Happy Darm - Vincent Pedre - E-Book

Happy Darm E-Book

Vincent Pedre

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Beschreibung

Unser Wohlbefinden hängt unmittelbar mit der Darmgesundheit zusammen. Wen Darmprobleme quälen, der steht oft kurz vor der Verzweiflung. Dr. Vincent Pedres speziell entwickeltes Happy-Darm-Programm hilft, Darmprobleme in den Griff zu kriegen. Werden Sie durch eine darmfreundliche Ernährung und Lebensweise wieder vital, gesund und schlank. Dr. Vincent Pedre erklärt Schritt für Schritt, wie Sie Ihren Darm glücklich machen und Darmproblemen Ade sagen.

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Seitenzahl: 352

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Buch

Unser Wohlbefinden hängt unmittelbar mit der Darmgesundheit zusammen. Wen Darmprobleme quälen, der steht oft kurz vor der Verzweiflung. Dr. Vincent Pedres speziell entwickeltes Happy-Darm-Programm hilft, Darmprobleme in den Griff zu kriegen.

Werden Sie durch eine darmfreundliche Ernährung und Lebensweise wieder vital, gesund und schlank. Dr. Vincent Pedre erklärt Schritt für Schritt, wie Sie Ihren Darm glücklich machen und Darmproblemen Ade sagen.

Autor

Dr. med. Vincent Pedre arbeitet als Internist in einer New Yorker Privatpraxis. Er verbindet in seiner Arbeit westliche mit fernöstlicher Medizin und hat es sich zum Grundsatz gemacht, den Patienten ganzheitlich zu behandeln. Seine Arbeit stellte er einem Fachpublikum schon auf zahlreichen medizinischen Konferenzen dar.

Dr. med. Vincent Pedre

Happy Darm

In einfachen Schritten zur gesunden Verdauung

Aus dem Amerikanischenvon Gaby van Dam

Alle Ratschläge in diesem Buch wurden vom Autor und vom Verlag sorgfältig erwogen und geprüft. Eine Garantie kann dennoch nicht übernommen werden. Eine Haftung des Autors beziehungsweise des Verlags und seiner Beauftragten für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ist daher ausgeschlossen.Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.Der Verlag weist ausdrücklich darauf hin, dass im Text enthaltene externe Links vom Verlag nur bis zum Zeitpunkt der Buchveröffentlichung eingesehen werden konnten. Auf spätere Veränderungen hat der Verlag keinerlei Einfluss. Eine Haftung des Verlags ist daher ausgeschlossen.

1. Auflage

Deutsche Erstausgabe März 2017

Wilhelm Goldmann Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Copyright © 2017 der deutschsprachigen Ausgabe

Wilhelm Goldmann Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH,

Neumarkter Straße 28, 81673 München

Copyright © 2015 der Originalausgabe Dr. Vincent Pedre

Originaltitel: Happy Gut, The cleansing program to help you lose weight, gain energy, and eliminate pain

Originalverlag: published by arrangement with William Morrow, an imprint of Harper Collins Publishers, LLC

Umschlag: Uno Werbeagentur, München

Umschlagmotiv: FinePic®, München

Fotos im Kapitel »Gesunder Darm, gesunder Mensch: Der Blick aufs Ganze« von Joseph Rettberg

Redaktion: Carmen Achter

Satz: Uhl + Massopust, Aalen

MZ · Herstellung: cb

ISBN 978-3-641-19180-1V001

www.goldmann-verlag.deBesuchen Sie den Goldmann Verlag im Netz.

Für meine Mutter – Ich weiß, Du wärst sehr stolz auf mich.Für meinen Vater – Danke, dass Du es mir ermöglicht hast, Arzt zu werden und anderen zu helfen.Und für meinen Sohn, Ambrose – Möge Dein Darm stets gesund und happy bleiben.

Inhalt

Vorwort von Dr. med. Leo Galland

Einleitung

Alles dreht sich um den Darm

Der Darm als Schlüssel zur Gesundheit

Das Happy-Darm-Programm

Welche Nahrungsmittel sind schlecht für mich?

Milchprodukte: Weniger ist mehr

Die Happy-Darm-Einkaufsliste

In 28 Tagen zu einem neuen Selbst

Symptomfrei und gesund mit dem Happy-Darm-Programm

Ein Tag mit der Happy-Darm-Diät

Erfolgstipps für einen glücklichen Darm

Nach dem Happy-Darm-Programm

Die Wiedereinführungsphase

Der Happy-Darm-Plan für Ihr weiteres Leben

Ärztliche Untersuchungen bei Darmbeschwerden

Gebrauchsanweisung für dieses Kapitel

Die wichtigsten Tests

Die richtige Untersuchung für Ihre Beschwerden

Ursachenforschung

Intoleranz, Allergie oder Sensitivität?

Das Leaky-Gut-Syndrom

Glutensensitivität vs. Zöliakie

FODMAP-Intoleranzen

Wenn schädliche Mikroorganismen das Ruder übernehmen

Candidiasis

Sonstige Ursachen

Gesunder Darm, gesunder Mensch: Der Blick aufs Ganze

Die Darm-Gehirn-Achse: Wie der Darm die Psyche beeinflusst

Körper und Darm: Eine innige Beziehung

Happy-Darm-Rezepte

Frühstückssmoothies

Nussmilch und veganer Kefir

Suppen

Salate

Gesunde Snacks

Hauptgerichte mit Fisch und Meeresfrüchten

Hauptgerichte mit Geflügel

Hauptgerichte mit Fleisch vom Lamm und Weiderind

Vegetarische Hauptgerichte und Beilagen

Süßspeisen

Anhang

Ernährungs- und Symptomtagebuch für das Happy-Darm-Prä-Programm

Ernährungs- und Symptomtagebuch für das 28-tägige Happy-Darm-Programm

Ernährungs- und Symptomtagebuch für das 28-tägige Happy-Darm-Programm

Der Post-Programm-Symptome-Fragebogen für den Happy Darm

Empfehlenswerte Bücher und Dokumentarfilme

Medikamente und ihre Nebenwirkungen auf den Magen-Darm-Trakt

Danksagung

Anmerkungen

Rezeptregister

Sachregister

Vorwort von Dr. med. Leo Galland

Von unserem Verdauungstrakt erwarten wir vor allem, dass er im Stillen seine Aufgaben erledigt, ohne dass wir viel davon merken.

Wie Dr. med. Vincent Pedre im vorliegenden Buch erklärt, ist dieser Job in Wirklichkeit sehr viel komplexer, als wir es uns gemeinhin vorstellen: Das Magen-Darm-System ist nicht nur für die Verdauung der Speisen, die Absorption der Nährstoffe und die Ausscheidung von Abfallstoffen zuständig. Er spielt darüber hinaus eine ganz wesentliche Rolle in unserem Immunsystem. Über zwei Drittel aller Lymphozyten – das sind die Oberbefehlshaber über die Immunabwehr – befinden sich in der Dünndarmschleimhaut. Sie senden Signale aus, die die Immunabwehr aller anderen Organe beeinflusst.

Der Magen-Darm-Trakt verfügt über ein eigenes Nervensystem. Fachleute nennen es enterisches Nervensystem (ENS), umgangssprachlich wird es liebevoll als Bauchgehirn bezeichnet. Das ENS hat ebenso viele Nervenzellen wie das Rückenmark und kommuniziert unaufhörlich mit dem eigentlichen Gehirn. Das hat Einfluss auf unsere mentalen Funktionen und unsere Stimmung.

Darüber hinaus bewohnen hundert Billionen Mikroben den Verdauungskanal, darunter Tausende verschiedene Bakterienarten, einige Dutzend Hefe- und Pilzarten, eine unbekannte Zahl von Viren und gelegentlich auch ein Wurm. Diese werden in ihrer Gesamtheit unter dem Begriff »Darmflora« zusammengefasst. Seit über drei Jahrzehnten gilt mein besonderes Interesse der Art und Weise, wie die Mikroben im Darm die Gesundheit des Menschen beeinflussen. In den letzten zehn Jahren hat sich die Mikrobiom-Forschung zu einem der meistdiskutierten Gegenstände der angewandten Wissenschaft entwickelt. Es hat sich herausgestellt, dass Darmbakterien die menschliche Natur entscheidend beeinflussen. Die Bedeutung dieses Zusammenhangs wird ein Topthema der klinischen Forschung der kommenden Jahrzehnte sein.

Nicht zuletzt ist der Magen-Darm-Trakt auch ein entgiftendes Organ. Zwar würde man mit dieser Umschreibung zuallererst die Leber in Verbindung bringen, doch allein schon die Zellen der Darmschleimhaut sind reich an entgiftenden Enzymen. Darm und Leber arbeiten zusammen, um schädliche Substanzen aus der Nahrung, der Umgebung, den Darmbakterien und schädliche Stoffwechselprodukte und Hormone zu beseitigen.

Diese vielschichtigen Funktionen des Verdauungssystems stehen miteinander in Wechselwirkung. Im Zusammenspiel mit Ihrer Ernährung regulieren sie Ihren Ernährungszustand, Ihren Stoffwechsel und Ihr Gewicht, Ihre mentale Verfassung, Ihren Schlafrhythmus, Ihren Energiehaushalt sowie Ihre Anfälligkeit für Krankheiten. Happy Darm führt Sie auf packende Weise ein in die Welt dieses komplexen Organsystems und liefert eine Fülle an praktischen Informationen, mit deren Hilfe Sie dieses System für sich arbeiten lassen können anstatt gegen sich.

Dabei schenkt Dr. Pedre den praktischen Details, die es Ihnen erleichtern, sein Happy-Darm-Programm effektiv anzuwenden, besondere Aufmerksamkeit und hat auf alle damit zusammenhängenden Fragen eine Antwort.

Darüber hinaus widmet sich Happy Darm einigen wichtigen Themen zur Darmgesundheit, die von anderen Ratgebern nicht in dieser Intensität behandelt werden. Die wichtigsten darunter sind die folgenden:

• Die Verbindung Darm-Gehirn. Dr. med. Pedre erläutert, wie Darmbakterien und Darmtoxine das Gehirn beeinflussen und wie der Geist seinerseits die Arbeitsweise des Darms beeinflusst. Besonders erwähnenswert sind in diesem Zusammenhang seine Anmerkungen zu achtsamem Essen und Yoga.

• Der Nutzen der Magensäure. Dr. med. Pedre betont die Bedeutung der Magensäure für eine normale Verdauung und beschreibt die zahlreichen Risiken, die mit der Einnahme magensäurehemmender Medikamente einhergehen – diese nehmen übrigens auf der Liste der weltweit meistverkauften Medikamentengruppen Platz drei ein.

• Präbiotika. Präbiotika sind Nahrungsbestandteile, die nicht verdaut oder vom Magen-Darm-Trakt absorbiert werden. Sie bewegen sich durch den Darm und fördern das Wachstum der nützlichen Bakterien. Viele Menschen nehmen präbiotische Pulver als Nahrungsergänzungsmittel ein. Dr. med. Pedre erzählt Ihnen, wie Sie Präbiotika bereits mit der Nahrung aufnehmen können.

• Laboruntersuchungen. In Happy Darm werden Sie immer wieder auf detaillierte Informationen über Laboruntersuchungen stoßen, die Ihnen und Ihrem Arzt dabei helfen, die Ursachen Ihrer Symptome ausfindig zu machen. Mit diesem Wissen können Sie sehr viel besser mit Ihrem behandelnden Arzt oder Heilpraktiker zusammenarbeiten.

• Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Am Anfang des Buches erörtert Dr. Pedre genau, auf welche speziellen Nahrungsmittel Sie zunächst verzichten sollten und warum. Danach erläutert er, wie Sie bei der Wiedereinführung dieser Nahrungsmittel vorgehen und worauf Sie dabei achten sollten, um herauszufinden, was Ihnen guttut. Um die für Sie optimale Ernährungsweise zu finden – die sich ganz grundlegend von der anderer Menschen unterscheiden kann –, ist es wichtig, dass Sie wissen, welche Nahrungsmittel Sie nicht vertragen und auf welche Sie allergisch reagieren. Dazu müssen Sie den Unterschied zwischen Nahrungsmittelunverträglichkeit und -allergie verstanden haben.

Wenn Sie Ihre Darmgesundheit verbessern möchten, sollten Sie dieses Buch aufmerksam lesen und die Ratschläge beherzigen.

Einleitung

»Der Darm ist Ihr innerer Garten.«

Dr. Mark Hyman

Julie, sechsundzwanzig, leidet ständig an Blähungen, Völlegefühl, Verdauungsstörungen und unregelmäßigem plötzlichem Stuhldrang. Manchmal muss sie sogar während eines Restaurantbesuchs mit Freunden unvermittelt zur Toilette laufen, was sie sehr in Verlegenheit bringt. Sie hat es bereits mit allen möglichen Diäten probiert und war bei den verschiedensten Ärzten (darunter zwei Gastroenterologen), doch nichts hat Aufschluss über die Ursache ihrer Symptome gebracht. Sie erklärt, es fühle sich so an, als würden alle Speisen ihren Körper auf dem schnellsten Weg wieder verlassen. Darüber hinaus schleppt sie fünf Pfund zu viel mit sich herum, die sie einfach nicht loswird.

Ihre Beschwerden begannen vor einigen Jahren, lange bevor wir uns das erste Mal trafen. Sie räumt ein, sich in ihrer Collegezeit »nicht unbedingt ideal« ernährt zu haben, Chips, Pizza, Bier und Süßigkeiten am späten Abend waren während ihres Studiums nichts Ungewöhnliches. Wann genau die Symptome begonnen haben, lässt sich nicht feststellen, doch mit den Jahren wurden sie immer schlimmer, und Julie ist nun an dem Punkt, an dem sie keinerlei Überblick mehr darüber hat, was ihren Magen wann in Aufruhr versetzt. Inzwischen traut sie sich kaum mehr auszugehen, sodass ihr Sozialleben gehörig in Mitleidenschaft gezogen wurde. An den Wochenenden bleibt sie abends meist zu Hause, weil sie befürchtet, dass unterwegs Probleme auftreten könnten.

Sie hat Blutanalysen vornehmen lassen und sich sogar einer Darmspiegelung unterzogen – einem Verfahren, bei dem ein Spezialist mithilfe einer an einer Art Schlauch angebrachten Kamera den Darm von innen betrachtet –, doch die Ursachen ihrer Beschwerden kennt sie immer noch nicht. Als sie zu mir in die Praxis kam, wusste sie sich keinen Rat mehr und fragte sich unter Tränen, ob sie jemals wieder ein normales Leben würde führen können.

Vielleicht erkennen Sie sich in Julies Geschichte wieder und leiden an ähnlichen Symptomen. Möglicherweise haben Sie auf der Suche nach der Ursache für Ihre Beschwerden bereits zahlreiche Ärzte konsultiert, nur um jedes Mal entweder enttäuscht und mit leeren Händen nach Hause geschickt zu werden oder mit einem Rezept für Medikamente, die lediglich die Symptome bekämpfen, doch nie mit einer Diagnose der Ursache. Vielleicht haben Sie schon einmal gedacht: »Ich bilde mir das alles nur ein«, weil der Arzt Ihnen gesagt hat, es läge keine erkennbare körperliche Erkrankung vor. Viele Probleme, die mit dem Darm zusammenhängen, gehen mit ähnlichen Symptomen einher. Die Angelegenheit wird noch dadurch verkompliziert, dass diese Symptome – zum Beispiel Blähungen, Völlegefühl, Durchfall und Verstopfung im Wechsel, Bauchschmerzen, die durch Stuhlgang gelindert werden – häufig unter dem Sammelbegriff »Reizdarmsyndrom« (RDS) zusammengefasst werden, sodass es für die Beschwerden zwar einen Namen gibt, dieser jedoch nicht dazu beiträgt, die wahren Ursachen herauszufinden oder zu behandeln. So ist es Julie ergangen, und vielleicht kennen Sie das auch. Der Arzt erklärt zum Beispiel: »An Ihrem Dickdarm sind keine Auffälligkeiten erkennbar. Wahrscheinlich ist es einfach nur Stress. Mit der Ernährung hat das nichts zu tun. Gehen Sie nach Hause, versuchen Sie sich zu entspannen, und mit der Zeit werden Ihre Beschwerden von selbst nachlassen.« In Wahrheit haben viele Ärzte einfach keine Ahnung, welche Untersuchungen weiterhelfen könnten, und noch weniger Ahnung von Ernährung – denn die Ernährung ist häufig die Hauptursache für derartige Symptome.

Ich bin selbst Arzt und war mir lange Zeit der Bedeutung unserer Ernährung für unsere Gesundheit kaum bewusst. Zu Zeiten meines Studiums wurde das Thema Ernährung nur kurz gestreift, während wir sehr viel über die Wirkungsweisen der verschiedenen Medikamente auf Krankheitsbilder lernten. (Zu unser aller Glück ändert sich das an den Universitäten gerade.)

Natürlich verfügte ich über ein gewisses Grundwissen über Ernährung. Mir war beispielsweise sehr wohl klar, dass es gesünder ist, nicht hormonell belastetes Fleisch und ökologisch angebautes Obst und Gemüse zu essen. Doch ich wusste nicht, welche Schäden Ernährungssünden anrichten können, oder dass das, was für den einen Menschen richtig ist, für einen anderen komplett falsch sein kann.

Ich selbst hatte bereits lange vor meinem Studium, in meiner Kindheit, mit Magen-Darm-Problemen zu tun. Ich hatte einen sogenannten »nervösen Magen«. Jedes Mal, wenn eine Prüfung oder ein Vorspiel auf dem Klavier bevorstand, schlug mein Bauch einen Salto. Ich hatte solche Schmerzen, dass ich schon lange vor dem Ereignis nichts mehr essen konnte, da ich mich ansonsten möglichweise hätte übergeben müssen. Man attestierte mir eine »schlechte Verdauung«, und ich litt derart häufig unter Erkrankungen der oberen Atemwege, die dann in eine Bronchitis umschlugen, dass sich mein Kinderarzt Sorgen über mein Immunsystem machte und mir ein Multivitaminpräparat zur Stärkung meiner Abwehrkräfte verordnete. Vermutlich war es weder meinen Eltern noch meinem Arzt bewusst, dass es in Wirklichkeit die viele Milch war sowie die zuckerreichen Weizencerealien und die Milchshakes, die meinem Magen schadeten und mein Immunsystem schwächten. Erst mit Anfang zwanzig hörte ich auf, Cerealien mit Milch zu frühstücken – ständig krank zu werden hätte auch gar nicht zu meinem regen Studentenleben gepasst. In all den Jahren hatte ich, wie wohl die meisten von uns, geglaubt, dass Milch gut für mich wäre. Die Erkenntnis, dass dies nicht stimmte, war für mich wie eine Erleuchtung, und es steckte mehr dahinter als eine Laktoseintoleranz.

Ich war damals an der medizinischen Fakultät, als ich entdeckte, dass mein Wohlbefinden sehr viel stärker mit meiner Ernährung zusammenhing, als ich jemals geahnt hätte. Es war für mich kaum zu glauben, dass meine Freunde alles, was mir Beschwerden verursachte, problemlos essen konnten. Nach einer geringfügigen Ernährungsumstellung, beispielsweise nahm ich von da an mehr gesunde Fette zu mir, fühlte ich mich besser als je zuvor; doch obwohl sich mein Zustand verbessert hatte, verschwanden noch nicht alle Symptome. Es dauerte weitere Jahre, bis ich begriff, wie die optimale Ernährungsweise für meinen Körper aussah.

Was in der Kindheit mit einem nervösen Magen begann, entwickelte sich bis Mitte, Ende zwanzig zu einem Reizdarmsyndrom. Ich lernte, meine Nerven durch Meditation zu beruhigen; trotzdem hatte ich in Stressphasen mit häufigem Stuhldrang und weichem Stuhlgang zu kämpfen. Ja, ich weiß, es mag Ihnen ungewohnt oder sogar ekelhaft erscheinen, dass ich mich so offen über Ausscheidungen äußere – oder Kacke, oder wie immer Sie es sonst nennen wollen. Aber es ist immens wichtig, diese Probleme offen anzusprechen.

Ich litt nicht mehr so oft an Infektionen der oberen Atemwege, doch ich konsumierte weiterhin einige für mich völlig ungeeignete Lebensmittel – wie bei den meisten anderen Bewohnern der westlichen Welt war das Marketing der Lebensmittelindustrie auch bei mir ausgesprochen wirkungsvoll. Ich nahm all die Lebensmittel zu mir, die ihren festen Platz in der westlichen Ernährung haben: Dazu gehören Fleisch, Obst, Gemüse und Salat ebenso wie Pizza, Brot und andere Backwaren und Nudeln. Ich hatte keine Ahnung, dass Gluten mein eigentliches Problem war. Wie hätte ich das, ohne die Symptome einer Glutenunverträglichkeit zu kennen, auch wissen können?

Der Verzehr von Weizen ist tief in unserer Kultur verwurzelt. Natürlich war Weizen auch in dem subventionierten Mittagsmenü während meiner Facharztausbildung am Mount Sinai Hospital in New York City enthalten – meist bestand es aus Pizza und einem zuckerhaltigen Erfrischungsgetränk – kaum jemals gab es einen Salat dazu. Diese Kombination hat uns selbstredend zuverlässig ins Mittagstief manövriert. Für die meisten, die wenig Zeit und Geld haben, sind diese und ähnliche Zusammenstellungen naheliegende Alternativen: schnell gekauft und ebenso schnell gegessen. Menschen, die unter Stress stehen und bis in die Nacht oder die frühen Morgenstunden hinein studieren oder arbeiten, haben oft eine besondere Vorliebe für solches Essen – es scheint in gewisser Weise etwas Tröstliches zu haben. Es gibt Studien zum Thema Schlafmangel, die zeigen, dass der Appetit der Teilnehmer auf stärke- und zuckerhaltige Lebensmittel mit steigendem Schlafentzug wächst.

Weil diese Art der Ernährung von allen als normal betrachtet wurde, war es für mich schwierig zu erkennen, wie sehr sie mir schadete. Ich hatte keine Ahnung, welchen Anteil meine Essgewohnheiten an meinen Atemwegserkrankungen und dem sogenannten Leaky-Gut-Syndrom – also dem durchlässigen Darm – hatte. Zudem war ich häufig erschöpft, ohne zu wissen, warum.

Ich begann, verschiedene Ernährungsformen auszuprobieren und erkannte, dass es mir am besten ging, wenn ich große Mengen frisches Gemüse und dazu mageres Fleisch aus ökologischer Landwirtschaft aß. Ich verbannte während dieser Experimentierphase alle stark verarbeiteten Lebensmittel von meinem Speiseplan, kaufte ausschließlich Bioprodukte und kochte meine Mahlzeiten größtenteils selbst. Es war erstaunlich, wie sehr sich mein Energielevel und mein allgemeines Wohlbefinden steigerten – und das innerhalb von zwei Wochen! Ich wusste, ich war auf dem richtigen Weg, aber mein Ziel hatte ich immer noch nicht erreicht. Um die Symptome wirklich loszuwerden, musste ich meinen durchlässigen Darm heilen. Und genau das ist auch das Anliegen, das ich mit diesem Buch verfolge: Ich möchte Ihnen dabei helfen, Ihr Darmleiden zu überwinden.

Viele Patienten kommen in meine Praxis, weil sie seit Jahren an Symptomen leiden, die mit dem Darm zusammenhängen. Andere suchen nach Möglichkeiten, dauerhaft abzunehmen und gesünder zu leben. Mithilfe des Happy-Darm-Programms, den wertvollen Informationen, die ich in diesem Buch für Sie zusammengetragen habe, und der nötigen Geduld können Sie Darmleiden und mit dem Darm assoziierte Erkrankungen für immer besiegen und den Verlauf zahlreicher chronischer Krankheiten positiv beeinflussen. Sie werden abnehmen und schmerzfrei und energiegeladen durchs Leben gehen.

Sind Sie bereit? Dann lassen Sie uns aufbrechen und gemeinsam den Pfad zu mehr Gesundheit und Wohlbefinden und einem »Happy Darm« beschreiten!

Alles dreht sich um den Darm

Der Darm als Schlüssel zur Gesundheit

»Praktisch jeder Gesundheitsstörung oder Erkrankung liegen Entzündungsprozesse zugrunde.«

Dr. David Perlmutter

Sie wachen morgens auf, und ihr Bauch ist noch vom gestrigen Abend aufgebläht. Sie hatten seit Tagen keinen Stuhlgang und hoffen inständig, dass es heute klappt – und zwar möglichst bald, noch bevor Sie zur Arbeit gehen. Ihr größter Albtraum ist es, dass Sie dieses dringende Bedürfnis auf dem Weg ins Büro ereilt und Sie dann erst einmal ein einigermaßen annehmbares öffentliches WC suchen müssen. Sie sind erschöpft, haben Gelenkschmerzen, und Ihre Muskeln fühlen sich kraftlos und empfindlich an. Sie haben zum dritten Mal in diesem Monat Kopfschmerzen oder Migräne. Die Fähigkeit, sich zu konzentrieren, erscheint Ihnen wie eine Gabe aus längst vergangener Zeit. Sie brauchen Stimulanzien (Koffein) und Relaxanzien (die Nahrungsmittel, die Sie essen, um sich zu entspannen, beziehungsweise das Glas Bier oder Wein am Abend), um durch den Tag zu kommen. Jeden Morgen wachen Sie in dem gleichen erbärmlichen Zustand auf, dennoch durchbrechen Sie diesen Kreislauf nicht, weil Sie glauben, dass es gar nicht anders geht. Was Sie vermutlich nicht wissen, ist, dass ein aus dem Gleichgewicht geratener Darm die Ursache all dieser Beschwerden ist.

Der gesunde Darm

Der Darm ist Ihr innerer Garten, und wie ein Garten muss er auch gepflegt werden. Ebenso wie die Haut die Grenze zur Welt außerhalb des Körpers darstellt, übernimmt der Darm diese Funktion innerhalb des Körpers. Seine Oberfläche ist beachtliche 200 Mal größer als die unserer Haut – damit ist er das größte unserer Organe, die mit der äußeren Welt interagieren. Der Darm kommt unablässig in Kontakt mit Nährstoffen und mit den verschiedensten Arten von Giftstoffen, Lebensmittelzusätzen, Mikroben, Genussmitteln und Medikamenten, die ihn tagtäglich durchlaufen. In seiner Funktion als »Pförtner« unseres Körpers hat der Darm die gewaltige Aufgabe, gleichzeitig als durchlässiger Filter für die Bausteine des Lebens zu dienen und alle Schadstoffe von uns fernzuhalten, denen wir immer wieder ausgesetzt sind.

In einem gesunden Darm lebt ein ganzer Kosmos von nützlichen Bakterien, die uns bei der Verdauung helfen, Vitamine produzieren, das Wachstum der Darmschleimhaut anregen und schädliche Organismen unter Kontrolle halten. Die Signale, die der Darm an das Gehirn sendet, sagen Ihnen, dass Sie satt sind, damit Sie sich nicht überessen. Die Verdauung beginnt im Mund und setzt sich in wohlorchestrierter Weise bis in den Mastdarm fort. Stets wird zum richtigen Zeitpunkt genau die erforderliche Menge an Verdauungssäften abgesondert. Und mindestens einmal am Tag werden Abfall- und Giftstoffe über den Stuhl effizient aus dem Körper ausgeschieden.

Ein gesunder Darm erfüllt folgende Kriterien:

• Alle Speisen werden bei der Verdauung in ihre Komponenten aufgespalten.

• Die Darmoberfläche ist kräftig und in der Lage, Mikronährstoffe zu absorbieren, während sie gleichzeitig größeren, nur teilweise verdauten Partikeln sowie Bakterien, Hefepilzen und Parasiten den Eintritt verwehrt.

• Das darmassoziierte Immunsystem wird nur im Bedarfsfall aktiviert und nicht überstimuliert.

Er hat folgende fünf Hauptaufgaben:

1. Er verdaut die Speisen.

2. Er ist zuständig für die Absorption, also Aufnahme von Nährstoffen in den Körper.

3. Er dient als Immunitätsbarriere gegenüber der Außenwelt.

4. Über den Darm können wir eine symbiotische Beziehung mit für uns nützliche Bakterien eingehen. Das heißt, wir pflegen eine Beziehung mit ihnen, von denen beide Seiten profitieren.

5. Dem Darm obliegt die Entgiftung einschließlich der Ausscheidung von Abfall- und Giftstoffen aus dem Körper.

Die wichtigsten Aufgaben des Darms

© 2015 Ryan Gibboney

Das Einmaleins der Verdauung

Verdauung fängt beim Kauen der Speisen im Mund an. Der Speichel spaltet die Kohlenhydrate in den Lebensmitteln auf. Anschließend bewegt die Speiseröhre den Speisebrei in den Magen. Der niedrige pH-Wert – also hoher Säuregehalt – im Magen aktiviert bestimmte Enzyme, die Peptidasen. Gleichzeitig dient die saure Umgebung als erste Verteidigungslinie gegen Bakterien, Parasiten und Hefepilze, die wir ungewollt aufnehmen.

Peptidasen arbeiten am besten in einem sauren Milieu. Sie spalten Proteine (Eiweiße) in Aminosäuren – die Baustoffe für Muskeln und Gewebe – auf. Kohlenhydrate werden in Glukose gespalten.

Im Dünndarm, der nächsten Station des Speisebreis, ist der pH-Wert eher basisch, da Gallensekret aus der Leber beziehungsweise der Gallenblase ausgeschieden wird. Die bittere Flüssigkeit hat die Aufgabe, Fette aus der Nahrung zu emulgieren – also in mikroskopisch kleine Tropfen aufzuteilen –, damit sie vom Darm aufgenommen werden können. Dieser Prozess setzt sich auf der gesamten Länge des Dünndarms fort, wo die Bakterien, die von Natur aus unseren Darm besiedeln, unsere Speisen fermentieren. Sie helfen uns dabei, alles in verwertbare Stoffe zu zerlegen – manchmal in für uns wenig vorteilhafter Weise, bei der sich viele Gase bilden, doch im Großen und Ganzen kommt uns ihre Arbeit sehr zugute, weil sie dabei unter anderem lebensnotwendige Vitamine produzieren. Im nächsten Schritt wird das Essen in den Dickdarm transportiert, der der verdauten Masse Wasser entzieht, sodass schließlich das Endprodukt entsteht: der Stuhl. Im Idealfall ist er länglich und geschmeidig; doch während dieses Prozesses kann vieles schiefgehen. In den folgenden Kapiteln werden wir dem auf den Grund gehen.

Primäre Verdauungsorgane

Die Leber produziert Gallensaft, der dazu dient, Fette zu emulgieren und zu absorbieren. Zugleich ist sie als Primärorgan für die Entgiftung für die Verarbeitung aller Schadstoffe aus der Umwelt, aus Medikamenten, Genussmitteln und auch von körpereigenen Toxinen zuständig.

Die Gallenblase speichert die Gallenflüssigkeit und gibt während einer Mahlzeit kleine Mengen davon an den Dünndarm ab.

Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) scheidet alkalischen Pankreassaft aus, um die Magensäure zu neutralisieren. Dieser enthält vor allem Lipasen und Proteasen, zwei Enzyme, die zur Spaltung von Proteinen und Fetten beitragen. Die Bauchspeicheldrüse bildet darüber hinaus wichtige Hormone, zum Beispiel Insulin, die an der Regulierung der Nährstoffe im Blutkreislauf beteiligt sind.

Mit dem Moment, da wir den Geburtskanal passieren, beginnt die Besiedelung unseres Körpers mit einer einzigartigen Kombination von Mikroben aus der Vagina unserer Mutter, und zwar sowohl innerlich, in unseren Atemwegen und dem Verdauungstrakt wie auch äußerlich auf unserer Haut.1 Hier nimmt der lange Prozess der bakteriellen Besiedelung unseres Körpers seinen Anfang. Diese Bakterienkolonien, die zunächst von unserer Mutter und später aus der Umwelt stammen, verändern sich abhängig von unserem Lebensstil, unserer Ernährung und unserer Belastung durch Antibiotika. Im Schnitt haben wir zehnmal so viele Mikrobenzellen in unserem Körper wie eigene Zellen, und das Darmmikrobiom in seiner Gesamtheit – also die Lebewesen in unserem Darm zusammengenommen – enthält bis zu 150-mal mehr Gene als der Genpool der menschlichen Zellen. Dieses innere mikrobielle Milieu hat einen wesentlichen Einfluss darauf, wie wir uns körperlich fühlen, wie unser Immunsystem funktioniert und wie wir Speisen verdauen und aufnehmen.

Unglücklicherweise fördert die in den westlichen Ländern übliche Ernährung, die zu einem großen Teil aus stark verarbeiteten Lebensmitteln besteht und reich an Zuckern und Zusatzstoffen ist, die Vermehrung schädlicher Bakterien und Hefepilze. Zudem aktiviert sie Gene, die dem Wohlbefinden wenig zuträglich sind. Wenn ich sage, alles hat im Darm seinen Ursprung, meine ich damit wirklich fast alles: Kopfschmerzen, Migräne, Allergien, Autoimmunerkrankungen, Gewichtszunahme, Akne, Hautausschläge, Pilzinfektionen, hormonelles Ungleichgewicht, Erschöpfung, ein angegriffenes Immunsystem, sogar die Art des Schmerzempfindens – das alles ist eng verknüpft mit der Verfassung und Gesundheit des Darms.

Der Ansatz der funktionellen Medizin

»In der funktionellen Medizin geht es darum, Resilienz im menschlichen Körper aufzubauen – also die Fähigkeit zur Rückkehr in den Ausgangszustand.«

Dr. Mark Hyman in seiner Rede anlässlich der internationalen Konferenz des Institute for Functional Medicine 2014

Nun, da wir den Zusammenhang zwischen Ihrem Darm und anderen Krankheitsbildern hergestellt haben, möchte ich Ihnen das Therapieprinzip der funktionellen Medizin und das Happy-Darm-Programm vorstellen, die eine wirkungsvolle ganzheitliche Alternative zur üblichen Herangehensweise sind und Darmprobleme in vielen Fällen erfolgreich heilen.

Ein Nachteil der westlichen Schulmedizin liegt darin, dass sie im Allgemeinen statt der Ursachen die Symptome behandelt. Eine Krankheit oder Kombination von Symptomen wird mit einem Namen versehen (wie zum Beispiel »Reizdarmsyndrom«), doch das bringt weder den Arzt noch den Patienten der Wurzel des Problems näher. Der Name erklärt nicht das zugrunde liegende Ungleichgewicht, das primär zu den Symptomen geführt hat.

Wir sind an diese Betrachtungsweise gewöhnt und verwechseln häufig die Behandlung von Symptomen mit der Behandlung der Krankheit. Würden Sie sich bei einem tropfenden Wasserhahn bei Ihnen zu Hause nach einem Eimer umsehen, um ihn »zu reparieren«, oder doch eher nach der eigentlichen Ursache suchen – möglicherweise eine alte Dichtung – und diese beheben, um das Tropfen abzustellen? Schulmediziner greifen, um in diesem Bild zu bleiben, oft nach dem Eimer.

Während die westliche Schulmedizin symptom- und diagnoseorientiert ist, stehen in der funktionellen Medizin der Patient und der Heilungsprozess im Vordergrund.

Sie ist bestrebt, die angeborenen Selbstheilungskräfte des Körpers zu stärken und zu unterstützen, und betrachtet das Individuum als ein System, ähnlich einem Symphonieorchester. Gibt es in irgendeinem Bereich ein Ungleichgewicht, ist dies im ganzen System zu spüren, so wie sich ein verstimmtes oder aus dem Rhythmus geratenes Instrument negativ auf den Klang eines ganzen Orchesters auswirkt. In der funktionellen Medizin liegt der Fokus darauf, die zugrunde liegende Ursache zu identifizieren und diese wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Dies erfolgt auf der Grundlage von Erkenntnissen darüber, wie das System Körper mit all seinen Mechanismen und Prozessen funktioniert und wie es bei einer Störung im Sinne einer ganzheitlichen Heilung behandelt werden muss.

Ein perfektes Beispiel dafür ist die Geschichte meiner Patientin Katherine.

Als die 32-jährige Katherine in meine Praxis kam, litt sie an häufigem weichem Stuhlgang, der phasenweise täglich blutig war, und an ständig wiederkehrenden Magenschmerzen – unabhängig davon, was sie aß. Zudem fühlte sie sich niedergeschlagen und deprimiert. Sie ging davon aus, dass die Symptome stressbedingt waren, bekam sie aber nicht in den Griff. Mir war sofort klar, dass etwas mit ihrem Dickdarm nicht in Ordnung war, da sie von Blut im Stuhl gesprochen hatte, doch ich vermutete, dass das längst nicht alles war. Ich veranlasste Laboruntersuchungen, um andere mögliche Ursachen auszuschließen und stieß dabei auf positive Marker für Zöliakie, eine schwere Autoimmunerkrankung, die auf einer Unverträglichkeit gegenüber dem Klebereiweiß Gluten beruht. Ich schickte sie zu einem Kollegen, einem Gastroenterologen, der sowohl eine Magen- als auch eine Darmspiegelung durchführte. Anhand der Gewebeproben fanden wir heraus, dass sie an Colitis ulcerosa litt, einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung. Außerdem bestätigte sich der Verdacht auf Zöliakie. Ich hatte sie bereits auf eine entzündungshemmende, glutenfreie Diät gesetzt und ihr das Happy-Darm-Programm verordnet. Parallel arbeitete sie daran, ihre Stressbelastung zu senken und lernte kochen. Langsam ging es ihr besser. Es dauerte einige Monate, bis sie sich vollkommen erholte, doch dank ihrer Disziplin schaffte sie es schließlich, ihre Darmgesundheit wiederherzustellen.

In diesem Fall haben es die Schulmedizin und die funktionelle Medizin gemeinsam geschafft, den bestmöglichen Weg für Katherines Heilung zu finden. Dass beide Ansätze Hand in Hand gehen und sowohl Diagnose- und Behandlungsmethoden der Schulmedizin als auch der funktionellen Medizin Anwendung finden, halte ich für die ideale Herangehensweise. Wir sollten nicht gegeneinander arbeiten, sondern auf Grundlage aktueller Erkenntnisse zusammen die bestmögliche Therapie gewährleisten.2

Ein Paradebeispiel für die unterschiedliche Herangehensweisen westlicher und funktioneller Medizin sind Protonenpumpenhemmer (PPI) – kurz Säureblocker –, Arzneistoffe zur Behandlung von Refluxösophagitis, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren und Gastritis. Werden diese Medikamente für längere Zeit eingenommen, kann dies Nebenwirkungen nach sich ziehen, wie zum Beispiel eine verringerte Aufnahme von Vitamin B12; mitunter wird auch die Kalziumaufnahme gehemmt, sodass das Risiko für Osteoporose und Knochenbrüche steigt.

© 2015 Ryan Gibboney

Wenn man den pH-Wert des Magens mit einem Säureblocker (etwa einem PPI oder H2-Blocker, wie es beispielsweise die Arzneimittel Omeprazol, Esomeprazol, Cimetidin und Ranitidin sind) erhöht, erschwert das nicht nur die Verdauung, es bereitet zudem den Boden für die Ausbreitung von Hefepilzen (zum Beispiel der Gattung Candida) in Ihrem Verdauungstrakt, insbesondere im Dünndarm. Diese unfreundlichen Gesellen können bei übermäßiger Vermehrung eine Fülle von Symptomen auslösen – die Palette reicht von chronischer Müdigkeit, über Muskelschmerzen, Gedächtnisprobleme, Blähungen, Magenbeschwerden und Juckreiz im Analbereich bis hin zu Hautausschlägen. In der Schulmedizin werden diese Symptome isoliert betrachtet – doch sind sie lediglich die Spitze des Eisbergs. Hinter diesen scheinbar nicht miteinander in Zusammenhang stehenden Symptomen verbirgt sich ein aus dem Gleichgewicht geratener Darm.

Nahrung transportiert Informationen

Wenn Sie der wirklichen Ursache Ihrer Darmprobleme auf die Spur kommen wollen, müssen Sie sich ganz genau ansehen, was Sie mit Ihrer Gabel aufspießen. Nahrung transportiert Informationen. Welche Nahrungsmittel Sie zu sich nehmen, hat weitreichende Auswirkungen: angefangen bei den biochemischen Reaktionen, die auf zellulärer Ebene stattfinden, bis zu dem, was Sie in Ihrem gesamten Körper wahrnehmen. Wenn Sie Milchshakes, Hamburger und Pommes frittes konsumieren, aktivieren Sie Gene, die Entzündungen im Darm und im übrigen Körper begünstigen, wenn Sie dagegen eine Portion gedämpften Brokkoli essen, aktivieren Sie krebs- und entzündungshemmende genetische Signalwege.

Der Darm ist das Tor zum restlichen Körper. Wer hat die Kontrolle über dieses Tor? Kleiner Tipp: Schauen Sie in den Spiegel. Sie sind es, der darüber entscheidet, was in Ihren Mund wandert.

Allerdings ist das nur ein Teil der Wahrheit: Die meisten von uns entscheiden nicht ganz unabhängig über ihre Speisenauswahl. Es gibt Lebensmittel, die süchtig machen und dafür sorgen, dass wir die Kontrolle über unseren Appetit verlieren. Wir sind es gewohnt, Nahrungsmittel zu essen, die nur noch wenig mit ihren ursprünglichen Bestandteilen zu tun haben und die stark verarbeitet wurden – oft bis zur Unkenntlichkeit. Schulprogramme, die Kindern die Herkunft von Lebensmitteln näherbringen – in deren Rahmen sie zum Beispiel lernen, Gemüse selbst anzupflanzen –, haben gezeigt, dass Kinder, die über den Ursprung ihres Essens Bescheid wissen, mit höherer Wahrscheinlichkeit gesündere Entscheidungen treffen.

Die Lebensmittelindustrie ist natürlich bestrebt, solche gesunden Tendenzen zu hintertreiben. Die Industrie macht sich die chemischen Vorgänge im menschlichen Gehirn zunutze, indem sie Lebensmittel mit einer Kombination aus salzig, süß und fett entwickelt, die uns derart süchtig machen, dass es uns nur schwer gelingt, nach ein oder zwei Bissen aufzuhören. Zudem hat sie dafür gesorgt, dass nicht mehr so leicht ersichtlich ist, was in einem Lebensmittel steckt, indem sie irreführende Angaben auf den Verpackungen macht.

Nach den gleichen Prinzipien handeln große Restaurantketten, um ihr Speisenangebot attraktiver und suchterzeugender zu machen. Falls Sie den Dokumentarfilm Supersize Size Me noch nicht gesehen haben, sollten Sie dies unbedingt nachholen. Zu sehen, wie Fastfood die inneren Organe (etwa die Leber) schädigt und gleichzeitig das Gehirn dazu bringt, nach immer mehr zu rufen, wird Sie schockieren.

Am weitesten verbreitet ist wohl der Heißhunger auf Süßes. Er bringt uns dazu, zu viel Zucker zu essen, ohne es überhaupt zu bemerken. Vielleicht lieben Sie kohlenhydrathaltige Nahrungsmittel wie Brot, Reis und Nudeln – die darin enthaltenen Kohlenhydrate werden bei der Verdauung grundsätzlich in Zucker umgewandelt. Vielleicht trinken Sie gerne Frucht- und Gemüsesäfte, weil Sie sie für gesund halten – und haben keine Ahnung, wie viel Zucker Sie auf diese Weise konsumieren. Unwissentlich füttern Sie Hefepilze und schädliche Bakterien in Ihrem Darm mit durch und wundern sich dann, warum Sie sich nicht gut fühlen.

Dieser Teufelskreis lässt sich nur unterbrechen, indem Sie aufhören, diese Lebensmittel zu essen. Happy Darm wird Ihnen dabei behilflich sein. Sie werden lernen, auf Speisen zu verzichten, die Ihr Verdauungssystem durcheinanderbringen und zu Gewichtszunahme, Schmerzen und Erschöpfung führen, und kein Verlangen mehr nach Lebensmitteln haben, die Sie langsam aber sicher krank machen – und Heißhungerattacken werden der Vergangenheit angehören.

Schädliche Einflüsse auf den Darm

Nicht nur falsche Ernährung wirkt sich negativ auf die Darmgesundheit aus, wir sind auch anderen schädlichen Einflüssen ausgesetzt. Einer davon ist Stress. Forschungen haben gezeigt, dass Stressreaktionen das natürliche Gleichgewicht unserer Darmflora stören, wodurch sich das Verhältnis der Anzahl nützlicher Bakterien im Darm zu der schädlicher Bakterien verändert. Wenn Patienten mit Darmproblemen in meine Praxis kommen, frage ich immer danach, was sie tun, um Stress zu reduzieren und abzubauen. Meist lautet die Antwort: »Nichts.« Viele Menschen vernachlässigen die Selbstfürsorge. Sie glauben, sie hätten nicht die Zeit, gut für sich selbst zu sorgen. Dabei genügen zehn Minuten täglich, um Meditations- und Yogaübungen in Ihren Alltag zu integrieren. Diese wenigen Minuten sind im Hinblick auf Ihre Darmgesundheit und Ihr allgemeines Wohlbefinden wirklich gut investiert. Im Kapitel »Gesunder Darm, gesunder Mensch: Der Blick aufs Ganze« gehe ich näher auf diese Zusammenhänge ein.

Ein weiteres Problem sind Antibiotika. Antibiotika werden schlicht viel zu oft verschrieben. Als Mediziner kann ich Ihnen sagen, dass der Großteil der Infektionskrankheiten, mit denen Sie zum Hausarzt gehen, viral bedingt ist. Antibiotika töten Bakterien ab oder hemmen ihr Wachstum. Viren werden bis auf wenige Ausnahmen von Antibiotika nicht beeinträchtigt. Die meisten Erkältungskrankheiten (darunter Nasennebenhöhlenentzündungen im Frühstadium und Bronchitis) werden von Viren ausgelöst und verschwinden irgendwann ganz ohne Antibiotikagabe. In den meisten Fällen reichen Ruhe und die Unterstützung des Immunsystems aus, um diese Infektionen zu kurieren. Trotzdem verlangen viele Patienten innerhalb der ersten beiden Tage nach dem Auftreten von Erkältungssymptomen von ihrem Arzt, ihnen irgendein Gegenmittel zu verschreiben. Da ich weiß, welche Schäden Antibiotika in der Darmflora anrichten, bemühe ich mich, meinen Patienten klarzumachen, dass nicht jede Infektion einer Behandlung mit Antibiotika bedarf. Nimmt man das große Ganze in den Blick, kommt man zudem nicht an der Tatsache vorbei, dass durch die übermäßige Verordnung von Antibiotika die Zahl der antibiotikaresistenten Keime wächst – diese sind ausgesprochen schwer zu behandeln und können Menschen das Leben kosten.

Dessen ungeachtet hat vermutlich so ziemlich jeder von uns bereits mehrfach in seinem Leben Antibiotika eingenommen. Jedes einzelne Mal hat die Darmflora verändert. Wenn man es dann noch versäumt, die richtigen Lebensmittel zu essen – darunter milchsauer vergorenes oder fermentiertes Gemüse –, kommt es unweigerlich zu einer Dysbiose – einer Störung der Darmflora durch ein Ungleichgewicht zwischen nützlichen und schädlichen Mikroorganismen.

© 2015 Ryan Gibboney

Durch die Einnahme von Antibiotika, den Verzehr ungeeigneter Lebensmittel und die Giftstoffe, denen Sie in Ihrer Umgebung ausgesetzt sind, entsteht eine Dysbiose. Im Laufe der Zeit – das kann nur wenige Tage dauern oder einige Monate – entwickelt sich daraus ein durchlässiger Darm – das sogenannte Leaky-Gut-Syndrom. Infolge dieser Durchlässigkeit oder »Hyperpermeabilität« gelangen nicht vollständig verdaute Eiweißmoleküle aus der Nahrung in den Körper. Das Immunsystem nimmt sie als Fremdkörper wahr und bekämpft sie, was die Entstehung von Lebensmittelunverträglichkeiten zur Folge hat. Diese Unverträglichkeiten, die Sie möglicherweise gar nicht bemerken, können sich in Nesselsucht, Allergien, chronischer Nasennebenhöhlenentzündung oder Migräne manifestieren und zu einem Auslöser für das Reizdarmsyndrom oder eine Autoimmunerkrankung werden.

Das Leaky-Gut-Syndrom

Das Leaky-Gut-Syndrom, also der durchlässige Darm, zählt zu den umstrittensten gesundheitlichen Störungen überhaupt. Um Darmprobleme und die daraus resultierenden Beschwerden in den Griff zu bekommen, muss es jedoch unbedingt behandelt werden – denn ein durchlässiger Darm ist das Bindeglied zwischen beeinträchtigter Darmgesundheit und systemischen Erkrankungen, die sich auf das gesamte Organsystem auswirken. Beim »Leaky Gut Syndrom« handelt es sich um einen Prozess, der zahlreichen Erkrankungen zugrunde liegt, die wir zwar behandeln, bisher aber nicht heilen können. Die Störung führt dazu, dass die Verbindungen zwischen den Zellen der Darmschleimhaut (Tight Junctions) locker werden, sodass größere Moleküle wie zum Beispiel nicht vollständige Speisepartikel durch die Darmwand dringen können. Normalerweise gelangen nur vollständig verdaute Nahrungspartikel durch die Zellwände. Beim durchlässigen Darm hingegen wird das darmassoziierte Immunsystem mit einer Fülle von Substanzen konfrontiert, mit denen es für gewöhnlich nie in Kontakt kommen würde. Stellen Sie sich ein Seihtuch aus dichtem und eines aus lockerem Gewebe vor. Durch das dicht Gewebe gelangen nur Flüssigkeiten, Mineralien und die Spaltprodukte der Verdauung (Aminosäuren, Glukose, Fette), während durch das lockere Gewebe auch nicht vollständig verdaute Nahrungsbestandteile den Darmraum verlassen.

Immunzellen, Krankheitserreger, unverdaute Nahrungspartikel, Antikörper, Nährstoffe

© 2015 Ryan Gibboney

Ursachen für einen durchlässigen Darm

Zahlreiche Faktoren können die Entwicklung eines durchlässigen Darms begünstigen. Dazu gehören:

• ungünstige Essgewohnheiten

• Stress/Emotionen

• Infektionen, einschließlich Dysbiose

• systemische Entzündungserkrankungen

• Magensäuremangel

• Schadstoffbelastung (Konservierungsstoffe und Pestizide in Lebensmitteln können die Darmschleimhaut schädigen, ebenso wie Giftstoffe aus der Umwelt)

• NSAR (wie Aspirin, Ibuprofen, Diclofenac oder Aleve)

• Antibiotika (mit ihrer zerrüttenden Wirkung auf die Darmflora)

Wenn das Immunsystem überreagiert

Ihr Immunsystem patrouilliert ständig an den Darmgrenzen, um zu verhindern, dass schädliche Stoffe in den Blutkreislauf gelangen. Wenn das Immunsystem solche Fremdstoffe sichtet, greift es an. Und wenn die betreffende Person eine genetische Prädisposition zur Entwicklung von Autoimmunerkrankungen hat, kann diese dauerhaft erhöhte Belastung des Immunsystems eine Autoimmunerkrankung herbeiführen. Wenn zum Beispiel große Eiweißmoleküle aus nicht vollständig verdauten Lebensmitteln, die Sie täglich verzehren, die Darmwand durchdringen, entwickeln Sie eine Immunreaktion auf genau diese Lebensmittel.

Zu den am weitesten verbreiteten Symptomen eines überaktiven Immunsystems gehören: Blähungen, Magenverstimmungen, Verstopfung oder Durchfall, durch Mangelernährung verursachte Erschöpfungszustände und Gewichtszunahme, die zum Teil auf Wassereinlagerungen zurückzuführen ist.

Forschungen haben gezeigt, dass sowohl das Reizdarmsyndrom als auch Migräne von Immunreaktionen auf Nahrungsmittel ausgelöst werden können, die man täglich isst. Und ein durchlässiger Darm, der nicht behandelt wird, kann zahlreiche systemische Entzündungserkrankungen und sogar Mangelernährung hervorrufen.

Zunehmen durch Unverträglichkeiten

Häufig führt eine Ernährungsweise, die reich an Lebensmitteln ist, auf die man sensibel reagiert, in Kombination mit einem undurchlässigen Darm zu Flüssigkeitseinlagerungen und Entzündungen und in der Folge zu Gewichtszunahme. Menschen, die sehr empfindlich auf Lebensmittel reagieren, verlieren in der ersten Woche nach einer Ernährungsumstellung häufig fünf bis sechs Pfund.

Möglicherweise essen auch Sie regelmäßig Lebensmittel, gegen die Ihr Körper eine Immunreaktion oder Unverträglichkeit entwickelt hat, ohne es zu wissen. Auch wenn Sie Diät halten, also etwa die Kalorien- oder die Kohlenhydratzufuhr einschränken, oder das Verhältnis von Kohlenhydraten zu Fetten und Proteinen im Blick behalten: Ihre Lebensmittelunverträglichkeit wird Ihnen das Abnehmen erschweren. Sobald Sie hingegen die betreffenden Lebensmittel, die bei Ihnen eine Immunreaktion hervorrufen, weglassen, werden Sie ganz von selbst abnehmen.

Neueren Forschungsergebnissen zufolge können Darmbakterien die Fettablagerung verändern sowie die Art, wie Hormone uns signalisieren, dass wir satt sind, und wie der Blutzuckerspiegel ausgeglichen wird. Die falsche Mischung oder mangelnde Vielfalt an Mikroben kann den Weg für Adipositas und damit zusammenhängende Erkrankungen wie Diabetes und Herzerkrankungen bereiten.

In einer Studie entnahmen Wissenschaftler vier Zwillingspaaren, von denen jeweils einer der Zwillinge schlank und der andere adipös war, Darmbakterien, und übertrugen diese auf zwei Gruppen von Mäusen. Diese Mäuse waren in einer keimfreien Umgebung gezüchtet worden, sodass ihre Körper frei von jeglichen Bakterien waren. Die Forscher fanden heraus, dass die Mäuse, denen die Mikroben eines adipösen Zwillings eingesetzt wurden, sehr schnell zunahmen, während die Mäuse der zweiten Gruppe dünn blieben. Alle Mäuse wurden gleich ernährt, um unterschiedliche Essgewohnheiten als Ursache für die Gewichtszunahme auszuschließen.

Als sich die Wissenschaftler die Bakterienstämme aus dem Darm der Zwillinge genauer ansahen, fiel ihnen auf, dass die adipösen Geschwister eine geringere Vielfalt an Bakterien aufwiesen. Mikrobielle Diversität scheint also ein Schlüssel für eine intakte Gesundheit zu sein. Im letzten Jahrhundert ist der Anteil stark verarbeiteter Lebensmittel an unserer Ernährung stark gestiegen. Eben diese Ernährungsgewohnheiten haben zu einer verringerten Vielfalt der Bakterienstämme in unserem Darm geführt.

Um herauszufinden, ob Adipositas schlicht durch die Förderung der Vielfalt im Darm rückgängig gemacht werden kann, wurden dünne Mäuse zu ihren adipösen Artgenossen in den Käfig gesetzt. Das Ergebnis: Allein durch die gemischte Haltung wurde die höhere Darmmikrobenvielfalt der schlanken Mäuse auf die adipösen Mitbewohner übertragen. Dieser Transfer führte zu einem verbesserten Stoffwechsel und einem Rückgang der Fettleibigkeit bei den betroffenen Mäusen. Wenn die zu Adipositas neigenden Mäuse jedoch Futter erhielten, das reich an gesättigten Fetten war, nahmen sie rasch zu, und die Darmbesiedelung blieb dauerhaft weniger vielfältig.3

Bei Menschen lässt sich die Manipulation der Darmflora nicht so einfach bewerkstelligen, wie es der Versuch mit den Mäusen suggeriert. Dazu müssten die Bakterienarten, die für ein normales Gewicht verantwortlich sind, genauer bestimmt werden. Die symbiotische Beziehung, die wir mit den Bakterien in unserem Darm unterhalten, ist äußerst komplex. Wir wissen allerdings, dass sie von der Ernährung abhängt. Eine abwechslungsreiche Vollwerternährung mit hohem pflanzlichem Anteil regt eine Art der bakteriellen Vielfalt im Darm an, die eine Gewichtsabnahme fördert. Eine einseitigere Ernährung dagegen, die zu einem großen Teil aus industriell stark verarbeiteten Lebensmitteln besteht, die Vielfalt im Darm reduziert, was wiederum eine Gewichtszunahme begünstigt.

Durch Stuhltransplantation zum Normalgewicht?

Die Ergebnisse einer Forschungsarbeit über das Mikrobiom legen den Schluss nahe, dass es in naher Zukunft möglich sein könnte, die Darmflora mit dem Ziel der Gewichtsreduktion zu manipulieren.

Für die Zulassungsstudie wurde Darmflora aus dem Stuhl schlanker Spender in den Darm von Männern mit metabolischem Syndrom übertragen. Beim metabolischen Syndrom handelt es sich um eine Störung, die gekennzeichnet ist durch bauchbetontes Übergewicht (abdominelle Adipositas), Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Insulinresistenz. Sechs Wochen nach der fäkalen Transplantation hatte sich die Insulinsensitivität der männlichen Rezipienten nachweislich verbessert.* Ein besseres Verständnis vom Zusammenspiel unserer Darmbakterien wird uns letzten Endes helfen, neue Therapieformen zu entwickeln, die zu erstaunlichen Ergebnissen führen werden.

* Vrieze, A., et al. »Transfer of Intestinal Microbiota from Lean Donors Increases Insulin Sensitivity in Individuals with Metabolic Syndrome.« Gastroenterology 143, no. 4 (Oct. 2012): 913–6.

Darmentzündungen und systemische Erkrankungen

Sobald das darmassoziierte Immunsystem aktiviert wird, versetzt das den ganzen Körper in Alarmbereitschaft: Unsere Immunzellen senden Botenmoleküle aus, die zu Entzündungen, Fettablagerungen im Bauch, Gewichtszunahme und systemischen Erkrankungen führen, also zu solchen, die unser gesamtes Organsystem betreffen. Betroffene haben mit verschiedensten Symptomen zu kämpfen. Die einen leiden an Migräne, Asthma oder Allergien, andere entwickeln eine Autoimmunerkrankung. Welche dieser Symptome auftreten, wird durch die Gene bestimmt. Die Ursache ist jedoch immer dieselbe: ein Darmsystem, das aus dem Gleichgewicht geraten ist. Jeder, der an einer chronischen Entzündungskrankheit leidet, wird davon profitieren, wenn bei der Diagnose und Behandlung die Darmgesundheit berücksichtigt wird.

Darmentzündungen und Krebsrisiko

An der Entstehung von Krebserkrankungen ist eine Vielzahl von Faktoren beteiligt. Immer mehr Wissenschaftler ziehen chronische Entzündungen und eine chronische Aktivierung des Immunsystems in Zusammenhang mit bestimmten Infektionen als Hauptfaktoren für die Entwicklung von Krebs in Betracht.4, 5 Zum Beispiel sind Helicobacter-pylori-Infektionen ein Risikofaktor für das MALT