast doch gesehen, wie aufrecht der Hübner gegangen ist! Der war doch stolz wie ein Pfau! Der hat garantiert mindestens einen Dreijahresvertrag in der Tasche! Da ist es auch nur noch ein kleiner Schritt, bis der sich eine Immobilie anschafft“

„Ich finde, wir sollten jetzt nicht übertreiben“, schränkte Feinbein ein, „vielleicht hat er eine Probezeit.“

„Der Hübner? Der ist doch mit allen Wassern gewaschen! Der hat früher in seinem alten Job fast den ganzen Laden geschmissen. Falls es überhaupt eine Probezeit gibt, packt er die doch mit links! Drei Jahre, sehr vorsichtig geschätzt, können wir jedenfalls bedenkenlos zugrunde legen!“

„Nun ja“, brummte Feinbein nachgiebig, „drei Jahre wären schon nicht schlecht. Dann hätten wir ja, sagen wir, bei zweihundertzwanzig Arbeitstagen im Jahr mal einhundert Euro, das wären dann doch gleich zweiundzwanzigtausend. Wenn wir dann unsere übliche Basis von zehn Prozent Eigenkapital annehmen, ständen uns summa summarum exakt zweihundert­zwanzigtausend zur Verfügung.“

Sein Kollege nickte zufrieden: „Die erste Tranche, sagen wir mal fünfzigtausend, stecken wir in einen Short Trade2 als SSF3-Arrangement von Hübners neuer Firma. Du wirst sehen, die Aktien werden ganz schön runtergehen, wenn die wieder Leute einstellen. Wenn wir den Rest als ABS4, zum Beispiel als CDO5, auf den Markt bringen, müsste es doch mit dem Teufel zugehen, wenn wir nicht mit wenigstens fünfundzwanzig Prozent im Jahr abschneiden. Damit würden wir in den drei Jahren den neuen Fonds mehr als verdoppeln! Und anschließend können wir dann wieder richtig loslegen! Du wirst sehen, bald spielen wir wieder in der Oberliga!“

„Und wenn es schiefgeht?“, fragte Feinbein zaghaft, er schien noch immer nicht ganz überzeugt.

„Schiefgehen? Was soll den schiefgehen?“, höhnte der Kollege. „Wir haben den klaren Beweis, dass Hübner arbeitet. Zusätzlich sichern wir uns nach oben und nach unten mit CDS6 rundherum ab. Was soll dann noch schiefgehen? Im Gegenteil, wenn wir Glück haben, springt bei den CDS sogar zusätzlich noch etwas heraus!“

Das leuchtete ein. Feinbein grinste: „Und jetzt, wo der Hübner wieder Arbeit hat, habe ich auch schon den ersten Abnehmer für unser neues Produkt im Auge! Der wird sich vielleicht freuen, wenn ich ihm ein unschlagbares Angebot mache! Zusätzlich zum Arbeitseinkommen noch eine quasi kostenlose Immobilienfinanzierung und obendrauf nochmals einen hübschen Batzen von unserem zukünftigen Fonds-Ertrag!“

„Also frisch ans Werk!“, ermunterte ihn sein Kollege, der inzwischen glatt zehn Jahre jünger wirkte, „wir haben noch viel zu tun!“

1 Bruttoinlandsprodukt

2 Leerverkäufe (Verkauf von Aktien, die man gar nicht besitzt) mit Spekulationsziel „Fallende Kurse“

3 Single Stock Futures (SSF) sind Zukunftskontrakte auf Aktien einzelner Unternehmen. Ein Zukunftskontrakt ist ein juristisch bindender Vertrag über das Recht, den zugrunde liegenden Basiswert an einem zukünftigen Datum zu einem festgelegten Preis zu kaufen oder zu verkaufen.

4 Asset Backed Securities sind forderungsbesicherte verzinsliche Wertpapiere, welche Zahlungsansprüche gegen eine Zweckgesellschaft zum Gegenstand haben, wobei die Zweckgesellschaft die Mittel ausschließlich zum Erwerb von Forderungen meist mehrerer Gläubiger verwendet und zu einem Wertpapier verbrieft.

5 Collateralized Debt Obligations ist ein Überbegriff für Finanzinstrumente, die zur Gruppe der forderungsbesicherten Wertpapiere und strukturierten Kreditprodukte gehören. Sie bestehen aus einem Portfolio mit verschiedenen festverzinslichen Wertpapieren.

6 Credit Default Swaps sind Kreditderivate, die es erlauben, Ausfallrisiken von Krediten, Anleihen oder Schuldnernamen zu handeln.

Sie finden, das ist alles nur grenzenloser Schwachsinn? Oder vielleicht sogar nackter Wahnsinn?

Da werde ich Ihnen jetzt nicht widersprechen ...

Nachbarhilfe extra

Erneut bekam ich schwerwiegende Probleme, um die ich mich dringend kümmern musste. Es war nämlich so, dass der Fernseher meines Nachbarn in letzter Zeit unerklärliche Aussetzer hatte.

Eines Abends, während der Tagesschau, hat es bei mir an der Tür geschellt. Es war der Nachbar, der mir erklärte, dass sein Fernseher immer wieder ausginge und er die Absicht hätte, das Länderspiel, das in Kürze ausgestrahlt würde, anzusehen. Diese Aussage verband er mit dem Wunsch, dass ich mir das Problem doch einmal anschauen sollte.

Eigentlich hatte ich ja andere Pläne. Ich wollte mich nämlich nach der Tagesschau ins Bad begeben, um gleich nach dem „Bettfeinmachen“ höchstselbst das besagte Länderspiel am heimatlichen Bildschirm ungestört beäugen zu können.

Nun waren diese Pläne durchkreuzt. Seufzend machte ich mich also auf, um meine Qualitäten als Telefon-, Rundfunk- und Fernsehtechniker erneut unter Beweis zu stellen, denn glücklicherweise ist es ein großes Hobby von mir, an allen erdenklichen technischen Apparaten zu jeder Tages- und Nachtzeit gekonnt herumzuschrauben. Immerhin hatte ich ja mal Schriftsetzer gelernt! Die müssen ja von solchen Sachen eine Ahnung haben ...

Eine kurze Inspektion seiner Televisionsanlage ergab, dass tatsächlich aus unerklärlichen Gründen das Bild immer wieder einmal kurzzeitig verschwand und dann wieder auftauchte. Unter diesen Bedingungen konnte man natürlich ein Fußballspiel nicht optimal verfolgen, das war mir sofort klar! Also machte ich mich daran, die entsprechende Verkabelung zu überprüfen, um dem Phänomen auf die Spur zu kommen. Allerdings ohne messbaren Erfolg! Schließlich trat mir langsam der Schweiß auf die Stirn, besonders, als ich anfing, über die möglichen Alternativen nachzudenken. Sollte ich etwa zum Kauf eines neuen Gerätes raten?

Was aber, wenn am nächsten Tag das „alte“ wieder klaglos funktionierte? Ich malte mir aus, wie die Sache dann ablaufen würde und schwitzte noch mehr! Also verdoppelte ich meine Anstrengungen und bat nebenher den alten Mann, doch bitte nicht ständig am Gerät aus- und einzuschalten, da ich dabei war, mittels Fernbedienung zu überprüfen, ob das Problem auch bei den anderen Kanälen auftrat.

Er erläuterte mit daraufhin, dass er seinen Apparat stets direkt am Bildschirm ein- und ausschalte. Diese wertvolle Information half mir allerdings kaum weiter, denn aus meiner Sicht konnte seine Bedienungsmethode nicht unmittelbar mit der Problematik zusammenhängen.

Nachdem ich über Fernbedienung schließlich festgestellt hatte, dass sich das Gerät im Grunde tadellos darüber bedienen ließ und ich am Ende auf den „Aus-Knopf“ gedrückt hatte, war er sofort zur Stelle, um gleich wieder anzuschalten. „Klaus“, sagte er, „mach bloß des Deng net hee.“

Diese Grundsatzaussage veranlasste mich, nochmals an anderer Stelle nach dem möglichen Fehler zu suchen, denn ich wollte auf jeden Fall einer Schadensersatzpflicht aus dem Weg gehen. Schließlich entdeckte ich, dass an der Mehrfachsteckdose, an der auch der Fernseher angeschlossen war, offenbar jemand vor längerer Zeit mit einem Klebestreifen eine überaus fachmännische Reparatur vorgenommen hatte. Ich ruckelte mit dem Stromstecker ein wenig herum und „Bingo“, plötzlich blieb das Fernsehbild stabil!

Schnell verabschiedete ich mich – nicht ohne schlechtes Gewissen wegen meiner Pfuscherei mit der Fernbedienung – und hoffte inständig, dass meine professionelle Maßnahme wenigstens für die zwei Stunden hielt, in denen das Länderspiel ausgestrahlt wurde.

Am nächsten Tag, gegen elf Uhr, klingelte es wieder an der Tür. Über die Türsprechanlage konnte ich feststellen, dass es der Nachbar war. Mich überlief es heiß und kalt. Möglicherweise ging sein Fernseher nicht mehr! Aber völlig falscher Alarm! Lediglich sein neues Telefon knistere etwas, teilte er mir mit und bat mich herzlich, doch mal nachzusehen, was ich auch gerne tat. Ich ging rüber, überprüfte die Sache, ruckelte kurz am Telefonstecker und konnte daraufhin feststellen, dass das Knistern verschwunden war. Ich dankte dem Himmel!

Das war etwas verfrüht. Denn gut eine Stunde später läutete das Telefon. Ich war im Garten und bin natürlich hektisch ins Büro gehechtet. Bis ich jedoch an den Apparat kam, war die Leitung schon wieder tot. Eine Überprüfung der Anruferliste ergab, dass mein Nachbar vor wenigen Sekunden angerufen haben musste. Ich ignorierte diese Tatsache und begab mich wieder in den Garten, um die Tomaten fertig zu gießen.

Danach inspizierte ich in der Garage mein neu gefertigtes Gartentürchen, das ich am kommenden Samstag einzubauen gedachte. Kaum hatte ich mit einer gewissen Genugtuung meine Arbeit als „ordentlich“ abgehakt, hielt ein Fahrrad vor meinem Haus. Es war der Nachbar. Er kam auf mich zu und sprach: „Klaus, ebbes Neues, mei Fernseh’ got net“.