Hacking Age - Dr. med. Felix Bertram - E-Book

Hacking Age E-Book

Dr. med. Felix Bertram

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Beschreibung

Der richtige Moment für einen Neustart? GENAU JETZT. Mitten im Leben der Schock: Mit 49 Jahren erfährt Dr. med. Felix Bertram, dass sein biologisches Alter bereits bei 74 liegt. Selbst als Arzt hat er das nicht kommen sehen. Nach Jahren des Erfolgs auf Kosten seiner Gesundheit fühlt er sich ausgebrannt und leer – und zieht die Reißleine. Es folgt eine radikale Kehrtwende: neue Prioritäten, neue Routinen, ein völlig neues Lebensgefühl. Felix startet einen Selbstversuch mit ungewissem Ausgang: Wie weit lässt sich das Rad der Zeit zurückdrehen? Und was passiert, wenn man den Mut hat, wirklich etwas zu verändern? »Hacking Age« ist das Protokoll eines radikalen Selbst-Check-ups. Von einem Arzt, der sich traut, endlich den Blick auf sich selbst zu richten – und von dem wir alle viel lernen können. Für ein längeres und besseres Leben!

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
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Seitenzahl: 285

Veröffentlichungsjahr: 2025

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IMPRESSUM

 

eBook: © 2025 GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH, Grillparzerstraße 8, 81675 München

 

GU ist eine eingetragene Marke der GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH

 

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, sowie Verbreitung nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages. Die automatisierte Analyse des Werkes, um daraus Informationen insbesondere über Muster, Trends und Korrelationen gemäß § 44b UrhG (»Text und Data Mining«) zu gewinnen, ist untersagt.

 

www.gu.de/kontakt | [email protected]

 

ISBN 978-3-8338-9860-0

1. Auflage 2025

 

GuU 8-9860 10_2025_02

 

DIE BÜCHERMENSCHEN HINTER DIESEM PROJEKT

Verlagsleitung: Eva Dotterweich

Projektleitung: Stella Schossow

Lektorat: Anne Nordmann

Covergestaltung: ki36 Editorial Design, München, Anika Neudert

eBook-Herstellung: Klara Wimmer

 

BILDNACHWEIS

Autorenfoto (Felix Bertram): Liam Rudolph

Autorinnenfoto (Nina Weber): Inga Sommer

 

Syndication: Bildagentur Image Professionals GmbH, Tumblingerstr. 32, 80337 München, www.imageprofessionals.com

 

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WARUM UNS DAS BUCH BEGEISTERT

Eine Geschichte, fast zu unglaublich, um wahr zu sein – und plötzlich spürst du: Jetzt willst auch du etwas verändern.

Eva Dotterweich, Verlagsleitung

LIEBE LESERIN, LIEBER LESER,

 

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Zu den Autoren

Dr. med. Felix Bertram studierte nach einem Schicksalsschlag Medizin, half als Dermatologe Tausenden von Patientinnen und Patienten und baute eine Klinikkette in der Schweiz auf. Er war bereits bestens informiert über die Forschung zu Longevity, als diese durch einen Alterstest für ihn persönlich relevant wurde. Mit 49 Jahren stellte er seine Gewohnheiten auf den Prüfstand und krempelte – mit viel Herz und wissenschaftlich fundiert – sein Leben um.

 

Nina Weber, SPIEGEL-Redakteurin und Biochemikerin, hat ihre langjährige Erfahrung in evidenzbasierter Medizinberichterstattung in das Buch einfließen lassen.

 

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WICHTIGER HINWEIS

Die Gedanken, Methoden und Anregungen in diesem Buch stellen die Meinung bzw. Erfahrung der Verfasser dar. Sie wurden von den Autoren nach bestem Wissen erstellt und mit größtmöglicher Sorgfalt geprüft. Sie bieten jedoch keinen Ersatz für persönlichen kompetenten medizinischen Rat. Jede Leserin, jeder Leser ist für das eigene Tun und Lassen auch weiterhin selbst verantwortlich. Weder Autoren noch Verlag können für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den im Buch gegebenen praktischen Hinweisen resultieren, eine Haftung übernehmen.

Ich dachte, ich sei gesund. Ich war erfolgreich, diszipliniert, belastbar – eigentlich lief alles, wie es laufen sollte. Dachte ich.

Und dann kam dieser Befund: biologisches Alter 74. Mit 49. 25 Jahre zu alt!

Das hat mich komplett aus der Bahn geworfen. Nicht, weil ich nichts über Gesundheit wusste – ich bin Arzt. Sondern weil ich merkte: Ich habe sie viel zu lange hintangestellt.

Ich schreibe dieses Buch, weil ich weiß: Ich bin nicht der Einzige. Viele von uns schlagen sich täglich mit denselben Fragen herum: Warum liege ich nachts stundenlang wach und kann vor lauter Grübeln nicht einschlafen? Wieso esse ich all dieses Zeug, von dem ich weiß, dass es mir nicht guttut? Warum habe ich das Gefühl, für die Menschen, die mir wichtig sind, nie genug Zeit zu haben?

Ich kenne das alles – und ich habe einen Weg da raus gefunden. Schritt für Schritt. Tag für Tag. Ohne Selbstoptimierungsstress. Heute bin ich biologisch messbar jünger. Aber vor allem: Ich fühle mich auch wacher. Zufriedener. Gesünder.

Wenn ich das kann, kannst du das auch. Es braucht keinen perfekten Plan. Nur diesen einen Moment, in dem du sagst:

Es reicht. Ich mach das jetzt anders.

VORWORT

74 Jahre. Die Zahl lässt mich erstarren. Es ist der 6. Januar 2024. Ich bin 49 Jahre alt, doch ein Test meines biologischen Alters kommt zu dem Ergebnis, ich sei 74. Ein Vierteljahrhundert zu alt!

Ich hatte mich aus Neugier testen lassen. Ich wollte wissen, wie alt ich wirklich bin. War mein Körper so gesund und fit, wie er es mit 49 Jahren sein sollte? Vielleicht wäre ich im Inneren sogar jünger, hatte ich gehofft. Ich fühlte mich nicht wirklich so, als hätte ich schon fast ein halbes Jahrhundert hinter mir. Und oft bekam ich zu hören, ich sähe jünger aus.

Doch nun das! Wie kann es sein, dass ich biologisch schon weit im Rentenalter stehe? Geht es mir schlechter, als mir bewusst ist?

Dieses Testergebnis lässt mich mein Leben genauer betrachten.

Ich habe in den vergangenen Jahrzehnten extrem viel gearbeitet – was mit dem entsprechenden Erfolg belohnt wurde: Als Arzt habe ich eine Klinikkette aufgebaut. Meine Hautpflegelinie ist international erfolgreich. Ich besitze ein Restaurant, das nur vier Monate nach der Eröffnung mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet wurde. Ich bin Investor in der Schweizer Fernsehsendung »Höhle der Löwen« und ich bin als Speaker gefragt.

Auch privat könnte ich nicht zufriedener sein: Ich lebe in einer glücklichen Beziehung, habe einen wundervollen Freundeskreis und durch mein Haus und meinen Garten tollen zwölf Hunde, die ich über den Tierschutz aufgenommen habe und die mir viel Lebensfreude und Liebe schenken.

Mir fehlt nur eines: Zeit.

Der berufliche Erfolg hat seinen Preis. Ich komme kaum zur Ruhe. Die vielen unternehmerischen Entscheidungen, die ich zu treffen habe, rauben mir den Schlaf. Abends trinke ich zu oft Bier, weil ich glaube, anders nicht entspannen zu können. Ich weiß, dass das meiner Gesundheit schadet, aber wie massiv das der Fall ist, wird mir erst bewusst, als ich meinen Lebensstil einer Inventur unterziehe.

Die beginnt mit dem Test meines biologischen Alters.

Ich muss zugeben: Als das Testergebnis vorliegt, bin ich zunächst niedergeschlagen. Erstmals denke ich darüber nach, dass ich nicht gefeit bin vor Alterskrankheiten und Gebrechlichkeit. Doch statt zu verzweifeln, nehme ich die Herausforderung an. Ich werde mich mehr um meine Gesundheit kümmern und mein Leben verändern. Ich will nicht mehr länger buchstäblich bis zum Umfallen arbeiten, nur um in zehn, fünfzehn Jahren mit einem Infarkt oder Schlaganfall tatsächlich umzukippen.

Genau dreißig Jahre zuvor hatte ich schon einmal mein Leben umgekrempelt. In jungen Jahren hatte ich Schauspieler werden wollen und schon als Jugendlicher einige Rollen in Serien gespielt. Damals freute ich mich unbekümmert auf eine aufregende Zukunft.

Das änderte sich im Bruchteil einer Sekunde. Mit neunzehn Jahren, eine Woche nach dem Abitur, fuhr ich nach einer Partie Billard mit dem Motorrad nach Hause, auf dem Rücksitz saß ein Schulfreund. Wir kollidierten – ohne meine Schuld – mit einem Auto. In dem Moment, in dem ich an einer Kreuzung beschleunigte, ignorierte ein Fahrer seine rote Ampel. Ich fuhr frontal in das Auto, flog mehrere Meter. »Dein Bein«, rief mein Freund, das weiß ich noch. Da merkte ich, wie Blut meinen Rücken entlang floss.

Fuß und Unterschenkel waren zerstört. Der Oberschenkel war glatt durchgebrochen und nach hinten abgeknickt. Der Knochen bohrte sich durch die zerrissene Jeans. Die Hauptschlagader des Beines war durchtrennt, wodurch ich rapide Blut verlor. Wäre der Unfall nicht mitten in Hamburg passiert, sondern auf dem Land, wäre ich verblutet. Der Rettungswagen hätte nicht schnell genug vor Ort sein können.

Dieser eine Moment hat mir klargemacht, wie dicht Leben und Tod beieinander liegen und dass es manchmal nur um Sekunden geht: Mit etwas mehr Glück wäre mir an diesem Tag gar nichts passiert; mit etwas mehr Pech wäre ich gestorben.

Seit dem Unfall begleitet mich der Gedanke, wie zerbrechlich das Leben doch ist, und wie endlich. Dieses kostbare Geschenk möchte ich nicht verschwenden.

Statt meine Schauspielkarriere zu beginnen, verbrachte ich den Sommer 1994 im Krankenhaus, die ersten Wochen lag ich im Koma. Das Bein war nicht mehr zu retten. Ich war schon an einer Musicalschule angemeldet gewesen, um Schauspiel und Tanz zu lernen, doch das konnte ich nun vergessen. In so jungen Jahren alle Lebenspläne zerstört zu sehen, war hart.

Während der Chefarztvisite redeten die Mediziner in mir damals fremden Fachbegriffen über mich, anstatt mit mir zu sprechen. Zum Glück nahm sich ein junger Unfallchirurg meiner an. Er kam nach der Visite, um mir alles zu erklären. Abends schaute er oft vorbei und wir unterhielten uns. Über Wochen nahm er sich immer wieder Zeit für mich. Seine fürsorgliche Art machte die Situation erträglich. Und mehr noch: Er weckte in mir den Wunsch, ebenfalls Arzt zu werden.

Im Vergleich zu der massiven Lebensveränderung damals ist das Testergebnis, das mir ein biologisches Alter von 74 Jahren attestiert, kein Schock, sondern bloß ein Weckruf. Die schlimmen Konsequenzen sind ja noch nicht eingetreten. Im Gegensatz zu meinem Unfall damals habe ich heute die Möglichkeit, rechtzeitig gegenzusteuern. Denn die wichtigste Botschaft des faszinierenden Forschungsgebiets der Longevity – also der Langlebigkeit – lautet: Wie schnell wir altern, ist kein Schicksal. Wir können es mit unserem Lebensstil beeinflussen, im Guten wie im Schlechten. Und zwar erheblich: Die Art, wie wir leben, hat einen größeren Einfluss auf das Altern als unsere Gene.

Genau da habe ich angesetzt. Ich habe mein Leben auf den Prüfstand gestellt und in mancher Hinsicht umgekrempelt. Parallel dazu habe ich mich in die Longevity-Forschung eingearbeitet, mit Wissenschaftlern und Ärztinnen gesprochen und immer mehr verstanden, wie alles zusammenhängt.

Je tiefer ich in die Materie eingestiegen bin, desto stärker ist mir bewusst geworden, dass ich nicht bloß ein langes, sondern vor allem ein erfülltes Leben führen möchte. Das Streben nach mehr Lebensjahren ist für mich kein Selbstzweck. Deshalb beschäftige ich mich intensiv mit mentaler Gesundheit, mit meinen persönlichen Zielen, meinen Beziehungen und mit den Momenten und Begegnungen, die das Leben für mich wertvoll machen.

Ich schreibe dieses Buch, weil ich mir sicher bin, dass meine Erfahrung nicht einzigartig ist. Zwar bringen wir durch unser Erbgut alle etwas unterschiedliche Voraussetzungen mit, doch im Kern müssen wir uns alle mit denselben großen Themen beschäftigen: Wie gehe ich mit Stress um? Wie finde ich guten Schlaf? Wie bringe ich das richtige Maß an Bewegung in mein Leben? Wie ernähre ich mich gesund? Wie führe ich gute und erfüllende Beziehungen? Und womöglich auch mit der Frage: Warum trinke ich Alkohol und wie ich kann darauf verzichten?

Wie sich durch diese Entscheidungen das Alter verändern lässt, habe ich am eigenen Leib erfahren: Hacking Age ist möglich! Richtig umgesetzt bietet es nicht bloß das Versprechen von mehr Lebenszeit in der Zukunft, sondern es macht das Hier und Jetzt lebenswerter.

Begleiten Sie mich auf meiner Reise hin zu meinem jüngeren Ich.

DER WECKRUF

Der Test, der mein Leben veränderte, lag monatelang in einer Schublade. Eine befreundete Wissenschaftlerin, Dr. Nichola Conlon, hatte ihn mir gegeben, als wir uns auf einer Longevity-Konferenz trafen. Longevity ist der Forschungszweig, der ergründen will, wie wir möglichst alt werden und dabei lange gesund und fit bleiben. Es ist ein recht neues Themenfeld, dessen Fortschritte mich als Arzt seit Jahren interessieren. Bisher sah ich aber wenig Anlass, diese Erkenntnisse auf mein eigenes Leben anzuwenden.

Da ich wie immer viel um die Ohren hatte, legte ich den Test nach der Konferenz irgendwohin und vergaß ihn. Im Dezember 2023 fiel er mir per Zufall wieder in die Hände und aus einer Laune heraus nahm ich mir dann doch die Zeit, ein paar Blutstropfen aus meinem Finger zu pressen und das Test-Kit einzuschicken. Das Ergebnis interessierte mich, weil ich von Natur aus neugierig bin. Sorgen bezüglich meines biologischen Alters trieben mich nicht um.

Dass etwas nicht stimmte, ahnte ich erst, als der Testanbieter einen Videocall mit mir vereinbarte. Unauffällige Ergebnisse kann man per Mail oder Telefon kommunizieren, für schlechte braucht es den direkten Austausch. Das weiß ich als Arzt.

Ich führe das Gespräch im Urlaub auf Sylt, wo ich das neue Jahr in Ruhe beginnen will. Die vergangenen zwei Jahre haben mich beruflich voll gefordert. Ich habe einige kritische Situationen meistern müssen, um mein Unternehmen erfolgreich zu halten. Das ist zum Glück gelungen.

Ich liebe es, das Jahr, wie fast immer, auf dieser Insel zu beginnen. In diesen Urlauben lese ich viel, treffe Freunde, entspanne mich. Sylt ist meine Seelenoase. Zwei meiner Hunde sind diesmal mit dabei, jeden Tag gehe ich lange mit ihnen am Strand spazieren.

Auch wenn man mich nie auf einer Silvesterparty antreffen wird, weil mir diese fest terminierten Feiern ein Graus sind, markiert der Jahreswechsel für mich einen Neuanfang. Dieses Jahr soll nach den überstandenen Turbulenzen etwas stabiler, etwas ruhiger laufen, denke ich. Mein gedanklicher Fokus liegt dabei allerdings auf der Arbeit, nicht auf meiner Gesundheit. Bis ich den Videocall führe und mich diese Nachricht aufschreckt …

74 Jahre! Mir fällt es schwer, die Zahl an mich heranzulassen. Mit 49 fühle ich mich nicht alt, schon gar nicht so alt. Mein biologisches Alter liegt 25 Jahre über meinem chronologischen. Ungebeten schießt mir eine Frage durch den Kopf: Was, wenn ich nur noch zehn Sommer vor mir habe?

Der Mediziner, der mir die schlechte Nachricht überbringt, erzählt, dass manche, die so ein Ergebnis bekommen, es sich leicht machen und einfach bezweifeln, dass der Test, für den sie sich vorher entschieden und Geld ausgegeben haben, valide ist. Das tue ich nicht. Und gerade deshalb setzen seine Ausführungen bei mir ein Gedankenkarussell in Gang. Habe ich solch einen Raubbau mit meinen Ressourcen getrieben, körperlich und mental? Bin ich an einem Wendepunkt in meinem Leben angekommen?

Bis zu diesem Tag habe ich vor allem für den Erfolg gelebt. Ich habe beruflich alles erreicht, was ich mir vorgenommen habe, und weit mehr, als ich mir als junger Mensch je erträumt hätte. Doch dabei habe ich offensichtlich die Kosten ausgeblendet – und den Erfolg mit meiner Gesundheit bezahlt.

Bei etwa vier von fünf Menschen zeigen sich im Test nur leichte Abweichungen zwischen biologischem und kalendarischem Alter, erklärt mir der Arzt des Testanbieters. Höchstens acht Jahre mehr oder weniger trennen bei ihnen beide Werte. Wenige Menschen seien biologisch deutlich jünger als chronologisch. Ich gehöre zu den ebenfalls seltenen Ausreißern in die andere Richtung.

Was unterscheidet eigentlich einen alten Menschen von einem jungen? Manches sieht man auf den ersten Blick, Falten etwa. Will man das Altern erforschen oder durch Tests ermitteln, muss man allerdings genauer hinschauen. In einem in der Longevity-Wissenschaft geschätzten Fachartikel wurden 2013 neun Kennzeichen des Alterns definiert, 2023 wurden diese auf zwölf erweitert, die sogenannten »Hallmarks of Aging«. Das sind eben nicht graue Haare oder Altersflecken, sondern Mechanismen, die diese Veränderungen bewirken. Einer davon ist die chronische Inflammation, auf Englisch Inflammaging (zusammengesetzt aus Inflammation, Entzündung, und Aging, Altern). Dass Menschen im Alter Infektionen schlechter abwehren können und viele chronische Erkrankungen erst in der zweiten Lebenshälfte ausbrechen, hängt auch mit dem Inflammaging zusammen. Der Test, der mir fast ein Greisenalter attestiert, gibt einen Hinweis darauf, mit welcher Stärke solche chronischen Entzündungen im Körper toben. Oder anders gesagt: Er misst, wie stark das Immunsystem darauf gepolt ist, Entzündungen zu fördern, statt sie zu unterdrücken. Dafür überprüft er chemische Veränderungen an Antikörpern, also an Teilen der Körperabwehr. Die Antikörper sind von sogenannten Glykanen umgeben, deren genaue Beschaffenheit mitbestimmt, ob Antikörper eher entzündungsfördernd oder entzündungshemmend arbeiten. Ihr Muster verändert sich mit dem Lebensalter, daher lassen sie sich als Marker nutzen.

Ich weiß von einer früheren Untersuchung, dass meine Arm- und Beinarterien bereits erste Anzeichen von Verkalkung, der sogenannten Arteriosklerose, zeigen, anders, als das in meinem Alter zu erwarten wäre. Arteriosklerose ist im Kern eine chronische Entzündung, insofern fügt sich für mich durch das Testergebnis nun eins zum anderen.

Es lässt sich darüber streiten, wie exakt dieser eine Test einen so komplexen Wert wie das biologische Alter bestimmen kann. Ein bekannter Altersforscher, Steve Horvath, sagt sogar, er vermeide es, von »biologischem Alter« zu sprechen, weil es dafür keine gute Definition gebe. Dazu muss man wissen, dass eine Methode, die die Alterung der Zellen bestimmt, nach ihm benannt ist: Die Horvarth-Uhr misst sogenannte epigenetische Marker.

Doch wie dem auch sei, aus meiner Sicht hat mein Test seine Berechtigung, selbst wenn er nicht exakt widerspiegeln sollte, wie stark mein Körper, meine Organe und meine Zellen gealtert sind. Dass ich biologisch circa 25 Jahre älter bin, als ich es sein sollte, will ich also ernst nehmen.

Ich merke dennoch, dass ich dem Gespräch über mein Testergebnis schlecht folgen kann. Innerlich wirbeln Fragen durch meinen Kopf: Soll ich mein Leben umkrempeln? Habe ich dafür überhaupt die nötigen Freiräume?

Nachdem wir den Videocall beendet haben, versuche ich, nicht zu grübeln. Schließlich ist das bei Weitem nicht die schlimmste Nachricht, die ich in meinem Leben bekommen habe. Mit Amy und Lionel, den zwei Hunden, die mit auf Sylt sind, gehe ich raus. Bei einem Strandspaziergang kann ich besser nachdenken.

BESTANDSAUFNAHME: EIN BLICK ZURÜCK VOR DEM BLICK NACH VORN

Am Strand mit den Hunden lasse ich meine Gedanken schweifen. Kann ich es schaffen, meine biologische Uhr zurückzudrehen? Wie soll ich diese Veränderung angehen? Am besten, ich beginne dort, wo ich gerade stehe, und mache erst einmal eine Bestandsaufnahme.

Ich liebe mein Leben. Mein Unfall hat mir früh verdeutlicht, welchen Wert es hat. Ich bin dankbar für seine ganze Fülle. Natürlich habe ich auch Sorgen und schlechte Tage, grundsätzlich aber ist mein Name Programm: Felix bedeutet »der Glückliche«. Den haben meine Eltern gut ausgewählt! Mein Optimismus ist unerschütterlich.

Auch was die äußeren Faktoren betrifft, habe ich in vielerlei Hinsicht die besten Voraussetzungen für ein erfülltes, zufriedenes Leben. Das beginnt schon beim Materiellen. Es heißt zwar immer, Geld mache nicht glücklich, dem aber kann man wissenschaftliche Daten entgegenhalten. So sind Menschen in reichen Nationen im Schnitt glücklicher als Menschen in armen Ländern. Ich lebe in der Schweiz, einem der Länder mit dem höchsten Wohlstand weltweit. Der eigene Kontostand beeinflusst laut Studien auch die Lebenszufriedenheit, was mir einleuchtet. Sich sorgen zu müssen, ob das Geld bis zum Monatsende reicht, beim Einkaufen auf jeden Cent achten zu müssen und sich aus Kostengründen nie einfach etwas gönnen zu können, erschwert den Alltag. Das wird wohl jeder bestätigen, der diese Erfahrung schon gemacht hat. Ich bin froh, diese Schwierigkeiten nicht zu haben. Zwar haben mich als Unternehmer durchaus auch mal Geldsorgen wachgehalten, ich musste mir jedoch noch nie Gedanken machen, ob ich mir die nächste Mahlzeit leisten kann.

Den Sylturlaub im Januar habe ich schon immer genutzt, um Bilanz zu ziehen und Neues zu planen. Jetzt ist dieser Prozess intensiver denn je. Ich will verstehen, an welchen Stellen ich falsch abgebogen bin und wie ich meinen Weg neu finde. Deshalb blicke ich zurück bis in meine Kindheit.

Ich bin ein Lehrerkind. Mein Vater unterrichtete an einer Realschule, meine Mutter arbeitete an der Waldorfschule, auf die ich ging. Ich geriet als Kind früh in Konflikt mit der Waldorfpädagogik. Sie beruht auf der von Rudolf Steiner entwickelten Anthroposophie, einer esoterischen Weltanschauung, mit der ich bis heute wenig anfangen kann.

An Waldorfschulen läuft einiges anders als an »normalen« Schulen. Mich ärgerte als Kind vor allem, dass ich wegen Steiners Ideen nicht Fußball spielen durfte. Wir lebten in der Nähe von Trier auf dem Land. Alle Jungs in meinem Umfeld kickten. Mir aber wurde gesagt, das sei zu gewalttätig. Stattdessen musste ich Geige spielen, obwohl ich weder Lust dazu hatte, noch Talent dafür besaß. Seit ich frei entscheiden durfte, habe ich nie wieder musiziert.

Zu Hause hatten wir keinen Fernseher – auch eine Waldorfmaxime. Wenn andere Kinder über die neuesten Serien sprachen, konnte ich nicht mitreden und fühlte mich als Außenseiter. Zudem war ich als Kind etwas übergewichtig. Ich erinnere mich bis heute, wie ich deswegen gehänselt wurde. Wenn ich zurückblicke, sehe ich einen Jungen vor mir, der sich nach Anerkennung sehnte.

Allerdings war ich bereits in jungen Jahren gut darin, mir Ziele zu setzen und diese zu erreichen. Mein erster Coup war mein Wechsel von der Waldorfschule auf ein staatliches Gymnasium. Einer der Gründe für meinen Wechselwunsch war, dass ich mich messen und vergleichen wollte. Da es auf der Waldorfschule erst ab der Oberstufe Noten gibt, wusste ich nie, wo ich wirklich stand. Das gefiel mir nicht.

Als ich diesen Wunsch in die Tat umsetzen wollte, hatte ich hohe Hürden vor mir, denn mein Umfeld war dagegen. Machte es doch einen schlechten Eindruck, wenn der Sohn einer Waldorflehrerin ins staatliche Schulsystem wechselte! Ich weiß noch, wie bei einem Termin drei Lehrer gleichzeitig vor mir saßen und mich davon überzeugen wollten, dass ich es an einem Gymnasium nicht schaffen würde. Es war ein regelrechtes Tribunal: Drei Erwachsene versuchten gemeinsam, einem Jugendlichen einzureden, dass er ein Loser ist! Ich ließ mich jedoch nicht entmutigen. Kurzerhand stellte ich mich allein, ohne Begleitung meiner Eltern, dem Direktor des nahe gelegenen Gymnasiums vor. Offensichtlich machte ich einen guten Eindruck, denn er gab mir eine Chance. Zu Recht – ich hängte mich rein und blieb nicht sitzen, sondern hielt problemlos mit.

Im Rückblick bin ich davon überzeugt, dass durch diese Erfahrung ein Grundstein für meine Zielstrebigkeit und meinen Optimismus gelegt wurde. Ich glaube bis heute fest daran, dass ich alles erreichen kann, was ich mir vornehme, wenn ich nur hart genug dafür arbeite.

Kurz nach meinem Schulwechsel trennten sich meine Eltern. Meine Schwester und ich zogen mit meiner Mutter nach Hamburg, mein Bruder blieb bei meinem Vater.

In Hamburg machte ich meine ersten Schritte in Richtung Unternehmerdasein. Mit 16 Jahren wollte ich nicht mehr bei meiner Familie leben, hatte aber weder eine eigene Wohnung noch Geld für meinen Lebensunterhalt. Also schmiedete ich einen Plan!

In der Nähe meiner Schule, im Stadtteil Wandsbek, lag ein größeres Altersheim. Ich stellte mich dort vor und fragte, ob ich dort wohnen dürfe, wenn ich Einkäufe und Botengänge für die Senioren erledigte. Ich durfte. Ich bekam ein Zimmer und konnte mich in der Küche selbst versorgen. Es lief super. Ich mochte die Arbeiten und Aufträge, die mir die alten Leute gaben. Mir gefiel es, Menschen zu unterstützen. Zudem bekam ich von den Omas und Opas reichlich Trinkgeld, Geldsorgen hatte ich also keine.

Heute wäre so ein Arrangement garantiert nicht mehr möglich bei den vielen Regeln und Auflagen, die es mittlerweile gibt. Vielleicht hatte ich es aber auch damals vor allem der eher unkonventionellen Heimleitung zu verdanken, dass ich in so jungen Jahren diesen großen Schritt in die Selbstständigkeit machen konnte.

Nach dem Schulwechsel in Trier war dies mein zweiter großer Erfolg, der mich merken ließ: Ich war in der Lage, mit mutigen Ideen mein Leben zu meistern! Das klingt viel selbstbewusster, als ich damals war. Trotz dieser Erfahrungen traute ich mir über viele Jahre zu selten zu, in dieser Form mein eigenes Ding zu machen.

Mich plagte zum Glück zwar kein Imposter-Syndrom, das Menschen glauben lässt, sie hätten ihre Erfolge nicht verdient. Doch als Kind und Jugendlicher hatte ich mit größeren Selbstzweifeln zu kämpfen. Erst allmählich haben mir meine Erfolge geholfen, selbstbewusst zu werden.

Ich habe ja schon erwähnt, dass ich in meiner Jugend geschauspielert habe. Mein Weg dorthin begann mit einem Zufall: An der Schule in Wandsbek wurden Teile einer Fernsehserie gedreht: Vater braucht eine Frau mit Klaus Wennemann. Ich weiß nicht, ob sich noch irgendjemand an diese Serie erinnert. Für uns Schüler war das natürlich aufregend. Wir durften als Statisten die Klassenzimmer füllen. Die Sprechrollen gingen an junge Schauspielerinnen und Schauspieler, die über eine Agentur vermittelt wurden.

Als Statist saß ich für einen Dreh neben einem dieser Schauspieler. In mindestens einem Dutzend Anläufe schaffte er es nicht, seinen Text fehlerfrei aufzusagen. Klaus Wennemann war ziemlich genervt und wollte die Szene endlich im Kasten haben. Er fragte ausgerechnet mich, ob ich übernehmen könne. Wahrscheinlich konnte jeder im Raum die wenigen Sätze in- und auswendig, an denen der arme Schauspielnovize gescheitert war. Ich brachte sie jedenfalls nach einer kurzen Übungspause auf Anhieb fehlerfrei heraus. So hatte ich meinen ersten Auftritt im Fernsehen!

Kurz darauf nahm mich eine Schauspielagentur unter Vertrag und ich bekam mehrere Rollen. Einmal stand ich sogar mit Christoph Waltz, der später zwei Oscars gewann, vor der Kamera. Bei meiner Anmeldung an einer Musicalschule sah ich meinen Lebensweg schon vor mir: Vom Kind, das ohne Fernseher aufgewachsen war, zum Schauspieler!

Rückblickend wundert es mich nicht, dass es mir Spaß machte, in verschiedene Rollen zu schlüpfen und auf der Bühne beziehungsweise vor der Kamera zu stehen. Ich war ein junger Mensch, der sich Aufmerksamkeit und Bestätigung wünschte, und die bekam ich durch die Schauspielerei. Doch rechtfertigte das allein eine Berufswahl?

Heute erscheint es mir absurd, wie die Gesellschaft verlangt, dass man sich so jung für einen Beruf entscheidet, den man möglichst ein Leben lang ausüben wird, oder zumindest für ein Studium, das oft schon starke Weichen setzt. Wie soll man in dem Alter wissen, welche Arbeit einen langfristig erfüllt?

Wäre ich in einem anderen Leben, ohne meinen Unfall, auf Dauer mit der Schauspielerei glücklich geworden? Oder hätte mir etwas gefehlt? Ich weiß es nicht. Jedenfalls entschloss ich mich infolge meines Unfalls, Arzt zu werden, und denke heute, dass dieser Beruf sehr viel stärker mit meinem Antrieb und meinen Werten übereinstimmt als die Schauspielerei.

Es ist schon erstaunlich, wie oft Zufälle Entscheidungen beeinflussen. Ohne den jungen Unfallchirurgen, der mich so fürsorglich betreute, hätte ich womöglich einen schlechteren Eindruck von Ärzten und Ärztinnen gewonnen und die Medizin nicht für mich in Betracht gezogen. Welch ein glücklicher Zufall, dass mich jemand behandelte, den ich mir zum Vorbild nehmen konnte.

Durch den Medizinertest schaffte ich es ins Studium, mein Abitur wäre nicht gut genug gewesen. Das Lernen an der Uni fiel mir viel leichter als in der Schule, weil ich besser den Sinn darin erkennen konnte.

Mein ursprünglicher Plan war, Unfallchirurg zu werden wie mein Vorbild. Doch die oft sehr lange dauernden Operationen in der Unfallchirurgie konnte ich körperlich nicht bewältigen. Das stundenlange Stehen mit schwerer Bleischürze – oft muss man während eines Eingriffs röntgen und sich deshalb vor der Strahlung schützen – war mit der Beinprothese zu schmerzhaft.

So fand ich meine medizinische Heimat in der Hautchirurgie. Hier konnte ich auch meinen Sinn für Ästhetik einbringen, weil es neben einem medizinisch einwandfreien zusätzlich um ein möglichst ansprechendes Ergebnis geht. Ich hatte gerade meine Facharztprüfung absolviert, als sich mir die Gelegenheit bot, eine kleine Dermatologiepraxis in der Schweiz zu übernehmen. Ich griff zu.

Ich war und bin überzeugt, dass neben der medizinischen Qualität – die muss exzellent sein, sonst ist alles andere hinfällig – noch viele andere Aspekte wichtig sind, damit sich Patientinnen und Patienten wohlfühlen. Das beginnt beim ersten Anruf in der Praxis und der Gestaltung der Räumlichkeiten.

Schon früh habe ich mich gefragt, warum sämtlich Praxen und Kliniken weiß gestrichen sind und nach Desinfektionsmittel riechen. Das ist doch kein Naturgesetz. In meiner eigenen Praxis wollte ich eine angenehme Atmosphäre schaffen, angefangen bei der Farbgestaltung über Stoffe bis hin zu Düften. Es macht mir Spaß, die Räume nun nach meinen Vorstellungen einzurichten.

Wahrscheinlich gründet sich der Wunsch nach einer ansprechenden Umgebung in meiner eigenen Erfahrung als Patient. Nach der ersten Operation hatte ich eine schwere Knocheninfektion entwickelt, weshalb mir ein weiteres Stück des Beines amputiert werden musste. Ich weiß noch, wie ich in den Operationssaal geschoben wurde: An der Decke fehlte eine Deckenplatte. Eine Pflegekraft trank gerade einen Energydrink, neben ihr lag eine Bananenschale. Ich war 19 Jahre alt, verlor gerade ein weiteres Stück meines Beines, und konnte spüren, wie meine Angst durch diese Umstände noch verstärkt wurde.

Bis heute gehe ich in meinen Kliniken die Wege entlang, die Patientinnen und Patienten nehmen, und prüfe, wie alles auf mich wirkt. Nur wenn die Umgebung eine beruhigende und saubere Ausstrahlung hat, bin ich zufrieden. Meine Angestellten halten es genauso.

Auch einen Leitfaden für Patientengespräche entwickelte ich, um diese so zugewandt und professionell wie möglich zu führen. Das Konzept ging auf. Nach kurzer Zeit war ich so gefragt, dass ich über Monate hinweg ausgebucht war.

In dieser Situation befinden sich viele Ärztinnen und Ärzte und nehmen als Konsequenz daraus dann keine neuen Patienten mehr an. Ich entschied mich für einen anderen Weg: Ich fragte stattdessen eine Kollegin, ob sie bei mir arbeiten wolle. Sie sagte zu. So hatte ich nur drei Monate nach meiner Praxiseröffnung eine erste angestellte Ärztin!

Die Praxis wuchs weiter, weil ich es vorantrieb. Nach drei Jahren waren wir fünf Ärztinnen und Ärzte. Auf dieser Stufe lief es rund zehn Jahre, bis mich 2018 das Gefühl packte, noch mehr im Leben erreichen zu wollen. So entschloss ich mich, eine Hautklinik zu eröffnen. Ich fand ein passendes Gebäude im Rohbau, dessen Innenausbau ich mitgestalten konnte.

Wie schon in meiner Praxis waren mir die Details wichtig. Ich wollte ein unverwechselbares Erlebnis schaffen. In meiner Klinik sollten sich die Menschen wohlfühlen. Nach kurzer Zeit eröffnete ich weitere Standorte, bis ich schließlich fünf Kliniken mit insgesamt 150 Angestellten hatte. Dazu kamen die Hautpflegelinie und das Restaurant – der Erfolg war wie ein Rausch.

Rausch ist definitionsgemäß ein Glückgefühl, das jemanden über seine normale Gefühlslage hinaushebt. Doch Rausch hat auch eine medizinische Bedeutung: Es ist der Ausnahmezustand, den Drogen und Alkohol hervorrufen. Ich war in einem Rausch des Unternehmertums.

Viele Menschen, die Unternehmen gegründet haben, erzählen, wie viel sie für ihre Arbeit geopfert haben. Ich kann bestätigen, wie stark andere Teile des Lebens leiden, wenn man komplett in der Arbeit aufgeht. Nur merkte ich nicht einmal, dass mir wichtige Aspekte abhandenkamen. Ich vermisste nichts. Auch das geht vermutlich vielen Unternehmern und Unternehmerinnen so.

Für Sport zum Beispiel hatte ich in den vergangenen Jahren so gut wie nie Zeit. Gegessen habe ich oft nebenbei im Stress, ohne wirklich darauf zu achten, was für ungesunde Lebensmittel ich da gerade in mich reinschaufelte.

Das Ergebnis meines Alterstests hat mich auch deshalb so bestürzt, weil es schonungslos etwas offenlegte, das ich vor mir selbst verheimlicht hatte: Ich war auf Kosten meiner Gesundheit dem Erfolg nachgejagt.

Jetzt, übermüdet am Sylter Strand, frage ich mich: Warum habe ich mir diesen ganzen Stress angetan? Warum war ich nicht mit meiner Praxis mit ein paar Angestellten zufrieden? Mir wird bewusst, dass ich damals das Leben mehr genossen habe. Jetzt fühle ich mich wie der Gefangene meines Erfolges.

Ich bin in einer Zeit vor Smartphones und Social Media aufgewachsen und trotzdem keineswegs frei davon, mich zu fragen, was andere Leute von mir denken. Vermutlich ist es heutzutage für jüngere Menschen noch schwieriger, sich von den gefühlten Erwartungen anderer zu entkoppeln. Influencer geben vor, wie man sich kleidet, was Erfolg ausmacht, wie ein Urlaub aussehen muss. Alles wird geteilt und gelikt – oder eben nicht. In diesem Umfeld einen Stopp einzulegen und in sich hineinzuhorchen, was man selbst will, anstatt zu tun, was angesagt erscheint, ist schwer. Doch wie gesagt – offenbar kann man diesen Druck auch ohne eine Insta-Jugend spüren. Ich erinnere mich an den pummeligen Jungen, der im Sportunterricht immer als Letzter in die Mannschaft gewählt wurde und der sich so sehr nach Anerkennung sehnte. Wenn ich ehrlich bin, treibt mich dieser Wunsch immer noch zu sehr an.

Ich schaue zu Amy und Lionel. Amy ist ein ungarischer Hirtenhund, schneeweiß mit dunklen Knopfaugen. Sie wurde in Ungarn in einem Käfig gehalten. Als sie 2018 zu mir kam, war sie so schwer traumatisiert, dass sie sich selbst den Schwanz abgebissen hatte. Wie panisch und verzweifelt sie in diesem Käfig gewesen sein muss! Ich werde nie begreifen, wie Menschen so grausam zu Tieren sein können.

Nach ihrer Ankunft in der Schweiz wurden bei ihr Herzwürmer festgestellt, die sie mithilfe von Medikamenten aber zum Glück losgeworden ist. Amy merkt, dass es mir nicht gut geht, und weicht nicht von meiner Seite. Eine treue Freundin.

Lionel ist ein Greyhound. Ich weiß nicht, ob er zu langsam für Hunderennen war oder nicht jagen wollte. Er stammt aus Spanien, wo ihn eine Tierschutzorganisation gerettet hat. Ich habe ihn 2018, am Tag meiner Klinikeröffnung, zu mir holen können. In meinem Büro in der Klinik hängt ein großes Porträt von ihm. Weil er so gern im Weg steht und bockig ist, hat er einen Spitznamen: Esel. Lionel liebt es, zu kuscheln. Er ist dabei überhaupt nicht wählerisch, sondern lässt sich von jedem streicheln.

Während Amy ein Ausbund an Gefühlen ist, ist Lionel immer im gleichen Modus. Ich liebe sie beide. Wenn ich mir diese Hunde ansehe, die jetzt ein liebevolles Zuhause haben und ein glückliches Leben führen, denke ich, dass ich selbst in meiner größten Stressphase vieles richtig gemacht habe.

Ich rufe den Arzt noch einmal an, der mir die schlechte Nachricht überbracht hat, und frage ihn, ob ich mein biologisches Alter zurückdrehen kann. Zu meiner Freude ist seine Antwort eindeutig: Ja! Das sei möglich. Jedoch nur, so schiebt er hinterher, wenn ich bereit sei, meine Lebensweise ehrlich zu überprüfen und zu verändern.

Wenn ich meine Lebensjahre zurückgewinnen will, muss ich gesünder leben, das ist mir klar. Doch mir geht es um mehr als das. Ich möchte nicht mehr weitermachen wie bisher! Ich will wieder bewusster leben. Mein Leben mehr genießen.

Ich nehme mir fest vor, einiges zu ändern. Dafür brauche ich einen Plan. Wie meine Vergangenheit zeigt, war ich zum Glück schon immer gut darin, Pläne zu schmieden und sie umzusetzen. Also ist das mein nächster Schritt.

MEIN PLAN: AUF DIESEN DREI SÄULEN STEHT EIN GLÜCKLICHES UND ERFÜLLTES LEBEN