Julia Winkler
Handlettering
Layout und Komposition
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ISBN 978-3-7475-0283-9
1. Auflage 2021
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Lektorat: Sabine Schulz
Sprachkorrektorat: Petra Heubach-Erdmann
Covergestaltung und Layout: Julia Winkler
Datenkonvertierung: CPI books GmbH, Leck
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5
Einleitung .........................................................................................................................................................................................................11
Die Autorin .....................................................................................................................................................................................................12
TEIL 1 BAUPLANUNG ........................................................................................................................................15
1 / VORBEREITUNG ..........................................................................................................................................................................................................16
1 /1 Bau ein Haus ...............................................................................................................................................................................................16
1 /2 Warum ist was schön? .................................................................................................................................................................17
1 /3 Warum eine gute Komposition so wichtig ist ...............................................................................................18
1 /4 Layout oder Komposition? .......................................................................................................................................................19
2 / MATERIAL .............................................................................................................................................................................................................................22
Deine Augen ............................................................................................................................................................................................... 22
Papier ....................................................................................................................................................................................................................22
Stifte ......................................................................................................................................................................................................................23
Wenn du iPad-Lover bist ... ....................................................................................................................................................23
3 / FORMAT & AUSRICHTUNG ........................................................................................................................................................................24
3 /1 Formatwahl ..................................................................................................................................................................................................24
Seitenformate ............................................................................................................................................................................................25
Seitenausrichtung ................................................................................................................................................................................25
3 /2 Textausrichtung ....................................................................................................................................................................................29
3 /3 Optische Mitte ........................................................................................................................................................................................32
3 /4 Blatteinteilung ......................................................................................................................................................................................... 34
3 /5 Der Weißraum .........................................................................................................................................................................................36
TEIL 2 BAUMATERIAL .......................................................................................................................................43
4 / TYPOGRAFIE ....................................................................................................................................................................................................................44
4 /1 Anatomie der Buchstaben........................................................................................................................................................47
4 /2 Buchstabenverhalten im Wort ..........................................................................................................................................48
Das Kerning ..................................................................................................................................................................................................48
Die Laufweite ............................................................................................................................................................................................54
Wortabstand ...............................................................................................................................................................................................55
Zeilenabstand ............................................................................................................................................................................................56
INHALT
6
Inhalt
5 / HANDLETTERING .......................................................................................................................................................................................................60
5 /1 Schriftarten ................................................................................................................................................................................................ 60
Die wichtigsten Schriftarten und ihre Besonderheiten ....................................................................61
5 /2 Schriftschnitte ...........................................................................................................................................................................................62
5 /3 Schriftarten und ihre Wirkung...............................................................................................................................................63
5 /4 Kombination von Schriften .......................................................................................................................................................66
Beispiele für mögliche Schriftartenkombinationen .................................................................................68
Noch mehr Schriftenkombis ...................................................................................................................................................70
6 / SCHMUCKELEMENTE ...........................................................................................................................................................................................72
6 /1 Schnörkel ..........................................................................................................................................................................................................73
6 /2 Florales ............................................................................................................................................................................................................... 73
6 /3 Füllwörter ........................................................................................................................................................................................................73
6 /4 Sterne & Bling-Bling ..........................................................................................................................................................................74
6 /5 Pfeile ......................................................................................................................................................................................................................74
6 /6 Rahmen ..............................................................................................................................................................................................................75
6 /7 Banner ................................................................................................................................................................................................................. 76
Strich für Strich zum Banner ..................................................................................................................................................77
6 /8 Sonstige Schmuckelemente ....................................................................................................................................................78
TEIL 3 STATIK .....................................................................................................................................................................................81
7 / WORTGESTALTUNG.................................................................................................................................................................................................82
7 /1 Balance im Wort ......................................................................................................................................................................................83
7 /2 Großbuchstaben ..................................................................................................................................................................................84
Kurze Wörter ...............................................................................................................................................................................................84
Lange Wörter ..............................................................................................................................................................................................87
7 /3 Schwungvariationen für Großbuchstaben .........................................................................................................88
Schwungideen bei Serifen-Versalien ..........................................................................................................................89
7 /4 Kleinbuchstaben ....................................................................................................................................................................................90
Schwungschrift ..........................................................................................................................................................................................91
Oberlängen und Unterlängen ................................................................................................................................................93
Wörter in regulärer Schreibweise ....................................................................................................................................94
7 /5 Lange Wörter ..............................................................................................................................................................................................96
7 /6 Schwunghilfen ..........................................................................................................................................................................................98
7 /7 Richtig rumschnörkeln ...................................................................................................................................................................99
Das Wichtigste ........................................................................................................................................................................................99
7 /8 Schnörkel-1x1 ............................................................................................................................................................................................100
Ausgleichende Schwünge ..........................................................................................................................................................101
7 /9 Wörter in Formen ..................................................................................................................................................................................102
7
Inhalt
7 /10 Sonstige Formen ....................................................................................................................................................................................108
7 /11 Layout mit Formen .............................................................................................................................................................................108
7 /12 Zwei Zeilen .....................................................................................................................................................................................................110
Schriftenmix ...............................................................................................................................................................................................113
7 /13 Der t-Strich– Schwungmit Rafinesse ......................................................................................................................114
Das Wichtigste zu Querstrichen ....................................................................................................................................114
7 /14 Do it! ......................................................................................................................................................................................................................115
7 /15 Weitere Ein-Wort-Variationen ...........................................................................................................................................116
7 /16 Das Wichtigste der Wortgestaltung ...........................................................................................................................121
Die Checkliste ...........................................................................................................................................................................................121
Lass dich inspirieren! ....................................................................................................................................................................... 122
TEIL 4 HAUSBAU ................................................................................................................................................................. 125
8 / KURZE TEXTE ...................................................................................................................................................................................................................126
8 /1 Drei Entscheidungen .......................................................................................................................................................................126
Hierarchie ........................................................................................................................................................................................................ 126
Emotion ............................................................................................................................................................................................................. 128
Form ....................................................................................................................................................................................................................... 129
8 /2 Kontraste .......................................................................................................................................................................................................130
Der Schlüssel zum Glück ............................................................................................................................................................130
Was sind Kontraste eigentlich? .......................................................................................................................................130
Kontrast im Handlettering ....................................................................................................................................................... 130
Kontrastarten .............................................................................................................................................................................................131
8 /3 Planung & Idee ........................................................................................................................................................................................132
Miniskizzen (Thumbnails) .......................................................................................................................................................... 132
Legetechnik ...................................................................................................................................................................................................134
8 /4 Einfache Zwei-Wort Kompositionen ........................................................................................................................ 135
Groß/Klein-Kontrast .........................................................................................................................................................................139
Anrede & Pronomen ........................................................................................................................................................................ 141
Gleichheit ........................................................................................................................................................................................................142
Block ...................................................................................................................................................................................................................... 145
8 /5 Drei-Wort-Kompositionen ..................................................................................................................................................... 146
Übung mit drei Wörtern ..............................................................................................................................................................150
8 /6 Vier Wörter ..................................................................................................................................................................................................152
Beispiel ohne klare Hierarchie ............................................................................................................................................154
Level up! .............................................................................................................................................................................................................156
8
Inhalt
9 / MITTELLANGE TEXTE...........................................................................................................................................................................................162
9 /1 Balance & Symmetrie .......................................................................................................................................................................163
9 /2 Asymmetrie.....................................................................................................................................................................................................164
9 /3 Hausbau unter der Lupe ..............................................................................................................................................................165
9 /4 Gestaltung mit asymmetrischer Balance ..............................................................................................................170
Art is magical, not magic ............................................................................................................................................................170
Ruck, zuck zur Balance ..................................................................................................................................................................172
Schlicht, aber nicht fade ..............................................................................................................................................................176
Mehr Schrift, mehr Form ...........................................................................................................................................................178
9 /5 Grids und Raster .....................................................................................................................................................................................179
9 /6 Beobachten statt Lesen ...............................................................................................................................................................186
Achsen ................................................................................................................................................................................................................ 186
Schriften ...........................................................................................................................................................................................................187
Formen ................................................................................................................................................................................................................187
Skizze .................................................................................................................................................................................................................. 188
Thumbnails......................................................................................................................................................................................................189
Hierarchie ........................................................................................................................................................................................................190
9 /7 Komposition mal anders ..............................................................................................................................................................192
Horizontale Symmetrie .................................................................................................................................................................192
Extreme Asymmetrie .......................................................................................................................................................................194
10 / LANGE TEXTE ..............................................................................................................................................................................................................198
10 /1 Die häufigsten Fehler ...................................................................................................................................................................... 198
10 /2 Gliederung .....................................................................................................................................................................................................200
10 /3 Gestaltung ......................................................................................................................................................................................................202
Emotion ..............................................................................................................................................................................................................202
10 /4 Übung zu Lesbarkeit & Storytelling .............................................................................................................................204
10 /5 Buchstabenteppiche ........................................................................................................................................................................206
11 / BESONDERE KOMPOSITIONEN ......................................................................................................................................................208
11 /1 Boxy ....................................................................................................................................................................................................................... 208
11 /2 Rundherum ...................................................................................................................................................................................................210
Spirale ...................................................................................................................................................................................................................211
Kranz ..................................................................................................................................................................................................................... 212
11 /3 Sonderformen & Silhouetten .............................................................................................................................................. 216
12 / REINZEICHNUNG ...................................................................................................................................................................................................218
12 /1 Abpausen ........................................................................................................................................................................................................218
Am Fenster ....................................................................................................................................................................................................218
Mit dem Leuchttisch .........................................................................................................................................................................218
12 /2 Transfer mit Grafit ................................................................................................................................................................................ 219
9
Inhalt
TEIL 5 DEKORATION ...........................................................................................................................................221
13 / FARBGEBUNG .............................................................................................................................................................................................................222
13 /1 Komposition sticht Farbe .........................................................................................................................................................222
Schwarz-Weiß & Graustufen .............................................................................................................................................224
13 /2 Farbwahl ..........................................................................................................................................................................................................225
Farbwirkung .................................................................................................................................................................................................225
Farbkontraste...............................................................................................................................................................................................226
Farbhierarchie ..........................................................................................................................................................................................227
Sättigung & Abstufung ..................................................................................................................................................................228
14 / VERZIERUNG ................................................................................................................................................................................................................230
14 /1 Dekoration im Lettering ..............................................................................................................................................................230
14 /2 Dekoration um das Lettering ................................................................................................................................................231
14 /3 Verzierung mit Schnörkel ..........................................................................................................................................................232
Index ..........................................................................................................................................................................................................................................236
10
Ich widme dieses Buch der besten Community der Welt – der Lettering-Community.
Du bist ein Teil davon und ich wünsche dir viel Freude mit diesem Buch.
11
Was erwartet dich in diesem Buch?
In Teil 1erfährst du das Wichtigste zu Bau-
planung und Vorbereitung für deine Handlet-
terings.
Lerne den Unterschied zwischen Lay-
out und Komposition kennen, mach dich mit
dem notwendigen Übungsmaterial vertraut
und entdecke das richtige Format für dein
Lettering.
In Teil 2 geht es um dein Baumaterial, das du
benötigst, um dein Lettering-Haus zu erstellen.
Ich gebe direinen Einblick in die Typografie,
zeige dir die Grundlagen des Handletterings
und den Einsatz von Schriftarten und stelle dir
meine Lieblingsschmuckelemente vor.
In Teil 3lernst du das wichtigste Fundament
für jede Komposition kennen: die Wortgestal-
tung. Ich zeige dir anhand kleinerMini-Kom-
positionen, was es bei der Gestaltung von
Wörtern zu beachten gilt und mache dich ver-
traut mit den Regeln zu Balance und Weiß-
raum. Hierfindest du alles zu Buchstabenva-
riationen sowie zum Einsatz von Schnörkeln.
In Teil 4 lernst du, wie du sowohl mit kurzen
als auch längeren und komplexeren Texten ein
Lettering harmonisch gestalten kannst. In den
Kapiteln dieses Teils stelle ich dirÜbungen zu
den Symmetriearten und der Weißraumge-
staltung vorund zeige dir Möglichkeiten für
besondere Kompositionen wie z. B. Kreise.
Teil 5hat das Ziel, deine Letterings aufzuhüb-
schen. Schau diran, wie du deinerKomposi-
tion die richtige Farbe gibst oderwie du
Verzierung einsetzen kannst. Natürlich fin-
dest du auch Tipps zur Reinzeichnung und
Ausgestaltung deines Handletterings.
Anschließend wirst du deine eigenen
Letteringwerke mit neuen Augen
sehen und mit Leichtigkeit eige-
ne Handlettering-Kompositionen
erstellen können, die dich und an-
dere begeistern werden.
Du bist Buchstaben-Fan, liebst Alphabete und
das Gestalten mit Schrift? Egal ob du gerade
erst die ersten Schritte im Handlettering gehst
oder ob du bereits etwas geübter im Umgang
mit Bleistift und Brushpens und schon länger
dabei bist: Dieses Buch ist der perfekte Be-
gleiter auf deiner Lettering-Reise. Denn was
unterscheidet ein nettes Lettering von einem
herausragenden Lettering? Die Komposition!
Mit dieser Anleitung zu Layout und Kompo-
sition erreichst du das nächste Level. Denn
grandiose Letterings sind kein Hexenwerk,
wenn du dich vertraut machstmit den Grund-
lagen der Typographie, Wortgestaltung und
der Statik einer Komposition. Du wirst einen
ganz neuen Blick für das Wesentliche bekom-
men und die Liebe zum Detail entdecken.
Ich nehme dich mit durch meinen kreativen
Prozess der Bauplanung eines Handletterings.
Ich erkläre dir anhand vieler Beispiele, wie
du selbst deine eigenen beeindruckenden
Layouts und Kompositionen vorbereiten, auf-
bauen und umsetzen kannst. Ganz egal, mit
welchem Material du kreativbist, ob analog
mit Filzstift, Watercolor und Co. oder lieber
digital mit dem iPad, mit diesem Buch wirst
du zum Kompositions-Experte oder zurStar-
architektin deiner Letterings.
Einleitung
12
Hey, wie schön, dass du mein Buch in den
Händen hältst – am liebsten würde ich gemein-
sam mit dir darin blättern. Ich bin Julia Winkler
und freue mich sehr, dass ich ein großes Stück
meiner Leidenschaft für Schrift hier teilen darf.
Mein Herz schlägt für Buchstaben. Sie sind
mein Soulfood, mein Hobby, mein Beruf. Ich
arbeite selbständig in meinem Gestaltungsbüro
›Sushimoon Studio‹ in Stuttgart. Ich habe mich
auf Lettering und Illustration spezialisiert und
erstelle individuelle Schriftbilderund Zeich-
nungen fürGrafik, Verpackung, Wandgestal-
tung und Erklärfilme. Das ist toll!
Durch meine große Liebe zur Kalligrafie kam
ich zum Handlettering und fühle mich in bei-
den Bereichen sehr zuhause. Ich gebe mit viel
Enthusiasmus regelmäßig Workshops und es
ist eine große Freude, wenn ich auch dich für
Buchstaben begeistern und für deine Lette-
rings inspirieren kann.
Auf Instagram findest du mich und viele Bei-
spiele meiner Werke unter @sushimoon und,
ganz ehrlich, ich freu mich immerüber Fragen
und Anregungen.
Und jetzt, be pen-tastic! Ich wünsche dir viel
Spaß beim Lesen und Zeichnen.
Die Autorin
15
BAUPLANUNG
TEIL 1
Ein Haus zu bauen, benötigt Vorbereitung, eine gute Planung und natürlich auch etwas Basis-
wissen. Mach dich in den nächsten Kapiteln vertraut mit der wichtigsten Ausstattung, die du gut
brauchen kannst, um deine eigenen Lettering-Kompositionen entstehen zu lassen.
Kapitel 1Bauplanung
Hier findest du zum Start ein paar allgemeine Gedanken zu Harmonie & Schön-
heit. So bekommst durichtig Lust auf deine eigenen tollen Kompositionen und
lernst gleichzeitig den Unterschied zwischen Layout & Komposition.
Kapitel 2Werkzeug
Lerne das Material kennen, das ich dir fürdeine Übungen und Skizzen empfehle.
Kapitel 3Grundstück
Entdecke das richtige Format für dein Handlettering und mach dich mit der
optimalen Blatteinteilung vertraut.
16
1 /1 Bau ein Haus
Kennst du dieses friedvolle Gefühl, wenn du
dich an einem umwerfend schönen Ort befin-
dest? Wenn du eine gelungene Komposition
eines Handletterings betrachtest, fühlt sich
das genauso an. Stell dir das Layout und die
Komposition deines Letterings als fertiges
und behaglich eingerichtetes Haus vor.
Es mag etwas verrückt klingen, ein Handlette-
ring mit einem Haus zu vergleichen, aberbis
du dich darin mit einer Tasse Tee in der Hand
auf dem Sofa lümmeln kannst, bedarfes auch
einigerVorbereitungen und Grundlagen, die
es zu wissen gilt, damit einem das Dach nicht
auf den Kopf fällt.
Und sowohl einHandlettering als auch ein
Haus benötigen eine gute Planung, Kenntnis
von Statik und Stabilität, sinnvolles Baumate-
rial, ein geschultes Auge und natürlich Spaß
und Lust am kreativen Schaffen. Es muss auch
an vieles gedacht werden, das wir gar nicht
sehen, wenn wir aufunserem Sofa liegen, wie
z. B. funktionierende Heizungsrohre, sicherer
Strom, die Unterkonstruktion fürden Fuß-
boden usw. Bei deinem Lettering sind das
Dinge wie Weißraum oder Balance.
Denn die Architektur eines Hauses ist ja auch
eine Art Komposition auf dem erworbenen
Grundstück und eine Zusammenstellung ver-
schiedener Ideen und Elemente. Durch viele
statische Prinzipien, Designgrundregeln und
letztendlich auch Geschmack wird ein Haus
zu einem bewohnbaren und gemütlichen
Heim – und dein Lettering zu einem echten
Hingucker!
1 / VORBEREITUNG
Kapitel 1
Lass dich in diesem Kapitel einstimmen auf harmonische Gestaltung und schöne Kompositionen,
dann wirst du schon bei derVorbereitung auf erste Ideen für dein eigenes Handlettering kommen.
Vorbereitung
17
Mirhat dieserVergleich auf meinem Weg
durch die Welt des Handletterings immer sehr
ge holfen, und ich freue mich darauf, dir mein
Vorgehen in diesem Buch zu zeigen.
1 /2 Warum ist was schön?
Man sagt, Schönheit läge im Auge des Betrach-
ters – jein!
Um ein behagliches Gefühl zu bekommen und
etwas schön zu finden, haben sich einige Ge-
setzmäßigkeiten seit Jahrtausenden in unsere
Wahrnehmung gebrannt.
Wir empfinden etwas als schön, ohne zu wis-
sen, warum. Es gefällt mir oder es gefällt mir
eben nicht. Das ist natürlich sehrsubjektiv,
aber emotional gesehen, sind wir da alle ganz
ähnlich gestrickt. Und meistens reicht das doch
auch. Erst mal ist es ja nicht wichtig, warum es
schön ist. Es ist eigentlich auch nicht wichtig,
dass andere was schön finden. Etwas schön zu
finden, ist äußerst subjektiv, und bei kreativer
Arbeit gilt zunächst: Dir muss es gefallen. Ich
weiß schon, das sagt sich immer so leicht, es ist
aber tatsächlich das Wichtigste – denn dann
gefällt es meistens den anderen auch. Win, win!
Wenn du nun etwas Schönes selber gestalten
willst und mehr Einfluss darauf haben möch-
test, dass es hübsch, süß oder einfach anspre-
chend wird, dann macht es Sinn, doch mal ganz
kurz zu überlegen, warum uns was gefällt.
Es scheint viele Untersuchungen darüber zu
geben, warum wir z. B. gewisse Gesichter als
hübsch ansehen oderwarum ein Sonnenun-
tergang uns fasziniert. Es beschert uns ein
wohliges Gefühl von Harmonie und Freude.
Es tut uns gut. Und macht uns glücklich, diese
Schönheit selbst zu erschaffen, daherspielt sie
auch in diesem Buch und bei deinen Kompo-
sitionen eine große Rolle.
Schönheit besteht in der Kombination aus Ge-
stalt, Farbe, Material, Komposition und einer
Form, die unseren Sinn für Ästhetik anspricht,
natürlich im Speziellen unser Sehen. Zum
Beispiel würden die meisten Menschen eine
Kugel dem Würfel vorziehen, da wireine Vor-
liebe für weiche, runde und organische Formen
haben. Sie wirken ungefährlich,freundlich und
einladend. Die vollkommene Symmetrie der
Kugel fasziniert uns und sie vermittelt Ruhe
und Harmonie.
Kein Wunder, dass wiruns zu Symmetrie hinge-
zogen fühlen, denn wirMenschen sind ja auch
ziemlich symmetrisch. Nicht im geometrischen
Sinne, aber optisch: zwei Augen, zwei Ohren,
zwei Arme, zwei Beine usw. Symmetrie ist uns
sehr vertraut. Kreis und Kugel sind demnach
so ansprechend wie ein Sonnenuntergang oder
ein süßes Babygesicht. Natürlich möchtest
du nicht nur kreisförmige und symmetrische
Letterings gestalten, und bei derKomposition
deines Handletterings geht es weniger um rosa
Wolken und rosige Wangen, sondern vielmehr
um Ausgewogenheit, die anspricht. Es geht um
Symmetrie & Harmonie, aber auch um Span-
nung & Kontrast.
Mit diesem Buch bekommst du einen Kompo-
sitionsbaukasten, mit dem du das alles in deine
eigenen Letterings einfließen lassen kannst
und die wunderschöne Welt der Buchstaben
weiter erkunden wirst.
Los geht’s!
Kapitel 1
18
Wenn du dir vorstellst, dein Wohnzimmer
einzurichten, dann möchtest du sicher, dass
es hübsch aussieht, viel Platz für die Fami-
lie bie tet oder dein Schreibtisch auch noch
hineinpasst oderdass es einfach gemütlich
ist. Wenn du nun deine Möbel zwar nach dei-
nem Geschmack aussuchst, sie aberdann nur
einfach in den Raum schiebst, wird sich kein
behagliches Gefühl einstellen, und es bleibt
chaotisch.
Dahermachen wir uns normalerweise Ge-
danken darüber, was ins eigene Wohnzimmer
passt, was zu uns passt. Wirnehmen Maß und
suchen Muster aus, die gut zusammen aus-
sehen. Damit sind wir schon auf einem guten
Weg, ein schönes Zuhause zu haben.
Das Geheimnis einer schönen und harmo-
nischen Komposition hat viel damit gemein-
sam. Die Planung dazu und das Treffen von
vielen kleinen Entscheidungen auf dem Weg,
bis alles perfekt auf dem Blatt sitzt, sind sehr
ähnlich.
Wenn wir fertige Lettering-Werke sehen, den-
ken wirschnell: Das sieht simpel aus, das mach
ich auch. Dann stellst du aber fest, dass das
Ergebnis unbefriedigend ist, und du kannst
dir nicht so richtig erklären, warum das so ist.
Vielleicht beherrschst du schon einige Schrift-
varianten und Brushpen-Techniken. Vielleicht
nutzt du gerne Wasserfarben für deine Lette-
rings oderhast es mit purem Schwarz-Weiß
versucht, und du hast auch schon einige
ganz ansehnliche Lettering-Werke er-
stellt, aberdu wunderst dich doch, wa-
rum es bei anderen oft besseraussieht.
Dann musst du wissen, dass es nur sel-
ten an krummen Buchstaben odernoch
nicht so perfekten Illustrationen liegt.
Fast immer steckt eine nicht stimmige
oder ungenaue Anordnung der ein-
zelnen Elemente dahinter, etwa von
Texten und Bannern, oderdie unpas-
sende Kombination der Schriften.
Die fehlende Planung ist leider ein
Killer für deine eigentlich so fleißig
erlernten Skills.
Dein hübsch gezeichnetes Wort
verliert an Glanz und Aussage. Und
nicht weil die Buchstaben noch
etwas wacklig sind, sondern weil
es ungünstig arrangiert wurde.
Eine unstimmige Komposition
macht ein Lettering kaputt. Da-
her ist es wichtig, die Kunst der
Komposition ebenso zu erler-
nen wie die Kunst des Handlet-
terings.
1 /3 Warum eine gute Komposition so wichtig ist
Vorbereitung
19
Natürlich muss man wie bei jederKunstform
erst mal die Tools und Abläufe kennen, bevor
man besser werden kann. Aberauch wenn
dein Werkzeugkasten noch nicht so prall mit
Schriften und Übung gefüllt ist, kannst du
schöne Handletterings erstellen, wenn du dir
bewusst machst, dass du in deinem Kasten
Sicher hast du schon beide Begriffe im Zu-
sammenhang mit Handlettering gehört.
Fälschlicherweise werden sie oftmals auch
verwechselt. Aber tatsächlich bezeichnet je-
der Begriff etwas anderes.
Die komplette Gestaltung eines Werks teilt
sich in zwei Arbeitsschritte auf, und es lohnt
sich, etwas besser zu verstehen, warum die
Begriffe unterschieden werden.
»Komposition ist die Zusammenstellung aller
Textbausteine, Elemente und Farben.
»Layoutist die Platzierung und Positionierung
deiner Komposition auf dem Blatt unter Be-
rücksichtigung von Größe und Seitenformat.
Natürlich kannst du auch total verrückt
außer-
halb jeglicherRegeln deinerKreativität freien
Lauf lassen und deine Buchstaben anordnen,
wie du willst. Erlaubt ist, was gefällt. Dann
werden sie jedoch schwer lesbar und einfach
eine verrückte Dekoration.
Doch du hast dieses Buch gekauft und möch-
test, dass deine Freude am Handlettering auch
optisch richtiggut zurGeltung kommt, und
sicher möchtest du deinen gewählten Worten
auch die gebührende Aussagekraft schenken.
Deine Mühe, dein Werk und dein Text haben
es ganz bestimmt verdient.
auch ein Fach für Komposition und Layout
benötigst. Was du in dieses Werkzeugfach al -
les reinlegen kannst, findest du auf den nächs-
ten Seiten. Eine harmonische Komposition
pimpt dein Anfängerkönnen auf oderverleiht
deinen schon ausgereiften Lettering-Fähig-
keiten den Wow-Effekt.
1 /4 Layout oder Komposition?
Kapitel 1
20
Wo also liegt der Unterschied zwischen Lay-
out und Komposition?
Dieses Beispiel macht es ganz einfach: Ich
möchte gerne in meiner Wohnung einige Bilder
und Fotos aufhängen. Da taucht schon die erste
Frage auf: Wie arrangiere ich die Familienfotos
und Bilder an der Wand?
Zuerst überlege ich mir, wie sie am besten
nebeneinander aussehen. Soll Oma neben
dem tropischen Kunstdruck hängen oder die
Kinderzeichnung lieberneben dem Bild von
der Einschulung?
Ich halte die Bildernebeneinander oder breite
sie auf dem Fußboden aus und überlege, was
Sinn macht und farblich oderinhaltlich zu-
sammenpasst. Ich schiebe die Bilderhin und
her, bis es mir gefällt und ich mich für eine
Zusammenstellung entschieden habe. Die
Anordnung meiner Bilder ist die Komposition
meiner Bildergalerie.
Bevor ich nun Nagel und Hammer hole, muss
ich mir noch überlegen, WO ich meine neue
Galerie platziere. Hinterdem Esstisch? Neben
der Couch? Gleich neben der Haustür? Und vor
allen Dingen auf welcher Höhe an der Wand
und wie weit weg vom Türrahmen?
Wo sieht man meine Galerie am besten, und
wo macht sie mir Freude? Sicher nicht auf Knie-
höhe oder oben unter der Decke ...
Dervorhandene Platz an der Wand, an dem
ich meine neu zusammengestellte und kompo-
nierte Galerie aufhängen werde, ist die Basis
des Gesamtarrangements.
Das finale Layout wird bestimmt durch alles,
was unabhängig von der reinen Komposition
eine Rolle spielt: die vorhandene Gesamt -
fläche, die Stelle an der Wand, wo ich meine
Komposition der Bilderplatziere und wie viel
Platz ich zu den äußeren Stellen derWand
lasse. Dabei ist die reine Komposition der Bil-
der ein Teil des Layouts.
Vorbereitung
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Selbst wenn du beim Bilderaufhängen nicht
so akribisch vorgehst, bleibt der Unterschied
zwischen Komposition und Layout dennoch
derselbe.
Falls du deine Bildereinfach irgendwie und
irgendwo an die Wand nagelst, geht das na-
türlich auch, aber man wird sie möglicherweise
übersehen, und die schönsten Erinnerungen
verlieren an Aufmerksamkeit.
Es wird ein Sammelsurium an Bildern sein und
keine Komposition. Das Arrangieren an der
Wand ist vergleichbarmit dem Arrangement
deiner Wörter und Textpassagen.
Bei einem Lettering sind die Bilderrahmen
deine Buchstaben und Wörter, und die Wand
ist dein Blatt Papier.
Die geplante Zusammenstellung der Wörter
ist bei einem Lettering noch entscheidender
als das Arrangement an der Wand, um dem
Gesamtlayout Strukturund Lesbarkeit zu ver-
leihen.
Ein fix und fertiges Lettering besteht somit aus
wohlüberlegtem Layout UND harmonischer
Komposition.
2 / MATERIAL
Bevor du anfangen kannst, dein Haus zu bauen, ist es sinnvoll zu wissen, welches Werkzeug du
benötigen wirst. Quasi fast nix! Denn das Schöne an diesem Buch ist, dass es überall einsetzbar
ist und du kein voll ausgestattetes Atelier benötigst, keine teuren Brushpens und auch sonst kei-
nerlei kostenintensiven Künstlerbedarf. Um Layout und Kompositionen für dein Handlettering zu
erlernen, ist wirklich kaum Material notwendig.
Kapitel 2
Zum Testen und Skizzieren verwende ich im-
mer erst mal günstiges Druckerpapier. Das
glatte für den Laserdrucker mag ich am liebs-
ten. Da rutscht vom Bleistift bis zum Brushpen
alles gut drüber, und auch radieren geht leicht.
Aber du kannst auch dein Skizzenbuch nehmen
oder einfaches Notizpapier.
Beim Optimieren einer Komposition wirst du
viel radieren oder, noch besser, abpausen. Dazu
ist Transparentpapieroder Butterbrotpapier
sehr hilfreich.
Wenn du ein Lightpad hast, nutze dieses für die
Reinzeichnung, zum schnellen Skizzieren finde
ich das Material nicht so angenehm. Und zum
Abpausen reicht auch manchmal einfach nur
die Fensterscheibe.
Deine Augen
Das Wichtigste, um dem Geheimnis eines ge-
lungenen Letterings auf die Spur zu kommen,
trägst du immer bei dir – deine Augen. Genau
hinzuschauen, ist der Schlüssel zu deinemaus-
drucksstarken Layout.
Papier
Papierbenötigst du reichlich, wirklich reich-
lich. Denn nichts ist schlimmer, als wenn einen
der Mangel an Papier ausbremst. Layout und
Komposition bedeuten experimentieren und
ausprobieren, da ist Schmierpapier wichtig.
Mein Lieblingsstift in allen Lebenslagen ist
der »Tombow Fudenosuke« mit harter Spitze.
Dieser Stift ist – je nach Druck auf die Spitze
oder Stifthaltung – Fineliner & Brushpen in
einem und lässt sich leicht führen. So kannst
du mit einem einzigen Stift superdünn wie
auch breit und vollflächig zeichnen.
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Material
Also Ratze bereitlegen und einfach ausprobie-
ren. Für die Layoutgestaltung und das ›Kompo-
nieren‹ ist hin und wieder eine Schere sinnvoll.
Das war’s!
Geodreieck oder Schablone benötigst du nicht.
Wenn du schon eine Formenschablone (auch
Lettering-Schablone genannt) zu Hause hast,
kannst du diese natürlich nutzen, um bei der
Reinzeichnung dein Lettering zu verfeinern.
Wenn du iPad-Lover bist ...
… kannst du mit dem Programm Procreate
wunderbar alle Übungen in diesem Buch mit-
zeichnen und ganz nach deinem Geschmack
dein Lettering finalisieren. Leiderist diese App
tatsächlich nurfürdas iPad erhältlich, aber
einfach unschlagbar! Andere und einfachere
Zeichenprogramme wie Paperoder SketchUp
funktionieren ebenso.
Stifte
Skizzieren und Kritzeln sind am wichtigsten.
Daherbrauchst du eigentlich nur einen Blei-
stift, nicht zu hart und nicht zu weich – je nach-
dem, wie viel Druck du beim Skizzieren ausübst.
Ein harter Bleistift hinterlässt oft Druckspuren,
ein weicher Bleistift schmiert gerne. Probiere
es aus.
Für mehr Sichtbarkeit in deiner Skizze ist ein
schwarzerFineliner und ein schwarzer, nicht
zu fetterBrushpen deiner Wahl noch sinnvoll,
aber nicht zwingend.
Lineal, Ratze, Schere
Da ich Linienziehen und rechnerisches Aus-
messen lästig finde, zeige ich dir in diesem
Buch, dass du auch wunderbar ohne Lineal &
Co. zurechtkommen kannst. Ich möchte dich
ermutigen, das Lineal zwar griffbereit zu haben,
aber es so gut es geht zu vergessen. Ich habe
die besten Erfahrungen gemacht, wenn ich
furchtlos bin und von Anfang an mutig drauf-
losskizziere. Krumme Linien sind lebendig und
bremsen dich nicht im kreativen Flow. So hast
du die besten Ideen. Der Radiergummi wurde
glücklicherweise erfunden und macht aus je-
dem Entwurf einen noch besseren.
Wer mehr zum Lettering auf dem iPad
wissen möchte, dem empfehle ich aus
vollster Überzeugung das Buch
»Handlettering mit Procreate« von
Pavo Ivcović aka Djangonaut. Ein riesiges
Füllhorn an fundierten Tipps und Tricks rund
um das digitale Zeichnen von Schriften.
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3 /1 Formatwahl
Wenn ein Haus am Hang gebaut ist, wirkt es
anders als in einem Tal oder aufeinem ho-
hen Berg. Ein großes Haus auf einem kleinen
Grundstück mutet anders an als ein TinyHouse
in einem parkähnlichen Garten.
Architekten versuchen, den bestmöglichen
Platz für ein Haus zu finden oder passen ihre
Idee dem Grundstück an.
Auch beim Lettering ist eine vorausschauende
Planung wichtig, um das