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Dieses Buch ist eine überraschende Spurensuche rund um das Thema Rummelpottlaufen. Dabei wird der Herkunft dieser Tradition auf den Grund gegangen. Es ist die Suche nach den faszinierenden, noch vorhandenen Merkmalen des alten Brauchtums. Hinzu kommen Rezepte und Baupläne, Anleitungen und Beschreibungen, die alle in einem appetitanregenden Zusammenhang mit dem sogenannten Rummelpott und seiner Tradition stehen. Während der Neuentdeckung kulinarischer, musikalischer, volkskundlicher, handwerklicher und literarischer Leckerbissen, kann dabei so manches Überraschende neu aufgespürt oder wieder hervorgeholt und so dem Vergessen entrissen werden.
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Seitenzahl: 96
Veröffentlichungsjahr: 2023
Hau de Katt de Schwanz aff!
Dieses Buch ist für die wilden und verrückten Geister der
Raunächte, die unsere Welt auf den Kopf stellen.
Damit meinen wir aber nicht die mystischen Wesen,
sondern unsere kostümierten Kinder Lotta, Jona, Nele
und Leni, die voller Hingabe und Freude singend und
lachend Rummelpott ein Leben lang als
positive Erinnerung in sich tragen werden.
Hau de Katt de Schwanz aff!
Rummelpottlaufen … viel mehr als eine Silvestertradition
Marco BoehmundJens Nielsen
© 2023 Marco Boehm und Jens Nielsen
aufgeschrieben von:
Marco Boehm
und
Jens Nielsen
ISBN Softcover: 978-3-384-01085-8
ISBN E-Book: 978-3-384-01086-5
Druck und Distribution im Auftrag der Autoren:
tredition GmbH,
Heinz-Beusen-Stieg 5
22926 Ahrensburg, Germany
Direkter Kontakt zu den Autoren: [email protected]
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte sind die Autoren verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne ihre Zustimmung unzulässig. Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag der Autoren, zu erreichen unter:
tredition GmbH, Abteilung "Impressumservice",
Heinz-Beusen-Stieg 5, 22926 Ahrensburg, Deutschland.
Bibliographische Information
der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliothek; detaillierte Daten sind im Internet unter http://d-nb.de abrufbar.
„Rummel, rummel rum, de Rummelpott geiht um.
Wi jagt dat Ooljohr ut de Döör.
Dat nee Johr steiht ok al dorvör.
Rummel, rummel rum,
de Rummelpott geiht um.
Wi wünscht Gesundheit un veel Geld
un vulle Körv in Goorn un Feld.
Rummel, rummel rum,
de Rummelpott geiht um.
Wi wünscht de Dochter ok en Mann
un jümmer wat in Pott un Pann‘.
Rummel, rummel rum,
de Rummelpott geiht um.
Wi wüllt ju wünschen en good Johr
mit recht veel Sünnschien hell un klor.
Rummel, rummel rum,
de Rummelpott geiht um.“ 1
1 Plattdeutsches Rummelpottgedicht, das rezitativ vorgetragen und mit dem Rummelpott untermalt wird.
Cover
Halbe Titelseite
Titelblatt
Urheberrechte
„Rummel, rummel rum, de Rummelpott geiht um
Vorwort
Einleitung
Das Rummelpottlaufen
Geschichte einer alten nordeuropäischen Tradition
Noch ein Heischebrauch
Rummelpott – Das Instrument
Rummelpott – traditioneller Bau
Rummelpott – moderner Bau
Rummelpott – die Taschenversion
Rummelpott – Warum „rummelt“ er eigentlich?
Rummelpott – die dunkle Seite
Rummelpott – Jetzt wird’s lecker
Wie das Pförtchen zum Namen kam
Pförtchen – mehr als ein Krapfen
Pförtchenpfanne – ein Kochgeschirr
Der König der Früchte – der Apfel
Pförtchen, Poffertjes und zurück
… jetzt aber ehrlich, liebe Autoren …
Rummelpott – Die Rezepte
Ein Geschmack von Kindheit
Angelner Pförtchen
uraltes Pförtchen-Rezept
Nordfriesische Futtjes von Margot
Æbleskiver von Gitte Hansen
Vegane Pförtchen
Grote Hans – ein süßes Hauptgericht
Rummelpott – Die Lieder
Rummelpottlied Ostküste
Hau de Katt de Schwanz aff
… jetzt aber ehrlich, liebe Autoren …
Musik in meinen Ohren – Melodie & Noten
Rummelpottlied Westküste
Abschluss, Dank und Häme
Weitere Rummelpottverse
Erinnerungen und Traditionen
Silvester auf Sylt in früheren Zeiten
Rummelpott in Schleswig vor 1948
Rummelpott ist Heimat – Nordfriesland 1960er Jahre
Silvester in der deutsch-Dänischen Grenz-Region
Rummelpott – Die Checkliste
Im Vorfeld (grundlegende Gedanken):
Einen Monat bis eine Woche vorher:
Eine Woche bis einen Tag vorher:
Silvester/Altjahrsabend:
Besonderheiten für einen Rummelpott-Empfang:
Rummelpott – Zum guten Schluss
Herkunft der Abbildungen
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Titelblatt
Urheberrechte
„Rummel, rummel rum, de Rummelpott geiht um.
Herkunft der Abbildungen
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Abbildung 1: Schriftzug der 68. Ausgabe des jährlichen Satiremagazins "Æ Rummelpot" ist mit spitzer Feder gezeichnet und nordschleswigschem Humor geschrieben.
Vorwort
Rummelpottlaufen ereilt scheinbar das gleiche Schicksal, wie es heidnischen Festen bei der Christianisierung ergangen ist. Die Feste wurden von den Missionaren adaptiert, damit die Menschen weiter gemeinschaftlich feiern konnten und positive Erlebnisse damit verknüpften. Die Missionare belegten die ursprünglichen, althergebrachten Gründe der Feierlichkeiten jedoch mit christlichen Aussagen und Werten.
Unser Gehirn ist so gestrickt, dass kontinuierliche Wiederholungen, wie in Gottesdiensten, das Wiederholte als das „Richtige“ und das „Echte“ ansehen. Somit bleiben bei unseren heutigen christlichen Festen und Feiertagen nur noch wage Fragmente von den überlagerten, ursprünglichen Bräuchen. Warum Eier und Hasen? Warum Grün zu Weihnachten? Warum ist Weihnachten nahe der Wintersonnenwende? Warum Lärm zu St. Martin und Silvester?
Beim Rummelpottlaufen ist es weniger kulturverändernd, aber ein deutliches Beispiel für Adaption und Aneignung – in diesem modernen Fall durch die Medien und Marktwirtschaft. Rummelpott, das kleine, aber traditionelle, eher mündlich überlieferte Fest, mit vielen – nicht quellenbasierten – Strömungen auf der einen Seite. Und Halloween, das medial in den USA aufgeblähte Fest, das sich seiner irischen Wurzeln nicht mehr gewahr ist, auf der anderen. Immer wieder wird in Serien und Filmen, die zumeist in den USA produziert werden, Halloween als ganz besonderer Tag dargestellt. Der Markt ist aufgesprungen, mit Deko und Süßigkeiten, die nur für diesen Tag produziert werden.
Das Halloween-Fest ist mittlerweile in sehr vielen Teilen Deutschlands angekommen und wird dort unreflektiert mitgefeiert, das gilt auch für die größeren Städte in Norddeutschland. Lediglich in ländlichen Regionen der Nord- und Ostsee wird kaum Halloween gefeiert, aber dafür das Rummelpottlaufen weitergelebt.
So gibt es den Spruch, der mittlerweile auch auf Aufklebern und Tassen vermarktet wird:
„Halloween? Op Platt het dat Rummelpott.“
Damit einige Blickrichtungen auf die Tradition des Rummelpottlaufens festgehalten werden und vielleicht Appetit auf das eigene Ausprobieren oder Aufleben entstehen lassen, haben wir uns entschieden dieses kleine Büchlein zu veröffentlichen. Es hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da regionale Unterschiede bei vorwiegend mündlichen Traditionen enorm sein können.
Wir wünschen viel Freude bi Dörlesen un Smökern.
Marco Boehm und Jens Nielsen - im Jahr 2023
Abbildung 2: Ölgemälde von Jan Miense Molenaer, niederländischer Maler (ca. 1610 – 1668). Während das Bild auf der linken Seite einen Fiedelspieler zeigt und in der Mitte eine Frau / ein Mädchen dargestellt ist, die mit Löffeln auf einen Helm trommelt, wird rechts ein „Rommelpotspieler“ mit einem „Brummtopf“ zeitgenössisch abgebildet.
Einleitung
Im nördlichen Schleswig-Holstein kennt man sie noch, die Familien, die jedes Jahr vor Silvester eine Extraportion Süßigkeiten einkaufen. Doch kaufen sie diese nicht für sich selbst ein, sondern für einen Haufen fremder Kinder. Wenn es am Silvesterabend dunkel geworden ist, tauchen sie plötzlich mit Pappmasken, Hüten, Kostümen oder alten „Plünnen“ (stark gebrauchte Kleidungsstücke) verkleidet in kleinen Grüppchen vor der Haustür auf. Sie stehen dort und fordern lautstark mit ihrem Singsang „Apfelkuchen“ ein. Aber eigentlich sind sie heutzutage mit kleinem Naschkram zufriedener.
Dabei singen die Kinder oft auf Plattdeutsch kleine Gedichte, Geschichten und Sprechgesänge, die sich scheinbar seit Generationen nicht verändert haben und begleiten sich dazu auf einfachen und selbstgebauten Instrumenten. Doch warum machen sie das? Gibt es dafür einen Grund oder einen Anlass?
Ja, den gibt es: Sie laufen traditionell Rummelpott am „Altjahrsabend“. Was aber ist das, was auf Plattdeutsch „Rummelpottlopen“ oder bei Einheimischen auch manchmal nur als „Dat Ümsingen“ bezeichnet wird?
Dieser Brauch findet im Norden in vielen Regionen statt – oft aber mit traditionsbedingten Unterschieden. Auf den nordfriesischen Inseln beispielsweise kennt man den Brauch mit leichten Abwandlungen. Auf Amrum heißt er „Hulken“. Die „Hulken” ziehen von Haus zu Haus, um den Bewohnern auf der Insel in der Dämmerung des alten Jahres ein „Gesegnetes Neues Jahr” zu wünschen. „Seegnt nei juar!” rufen sie auf Amrumer Inselfriesisch und singen oft selbstgedichtete Lieder.
Auf der Nachbarinsel Föhr hingegen kann man am Altjahrstag nicht nur auf Kneppkuchen mit Sternanis und Kardamom und frisch ausgebackene Futtjes treffen, sondern es gibt das Brauchtum des „Kenknens“. „Kenkner” gehen ebenfalls von Haus zu Haus und tragen Lieder vor. Auch auf Sylt, auf Pellworm und auf den Halligen werden diese Bräuche mit individuell friesischer Colour gepflegt.
Zuweilen begeben sich neben den niedlich verkleideten Kindern aber auch Jugendliche und Erwachsene auf den Weg von Haustür zu Haustür und fordern mit jedem Stopp lautstark zwar keinen „Appelkook“ (Pförtchen/Futtjes) und keine Süßigkeiten, jedoch einen „Appelkööm“ (Apfelkorn) ein. Ist dieses „Rummelsaufen“, wie es in Nordfriesland genannt wird, eine Stilblüte, um billig einen „Brand“ zu bekommen oder ist vielleicht sogar auch dies ein überlieferter Volksbrauch?
Und so unterschiedlich sind die Traditionen von Nordsee zu Ostsee, zwischen Hallig und Angeln, von Region zu Region.
Dieses Buches gibt die Möglichkeit, sich auf eine überraschende Spurensuche rund um das Thema Rummelpottlaufen zu begeben. Dabei wird der Frage nach der Herkunft dieser Tradition und nach ihrem ungewöhnlichen Namen genauso nachgegangen, wie sich auf die Suche nach den faszinierenden, noch vorhandenen Merkmalen und Spuren des alten Brauchtums gemacht wird.
Hinzu kommen Rezepte und Baupläne, Anleitungen und Beschreibungen, die alle in einem „appetitanregenden“ Zusammenhang mit dem sogenannten Rummelpott und seiner Tradition stehen. Während der Neuentdeckung kulinarischer, musikalischer, volkskundlicher, handwerklicher und literarischer Leckerbissen, kann dabei so manches Überraschende neu aufgespürt bzw. wieder hervorgeholt und so dem Vergessen entrissen werden.
In der Vergangenheit wiesen lediglich Schnipsel auf oft längst veralteten Internetseiten, kleine Berichte in Lokalzeitungen und so manches alte Foto in Schuhkartons auf die große Zeit des Rummelpottlaufens hin. Auch kurze Abhandlungen, beispielsweise in Schriften des Nordfriisk Instituuts (als Institut zur Wahrung der Friesischen Sprache und Geschichte), hoben das Vorhandensein der alten Tradition hervor. Mittlerweile weisen auch Tourismusverbände und einige Blogger auf ihren Seiten mit Grundinformationen auf dieses überlieferte Brauchtum hin.
Doch in den Erinnerungen vieler Einheimischer existiert weit mehr Faszinierendes zu dem Thema, was nicht vergessen werden darf. Sind doch in vielen Köpfen die identitätsstiftenden inneren Bilder des Rummelpottlaufens aus der eigenen Kindheit abrufbar und bewirken oftmals noch immer ein Gefühl emotionaler Wärme und Identifikation.
Auch wenn man erfreulicherweise noch immer vereinzelnd Kinder am Silvesterabend verkleidet und singend von Haus zu Haus gehen sieht, ist das Brauchtum des Rummelpottlaufens zunehmend stark bedroht.
