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– Sind Sie unzufrieden mit Ihrem Partner – oder mit sich selbst? Das können Sie jetzt ändern! Dieses Buch verrät Ihnen, wie Sie mit Leichtigkeit das Beste in ihm zum Vorschein bringen und sich dabei immer mehr in die Frau verwandeln, die Sie gern sein würden. – Stecken Sie in einer Beziehungskrise? Wir zeigen Ihnen, wie Sie die Verbindung zu Ihrem Mann Schritt für Schritt erneuern und vertiefen. – Sie sind Single und auf Partnersuche? Wenn Sie wollen, dass beim nächsten Mann alles anders wird, lassen Sie sich von diesem Buch inspirieren! – Sind Sie gerade frisch verliebt? Dann ist dieses Buch für Sie Gold wert. Es gibt Ihnen das Wissen und die Tools, mit denen Sie aus Ihrer jungen Liebe eine großartige, dauerhafte Beziehung bauen können. – Wären Sie gern seine absolute Nummer eins? «Hallo Tarzan!» zeigt Ihnen den direkten Weg zum Herzen Ihres Liebsten! Mit dem «Fabulous Factor®» können Sie glückliche, produktive und stabile Beziehungen aufbauen: mit Ihrem Partner und mit allen anderen Menschen, die Ihnen wichtig sind.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 306
Veröffentlichungsjahr: 2009
Gigi Tomasek / Birgit Claire Engel
Hallo Tarzan!
Durch bessere Kommunikation zu einer glücklichen Beziehung – Die PowerConnections®-Methode
Der Mann, den Sie gerade küssen, könnte schon bald Ihr Märchenprinz sein. Das glauben Sie nicht? Weil es mit ihm längst nicht mehr so romantisch ist wie früher, weil seine Aufmerksamkeit deutlich nachgelassen hat und, vor allem, weil er Sie einfach nicht versteht?
Tatsache ist: Männer können Frauen nicht verstehen. Wie denn auch? Wir wissen mittlerweile, dass Männer vom Mars kommen und völlig anders gestrickt sind als wir: Wenn sie Probleme haben, greifen sie nicht zum Telefon, um ihren besten Freund anzurufen, sondern machen Überstunden, oder sie vergraben sich stundenlang hinterm heimischen Computer. Und das liegt nicht an ihrer Erziehung, sondern daran, dass ihr Gehirn anders funktioniert: männlich eben.
Frauen wollen verstanden werden.
Männer wollen akzeptiert werden.
Das Hauptthema von Männern ist es, akzeptiert zu werden. In einer Partnerschaft ist das für sie ganz besonders wichtig. Draußen in der Welt muss Ihr Partner täglich neue Probleme in den Griff kriegen und erfolgreich sein. Zu Hause will er nicht auch noch unter Leistungsdruck stehen. Er will entspannen – und einfach so akzeptiert werden, wie er ist. Und während da draußen lauter andere Männer de facto erfolgreicher sind als er, will er zumindest an einem Ort auf der Welt der Größte sein: bei Ihnen!
Nun, Sie haben auch eine Menge um die Ohren, und alles, was Sie sich wünschen, ist ein bisschen mehr Verständnis und Einfühlungsvermögen von seiner Seite. Wenn Sie frustriert und erschöpft sind, sehnen Sie sich danach, in seinen Armen zu liegen und sich Ihren Kummer von der Seele reden zu können. Sie brauchen Streicheleinheiten, keine Ratschläge! Doch das mitfühlende Zuhören und wortlose Verstehen, das Sie von Ihren Freundinnen gewohnt sind, liegt ihm nun mal nicht. Er denkt, es sei das Beste, Sätze zu sagen wie: «Komm schon, so schlimm kann es doch gar nicht sein!» Das macht Sie rasend. Natürlich ist es schlimm! Und nun ist es noch viel schlimmer, weil er Sie partout nicht verstehen will. Er ist irritiert. «Jetzt hab ich ihr den besten Tipp gegeben, den ich kenne, und sie wird sauer auf mich!», denkt er. Er versucht nochmal, Ihnen den Frust zu nehmen, in der Annahme, Ihnen damit einen Gefallen zu tun. Und bekommt wieder einen auf den Deckel: «Du bist so unsensibel!»
Nun sind Sie beide frustriert. Keiner hat bekommen, was er will: Er versteht Sie einfach nicht, und Sie akzeptieren seine Art nicht. Das ist der Grundkonflikt. Und hier ist die Lösung:
Werden Sie sein Coach!
Männer wollen ihre Partnerinnen glücklich machen. Oft wissen sie aber nicht, wie. Denn sie denken und fühlen komplett anders als wir. Sie sind von Natur aus dazu gemacht, gewinnen zu wollen und schnurstracks aufs Ziel zuzumarschieren. Schwäche zu zeigen würde bedeuten, sich angreifbar zu machen und den Glauben an sich selbst zu verlieren. Das ist das Schlimmste, was einem Mann passieren kann.
Deshalb verleugnen Männer ihre Gefühle und stehen ratlos davor, wenn wir jammern und unseren Gefühlen hemmungslos freien Lauf lassen. In solchen Momenten machen sie sich ernsthaft Sorgen um uns und unseren Geisteszustand. Für sie ist es rätselhaft, wie man sich dermaßen gehen lassen kann, ohne psychisch Schaden zu nehmen! So tun sie alles, um uns abzulenken und unsere Probleme herunterzuspielen. Und haben nicht die leiseste Ahnung, was wir meinen, wenn wir sagen: «Versteh mich doch endlich!»
Wenn Sie wollen, dass ein Mann Ihnen zuhört, müssen Sie ihn zuallererst so akzeptieren, wie er ist. Mit allen seinen Stärken und Schwächen. Und dann können Sie ihn coachen, Ihnen zuzuhören.
Männer lassen sich gern coachen. Sie kennen es vom Sport, z.B. vom Fußball, und vom Berufsleben. Männer wollen gewinnen, und deshalb hören sie auf ihren Coach.
Ein guter Coach motiviert seine Spieler, indem er immer fest daran glaubt, dass sie Erfolg haben werden. Das gibt ihnen Selbstvertrauen. Fehler zu machen ist okay, dann versucht man’s eben nochmal. Ein guter Coach ist auf der Seite seines Teams. Er spielt keine Spielchen mit seinen Leuten, sondern gibt klare Instruktionen und sorgt dafür, dass sie Spaß bei der Sache haben. So schafft er ein Klima, in dem sie über sich hinauswachsen. Deshalb bewundern, respektieren und vertrauen Männer ihrem Coach. Für ihn geben sie alles.
Sie können den gleichen Zugang zu Ihrem Mann haben: Behandeln Sie ihn wie ein guter Coach.
Sie können ihn in allem coachen.
Praktisch auf jedem Gebiet funktioniert diese Methode. Sie können ihn coachen, romantisch zu sein, wieder neugierig auf Sie zu werden, Haushaltspflichten mit Ihnen zu teilen, an Ihren Geburtstag zu denken, Sie gern gehen zu lassen, wenn Sie mal was ohne ihn vorhaben, und Sie herzlich in Empfang zu nehmen, wenn Sie zurückkommen. Sie können ihm sogar beibringen, in welchem Ton er mit Ihnen spricht, wie er Ihnen zuhört, wie er im Gespräch auf Sie eingeht, wie er Sie im Bett verwöhnt… was immer Ihr Herz begehrt!
Warum coacht er sich nicht selbst? Männer sind zwar interessiert an einer Beziehung, aber wie wir alle wissen, gehört es nicht gerade zu ihren Stärken, eine Partnerschaft aufzubauen und lebendig zu halten. Ihre Stärken liegen woanders, wie wir später sehen werden – und da können dann wir Frauen eine Menge von ihnen lernen.
Natürlich sind für eine Beziehung beide Partner gleichermaßen verantwortlich. Doch damit die Liebe funktioniert, braucht es Know-how und viel gute Pflege. Und darin sind wir Frauen von Natur aus die Experten.
Auch Sie haben das Zeug dazu, ein guter Coach zu sein!
Wer das Wissen hat, hat auch die Verantwortung. Wenn Sie eine starke und glückliche Beziehung wollen, müssen Sie akzeptieren, dass die Qualität Ihrer Partnerschaft zu hundert Prozent in Ihren Händen liegt. Sie denken, das ist unfair? Sie haben Recht. Und nun? Sie können sich darüber ärgern, oder Sie können das Beste daraus machen. Sehen Sie’s einfach ganz pragmatisch: Wenn Sie ein gutes Leben haben wollen, krempeln Sie die Ärmel hoch und legen Sie los!
Keine Sorge, Sie haben von Natur aus das Talent dazu, ein großartiger Coach zu sein. Und Sie haben bereits eine Menge Erfahrung. Sie coachen Männer nämlich schon, seit Sie auf der Welt sind: Ihren Vater, Ihren Bruder, Ihre Freunde und alle anderen Männer, die seitdem in Ihr Leben getreten sind. Wenn Sie mit Ihrem Coaching-Stil bisher nicht die Resultate erzielt haben, die Sie sich wünschen, dann sollten Sie Ihre Herangehensweise ändern.
Probieren Sie es einfach aus.
Sie können nur gewinnen.
In diesem Buch werden Sie professionelle Coaching-Skills kennen lernen, das sind Trainingsfertigkeiten, mit denen Sie die besten Seiten Ihres Partners zum Vorschein bringen können. Diese Skills funktionieren mit allen Männern, zum Beispiel mit Ihrem Sohn, Ihrem Chef, bei Kollegen, Mitarbeitern, Kunden oder Geschäftspartnern. Alle Ihre Beziehungen, privat oder beruflich, werden davon profitieren, wenn Sie diese Skills anwenden.
Die Methode, die wir Ihnen in diesem Buch vorstellen, heißt PowerConnections®, was auf Deutsch «starke Verbindungen» bedeutet. Tausende Frauen weltweit haben es mit dieser Methode bereits geschafft, ihre Beziehungen mit Männern von Grund auf zu erneuern – Sie können das auch!
Die PowerConnections®-Skills bauen aufeinander auf. Um beste Resultate zu erzielen, brauchen Sie alle sieben. Doch schon wenn Sie die ersten Skills anwenden, werden Sie erleben, dass die Verbindung zu Ihrem Partner deutlich stärker wird.
Erwarten Sie allerdings nicht, dass alle Probleme über Nacht gelöst werden. Für Beziehungen gibt es keine Schnellreparatur. Die PowerConnections®-Methode funktioniert ganz allmählich, ein Schritt nach dem anderen. Und in ein paar Monaten blicken Sie zurück und denken sich: Meine Güte, das habe ich schon alles erreicht? Unglaublich!
Vielleicht fragen Sie sich jetzt, wie Sie die Veränderungen, die Sie sich wünschen, alleine schaffen sollen?
Die Antwort ist: Sie sind nicht allein. Da draußen sind viele Frauen, die etwas ändern wollen. Dabei können Sie sich gegenseitig unterstützen! Sie könnten zum Beispiel mit Ihren Freundinnen eine PowerConnections®-Gruppe gründen. (Wie das geht, erfahren Sie auf unserer Website www.powerconnections.info) Viel Spaß macht es auch, einen der regelmäßig stattfindenden Power-Connections®-Coachingabende in Ihrer Nähe zu besuchen oder an einer telefonischen Coachinggruppe teilzunehmen.
Wenn Sie gute Beziehungen mit Männern wollen, brauchen Sie zuerst produktive Beziehungen mit Frauen.
Wir Frauen lieben es, uns gegenseitig unsere Beziehungsgeschichten zu erzählen. Wenn wir zusammenkommen und unsere Erfahrungen austauschen, entspannen wir («Ahh, tut das gut, sie versteht mich!») und laden unsere Batterien wieder auf. Wir erleben Nähe und menschliche Wärme.
Doch Sie kennen es wahrscheinlich selbst: Zu viel Beziehungsdrama mag man auch nicht hören. Wie können wir uns gegenseitig aus unseren Opferfilmen herausholen? Mit den PowerConnections®-Skills. Denn die funktionieren auch für uns selbst.
Wenn Frauen keine Lust mehr auf unproduktive Dramen haben und neugierig darauf werden, wie es auch anders gehen könnte, nehmen die Dinge oft eine Wendung, die man sich zwar gewünscht, aber kaum für möglich gehalten hätte. Einige dieser Geschichten werden wir Ihnen im Laufe des Buches erzählen. Zum Beispiel,
wie Anja ihren Ehemann dazu brachte, die Weingläser sorgfältiger zu spülen;
wie Tiffany ihrem Partner abgewöhnte, sie zu vernachlässigen;
wie Birgit ihren Freund zurückgewann;
wie Ritas Freund seine Bedenken überwand, mit ihr zusammenzuziehen, und nun glücklich mit ihr zusammenlebt;
wie Silke ihren Freund animierte, wieder Spaß an Romantik zu haben und auch selbst dafür zu sorgen;
wie Heike ihren Mann motivierte, ihr ihre Traumküche zu kaufen;
wie Madeleine sich bei ihren männlichen Kollegen Respekt verschaffte;
wie Petra ihren Mann inspirierte, ihr ein Wochenende in einem Wellnesshotel zu schenken;
Das klingt alles zu schön, um wahr zu sein? Nun, wir kennen die Frauen persönlich, die dies geschafft haben, und was immer Sie sich wünschen – Sie können es auch erreichen. Haben Sie Vertrauen, selbst wenn es nicht gleich so klappt, wie Sie es gern hätten. Nehmen Sie den Erwartungsdruck raus. Oft laufen die Dinge anders als gedacht, und wir sehen erst viel später am Endresultat, dass es genau so am allerbesten war!
Stimmen Sie unseren Ideen bitte nicht voreilig zu, aber lehnen Sie sie auch nicht ab. Experimentieren Sie damit und beobachten Sie, was funktioniert.
Es ist wichtig, dass Sie offen und unvoreingenommen mit dem umgehen, was Sie lesen werden. Stimmen Sie unseren Ideen bitte nicht sofort zu und lehnen Sie sie auch nicht voreilig ab. Probieren Sie unsere Vorschläge einfach aus. Machen Sie Ihre eigenen Erfahrungen.
Gehen Sie an die Sache heran wie an ein wissenschaftliches Experiment: Legen Sie einen Versuchszeitraum fest (ein guter Zeitraum sind sieben Monate), in dem Sie die neue Methode konsequent anwenden und beobachten, welche Resultate Sie damit erzielen. Anschließend ziehen Sie Ihr Resümee: Was hat mir gute Ergebnisse gebracht, was nicht? Werfen Sie weg, was für Sie nicht funktioniert, und behalten Sie bei, was für Sie gut klappt.
Wir empfehlen Ihnen, sich jeden Monat eine der sieben Skills vorzunehmen und sie Tag für Tag ganz bewusst einzusetzen. Es braucht dreißig Tage, bis sich eine neue Gewohnheit entwickelt, und je mehr Übung Sie haben, desto virtuoser werden Sie als Coach. Gehen Sie mit Neugier und Experimentierfreude ans Werk, dann öffnet sich Ihnen eine völlig neue Welt!
Bevor es mit den Coaching-Skills losgeht, würde ich Ihnen gern meine Geschichte erzählen. Ich hatte den gleichen Einwand wie Sie: Warum soll immer ich den ersten Schritt machen, damit unsere Beziehung besser funktioniert? Das ist unfair! Ich tue sowieso schon so viel dafür. Er muss doch selbst sehen, dass es so nicht geht. Er sollte sich ein bisschen mehr Mühe geben und endlich einsehen, dass er auf dem falschen Weg ist… Bis ich schließlich erkannte, dass genau diese Einstellung mich von allem trennte, was ich mir wünschte.
1987 gründeten mein damaliger Ehemann und ich zusammen ein Unternehmen, das Kommunikations- und Selbstverwirklichungstrainings für Führungskräfte aus aller Welt anbot. In unserer Zusammenarbeit gab es Phasen, in denen die Verbindung zwischen uns so stark war, dass die Luft um uns herum vor Energie und Inspiration nur so vibrierte. Dann arbeiteten wir Hand in Hand, hatten die besten Ideen und waren extrem produktiv.
Doch es kam immer wieder zum Streit, oft aus heiterem Himmel. Eines Tages, wir waren gerade mitten in einer heftigen Auseinandersetzung, fiel mir plötzlich ein Satz ein, den mein Partner irgendwann einmal während eines Seminars zu einem Klienten gesagt hatte:
«Willst du Recht haben? Oder willst du reich sein?»
Das war’s doch! Hier waren zwei Leute, die beide glaubten, Recht zu haben, und sich dabei selbst im Wege standen. Ich klinkte mich also aus der Auseinandersetzung aus und zog mich zurück, um nachzudenken. Als ich erkannte, welch hohen Preis wir für unsere Kämpfe zahlten, war ich schockiert:
Wir verloren unsere positive Ausstrahlung und hatten kaum noch Spaß an der Arbeit. Unsere Energie nahm ab. Bis jeder von uns seinen gewohnten Produktivitätslevel wieder erreicht hatte, dauerte es meist drei bis vier Tage, und das bedeutete: Uns entging eine Menge Geld, das wir in dieser Zeit hätten verdienen können. Schlimmer noch war der Vertrauensverlust: Wir brauchten bis zu zehn Tage oder länger, bis wir den Groll aufeinander überwunden hatten und wieder in Verbindung waren.
Streit kostet Energie, Vertrauen, Nähe, Ausstrahlung, Produktivität und Geld.
So konnte es nicht weitergehen! Wenn es also nicht klappte, unsere Standpunkte auszudiskutieren – was konnte dann funktionieren? Ich beschloss, beim nächsten Mal die Dynamik zwischen uns einmal ganz nüchtern zu beobachten.
Ich musste nicht lange warten. Bereits am nächsten Morgen erzählte er mir, wie so oft, von einer neuen Idee für unser Unternehmen. In meinen Augen war und ist er einer der brillantesten Denker dieser Zeit. Trotzdem, in solchen Momenten zählte für mich nur das, was ich sah, und das waren all die Punkte, wo etwas schief gehen konnte. Also mischte ich mich ein und machte ihn darauf aufmerksam. Ich hatte kaum ausgeredet, da unterbrach er mich und argumentierte in die genau entgegengesetzte Richtung.
Bisher war ich an diesem Punkt immer ziemlich sauer geworden. Warum sah er nicht, dass ich es gut meinte? Mit meinen Hinweisen wollte ich ihm doch nur helfen, keinen Fehler zu machen.
Zweifel unterstützen nicht. Zweifel trennen.
Was erreichte ich damit? Gerade war er noch voller Enthusiasmus gewesen, jetzt war sein Strahlen wie fortgeblasen, und sein Gesicht sah angespannt aus. Ich versetzte mich für einen Moment in ihn hinein. Und sah, dass er nicht gegen mich kämpfte, sondern nur seine Idee verteidigte. Jetzt ging mir auf, dass ich alles andere als unterstützend gewesen war. Ursprünglich war er kreativ, kooperativ und gut gelaunt gewesen. Doch dann hatten meine Zweifel ihn heruntergezogen. Jetzt war er im Kampfmodus und misstraute mir. Wie konnte ich ihn da wieder herausholen?
Um ihn wirklich zu unterstützen, musste ich aufhören, ewig skeptisch zu sein, und stattdessen wie ein Coach handeln: nüchtern und professionell. Schließlich war das auch mein Beruf, und die Frage, die ich sonst meinen Klienten stellte, stellte ich mir nun selbst:
«Was willst du erreichen?»
Die Antwort war klar: «Ich will eine starke Verbindung, Spaß, Geld und eine gute, vertrauensvolle Zusammenarbeit!»
Wie konnte ich den Druck, der sich zwischen uns aufgebaut hatte, mildern, sodass wir diesmal nicht tagelang sauer aufeinander sein würden?
Ich entschied mich nachzugeben, denn ich spürte, dass das für mich leichter war als für ihn. Sie können sich sicher vorstellen, dass mich das einige Überwindung kostete! Doch nachdem der innere Schritt einmal gemacht war, ging alles wie von selbst. Ich lehnte mich zurück, entspannte mich und bat meinen Partner, mir seine Idee noch einmal zu schildern. Diesmal war ich wirklich neugierig (meine Einwände hatte ich für eine Weile beiseite gestellt). Ich hörte interessiert zu, ohne ihn zu unterbrechen. Und siehe da, er wurde immer lebendiger. Sein Enthusiasmus kehrte zurück! Wir waren wieder in Verbindung. Nach einigen Tagen kam er übrigens von allein von der Idee ab. Ohne, dass wir uns deshalb hatten streiten müssen. Jetzt verstand ich es endlich: Seine Kreativität funktionierte besser, wenn er laut über seine Ideen nachdenken und verschiedene Szenarien durchspielen konnte.
Von nun an hütete ich mich davor, mich in seine Gedankenprozesse einzumischen. Ich blieb professionell, egal, was geschah.
Manchmal suchte er das Gespräch, wenn er aufgebracht über irgendetwas war und Luft ablassen wollte. Wenn ich sah, dass er unter Druck stand, ließ ich ihn ausreden und lenkte dann seine Aufmerksamkeit auf Dinge, auf die er neugierig war. Oder ich zog mich freundlich aus der Affäre: «Ich muss ein Training vorbereiten. Können wir heute Abend darüber sprechen?» Meist hatte sich die Sache bis dahin schon erledigt, und es ging ihm wieder gut.
Wenn ich in irgendeiner Sache relevante Informationen für ihn hatte, sprach ich nur dann darüber, wenn er es wirklich wissen wollte: «Ich sehe da etwas, das könnte für dich nützlich sein. Willst du es hören?» Ich beschloss, dass es mir völlig egal war, was er mit diesen Informationen machte. Manchmal hörte er auf mich, manchmal nicht. Ich nahm das nicht mehr persönlich. Langfristig kostete es mich nämlich viel mehr, im Unfrieden mit ihm zu sein. Solange ich mich eingemischt hatte, war ich das Problem gewesen – was mir nur Ärger und Stress eingebracht hatte. Den hatte ich jetzt nicht mehr. Denn nun traf er seine Entscheidungen allein und war für die Folgen selbst verantwortlich. So lernen Menschen sowieso am besten.
Meine Einstellung sah nun so aus: «Okay, du willst das tun? Hier sind die Dinge, die ich sehe. Entscheide selbst, was du damit anfängst. Was immer du tun wirst, ich stehe hinter dir und unterstütze dich.»
Wenn ein Mann oft genug erlebt, dass er keine Kritik zu befürchten hat, wird er seine Verteidigungshaltung aufgeben und sich öffnen.
Nach rund zwei Monaten fing er an, mich ausdrücklich um meine Meinung zu bitten, und nahm ernst, was ich ihm sagte. Nun wurde unsere Verbindung unglaublich produktiv: Weil er bei mir erlebte, dass ich ihm zuhörte, ohne ihn zu kritisieren, begann er, auch mir zuzuhören. Unser gegenseitiges Vertrauen wuchs. Ich coachte ihn, er coachte mich.
Er lernte zu erkennen, wann es besser war, innezuhalten, statt vorauszupreschen, weil er es sich bei mir abgeschaut hatte. Ich lernte von ihm, meine Neigung, mich um alles zu kümmern (mich in alles einzumischen!), beiseite zu stellen und mich aufs Wesentliche zu konzentrieren. Er lernte, empfänglich zu sein; ich lernte, zielorientiert zu handeln – und dabei entspannt zu bleiben. Innerhalb eines Jahres kletterte unser Umsatz von einer halben Million auf eineinhalb Millionen Dollar.
Wir können von Männern lernen, wie Business funktioniert. Männer können von uns lernen, wie Partnerschaft funktioniert.
Eines Tages zeigte mein Partner mir einen Zeitungsartikel, in dem es um einen Mann ging, der mit Pferden in ihrer Sprache kommunizierte – um Monty Roberts, den Pferdeflüsterer. Dieser Mann hat die einzigartige Gabe, jedes scheue, störrische oder aggressive Pferd so zu beruhigen, dass es schon nach wenigen Minuten bereitwillig mit Menschen kooperiert und Dinge tut, vor denen es gerade noch panisch davongelaufen ist.
«Gigi, wenn ihr Frauen uns Männer so gütig und einfühlsam behandeln würdet, wie dieser Mann mit seinen Pferden umgeht – weißt du, wir Männer wären viel kooperativer. Das würde zu wirklich starken Verbindungen zwischen den Geschlechtern führen!» Ich war wie elektrisiert. Was für ein spannender Gedanke! Mein Partner hatte bereits weiter gedacht: «Stell dir vor, du würdest diese Idee aufnehmen und auf der Grundlage unserer Trainingsmethode ein Seminar entwickeln, in dem Frauen lernen, besser mit ihren Männern zurechtzukommen! Wie würde dieses Seminar aussehen?»
In den folgenden Tagen ließ mich Martins Idee nicht mehr los. Konnte es sein, dass es nicht nur eine «Pferdesprache», sondern auch eine Art «Männersprache» gab? Wie funktionierten Männer eigentlich? Wie dachten und fühlten sie? Die ermutigenden Erfahrungen mit meinem Partner machten mich neugierig, weiter in diese Richtung zu forschen.
Einige Monate später lief mein neues Seminar zum ersten Mal. Es hieß «How to train your man®» – «Wie Sie Ihren Mann trainieren» und war sofort ein Hit. Zwar gefiel manchen Leuten der Titel überhaupt nicht, und mir war bewusst, er war frech und politisch mehr als unkorrekt. Aber er funktionierte. Wann immer Frauen davon hörten, unterbrachen sie das, was sie gerade taten, und fragten mich, worum es in meinem Seminar ging.
«In diesem Seminar können Sie herausfinden, wie Ihr Verhalten auf Ihren Partner wirkt», sagte ich ihnen dann, «nämlich, ob Sie ihn aufbauen oder herunterziehen! Sich das einmal ehrlich anzuschauen kann schockierend sein, aber auch sehr heilsam. Wenn Sie anfangen, so ermutigend mit Ihrem Mann zu sprechen wie ein guter Coach, werden Sie neues Vertrauen aufbauen. Und dann haben Sie die Basis, um Ihre Beziehung mehr und mehr nach Ihren Wünschen zu gestalten!»
Im Laufe der Jahre entwickelte ich das Training weiter und benannte es 1998 um in PowerConnections® – die Kunst, starke Verbindungen aufzubauen. Gleichzeitig begann ich, Trainerinnen auszubilden, die heute die tragenden Säulen im ständig wachsenden internationalen PowerConnections®-Netzwerk sind.
Es gibt zwei Dinge, die mich an unserer Arbeit besonders begeistern: dazu beizutragen, dass kraftvolle, kooperative Verbindungen zwischen Frauen und Männern entstehen und Familien und Unternehmen besser funktionieren. Und der Kontakt zu großartigen Frauen rund um die Welt, die Möglichkeit, unsere Beobachtungen, Aha-Erlebnisse und Erfolge miteinander zu teilen.
Vielleicht finden Sie immer noch, dass Ihr Partner einlenken und Ihnen entgegenkommen sollte. Wollen Sie Recht haben oder wollen Sie glücklich sein? Ich sage Ihnen: Es ist viel interessanter und lohnenswerter, wenn Sie selbst den ersten Schritt machen!
Wir glauben, wir wüssten alles.
In Wahrheit wissen wir nichts.
Sie wollen Ihren Mann coachen? Dann fangen Sie bei sich selbst an: Machen Sie einen Spaziergang. Allein. Seien Sie ganz präsent und nehmen Sie Ihre Umgebung wahr. Was sehen Sie?
Vielleicht bemerken Sie heute zum ersten Mal ein Vogelnest, das schon lange in diesem Baum hängt, doch Sie sind immer daran vorbeigelaufen. Mit Menschen sind wir oft ähnlich unaufmerksam: Wir begegnen jemandem, sagen «Hallo, wie geht’s?», unterhalten uns kurz miteinander, doch wir nehmen einander nicht wirklich zur Kenntnis. Oft sind wir so absorbiert von unseren eigenen Gedanken, dass wir nur automatisch reagieren. Solche Begegnungen hinterlassen ein flaches, unbefriedigendes Gefühl.
Im Moment glauben Sie sicher, dass Sie Ihren Partner, Ihre Kollegen oder Ihre Kinder kennen. Wann waren Sie das letzte Mal wirklich interessiert an ihren Antworten und haben ihnen wirklich zugehört? Mit der ersten Coaching-Fertigkeit, Beobachten, beginnen Sie, Menschen auf eine ganz neue Art und Weise zu sehen – vor allem Ihren Partner.
Wachen Sie auf!
Seien Sie aufmerksam und gehen Sie auf Empfang.
Wenn Sie ihn das nächste Mal treffen, gehen Sie ganz bewusst auf Empfang – genauso wie bei Ihrem Spaziergang. Wenn Sie Ihren Partner aufmerksam anschauen, werden Sie viele Informationen erhalten, die Ihnen im Alltagstrubel leicht entgehen. Vielleicht sieht sein linkes Auge etwas müde aus. Oder seine Lippen sind schmaler geworden. Es ist immens wichtig, diese Informationen nicht zu interpretieren oder zu bewerten.
Warum ist Beobachten eine Coaching-Fertigkeit? Weil Sie für eine tiefe Verbindung zu einem anderen Menschen klare Informationen über ihn brauchen. Nur sieben Prozent unserer Kommunikation geschehen durch Worte. Die nonverbale Kommunikation ist viel mächtiger und direkter. Als angehender Coach müssen Sie lernen, nonverbale Signale objektiv zu lesen. Das braucht Übung und Selbstdisziplin.
Denn wir sind es gewohnt, das, was wir sehen, sogleich zu interpretieren. Das führt leicht zu Missverständnissen und Konflikten. Was bedeutet es zum Beispiel, wenn jemand mit verschränkten Armen dasitzt? Nach traditionellem psychologischem Verständnis würde man sagen: Dieser Mensch ist verschlossen, er hat sich auf sich selbst zurückgezogen. Ist das wirklich wahr? Vielleicht ist dieser Person ganz einfach kalt. Oder sie ist gerade dabei, sich selbst zu umarmen. Was genau in dieser Person abläuft – wir wissen es nicht!
Interpretieren und bewerten Sie nicht.
Ebenso wenig können Sie wissen, warum zum Beispiel das Auge Ihres Mannes müde aussieht. Selbst wenn er Ihnen sagt, er habe letzte Nacht schlecht geschlafen, wäre es eine Interpretation, wenn auch seine eigene. Genauso gut kann es sein, dass er deprimiert ist. Was auch immer die wahre Ursache ist – Sie kennen sie nicht. Das müssen Sie sich klar machen.
Sprechen Sie nicht mit ihm darüber, dass Sie sich gerade im Beobachten üben. Machen Sie kein Aufhebens darum. Behalten Sie das, was Sie sehen, für sich. Trainieren Sie Beobachten ganz entspannt und diskret, bis es sitzt. Diese Coaching-Fertigkeit sieht nicht sehr spektakulär aus, doch sie ist die Grundlage, auf der Ihr Erfolg ruhen wird.
Waren Sie schon einmal in einer Situation, in der Sie das Geschehen um sich herum aus einer Beobachterposition wahrgenommen haben und emotional nicht involviert waren in das, was da passierte? Man kann als Beobachter eine klare Wahl treffen. Man kann wählen, ob man das Glas halb leer oder halb voll sehen will. Zu beobachten heißt, die Dinge aus einer gesunden inneren Distanz zu betrachten. Das befreit von den vorgefassten Annahmen, die man über sich selbst und den Partner hat.
Wenn Sie mit der Haltung eines Beobachters unterwegs sind, nehmen Sie all die kleinen Dinge nicht länger persönlich.
Für Katrin brachte das eine enorme Erleichterung: «Bisher hatte ich immer gedacht, mein Partner ist sauer auf mich, wenn er mit verschränkten Armen vor mir saß. Das machte mich unsicher und misstrauisch, und früher oder später stritten wir uns dann. Mittlerweile, wenn er mal so dasitzt, denke ich nur: ‹Hm, er hält die Arme verschlossen.› Mehr nicht. Ich bin lockerer geworden, und das tut unserer Liebe richtig gut.»
Nicht seine Körpersprache, sondern ihre Interpretation hatte die Verbindung unterbrochen. Weil Katrin aufhörte, das Verhalten ihres Freundes zu bewerten, änderte sich ihr inneres Bild von ihm. Sie sieht ihn nicht länger als schuldig, sondern als unschuldig. Ihr Herz bleibt offen für ihn. Das hält die Verbindung stark.
Sie coachen ihn mit Ihren Gedanken.
Denn was Sie über ihn denken, teilt sich ihm mit.
Nonverbal.
Sozialpsychologische Studien haben ergeben, dass Menschen einander nach ihren Erwartungen formen. Bewusst oder unbewusst kommunizieren wir mit unzähligen subtilen Hinweisen, was wir von unserem Gegenüber denken: Wir neigen den Kopf leicht, heben unsere Augenbrauen, weiten die Nasenflügel, ziehen die Mundwinkel hoch,… unsere gesamte Mimik und Körperhaltung spricht Bände. Diese Kommunikation erreicht andere auf direktem Wege, und zwar über das Unterbewusstsein. Menschen neigen unwillkürlich dazu, den Botschaften anderer zu entsprechen, indem sie ihr Verhalten daran ausrichten.
Dieses Phänomen wird Der Pygmalion-Effekt genannt – angelehnt an das Theaterstück Pygmalion von George Bernard Shaw, in dem Professor Higgins versucht, ein Blumenmädchen durch Sprach- und Benimmtraining in eine Lady zu verwandeln. «Sehen Sie», sagt Eliza Doolittle, «abgesehen davon, was jeder leicht erlernen kann (wie man sich kleidet, wie man ordentlich spricht und so weiter), liegt der Unterschied zwischen einer Lady und einem Blumenmädchen nicht in ihrem Benehmen, sondern wie man sich ihr gegenüber benimmt. Für Professor Higgins werde ich immer ein Blumenmädchen sein, weil er mich immer wie ein Blumenmädchen behandelt. Aber ich weiß, dass ich für Sie, Oberst Pickering, eine Lady sein kann, weil Sie mich immer wie eine Lady behandeln.»
Wie behandeln Sie Ihren Partner? Was denken Sie über ihn? Solange Sie schlecht von ihm denken, werden Sie immer etwas an ihm auszusetzen haben. Und ihm damit unterstellen, sich nicht genug Mühe zu geben oder Sie nicht wirklich zu lieben. Irgendwann tut er’s dann vielleicht wirklich nicht mehr. Und das nur wegen irgendwelcher Kleinigkeiten, die Sie persönlich genommen haben…
Wenn Sie das Beste von ihm denken, motiviert ihn das, diesem Bild zu entsprechen.
Deshalb ist es so wichtig, dass Sie aufhören, Dinge persönlich zu nehmen. Er ist anders als Sie, und jetzt müssen Sie das, was Sie bisher über Ihren Partner im Besonderen oder über die Männer im Allgemeinen gedacht haben, erst mal über Bord werfen. Viel Spaß beim mentalen Großreinemachen!
1.Coaching-Skill: Beobachten
Hier ist Ihr Trainingsprogramm für die nächsten 4Wochen:
Nehmen Sie sich jeden Tag eine Dreiviertelstunde Zeit, in der Sie ganz für Ihren Partner da sind. Machen Sie kein Aufhebens darum. Vielleicht bleiben Sie nach dem Abendessen noch etwas am Tisch sitzen und unterhalten sich mit ihm, oder Sie machen einen Spaziergang zusammen. Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit nicht auf ihn (das ist Männern meistens unangenehm), sondern
auf das, wovon er Ihnen erzählt,
was Sie gerade zusammen erleben oder
was Sie tun (zum Beispiel ihm die Schultern massieren).
Wenn er etwas anderes vorhat, auch gut, dann seien Sie aufmerksam und zugewandt, wenn Sie ihn verabschieden und wenn er heimkommt.
Was auch immer geschieht, grübeln Sie nicht darüber nach, sonst bleibt Ihre Aufmerksamkeit stecken. Fließen Sie mit dem, was geschieht. Sie können verspielt, humorvoll, zärtlich, kontrovers oder provokant sein. Hauptsache, Sie sind natürlich. Und zwischendurch gehen Sie immer wieder in Ihre Beobachter-Haltung. Da wollen Sie nichts, da wissen Sie nichts, da sind Sie einfach auf Empfang. Sie sind achtsam, interessiert, gelassen und gütig.
Ihre Beziehung bekommt viel Saft, wenn Sie Ihrem Partner echte Aufmerksamkeit schenken.
Bei allem, was Sie sehen oder hören, sagen Sie sich innerlich: «Interessant!» Nehmen Sie es einfach wahr, ohne es zu bewerten. Machen Sie sich klar: Es geht nicht darum zu wissen, warum er dieses tut und jenes lässt. Oder warum er gerade diese oder jene Laune hat. Es geht einfach darum, jetzt für ein Weilchen Beobachten, Ihre neue Coaching-Fertigkeit, zu üben.
Bleiben Sie bei sich. Machen Sie sich locker. Genießen Sie es!
«Was ist die Frage, die Männer am meisten bewegt?» Gigi Tomasek schaute interessiert in die Runde.
«Wann gibt’s was zu essen?», rief eine Frau, und gleich darauf kamen aus verschiedenen Richtungen weitere Vorschläge: «Wo sind die Autoschlüssel?»
«Schatz, wo ist das Geld geblieben?»
«Wann wird der FC Köln endlich wieder Deutscher Meister?»
Das fing ja gut an! Ich schüttelte mich vor Lachen und war neugierig auf das, was noch kommen würde. Ich befand mich in einem hellen Konferenzraum in der Kölner City, um mich herum zirka zwanzig Frauen zwischen sechzehn und Mitte fünfzig, die sich ebenfalls köstlich amüsierten. Eine Freundin hatte mich überredet mitzukommen: «Du wirst sehen, das PowerConnections®-Programm ist unglaublich kraftvoll. Wenn du willst, kann dieses Training dein Leben und deine Partnerschaft auf eine Weise verbessern, wie du es dir nie hättest träumen lassen!»
Auch Gigi lachte herzhaft, als die Dolmetscherin die Beiträge der Frauen auf Englisch an sie weitergab. Dann ging sie zum Flipchart und blätterte die nächste Seite auf: «Hier ist die eine Frage, die Männer am meisten bewegt: ‹War ich gut?›
Jeder Mann will wissen: «War ich gut?»
Männer beschäftigt diese Frage ständig. Es ist für sie immens wichtig, von Frauen für das, was sie tun, anerkannt zu werden. Hier ist ein Beispiel: Es ist früher Morgen, im Urwald geht gerade die Sonne auf. Tarzan schwingt sich durch den Urwald auf der Suche nach einem köstlichen Frühstück für seine Jane. Endlich findet er, was er sucht. Er macht sich eilends auf den Weg zurück zum Baumhaus. Tatsächlich, sie ist schon wach! Er zeigt Jane stolz, was er ihr mitgebracht hat. Aber die verzieht das Gesicht und sagt: ‹Eine Banane zum Frühstück? Heute hätt ich aber viel lieber eine Orange!›
Was denken Sie – wie fühlt Tarzan sich jetzt?»
Gigi machte eine Pause. Es war sehr still im Raum.
«Es ist einfach entmutigend für ihn! Frauen machen das oft mit Männern. Ihr Partner bringt Ihnen Schokolade mit, und Sie hätten lieber Blumen. Sie sagen es vielleicht nicht, aber er merkt, dass Sie über sein Geschenk nicht gerade begeistert sind. Oder Ihr Mann hat das Abendessen gekocht, um Sie zu überraschen, und Sie sind sauer, weil die Küche so durcheinander ist. Er fährt dreihundert Kilometer, um Sie irgendwo hinzubringen, und Sie beschweren sich, dass er neulich keine Zeit hatte, Sie vom Tennis abzuholen. Wir merken gar nicht, wie wir unserem Partner auf diese Weise die Lust nehmen, etwas für uns zu tun!
Männer lieben Frauen, bei denen sie gewinnen können.
Das männliche Prinzip ist: Taten sprechen lauter als Worte. Männer zeigen ihre Liebe weniger durch Worte, sondern durch das, was sie für ihre Partnerin tun. Ob Sie es glauben oder nicht: Die Jungs wollen, dass wir glücklich sind! Es ist für jeden Mann das Größte, wenn seine Frau ihn anstrahlt und ihm zeigt, wie zufrieden sie mit ihm ist. Dann fühlt er sich wie ein Sieger, und sein angeborener Ehrgeiz, sein Bestes zu geben, wird noch stärker.
Doch viele Männer heutzutage sind vollkommen entmutigt. Was ich von Männern immer wieder höre, ist: ‹Egal, was ich tue, sie ist nie damit zufrieden.› Und: ‹Es ist so schwer, herauszufinden, was sie wirklich will.› Was passiert, wenn Ihr Mann Sie fragt, was Sie möchten?»
«Ich kann mich oft gar nicht entscheiden, was ich will.» Ich nickte der Frau zu, die gerade gesprochen hatte. Dieses Phänomen kannte ich aus eigener Erfahrung.
«Ja», schmunzelte Gigi, und warf ihre Stirn in Falten, so, als ob sie angestrengt nachdenken würde: «Pizza wäre nicht schlecht, aber Sushi ist auch lecker, oder einfach nur ein kleiner Salat… ach, es ist so schwer, sich festzulegen!»
Eine andere Frau meldete sich zu Wort: «Ich sage oft: Schatz, lass dir was Schönes einfallen. Ich hätte so gern, dass mein Freund selbst herausfindet, was ich mag, und mich damit überrascht.»
«Und», fragte Gigi, «funktioniert’s?» – «Eher nicht.»
«Also bekommen Sie nicht, was Sie sich wünschen? Nun, viele Frauen erwarten, dass ihr Partner in der Lage ist, ihre Wünsche zu erspüren.» Gigi schüttelte den Kopf. «Vergessen Sie’s! Männer können das nicht! Sie machen Ihr Geburtstagsgeschenk auf, und es ist haarscharf daneben. Muss man sich da noch wundern, dass Männer Geburtstage vergessen? Es ist der Tag, an dem man in höchste Gefahr gerät, ein Drama auszulösen!
Ich sag Ihnen: Es gibt nichts Erleichterndes für Männer, als klare Instruktionen zu haben. Männer können keine Gedanken lesen!
Wenn Sie bestimmte Wünsche haben, müssen Sie ihm exakt sagen, was Sie wollen.
Wenn zum Beispiel Ihr Geburtstag näher rückt, dann könnten Sie ihm eine kleine Notiz in seinen Kalender stecken: ‹Schatz, du weißt ja, ich habe nächsten Samstag Geburtstag. Vielleicht suchst du noch eine Idee, was du mir schenken könntest? Ich hätte gern…›» Plötzlich meldete sich eine Frau zu Wort und sagte: «Das ist aber nicht romantisch!»
«Stimmt!», antwortete Gigi. «Aber es funktioniert!»
Alle Frauen im Raum waren sprachlos.
«Hier ist eine andere Möglichkeit, ihn Ihre Wünsche wissen zu lassen: Sie würden gern mit ihm in den Urlaub fahren. Ans Meer, irgendwohin, wo es warm ist. Besorgen Sie sich ein paar Bildbände aus der Bücherei und ein paar Reisekataloge, und wenn Sie mal eine ruhige Minute haben, rufen Sie ihn zu sich und verwickeln Sie ihn mit Enthusiasmus ins Gespräch: ‹Schau mal hier, ist das nicht schön? Wo würdest du gern hinfahren?› Ihr Ton wird ihn neugierig machen! Seien Sie spielerisch, wie ein kleines Kind: ‹Ich würde sooo gern nach Griechenland!› Wenn es ein begeisterter Austausch ist, und Sie genießen ihn beide, dann wird er Ihnen geben wollen, was Sie sich wünschen.»
Als ich hörte, was Gigi sagte, dachte ich: «Oh, das hab ich schon ein paar Mal probiert, und es hat nie geklappt.» In diesem Moment sprach eine andere Frau laut aus, was ich gerade gedacht hatte. Gigi wandte sich ihr zu: «Hatten Sie dabei eine Erwartung an ihn?»
«Sicher. Ich wollte natürlich, dass er mir meinen Wunsch erfüllt.»
«Hier, Ladys, ist eine sehr subtile Unterscheidung, die Sie in Ihrer Kommunikation machen müssen: In dem Moment, in dem Sie etwas von jemandem erwarten, erzeugen Sie unterschwellig Druck. Ihr Partner spürt diesen Druck, noch bevor Sie Ihren Mund aufmachen. Eine der meistzitierten Studien über Kommunikation stammt von dem Psychologen Albert Mehraban. Das Ergebnis der Studie zeigt: Die Botschaft, die wir aussenden, wird fünfmal mehr von unserem Ton bestimmt als von unseren tatsächlichen Worten. Und wissen Sie, wie dieser Ton zustande kommt? Durch Ihre innere Haltung. Wenn Sie ein Musikinstrument spielen, wissen Sie, was ich meine. Sie können Ihrem Partner alles Mögliche sagen. Doch was Sie wirklich fühlen und denken, bekommt er ganz direkt mit, und zwar durch Ihre Körpersprache und durch den Ton Ihrer Stimme.»
Ihr Ton ist alles.
Blitzartig erinnerte ich mich: Hatte mir nicht vor Jahren ein Freund ans Herz gelegt, besser keine Erwartungen zu haben? Wie man das schaffen sollte, war mir bis heute ein Rätsel geblieben. Vielleicht wusste Gigi ja, wie man das hinkriegt? Ich musste sie fragen.
«Aber wenn ich etwas will, wie kann ich da keine Erwartungen haben?»
«Natürlich können Sie Erwartungen haben. Setzen Sie sie nur nicht auf eine Person. Es gibt Millionen Wege, wie das, was Sie sich wünschen, zu Ihnen kommen kann. Sie könnten zum Beispiel selbst dafür sorgen. Lassen Sie Ihren Partner Ihre Wünsche wissen und haben Sie gute Laune! Seien Sie sich absolut klar darüber, dass Sie bekommen werden, was Sie wollen. Wenn er es Ihnen gibt, gut. Wenn er es Ihnen nicht gibt, auch gut! Sie finden schon einen Weg, es zu kriegen!
Der erste Schritt, dabei erfolgreich zu sein, ist, offen über Ihre Wünsche zu sprechen. Wenn Frauen es unterlassen, klar und offen um etwas zu bitten, öffnen sie die Tür für Missverständnisse und Enttäuschung. Dabei würde oft schon ein einziger Satz ausreichen!
Und denken Sie daran, wann immer er etwas für Sie tut, müssen Sie ihn anerkennen!
