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Heike Bänsch - Schauspielerin, Regisseurin und Trainerin - lädt in diesem Buch ein, das Leben als einen schöpferischen Akt zu begreifen, mit der eigenen Person und Persönlichkeit in der Hauptrolle. Den Leser:innen wird aufeinander aufbauend die Handwerkskunst der Kommunikation mit allen erforderlichen Werkzeugen wie Körperausdruck, Gestik und Mimik, innere Haltung sowie Atem und Stimme nahegelegt und teilhabend zur Verfügung gestellt. Das Buch ist ein bodenständiger Begleiter und glaubhaft für die Leser:innen durch die persönliche und direkte Schreibweise der Autorin, die selbst eine erfolgreiche Geschäftsfrau ist. Die anschaulich beschriebenen Übungen im Buch können auch gehört werden. Die Autorin motiviert die Leser:innen zum bewussten Wahrnehmen eigener Möglichkeiten und dem Erleben der Freiheit, die darin liegt, mit voller Verantwortung für unsere Handlungen: Hallo, hier bin ich!
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Veröffentlichungsjahr: 2022
Heike Bänsch – Schauspielerin, Regisseurin und Trainerin – lädt in diesem Buch ein, das Leben als einen schöpferischen Akt zu begreifen, mit der eigenen Person und Persönlichkeit in der Hauptrolle. Den Leser:innen wird aufeinander aufbauend die Handwerkskunst der Kommunikation mit allen erforderlichen Werkzeugen wie Körperausdruck, Gestik und Mimik, innere Haltung sowie Atem und Stimme nahegelegt und zur Verfügung gestellt. Das Buch ist ein bodenständiger Begleiter und glaubhaft für die Leser:innen durch die persönliche und direkte Schreibweise der Autorin, die selbst eine erfolgreiche Geschäftsfrau ist. Die anschaulich beschriebenen Übungen im Buch können auch gehört werden.
Die Autorin motiviert die Leser:innen zum bewussten Wahrnehmen eigener Möglichkeiten und dem Erleben der Freiheit, die darin liegt – mit voller Verantwortung für unsere Handlungen: Hallo, hier bin ich!
Heike Bänsch ist für ihre Seminare als Expertin für Körpersprache, Stimme & Präsenz in Einrichtungen des Gesundheitswesens, Behörden und bundesweiten Akademien bekannt. Sie coacht auch im Einzeltraining mit ihrer Methode „Per-Sonare“ Frauen und Männer in beruflichen und persönlichen Kontexten.
Als Schauspielerin und Theater-Regisseurin ist Frau Bänsch in ganz Deutschland und in Europa erfolgreich unterwegs und arbeitet auch mit Künstler:innen aus anderen Ländern zusammen. Darüber hinaus gestaltet Frau Bänsch eigene lyrische Lesungen und kreiert Kunst-Events für Wirtschaftsunternehmen.
www.heikebaensch.de
Heike Bänsch
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Hallo, hier bin ich!
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Ein Sach- und Trainingsbuch mit Audio über
Körpersprache, Stimme & Präsenz
Mein Buch über meine Arbeit
und mein Wirken,
meine Motivation und Leidenschaft
HALLO
HIER
BIN
ICH
Einführung & Lesehinweise
Körperhaltung & Atem
Atem & Stimme
Präsenz & Persönlichkeit
Sind wir nicht alle Selbstfindlinge, getrieben von der Sehnsucht, mit sich selbst befreundet sein zu wollen und bisweilen zu sich selber aufblicken zu können? Sind wir nicht darauf angewiesen, dass uns die Menschen wertschätzen und respektvoll behandeln? Und was macht uns wertvoll für uns selbst und für andere Menschen?
Diesen Fragen geht Heike Bänsch in ihrem Buch nach. Zwar als Übungs- und Trainingsbuch konzipiert ist es aber auch ein sehr persönliches Buch, das die Grundhaltungen und Arbeitsweisen der Autorin zum Ausdruck bringt. Dadurch bekommt das Buch Tiefe und Glaubwürdigkeit. Zudem ermöglicht der klare, strukturierte Aufbau sowohl ein systematisches Durcharbeiten aber auch ein Querlesen.
Es ist ein Buch, das helfen kann – ganz im Sinne der Kant’schen Idee der Mündigkeit –, die nachträgliche Einwilligung ins eigene Dasein zu unterstützen. Mündig ist, wer für sich und aus sich heraus sprechen kann. Dies setzt die Kenntnis und den authentischen Gebrauch von Atem, Stimme und Körperhaltung voraus. Im Leben ankommen bedeutet bei sich ankommen. Die Leser:innen sind eingeladen, sich dieser Arbeit an sich selbst zu stellen und für sich nutzbar zu machen.
Ich kenne Heike Bänsch seit nunmehr über 30 Jahren und durfte an ihren persönlichen und beruflichen Entwicklungen teilhaben, sowohl als Schauspielerin, Regisseurin und Trainerin. Ihre Präsenz und Klarheit, ihre liebevolle Zuwendung und respektvolle Abgrenzung, ihre so große Lebenserfahrung gepaart mit einem umfangreichen Theoriewissen macht sie und ihr Buch so wertvoll auch für Therapeut:innen, Coaches und Trainer:innen. In unserer gemeinsamen Arbeit war ich immer auch Lernender und habe von all diesen Qualitäten sehr profitiert.
Atem ist Bewegung, Bewegung ist Leben. Diese Grundformel durchzieht das gesamte Buch und es scheint, dass jede dieser Übungen von der Autorin zutiefst inhaliert wurden. Die theoretischen Begründungen der Übungen sind in einer auch für Laien verständlichen Sprache formuliert und die Zitate stimmig zu den Kapiteln eingefügt.
Das Buch „Hallo, hier bin ich“ ist ein wunderbares Buch für all jene, die das Wagnis der Selbsterkundung auf sich nehmen, zu sich kommen, bei sich bleiben und sich weiterentwickeln wollen. Es ist auch ein Buch über das radikale Ja zur eigenen Existenz.
Peter Uffelmann
Geschäftsführender Gesellschafter
Competto Consulting Network GmbH
„Hallo, hier bin ich. Ich heiße Heike Bänsch.“
Dies ist eine Theaterübung meiner ehemaligen Schauspiellehrerin Dorothea Gmelin in München. Ihre Übung begleitet mich seit 1987. Weitere Übungen natürlich auch, die ich zu meinen eigenen gewandelt habe, auf meine Art anwende und zum jeweiligen Anlass verändere. Ich erfinde auch neue für bestimmte Ziele, die ich habe. Grund-Übungen gibt es nur eine gewisse Anzahl, doch die Varianten davon sowie die Auslegung und das Augenmerk in dem Moment sind unendlich.
Den Dramen in der Theaterwelt geht es ebenso, sie leben neu und einzigartig durch die Schauspieler:innen und Menschen, die daran arbeiten. Und diese Vielfalt reizt mich. Die Einzigartigkeit und das Schöpferische in meiner Arbeit mit Menschen beleben mich jedes Mal.
Zu Beginn meiner Schauspielerei bekam ich zu hören, dass meine Kunst eine rein reproduktive Tätigkeit sei, da wir Schauspieler:innen nichts Neues schaffen würden, sondern Kunst, die geschrieben ist, darstellen würden. Einzig Komponierende, Schriftsteller:innen und eventuell Regieschaffende sind richtige Künstler:innen, die Neues erschaffen. Ich fand es anmaßend und diffamierend, verletzend und einfach nicht die rechte Ansicht. Doch damals konnte ich nichts erwidern.
Heute stehe ich ein für ein Menschenbild, das mehr ist in sich als bloß eine Reproduktion von anderen. Wir sind alle schöpferisch auf unserem Weg in unserem Leben und gestalten unser Leben einzigartig und einmalig. Niemand ist mehr oder weniger wert. Der Wert ist nicht in Materiellem oder inneren Werten auszudrücken. Viel entscheidender ist unsere Antwort auf die letzte Frage: Wie hast Du gelebt und kannst Du gehen? Ich gehe mit Beuys klarer Aussage: „Jeder Mensch ist ein Künstler.“
Ich arbeite mit Menschen, um … ja warum? Um sie zu Schauspieler:innen zu machen? Nein, überwiegend nicht. Nicht um sie zu Professionellen zu machen, dazu bin ich vielleicht immer wieder zu feige. Die Verantwortung dafür kann ich schwer tragen. So viele Träume, so viele Irrtümer, und so viele Verzweiflungen auf dem Weg. Und so viele Menschen, die das ausnutzen, statt die Persönlichkeit mit ihren Eigenarten und Geheimnissen zu wahren und zu schützen.
Gerade darum geht es mir in meiner Arbeit: Den Menschen in seiner Einzigartigkeit zu belassen, den Weg in die eigene Stärke zu begleiten und die Besonderheiten zum Scheinen zu bringen mit Körpersprache, Stimme und Präsenz. Ich arbeite mit Menschen, die ihren persönlichen Ausdruck kennen lernen wollen. Menschen, die bereit sind, sich ihrem Sein zu stellen und für ihre Handlungen und ihr Leben Verantwortung zu übernehmen.
Die Schauspielerei ist ein wunderbares Medium, um die eigene Persönlichkeit zu finden und nach außen wirken zu lassen: die Person an sich zeigen, das Leben und die Spiele darin zur Schau stellen, sich mit dem eigenen Ausdruck konfrontieren, die Fallstricke erkennen und damit umgehen lernen.
Inszenierungen gibt es auch im Leben und viele davon sind in schlechter Regie entstanden, von rücksichtslosen Regieschaffenden und Mitspielenden, die die Bedürfnisse der anderen benutzen und ausnutzen. Im Leben wie auf der Bühne gibt es viele unreflektierte Darsteller:innen und Rampensäue, oder viel mehr Rampeneber. Wobei die Schweine nichts damit zu tun haben: sie geraten nur in Kampfmodus bei tatsächlicher Gefahr.
Ausbeuterische Schauspiele des Lebens kennen wir alle sehr gut und oft bewundern wir die Akteurinnen und Akteure und lassen uns dadurch noch mehr aus dem Scheinwerferlicht drängen. Diese Art von Kraftkämpfen und rücksichtslosem Handeln bringen Krankheit, Unzufriedenheit und Unfrieden mit sich. Sie tun uns allen nicht gut und doch hält sich diese Art des Umgangs hartnäckig. Unsere schöpferischen Talente werden so in der Tat kleingehalten. Sie dürfen nicht zum Zug kommen, werden willentlich unterdrückt. Damit möchte ich mich im Leben nicht zufriedengeben. Wir haben mehr Potenzial, als wir denken. Wir sind Mitschöpfer:innen unseres Lebens. Ich möchte, dass wir wahrnehmen, in wie vielen Dimensionen der Lebensgestaltung wir uns bewegen können.
Mit diesem Buch biete ich an, Menschen zu begleiten, sie in Kontakt mit sich selbst zu bringen und ihre Persönlichkeit besser kennen zu lernen, um sie bewusster wahrzunehmen.
Das bewusste Wahrnehmen meiner Möglichkeiten bringt eine Freiheit mit sich, die voller Verantwortung ist und mich zur schöpferischen Gestalterin meiner Handlungen und meines Lebens befähigt.
Hallo, auf ein mündiges Leben mit Mut und Herzenskraft!
Mein Buch führt Sie durch meine Arbeit mit Körpersprache, Stimme und Präsenz. Sie begeben sich auf die Reise zu Ihrem stimmigen Ausdruck, um sich klar zeigen zu können:
Hier bin ich!
Ihre
Heike Bänsch
„Hallo, hier bin ich!“ ist ein Übungsbuch und ein Wegbegleiter, ein Buch für jeden Tag und für ab und zu. Ein Buch zum Erinnern, Nachdenken und Anregen. Es ist aufgebaut in Vorwort und Einführung sowie drei große Kapitel:
HALLO
HIER
BIN
ICH
Einführung & Lesehinweise
Körperhaltung & Atem
Atem & Stimme
Präsenz & Persönlichkeit
In den Unterkapiteln finden Sie neben den bewusstmachenden Kerngedanken und dem zusammenfassenden Fazit eine Reihe weiterer Elemente:
Mitnehmen in den Alltag:
Anregungen & Übungenfür den Alltag
Praktische Tipps:
Verhaltensmöglichkeiten in bestimmten Situationen
Beispiel:
Geschichten aus meinen Erfahrungen
Nach(t)-Gedanken:
Nachdenkliches zum Innehalten
Übung:
Selbstwahrnehmung & Selbsterfahrung
Merkzettel:
Essenz klar formuliert, zum Merken
In der Buchversion finden sich zu den Übungen umrahmte Notizfelder. Diese entfallen hier. Sie werden als Gedankenstütze durch drei Rechtspfeile ersetzt: > > > Wann immer Sie diese Pfeile sehen, möchte ich Sie bitten, ein eigenes Schreibheft zu verwenden und darin Ihre Notizen zu machen.
Das e-Book wird von Audioaufnahmen begleitet. Hier habe ich für Sie alle Übungen aufgesprochen, damit Sie sich leichter leiten lassen und die Übungen fast so machen können, als wären wir in einem Raum. Alle vertonten Stellen sind mit dem folgenden Ohr-Zeichen gekennzeichnet:
Für den Zugang zu den Audioaufnahmen müssen Sie mit Ihrem Handy nur den folgenden QR-Code scannen und anschließend den Anweisungen folgen, die der sich öffnenden Seite folgen:
Los gehts, viel Freude mit allem!
Und übrigens: Für das Gendern verwende ich entweder eine neutralere Formulierung, wie zum Beispiel „Komponierende“ statt „Komponist und Komponistin“, oder einen Doppelpunkt, wie zum Beispiel in „Schauspieler:in“.
Unser Körper erinnert alles, was wir erlebt haben. Jedes Erschrecken, jede Freude, jeder Schmerz, jede Verwundung und Verwunderung ist gespeichert in unserem Körpergedächtnis. Dies sichert unser Überleben. Es sind unsere Erfahrungen, aus denen wir ohne nachzudenken reagieren und handeln.
Warum ist das so?
Mit unseren 5 Sinnen begreifen wir die Welt: Sehen, Hören, Fühlen, Riechen, Schmecken. Wir liegen im Bauch der Mutter und hören ihren Herzschlag (jedes Herz schlägt anders, eigen). Wir fühlen durch unsere Haut (unserem größten Organ), das Fruchtwasser, die Schwingungen der Stimme. Wir können schon im Mutterleib mit geschlossenen Augenlidern hell und dunkel unterscheiden, wir schmecken das Fruchtwasser.
Wenn wir auf die Welt kommen, erleben wir einen ganz neuen Abschnitt, den wir neu begreifen und in dem wir uns verhalten müssen. Denn ab jetzt beginnt das Leben, in dem wir bald für uns selbst sorgen müssen. Wir sind nicht mehr „ein Körper mit der Mutter“. Nun riechen wir die Muttermilch und die Ausdünstungen unserer Eltern. Dazu den Angstschweiß derjenigen, die bei der Geburt dabei waren. Wir öffnen die Augen und beginnen bald zu fokussieren, um die Mimik und die Gesten von Vater und Mutter wahrzunehmen und nachzuahmen. Wir lernen unser Überlebensterritorium von Anbeginn gut kennen, damit wir uns auskennen und unmittelbar agieren können, um gehört und gesehen zu werden. Um zu überleben!
Diese Erfahrungen sind in unseren Zellen gespeichert, immer gekoppelt mit einem Empfinden dazu. So entsteht unser Körpergedächtnis. Sobald die Zellen sich erinnern, über die Reize, die von außen kommen, empfinden wir so wie beim ersten Mal. Sobald ein Sinn angesprochen wird, taucht die erlebte Reaktion auf und sendet uns Informationen über den Reiz als Empfindung: angenehm oder unangenehm, eklig oder appetitlich, Freund:in oder Feind:in, vertrauenerweckend oder abstoßend und so weiter.
Es werden dadurch Hormone ausgeschüttet, die das Erleben im Körper unterstützen: Wir werden aggressiv, wir beruhigen uns, wir erröten schamvoll, sind verwirrt, zurückhaltend, fühlen uns klein oder stark. Die Gefühle bringen uns dann in bestimmte Handlungen und der Verstand erklärt nachher, warum wir so oder so gehandelt haben. Der Verstand rechtfertigt unser Tun, obwohl wir nicht aus der Vernunft heraus gehandelt haben, sondern rein als Reaktion auf unsere Sinne und aus dem Gedächtnis heraus, aus dem Gefühl, das wir dazu abgespeichert haben.
Wir reagieren aus der Erinnerung und verhalten uns instinktiv. Das hat unser Überleben garantiert und darum ist es nützlich für unser weiteres Leben. Wir lernen in den ersten Jahren, was gefährlich ist, von wem Gefahr droht, was uns schützt und rettet. All diese Erfahrungen geschehen unmittelbar ohne bewusstes Auf- oder Annehmen. Wir reflektieren nicht, weil wir es noch nicht können. In der Pubertät beginnt es: Wir müssen uns abkoppeln von den Eltern, um ein eigenes mündiges Leben führen zu können. In dem Prozess kann das bewusste Wahrnehmen beginnen. Damit beginnen wir zu reflektieren.
Mündig und erwachsen zu sein und zu handeln kann nur geschehen, wenn wir uns bewusst wahrnehmen. Die meisten Handlungen geschehen aus dem subjektiven Wahrnehmen der Umwelt. Unsere Erinnerungen sind geprägt von Empfindungen und Bewertungen, die in dem Augenblick des ersten Erlebens unmittelbar geschahen. Die Bedeutung einer Situation im Jetzt wird immer verglichen mit einem Augenblick aus der Vergangenheit. Dies ist ein Mechanismus, der uns unterstützt, schnell eine Situation zu erfassen und damit umzugehen. Wir können in einen Raum mit lauter fremden Menschen gehen, ohne panisch zu werden, weil unsere Sinne die Situation erfassen und uns oftmals beruhigen: Kenne ich, ach ja, der oder die, Geruch klar, da bin ich erst mal sicher.
Können wir nicht aus unserem Körpergedächtnis heraus reagieren und agieren, dann sind wir überwiegend damit beschäftigt, uns zu sichern, neu kennen zu lernen und uns zu schützen. Wir brauchen also unser Körpergedächtnis einerseits und anderseits können wir nur erwachsen und mündig handeln, wenn wir reflektieren. Ein Widerspruch?
Es bedeutet gute Teamarbeit in unserem Gehirn zwischen dem limbischen System mit den erlebten Erfahrungen und den Nervenzellen im Neokortex, durch die wir neue Erfahrungen aufnehmen.1 Das Bewusstmachen des Augenblicks schafft eine Verschaltung der verschiedenen Gehirnareale und dadurch kann ich mir das Erlebnis im Moment ansehen. Ich verknüpfe damit alte Erfahrungen mit neu Erlebtem.
Fazit
Unser Körpergedächtnis speichert die ersten Erlebnisse, die wir über die Sinne erfahren, in den Zellstrukturen ab. Ab diesem Moment ist eine Regel aufgestellt und in uns verankert, wie wir bei dem nächsten ähnlichen Sinneserlebnis reagieren. Wir horten also einen Schatz an Erfahrungen, der auch immer wieder zum Vorschein kommt, und doch sind wir uns dem nicht bewusst. Die meisten Erlebnisse sind aus der frühsten und frühen Kindheit und prägen unser gesamtes Leben. Da wir die Reaktion auf die Sinneswahrnehmungen wiederholen, weil unser Körpergedächtnis auf den Reiz sofort anspringt, verhalten wir uns in (oder trotz) unterschiedlichen Situationen ähnlich. Dadurch wird es normal für uns und zur Gewohnheit. Gewohnheiten schaffen Sicherheit und veranlassen, dass wir unsere Reaktion für normal und richtig halten.
Wir können aber jederzeit neue Erfahrungen aufnehmen, speichern und zur Gewohnheit werden lassen. Dadurch können alte Muster in den Hintergrund geraten und neue Erfahrungen springen schneller an.
Nach(t)-Gedanken
Die Welt, wie sie jeder von uns wahrnimmt, ist an sich subjektiv. Wir nehmen sie jede:r anders wahr. Gibt es dann die eine Welt? Gibt es die eine Wahrheit?
Wir einigen uns bei Gegenständen auf bestimmte Begrifflichkeiten, damit wir uns verständigen können, ohne diskutieren zu müssen, was mit dem Wort gemeint ist: ein Stuhl, ein Tisch et cetera. Doch bei Geschmack und Empfindungen entstehen schnell Missverständnisse und wir brauchen viele Erklärungen: Was ist lecker und was nicht? Was ist gut und was ist böse? Liegt es dann nicht im Auge der Betrachtenden?
Ich kann mich mitteilen über meine Welt und meine Erfahrungen, kann somit meine Wahrheit darlegen. Damit bin ich in Verbindung mit meinem Fürwahrnehmen und stelle eine Brücke her zu meinen Mitmenschen. Meine Sinne und mein Bewusstsein sind ein Kompass in meinem Leben.
Auf dem Weg ins erwachsene Leben wollen wir uns abgrenzen und eigene Pfade gehen. Wir wollen Akteure unseres Lebens werden und nicht Marionetten sein oder nur Mitspieler:innen. Wir wollen agieren.
Genau dafür brauchen wir das bewusste Wahrnehmen. Unser Körpergedächtnis reagiert über einen Reizimpuls aus der Vergangenheit heraus und unser Handeln ist eine Reaktion darauf. Wollen wir agieren, braucht es eine Entscheidung, ob ich wie gewohnt handle oder eine andere Möglichkeit wähle. Dazu muss mir im ersten Schritt bewusstwerden, was ich fühle und wie mein Körper reagiert. Diese Bewusstwerdung müssen wir üben. Es ist eine Entwicklung, die wir brauchen für ein erwachsenes Handeln. Wir können lernen, neue Verhaltensweisen annehmen, Wissen speichern, bis wir sterben. Ich kann mich entscheiden und sagen, ich will das nicht. Und dann nehme ich es in meiner Verantwortung meines erwachsenen Lebens auf. Ich verantworte ab einem gewissen Punkt meines Lebens meine Handlungen.
Entwickle ich ein Bewusstsein für meine Reaktionen auf Sinneswahrnehmungen, dann bin ich Akteur:in meiner Handlungen: Ich kann bewusst agieren durch die Entscheidungen, die ich treffe. Fast immer habe ich alternative Handlungsoptionen. Akteur:in des eigenen Handelns werden – dazu möchte ich in meinem Buch die Leser:innen motivieren.
In meinen Seminaren stelle ich einen Raum bereit, in dem sich jede:r Einzelne sicher fühlen kann und so angenommen wird, wie sie oder er ist. Dieser geschützte Raum lädt ein, Neues zu erfahren und sich eigener Reaktionen bewusst zu werden. Wo Angst, Druck und Unterdrückung herrscht, sind wir unsicher und nicht bereit, offen auf Neues zuzugehen. Wir handeln unter großer Belastung, pressen uns hinein in Muster und reagieren aus unserem Überlebensprogramm heraus. In bestimmten Situationen ist dies notwendig. Manchmal wachsen wir auch über uns hinaus in unserem Überlebenswillen, doch ist dies kein entspanntes Kennenlernen und bewusstes Wahrnehmen. Es sind viel mehr mit Hormonen vollgepumpte Körper, die ums Überleben kämpfen.
Fazit
Eine Entwicklung, zu der ich „ja“ sage, kann ein entspanntes Kennenlernen von neuen Erfahrungen mit sich bringen: Ich bin dann meiner Selbst bewusst und sicher aufgehoben, und ich genieße Handlungsfreiheit. Ich nehme wahr und verantworte mein Tun. Ich muss nichts rechtfertigen und bin in meinem Dasein und Sosein. Ich agiere und trage die Konsequenzen meiner Entscheidungen und stehe für mich ein:
Hallo, hier bin ich!
Unser Körper reagiert auf alles, was uns begegnet. Die Körpersprache ist daher eine Sprache, die sich mitteilt und gelesen wird. Eine Sprache, die wie andere Sprachen ein Werkzeug ist in unserem Kommunikationskoffer. Sie ernst zu nehmen und sie bewusst zu nehmen, dient unserer Möglichkeit, verantwortungsvoll und souverän im Alltag zu sein. Da unser Körper unmittelbar aus der Erinnerung reagiert, ist das Körpergedächtnis schneller als unser Verstand.
„Körpersprache kann nicht lügen.“
Samy Molcho2
Mit dieser Aussage meint der bekannte Pantomime Samy Molcho genau diesen Vorgang der unmittelbaren, instinktiven Reaktion unseres Körpers.
Bitte versuchen Sie es selbst mit einer Übung zur Körperwahrnehmung:
Übung 1
Setzen Sie sich bitte auf einen Stuhl mit Rückenlehne, lehnen Sie sich an. Beide Füße sind auf dem Boden. Gehen Sie mit der Aufmerksamkeit zu Ihren Füßen und nehmen Sie wahr, dass diese auf dem Boden stehen.
Dann leiten Sie Ihre Aufmerksamkeit weiter über die Beine zu den Oberschenkeln und Becken. Spüren Sie, dass Oberschenkel und Becken gut und sicher auf dem Stuhl aufliegen. Der Rücken ist angelehnt und oben thront der Kopf, die Arme hängen rechts und links an den Schultern. Sie atmen ein und nehmen wahr:
Wo im Körper können Sie den Atem spüren?
Wie fühlt sich das Einatmen an?
Und wie fühlen Sie sich in dieser Sitzhaltung?
Nun setzen Sie sich bitte nach vorne an die Stuhlkante, beide Füße auf dem Boden mit aufrechter Wirbelsäule. Gehen Sie mit der Aufmerksamkeit zu den Füßen, weiter über die Beine zum Becken und entlang der Wirbelsäule hoch zum Kopf und den hängenden Armen. Atmen Sie bewusst ein und spüren Sie:
Wo können Sie Ihren Atem wahrnehmen?
Wie gut fühlt sich nun das Einatmen an?
Und wie fühlen Sie sich in der Sitzhaltung?
Bitte bleiben Sie vorne aufgerichtet sitzen und erinnern Sie sich an das Sitzgefühl bei der angelehnten Sitzhaltung. Ihr Körper erinnert sich:
Verändert sich Ihr Körpergefühl jetzt? Wenn ja, wie?
Hat sich Ihr Atem verändert?
Hat die Körperspannung sich verändert?
Notieren Sie es sich gerne, um es noch mal klar für sich zu haben.
Atem in beiden Haltungen:
> > >
Körperspannung in beiden Haltungen:
> > >
Gefühl in beiden Haltungen:
> > >
Veränderung nur durch erinnern:
> > >
Mit dieser Übung möchte ich Sie in eine Erfahrung bringen und Sie wahrnehmen lassen, wie schnell unser Körper auf Veränderungen reagiert. Und wie gut unser Körper lernt und sich erinnert. Wir können uns diese Erinnerungen zunutze machen und bewusst an bestimmte Momente denken, um wacher oder entspannter zu werden. Unser Körper reagiert darauf sofort mit einer anderen Atmung und Körperspannung. Der Atem reagiert noch bevor sich die Körperspannung verändert. Mit der Reaktion der Atmung erfolgt dann eine veränderte Spannung im Körper.
Was wir schon erlebt haben, ist gespeichert, und was uns häufig begegnet Gewohnheit. Das Neue versetzt unseren Körper in Habachtstellung. Adrenalin wird ausgeschüttet und wir sind fokussierter, angespannter und wacher. Denn es bedeutet Gefahr für unsere Existenz, für unser Leben. Unser Körper muss erst lernen, mit diesem Reiz und dem, was wir wahrnehmen, umzugehen. Einerseits reagieren wir natürlich aus einem großen Erlebnisschatz, anderseits aus der Vergangenheit heraus. Aus diesem Grunde ist es wichtig und verantwortungsvoll, wenn wir die Reaktionen und aufsteigenden Gedanken überprüfen und einen neuen Blick auf den Reiz und den Moment werfen.
Neue Erfahrungen können wir in unserem Körpergedächtnis jederzeit aufnehmen. Wir müssen dies bewusst tun. Dafür braucht es Aufmerksamkeit und mentale Arbeit. Es braucht auch den Faktor Zeit, da Neues immer geübt werden muss, wenn wir es auf Dauer in unseren Werkzeugkoffer mit aufnehmen wollen.
Fazit
Unser Körper kann nicht lügen. Damit haben wir einen sicheren Seismografen an unserer Seite. Ich lerne meinen Körper kennen und bin im Dialog mit meinen Sinnen. Damit schaffe ich eine Sicherheit, die mir niemand nehmen kann. Ich bin verknüpft mit dem Wissen und den Empfindungen meines Körpergedächtnisses. Ich agiere aus diesen Verknüpfungen heraus in dem Moment, jetzt.
Unser Atem zeigt uns, wie es uns geht. Und was wir gerade wahrnehmen, wie wir uns fühlen, was wir brauchen. Wir atmen schnell oder langsam, mit offenem oder geschlossenem Mund, flach und kurz, mit und ohne Geräusche, tief und lang.
Übung 2
Sitzen Sie bitte auf einem Stuhl mit Rückenlehne. Bitte beide Füße auf dem Boden. Gehen Sie mit der Aufmerksamkeit zu den Füßen und weiter über die Beine zum Becken. Spüren Sie, dass die Oberschenkel und das Becken gut und sicher aufliegen. Gehen Sie nun mit Ihrer Aufmerksamkeit entlang der Wirbelsäule hoch bis zu den Schultern. An den Schultern hängen die Arme, an deren Ende die Hände, die Finger. Dann wandern Sie in der Vorstellungskraft wieder zur Wirbelsäule und weiter den Nacken hoch bis zum Kopf.
Sie atmen ein und aus, spüren beim nächsten Atmen, wo der Atem hingeht. Dort legen Sie bitte Ihre Hände hin, es können auch zwei verschiedene Stellen sein. Atmen Sie ein und spüren Sie, ob das Auflegen der Hände das Wahrnehmen verändert hat oder nicht. Atmen Sie weitere 3x ein und aus.
Bitte legen Sie nun beide Hände auf den unteren Bauch, atmen Sie ein in die Hände (in die Wärme Ihrer Hände oder in den leichten Druck, den Sie auf dem Bauch spüren können). Nehmen Sie wahr, wie nun Ihr Atem verläuft und was sich vielleicht verändert hat.
Bitte legen Sie jetzt beide Hände auf den Brustkorb, atmen Sie ein in Ihre Hände (in die Wärme Ihrer Hände oder in den leichten Druck, den Sie auf dem Brustkorb spüren können). Nehmen Sie wahr, wie nun Ihr Atem verläuft und was sich vielleicht verändert hat.
Bitte legen Sie dann eine oder beide Hände rechts und links an den unteren Rücken auf die Nierengegend und lehnen Sie sich an, wenn es für Sie machbar und angenehm ist, und atmen Sie in Ihre Hände (in die Wärme Ihrer Hände oder in den leichten Druck, den Sie auf den Nieren spüren können). Nehmen Sie wahr, wie nun Ihr Atem verläuft und was sich vielleicht verändert hat.
Nun legen Sie Ihre Hände ab, dahin wo Sie wollen und spüren Sie Ihrem Atem nach:
Wie fühlt sich Ihr Körper an?
Wo können Sie nun Ihren Atem spüren?
Schreiben Sie gerne auf, was Sie erfahren haben:
> > >
Unser Atem folgt der Hand. Wir können ihn nicht auf Knopfdruck verändern, jedoch über ein Innehalten und die Berührung der Hände. Es geht wieder um ein Bewusstsein des Körpergefühls. Wir können unsere Atmung mental beeinflussen und nicht über einen Eingriff in den Ablauf des Atemvorganges. Jedes unserer Herzen schlägt ein wenig anders im eigenen Herzrhythmus. Jede:r von uns atmet anders. Ohne Herzschlag und ohne Atem können wir nicht leben. Beides ist selbstverständlich für uns. Wie vielleicht das Leben und unser Körper an sich. Und dabei ist es unser höchstes Gut: der physische und psychische Körper.
Das Leben ist wertvoll: Achtsamkeit und Liebe ein Grundgut und eine Herzensangelegenheit.
