Harte Treue - G.F. Barner - E-Book

Harte Treue E-Book

G. F. Barner

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Beschreibung

Begleiten Sie die Helden bei ihrem rauen Kampf gegen Outlaws und Revolverhelden oder auf staubigen Rindertrails. G. F. Barner ist legendär wie kaum ein anderer. Seine Vita zeichnet einen imposanten Erfolgsweg, wie er nur selten beschritten wurde. Als Western-Autor wurde er eine Institution. G. F. Barner wurde als Naturtalent entdeckt und dann als Schriftsteller berühmt. Seine Leser schwärmen von Romanen wie "Torlans letzter Ritt", "Sturm über Montana" und ganz besonders "Revolver-Jane". Der Western war für ihn ein Lebenselixier, und doch besitzt er auch in anderen Genres bemerkenswerte Popularität. Das Sheriff-Office liegt in der Dunkelheit eines unbeleuchteten Vorbaues. Wer es nicht weiß, dass hier das Jail und das Office sind, der wird vorbeigehen. Reno erleuchtet sein Haus nie. Nur das Licht aus den Fenstern fällt über den Vorbau. Ein mattes Licht, in dem alles verschwommen wirkt. Lacy Trevor steigt ab. Einen Augenblick richten sich hundert Augen auf ihn. Sie sehen zu, wie er absteigt und die beiden Pferde anbindet. Und das Gemurmel klingt, als wenn ein Bienenschwarm über dem Vorbau hängt und eine Traube um einen Pfosten gebildet hat. Lacy geht den Vorbau hoch. Er hat lange Beine und sehr schmale Hüften. Sein links sitzender Revolver schaukelt bei jedem Schritt mit und schlägt an die Chaparajos. Es klatscht und klirrt. Seine Sporen singen, als er auf die Tür zukommt. Und die Tür geht auf. Man sagt, dass Reno Jackson gute Ohren hat. Sicher hat er das Gesumme der Menge gehört. Er kommt heraus. Ein Mann in Hemd und Hosen. Ein breitschultriger Mann, dessen Vorliebe rote Hemden sind.

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Seitenzahl: 143

Veröffentlichungsjahr: 2023

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G.F. Barner – 257 –Harte Treue

G.F. Barner

Das Sheriff-Office liegt in der Dunkelheit eines unbeleuchteten Vorbaues. Wer es nicht weiß, dass hier das Jail und das Office sind, der wird vorbeigehen.

Reno erleuchtet sein Haus nie. Nur das Licht aus den Fenstern fällt über den Vorbau. Ein mattes Licht, in dem alles verschwommen wirkt.

Lacy Trevor steigt ab.

Einen Augenblick richten sich hundert Augen auf ihn. Sie sehen zu, wie er absteigt und die beiden Pferde anbindet.

Und das Gemurmel klingt, als wenn ein Bienenschwarm über dem Vorbau hängt und eine Traube um einen Pfosten gebildet hat.

Lacy geht den Vorbau hoch. Er hat lange Beine und sehr schmale Hüften. Sein links sitzender Revolver schaukelt bei jedem Schritt mit und schlägt an die Chaparajos. Es klatscht und klirrt. Seine Sporen singen, als er auf die Tür zukommt.

Und die Tür geht auf.

Man sagt, dass Reno Jackson gute Ohren hat. Sicher hat er das Gesumme der Menge gehört. Er kommt heraus. Ein Mann in Hemd und Hosen. Ein breitschultriger Mann, dessen Vorliebe rote Hemden sind.

Seine Gestalt ist nicht zu groß, aber von der gewissen Wuchtigkeit, die einen Mann ausmacht. Kühle graue Augen, ein schmallippiger Mund und braune Haare, die immer etwas wild und ungebändigt sind. Er trägt zwei Revolver und ganz selten seinen Orden. Man sagt, er legt keinen Wert darauf, auf tausend Schritt als Sheriff ausgemacht zu werden.

Er sieht jetzt Lacy an, der sich gegen den rechten Tragbalken lehnt.

Und wenn ein Mann einen Freund hat, der mit ihm durch dick und dünn marschiert, dann ist es Reno. Und der Freund ist Lacy.

»Lacy?«, fragt Reno ruhig mit seiner tiefen Stimme.

»Hinter mir, Reno.«

Mehr sagt er nicht. Er spricht niemals viel, dieser Lacy Trevor. Jetzt macht er nur eine Handbewegung.

Der Sheriff sieht auf das braune Pferd und den Mann. Und er erkennt ihn sofort.

»Wo hast du Lew Garnett gefunden?«

»Bei seinem Haus, Reno.«

»Wer hat geschossen?«

»Ich habe ihn nicht erkannt.«

»Macht ein wenig Platz, Leute.«

Und danach, als wenn der Hahn aufgedreht worden ist, der solange seine Worte einschloss, bricht er los: »Wer, zum Teufel, hat diesen Mann umgebracht? Er hatte nie jemand etwas getan. Ich sage euch, ich erwische ihn. Und dann hänge ich ihn auf. Das ist verdammt ein Versprechen.«

»Beruhige dich, Reno.«

Es klingt sanft und wirkt beruhigend. Reno dreht sich leicht und macht die Longe automatisch los.

Reno Jackson sieht Lacy Trevor an. Er sieht das scharf geschnittene Gesicht, die steilen Falten über der Nasenwurzel. Und die Augen, die ganz dunkel sind.

Und wieder einmal denkt Reno, dass die Selbstbeherrschung dieses Viertel-Indianers unheimlich ist.

»Ja«, sagt Reno da einsilbig, »damit komme ich wohl nicht weiter, schätze ich.«

Und Lacy sagt kehlig: »Das schätze ich auch.«

Danach ist er still und hilft Reno das Tor aufzumachen und das Pferd mit dem Toten hineinzuschaffen. Hinter ihnen wirft Reno das Tor zu, dass die Leute draußen bleiben müssen.

Jackson fragt: »Hast du ihn erwischt?«

»Hüfte oder Bein. Ich bin sicher. Wahrscheinlich die Hüfte. Die Eindrücke sind nicht danach, dass es das Bein gewesen sein könnte. Geh hin und jage die Neugierigen weg. Das Mädel wird wohl schon schlafen, was?«

»Ja, ich glaube.«

Und Reno geht die Treppe zum Office hoch. Lacy Trevor legt Lew auf den Boden neben der Treppe nieder. Er hat vorher seine Decke ausgebreitet. Und er sagt in die Schritte Renos hinein: »Wenn ich einmal sterben muss, dann soll man mich auch auf eine Decke und nicht in den Staub legen. Staub ist ein hässlicher Platz, um zu sterben.«

»Es kommt darauf an, Lacy. Manchmal stirbt man für etwas, was sich lohnt. Verstehst du?«

»Meinst du deinen Orden, Bruder? Lohnt es sich wirklich darum?«

»Jetzt tu nicht so, als wenn du die Antwort nicht selber kennst.«

Lacy nickt und lehnt sich an das Treppengeländer. »Reno, du hast immer noch mein Angebot.«

»Ich weiß, aber ich setze mich nie in ein gemachtes Nest, Bruder. Du hast dir alles aufgebaut, ich habe nichts dazu getan. Und da soll ich dein Partner werden?«

»Männer wie du und ich können viel schaffen, Reno.«

»Männer wie du und ich sind Narren, Lacy. Sie nehmen nie Geld an und bücken sich vor niemand. Sie sind stolz und treu. Wir leben in der falschen Welt, Junge.«

»Ich sagte doch, dass dein Orden nichts wert ist. Nicht das jedenfalls, was du in ihm siehst. Hat Jake wieder mal einen kleinen Vorstoß unternommen?«

»Frag mich nicht, was Jake Cord hat. Kommst du jetzt mit herein oder willst du eine Ewigkeit im Hof stehen?«

Lacy Trevors dunkle Augen richten sich auf Garnett.

»Ich frage mich seit vierzig Minuten, wo der liebe Gott war, als dieser Mörder den Finger krümmte.«

»Was ist mit dir los? Was denkst du auf einmal über alles nach, als wenn du Garnett bist? Lew hatte auch so seltsame Reden an sich. Bist du sein Nachfolger?«

Lacy Trevor blickt hoch. Es ist ein rätselhafter Blick, den auch Reno nicht erraten kann.

»Ich bin wild. Ich weiß, was die Leute von mir sagen. Wer weiß, was ich bin? Ich weiß es nicht einmal selber.«

Sie gehen hinein, und Lacy greift wie selbstverständlich in die Kiste auf dem Tisch. Er nimmt eine Zigarre heraus, beißt sie ab und spuckt den Rest an Reno vorbei in den Hof.

Reno hockt sich in seinen Sessel und faltet die Hände über der Gürtelschnalle.

»Lacy, denkst du nie daran, dass ein Girl hinter dir winkt? Ich kenne zwei Dutzend Girls, die dich auf der Stelle nehmen würden, wenn du nur wolltest. Lacy, du bist sechsundzwanzig Jahre alt. Meinst du nicht, dass eine Frau jetzt richtig für dich wäre?«

Lacy steckt die Zigarre an, bläst den Rauch haarscharf an Renos Gesicht vorbei und schüttelt langsam den Kopf.

»Frauen sind komische Wesen, Bruder. Erst sagen sie, dass sie dich lieben. Dann kriechen sie auf dem Bauch vor ihrem Vater und danach reisen sie ab und kommen nie mehr wieder. Ich kann nur lachen.«

Er lacht, aber Reno kennt ihn zu gut, dieses Lachen ist gallenbitter.

»Hör auf, du Narr. Du bist ja verrückt. Du sollst aufhören, Lacy.«

Lacy Trevor verstummt und nimmt die Zigarre hoch.

»Ja, ich bin ein schlechter Verlierer, was?«

»Lacy, du wirst nie ein schlechter Verlierer sein. Du kannst immer mit Anstand verlieren, was tausend andere Männer nicht können. Du bist ehrlich und gerade. Du lügst nie. Lacy, mach dir nicht selber etwas vor.«

Lacy Trevor senkt den Kopf und sieht zu Boden.

»Ich bin ein Wilder. Lobe mich nicht, ich verliere nur anständig, weil ich es so will. Lobe mich nicht.«

»Du Narr, du kannst um jemand weinen, wenn es sein muss. Belüge dich nicht selber. Du wirst immer zu deinen Freunden halten. Lacy, rede nie von Ginger in diesem Ton. Wie alt warst du damals, und wie alt war sie?«

»Ich war achtzehn. Und sie sechzehn. Und jetzt halte den Mund von Ginger Cord. Ich will nicht mehr an sie denken.«

»Du denkst doch immer an sie. Und es wird jetzt ganz schlimm werden, Bruder.«

»Schlimm? Weshalb?«

»Sie kommt in einer halben Stunde und bleibt in diesem Land.«

Reno Jackson wird bleich, als er die Augen seines Viertel-IndianerFreundes sieht.

Lacy Trevor wird totenblass, und die Zigarre bricht zwischen seinen Fingern durch.

Dann steht er jäh auf und tritt an das Fenster zum Hof.

Reno sieht, wie der schlanke und zähe Virtel-Indianer seine Schultern krümmt, dass der Rücken krumm ist wie ein Bogen. Er sieht, wie der Atem Lacys die Scheiben beschlägt und sagt nichts.

Seit der Affäre damals sind acht Jahre vergangen. Und Lacy ist manchmal undurchschaubar. Nur Reno wusste vielleicht, wie sehr Lacy damals die Sache traf.

»Woher weißt du es?«, fragt Lacy. Dann dreht er sich um und sammelt die Reste der Zigarre auf. Er geht zum Ofen und wirft sie hinein. »Entschuldige, dass ich deine Zigarre zerbrach, ich wollte es nicht, Bruder. Woher weißt du es?«

»Carney war gestern hier und sagte es mir. Sie sind schon mit dem Wagen da. Der alte Jake und Buck. Er ist sicher neugierig auf seine große Schwester. Du kannst den Wagen sehen, er steht vor Jakes Hotel.«

»Ich will ihn nicht sehen, ihn nicht, den alten Narren nicht und auch nicht Buck, diesen Tunichtgut, den er nicht anständig erziehen konnte. Diesen jungen Narren, der allen Willen bekam. Eines Tages, Reno, wird dieser Junge sich selber umbringen.«

Lacys hageres Gesicht mit den scharfen Mundfalten und dem eckigen Kinn bleibt ausdruckslos. Lacy ist ein Mann, der seine Empfindungen verbergen kann.

»Ginger? Acht Jahre sind eine lange Zeit. Ich erinnere mich heute noch an ihre Worte von damals. Sehr gut sogar, Reno. Damals, das ist so lange her.«

»Und du hast es doch nicht vergessen.«

»Nein«, antwortet Lacy sehr leise. »Würdest du vergessen, dass man dich wegjagte wie einen Hund?«

»Er hat dich nicht weggejagt.«

»Jake nicht, das ist wahr, aber Ginger. Jake musste wohl erst mit ihr reden, um es ihr klarzumachen. Ein Viertel-Indianer taugt eben nicht für die Tochter des reichsten Mannes aus dieser Gegend. Er kann seiner Ranch treu sein, er kann ein guter Rindermann sein, aber er ist kein Mann für eine Cord.«

»Du bist der beste Rindermann auf fünfhundert Meilen im Umkreis. Du bist kein – nun, du weißt, was ich sagen will.«

Lacys Augen sind ganz dunkel, als wenn er Schmerzen hat, furchtbare Schmerzen.

Er war stolz auf seinen Vater, er war stolz auf seine Mutter. Und dann nannte ihn Ginger Cord ein Halfcast. Den verächtlichsten Ausdruck für ein Mischblut hatte sie für ihn.

Reno Jackson sieht sein Gesicht. Er sieht die Augen und sieht die Nasenflügel zittern.

Lacy sagt schwingend mit seiner etwas metallisch klingenden Stimme: »Jetzt bin ich ruhig. Und jetzt will ich dir erzählen, wie es mit Lew war. Und danach wollen wir zu seiner Schwester gehen. Ich möchte nicht, dass du das allein tun musst, denn es wird hart werden. Sie hängt sehr an ihm, das weißt du.«

»Ja, ich weiß«, antwortet Reno belegt. Und Lacy starrt ihn überrascht an.

»Interesse an Liz, Bruder?«

»Vielleicht, Lacy.«

»Sie braucht jetzt jemand, Reno. Liebst du sie?«

»Ich habe es nicht gewagt, mit ihr darüber zu reden, Lacy. Sie ist so gescheit.«

»Ein weiser Mann sagte einmal, ein Mann sollte sich eine dumme Frau nehmen, dann würde er glücklich sein.«

Reno gibt Lacy eine neue Zigarre und reicht ihm Feuer.

»Ich kam über die Hügel, etwa eine halbe Meile von Lews Hütte entfernt, da hörte ich den Schuss. Ich dachte erst, es wäre ein Jäger. Aber bei einem einzelnen Schuss wird man leichter misstrauisch. Dann bin ich hingeritten. Es war genau Lews Richtung. Den Schützen sah ich noch, erkannte ihn aber nicht. Er schoss mit einer Springfield.«

»Lew war bestimmt nicht fähig, jemand einen Cent zu stehlen, geschweige denn ein Rind«, sagt der Sheriff.

»Gut, das ist wahr, Reno. Wenn er kein Viehdieb war, hatte er Feinde?«

»Feinde? Lew? Unmöglich, er hatte nur Freunde. Nie eine Prügelei, keine Schießerei, nichts.«

»Betrogen hat er auch keinen, was?«

»Er hätte sich die Zunge herausgeschnitten und die Hände abhacken lassen, Lacy.«

»Er war also ein prächtiger Mann. Hilfsbereit, anständig und wirklich gebildet, wie man so sagt. Stimmt es?«

»Genau«, sagt Reno bitter.

»So«, sagt Lacy auf einmal zischend. »Dann möchte ich wissen, warum man ihn umgebracht hat.«

»Der Teufel, es ist wahr, er war der beste Mann auf hundert Meilen im Umkreis. Warum hat man ihn nun umgebracht, Lacy?«

»Verschwinden hier Rinder, oder sind alle Leute ehrlich?«

Reno zuckt zusammen und starrt seinen Freund überrascht an.

»Ja, es verschwinden welche. Im Badland verlaufen sich schon mal Cords Rinder oder Walnut-Mave­ricks. Sie kommen auch nie wieder. Aber das ist kein direkter Diebstahl. Anders ist es mit den Rindern, die man aus Herden klaut. Und schlimm ist, dass man keine Spur finden kann. Was hat das mit Lew zu tun? Ich denke, wir haben festgestellt, dass er kein Viehdieb ist.«

»Das haben wir und das ist wahr. Nur, Lew war ein Einzelgänger. Er ritt sehr viel durch die Gegend und sammelte seltene Pflanzen. Also, ich sage dir, er hat etwas gesehen.«

»Du denkst an die zwanzig Rinder, die der Walnut vor drei Tagen verschwunden sind?«

»Denke nach, Bruder. Drei Tage ist der Diebstahl her. Zufällig wissen wir, dass Lew nach Lower Penasco geritten war. Er muss erst an diesem Tag zurückgekommen sein. Was hat er also unterwegs gesehen?«

»Die Rinder.«

»Nicht nur die Rinder, Bruder. Auch die Männer, die sie trieben. Und was geschieht dann? Jemand sieht ihn, aber Lew war wohl zu schnell weg. Und in den Guadalupes such mal eine Spur. Was haben sie getan? Einen Mann hingeschickt, der auf ihn achtet, wenn er nach Hause kam? Lew hatte etwas gesehen. Und das war zu viel.«

»Er hätte sicher nicht darüber gesprochen, Lacy. Lew würde nie jemand verraten haben oder anzeigen können. Lacy, das weiß doch jeder hier.«

»Ja«, sagt Lacy mit einer seltsamen Ruhe, und nur seine Augen funkeln. »Jeder wusste es. Und sie haben es trotzdem getan. Es ist der kaltblütigste Mord gewesen, den ich jemals sah. Und darum, Bruder Reno, werde ich den Mörder aufhängen.«

»Lacy, das kannst du nicht machen. Du musst ihn zu mir bringen, wenn du ihn wirklich erwischt. Woher soll der Kerl gekommen sein?«

»Ich schätze, er kam aus dem Monument Canyon.«

»Da werde ich morgen hinreiten«, erklärt der Sheriff.

Lacy trinkt sein Glas aus und steht dann auf. Und dann gehen sie los und benachrichtigen den Coroner, damit Lew Garnett einen anständigen Sarg bekommt.

Sie gehen durch eine Straße, die voller Lärm ist.

Sie sind beide gleich groß, und beide sehen ruhig aus. Von dem abseits liegenden Haus mit dem kleinen Staketenzaun und den freundlich gestrichenen Fenstern halten sie an.

»Sie wohnt hier«, sagt Reno heiser. »Und sie schläft sicher schon. Weißt du, wie das ist, wenn jemand schläft und du weckst ihn auf, um ihm eine schlimme Nachricht zu bringen?«

»Ja«, erwidert Lacy leise. »Ich schlief auch, als meine Mutter am Schlangenbiss starb. Es war ein Erwachen, das höllisch war.«

*

Lacy Trevor hört innen das Schluchzen. Es kommt aus dem Flur, und er steht an der Hauswand und beißt die Zähnen aufeinander.

Reno redet mit seiner tiefen Stimme drinnen beruhigend, aber es dauert lange, ehe er herauskommt und Liz Garnett am Arm stützt. Ihr Gesicht ist marmorbleich, und ihre grünlichen Augen sehen Lacy erschrocken an.

»Madam«, sagt Lacy leise. »Madam, es tut mir leid, wenn ich keinen besseren Bescheid brachte als diesen. Ich habe versucht, seinen Mörder zu erwischen, aber der Bursche entkam. Ich werde ihn jedoch eines Tages haben.«

»Lacy, und dann bringen Sie ihn um, nicht wahr?«

»Ich glaube, Madam.«

»Lacy, ist Lew damit geholfen? Irgendwem sonst?«

»Ich weiß nur, dass ein Mörder keine Gnade verdient, Madam.«

»Sie werden es nicht tun, Lacy. Das Gesetz ist für einen Mörder zuständig. Haben Sie mich verstanden?«

»No, Madam«, erwidert Lacy Trevor leise. »Das wird niemand verstehen, der Lew kannte.«

Und er dreht sich um und geht los. Er lehnt sich an der Bodega Mexicale an die Adobewand und sieht die beiden Menschen gehen. Groß und wuchtig Reno, zierlich Liz neben ihm.

»Sie glaubt an ein Gesetz, aber ein Mörder glaubt an sein Gewehr und seinen Revolver. Was für eine närrische Welt«, sagt Lacy düster. »Jetzt braucht sie Lew nicht mehr. Ihr Schmerz wird vergehen wie Gras unter der sengenden Sonne. Sie wird Reno haben. Und alles wird eines Tages vergessen sein.«

Er stößt sich ab und geht langsam los. Sein Revolverhalfter klatscht wieder gegen das Leder, und seine Sporen singen.

Links von ihm steht der Wagen. Der alte Jordan Keith sitzt auf dem Bock. Lacy kann sich nicht erinnern, dass Keith jemals anders auf dem Bock saß, als nur kerzengerade.

Sonst ist der Wagen leer. Weder Buck Cord noch Jake Cord sind zu sehen. Nur die Pferde am Balken verraten, dass acht oder zehn Männer der Ranchmannschaft in die Stadt gekommen sind.

Lacy erkennt das Pferd von Owen Bishop an der hellen Zeichnung. Der Vormann ist also auch in der Stadt. Und eine Sekunde denkt Lacy daran, dass er heute diesen Posten haben könnte.

Jordan Keith wendet langsam den Kopf. Er trinkt nicht, er raucht nicht. Er fährt nur seinen Boss spazieren und sitzt wie eine Statue auf dem Wagen.

Jordan Keith ist so alt, dass seine Knochen knacken, wenn er sich bewegen muss.

»Sieh an, Lacy«, sagt Jordan mit seiner hohen Greisenstimme. »Nun, Junge, wie geht es dir? Wie viel Monate haben wir uns nicht mehr gesehen?«

»Monate?«

Lacy grübelt und stellt dann fest, dass es fast zwei Jahre her ist.

»Fast zwei Jahre, Jordan. Du bist nicht oft in der Stadt. Und ich auch nicht. Die Zeit vergeht, und die Menschen ändern sich, wie?«

»Junge, du hast dich gar nicht verändert. Du siehst wie dein Vater aus. Geht es dir gut?«

»Ich hoffe es, dass andere Leute das sagen.«

»Ja, du bist wie dein Vater, nur viel wilder. Man sieht es an deinen Augen. Ich soll Ginger fahren, Lacy. Ich freue mich, dass ich es darf. Jake ist drin, du sollst mit ihm sprechen.«

»Ich habe mit ihm nichts zu reden, Jordan. Dann fahre sie nur vorsichtig.«