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Harnsäure sagt Ihnen nichts? Sollte sie aber! Denn Harnsäure, die vom Körper produziert und auch abgebaut wird, spielt eine enorm wichtige Rolle für die Gesundheit. Während ein bestimmter Gehalt essenziell für zahleiche Prozesse ist, hat ein Zuviel im Organismus nicht nur unangenehme, sondern fatale Auswirkungen und kann zu ernsthaften chronischen Erkrankungen und Beschwerden führen wie: - Gicht - Nierensteine - Insulinresistenz - Herzkreislaufprobleme - Schuppenflechte Das Tückische: Ein Überschuss an Harnsäure als wahre Ursache der Beschwerden bleibt oftmals unentdeckt. Der einfache Weg zu mehr (Harnsäure-)Balance Wie Sie Ihren Harnsäurewert selbstständig regulieren können, erklärt der Apotheker Soumitra Sen gemeinsam mit Urvashi Guha. Nachvollziehbar und praxisorientiert zeigen sie, wie Sie bereits mit einfachen Adaptionen im Alltag – wie mehr Bewegung, einer angepassten Ernährung sowie Entspannungstechniken und Stressmanagement – Ihre Werte auf ein gesundes Niveau bringen. Lebensmittelübersichten und passende Rezepte machen es Ihnen noch leichter, Hyperurikämie in den Griff zu bekommen, sich von chronischen Krankheiten sowie Schmerzen zu befreien und ein Leben in Balance und Gesundheit zu führen!
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Seitenzahl: 181
Veröffentlichungsjahr: 2023
Soumitra Sen | Urvashi Guha
Soumitra Sen | Urvashi Guha
Wie Sie Hyperurikämie in den Griff bekommen, um Gicht, Nierensteinen, Herzerkrankungen, Diabetes und Bluthochdruck entgegenzuwirken
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://dnb.de abrufbar.
Für Fragen und Anregungen
Wichtige Hinweise
Dieses Buch ist für Lernzwecke gedacht. Es stellt keinen Ersatz für eine individuelle medizinische Beratung dar und sollte auch nicht als solcher benutzt werden. Wenn Sie medizinischen Rat einholen wollen, konsultieren Sie bitte einen qualifizierten Arzt. Der Verlag und die Autoren haften für keine nachteiligen Auswirkungen, die in einem direkten oder indirekten Zusammenhang mit den Informationen stehen, die in diesem Buch enthalten sind.
Ausschließlich zum Zweck der besseren Lesbarkeit wurde auf eine genderspezifische Schreibweise sowie eine Mehrfachbezeichnung verzichtet. Alle personenbezogenen Bezeichnungen sind somit geschlechtsneutral zu verstehen.
1. Auflage 2023
© 2023 by riva Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH
Türkenstraße 89
80799 München
Tel.: 089 651285-0
Fax: 089 652096
Die 1. Originalausgabe erschien 2023 bei Ulysses Press unter dem Titel The Uric Acid Handbook: A Beginner’s Guide to Overcoming Hyperuricemia. © 2023 Urvashi Guha und Soumitra Sen. All rights reserved.
Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden. Wir behalten uns die Nutzung unserer Inhalte für Text und Data Mining im Sinne von § 44b UrhG ausdrücklich vor.
Übersetzung: Marion Zerbst
Redaktion: Dr. Diane Zilliges
Umschlaggestaltung: Karina Braun
Abbildungen (Umschlag und Innenteil): Shutterstock/ S. 15, 35, 57, 90f., 115, 131, 147, 174f., 183: robbin lee; S. 15: bsd studio; S. 35, 57: Holo Art; S. 91: adehoidar; S. 115: MariMuz
Layout und Satz: Die Buchmacher – Atelier für Buchgestaltung, Köln
eBook: ePUBoo.com
ISBN Print 978-3-7423-2501-3
ISBN E-Book (PDF) 978-3-7453-2272-9
ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-7453-2273-6
Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter
www.rivaverlag.de
Beachten Sie auch unsere weiteren Verlage unter www.m-vg.de
Stan entdeckt, dass sein Harnsäurespiegel zu hoch ist
1 Harnsäure – was ist das eigentlich?
Harnsäure (C5H4N4O3)
Eine Zeitreise
Unsere heutige Verdauung
Welche Funktion erfüllt Harnsäure in unserem Körper?
Unser Harnsäurespiegel
Unsere Vorfahren und die Harnsäure
Hungerhormone: Leptin und Ghrelin
Kohlenhydrate: notwendig oder überflüssig?
2 Begleit- und Folgeerkrankungen eines zu hohen Harnsäurespiegels
Hyperurikämie
Naturheilkundliche Behandlungsmethoden bei Gicht
Und wenn eine Hyperurikämie nicht behandelt wird?
3 Lebensstiländerungen
Welche Veränderungen Sie in Angriff nehmen sollten
Hyperurikämie bei Kindern
Gehen und körperliche Aktivität nach einem Gichtanfall
Stressmanagement
Wohltuendes Yoga
Massagen bei Gicht
Testen Sie Ihren Stresslevel
Frühwarnsignale
4 Ernährung und Lebensstil
Welche Hindernisse stehen einer Änderung Ihrer Essgewohnheiten im Weg?
Essen als Medizin
Hochwertige Nährstoffe für weniger Harnsäure
Kaffee kann einer Hyperurikämie vorbeugen
Welche Rolle spielen Beeren in einem Gicht-Diätplan?
Nährstoffe, die den Harnsäurespiegel senken
Wie wirkt sich eine Gewichtsabnahme auf den Harnsäurespiegel aus?
5 Das Food-Festival
Vorbereitung ist das A und O
Kochutensilien
Der PUG-Ernährungsplan
Was tun bei besonderen Anlässen?
Was Sie beim Essen im Restaurant beachten sollten
Frühstück
Warum wir das Frühstück für so wichtig halten
Mittag- und Abendessen
Desserts
Setzen Sie Ihre guten Vorsätze in die Tat um!
Anhang
Quellen
Über den Autor und die Autorin
Im Jahr 1990 schloss Stan sein Pharmaziestudium an der Stanford University ab. Da er sich für Kommunikation interessierte, schien ihm eine Karriere im Gesundheitsmarketing die besten Zukunftschancen zu bieten. Seine Universität vermittelte ihm ein paar Vorstellungsgespräche – unter anderem auch bei dem großen Pharmakonzern Sanofi, der ihn sofort engagierte. Doch eigentlich fühlte sich Stan viel mehr von den Kampagnen der Healthcare-Werbeagentur QR Associates angesprochen; und diese Agentur bot ihren Mitarbeitern auch genau die Work-Life-Balance und die flexible Arbeitszeiteinteilung, die er sich wünschte. Bei einer Preisverleihung lernte er den Chef von QR Associates kennen. Der war zwar viel älter als Stan, hatte aber die gleichen beruflichen Interessen und Vorstellungen wie er und fand sofort Gefallen an dem jungen Mann. Die beiden tauschten ihre Kontaktdaten aus und blieben in Verbindung.
Stans erstes Jahr bei Sanofi verging wie im Flug; als Mitglied des Markenmanagementteams hatte er alle Hände voll zu tun. Kurze Zeit später verliebte er sich in seine Teamkollegin Debbie. Sie verstanden sich gut und zogen zusammen in eine helle, freundliche Wohnung mit Blick auf die Bronx, ein paar Kilometer vom hektischen Leben und Treiben der Madison Avenue entfernt.
Eines arbeitsreichen Morgens erhielt Stan überraschend einen Anruf vom Chef von QR Associates, der ihm eine Stelle in seiner Werbeagentur anbot. Von da an ging es mit seiner Karriere steil bergauf. Dank seinem Engagement und seinem Talent im Umgang mit Kunden stieg Stan in der Unternehmenshierarchie blitzschnell nach oben. Endlich hatte er das Gefühl, es geschafft zu haben. Er machte Debbie einen Heiratsantrag und sie sagte sofort Ja.
Kaum jemand war beruflich so erfolgreich wie Stan. Er erwarb sich einen guten Ruf in der Branche und viele namhafte Kunden schwärmten von seinen Führungsqualitäten. Die Wände seines Büros hingen voller Trophäen und Medaillen. Und auch privat hatte er Glück: Inzwischen erwarteten Stan und Debbie eine kleine Tochter. Im Alter von 40 Jahren war Stan mit seinem Leben in der großen Metropole hundertprozentig zufrieden. Besser kann es nicht mehr werden, dachte er.
Doch da war ein kleines Ärgernis, das sich allmählich zu einem größeren Problem entwickelte und wie ein Damoklesschwert über ihm schwebte. Das Joggen war Stans große Leidenschaft. Seine morgendlichen Lauftouren spielten eine wichtige Rolle in seinem Leben. Beim Joggen hatte er Zeit zum Nachdenken, hörte Musik oder Podcasts, arbeitete Ideen aus, spielte Briefings durch, die sein Team von Kunden erhalten hatte, oder machte Pläne für den kommenden Arbeitstag. Das war seine Art, dem Leben immer einen kleinen Schritt voraus zu sein.
Doch in letzter Zeit hatte Stan immer mal wieder das Gefühl, dass sein linker Fuß beim Laufen nicht mehr so richtig mitmachte. Einmal bereitete er ihm sogar beim bloßen Gehen Probleme. Anfangs empfand Stan das einfach nur als lästig – eine kleine Unannehmlichkeit, über die er sich jedoch keine weiteren Gedanken machen wollte. Er pausierte eine Woche lang mit dem Laufen; daraufhin schien es seinem Fuß etwas besser zu gehen und er begann wieder wie gewohnt zu joggen.
Doch kaum hatte er die ersten anderthalb Kilometer hinter sich, kehrte das Gefühl der schmerzhaften Schwere in seinem linken Bein zurück. Inzwischen war es sogar noch schlimmer geworden. Stan konnte kaum noch seine gewohnte Laufgeschwindigkeit halten. Also verlangsamte er sein Tempo, und als es nicht mehr anders ging, begann er den linken Fuß etwas nachzuziehen. In den kommenden Tagen hatte er ein volles Arbeitsprogramm vor sich und dieser verdammte linke Fuß würde ihm bestimmt bei all seinen Plänen im Weg stehen.
Stan humpelte nach Hause, ging rasch unter die Dusche und versuchte, einfach nicht mehr daran zu denken. Debbie wartete geduldig am Frühstückstisch, während er sich fürs Büro fertig machte. Aber das Problem mit seinem Fuß belastete ihn doch, also beschloss er, mit Debbie darüber zu sprechen.
Als Stan an den Frühstückstisch trat, verzog er das Gesicht zu einem fröhlichen Lächeln und versuchte, optimistisch zu wirken. Er umarmte Debbie liebevoll und gab ihr einen Kuss. Nachdem er sich geräuspert, an seinem Kaffee genippt und die Nachrichten auf seinem Smartphone durchgesehen hatte, kam er wie beiläufig auf das Problem mit seinem linken Fuß zu sprechen, das ihn nun schon seit anderthalb Monaten quälte. Debbie hörte aufmerksam zu und überlegte, woran das wohl liegen könnte. Nach kurzem Nachdenken kam sie zu dem Schluss, dass Stans Lauftraining schuld daran sein musste. Vermutlich litt er an einer Plantarfasziitis, einer für Läufer typischen Erkrankung, bei der sich die Bänder an der Fußsohle entzünden und oft Fersenschmerzen verursachen. Debbie versprach Stan, im Internet ein bisschen zu dieser Erkrankung zu recherchieren.
Auf dem Weg ins Büro ging Stan immer wieder das Wort »Plantarfasziitis« durch den Kopf. Warum bin ich nur nicht früher darauf gekommen?, fragte er sich.
Im Büro angekommen, suchte er nach Youtube-Videos, in denen einfache Übungen zur Behandlung dieses Problems erklärt wurden. Am liebsten hätte er sofort damit angefangen; doch dann erhielt er eine E-Mail von seinem Chef, der ihn dazu einlud, nächste Woche auf einer internationalen Konferenz in Barcelona einen Vortrag zu halten.
Das würde seine erste Gelegenheit sein, Kollegen aus verschiedenen Ländern kennenzulernen, und natürlich freute er sich auch auf das spanische Essen und den guten Wein. Außerdem war das die ideale Gelegenheit, um eine kleine Laufpause einzulegen, seine Füße auszuruhen und sich ganz auf die Konferenz zu konzentrieren. Doch vor dieser Reise hatte Stan noch eine Menge zu erledigen.
Auf der Heimfahrt an diesem Tag hielt Stan bei einer Apotheke an, um sich Ibuprofen zu besorgen. Er nahm sich vor, dieses Mittel zweimal täglich nach den Mahlzeiten einzunehmen und regelmäßig die Übungen zu machen, die er auf Youtube gesehen hatte, damit die Entzündung in seinem Fuß endlich nachließ.
In den nächsten Tagen verzichtete Stan auf seine morgendlichen Joggingrunden und begann mit den Übungen und mit der Einnahme seines selbst verordneten Medikaments, während er sich gleichzeitig auf seinen Flug nach Barcelona vorbereitete. Die entzündungshemmende Wirkung des Arzneimittels machte sich fast sofort bemerkbar.
Am Tag seines Abflugs kehrten die Schmerzen in Stans linkem Fuß zurück; sie waren aber längst nicht mehr so schlimm wie vorher. Trotzdem fiel ihm der Weg vom Haupteingang des Flughafens bis zum Flugsteig ziemlich schwer. Als Stan dann auf seinem bequemen Platz in der Businessclass saß, vergaß er den Fuß jedoch schnell wieder, denn er freute sich auf seinen Besuch in dieser Stadt, die für ihre spektakuläre Architektur berühmt ist. Auch die Aussicht, neue Leute kennenzulernen, begeisterte ihn. Sein fröhlicher, energiegeladener Chef saß während des ganzen Flugs neben ihm, und Stan nutzte die Zeit, um seine Präsentation durchzugehen und ein kleines Nickerchen zu machen.
Doch beim Verlassen des Flughafens in Barcelona meldeten sich seine Fußschmerzen sofort wieder, und schon nach ein paar Schritten fiel es ihm schwer, mit seinem Chef Schritt zu halten, als die beiden durch die Zollabfertigung gingen. Auf dem Weg zum Taxistand schleppte Stan sich nur noch mit letzter Kraft hinter seinem Vorgesetzten her. Zum Glück war dieser in Gedanken so sehr mit ihrem bevorstehenden Aufenthalt in Barcelona und der Fahrtroute zum Hotel beschäftigt, dass ihm das nicht weiter auffiel.
Am nächsten Tag begann die Konferenz schon frühmorgens. Inzwischen hatte Stan ziemlich starke Schmerzen und machte sich ernsthafte Sorgen um seinen Fuß. Nach dem ersten Konferenztag beschlossen die Teilnehmer, sich abends noch in der Hotellobby zu treffen und gemeinsam einen Bummel über den berühmten Boulevard La Rambla zu machen. Stan hatte Angst vor diesem Ausflug, wollte aber kein Spielverderber sein.
Er teilte sich ein Taxi mit Dr. Rajendran, dem Leiter der QR-Associates-Zweigstelle in Neu-Delhi, mit dem er während der kurzen Fahrt ein bisschen Small Talk machte. Als Stan aus dem Taxi stieg und sie sich gemeinsam auf den Weg zur Rambla machten, fiel es ihm schwer, mit den anderen Schritt zu halten. Zwar fiel das den meisten Konferenzteilnehmern nicht auf, denn mit seiner großen, athletischen Statur wirkte Stan sehr fit und selbstbewusst. Dr. Rajendran, der neben seiner Arbeit bei QR in den Abendstunden noch eine Klinik leitete, blieb Stans Problem jedoch nicht verborgen.
Der Arzt schlug Stan taktvoll vor, in einem nahe gelegenen Café einzukehren, wo er Stan sofort nach seinem Fuß fragte. Da Stan wusste, dass Dr. Rajendran ein sehr angesehener Arzt war, erklärte er ihm peinlich berührt, dass er an einer Plantarfasziitis zu leiden glaubte. Er schilderte ihm seine quälenden Schmerzen, seinen hektischen Lebensstil und seine Schwierigkeiten, mit diesem Problem zurechtzukommen. Wahrscheinlich seien die Schmerzen darauf zurückzuführen, dass er seine Füße beim Joggen zu sehr überanstrenge, meinte er. Dr. Rajendran hört sich das alles aufmerksam an, war aber letzten Endes doch anderer Meinung. Er vermutete, dass Stan an einem akuten Gichtanfall litt, der durch zu hohe Harnsäurewerte in seinem Blut verursacht wurde. Nach seiner Rückkehr in die USA müsse er unbedingt einen Arzt aufsuchen. Dieser würde die erforderlichen Untersuchungen durchführen und ihm mehr über seine Krankheit erzählen. Danach könne er dann mit der Einnahme von Medikamenten und der von seinem behandelnden Arzt empfohlenen Rehabilitation beginnen. Bis dahin solle er seine Füße so wenig wie möglich belasten.
Das war ein ziemlicher Schock für Stan. Er hörte Dr. Rajendran in fassungslosem Schweigen zu; doch da er sich in Medizin und Pharmazie ziemlich gut auskannte, war ihm klar, dass der Arzt tatsächlich recht haben könnte. Er musste also nun der Möglichkeit ins Auge sehen, dass die Schmerzen, die ihn plagten, gar nicht auf eine Plantarfasziitis, sondern auf Gicht und zu hohe Harnsäurewerte zurückzuführen waren. Warum bin ich nicht gleich zum Arzt gegangen, fragte er sich.
Als Nächstes besprach Dr. Rajendran mit ihm, was getan werden konnte, um seine Beschwerden zu lindern. Beide Männer wussten, dass die moderne Medizin über bewährte Medikamente verfügt, um diese Krankheit in den Griff zu bekommen. Stan machte sich jedoch Sorgen darüber, dass seine Gicht ihn daran hindern könnte, sein derzeitiges aktives Leben weiterzuführen. Kurz entschlossen brach er seine Geschäftsreise ab und flog nach Hause zurück, um sich sofort um das Problem zu kümmern.
Noch vom Flugzeug aus rief er Debbie an und erzählte ihr von Dr. Rajendrans Hypothese. Sie erbot sich, einen Arzttermin für ihn zu vereinbaren, sobald er wieder zu Hause war. Aufgrund ihrer medizinischen Kenntnisse wusste Debbie, dass wohl einige Tests und Untersuchungen notwendig sein würden, um festzustellen, ob ihr Mann wirklich unter Gicht litt.
Stan dachte darüber nach, welchen Beitrag sein Lebensstil wohl zu dieser Erkrankung geleistet haben mochte. Tatsächlich hatte er in den letzten Jahren ein ziemlich ausschweifendes Leben geführt; Partys mit Kunden und Kollegen waren in seinem Job an der Tagesordnung. Und er wusste: Lebensmittel und Getränke, die Purine enthalten (eine Substanz, die zur Bildung von Harnsäure führt) – beispielsweise rotes Fleisch, Meeresfrüchte und Alkohol –, sind die Hauptursache für einen hohen Harnsäurespiegel, der wiederum zu Gicht führen kann. Stan überlegte, wann er das letzte Mal beim Arzt gewesen war – das musste schon Jahre her sein. Also beschloss er, nun konsequent zu sein und gleich nach seiner Heimkehr etwas an seiner Lebensweise zu ändern.
Schon am Tag nach seiner Landung in New York betrat Stan die Praxis seines Hausarztes, Dr. O’Reilly. Der untersuchte ihn kurz, nahm ihm Blut ab, machte eine Ultraschalluntersuchung und fertigte eine Röntgenaufnahme seines Fußes an. Obwohl die Ergebnisse der Blutuntersuchungen erst am nächsten Tag vorliegen würden, erklärte Dr. O’Reilly ihm, dass es sich bei dieser Erkrankung seiner Erfahrung nach wohl um Gicht handelte. Der Arzt stellte ihm ein Rezept für Allopurinol (ein Medikament zur Senkung erhöhter Harnsäurewerte) aus. In der ersten Woche solle er davon einmal täglich 100 Milligramm einnehmen, diese Dosis in der zweiten Woche auf 200 und in der dritten Woche auf 300 Milligramm erhöhen.
Stan vereinbarte einen Termin für einen weiteren Besuch bei Dr. O’Reilly in einem Monat, und der Hausarzt versicherte ihm, dass es seinem Fuß bis dahin schon viel besser gehen würde. Zur Linderung seiner Schmerzen verschrieb Dr. O’Reilly ihm außerdem ein rezeptpflichtiges Schmerzmittel. Sie sprachen auch über eine Ernährungsumstellung und andere Lebensstiländerungen, die notwendig sein würden, um Stans Gicht wieder in den Griff zu bekommen. Er würde Nahrungsergänzungsmittel wie beispielsweise Alpha-Liponsäure (ALA) und verschiedene Vitaminpräparate (zum Beispiel Vitamin B1, B6 und B12) einnehmen müssen; denn vermutlich würden die Ergebnisse der Laboruntersuchung zeigen, dass er unter einem Mangel an diesen und möglicherweise auch anderen Vitaminen und Nährstoffen litt, so wie es bei Gichtbetroffenen meist der Fall ist. Als Stan gerade sein Handy ausschalten und wegfahren wollte, erhielt er eine SMS von der Sprechstundenhilfe seines Hausarztes, die ihn aufforderte, am nächsten Tag zur Ernährungsberaterin in Dr. O’Reillys Praxis zu kommen.
Beruhigt machte er sich auf den Heimweg, um mit Debbie und ihrer Mutter zu Abend zu essen. Er hatte für die kommende Woche bereits Urlaub beantragt und freute sich auf ein erholsames Wochenende und die Chance, seine Gesundheit wieder in den Griff zu bekommen.
Stans erste Begegnung mit dem Begriff »Harnsäure« ist typisch für viele Menschen, die mit diesem Thema konfrontiert werden – oft ohne richtig zu verstehen, worum es dabei eigentlich geht. Auch wenn dieser Krankheitsprozess bei jedem ein bisschen anders verläuft, zeigt Stans Geschichte, wie leicht sich ein zu hoher Harnsäurespiegel in Ihr Leben einschleichen und gesundheitliche Probleme verursachen kann, die Ihnen vielleicht erst dann auffallen, wenn die Schmerzen richtig unangenehm werden. Unbehandelt kann ein zu hoher Harnsäurespiegel mit der Zeit zu bleibenden Knochen-, Gelenk- und Gewebeschäden führen und Nieren- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen. Es ist wichtig, sich darüber klar zu werden, dass wir möglicherweise etwas an unserem Lebensstil ändern müssen, um solche krank machenden Stoffwechselstörungen in den Griff zu bekommen.
Mit Ihrem Interesse an diesem Buch haben Sie bereits den ersten wichtigen Schritt dazu getan. Insulinresistenz, Diabetes, Fettleber, Bluthochdruck, Hyperurikämie, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall, Gicht, Gelenkschmerzen, Adipositas und mentale Probleme haben nämlich alle einen gemeinsamen Feind: die Harnsäure.
In diesem Buch verraten wir Ihnen, wie Sie es schaffen können, besser mit einem erhöhten Harnsäurespiegel umzugehen. Das erfordert nur ein paar kleine Veränderungen in Ihrer Denkweise, Ihrem Körper und Ihrer Psyche. Sie erfahren, was Harnsäure ist, wie sie sich auf den Körper auswirkt und welche gesundheitlichen Risiken hohe Harnsäurewerte mit sich bringen. Unsere Ratschläge, Tipps und Strategien, wie Sie Ihren Harnsäurespiegel herunterregulieren und Ihren allgemeinen Gesundheitszustand verbessern können, werden Ihnen helfen, Ihr Leben weiterzuführen, ohne dass die Harnsäure dabei zu einem Hindernis wird.
Am Ende dieses Buches werden Sie in der Lage sein, praktische Maßnahmen gegen Ihren erhöhten Harnsäurespiegel zu ergreifen. Außerdem lernen Sie in dem Buch eine ganze Reihe leckerer Rezepte kennen, mit deren Hilfe man sich gesund ernähren und sein Essen zugleich genießen kann.
Die Geschichte von Stan kommt vielleicht vielen von uns bekannt vor. Wenn wir das mittlere Alter erreichen oder schon das 40. Lebensjahr überschritten haben, haben manche von uns das Gefühl, dass ihre Füße schwerer werden und öfter schmerzen. Nachdem wir mehr oder weniger erfolgreich versucht haben, selbst an diesem Problem herumzudoktern, geraten wir dann ins Getriebe unseres Gesundheitsökosystems, wo die Ärzte uns wahrscheinlich erklären werden, dass dieses Leiden – die Gicht – durch zu viel Harnsäure im Blut entsteht und behandelbar ist. Durch die regelmäßige Einnahme von Medikamenten und eine Veränderung unserer Lebensweise, so sagt man uns, werden wir dieses Problem höchstwahrscheinlich in den Griff bekommen. Das beruhigt uns und wir nehmen die vom Arzt verschriebenen Medikamente gehorsam ein und halten uns streng an seine Lebensstilempfehlungen, um möglichst schnell wieder zu dem körperlich fitten, selbstbewussten Menschen zu werden, der wir früher einmal waren. Doch sobald es uns wieder gut geht, fallen wir sofort in unsere alten Verhaltensmuster zurück – und ein paar Jahre später zeigen uns Gicht und erhöhte Harnsäurespiegel erneut ihr hässliches Gesicht.
Sicherlich kann man erhöhte Harnsäurewerte und Gicht gut in den Griff bekommen; schließlich gibt es viele optimistische Ärzte, Ernährungsberater und andere medizinische Fachkräfte, die uns dabei mit Rat und Tat unterstützen. Doch mit zunehmendem Alter kommen andere, bedrohlichere Volkskrankheiten wie Bluthochdruck, erhöhter Blutzucker oder Demenz auf uns zu, die alle etwas mit einem ungesunden Lebensstil zu tun haben. Unser Leben wird zu einer ständigen Serie von Arztterminen und Krankenhausaufenthalten und angesichts dieser vielen gesundheitlichen Probleme treten die negativen Auswirkungen eines erhöhten Harnsäurespiegels im Gesamtbild allmählich in den Hintergrund.
Von Gicht Betroffene und Ärzte, Ernährungsberater sowie Physiotherapeuten, die sich um solche Menschen kümmern, wissen, dass Gicht eine häufige, komplexe Form der Arthritis ist, die jeden treffen kann. Sie zeichnet sich durch plötzliche, heftige Krankheitsschübe mit Schmerzen, Schwellungen, Rötungen und Druckempfindlichkeit in einem oder mehreren Gelenken (in den meisten Fällen im großen Zeh) aus.
Aber ist das wirklich alles? Was wäre, wenn ein erhöhter Harnsäurespiegel auch noch viele andere Gesundheitsprobleme verursachen könnte? Was wir Ihnen jetzt verraten, wird Sie vielleicht überraschen: Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge kann ein erhöhter Harnsäurespiegel zu bleibenden Knochen-, Gelenk- und Gewebeschäden, Nieren- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen, wenn man nichts dagegen unternimmt.1 Außerdem hat die Forschung gezeigt, dass es einen Zusammenhang zwischen zu hohen Harnsäurewerten und Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Fettleber und der Alzheimer-Krankheit gibt. Das ist der Hauptgrund, warum Ärzte erhöhte Harnsäurewerte (die sogenannte Hyperurikämie) inzwischen schon behandeln, bevor sie ernsthafte Probleme wie Gicht, Nieren- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen können.
Was um alles in der Welt ist Hyperurikämie?
Dabei handelt es sich um einen medizinischen Fachbegriff für einen Zustand, bei dem sich zu viel Harnsäure (mehr als die Niere herausfiltern kann) im Körper befindet. Dadurch können Harnsäurekristalle (oder Uratkristalle) entstehen, die sich dann in den Gelenken ablagern und Gicht verursachen, was sehr schmerzhaft und störend sein kann. (Nähere Informationen zu den Harnsäurewerten finden Sie im Kapitel »Unser Harnsäurespiegel« ab Seite 25.) Diese Kristalle können sich auch in den Nieren ablagern und Nierensteine bilden, was zu einer Nierenerkrankung führt.
Und nicht nur das: Eine Hyperurikämie kann auch viele andere, teilweise auf einen ungesunden Lebensstil zurückzuführende Krankheiten und Funktionsstörungen verursachen. Hier ein paar Beispiele dafür:
Übergewicht bis hin zu Adipositas
Diabetes
chronische Niereninsuffizienz
einige Krebsarten
vermehrten Stress, der zu Bluthochdruck führt
Schuppenflechte (Psoriasis)
Das größte Problem für Ärzte und Wissenschaftler besteht darin, dass viele Menschen unter solchen gesundheitlichen Problemen leiden, ohne sie mit erhöhten Harnsäurewerten in Verbindung zu bringen. Ihr behandelnder Arzt hat vielleicht keine Ahnung von Ihrem Lebensstil, und dass Sie unter einem zu hohen Harnsäurespiegel leiden, erkennt er womöglich erst, nachdem er verschiedene Tests und Untersuchungen bei Ihnen durchgeführt hat. Noch komplexer wird die Situation, wenn man bedenkt, dass manche Menschen zu hohe Harnsäurewerte haben, ohne unter einer der genannten Begleit- und Folgeerkrankungen zu leiden.
