9,99 €
Ein Ratgeber, der Körper, Geist und Seele berührt - Heilung durch Jin Shin Jyutsu® Die Bestseller-Autorin und engagierte Vertreterin der Jin-Shin-Jyutsu-Heilkunst Alice Burmeister weiß: Die wahre Ursache aller Erkrankungen liegt in der Blockade körpereigener Energieströme. Jin Shin Jyutsu, eine Heilkunst aus Japan zur Harmonisierung der Lebensenergie, dient dazu, diese Energieblockaden zu lösen. Durch Berührung und gezielten Druck der Hände an 26 spezifischen Körperpunkten sowie speziellen Atemtechniken kann nicht nur präventiv die eigene Gesundheit gestärkt werden. Die zahlreichen praktischen und einfach ausführbaren Übungen im Jin Shin Jyutsu können von jedem praktiziert werden, um vor allem Schmerzzustände und chronische oder akute Krankheiten zu lindern oder sogar zu heilen. In ihrem Buch "Heilende Berührung" erklärt Burmeister nicht nur die Grundlagen dieser Heilpraktik. Illustrationen zeigen außerdem bei jeder der klassischen Übungen sowie bei jeder Erste-Hilfe-Maßnahme die genaue Fingerposition bzw. die Druckstelle auf dem Körper an. Ein Ratgeber, der jeden auf dem Weg der Genesung mithilfe von zahlreichen kompetenten täglichen Übungs-Sequenzen und Sofortmaßnahmen bei akuten Beschwerden ganz praktisch begleitet. Erfahren Sie heilende Berührungen mit Jin Shin Jyutsu.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 193
Veröffentlichungsjahr: 2015
Alice Burmeister / Tom Monte
Körper, Seele und Geist mit Jin Shin Jyutsu® behandeln
Aus dem Amerikanischen von Edith Steffen
Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG.
Nach der Überzeugung von Jiro Murai, dem Begründer der Lehre des Jin Shin Jyutsu®, liegt die wahre Ursache aller Erkrankungen in der Blockade körpereigener Energieströme. Mit Jin Shin Jyutsu® wird dieser Energiefluss durch die Berührung spezif ischer Körperpunkte und durch spezielle Atemtechniken wieder harmonisiert. Diese Übungen kann jeder praktizieren, um Schmerzzustände sowie chronische und akute Krankheiten zu lindern.
Die vielen praktischen Übungen sind einfach nachzuvollziehen und können leicht in den Alltag integriert werden.
Widmung
Vorwort
Einführung
Ein einfacher Weg zu Gesundheit und Ausgeglichenheit
1. Die Grundlagen der Heilkunst
Das Leben in allen Dingen
Die vergessene Kunst wird wiederentdeckt
Die Grundgedanken
Das erste Tor zur Harmonie
Die sechsunddreißig Atemzüge
2. Die Tiefen und Einstellungen
Die Hände als »Starthilfekabel«
Tiefen und Einstellungen
Die sechste Tiefe
Sechste Tiefe
Die erste Tiefe
Erste Tiefe
Die zweite Tiefe
Zweite Tiefe
Die dritte Tiefe
Dritte Tiefe
Die vierte Tiefe
Vierte Tiefe
Die fünfte Tiefe
Fünfte Tiefe
3. Die Dreieinigkeitsströme
Was ist ein Strom?
Der Hauptzentralstrom:Die Quelle des Lebens
Projekt 1: Harmonisierung mit der Lebensquelle
Die Betreuerströme
Projekt 2: Die Betreuerströme
Die diagonalen Vermittlerströme
Projekt 3: Harmonisierung der Vermittlerströme
4. Sicherheitsenergieschlösser 1 bis 15
Die Sicherheitsenergieschlösser der ersten Tiefe (1 bis 4)
Sicherheitsenergieschloß 1: Der Urbeweger
Sicherheitsenergieschloß 2: Weisheit
icherheitsenergieschloß 3: Die Tür
Sicherheitsenergieschloß 4: Das Fenster
Die Sicherheitsenergieschlösser der zweiten Tiefe (5 bis 15)
Sicherheitsenergieschloß 5: Erneuerung
Sicherheitsenergieschloß 6: Gleichgewicht und Unterscheidungsfähigkeit
Sicherheitsenergieschloß 7: Sieg
Sicherheitsenergieschloß 8: Rhythmus, Stärke und Frieden
Sicherheitsenergieschloß 9: Ende eines Zyklus, Anfang eines neuen
Sicherheitsenergieschloß 10: Speicher der Fülle
Sicherheitsenergieschloß 11: Die Lasten aus Vergangenheit und Zukunft entladen
Sicherheitsenergieschloß 12: Nicht mein Wille, sondern Dein Wille
Sicherheitsenergieschloß 13: Liebe deine Feinde
Sicherheitsenergieschloß 14: Gleichgewicht, Nahrung
Sicherheitsenergieschloß 15: Reinige unsere Herzen mit Lachen
5. Sicherheitsenergieschlösser 16 bis 26
Die Sicherheitsenergieschlösser der dritten Tiefe (16 bis 22)
Sicherheitsenergieschloß 16: Umwandlung
Sicherheitsenergieschloß 17: Fortpflanzungsenergie
Sicherheitsenergieschloß 18: Körperbewußtsein und Persönlichkeit
Sicherheitsenergieschloß 19: Vollkommenes Gleichgewicht
Sicherheitsenergieschloß 20: Immerwährend, Ewigkeit
Sicherheitsenergieschloß 21: Tiefe Sicherheit und Entkommen aus geistiger Gefangenschaft
Sicherheitsenergieschloß 22: Vollständige Anpassung
Das Sicherheitsenergieschloß der vierten Tiefe (23)
Sicherheitsenergieschloß 23: Wächter des menschlichen Schicksals, Aufrechterhalten des einwandfreien Kreislaufs
Die Sicherheitsenergieschlösser der fünften Tiefe (24 bis 26)
Sicherheitsenergieschloß 24: Chaos harmonisieren
Sicherheitsenergieschloß 25: Stilles Erneuern
Sicherheitsenergieschloß 26: Der Direktor, absoluter Frieden, absolute Harmonie
6. Die Organströme
Der Weg zur Harmonie
Die zwölf Organströme
Lungenfunktionsenergie
Dickdarmfunktionsenergie
Magenfunktionsenergie
Milzfunktionsenergie
Herzfunktionsenergie
Dünndarmfunktionsenergie
Blasenfunktionsenergie
Nierenfunktionsenergie
Zwerchfellfunktionsenergie
Nabelfunktionsenergie
Gallenblasenfunktionsenergie
Leberfunktionsenergie
7. Allgemeine tägliche Sequenzen
Vordere aufsteigende Energiesequenz
Vordere absteigende Energiesequenz
Rückwärtige absteigende Energiesequenz
8. Harmonisieren mit Fingern und Zehen
Fingerposition 1: Die Belastungen und Blockaden ausatmen
Fingerposition 2: Die Fülle einatmen
Fingerposition 3: Zur Ruhe kommen und neu beleben
Fingerposition 4: Allgemeine Alltagsermüdungen lösen
Fingerposition 5: Vollkommene Neubelebung
Fingerposition 6: Freies Atmen
Fingerposition 7: »Schmutz, Staub und schmierigen Dreck« ausatmen
Fingerposition 8: Den gereinigten Lebensatem einatmen
Die Verbindung zwischen Händen und Füßen
Handflächen und Fußsohlen: Neubelebung des gesamten Wesens
Gegenüberliegende Finger und Zehen
9. Erste Hilfe und Sofortmaßnahmen zur Heilung
Anhang
Danksagungen
In liebevoller Erinnerung an Gilbert C. Burmeister
Meine Eltern waren Geschichtenerzähler. Ich wuchs damit auf, Geschichten aus der Mythologie und aus uralten Zeiten zu hören. Oft erinnere ich mich an eine Geschichte, die sich auf einem Marktplatz im antiken Griechenland abspielte:
Zwischen zwei Männern kam es zu einem Kampf. Unter den dabeistehenden Menschen befand sich auch Pythagoras, der große Mathematiker und Philosoph. Als gerade einer der Kämpfer kurz davor war, den anderen mit seinem Schwert zu treffen, nahm Pythagoras seine Laute auf und ließ einen einzigen klaren Ton erklingen. Als der wütende Mann diesen Ton vernahm, legte er sein Schwert nieder und ging fort.
Pythagoras’ Verständnis harmonischer Beziehungen half ihm dabei, den einen vollkommenen Ton auszuwählen, der den Mann beruhigen konnte.
Die Heilkunst des Jin Shin Jyutsu hilft uns, diesen Ton, diesen vollkommenen Ausdruck der Harmonie, der in uns allen existiert, zu finden. Diese Kunst ist Philosophie, Psychologie und Physiologie zugleich. Sie führt uns eine Seinsweise vor, bei der wir die kosmische Einheit verstehen, uns selbst erkennen und selbst helfen können.
Ein Freund sagte einmal, daß Jin Shin Jyutsu »auf komplizierte Weise einfach« sei. Wer die tiefgreifende Bedeutung dieser Physio-Philosophie versteht, wahrhaft respektiert und ihre Praktiken entsprechend befolgt, sollte sich weder durch die Größe dieser Kunst einschüchtern lassen, noch sich ängstlich um ihre Ausübung sorgen. Es handelt sich hierbei nicht um die Anwendung einer Technik, sondern um die Vorführung einer Kunst, um das einfache Sein eines Kanals, durch den die unendlichen Kräfte des Schöpfers fließen.
Jin Shin Jyutsu ist eine lebenslange Reise zu Selbsterkenntnis und Harmonie. Dieses Buch versteht sich als Straßenkarte für diese Reise. Es hilft dem Leser, die richtige Richtung einzuschlagen und zeigt, wie die Reise fortgesetzt wird. Das Erlernen der Reiseroute ist dabei nur der erste Schritt. Die Fortdauer der Reise hängt von der Befolgung der anerkannten Praktiken der Kunst und von einer unbelasteten Zwiesprache mit dem Schöpfer ab. Möge die Reise des Lesers so gesegnet sein wie die meinige.
Mary Burmeister
Im Jahre 1977 nahm Celeste Martin an einer Immobilienkonferenz in New Orleans teil – ein seltenes Ereignis für sie, da sie nur dann reisen konnte, wenn ihre Gesundheit dies erlaubte. Celeste litt an Phlebitis, einer lebensbedrohlichen Krankheit, die zu Blutgerinnseln führt. Als vorbeugende Maßnahme mußte sie mehrmals täglich ein Blutverdünnungsmittel einnehmen und ihr Blut regelmäßig ärztlich untersuchen lassen.
Celeste litt bereits seit neunzehn Jahren an dieser Krankheit und war deswegen auch schon häufig im Krankenhaus gewesen. Aufgrund von Blutgerinnseln hatte man bereits die großen Rosenadern der Beine entfernen müssen, und zweimal hatte sich ein Blutgerinnsel in der Lunge gebildet. Diese beiden Lungenembolien hätten ohne entsprechende medizinische Eingriffe tödlich ausgehen können. Ferner hatte sie aufgrund von kleineren Embolien verschiedene transitorische ischämische Attacken erlitten, und die chronisch geschwollenen Beine sowie eine schlechte Durchblutung machten es erforderlich, daß ihre Beine mit elastischen Stützverbänden bandagiert werden mußten.
In einer Art Aufbegehren gegen die Begrenzungen, die ihr durch die Krankheit auferlegt waren, entschied sich Celeste nun plötzlich dazu, all dem für eine Woche zu entrinnen und zu dieser Konferenz zu fahren. Dort kam eines Tages, wie aus heiterem Himmel, ein Mann namens Charles auf sie zu, der ihr einen merkwürdigen Ratschlag erteilte: »Wenn Sie nicht mehr weiter so aussehen möchten, als wären Sie halbtot, wüßte ich eine Frau, die Ihnen helfen kann.«
Die Frau, die Charles meinte, war Mary Burmeister, Lehrerin und Praktikerin einer wenig bekannten Heilkunst namens Jin Shin Jyutsu. Als Charles erklärte, daß Jin Shin Jyutsu durch nichts anderes als die einfache Anwendung der Hände enorme Ergebnisse erzielen könne, reagierte Celeste sofort skeptisch. Ihre einundzwanzigjährige Tätigkeit als Krankenschwester, ihre Ausbildung und ihre Erfahrungen hatten ihr eine Lebensanschauung vermittelt, in der diese Information keinen Platz fand. Sie fuhr mit dem Gedanken zurück nach New Jersey, daß Charles zwar ein interessanter Mann war, aber keine Bedeutung für sie hatte.
Einen Monat später kam Celeste von der Arbeit nach Hause und hatte ein seltsames kribbelndes Gefühl in ihrem Gesicht, als wäre sie in ein dickes Spinnennetz gelaufen. Noch am gleichen Tag verlor sie auch noch jegliches Gefühl und sämtliche Kraft in der linken Hälfte ihres Körpers. Bemerkenswerterweise rief Charles ausgerechnet an jenem Abend an, um sich nach ihrem Befinden zu erkundigen. Als sie ihm von ihren Symptomen erzählte, bat er sie aufzulegen und sich in der Nähe des Telefons aufzuhalten. Er wollte sie gleich zurückrufen. Charles rief Mary Burmeister an, die ihm Anweisungen gab, wie Celeste selbst zur Linderung der Symptome beitragen konnte. Charles rief zurück und übermittelte Celeste die Informationen. In den folgenden Stunden führten ihre Kinder die Anweisungen aus. Sie legten ihre Hände auf die entsprechenden Stellen von Celestes Körper. Um zwei Uhr morgens waren alle Symptome verschwunden.
»Am nächsten Tag wäre ich ins Krankenhaus eingewiesen worden«, erinnert sich Celeste. »Aber statt dessen ging ich zur Arbeit.« Am Abend rief Charles noch einmal an. Als sie ihm erzählte, daß die Symptome verschwunden seien, antwortete er: »Glauben Sie mir jetzt, was ich Ihnen erzählt habe?«
Celeste glaubte ihm, und Anfang April fuhr sie für zehn Tage nach Scottsdale in Arizona, um sich mit Jin Shin Jyutsu behandeln zu lassen. Mary Burmeister war zu jener Zeit verreist, so daß der langjährige Jin Shin Jyutsu-Praktiker Pat Meader Celeste behandelte. Pat arbeitete mit Celeste in zwei Sitzungen pro Tag, von denen eine am Morgen und eine am Nachmittag stattfand. Im Lauf der neunten Sitzung hatte Celeste auf einmal das seltsame Gefühl, verwandelt zu werden, so als würde sich eine tiefsitzende Blockade in ihrem Inneren lösen. Es war ihr, als würde Energie frei in ihrem Inneren fließen. Später an jenem Tag erhielt Celeste einen Anruf. Ohne nachzudenken stand sie auf und ging zum Telefon und bemerkte erst, als sie den Hörer abnahm, daß sie keine Schmerzen in den Beinen hatte. Ganz im Gegenteil – ihre Beine fühlten sich kräftig und frei beweglich an. Plötzlich stieß sie einen Freudenschrei aus: »Ich habe keine Schmerzen in meinen Beinen!«
Bei ihrer Rückkehr nach New Jersey wurde Celeste von ihrem Cousin am Flugplatz abgeholt. Der Cousin erkannte sie kaum wieder. Und nachdem sie wieder zu Hause war, wurde sie einer umfassenden medizinischen Untersuchung unterzogen, die ergab, daß sowohl der Blutdruck als auch die Blutgerinnungsmechanismen völlig normal waren. »Was haben Sie gemacht?« fragte der Arzt. Celeste erklärte es ihm. »Nun, was immer es ist, machen Sie weiter damit.«
An diesem Punkt wußte Celeste, daß sie wieder genesen war. »Ich hatte keine Angst mehr«, erinnert sie sich. »Ich hatte immer mit der Angst gelebt, daß sich ein Blutgerinnsel lösen und mich plötzlich töten würde. Diese Angst war nun völlig verschwunden.« Mit 44 Jahren hatte sie das Gefühl, neu geboren zu sein.
Celestes Erfahrung ist bemerkenswert, aber keineswegs atypisch. Das Leben zahlloser anderer Menschen ist durch den Kontakt mit Jin Shin Jyutsu auf dramatische Weise verbessert worden. Wie Celeste waren viele zuerst skeptisch, was die Möglichkeiten der Heilung betraf. Diese Kunst ist so entwaffnend einfach und sanft, daß sich viele über ihre Wirksamkeit nur wundern können. Und doch ist ihr subtiler Charakter eine der grundsätzlichen Komponenten ihrer Wirksamkeit. Eben weil es auf so sanfte Weise eingreift, ermöglicht es Jin Shin Jyutsu dem Behandelten, sich leichter zu fühlen und sich dem Heilungsprozeß mehr zu öffnen.
Jin Shin Jyutsu ist jedoch weitaus mehr als ein besseres Placebo. Seine Prinzipien und Praktiken sind in uralten, lange vergessenen Heiltraditionen verwurzelt. Die Kunst wurde, wie wir gleich sehen werden, nach Jahren sorgfältiger und systematischer Nachforschungen eines Mannes – des Meisters Jiro Murai – wiederentdeckt. Murai gab sein Wissen später an Mary Burmeister weiter.
Mary Burmeisters Ehemann Gil teilt das folgende Erlebnis mit, das hervorragend die Subtilität, aber auch die Kraft dieser Heilkunst illustriert. Nach dem zweiten Weltkrieg diente Gil in Japan als Zivilangestellter bei der amerikanischen Armee. Nicht lange nachdem Mary in Japan angekommen war, lernte sie Gil kennen, der schon bald ihr Verehrer wurde. In der Zwischenzeit war Mary eine Schülerin von Jiro Murai geworden.
Zu jener Zeit litt Gil an einem chronischen rektalen Juckreiz, der schließlich zur Entstehung einer Fistel führte, die operativ entfernt werden mußte. Doch sogar nach der Operation bestand der Juckreiz fort. Kein Medikament konnte diese Unannehmlichkeit lindern. Ein Jahr nach der Operation schlug Mary vor, daß sich Gil von Jiro Murai behandeln lassen könnte. Gil war einverstanden.
Gil betrat den spärlich eingerichteten Raum des Meisters Murai, dessen einziger sichtbarer Einrichtungsgegenstand eine weiße Matte war, die in der Mitte des Holzfußbodens lag. Murai lud Gil ein, sich auf die Matte zu legen. Gil folgte der Einladung, und der Lehrer legte seine Hände auf ihn. In dem Augenblick, in dem Gil die Berührung Murais spürte, schien eine enorme Welle an Energie seinen Körper zu durchdringen. »Ich hatte so ein Gefühl von rauschender Energie«, erinnerte sich Gil viele Jahre später daran. Er schlief sehr schnell ein und lag viele Stunden schlafend da.
In der Zwischenzeit tat Murai nichts anderes, als seine Hände auf verschiedene Stellen von Gils Körper zu legen. Als Gil später erwachte, war der Juckreiz verschwunden und kehrte nie wieder zurück.
Murai war ohne Frage ein ausgezeichneter Mann, und seine peinlich genauen Forschungen vermittelten ihm ein tiefes Verständnis der Komplexität des menschlichen Körpers. Dies ermöglichte es ihm, die Quelle von Gils Leiden einzukreisen.
Das Wichtigste an diesem Verständnis war jedoch, daß es Murai dazu führte, das Bewußtsein einer Heilkunst wiederzuerlangen, die sowohl einfach als auch breitgefächert in der Anwendung ist. Jeder der es wünschte, so stellte er fest, konnte diese Kunst erlernen und sie zum eigenen und zum Nutzen anderer anwenden. Um zukünftigen Generationen die Gelegenheit zu verschaffen, Jin Shin Jyutsu zu erlernen, teilte er alles, was er konnte, der jungen Mary Burmeister mit.
Heute, mehr als vierzig Jahre später, hat Mary Menschen aus allen Teilen der Welt in Jin Shin Jyutsu unterrichtet. Eine ihrer Schülerinnen ist Celeste Martin. Kurz nachdem sie ihre bemerkenswerte Genesung erlebte, beschloß Celeste, sich dem Studium und der Ausübung von Jin Shin Jyutsu zu widmen. Ja, es dauerte gar nicht lange, bevor sie fähig war, die Kunst zum Nutzen einer anderen Person anzuwenden, und diese war ihre Mutter.
Im April 1979 wurde die Hüfte von Celestes Mutter bei einem Sturz zertrümmert. Das Trauma führte zu einer Stauungsinsuffizienz und zum Koma. Celeste rief Mary Burmeister an und fragte sie, ob Jin Shin Jyutsu für ihre Mutter eine Hilfe sein könne. Mary gab ihr Anweisungen, auf welche Stellen sie die Hände legen sollte. Am nächsten Tag stand Celeste am Bett der im Koma liegenden Mutter.
»Mary hatte mich angewiesen, wo ich meine rechte und wo ich meine linke Hand auflegen sollte«, erinnert sich Celeste. »Aber ich wußte nicht, was ich tat. Ich wußte nicht, was ich tun konnte, wenn überhaupt etwas.« Trotzdem begann Celeste, Jin Shin Jyutsu gemäß Marys Anweisungen auszuüben.
Celestes Mutter war mit einem Katheder versehen worden. Ein Plastikbeutel hing neben dem Bett, in den einige Zentimeter Urin getropft waren. Celeste hatte etwa fünfzehn Minuten Jin Shin Jyutsu ausgeübt, als sie aufsah und feststellte, daß der Beutel voll war und sogar überlief. Sie klingelte sofort nach der Schwester, die in das Zimmer stürzte. Als sie den Beutel sah, sagte die Schwester zu Celeste: »Das ist aber seltsam. Ich war doch gerade erst hier, und da war noch fast gar nichts im Beutel.«
Als die Schwester diese Worte sagte, öffnete Celestes Mutter die Augen und fragte: »Bist du das, Celeste?« Von dem Augenblick an ging es ihr allmählich besser. Schließlich genas sie vollständig. »Ich war schockiert und verwundert«, sagt Celeste. »Ich hatte auch Angst. Ich wußte nicht, daß ein einfacher Mensch wie ich solche Dinge tun konnte. Ich hatte akzeptiert, daß Mary eine solche Fähigkeit hatte. Aber nun mußte ich voller Demut feststellen, daß Menschen auch durch mich geholfen werden konnte.«
Celestes Erfahrung mit ihrer Mutter ist ein Beispiel für die wunderbare Zugänglichkeit von Jin Shin Jyutsu. Mit nur einem Minimum an Erfahrung war sie in der Lage gewesen, bei dem Heilungsprozeß ihrer Mutter entscheidend zu helfen. Jeder von uns hat das gleiche Potential. Ein Bewußtsein der Grundbegriffe und der Grundpraktiken von Jin Shin Jyutsu stellt ein wunderbares Werkzeug dar, den uns Nahestehenden Hilfe anzubieten. Und wie der folgende Erfahrungsbericht beschreibt, kann es auch in großem Maße zu unserer Fähigkeit beitragen, uns selbst zu helfen.
Im Jahre 1983 bekam Amy im Alter von 38 Jahren starke Gelenkschmerzen und -entzündungen. Zuweilen wurden die Schmerzen in ihren Knien und Füßen so stark, daß sie tagelang nicht gehen konnte. Zuerst dachte ihr Arzt, sie leide an rheumatoider Arthritis, aber das Vorhandensein bestimmter Gelenkleiden konnte durch Tests nicht bestätigt werden. Der Arzt verschrieb ihr sodann Kortison und andere entzündungshemmende Medikamente.
1985 zeigten Tests, daß sich Amys Leber vergrößert hatte. Weitere Tests einschließlich einer Leberbiopsie schlossen zwar Krebs aus, ergaben jedoch keine eindeutige Diagnose. In der Zwischenzeit verschlimmerten sich die Symptome. 1988 zeigten Tests deutlich, daß die Leber nicht richtig funktionierte. Der Arzt teilte Amy mit, daß sie an einer Bindegewebserkrankung litt, ein nicht-spezifischer Terminus für zahlreiche Störungen.
Schließlich stellten die Ärzte die Diagnose, daß Amy Lupus habe, eine Krankheit, bei der das Immunsystem des Körpers das Bindegewebe und lebenswichtige Organe, einschließlich des Gehirns und der Nieren, angreift.
Im Sommer 1990 nahm Amys Zustand eine dramatische Wende zum Schlechten. Anhand von Untersuchungen wurde festgestellt, daß die Nierenfunktion nur noch 50 Prozent ihrer Maximalleistung erbrachte. Der Nierenspezialist, der Amy betreute, informierte sie, daß sie bei einer Nierentätigkeit von 20 Prozent und darunter eine Dialyse benötigen würde.
Als es eigentlich schon nicht mehr schlimmer werden konnte, wurde Amy auch noch in einen Autounfall verwickelt, durch den sie sich starke Nackenschmerzen zuzog. Ironischerweise sollte der Unfall das Tor zur Gesundheit öffnen.
Zur Linderung der Nackenschmerzen begab sich Amy bei einer Masseurin namens Gina in Behandlung, die erst vor kurzem Jin Shin Jyutsu in ihre Behandlungsmethoden mit aufgenommen hatte. Dank der Massagen fühlte sich Amy besser, so daß sie sich drei Wochen lang täglich mit Jin Shin Jyutsu behandeln ließ. Schon bald erlebte sie eine bedeutende Verbesserung ihrer gesamten Kraft und Vitalität. Gleichzeitig besserte sich zum ersten Mal seit Jahren die Flüssigkeitsretention.
Im folgenden Monat wurden Amys Nieren wieder überprüft. Die Untersuchungen ergaben, daß die Nierenfunktion nunmehr bei 25 Prozent lag. Der Arzt erklärte ihr, daß bei einem weiteren Rückgang von 5 Prozent eine Nierentransplantation in Frage kommen werde. Im April 1994 zeigten Tests, daß die Nieren nur noch zu 21 Prozent funktionierten – gefährlich nah am Abgrund. In der Überzeugung, daß es nur noch eine Frage der Zeit war, meinten die Ärzte, daß in der nahen Zukunft entweder eine Nierentransplantation fällig sein werde oder eine regelmäßige Dialyse erforderlich sei.
»Nachdem ich die Testergebnisse erhalten hatte, verließ ich die Praxis meines Arztes und saß in meinem Auto. Ich dachte über meine Zukunft nach und was ich tun würde«, erinnert sich Amy. »Ich entschied mich in jenem Augenblick, daß ich keine Transplantation und keine Dialyse wollte. Ich wußte nicht, was genau ich tun würde, aber ich wollte keine der beiden Möglichkeiten akzeptieren.«
Als nächstes rief sie Marys Sohn, David Burmeister, im Jin-Shin-Jyutsu-Büro in Scottsdale an. David ermutigte Amy, sich weiterhin der medizinischen Versorgung zu unterziehen und empfahl ihr Marilyn, eine langjährige Praktikerin, die in Amys Heimatstadt Dallas arbeitete.
Im Mai 1994 ging Amy zum ersten Mal zu ihr. »Ich wußte während der ersten Behandlung bei Marilyn, daß etwas Besonderes mit mir geschah«, erinnert sich Mary. »Es schien, als ob ein Gewicht von meinem Körper gehoben würde.« Bald hatte Amy so viel Energie, daß sie nicht mehr wußte, was sie mit sich anfangen sollte. »Eines Tages fühlte ich mich so lebendig und voller Energie, daß ich alle Fußleisten in meinem Haus putzte.«
Von Mai an ging Amy zwei- bis dreimal wöchentlich zu Marilyn und einmal wöchentlich zu Gina. In der Zwischenzeit waren ihr eine Vielzahl von Jin-Shin-Jyutsu-Selbsthilfeübungen gezeigt worden, die sie täglich anwenden konnte, um ihren Zustand zu verbessern.
Laut Gina war es Amys unermüdlichem Einsatz bei den Jin-Shin-Jyutsu-Selbsthilfeübungen zu verdanken, daß der entscheidende Wendepunkt herbeigeführt wurde. Im August 1994 hatte Amy wieder eine Nierenuntersuchung. Diesmal war eine gravierende Veränderung eingetreten. Die Testergebnisse zeigten, daß die Nierenfunktion nun 30 Prozent betrug. Der Arzt wunderte sich über die Verbesserung. »Wenn Sie 40 Prozent erreichen«, sagte er ihr, »lerne ich dieses Jin Shin Jyutsu selbst.« Amys gesundheitlicher Zustand verbesserte sich ständig. Im August 1995 zeigte ein weiterer Test, daß ihre Nierenfunktion nun bei 43 Prozent lag. Jeder kann sich vorstellen, was das für sie bedeutete. Ihre Begeisterung führte sie schließlich dazu, einen Jin-Shin-Jyutsu-Kurs zu belegen und zu lernen, wie sie die Anwendungen für sich und ihre Familie einsetzen konnte. Sie faßt ihre Erfahrungen folgendermaßen zusammen: »Im Mai 1994, als es so aussah, als wären Nierentransplantation oder Dialyse unausweichlich, erzählte ich einem Freund, daß ich nicht glaube, sterben zu müssen, sondern daß ein Wunder geschehen werde. In gewisser Weise wurde ich zu dieser Heilkunst geführt. Hätte es Jin Shin Jyutsu nicht für mich gegeben, dann hinge ich heute an der Dialyse oder wäre vielleicht schon tot.«
Wie der vorangegangene Erfahrungsbericht deutlich zeigt, kann Jin Shin Jyutsu ganz normale Menschen dazu befähigen, sich selbst oder anderen auf scheinbar außergewöhnliche Weise zu helfen. Es ist unsere Hoffnung, dem Leser mit diesem Buch die Gelegenheit zu geben, das Gleiche zu tun. Wir haben dieses Buch eher für den Laien geschrieben als für den ernsthaften Praktiker. Es kann jedoch für beide ein nützliches Nachschlagewerk sein.
Es folgt ein Überblick über die wesentlichen Vorstellungen und Praktiken von Jin Shin Jyutsu, wie sie ursprünglich vom Meister Jiro Murai niedergelegt worden sind. Bis zum jetzigen Zeitpunkt mußte jeder, der sich diese Informationen beschaffen wollte, entweder einen autorisierten Jin-Shin-Jyutsu-Kurs belegen oder Mary Burmeisters Texte lesen. Um diese Ideen jedoch auch einer breiteren Leserschaft zugänglich zu machen, haben wir versucht, sie auf unkomplizierte Weise zu beschreiben. Um die besondere Art von Marys ursprünglichen Lehren zu erhalten, haben wir zahlreiche Zitate aus ihren Texten und Vorträgen übernommen. Diese erscheinen im allgemeinen zu Beginn jedes Abschnitts.
Schließlich möchten wir betonen, daß es nicht die Absicht dieses Buches ist, eine definitive umfassende Abhandlung zum Thema Jin Shin Jyutsu zu sein. Die vielen Facetten und Schichten dieser Heilkunst würden seinen Rahmen sprengen. Wer das hier beschriebene Material erweitern möchte, wird aufgefordert, einen autorisierten Jin-Shin-Jyutsu-Kurs zu belegen. Wer interessiert ist, kann sich für weitere Informationen an die Jin-Shin-Jyutsu-Kontaktstelle in Scottsdale wenden. Die Adresse mit Telefonnummer ist im Anhang aufgeführt.
Für die meisten Leser sind die Grundbegriffe und die Grundübungen, die im Mittelpunkt dieses Buches stehen, mehr als ausreichend. Sie stellen eine breite Auswahl an Hilfsmitteln dar, mit denen die körperliche, seelische und geistige Gesundheit ins Gleichgewicht gebracht werden können. Sie können in Verbindung mit herkömmlichen Behandlungsmaßnahmen eingesetzt werden, um den Heilungsprozeß bei sich selbst und bei anderen zu unterstützen. Oder sie können vorbeugend angewendet werden, um das Grundgefühl der Harmonie und des Wohlbefindens aufrechtzuerhalten. Schließlich ermöglicht es Jin Shin Jyutsu, Kenntnis von uns selbst zu erlangen und die lange in uns verborgene innere Fähigkeit wiederzuentdecken, die Qualität unseres Lebens nachhaltig zu verbessern.
Eine Studentin, die sich gerne mit der Heilkunst des Jin Shin Jyutsu vertraut machen wollte, besuchte ihren ersten Kurs. Während der Mittagspause stellte sich die Studentin der Lehrerin Mary Burmeister vor. Sie gab zu, sich ein wenig überfordert zu fühlen: »Ich weiß leider überhaupt nichts über Jin Shin Jyutsu.«
Mary lächelte und sagte: »Sie wissen bereits alles darüber.«
W
