Hauptsache Ball - Uschi Loth - E-Book

Hauptsache Ball E-Book

Uschi Loth

0,0

Beschreibung

Der Ball ist rund und rollt – damit ist er in der Regel hinlänglich charakterisiert. Für die meisten Hundebesitzer ergibt sich daraus ein Schicksal als "Ballwurf-Maschine" für ihren Hund. Dabei lässt sich die Faszination, die für Hunde von Bällen ausgeht, vielfältig in Sport und Spiel nutzen, und zahlreiche kreative Trainingsideen rund um den Ball können verwirklicht werden. Jeder Hundebesitzer hat irgendwann einmal einen Ball für seinen Hund geworfen, und so mancher Hund wurde in diesem Moment zum Balljunkie. Wie schade ist es aber, wenn man dieses faszinierende Ding – Ball – auf einen vergleichsweise eintönigen Gebrauchsablauf reduziert. Dieses Buch lädt ein, den Ball systematisch als Trainingsmittel für Hunde einzusetzen, kreative Ideen zu testen und weiter auszubauen. Der Spaßfaktor der Bälle in Sport und Spiel ist unbestreitbar groß; das beweisen die zahlreichen Hundesportarten, in denen Bälle eingesetzt werden. Aber der Ball lässt sich darüber hinaus auch gut für erzieherische Zwecke verwenden, wie beispielsweise zum Antijagdtraining, zur Impulskontrolle und zum Erlernen von Tricks. Hunde jeder Größe und jeden Alters können mit Bällen artgerecht beschäftigt werden.Ob groß, klein, schwer oder leicht – Bälle faszinieren und sind aus dem Leben eines Hundes nicht wegzudenken. Das Buch ist ein wertvoller Ratgeber für alle Hundebesitzer, die die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten der Bälle kennenlernen und sich zu eigenen Ideen inspirieren lassen möchten, um den Ball artgerecht in Sport, Spiel und Training einsetzen zu können.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 99

Veröffentlichungsjahr: 2016

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Uschi Loth

Uschi Loth studierte Tierpsychologie und Verhaltenstherapie, absolvierte eine zusätzliche Ausbildung zur Servicehund- und Blindenführhundtrainerin und bildet Diabetikerwarnhunde aus. In ihrer Hundeschule „Hundezentrum Siegerland“ beschäftigt sie sich mit der Ausbildung sowie körperlichen und geistigen Auslastung von Hunden jeder Rasse und hilft deren Menschen beim Umgang mit Problemhunden.

Uschi Loth züchtet seit vielen Jahren Briards, hat vier erwachsene Kinder und drei Enkelkinder und lebt mit ihrem Mann und ihrem Hunderudel in Burbach im Siegerland.

USCHI LOTH

Hauptsache

Ball

Jetzt geht‘s rundim Hundetraining

Haftungsausschluss

Autorin und Verlag haben den Inhalt dieses Buches mit großer Sorgfalt und nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Für eventuelle Schäden an Mensch und Tier, die als Folge von Handlungen und/oder gefassten Beschlüssen aufgrund der gegebenen Informationen entstehen, kann dennoch keine Haftung übernommen werden.

Copyright © 2014 by Cadmos Verlag, Schwarzenbek

Gestaltung und Satz: Johanna Böhm, Dassendorf

Lektorat der Originalausgabe: Dorothea von der Höh

Coverfoto: shutterstock.com/Jeff Thrower

Fotos im Innenteil: Soheil Ghavami, falls nicht anders angegeben

Konvertierung: S4Carlisle Publishing Services

Deutsche Nationalbibliothek – CIP-Einheitsaufnahme

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

Alle Rechte vorbehalten.

Abdruck oder Speicherung in elektronischen Medien nur nach vorheriger schriftlicher Genehmigung durch den Verlag.

eISBN: 978-3-8404-6181-1

Inhalt

Vorwort

Faszination Ball

Gestalt, Oberfläche und Material

Der Ball als Spaß- und Sportfaktor

Motivation

Sportarten rund um den Ball

    Flyball

    Basketball

    Treibball

    Teamball

    Wasserball

    Hundefußball

    Volleyball für Hundeprofis

Der Ball im Antijagdtraining und zur Impulskontrolle

Aufbau der Impulskontrolle beim Junghund

Impulskontrolle für Profis

Nasenarbeit XXL

Such und bring den Meins-Ball

Zeig es mir

Der Ball als Hilfsmittel für interessante Aufgaben

Grundübung: „Nimm auf“ – „Leg ab“

Grundübung: „Ausräumen“ – „Aufräumen“

Grundübung: „Stupsen“

Grundübung Richtungstraining: „Rechts“ – „Links“

Grundübung: „Voran“

Grundübung: „Rum“

Reden ist Silber, Schweigen ist

    Der magische Blick

Zirkusreifer Balanceakt

Bälle-Rallye

Tunnel – Apport!

Fliegender Ball

Hütchen-Spiel

Ball-Apport am Fallrohr

Tauschen verboten

Eierlauf

Impulskontrolle

Putzeimer einmal anders

Wasserball – wie noch nie

Zu guter Letzt

Danke

Zur weiteren Information

Vorwort

Ein Buch über Bälle?

Jedes Kleinkind lernt diese Vokabel gleich nach Mama, Papa und Auto und nennt anfangs jedes runde Ding Ball.

Der Ball behält seine Faszination für viele Menschen bis ins hohe Alter.

Doch was hat das mit Hunden zu tun? Sind es nur wir Menschen, die den Ball für Hunde zum Spielzeug Nummer eins gemacht haben, oder übt der Ball auf Hunde seine ganz eigene Magie aus? Bälle bestechen für Hunde zunächst einmal durch die Eigenschaft der Bewegung. Sie können rollen, hüpfen und fliegen. Wo gibt es schon in der Natur ein so herrliches Beutevorbild?

Wer Hunde führt, hat also sicher auch irgendwann Erfahrungen im Umgang mit Ball und Hund gemacht. Einige dieser ganz persönlichen Geschichten finden sich in diesem Buch in den umrandeten, hell unterlegten Kästen wieder.

Für viele Menschen reduziert sich aber leider der Einsatz des Balls auf folgende Beziehung: Der Mensch sorgt für die Bewegung, erweckt den Ball also quasi zum Beuteleben, und der Hund jagt.

Dass man aber mit einem Ball im Alltag mit Hund so viel mehr an kreativen Ideen umsetzen kann, soll dieses Buch zeigen. Vielleicht wird auf diesem Weg aus dem einen oder anderen Balljunkie noch ein echter Ballprofi.

Uschi Loth im Januar 2014

FaszinationBall

Der Ball ist nicht nur für Kinder, sondern auch für Hunde das Spielzeug Nummer eins. Höchste Zeit, dieser Faszination auf den Grund zu gehen.

Das Angebot an Bällen ist in Spielwarenabteilungen und im Zoofachhandel unüberschaubar groß. Für kleine Kinder besteht ein großer Teil der Attraktivität von Bällen in der Farb- und Mustergestaltung. Dieses Element fällt für unsere Hunde fast völlig weg. Entgegen früheren Meinungen können sie zwar Farben sehen und differenzieren, legen aber in ihrer Orientierung andere Schwerpunkte. Rot und Grün können Hunde nicht gut unterscheiden. Wir nehmen an, dass sie diese Farben als Grauabstufungen wahrnehmen. Das bedeutet, dass der rote Ball auf grüner Wiese für den Hund optisch kaum hervorsticht. Der Mensch hingegen sieht den Ball gut und wundert sich vielleicht über seinen Hund, der bei der Suche fast über den Ball stolpert.

Will ich also dem unerfahrenen Hund zunächst helfen, so sollte ich einen gelben, blauen oder orangefarbenen Ball wählen. Soll der Hund sich später nur mit der Nase (olfaktorisch) und nicht optisch orientieren, so empfiehlt sich für die Suche auf der Wiese durchaus ein roter oder grüner Ball.

Gestalt, Oberfläche und Material

Eigentlich ist ein Ball definitionsgemäß eine runde Sache. Die heutige Industrie hat aber zahlreiche Varianten geschaffen, die völlig neue dynamische Effekte erzeugen. Die Bälle werden dadurch in der Bewegung unberechenbar. Besonders Eiformen drehen sich, wenn sie vom Hund geschoben werden, unkalkulierbar weg und haben etwas von einem Haken schlagenden Beutetier.

Rot und Grün nehmen Hunde nicht als eigenständige Farben, sondern nur als Grauabstufungen wahr.

Ein gelber Ball hingegen hebt sich für den Hund gut sichtbar vom Gras ab.

Es gibt inzwischen hartschalige Eiformen in unterschiedlichen Größen, die von den Hunden mit Begeisterung über die Wiese bewegt werden. Daneben gibt es aber auch elliptische Bälle, die beim Auftreffen auf den Boden ähnlich unvorhersehbar in die unterschiedlichsten Richtungen springen und den Hund immer wieder verblüffen können.

Die Größe des Balls ist ausschlaggebend für das, was der Hund später damit macht oder machen soll. Wichtig ist dabei, auch das Gefahrenpotenzial nicht außer Acht zu lassen (siehe Kasten Seite 10).

Kleinere Bälle werden vom Halter meist nur einseitig im Sinne von Werfen, Bewegte-Beute-jagen-Lassen, Zurückbringen und Abgeben eingesetzt. Um der Eintönigkeit der sich stets wiederholenden Tätigkeit des Menschen beim Ball-Apport etwas entgegenzusetzen, hat die Industrie sehr viel Kreativität in Oberfläche und Gestalt dieser Apportierbälle gesetzt. So gibt es weiche Bälle, harte Bälle, Bälle mit Noppen, Warzen und glatter Oberfläche, Bälle, die quietschen oder eine Palette von Tönen von sich geben, und solche, die extra zum Knautschen einladen sollen.

Der Futterbeutel wurde geschaffen, damit der Hund mit seinem Teampartner Mensch gemeinsam auf die Jagd geht und dabei auch die Endhandlung Fressen ablaufen kann. Die Industrie hat inzwischen auch eine Ball-Variante entwickelt, die für den Hund ein attraktives Innenleben in Form von Futter bietet. Das sind die sogenannten Futterbälle, die bei Bewegung ihren Futtervorrat ausstreuen. Der wichtige Unterschied zum Futterbeutel besteht aber darin, dass sich der Hund hier allein beschäftigt und auch allein bedient. Die Kooperation mit dem Menschen ist nicht vorgesehen. Diese Bälle können sinnvoll eingesetzt werden, wenn Hunde Probleme mit dem Alleinsein haben oder die Technik des Ballschiebens eingeübt werden soll (siehe Kapitel „Treibball“).

Die großen Bälle lassen sich so ohne Weiteres nicht mehr vom Hund ins Maul nehmen. Je nach Hundetyp werden sie geschoben, gestupst oder mit der Pfote ins Rollen gebracht.

Bei Hunden, die gerne die Zähne einsetzen, sollte man zu den beliebten hartschaligen Bällen greifen, die ursprünglich zur Beschäftigung von Ferkeln und Zootieren geschaffen wurden. Die weichen Gymnastikbälle werden hauptsächlich zum Treib-, Team- und Wasserball eingesetzt. Überdimensionale Hartbälle eignen sich auch für Balancierübungen (siehe Kapitel „Zirkusreifer Balanceakt“).

ACHTUNG – GEFAHRENPOTENZIAL BALL!

Man achte unbedingt darauf – besonders bei temperamentvollen Hunden –, niemals zu kleine Bälle zu wählen. Kleine Bälle sollten immer ein Seil haben. Ein Ball, der tief nach hinten in den Hundeschlund gerät, ist praktisch nicht wieder herauszubekommen, wenn man nicht an einem Seil ziehen kann. Der Hund erstickt jämmerlich. Bei ballverrückten Hunden sollte man grundsätzlich alle kleineren Bälle, die der Hund verschlucken könnte, außer Reichweite bringen.

Echte Tennisbälle aus dem menschlichen Sportbereich sollte man für den Hund nicht benutzen. Die oberflächlichen Fasern schädigen die Zähne und den Magen-Darm-Trakt, wenn der Hund sie schluckt.

Je nach Hundetyp geht Gymnastikbällen schnell die Luft aus.

LAIKAS ANTISTRESSBALL

Laika ist eine schlanke Schäferhündin mit unruhigem Ohrspiel. Während der gesamten Anamnese im Besprechungszimmer kam sie nicht zur Ruhe. Sie tigerte auf und ab, hechelte stark und kratzte mal sich selber, mal am Boden. Wenn sie sich kurz hinlegte, stand sie sofort wieder auf und die gesamte Bewegungsabfolge wiederholte sich. Draußen outete sich Laika als Balljunkie. Ihre Besitzerin konnte kaum einen Schritt gehen, ohne von Laika bedrängt zu werden. Flog der Ball, so sprintete Laika wie der Blitz hinterher und holte den Ball im Lauf fast ein. Während sie den Ball apportierte, knautschte sie auffällig darauf herum. Die Besitzerin stöhnte über den hohen Kostenaufwand an Bällen, wobei die eine Hälfte auf das Konto ihrer Ballwurffähigkeiten ging und die andere auf Laikas Ballzerstörung.

Bei der Begegnung mit dem ersten Hund auf dem Gelände der Hundeschule rastete Laika völlig aus. Sie hatte ganz offensichtlich Stress.

Das Wort Stress ist heute in aller Munde. Menschen sind gestresst, Kühe und Schweine, Zootiere und auch unsere Hunde sind zunehmend gestresst. Grundsätzlich ist Stress eine lebenserhaltende körperliche Reaktion auf einen bedrohlichen Außenreiz. Der Körper mobilisiert alle Kräfte, um sich auf schnelle Flucht oder auf Kampf einzustellen. Stress ist immer mit Hormonausschüttungen von Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol verbunden. Würde also ein Hund in Laikas Blickfeld erscheinen, der mit allen körperlichen Ausdrucksmitteln „Angriff“ signalisiert, so müsste Laika sehr schnell entscheiden, ob Gegenwehr oder Flucht die bessere Lösungsstrategie wäre. Ist die Stresssituation vorbei, muss die körperliche Hochleistungsform wieder auf Normalwert zurückgefahren werden (Erholungsphase).

Bei Laika war dieses sinnvolle biologische System aus der Balance geraten. Ihr Nervenkostüm war so dünnhäutig, dass sie bei alltäglichen Außenreizen fast ständig in Stresssituationen geriet. Hunde, die diese angeborene Komponente mitbringen, dürfen in ihren Aktivitäten nicht in ein hohes Erregungspotenzial gebracht werden. In der Regel muss bei solchen Hunden ein ganzes Paket von Maßnahmen nacheinander beziehungsweise parallel ergriffen werden.

Laika hat es zusätzlich sehr geholfen, einen speziellen Ball im Maul knautschen zu dürfen. Diese Bälle sind bewusst dafür geschaffen worden und haben daneben noch einen zahnreinigenden Effekt. Die Balljagd haben wir eingestellt und durch ruhige Sucharbeit mit dem Ball ersetzt (siehe Kapitel „Nasenarbeit XXL“).

An anderen Hunden konnte sie nach einiger Zeit zwar immer noch steifbeinig, aber ohne Ausraster mit dem Ball im Maul vorbeigehen. Der Antistressball soll nur eine vorübergehende zusätzliche Hilfe sein. Er ist kein Allheilmittel. Er kann auch für Hunde hilfreich sein, die mit dem AIIeinsein überfordert sind.

Der Ball

als Spaß- und Sportfaktor

Sport sollte einen hohen Spaßfaktor haben, und Spaß mit dem Hund fordert häufig von beiden Teampartnern eine gehörige Portion an Sportlichkeit. Für beides kann der Ball ein idealer Mediator sein.

Hunde spielen mit Bällen aller Art auch selbstvergessen allein im Garten oder Wohnzimmer. Man muss sie dazu nicht motivieren oder aktivieren. Der Ball in seiner Eigendynamik ist Primärmotivation schlechthin. Bewegte Beute – hier der Ball – will gejagt werden, vorausgesetzt, die Grundstimmung dafür ist da (siehe Kapitel „Motivation“). Der Ball kann als Motivationsmittel ebenso wie ein Leckerli oder unsere Stimme verwendet werden. Wenn im Zusammenhang mit Bällen wiederum Leckerlis eingesetzt werden, dann meist gar nicht im Sinne von Motivation, sondern als Bestechung. Freundlich gesagt, biete ich dem Hund das Leckerli als Tauschobjekt an, weil er mir den Ball freiwillig nicht geben will.

Werfe ich beispielsweise den Ball, so wird fast jeder junge Hund hinterherlaufen. Die meisten nehmen den Ball auch spontan ins Maul, und dann kommt der Interessenskonflikt: Der Mensch will seine „Beute“ zurückhaben, der Hund will sie behalten. Leider handelt es sich in beiden Fällen um ein und denselben Ball. So ruft der Besitzer seinen Hund zu sich und greift sofort nach der Beute. Bestenfalls denkt der Hund nun, dass sein Mensch mit ihm um die Beute streiten will, und er lässt sich darauf ein. Diese Beutediskussion als Zerrspiel geht manches Mal zum Nachteil des Menschen aus. Im schlechteren Fall entscheidet der Hund, dass es besser ist, sich mit der Beute im Maul seinem Menschen maximal auf eine Distanz von zwei bis drei Metern zu nähern oder gleich das Weite zu suchen.

Hunde können völlig selbstvergessen mit einem Ball spielen und toben.

NSCHO-TSCHIS ERSTES BALLSPIEL