Handyfrei - Petra Trautwein - E-Book

Handyfrei E-Book

Petra Trautwein

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Beschreibung

Warum Bildschirmzeiten und Verbote nicht helfen und was du stattdessen tun kannst, damit dein Kind im digitalen Zeitalter stark, selbstbewusst und glücklich aufwächst. Sie scrollen. Sie tippen. Sie verschwinden. Unsere Kinder verlieren sich in einer Welt aus Likes, Followern und virtuellen Realitäten. Sie vereinsamen im blauen Flimmerlicht der Bildschirme. Und sie brauchen uns. Wenn das Smartphone mehr Einfluss auf dein Kind hat als du, ist es Zeit zu handeln. Denn die Folgen des exzessiven Medienkonsums sind längst kein Geheimnis mehr: Schulschwierigkeiten, Konzentrationsverlust, emotionale Abstumpfung, digitale Abhängigkeit, depressive Verstimmungen. Und doch schauen wir oft hilflos zu. Holen wir unsere Kinder aus der Medienfalle! Petra Trautwein, erfahrene Coaching-Expertin und selbst Mutter, macht Schluss mit Ohnmacht und Selbstzweifeln. In diesem Buch nimmt sie Eltern an die Hand – ehrlich und lösungsorientiert. Gemeinsam mit führenden Experten wie Gerald Hüther und Damir del Monte zeigt sie, wie wir dem digitalen Sog begegnen können: mit Klarheit, Mut und echter Verbindung. Für alle, die nicht länger zuschauen wollen. Für alle, die ihre Kinder wirklich erreichen wollen. Das Coachingprogramm für daheim – mit vielen praktischen Tipps und Bonusfeatures. Damit aus Sorge wieder Zuversicht wird.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

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Seitenzahl: 282

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Petra Trautwein

HANDYFREI

Wie Eltern ihren Kinder einen gesunden Umgang mit Handy & Medien beibringen

1. Auflage 2026

Das Werk einschließlich all seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung der Autorin unzulässig. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

© 2025 Petra Trautwein

https://petratrautwein.com

[email protected]

Buchmentoring & Autorenbegleitung: Fitore Brahimi, Wien

Autorinnenfoto: Anita Nagypal

Layout: Simone Jauk (Konzept & Design)

Satz: Burghard List

Lektorat: Susanne Klein

E-Book-Herstellung: Zeilenwert GmbH

© Molden Verlag, Wien 2026

www.styriabooks.at

ISBN Printausgabe: 978-3-222-15162-0

ISBN E-Book: 978-3-99040-825-4

Haftungsausschluss:

Die in diesem Buch vorgestellten Übungen wurden von der Autorin und dem Verlag sorgfältig geprüft und haben sich in der Praxis an tausenden Menschen bewährt. Dennoch kann keine Garantie für das Ergebnis übernommen werden. Der Verlag und die Autorin schließen jegliche Haftung für Gesundheits- und Personenschäden aus. Das Buch ersetzt keine ärztliche Abklärung.

Links auf die Websites Dritter wurden von Verlag und Autorin gründlich geprüft. Sie können jedoch für deren Inhalte keine Haftung übernehmen.

Alle Namen im Buch wurden geändert.

Über die Autorin

Petra Trautwein ist Expertin für Medienerziehung, Lernfreude und Mindmastery.

Als Mutter, Mentorin und Coach begleitet sie Familien durch eine Zeit, in der sich Erziehung radikal verändert – weil Bildschirme längst zu Alltagsbegleitern geworden sind.

Aus ihrer Arbeit weiß sie: Kinder brauchen heute nicht nur Lernstrategien – sie brauchen Schutz, Orientierung und Eltern, die präsent sind.

Denn in ihrer Praxis zeigt sich immer wieder: Medien sind selten das eigentliche Problem. Sie sind das Symptom – für Überforderung, für fehlende Verbindung, für ein Familiensystem, das aus der Balance geraten ist.

Petra unterstützt Familien deshalb auf zwei Ebenen: mit fundierten Erkenntnissen aus der Neurobiologie, wie Lernen wirklich funktioniert – trotz digitaler Ablenkung. Und mit konkreten Strategien für Eltern, wie sie ihre Kinder liebevoll durch das digitale Zeitalter begleiten können.

Sie glaubt fest daran, dass jedes Kind das Potenzial für eine glückliche und selbstbewusste Persönlichkeit in sich trägt – wenn es Eltern an seiner Seite hat, die führen, fühlen und verstehen.

Petra Trautwein hat „Raus aus dem Schulchaos“ geschrieben – einen Bestseller, der Eltern den Druck nimmt und neue Wege zeigt, wie Schule und Lernen wieder gelingen können. Mit „Handyfrei – Wie Eltern ihren Kindern einen gesunden Umgang mit Handy & Medien beibringen“ geht sie jetzt den nächsten Schritt: Sie will Familien stark machen gegen digitale Überforderung – und ihnen helfen, wieder in Verbindung zu kommen.

Ihr Herz schlägt dabei besonders für Mütter, denn sie sind es meist, die das Familienschiff steuern – selbst wenn der Sturm tobt.

Petra studierte Anglistik, Romanistik und VWL in Heidelberg und München, arbeitete in der Presse- und Marketingwelt – unter anderem bei Microsoft Deutschland – und begleitet Familien seit 2015 als Familiencoach, Speakerin und Gründerin der SmartKids Academy®, wo sie Eltern, Lehrkräfte und Menschen, die mit Kindern arbeiten, nach ihrer geschützten Methode ausbildet und so die Veränderung ermöglicht, die sie selbst einmal so dringend gebraucht hätte.

„Wir brauchen mehr Pippis als Annikas“, sagt sie – und meint damit Kinder, die mutig, lebendig und innerlich frei sind. Die beiden hatten übrigens auch noch kein Handy.

Petra lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern südlich von München.

Ihre zweite Heimat ist Italien – sie liebt das Licht, das Leben, die Sprache. Und natürlich das Essen.

Petra hält Vorträge, gibt Workshops und bildet Eltern zu SmartKids Coaches® aus.

Wenn du Lust hast, dich mit anderen Müttern auszutauschen, komm gerne in ihre Facebook-Gruppe „So wirst du zum Erfolgscoach deines Kindes“. Wir freuen uns auf dich.

facebook.com/groups/917254469144948

Mein Geschenk an dich

Der Umsetzungskurs zum Buch im Wert von 499 Euro & Zugang zum Bonusbereich

Du erhältst als Leser: in meines Buches exklusiven Gratis-Zugang zu wertvollem Bonusmaterial als Ergänzung zum Buch. Sowie aktuelle Infos und Termine rund um freie Workshops und wo du mich live in deiner Nähe treffen kannst.

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HANDYFREI – So lernt dein Kind einen gesunden Umgang mit den digitalen Medien.

Website:petratrautwein.com/bonushandyfrei

INHALT

Über die Autorin

Mein Geschenk an dich

EINLEITUNG

Den Eltern die Handlungsmacht wieder zurückgeben!

KAPITEL 1Smartphone-Epidemie! Wie konnte das passieren? Und wie gehen wir damit jetzt um?

Eltern und Kinder am Limit

Warum Bildschirme süchtig machen

Flucht aus dem echten Leben

Wege aus dem Chaos: Die fünf Zauberkräfte

Bewusste Medienerziehung

Eltern übernehmen Führung und gehen in Verbindung

Verantwortung statt Ausreden: Nur ehrliche Reflexion führt zu Lösungen

Veränderung beginnt mit uns: Warum Wissen allein nicht reicht

Interview mit Gerald Hüther, Neurobiologe

KAPITEL 2Vorbildwirkung! Die Rolle der Eltern in der Erziehung

Als Eltern die eigene Mediennutzung in den Blick nehmen

Die Spiegelwirkung: Kinder imitieren das Verhalten ihrer Bezugspersonen

Ehrlichkeit mit uns selbst bringt uns weiter

Die Bedeutung von Präsenz und Verfügbarkeit

Die häufigsten Sorgen der Eltern

Medienmentoring durch die Eltern

KAPITEL 3Übermäßige Mediennutzung als Grund Nr. 1 für Schulschwierigkeiten

Mediennutzung als Herausforderung erkennen

Konzentration und Aufmerksamkeit

Schlafmangel in deutschen Kinderzimmern

Der Einfluss auf die intrinsische Motivation

ADHS: Herausforderung oder Verstärker?

Mediennutzung und Strategien gegen soziale Isolation

Interview mit Hanna Fougeron, Lehrerin für Französisch und Spanisch

Interview mit Eva B., Sonderpädagogin

KAPITEL 4Digitale Demenz? Das passiert in den Gehirnen unserer Kinder, wenn sie zu viel online sind

Dopamin – der Stoff, der unser Handeln lenkt

Pubertät als Entwicklungschance – und nicht als Baustelle im Gehirn

Interview mit Damir del Monte, Neurowissenschaftler

KAPITEL 5Fünf Schritte aus der Bildschirmabhängigkeit – Wie wir unsere Kinder ins echte Leben zurückholen

Schritt 1: Klarheit gewinnen

Schritt 2: Diagnose – wie schlimm ist es wirklich?

Schritt 3: Du bist der Schlüssel

Schritt 4: Komm in eine neue Energie

Schritt 5: Glaub nicht alles, was du denkst

KAPITEL 6Verbindung vor Technologie! Strategien für den erfolgreichen Umgang mit Konflikten

Konflikte angehen statt vermeiden

Dein Kind besser verstehen: Emotionstypen in Konflikten

Die Emotionstypen im Überblick

Trigger entschärfen

Angriff, Harmonie, Prahlen oder Schockstarre: Welcher Elterntyp bist du?

Die Begegnung mit dem inneren Kind

KAPITEL 7Selbstbewusste Kinder haben Freunde, keine Handys

Was Kinder wirklich stark macht: Selbstwert und Selbstbewusstsein

Selbstbewusste Kinder brauchen bewusste Eltern

Selbstbewusst erziehen beginnt in dir

Selbstwert braucht keinen Vergleich – das Schulsystem schon

Neurodiverse Kinder: Warum anders nicht falsch ist

Erste Ideen und Rituale für mehr Selbstvertrauen im Familienalltag

KAPITEL 8Führung! Der übersehene Faktor für erfolgreiche Erziehung

Kinder brauchen Führung – als ein Geschenk der Liebe

Familien brauchen Hierarchien – die systemische Perspektive

Bedürfnisse und Wünsche sind nicht das Gleiche

KAPITEL 9Grenzen setzen mit Liebe und Respekt

Persönliche Grenzen klären und einhalten

Kinder rebellieren gegen Regeln – und brauchen sie deshalb dringend

Diese Fallen solltest du vermeiden

Medienregeln für jedes Alter – gibt es nicht!

KAPITEL 10Digitales Detox und Offline-Zeit: Der Moment, in dem wir wieder aufatmen

Warum wir ohne Bildschirm mehr fühlen – und was unsere Kinder dadurch wiederfinden

Wie aus Kontrolle Verbindung und aus Widerstand Vertrauen wird

Eine Einladung an dich

SCHLUSSWORTFür dich. Für deine Kinder. Für euch.

DANKEFür dich, für euch, für alles

LITERATURVERZEICHNIS

ANHANG

Das sagen Kundinnen über die Zusammenarbeit und die Ausbildung von Petra

Deine nächsten Schritte: Wenn du beim Lesen gespürt hast „Ja, genau so ist es bei uns.“

Mein Geschenk an dich

EINLEITUNG

Den Eltern die Handlungsmacht wieder zurückgeben!

„Hast du die Hausaufgaben schon gemacht?“

Ich stehe in der Tür. Mein Blick fällt auf das Kind, das völlig abwesend auf seinem Bett liegt – Handy in der Hand, Kopfhörer in den Ohren.

„Gleich“, sagt es. Ohne aufzuschauen.

Eine halbe Stunde später sieht das Bild genauso aus. Nur mein inneres Bild hat sich verändert. Ich spüre den Frust in meinem Bauch, die Sorge im Kopf – und diese leise Stimme, die flüstert: Du dringst nicht mehr durch zu ihr.

Kennst du solche Momente? Diese Mischung aus Hilflosigkeit und Ohnmacht, die uns Müttern in den Alltag kriecht, obwohl wir ohnehin schon alles tun, was in unserer Macht steht?

Ich bin Lernexpertin, Mentorin für Mamas und Familien – und selbst Mutter von drei wunderbaren Mädels. Und genau wie du stand ich irgendwann an dem Punkt, an dem ich merkte: So geht das nicht weiter. Schule funktioniert nicht mehr. Familienleben ist nur noch Reaktion. Und die Bildschirme haben das Kommando übernommen.

In meiner Coachingpraxis begegnen mir heute täglich Mütter, die sagen: „Ich habe alles versucht. Lerntherapie, Apps, Belohnungssysteme, Zeitlimits. Nichts funktioniert.“ Ich sehe diese Mütter an – und weiß: Es liegt nicht an dir. Wir sind die erste Generation, die Kinder im digitalen Zeitalter großzieht. Es gibt keine Vorbilder. Keine Generation vor uns musste ihren Kindern beibringen, wie man sich selbst aus TikTok zurück ins echte Leben holt.

Genau deshalb brauchen wir neue Wege – neue Antworten. Und die beginnen nicht mit Verboten, sondern mit Verbindung.

Wir sehen es überall – in Schulen, auf Spielplätzen, in Kinderzimmern: Die Medienwelt hat sich in unsere Familien eingeschlichen wie ein leiser Nebel. Erst wurde sie zum Zeitvertreib, dann zum Streitpunkt. Für uns Eltern wurde sie relativ schnell zur größten Herausforderung in der Erziehung.

Dieses Buch ist mein Beitrag, das zu ändern.

Es ist eine Einladung an dich. Nicht zum Studieren des nächsten Erziehungsratgebers mit erhobenem Zeigefinger, sondern zu einer Reise, bei der du wieder in deine Kraft kommst – zu einer Reise zurück in die Verbindung mit deinem Kind.

In meinem ersten Bestseller-Buch „Raus aus dem Schulchaos“ habe ich gezeigt, wie Lernen für jedes Kind gelingen kann – auch wenn die Schule nicht mitspielt. Dieses Buch geht einen Schritt weiter.

Denn ich habe in den letzten Jahren erkannt: Die größte unsichtbare Blockade für schulischen Erfolg, gesunde Entwicklung und echtes Familienleben ist nicht das Kind. Es ist die digitale Welt, die sich still und heimlich in unsere Wohnungen, unsere Routinen und unsere Herzen eingeschlichen hat.

Dieses Buch ist mein Herzensprojekt – geschrieben für Mütter wie dich. Für Frauen, die sich nichts sehnlicher wünschen als Kinder, die lachen, entdecken, lernen und leben. Nicht in einer App. Sondern im echten Leben.

Ich zeige dir, warum Kinder nicht einfach „süchtig nach dem Handy“ sind, sondern oft nur auf der Suche nach etwas: Gesehenwerden, Zugehörigkeit, Entspannung, Bedeutung und Sicherheit. Fünf Zauberkräfte, die wir ihnen auch im echten Leben schenken können – wenn wir wissen, wie.

Du erfährst in diesem Buch:

Wie Medien unser Familienleben verändern – sichtbar und unsichtbar.

Was im kindlichen Gehirn passiert, wenn Likes wichtiger werden als der echte Kontakt.

Wie wir mit klaren Grenzen, echten Gesprächen und liebevoller Führung wieder zu einer Familie werden, in der Verbindung wichtiger ist als WLAN.

Ich erzähle dir von meinen eigenen Erfahrungen – als Mutter, als Coach, als Frau, die irgendwann gemerkt hat: Ich kann mich nicht länger aus der Verantwortung stehlen. Aber ich muss mich auch nicht alleine durchkämpfen. Ich habe gelernt, dass es Strategien gibt, die funktionieren. Dass Veränderung möglich ist – und dass sie immer bei uns beginnt.

Was du brauchst, ist kein neues Plakat mit Medienregeln. Was du brauchst, ist eine innere Haltung: klar, liebevoll, verlässlich.

Du darfst dich bereit machen, auch mal auszuhalten, wenn dein Kind unzufrieden ist. Und du darfst bereit sein, dich selbst zu reflektieren – ohne Schuld, aber mit Verantwortung. Denn Mediennutzung ist kein Grundrecht. Verbindung schon.

Genau dafür habe ich dieses Buch geschrieben.

Ich weiß, du willst das Beste für dein Kind. Aber vielleicht fühlst du dich auch oft allein auf diesem Weg. Ich schreibe dieses Buch, weil ich will, dass du dich gesehen fühlst.

Dass du verstehst: Es liegt nicht an dir – aber du kannst etwas tun.

Ich duze dich, weil ich mich dir verbunden fühle. Weil ich weiß, wie schwer es ist, Haltung zu zeigen, wenn dein Kind dich dafür hasst. Wie viel Mut es kostet, nicht der Bequemlichkeit nachzugeben. Und wie sehr wir alle manchmal einfach nur durchatmen wollen und hoffen, dass es schon gut wird. Doch du darfst mehr wollen als „es wird schon“. Du darfst Verbindung wollen. Entwicklung. Lebendigkeit. Nähe.

Auch wenn ich Mütter direkt anspreche – weil sie in den allermeisten Fällen die erste Anlaufstelle für mich sind –, freue ich mich über jeden Vater, der mitliest und möchte, dass er sich angesprochen fühlt. Es braucht uns alle. Danke liebe Eltern, dass ihr euch auf den Weg macht. Gleichzeitig spüre ich die Sorgen und Erschöpfung der Mütter täglich und kann sie wirklich fühlen. Ich höre ihre innere Zerrissenheit. Und ich weiß: Sie brauchen Orientierung. Keine neuen Vorwürfe, keine Schuldgefühle – sondern Klarheit. Mut. Werkzeuge, die funktionieren.

Lass uns also gemeinsam losgehen. Nicht mit Schuld. Sondern mit Verantwortung.

Nicht gegen dein Kind. Sondern für es. Nicht perfekt. Sondern wach, lebendig – und bereit für echte Veränderung.

Deine Petra

KAPITEL 1

Smartphone-Epidemie! Wie konnte das passieren? Und wie gehen wir damit jetzt um?

Lautes Geschrei, vielleicht sogar Brüllen, unschöne Worte, die ich hier lieber nicht wiederholen will: Als ich meiner eigenen Tochter vor ein paar Jahren das Handy einfach weggenommen habe – den genauen Grund weiß ich gar nicht mehr –, führte sie sich auf, als ob ich sie einsperren oder sie ihres kompletten Lebens berauben wolle. Fakt ist: Nach zwei Tagen Geschrei war der Spuk vorbei. Dann merkte sie plötzlich, wie viel mehr Zeit sie für andere Dinge hat, wie viel reicher ihr Leben wieder wurde. Damals war das Wegnehmen des Handys eine recht einfache und für mich naheliegende und auch heilsame Lösung. Viele Eltern machen sich jedoch Gedanken, wenn ihr Kind einmal eine Woche keinen Klassenchat verfolgen oder sich bei Schwierigkeiten nicht melden kann, und greifen deswegen nicht so strikt durch. Man hat derzeit fast das Gefühl, der Zugang zum Handy sei ein Grundbedürfnis für unsere Kinder.

Eltern und Kinder am Limit

Die Folgen von übermäßigem Handykonsum sind jedoch offensichtlich: Sehr viele Kinder können sich auf nichts mehr konzentrieren. Sie können das Ding nicht zur Seite legen und wollen mit ihren Handy-Spielen immer weitermachen, bis zum nächsten und übernächsten Level. Deshalb gehen sie wenig nach draußen und haben auch fast kein soziales Leben mehr. Der Handykonsum wird so zur Abhängigkeit.

Bert te Wildt, Chefarzt der Psychosomatischen Klinik im Kloster Dießen, einer Suchtklinik am Ammersee, berichtetim Juni 2024 in der Süddeutschen Zeitung, dass die meisten Süchtigen als Erstes ihr soziales Leben vernachlässigen. Das gilt für Erwachsene, aber auch für Jugendliche und Kinder, und davon sind sämtliche sozialen Beziehungen betroffen, auch die Schule und die Ausbildung. Die Abhängigen verwahrlosen. Erst waschen sie sich seltener, später stapeln sich die schimmeligen Pizzakartons in den Zimmern. Eltern laufen Gefahr, co-abhängig zu werden, sogar wenn die Kinder schon erwachsen sind.

Spätestens jetzt stellt sich die Frage: Wie konnte es dazu kommen? Wie läuft das in den Familien, wenn die Kinder ohne das Handy nicht mehr im Alltag klarkommen? Unser erster Gedanke ist da wohl wie bei ähnlichen Problematiken auch: „Das würde mir doch nie passieren, dass ich meinem Kind auch noch die Pizza serviere, wenn es sich gar nicht mehr von der Couch erhebt und spielsüchtig ist.“

Doch unsere Kinder sind schlau, und sie nerven uns, wenn sie sich langweilen und langweilen und langweilen. Sie nerven, bis wir irgendwann am Limit sind. All unsere Vorschläge, wie sie sich beschäftigen könnten, lehnen sie ab. Warum? Weil sie herausgefunden haben, dass sie nur lange genug nerven und Nein sagen müssen, bis wir irgendwann so weit sind und Ja sagen: „Jetzt nimm doch einfach das verdammte Handy.“

Sie „nerven“ während einer langen Autofahrt auf dem Weg in die Ferien oder am Nachmittag, wenn es regnet, oder auch bei anderen Gelegenheiten. Wenn sie in einem öffentlichen Raum wie im Zug oder Flugzeug quengeln und vielleicht sogar schreien, bekommen sie das Handy noch schneller. Weil wir als Eltern beschämt sind, dass sie so ein Theater machen und weil wir uns Sorgen machen, was die Mitreisenden jetzt sagen oder denken könnten.

Wie konnte es dazu kommen, dass die Gedanken der anderen uns in solchen Situationen wichtiger sind als das Wohlergehen unserer Kinder? Denn die Folge davon ist ja, dass so ein kleines Kind schon lernt: „Jedes Mal, wenn ich schreie, bekomme ich, was ich will!“, und dann noch mehr schreit.

Da braucht es echt Nerven aufseiten der Erwachsenen, um standhaft zu bleiben. Doch als Eltern haben wir natürlich bei allem Stress immer die Wahl: Wir nehmen entweder die Buntstifte mit, machen mit ihnen ein Spiel oder lesen gemeinsam ein Buch. Oder wir machen das nicht und sagen stattdessen genervt: „Jetzt nimm einfach das verdammte Tablet.“ So werden Smartphones und Tablets zu unseren Ersatz-Kindermädchen und Babysittern – und wir sind Teil des Problems.

Wie viele Eltern kaufen ihren Kindern ein mobiles Gerät, weil die anderen auch eines haben? Wie oft lassen sie die Kinder Instagram nutzen und Spiele spielen, die sie eigentlich nicht für geeignet halten, nur weil alle anderen das dürfen oder auf Instagram sind? Und wie viele Eltern schalten das Smartphone oder Tablet gleich zu Beginn einer Autofahrt ein, weil die Kinder dann viel ruhiger sind und weniger meckern? Oder geben den Kindern viel zu schnell das Handy, wenn sie mal im Wartezimmer oder woanders ein wenig warten müssen? Und wenn du jetzt denkst: „Autsch, erwischt!“, tröste dich, es geht uns da allen gleich.

Auch in unserer Familie haben wir das auf einer langen Ferienfahrt in die Bretagne mit dem Wohnmobil schon gemacht. Die Überlegung war, dass wir länger am Stück fahren können, wenn wir den Kindern erlauben, Handy-Spiele zu spielen und zu daddeln. Doch im Nachhinein kann ich sagen: Das war das erste und das letzte Mal. Die Stimmung im Wohnmobil war schon während der Fahrt hochgradig aggressiv. Es wurde nur noch gestritten, und am Ende mussten wir dann sogar früher Pause machen, damit sich alle wieder beruhigen konnten.

Die nächste Frage ist noch weitaus unbequemer: Wie viele von uns greifen selbst superschnell zum Handy, wenn wir in einer Warteschlange in der Supermarktkasse stehen, in der Straßenbahn sitzen oder auch nur kurz auf unsere Kinder warten? Wie viele spielen wirklich noch Gesellschaftsspiele, genießen Langeweile und werden kreativ? Und wie viele bauen noch Sandburgen, machen Puzzles oder finden gemeinsam mit ihren Kindern heraus, wie die Welt funktioniert? Besonders Letzteres geht ja durch Googeln ohnehin viel schneller, als wenn wir die echte Welt erforschen.

Wir sind als Erwachsene selbst ständig auf der Suche nach sofortiger Befriedigung und schneller Entspannung. Und genau das suchen auch unsere Kinder. Und genau hier liegt das Problem.

Schau dich doch mal um. Wer spielt denn heute noch Gesellschaftsspiele? Sogar das gute alte Monopoly gibt es mittlerweile als Computerspiel, und das finde ich echt schade. Mit diesem Klassiker, der jahrzehntelang Familien am Esstisch vereinte, ist fast die letzte Gelegenheit, bei der sich die Familie um einen großen Tisch versammelt und zusammen spielt, für viele Geschichte. Und dabei erinnere ich mich so gerne an meine eigene Kindheit und auch an die Spielnachmittage mit meinen drei Kindern zurück. Das haben heutzutage Familien alles nicht mehr. Dafür haben sie vieles digitalisiert und damit entzaubert. Das scheint die Richtung zu sein, in die wir uns bewegen. Doch wollen wir das wirklich alles so?

Warum Bildschirme süchtig machen

Wusstest du, dass die Bosse der großen Technologieunternehmen, die mit digitalen Spielen und Apps ein Heidengeld verdienen, ihre eigenen Kinder in streng analoge Schulen schicken? Bill Gates hat dafür gesorgt, dass seine Kinder erst sehr spät ein Smartphone in die Finger bekamen, die Kinder von Steve Jobs hatten kein Tablet, und die anderen Bosse im Silicon Valley tun es ihnen nach. Und man findet deswegen in Kalifornien auch viele alternative Schulmodelle, etwa Waldorfschulen, da die Kinder dort bevorzugt ohne technologische Hilfsmittel lernen.

Warum machen das gerade die Menschen, die technologisch so bewandert sind? Weil sie genau wissen, dass die Bildschirme süchtig machen und warum das so ist. Ihre eigenen Kinder wollen sie dieser Gefahr nicht aussetzen. Sie wissen, dass die Spiele mit voller Absicht so programmiert sind, dass sie süchtig machen und dass die Gehirne unserer Kinder keine Chance haben gegen die Algorithmen der Spieleprogrammierer.

Wenn wir das nicht verstehen, werden wir das Problem nicht lösen. Und dafür müssen wir es bei den Wurzeln packen.

Die Abhängigkeit von Bildschirmen ist weit verbreitet. Sie ist mittlerweile ein universelles und globales Phänomen. Und wir schauen uns hier zuerst die Gründe dafür an, bevor wir zu den möglichen Lösungen kommen.

Zu den Gründen für das hohe Abhängigkeitspotenzial gehört, dass unsere Kinder online eine sofortige Rückmeldung auf ihre Aktivitäten bekommen. Und das bedeutet auch: sofortige Entspannung, sofortige Anerkennung, sofortige Zerstreuung, direktes Feedback. Social Media ist ein ständig – und damit meine ich wirklich 24/7 – verfügbarer Tropf, der uns inhaltlich und visuell stimuliert.

Warum sollten wir also noch ein Buch lesen, wenn Bilder und Videos doch viel eingängiger und sensationeller sind? Auf diese Weise muss man die eigene Vorstellungskraft gar nicht mehr bemühen. Wir brauchen nichts zu tun, können völlig passiv die Wirkung genießen. Der 24/7-Zugang zu Freunden ist ein weiterer Grund für die langen Medienzeiten, denn es gibt natürlich immer etwas zu chatten.

Die gravierendsten Probleme, die sich daraus ergeben, liegen ebenfalls auf der Hand: Das Handy ist Motivationskiller Nummer eins für unsere Kinder. Sie sind ständig gelangweilt, ständig abgelenkt und können sich nicht konzentrieren. Sie haben keine oder nur noch wenige Freunde im echten Leben und fangen an zu glauben, dass das normal sei. Doch der Mensch ist ein soziales Wesen, zwischenmenschliche Beziehungen sind für uns lebenswichtig. Unsere Kinder werden zunehmend beziehungsunfähig. Sie sind nicht mehr neugierig, können auch nicht mehr auf etwas warten. Wollen wir das?

Das Problem zeigt sich also auf verschiedene Arten. Und der Grund, warum Menschen mediensüchtig werden oder suchtähnliches Verhalten zeigen, liegt mal wieder in unserem Gehirn versteckt. Genauer gesagt ist es die Dopamin-Belohnungsschleife, die dies auslöst. Wenn wir ständig Likes, Emojis und Reichweiten hinterherjagen, entsteht daraus eine Art Dopamin-Rausch. Mehr dazu findest du in Kapitel 4, S. 99.

Flucht aus dem echten Leben

Ein charakteristisches Merkmal des Internets und der sozialen Medien ist, dass sie einerseits die Welt erweitern, sie auf der anderen Seite aber auch einschränken. Wir interagieren nur mit Menschen aus unserer Bubble. Wir können uns aussuchen, wem wir schreiben und mit wem wir reden oder spielen. Wir können löschen und blockieren, was wir nicht mögen, und entfernen damit auch andere Meinungen aus unserem Sichtfeld und nehmen die Welt nur noch sehr eingeschränkt wahr – bis hin zu dem Eindruck: „Alle sind ja meiner Meinung.“ Logisch, denn die anderen haben wir ja auch entfernt. Das ist ein Grund dafür, warum im Netz so viele „verrückte“ Gruppen komplett überreagieren und auch so viele falsche Informationen kursieren: Wir nehmen nur noch die Perspektive und Meinungen unserer Bubble wahr und halten zu den Mitgliedern dieser Bubble, weil wir andere Meinungen gar nicht sehen.

Im echten Leben ist das anders. Da sind wir gezwungen, uns auseinanderzusetzen und mit Leuten auszukommen, die nicht immer einer Meinung mit uns sind. Wir treffen diese anderen Leute in der Kantine und in der Klasse und sind mit ihren Ansichten und Meinungen konfrontiert, weil wir sie nicht einfach wegfiltern können. In der virtuellen Welt können wir uns alles aussuchen und schränken damit unser Risiko ein, erhöhen unsere Sicherheit auf eine ganz bizarre Weise.

Neben der Erweiterung der eigenen Welt ist der Wunsch dazuzugehören, zu einer Gruppe, zu einer Gemeinschaft, zu einem Netzwerk, ebenfalls ein wichtiger Grund für Jugendliche, online zu gehen, oftmals auch, weil sie das in ihrem direkten Umfeld nicht erfahren. Das Gefühl der Zugehörigkeit ist ein Grundbedürfnis von uns Menschen.

Genau das dürfen wir als Eltern verstehen und nachvollziehen, wenn wir nicht frustriert sein wollen über das Verhalten unserer Kinder: Die Bedürfnisse, die dahinterstecken, sind ganz normal. Die Kinder wollen einfach gesehen werden, wollen schnelles Feedback bekommen, sich entspannen und dazugehören. Deswegen bleiben sie dran.

Für uns Eltern ist es wichtig, uns klarzumachen, dass nur Verständnis an dieser Stelle eine Brücke schlagen kann. Verständnis schafft Mitgefühl, Mitgefühl schafft eine Verbindung – und nur die kann eine Veränderung bewirken.

In der virtuellen Welt bleiben die Probleme des echten Lebens draußen. Wenn uns das Leben zu anstrengend wird, wenn wir keine Erfolge haben, die Konflikte zu mühsam werden, flüchten wir einfach in diese Fantasy-Blase und machen die Tür zu. Da fühlen wir uns fleißig und kompetent, erobern neue Welten oder kreieren neue Lebensräume, aber eben nur im virtuellen Raum. Es ist also eine Flucht vor dem Druck, eine sichere Blase, in der wir die Realität ausblenden können und uns niemand wirklich herausfordert.

Und es gibt dort immer etwas Neues und Aufregendes zu erleben. Ständig werden den Kindern Unterhaltung und neue Adrenalinschübe geboten. Videospiele sind Babysitter und gleichzeitig die besten Unterhalter der Welt. Da können sie sein, wie sie „in echt“ vielleicht nie sein können – superspannend oder sehr lustig. Wir Eltern sind dagegen nur einfach langweilige Menschen und können mit den Bildschirmen nicht konkurrieren.

Die Bildschirme geben unseren Kindern also etwas, was sie in der realen Welt nicht bekommen. Und als Eltern dürfen wir uns die Frage stellen, warum das so ist und wie wir damit umgehen. Denn natürlich gibt es einen Weg, all diese Bedürfnisse auch im echten Leben zu befriedigen, aber der ist naturgemäß anstrengender.

All diese Punkte gelten im Übrigen natürlich für Erwachsene wie Kinder gleichermaßen. Der große Unterschied liegt darin, dass wir als Erwachsene besser mit diesen Gefühlen umgehen und sie auch regulieren können. Bei Kindern ist der dafür zuständige Bereich im Gehirn – der präfrontale Cortex – noch nicht vollständig ausgebildet. Zu seinen Aufgaben gehört unter anderem die Regulierung der Gefühle, die Reflexion unserer Bedürfnisse und das Abwägen und Relativieren von emotionalen Herausforderungen.

Wege aus dem Chaos: Die fünf Zauberkräfte

Wie gehen wir als Eltern jetzt mit dieser ganzen Situation um? Wie holen wir unsere Kinder aus der Bildschirmabhängigkeit wieder heraus? Oder noch besser: Wie verhindern wir von Anfang an den überzogenen Medienkonsum?

Wenn das Problem bereits zu weit fortgeschritten ist, braucht es einen gewissen Druck oder Standhaftigkeit. Darüber sprechen wir später. Zunächst wollen wir uns anschauen, wie wir mit Mitgefühl und Verständnis für ihre Situation eine Veränderung bewirken können.

Natürlich liegt die Medienabhängigkeit unserer Kinder nicht darin begründet, dass sie „schlecht“ sind oder schlechte Veranlagungen haben. Sie sind auch keine Loser. Das Problem ist ein gesellschaftliches und hat seine Ursachen in unserer modernen Kultur.

Wenn wir diese Ursachen verstehen, wir also begreifen, was unsere Kinder davon haben, können wir das Zusammenleben mit ihnen so gestalten, dass ihre Bedürfnisse mehr Beachtung finden und auch befriedigt werden. Deswegen ist es so wichtig, dass wir uns zunächst einmal anschauen, wie wir in diese Situation geraten sind und was die Online-Welt ihnen bedeutet. Damit können wir dann auch im echten Leben umgehen. Wenn wir gar nicht wissen, was die Bildschirme ihnen bieten, kämpfen wir auf verlorenem Posten.

Nehmen wir also die Challenge an und geben wir ihnen im echten Leben, was sie in der virtuellen Welt suchen. Zumindest einen Teil davon können wir unseren Kindern mit Engagement und ganz viel Liebe leicht geben. Den Rest wuppen wir mit etwas mehr Anstrengung ebenfalls.

Schauen wir uns dazu die fünf Zauberkräfte an, die die Bildschirme unseren Kindern scheinbar vermitteln:

Sie fühlen sich gesehen.

Sie fühlen sich sicher.

Sie fühlen sich erfolgreich.

Sie können sich entspannen.

Sie fühlen sich wichtig.

Darin besteht die psychologische Wirkung der Bildschirme, und die Zauberkräfte sind an sich selbstverständlich weder schlecht noch gefährlich.

Das Problem liegt nicht darin, dass die Kinder sich diese fünf Zauberkräfte holen, sondern darin, dass sie diese Bedürfnisse in einer virtuellen Welt befriedigen und nicht im echten Leben. Die Kinder hören dann auf, sich mit Freunden zu treffen, und bekommen die fünf Zauberkräfte auch nicht durch ihre Eltern, die erweiterte Familie oder dadurch, dass sie ihre Ziele erreichen. Sie bekommen sie nicht aus sich selbst heraus, sondern nur im Außen.

Bewusste Medienerziehung

Smartphones und Social Media genau wie Videospiele entfernen uns vom echten Leben. Darin besteht die eigentliche Gefahr. Sind Kinder täglich viele Stunden online, müssen wir ihre Mediennutzung auf eine überschaubare Zeit reduzieren und gleichzeitig unser eigenes Bildschirmverhalten verändern, sonst haben wir ein massives Problem. Das betrifft vor allem Kinder zwischen 16 und 18 Jahren, insbesondere Jungs und ihren Videospielekonsum. Mädchen sind eher im Bereich Social Media betroffen.

Wenn sie 18 und erwachsen sind, fallen ihre Aktivitäten fallen nur noch bedingt in unsere Verantwortung. Wir können dann in aller Regel auch nicht mehr viel tun. Deswegen ist es umso wichtiger, rechtzeitig einzugreifen, die Verantwortung zu übernehmen und in der Zeit, in der das Gehirn am stärksten wächst, keine unkontrollierte Mediennutzung zu erlauben. Denn das Gehirn muss so weit entwickelt sein, dass es mit dieser Informationsflut im Internet klarkommt und sie wahrnehmen, verarbeiten und bewältigen kann. Das Gehirn eines 8- oder 10-Jährigen kann das noch nicht. Das Gehirn einer 13-Jährigen kann es kaum, und das Gehirn eines 16-Jährigen kann es schon ein bisschen besser.

Wo können wir da ansetzen? Wie oben schon erwähnt, hat das Kind den Wunsch, gesehen zu werden, sich sicher und wichtig zu fühlen, sich zu beruhigen und zu entspannen, sich erfolgreich zu fühlen. All dies ist Bindung. Bindung bedeutet nicht (nur) Küssen, Umarmungen und Körperkontakt im weiteren Sinne. Bindung steht bei bewusster Medienerziehung ebenfalls im Vordergrund. Was machen die Kinder gerne? Unterstützen wir sie dabei, ihre Wünsche und Talente zu entdecken und auszuleben. Unterstützen wir sie dabei, sich bedeutsam und erfolgreich zu fühlen.

Bedürfnisorientierte Erziehung ist ein weiteres Stichwort, das sehr eng mit der bewussten Medienerziehung zusammenhängt. Hier ist es wichtig zu beachten: Es gibt weder ein Grundbedürfnis nach einem Handy noch nach Medienzeit oder Online-Spielen. Die Bedürfnisse, die dahinterstehen, gilt es in den Blick zu nehmen, und wie wir im vorigen Abschnitt gesehen haben, können diese in der Online-Welt, aber sehr wohl auch im echten Leben, erfüllt werden.

Zu bewusster Erziehung gehören klare Grenzen. Wenn die Kinder noch klein sind, hilft das kluge Setzen von Grenzen, einer eventuellen späteren Mediensucht vorzubeugen. Dazu gehört, dass wir keinen eigenen Fernseher im Kinderzimmer erlauben. Falls die Kinder schon Zugriff auf das Internet haben, begrenzen wir die WLAN-Zeiten sehr strikt und achten darauf, dass sie auch eingehalten werden. Wir gestalten bildschirmfreie Zonen, zum Beispiel am Esstisch und im Kinderzimmer, und führen medienfreie Zeiten ein. Weil Grenzen ein wichtiges Thema sind und vor allem ganz praktisch umsetzbare Strategien erfordern, gehe ich darauf noch gesondert ein (siehe S. 210).

Bewusste Medienerziehung fragt danach, welche Fähigkeiten oder Kenntnisse jüngere Kinder brauchen, damit sie erst gar nicht online gehen wollen. Da geht es in erster Linie um sinnvolle Beschäftigungen und Hobbys, die sie regelmäßig pflegen. Zusätzlich sollten wir in diesem Alter darauf achten, dass sie lernen, Freundschaften zu knüpfen und diese Beziehungen dann auch zu pflegen, und dass sie Strategien entwickeln, um Probleme und Konflikte zu lösen.

Wir lassen uns dabei nicht durch die Sturheit oder den starken Willen unserer Kinder von unserem Weg abbringen. Denn jedes Kind hat einen starken Willen, wenn es unbedingt etwas erreichen oder haben will, und wir als Eltern lernen, damit umzugehen. Das bedeutet in erster Linie, auch selbst den Konflikten nicht aus dem Weg zu gehen und zu verstehen, dass unsere Kinder nicht immer glücklich sein müssen, ja, vielleicht sogar auch mal weinen und schreien. Und falls sie total wütend werden, weil sie kein Smartphone oder Videospiel bekommen, dann halten wir das als Eltern aus und geben nicht um des lieben Friedens willen nach. Wir handeln so, weil wir wissen, dass es nicht gut für sie ist.

Da wir wissen, dass unsere Kinder später krank werden, wenn sie zu viel Zucker essen, achten wir doch auch darauf, dass sie nicht zu viel davon bekommen. Auch glutenfreie oder laktosefreie Ernährung ist in vielen Familien mit großem Aufwand etabliert, weil es um die Gesundheit geht. Bei der Mediennutzung ist es ganz ähnlich, das geht es auch um das physische und psychische Wohl unserer Kinder.

Eltern übernehmen Führung und gehen in Verbindung

Es ist also für uns als Eltern notwendig zu lernen, wie wir mit diesen Konflikten umgehen, wie wir Verantwortung übernehmen und dass wir auch gute Eltern sein können, wenn wir unseren Kindern Dinge nicht erlauben und sie darüber unglücklich sind. Darüber hinaus gibt es tatsächlich besondere Situationen wie beispielsweise bei Autismus oder bei hyperaktiven Kindern, wo noch mal ganz anders geschaut werden muss, was für sie gut ist und was nicht. Darauf gehe ich später noch ein (siehe S. 183).

Und hier ist es wichtig, uns bewusst zu machen, dass wir solche Regeln schwierig finden, weil sie Konflikte heraufbeschwören. Und gleichzeitig braucht es Klarheit darüber, dass diese Regeln dazu da sind, unsere Kinder zu schützen und zu entgiften. Und dass sie gemeinsam mit uns an Konflikten lernen können, denn Konflikte sind vor allem Lernchancen.

Wir haben es in der Hand, wie sie im Alter von 14 oder 15 mit der Mediennutzung klarkommen, wenn wir bereit sind, in Verbindung zu gehen und uns selbst zu disziplinieren. Und gleichzeitig kämpfen wir an dieser Stelle manchmal wirklich einen großen Kampf. Nur wenn wir dazu wirklich bereit sind – es ist nicht in allen Familien gleich dramatisch und vielleicht ist es bei euch gar nicht so schwer, diese Regeln durchzusetzen –, schaffen wir es, dass die Kinder später vernünftig mit Medien umgehen. Wenn sie schon älter sind, gelingt uns das nur noch schwer, manchmal gar nicht. Und wir wollen schließlich nicht, dass die Bildschirme die Macht über unsere Kinder gewinnen.

Aus dieser Bereitschaft heraus spielen wir mit ihnen, haben Langeweile mit ihnen, ertragen ihre Wutanfälle und lassen sie zappeln. Wir begleiten sie einfach hindurch und halten es aus, sie nicht immer glücklich zu sehen. Wir können mit den Kindern Gesellschaftsspiele spielen, in die Natur gehen, alle Arten von Spielen spielen, drinnen wie draußen. Wir können mit ihnen lesen, Musik hören, Rätsel lösen. Wir können einen Ausflug machen, auf einen Berg steigen oder über eine Wiese spazieren. Und ihnen damit zeigen, dass die Zauberkräfte auch im echten Leben zu Hause sind. Wir sitzen als Eltern dabei alle im gleichen Boot und sollten uns nicht entmutigen lassen, wenn es mal herausfordernd wird.

Wenn die Kinder dann auf eine weiterführende Schule gehen, stellen wir die Verbindung auf eine andere Art her. Ich persönlich würde zwar bis zum Alter von etwa 12 nach der gerade beschriebenen Strategie vorgehen, aber sie funktioniert nicht ewig. Wir schauen auch bei den Teenagern später vor allem darauf, wer sie sind, was sie sich wünschen und wie ihre ganz individuellen Bedürfnisse aussehen.