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Haus und Auto ist ein absolutes Muss für Autoliebhaber und Fans spektakulärer Architektur! Rund 45 innovative Beispiele zeigen, wie man seinen vierrädrigen Freund – oder gar seine ganze Sammlung – präsentiert und ihm die gebührende Aufmerksamkeit einräumt. In diesem Buch wird nicht einfach geparkt, vielmehr wird für das Auto eine architektonisch herausragende Räumlichkeit geschaffen, in der es seinen ganz eigenen Platz hat und Teil des Lebens ist. Alle Projekte werden mit atemberaubenden Fotos und übersichtlichen Plänen vorgestellt. Interviews mit Autoenthusiasten und spannende Facts runden das Werk ab.
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Seitenzahl: 159
Veröffentlichungsjahr: 2022
DIE KULTUR DES PARKENS
EINLEITUNG
HÄUSER UND GARAGEN
RUDOLPH HOUSEALEXANDER BRENNER ARCHITEKTEN
CASA AD25JOÃO TIAGO AGUIAR ARQUITECTOS
CASA CABO DE VILASPACEWORKERS
GSCSUPERLIMÃO + GABRIELA COELHO
PROTOTYP: RENAULT SYMBIOZ HOUSE 33MARCHI ARCHITECTES
CASA ALCALARVÍTOR VILHENA ARQUITECTURA
VDBGOVAERT & VANHOUTTE ARCHITECTS
ZWARTE SPIEGELWONINGICOON.BE ARCHITECTEN
MOUNTAIN VILLA 4.0MATTEO THUN & PARTNERS
HOUSE IN GUIMARÃESES1ARQ / ELISABETE DE OLIVEIRA SALDANHA
PABELLÓN RHMORARI ARQUITECTURA
VILAMOURA 49JOÃO TIAGO AGUIAR ARQUITECTOS
THE LIBRARYA WORK OF SUBSTANCE
GARDEN HOUSEAUSTIN MAYNARD ARCHITECTS
BY THE WAY HOUSEKWK PROMES / ROBERT KONIECZNY
CUMBAYA RESIDENCEDIEGO GUAYASAMIN ARQUITECTOS
PRIVATE CAR PARKDESIGN SYSTEMS LIMITED
VILLA FIFTY-FIFTYSTUDIONINEDOTS
INTERVIEWSALEXANDER BRENNER, JÜRGEN RUDOLPH, STEFFEN JAHN, KORN THONGTOUR
OGM PANORAMALOUNGE MIT GARAGEARSP ARCHITEKTEN
BAAN AKAT-YEN RESIDENCESTUDIO KRUBKA CO.
CASA OCCULTAVÍTOR VILHENA ARQUITECTURA
HILLCREST IIMCCLEAN DESIGN
FROM THE GARDEN HOUSEKWK PROMES / ROBERT KONIECZNY
CASA GEV + A LAB ATELIER
MOUNTAIN VILLASNUPER DESIGN INC.
HOUSE IN TAKAMATSUFUJIWARAMURO ARCHITECTS
BASIC HOUSEBROWNHOUSES COMPANY LIMITED
VILLA MIMIKLAMMER*ZELENY ARCHITEKTEN
VILLA PETRAMARLENE ULDSCHMIDT ARCHITECTS
SKYLARKMCCLEAN DESIGN
VILLA SOPHIACOLLCOLL
WAVERTON HOUSE GARAGEKENSTRÖM DESIGN
HAUS GABLESJENNIFER BONNER / MALL
VILLA CINQUECENTONAPUR ARCHITECT LTD.
THE COMPOUND HOUSEMARCH STUDIO
VILLA PERLWEISSARCHITEKTEN LEE + MIR
BB GARAGEARCHITECTS INK
CASA DA ROCHALUV STUDIO
THE GARAGESHIFLET RICHARDSON ARCHITECTS / MARK ASHBY DESIGN
THE QUESTSTRÖM ARCHITECTS
FENCE HOUSEMODE:LINA
GRACE STREET LIVE / WORKRAVEEVARN CHOKSOMBATCHAI / VEEV DESIGN
LAZY HOUSEPETRJANDA / BRAINWORK
VILLA + GALLERY U / ASATOSHI OKADA
AUTOMOBILE ZIELE
BÜRO- UND ABBILDUNGSVERZEICHNIS
IMPRESSUM
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Zumeist beginnt es schon in der Kindheit. Die Helden und Superhelden unserer kleinen Welt leben uns die ersten Träume vor. Und wir sind dabei: Man benötigt einerseits ein leistungsstarkes Auto – zuerst ein knuffig geformtes und unkaputtbares Walt-Disney-Mobil, dann ein Supercar, wie Spirou es fährt (Abb. 1), oder das gefährlich coole Batmobil, vielleicht auch ein Modellauto in Matchbox-Größe, zum Beispiel einen Mercedes-Benz SL. Und dazu brauchen wir ein Haus, mit Garage natürlich. Ein Modellhaus von Faller oder aus Legosteinen oder wir begeben uns in die virtuelle Realität eines Computerspiels. Mit dem zugehörigen Joystick kann man das Superheldenauto oder den Rennwagen sogar selbst fahren und parken. Es verstreichen die Jahre, man wird größer und pragmatischer, vieles wird wirklich: der Führerschein, das eigene Auto, ein Haus, das man tatsächlich betreten kann. Plötzlich aber kommt das Gefühl auf, dass irgendetwas fehlt, dass man etwas ganz Maßgebliches vermisst: das Spielen. Damals konnte man so einfach versinken in die intensive Welt des unmittelbaren Genießens und in der Fantasie große oder kleine Abenteuer erleben. Die Voraussetzungen wären ja vorhanden, dieses unterschwellige Verlangen zu befriedigen. Was, wenn das Auto ein Supercar wäre, ein eleganter Oldtimer, zumindest aber emotional, und eben kein vernünftiges Leasingfahrzeug? Was, wenn wir ein dazu passendes Haus hätten, mit einem besonderen Platz zum Einfahren, Parken und Herausrollen? Möglich wäre es. Die Lust am Wohnen und Fahren, vielleicht sogar das eine oder andere Abenteuer, stellen sich hoffentlich dann schon von selbst ein.
Mit viel Genuss widmet sich dieses Buch genau jenem Gefühl, das sich nach einer starken Aufwertung unserer Wohngebäude sehnt. Wer es durchblättert und sich auf Bilder und Pläne einlässt, wird erkennen, dass es überall auf dem Globus Menschen gibt, die ihre Leidenschaften auf eine bemerkenswert ehrliche Weise erkunden und versuchen, sie zu leben. Kultur entsteht durch diese Energie und Kreativität, sei es auf den Feldern des Essens und Trinkens, der Kunst und Musik, der Mode oder auch des Sports. Architektur ergänzt diese Aufzählung sehr unmittelbar, weil sie uns existenziell versorgt, insbesondere dann, wenn sie dem Wohnen dient. Dann kommt es entscheidend darauf an, unsere individuellen Bedürfnisse und Vorlieben in Gestaltung und Raumatmosphären aufzunehmen. Es gibt deshalb kaum etwas Komplexeres, als die Planung eines idealen Wohnortes. Ob Apartment oder Villa – beides muss technisch und ergonomisch optimal funktionieren und in der Lage sein, den Bewohnern mit ihren jeweiligen Persönlichkeiten dauerhaft einen angenehmen und auch anregenden Aufenthalt zu bieten, und dies alles in einer überzeugenden Form. Eine durchaus anspruchsvolle Aufgabe also, für welche der Bauwillige unbedingt ein ebenso anspruchsvolles Architekturbüro finden muss, mit dem er seine Ideen in intensivem Austausch präzisieren und verwirklichen kann.
1Yoann+Vehlmann, Comic-Heft Spirou + Fantasio, Carlsen Verlag, 2013
Der spezielle Aspekt der Automobilkultur, der in dieser Publikation eine besondere Aufmerksamkeit erfährt, bedingte die Auswahl der im Folgenden vorgestellten Architekturen und Konzepte. Das Auto beziehungsweise das „Mobil“ ist nämlich – nicht nur in Bezug auf die oben beschriebenen Kindheitserinnerungen mancher Leser und Leserinnen – schon seit Urzeiten Bestandteil des menschlichen Domizils gewesen. Es beginnt mit den Pferden oder Eseln, die man als Zug- und Reittiere in Ställen in der Nähe des Hauptgebäudes unterbringt und die, vor eine zwei- oder vierrädrige Kutsche gespannt, den Vorläufer der späteren Karossen bilden, die dank Dampf, Elektrizität oder Verbrenner wie von „selbst fahren“ – „automobil“ eben. Über alle Epochen hinweg entstanden dafür dann jeweils adäquate Nebengebäude, die im Falle hochwertiger Anlagen repräsentativ gestaltet wurden. Das beginnt mit den Stallungen und Remisen der Pharaonen im Sand der ägyptischen Wüste, in unseren Breiten vertreten durch das technisch beeindruckende Fahrzeug im eisenzeitlichen Grab des Keltenfürsten von Hochdorf, geht weiter mit den Idealplänen Andrea Palladios in der Renaissance und führt zu Johann Wolfgang Goethe, der um 1800 unter dem Schlafzimmer in seinem Weimarer Haus am Frauenplan einen Stall sowie die Remise mit Kutsche und Schlitten einrichten ließ. Einen nächsten Entwicklungsschritt stellen circa 100 Jahre später die Villen amerikanischer Unternehmer und Filmstars mit ihren ersten Mehrfachgaragen dar. Heutzutage nun liegt es an uns, diesem Miteinander von Immobilie und Mobil eine passable Form zu verleihen, die es erlaubt, diesen Passionen Raum zu geben. Natürlich muss die Architektur dabei dem Hang zur Mobilität gewachsen sein. Es kommt also auf die Harmonisierung von Gebäude, Wohnnutzung und Auto an, dem in sich eigenständig konstruierten, beweglichen Technikmodul, das seine eigenen Bedingungen hat. Es ist meist schon als Einzelfahrzeug das größte und teuerste Element der Ausstattung eines Hauses und benötigt daher Raum und Sicherung, auch in Bezug auf die Feuergefahr seines Antriebs – das vervielfacht sich natürlich, wenn wir es mit ganzen Sammlungen zu tun haben.
2E20, Steimle Architekten (Stuttgart, D), Pliezhausen (D), 2016
Dieser positive culture clash liegt nun im Fokus der hier vorgestellten architektonischen Entwürfe, wobei sich zeigt, dass das Miteinander automobilbegeisterter Bauherren und entsprechend sensibilisierter Gestalter zu Bauwerken führen kann, in denen sich Anspruch, Ästhetik und Dynamik beider Welten genial zusammenfinden. Denn für beides gibt es Fachleute, sei es für Dämmwerte wie für Radschlupfbegrenzung.
Wer die vorgestellten Orte nicht physisch aufsuchen kann – und das gilt angesichts der überall auf der Welt verstreuten Beispiele vermutlich für viele Leser dieses Buchs –, ist auf Pläne, Beschreibungen und Bilder angewiesen. Dass letztere dank exzellenter Architekturfotografie mitunter sehr genau vermitteln können, was der Bezug zum Mobilen bedeutet, zeigt sich exemplarisch bestens an der gelungenen fotografischen Impression eines Einfamilienhauses des Stuttgarter Architekturbüros Steimle (Abb. 2). Wohnhaus trifft Mercedes, könnte man sagen.
Der übliche Platz von Automobilen im Umraum eines Hauses, seien es nun ein oder mehrere Alltagsvehikel oder auch eine Kollektion von Sammlerstücken, ist die Garage, beziehungsweise sind deren Varianten, vom Carport bis hin zur unterirdischen Wagenhalle. Wenn eine besonders empathische Beziehung zu den Gefährten besteht – und das setzen wir hier ja voraus –, dann verbinden sich diese Räume mit dem Gesamtanspruch des Wohnens. Ein gutes Haus lässt also den automobilen Mitbewohnern eine vergleichbar bergende Sorge zukommen, Sicherheit und Wärme oder zumindest Trockenheit. So, wie es das hölzerne Turmhaus in Tirol ausdrückt (Abb. 3), das einen wohlig schützenden Raum unter den weichen Schneemassen anbietet: oben für die Menschen, etwas tiefer für ihre Fahrzeuge.
3Holzrausch und Grünecker Reichelt Architekten (München, D), Turmhaus in Tirol, Gerlosberg (A), 2019
Der Stellplatz ist folglich nicht nur ein funktionaler, sondern auch ein ganzheitlich zu planender Raum des Hauses. Abgesehen von der pragmatischen Bewältigung der Aufgabe des Hin- und Wegfahrens, die uns das oft alternativlose private Verkehrsmittel ermöglichen muss, spielt auch eine fundamental wichtige emotionale Dimension mit. Denn gerade die Beziehung zum Fahrzeug und die Lust am Fahren, die viele von uns genießen, sollte unbedingt einen baulichen Niederschlag finden. Gut zum Ausdruck bringt dies die Äußerung eines Herrn, der Ende der Siebzigerjahre einen tannengrünen Mercedes W 123 und mit diesem eher biederen Wagen dennoch einen maßgeblichen Erlebniswert erwarb: „… nur im Auto und auf der Fahrt bin ich glücklich, ich bin der unglücklichste Ankommende, den man sich vorstellen kann …“ Dieser Herr war der eigenwillige österreichische Schriftsteller Thomas Bernhard, und geparkt wurde in einem seiner sehr speziell restaurierten Bauernhöfe. Offensichtlich aber schaffte es der anspruchsvolle Literat nicht, seinen geliebten Daimler in einer überzeugenden Weise mit der Architektur zu verbinden. Hierfür gibt es nun Anregungen auf den folgenden Seiten.
Die vorgestellten Lösungen erweisen sich dabei auf unterhaltsame Weise „Einfach kompliziert“, wie eines der wunderbaren Theaterstücke Bernhards heißt. Einerseits schaffen sie einen funktionalen Verstauraum für mehrere Quadratmeter Auto, eine Kiste, nichts einfacher als das – andererseits fusionieren sie dabei mit unseren ästhetischen und atmosphärischen Ansprüchen an die Architektur. Und das wird dann kompliziert.
Beispiele für die nun aufwendigere Gemengelage bei der Planung der Unterstellplätze sind einerseits schützenswerte oder im dichten Kontext eingefügte historische Altbauten. Schon die hochwertige bauliche Modernisierung beansprucht viel Einfühlungsvermögen, Können und Aufwand. Dies ist nun auch für die Parksituation nötig. Bei einem alten Stadthaus in Coimbra (Abb. 4–5) entschied sich der Architekt João Mendes Ribeiro für die zurückhaltende Einpassung einer Garage in der dem Haus vorgelagerten Vorgartenterrasse. Die Bewohner ließen sich gerne darauf ein, mit der kreativen und sensiblen Lösung an ein kleines Fahrzeug gebunden zu sein: Ein Smart Fortwo mit lediglich 250 Zentimetern Länge passt wirklich immer.
4–5João Mendes Ribeiro (Coimbra, PT), Robalo Cordeiro House, Coimbra (PT), 2009
Ein weiterer Aspekt sind die lokalen Bauvorschriften oder der stilistische Kontext des Viertels. Ob behördlich gezwungen oder aus eigener Haltung heraus gilt es in solchen Fällen, die Gegenwart mit ihren spezifischen technischen und formalen Anforderungen mit der Gestaltung des Bestands und der lokalen Stilsprache zu homogenisieren. Spannend wird es zudem durch den Einbezug der geparkten Fahrzeuge. Denn auch sie unterliegen den Zeitläuften und der Mode: Alle paar Jahre wird ein Facelift durchgeführt oder es gibt sogar eine Neuauflage des Modells. Welches Auto also könnte passen, was lässt sich kombinieren? Im hier gezeigten Fall eines weiteren portugiesischen Hauses (Abb. 6–7), das von João Tiago Aguiar Arquitectos in einer gekonnten Symbiose aus regionalen Stilismen und ausgesuchten Details 2017 realisiert wurde, verfügten die Klienten bereits über die ideale Ergänzung der mediterranen Baukultur: Sie stellten sich den Klassiker der Branche schlechthin unter das abgeschleppte Ziegeldach – hier in der Ausführung GT3 RS, ebenfalls in Rot.
Restriktive Bauvorschriften können es vor allem Sammlern, die über mehr als nur die Alltagsfahrzeuge verfügen, schwer machen, weitere Vehikel auf dem Grundstück unterzubringen. Wenn es beispielsweise nicht gestattet ist, massiv zu bauen oder unterirdisch zu erweitern, dann ist man auf kreative Planer angewiesen. Bei der charmanten Dreifachgarage mit Zedernschindeldach im belgischen Ternat (Abb. 8–10) wurde nicht nur das natürliche Material Holz eingesetzt, sondern auch der traditionelle, dem Wagen zugeordnete Bautyp der Remise revitalisiert. Er ist der idealtypische Ort des „Zurückstellens“, des Verwahrens – worauf das aus dem Französischen kommende Wort se garer hinweist. Eine ebenso passable, wie schöne und vor allem simple Architektur für Automobile. Die Bilderzählung stellt dies unter Beweis: Zuerst öffnen sich die frontalen Luken langsam, eine nach der anderen. Man hört das Zünden und Grummeln von Motoren. Dann rollen sie heraus – ganz einfach so.
6–7João Tiago Aguiar Arquitectos (Lisboa, PT), Moradia Restelo V, Restelo (PT), 2017
8–10Houtbouw Defreyne (Ardooie, B), Dreifachgarage in Holz, Ternat (B), 2020
Wer aber die Chance hat, unter liberaleren Bedingungen zu bauen, Neues zu denken und einzurichten, der wird sich neben den räumlichen und formalen Parametern eventuell mit den Möglichkeiten einer besonderen Ausstattung befassen. Dies geschieht bisweilen unter dem Druck des Faktischen, etwa wenn man eine größere Garage auf dem Grundstück aus Platz- oder gestalterischen Gründen unter die Erde verlegt und dies nicht mit einer Zufahrtsrampe verbinden möchte. Um welche Dimension es sich auch immer handelt – ein Autolift in Gestalt einer Hubplattform ist angebracht. Er bewegt die Fahrzeuge auf kleinstmöglicher Fläche vertikal und kann sich sogar mittels einer camouflierten Deckplattform aus Pflaster oder Begrünung im Außenbereich unsichtbar machen. Die Eigner einer hochwertigen Villa am Nordufer des Genfer Sees beispielsweise nutzten hierfür einen mit Kieseln und kleinen Felsen bedeckten japanischen Zen-Garten (Abb. 11-13). Ihr Fuhrpark, darunter ein Porsche 356B, senkt sich nun ebenso ästhetisch wie lautlos in die große Tiefgarage unter dem Gebäude.
11–13Autoaufzug im Garten einer Villa in Perroy (CH), Herst.: Cardok SA (Gland, CH)
14–15Ein Mercedes-Benz AMG GT auf einer ParkDisc, KLAUS Multiparking GmbH, Aitrach (D)
Ein fast so spektakuläres Accessoire arrivierter Parkkultur ist die Drehscheibe, die ebenerdig außen wie innen installiert werden kann. Auch sie ist als technisch präsente Metallplatte oder mit einer unauffälligen Oberfläche einsetzbar, die sich im Asphalt oder Beton der Fahrzone optisch integriert. Ein solcher Turntable lohnt sich bei engeren Zufahrten, da er das frontale Hinein- und Hinausfahren erleichtert. Sinnvoll sind solche aufwendigen Ausstattungen auch bei Mehrfachgaragen mit Rangierbedarf (Abb. 14-15). Kleiner Hinweis: Ihr Durchmesser samt Umraum benötigt natürlich mehr als die Länge der zu drehenden Fahrzeuge – sonst droht Blechschaden.
Es ist eher unbekannt, dass es neben dem Öl- und Gummiduft der Fahrzeuge und den verführerischen Lichtreflexen auf dem Lack auch noch andere Angebote gibt, die sich dem sinnlichen Genuss widmen. Eine Firma aus Australien bietet an, das Wagendepot mit einem auf amüsante Weise versteckten Weindepot zu kombinieren (Abb. 16–17). Der Platz im Boden der Garage ermöglicht es jedem, fehlende Kellerfläche durch einen versenkten Spirallageraum auszugleichen – vor Kindern sicher sowie gut temperiert. Und wer statt eines Porsche Jahrgang 2008 nur einen Peugeot Jahrgang 2012 einstellen kann, dem ist es unmittelbar möglich, dieses Manko mit einem Pinot Noir Jahrgang 1995 auszugleichen.
Aus unterschiedlichen Gründen kommt es oft zur Errichtung freistehender Einzelgaragen. Vorproduzierte Exemplare werden dafür von den Herstellern in einer großen Typenvielfalt angeboten. Zu den eindeutig spannendsten gehören multifunktionale Designmodule (Abb. 18), in denen ein hochwertiges Fahrzeug nicht nur geparkt wird. Dank großer Fensterflächen und Illuminierung lässt es sich auch noch wie in einem Ausstellungsraum präsentieren – wie hier ein Ur-911er.
16–17Porsche 997 mit eigenem Weindepot, Spiral Cellars, Wimbledon (UK)
18–19FG1 Garage / Security Carpad, Fahrengold GmbH, Berlin (D)
Darüber hinaus sind weitere Ausstattungs-Gadgets denkbar, beispielsweise die Integration von Staufächern oder Winterrädern. Wer jedoch seinen wertvollen Wagen in einer Großgarage oder einem Showroom parken möchte, dem bietet sich eine geniale Alternative zur abgeschlossenen Kabine an: das Prinzip des Security Carpad (Abb. 19). Das Auto wird dabei auf eine flache Aluminiumplattform gestellt, die es auf Wunsch mit einem umlaufenden LED-Leuchtenband wirkungsvoll in Szene setzt. Bemerkenswert ist vor allem, dass das Carpad zudem hydraulische Klappen ausfährt, um ein ungewolltes Herunterrollen zu verhindern. Bewegung wird sensorisch erfasst und löst Alarm aus. Da steht auch der schöne Maserati MC20 sicher im Freien.
Eine weitere faszinierende Qualifizierung der Parkarchitektur – und zwar des ohnehin schon aufwendigen Carlifts – ist hier anhand eindrücklicher Bilder zu bestaunen. Wem es nämlich zu langweilig sein sollte, für 60 Sekunden ohne Abenteuer in seinem Jaguar E-Type in der Kabine eines Autoaufzugs sanft hoch oder runter gefahren zu werden, der kann sich dort ein 360°-Diorama-Kinoerlebnis installieren lassen: Bergwelt, Tiefsee, Herbstwald, Kosmos … – vielleicht schwimmt auch ein Wal vorbei. Der Nachwuchs wird sich freiwillig in den Wagen setzen (Abb. 20–22)! Und überhaupt – ein E-Type. Über seine automobile Liebe schrieb einst Pete Townshend von „The Who“ ein paar unvergessliche Lyrics, die hier unbedingt wieder einmal vergegenwärtigt werden sollten:
Every lovely spot near or far
You can reach them too in your car
Or you might be there now if you own a jag already
The radio blasting, the girls are glancing
The dash is dancing with gleaming dials
Grace, space, pace/Grace, space, pace
Jaguar, Jaguar, Jaguar, Ja-gu-ar
20–22Immersive Carlift, Herst.: IdealPark, Verona (I)
Obwohl es große Freude bereitet, sich mit einem Vierradfahrzeug durch Stadt und Land zu bewegen, führen auch Motorräder zu äußerst angenehmen Endorphinausschüttungen. Dies mag der Grund sein, warum jene sich sowohl in Sammlungen als auch in manchen privaten Fuhrpark einreihen. Bei einer größeren Garage wird man damit keine Schwierigkeiten haben – architektonisch bedarf es a priori keiner spezifischen Baumaßnahme. Dennoch gibt es fordernde Situationen: Beispielsweise das keineswegs seltene Szenario eines Großstädters, der sich eine komfortable Etagenwohnung in einem Apartmenthaus einrichten will. Plant man nun, sein geliebtes Bike dorthin mitzunehmen, was ja bei echten Petrolheads durchaus verständlich ist, sollte man die Miteigentümer überzeugen können, einem zu gestatten, das durchaus nicht leichte Vehikel im Aufzug zu transportieren. Dann steht dem gemeinsamen Wohnen nichts mehr im Weg, und die Architekten dürfen sich überlegen, wie sie diese Symbiose in eine überzeugende Raumgestaltung gießen. Exemplarisch gelungen ist dies bei einem 180 Quadratmeter großen Prager Penthouse (Abb. 23–24), in dem sich – quasi als starker Gegenspieler – dem Honda Café Racer ein spektakulärer Weintresor beigesellt. Die Architekten nennen diesen Wohn- und Genussraum Signature Space. Man sollte bei der Verwendung beider Ausstattungselemente der Wohnung allerdings die Reihenfolge der Nutzung nicht vertauschen: immer zuerst das Bike, dann der Wein.
23–24Archicraft (Prag, CZ), Motorcycle Residence, Prag (CZ), 2019
25–26Chadbourne + Ross Architects (Seattle, USA), Cycle House, Seattle (USA), 2012
27–28DDAANN + MJÖLK (Prag, CZ), Guest apartment, Prag (CZ), 2015
