Hausboot für Anfänger - Stefan Mack - E-Book

Hausboot für Anfänger E-Book

Stefan Mack

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Beschreibung

Lust auf Abenteuer im Urlaub? Mal wieder richtig frische Luft um die Nase, Spaß am Nervenkitzel und kleines Workout für die Figur nebenbei? Mit Aufregung und Romantik gleichzeitig? Und das alles ohne aufwändige Fernreisen, Hotels mit Baulärm und Terrorgefahr? Mit einem mobilen Servicedienst, überall, wo man Hilfe braucht? Mieten Sie ein Hausboot! Es ist vielleicht das letzte Abenteuer, das Sie noch in heimischen Landen erleben können, ohne dass man sich einer wirklichen Gefahr für Leib und Leben aussetzt. Auf dem Wasser sind Sie noch der Kapitän, und so spricht auch die Bedienungsanleitung den erlebnisfreudigen Interessenten an. Es ist auch wirklich toll, mit einer Wohnung und allem Komfort über die wunderbaren deutschen Wasserstraßen und die der angrenzenden Länder zu schippern. Mit genau dem Abstand zu anderen Urlaubern, den man selbst für richtig empfindet! Aber, Vorsicht! Natürlich kann jeder ein Hausboot steuern. Dennoch, es hilft, wenn man Erfahrungen in die Hand bekommt, die über die Bedienungsanleitung hinausgehen. Und vor allem solche, die aus der selbsterlebten Praxis stammen. Manche Erfahrungen muss nicht jeder neu machen. Dieses Buch hilft, Gefahren zu vermeiden und einen Aktiv-Urlaub der besonderen Art zu genießen. Von dem Sie hinterher viel zu erzählen haben. So wie wir.

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Seitenzahl: 90

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Stefan Mack

Hausboot für Anfänger

Mit einer Pénichette unterwegs

Ein Buch, um Anfänger zu tröstenund Erfahrene zum Schmunzeln zu bringen

Tiefen Dank an alle Einwohner, Anrainer, Darsteller, Mitspieler und Zuträger in den herrlichen Weiten der Mecklenburgischen Seenwelt.

Stefan Mack, 2014

Stefan Mack

Hausboot für Anfänger

1 Auflage, Juni 2014

2. (erweiterte) Auflage Oktober 2015

© Ahead and Amazing Verlag, Ostenfeld 2014

Alle Rechte vorbehalten.

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt.

Jede Verwendung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigung, Übersetzung, Mikroverfilmung und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Covergestaltung und Layout: Indigo Kid

Alle Bildrechte (89) liegen beim Autor, ausgenommen die der Bilder auf den Seiten: 21,30,35,41,45,46,49,50,86,94,97,102,104,115.

Vielen Dank hierfür (14) an Bernadette und Paul Jansing

(www.b-jansing.de)

Printed in Germany

ISBN (Print): 978-3-933305-49-7

ISBN (E-Book): 978-3-933305-98-5

Ahead and Amazing Verlag, Jelinski GbR, Magnussenstr. 8, 25872 Ostenfeld

www.aheadandamazing.de

„Auf dem Wasser geht alles langsam!“

Erfahrener Hausboot-Kapitän

„Ja, stimmt, es war anstrengend.Aber es war toll!“

Frau Mack

Vom gleichen Autor:

Nordfriesland für Anfänger

ISBN (Print): 978-3-933305-60-2

ISBN (E-Book): 978-3-933305-95-4

Nordfriesland rettet die Welt!

ISBN (Print): 978-3-933305-67-1

ISBN (E-Book): 978-3-933305-96-1

Inhalt

Vorwort

Kopfsprung ins Abenteuer

Eine Wohnung, die schwimmt

Sie fährt, sie fährt! – Wie kommt man zurück?

Wasser, Wind und spitze Tonnen

Kanäle, Einfahrten und Adrenalin

Schleusenpanik

Lass fallen Anker!

Endlich ein Liegeplatz!

Radtouren und Einkaufsbummel

Geben und Nehmen im Hafen

Leben und Arbeiten an Bord

Halt die Mütze fest!

Eng wie im Flaschenhals

Radfahrer der Seenplatte

Was bleibt nach dem ersten Mal?

Wiederholungstäter

Ein Hoch auf Bugstrahlruder

Vom Umgang mit Einheimischen

Die Zukunft der Urlaubsregion

Kleine Checkliste gegen böse Überraschungen

Vorwort

Es gibt unzählige Arten, seinen Urlaub zu verbringen. Und noch unzähligere Schriftwerke, die sich darauf beziehen. Die einen Interessenten heranführen wollen, neugierig machen, Sehenswürdigkeiten anpreisen oder einfach nur angetreten sind, mit netten Kommentaren eine Reise zu begleiten.

Wir machen es mal anders. Sie begleiten uns. Und wenn Sie genau wie wir mit dieser Art Urlaub noch nie etwas zu tun hatten, umso besser. Dann haben wir sehr viel gemeinsam. Sollten Sie sogar auf dieses Büchlein gestoßen sein, weil Sie die nächsten Ferien genau so verbringen möchten, dann haben Sie den perfekten Vor-, Dabei- und Nachher-Lesestoff gefunden. Versprochen.

Ich selbst hätte mir dieses Büchlein gewünscht. Zu jeder dieser Zeiten. Ich bin ganz sicher, spätestens nach dem Urlaub werden Sie mir beipflichten. Möglicherweise werden Sie neu buchen. Weil Sie Blut geleckt haben. Trotz allem oder gerade deswegen.

Und vielleicht können Sie dann noch mehr erzählen. Sie werden ihr Publikum auf keinen Fall langweilen. Ein Fotooder Videoabend kann erhebliche Spuren in Ihrem Weinkeller hinterlassen. Und wenn Sie nur Tee trinken: Machen Sie schon mal eine größere Kanne. Es lohnt sich!

Stefan Mack, im Herbst 2013

Und noch mal 2015

Kopfsprung ins Abenteuer

„Weißt du, wo wir dieses Jahr Urlaub machen? Auf einem Hausboot! Hier schau mal: Führerscheinfrei, keine Kenntnisse nötig!“

Mit diesen Worten überraschte ich eines Tages meine Frau im Büro.

„Hausboot? So wie in Amsterdam? Ja, das kenne ich, das ist toll!“

„Und wir fahren noch ein bisschen herum. Hier schau mal, das gibt es auch in Deutschland, in Mecklenburg! Dazu hätte ich wirklich Lust, mal diese vielen schönen Seen kennen lernen!“

So begann das Abenteuer, und ich bin überzeugt, bei vielen anderen hat es sich ähnlich abgespielt, bevor sie das erste Mal eine Pénichette, die französische Version eines bewohnbaren Schiffes1, betraten. Sie kamen genauso grün hinter den Ohren zu diesem Abenteuer. Und haben sich genauso schlecht vorbereitet - wie wir. Aber wie sollte man auch? Wer hat schon so ein Hausboot vor der Tür, um damit mal eben zu üben? Und sich vielleicht genaue Gedanken darüber zu machen? Selbst für erfahrene Wassersportler wie Segler oder Kanuten ist diese Bootsklasse eine ziemlich neue Erfahrung.

Die Pénichette ist eine französische Variante des Lebens auf dem Wasser, extra konstruiert für einen großen Hausbootverleih. Sie sehen aus wie kleine Ausflugsdampfer. Die breiten, runden Linien erwärmen sofort das Herz des Betrachters. Der knuffige Bug erinnerte mich an ein Kinder-Puzzle von der Arche Noah, die geschwungenen Linien der Aufbauten machten einen eleganten, fast mondänen Eindruck und die Bilder, die Prospekte und Internet füllen, erzählen von einer traumhaften Leichtigkeit des Seins.

Ringsherum läuft ein dicker Gummisaum und auch die großzügige Ausstattung mit weiteren Kollisionsdämpfern, rollenförmigen Fendern, erschleicht sich das Vertrauen des laienhaften Betrachters. Und wie das junge Mädchen fröhlich lächelnd vom Fahrstand herunterwinkt! Kurz gesagt: Dieser Bootstyp ist ein Gewinner!

Auch das Innere ist überzeugend. Jeder Zentimeter macht den Eindruck, als wären die praktischen Erfahrungen von Generationen von Konstrukteuren verarbeitet worden. Das Interieur ist überzeugend funktionell, dabei noch von einer stillen Eleganz.

Und es ist alles da. Die Küche ist beinahe wie zu Hause, nur viel kleiner. Gasherd, Spüle, Kühlschrank, Geschirrschrank, geräumige Schubladen und sogar ein Backofen. Die abgerundete Sitzecke verspricht angeregt-kuschelige Abende in trauter Runde.

Die abschließbaren Schlafzimmer versprechen die Wahrung der persönlichen Sphäre und die funktionell ausgereizten Nasszellen mit WC und Dusche lassen keinerlei Abstriche bei der Körperpflege vermuten.

Die Fahrstände mit zünftigem Steuerrad und solid state-Zeigerinstrumenten überzeugen den Hobby-Kapitän von seiner Souveränität.

Ringsherum ein positiver Eindruck. Kein Wunder, wenn manche Leute bei der ersten Einweisung fröhliche oder entzückte Laute ausstoßen. Alles erscheint kinderleicht und verspricht Entspannung und Erholung.

Die Wahrheit ist erheblich anders. In dem Moment, wenn der erste Meter Abstand zum Anleger klafft, beginnt das Abenteuer. Und es ist immer anders, nie langweilig, und oft reine Nervensache. Ich würde es Aktivurlaub nennen. Nichts für Leute, die sich in den Ferien mal so richtig ausruhen wollten. Selbst dann nicht, wenn man gar nicht losfährt.

1 Pénichette ist eine spezielle Entwicklung für die Firma Locaboat

Eine Wohnung, die schwimmt

Schön ist das ja: Man hat alles dabei. So etwas überzeugt sowohl diejenigen, die Urlaub machen, um unterwegs zu sein, als auch die eingesessenen Hausfrauen und –männer. Man kann jederzeit eine leckere Mahlzeit bereiten oder einen Kaffee kochen. Soweit die Theorie und der Katalogeindruck.

Eine Pénichette ist eine komplette Wohnung, das ist nicht zu leugnen. Sie schwimmt allerdings. Das ist Vorteil und Warnung zugleich. Eine schwimmende Heimstatt kann natürlich nicht den Platz bieten, den man von zu Hause gewöhnt ist. Es ist mehr wie ein Camping-Urlaub. Mit dem feinen Unterschied, dass man diesen Wohnwagen nicht immer verlassen kann.

Wenn man unterwegs ist, gibt es nur das Schiff. Für echte Landratten ist das gewöhnungsbedürftig. Sich während der Fahrt die Beine vertreten, stößt auf gewisse Grenzen. Innen hat man ungefähr fünf Meter freie Bahn, wenn niemand im Weg steht. In den größeren Booten vielleicht einen Meter mehr. Also vielleicht draußen?

Ja, es gibt einen Gang rund um das Schiff. Ich bin ihn auch ein paar Mal gegangen. Nach vorn zum Bug, auf der anderen Seite zurück, Treppe hoch zum Fahrstand und wieder Treppe runter.

Und dabei habe ich mich meist sehr gut festgehalten. Ein Geländer (in der Seefahrt sagt man Reling dazu), das irgendwo in Höhe des Oberschenkels zu Ende ist, weckt keine Sicherheitsgefühle.

„Ha, ihr Landratten!“, werden die Erfahrenen sagen.

„Auf Schiffen ist das eben so. Angsthasen bleiben zu Hause!“

Von Mut steht nichts im Katalog. Und das Angebot richtet sich auch eindeutig an Nicht-Seeleute. Der große Spaß für Jedermann, ruft die Werbung.

In der Realität gibt es dann die Möglichkeit, Mut und Körperbeherrschung zu entwickeln. Wer sie nicht nutzt, hat ein größeres Problem.

Tatsache ist aber, dass es auf engstem Raum sehr komfortabel ist. Wir haben unseren Urlaub zu zweit verbracht, so hatte jeder sein eigenes „Zimmer“. Eigentlich hatten wir es anders geplant, aber alle, die wir ansprachen, konnten sich nicht freimachen.

Es macht natürlich auch viel Spaß, eine Pénichette als Gruppe zu nutzen. Man sollte sich aber überlegen, mit wem man das tut. Man muss sich schon mögen. Wie schon erläutert, ist das Platzangebot sehr begrenzt. Man lebt also ständig mit Körperkontakt. Das mag oft sehr schön sein, aber wenn es um intimere Dinge geht, hilft es, wenn man ein dickes Fell hat. Die Wände sind aus Pressspanplatten und besonders nachts hört man jedes Geräusch.

Nun ja, vielleicht nicht jedes. Aber die Spülgeräusche der Weltraumtoilette durchdringen das gesamte Schiff. Schallleitung in einem geschlossenen System, so hat man früher Kommandos an den Maschinenraum übermittelt. Und die sollten verstanden werden.

Unterwegs haben wir überlegt, mit wem wir das Abenteuer noch einmal angehen würden. Viele blieben nicht übrig.

Man kann zum Beispiel auch keine Leute einladen, die immer eine größere Garderobe mit sich führen müssen, egal ob zur Auswahl oder weil sie sich ständig frisch anziehen müssen. Natürlich gibt es Schränke, aber was an Platz für jeden übrig bleibt, ist kaum mehr als das, was ein größerer Koffer hergibt. Beschränkung ist angesagt, am besten sind Taschen oder Rucksäcke. Die kann man nach dem Auspacken zusammenfalten. Ganz toll sind faltbare Plastikkisten, nicht nur für Wirtschaftsartikel. Hartschalenkoffer behalten auch ausgepackt ihre Größe und stehen im Weg.

Ähnliches gilt für die Küche. Die Einrichtung ist genau abgezirkelt und Geschirr und Besteck ebenso. Am besten, man markiert sich seine Tasse, denn dauerndes Abwaschen würde Wasservorrat und Batterie unnötig strapazieren. Oder man ist in dieser Richtung völlig schmerzbefreit und stört sich nicht an Gemeinschaftsbenutzungen.

Denn eins ist klar: Man hat nur mit, was man mit hat. Wasser, Strom und Gas kommen nicht unbegrenzt aus der Leitung. Sind Tank und Druckflasche leer und die Batterie ausgesaugt, muss man einigen Aufwand treiben, um Abhilfe zu schaffen – meist erst im Hafen möglich.

Und fahren will man ja, sonst hätte man sich besser eine Ferienwohnung an Land mieten sollen.

Die anmutige Schlichtheit des oberen Fahrstandes verführt zu der Einschätzung, fahren wäre auch ganz einfach.

Sie fährt, sie fährt! – Wie kommt man zurück?

Hätte man einen Bootsführerschein gebraucht, hätten wir nicht gebucht. Wir haben uns die Woche ohnehin mühsam aus unserem Selbstständigkeitsdasein freigeräumt. Andere kommen möglicherweise, weil es so kinderleicht aussieht. Und genau das ist der Erfolg der Werbung.

„Sie bekommen eine Einweisung!“, wurde uns versprochen. Da waren wir erstmal beruhigt und haben uns, auch aus Zeitgründen, nicht weiter mit den vorab gelieferten Unterlagen beschäftigt. Hätten wir mal tun sollen.

Die Informationen, die in den ersten Stunden an Bord auf uns herabprasselten, überschritten locker unser Aufnahmevermögen.

„Nein, nein, wir wollen nicht über die Müritz. Das ist uns viel zu weit. Nur mal hier so rumschippern und ein bisschen Ausflüge machen!“, hatte ich eingangs vermeldet.

Das besorgte Gesicht des Einweisers erhellte sich nur unwesentlich. Wir hatten uns als komplette Laien ausgegeben und, ja, er gab sich Mühe, die Angelegenheit auf ein kindgerechtes Niveau herunterzuholen. Kindgerecht natürlich aus seiner Sicht. Wir wissen jetzt, was das wirklich bedeutet.